Mehrkanal to go: Das Lautsprecher-Orchester

Sie lassen sich in Bäume hängen, im Kreis aufstellen oder einfach unter den Arm klemmen: Im InnoLab des ligeti zentrums entwickelten Marcus Weseloh und Prof. Dr. Jacob Sello 2024 die ersten Snappi-Lautsprecher aus klassischen Industriekomponenten und 3D-gedruckten Gehäusen. Anders als herkömmliche Stereo-Lautsprecher lassen sich diese kugelrunden, kabellosen Lautsprecher per WLAN-Verbindung in beliebigen Anordnungen miteinander verbinden und kombinieren. Sie bieten Mehrkanal-Klangbilder zum Mitnehmen – und laden mit nur rund 100 Euro Materialkosten und quelloffener Software auf GitHub zum Selbstbau ein.

Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt

Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello
Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello

Während der Sound selbst zu Beginn noch im zentralen Fokus der Entwicklung stand, geht es mittlerweile vor allem um die Optik und das passende Größenverhältnis. „Ich baue fast ausschließlich unterschiedliche Lautsprecher“, erklärt Jacob Sello und kommt auf die Vor- und Nachteile zu sprechen. Wer das perfekte Surround-System suche, sei in technisch aufwendig ausgestatteten Studios wie dem Production Lab des ligeti zentrums oder dem Multifunktionsstudio der HfMT nämlich noch immer am besten aufgehoben. Anstelle einer präzisen Verräumlichung ließen die Snappi-Lautsprecher neue künstlerische Strategien in den Fokus rücken – im Theaterkontext zum Beispiel, oder bei Live-Performances im öffentlichen Raum. „Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt“, ist der InnoLab-Leiter überzeugt. „Mir geht es um die Flexibilität und eine schöne Erlebnisqualität. Mit Snappi-Lautsprechern kann ich mir ein Surround-System im Park aufhängen. Oder ich habe Personen, die den Sound quer durch den Raum tragen.“ Vor allem das batteriebetriebene, frei skalierbare Setup böte praktische und sicherheitstechnische Vorteile. „Man muss sich schlichtweg keine Gedanken über Kabel, Stolperfallen, Hänge- oder Installationsfehler machen.“

Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor

Mittlerweile verfügt das InnoLab über rund 25 Snappi-Lautsprecher. „Ich verstehe die Lautsprecher als ein Orchester mit verschiedenen Stimmen“, erklärt Jacob Sello. „Natürlich singt eine Bassstimme anders als ein Sopran. Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor.“ Der Code der Snappi-Software steht über GitHub längst frei und offen bereit. Und das nächste Gehäuse? Das entsteht mit dem Start des 3D-Druckers.

Titelfoto: Prof. Dr. Jacob Sello
Dieser Beitrag erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 

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Diskurs in Fragmenten: Über einen Sound-Sampler, der sich dem Zufall bedient

Er stand unter anderem schon auf dem Kanalplatz des Harburger Binnenhafens, auf Kampnagel, vor dem Lüneburger Theater und auf einem Schulhof in Neugraben-Fischbek – der record-o-mat, eine alte grüne Telefonzelle, die Passanten zum Innehalten und Sprechen einlädt. Dort, wo früher einmal ein Hörer war, leuchtet heute ein roter Schriftzug. „rec“, kurz für „record“, signalisiert, dass der record-o-mat aufnahmebereit ist. Wer ins Mikrofon spricht, findet den eigenen Beitrag kurz darauf in einer Soundkomposition wieder. Zunächst aber übernimmt der Zufall.

Der record-o-mat fragmentiert die Beiträge, vermischt sie zufällig und kombiniert die Audiofragmente kontinuierlich neu. Den zufallsbasierten Audio-Sampler entwickelten Joana Welteke und Nadja Rix 2019 im gemeinsamen Bachelorstudiengang Expressive Arts in Social Transformation an der MSH Medical School Hamburg. Seither optimieren sie die Technologie und das äußere Erscheinungsbild des record-o-mats – auch im ligeti zentrum.

record-o-mat – Telefonzelle auf dem Hafenplatz des Harburger Binnenhafen
Auf dem Hafenplatz des Harburger Binnenhafens kam die grüne Telefonzelle für die Feedbackgenerierung zum Einsatz

Aus Idee wird Konzept

Seine erste Soundcollage schnitt das Duo in einem freiwilligen Semesterprojekt. Doch das Arrangieren und Komponieren der Audioaufnahmen rückte alsbald eine grundlegende Erkenntnis in den Vordergrund. „Uns fiel auf, wie viel Macht wir haben“, erklärt Joana Welteke. „Zu entscheiden, welches Audiofragment bleiben darf und welches nicht.“ Diese Entscheidung galt es, auszulagern.

Wie so häufig, wenn Ideen auf fruchtbaren, kreativen Boden fallen, ging es plötzlich ganz schnell. „Wir brauchen ein Aufnahmetool und stellen es in den öffentlichen Raum“, erinnert sich Joana Welteke an den Ideenprozess, der innerhalb weniger Minuten das Grundgerüst des Konzepts offenbarte. „Und dann brauchen wir etwas, wo wir es reinbauen – eine Telefonzelle!“

Auf dem Gebrauchtmarkt wurden die Sozialkünstlerinnen fündig. Die grün gestrichene Telefonzelle stand zuvor auf einem Campingplatz und entsprach genau der Vision: Sie war bezahlbar und weder heruntergekommen noch perfekt restauriert – das goldene Mittelmaß, schließlich sollte sie Menschen im öffentlichen Raum ansprechen und einladen, eigene Aufnahmen einzusprechen.

Um den zufallsbasierten Algorithmus auch für Zuhörende und passive Passanten interessant zu machen, schraubten die Entwicklerinnen schon bald an den ersten Parametern. Damit der Sound-Sampler neu eingesprochene Beiträge möglichst zeitnah verwertet, integrierte Joana Welteke etwa Wahrscheinlichkeiten. „Menschen sollen Lust bekommen, die Telefonzelle erneut zu betreten und vielleicht sogar auf sich selbst zu reagieren“, erläutert Nadja Rix. Um den spielerischen Charakter zu unterstreichen und die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu fördern, kommen neben Overlappings und Pausen mittlerweile auch Echos, Pitch- und Lautstärkevariationen zum Einsatz. „Das macht die Aufnahmen zu einer Art Komposition, die auch künstlerisch anmutet.“

Eine schwarze Telefonzelle im Foyer des Hamburger Schauspielhauses: Wer in den Hörer spricht, hört Fragmente der eigenen Beiträge schon bald in der Soundcollage

Filtern oder nicht filtern?

Je nach Einsatzort des record-o-mats wandele sich die einleitende Fragestellung. So konnte die Technologie bereits als Gästebuch, zur Feedbackgenerierung und im Kontext der Erinnerungskultur genutzt werden. Was immer gleich bleibe, seien das zugrundeliegende Zufallsprinzip und der Reiz, nicht immer alles kontrollieren zu können.

Mit den Chancen und Risiken des Unvorhersehbaren beschäftigen sich die Sozialkünstlerinnen auch in anderer Hinsicht. Schließlich kontrollieren auch sie nur bedingt, was Besuchende in den record-o-mat einsprechen. „Natürlich möchten wir nicht, dass etwas Illegales wiedergegeben wird“, sagt Nadja Rix. Nahe des Aufnahmeknopfes sei deshalb auch immer ein Hinweis angebracht: Sollten inhaltlich problematische oder gar strafbare Fragmente abgespielt werden, könne man mit eigenen Aufnahmen dagegen anarbeiten oder sich auf direktem Wege bei den Entwicklerinnen melden. Im Zweifel werde das System neu gestartet und der Inhalt zurückgesetzt. „Einen Filter einzusetzen, ist natürlich eine hochpolitische Angelegenheit“, räumt Nadja Rix ein. „Anstatt Aufnahmen vollends zu löschen, würden wir problematisches Material lieber transformieren.“ Eine Idee sei es, entsprechende Fragmente rückwärts abzuspielen. „Dann ist der Inhalt nicht mehr erkennbar, aber sehr wohl, dass sich in der Aufnahme etwas wiedergefunden hat, was nicht in Ordnung gewesen ist.“

record-o-mat – RISE_Neugraben Fischbek_Telefonzelle auf einem Schulhof
Mal Telefonzelle, mal handliches Telefon: Die Technologie des record-o-maten setzen die Entwicklerinnen Joana Welteke und Nadja Rix in vielfältigen Kontexten ein

Diskurs dank Telefonapparat

Um all diese Ideen in die Programmierung zu integrieren und den Sound-Sampler mittelfristig zu einem skalierbaren Tool voranzutreiben, arbeitet Joana Welteke im ligeti zentrum an neuen Prototypen. Zugleich entstehen stetig neue Verbindungen und Kooperationen – mit externen Partnern aus der Region ebenso wie mit Mitgliedern des ligeti zentrums. So entstand nicht zuletzt der diskurs-o-mat, eine mobile und handliche Version des record-o-mats, verpackt in einem alten Gabeltelefon, das ohne großen Aufwand in Innenräumen genutzt werden kann. Auch in anderen Projekten und einer Residency kam der Algorithmus bereits zum Einsatz. Das Ziel – „die Ur-Idee“ der Telefonzelle und ihrer integrierten Technologie – aber bleibe noch heute dieselbe wie ganz zu Beginn: „Wir möchten, dass der record-o-mat durch die ganze Stadt wandert und Dialoge fördert. Zum Beispiel an den Endhaltestellen von U-Bahn-Linien, von der HafenCity bis Billstedt oder Mümmelmannsberg.“

Titelfoto: Piet Koenekoop
Dieser Beitrag erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 

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Sound Bananas auf der Ars Electronica: Ein spielerischer Zugang zu Klang und Bewegung

Wie klingt eine Schaukelbanane? Auf dem Ars Electronica Festival in Linz konnten Besucher:innen das selbst herausfinden. Mit seiner interaktiven Installation Sound Bananas war Quirin Nebas vom Artistic Research Lab des ligeti zentrums vom 9. bis 13. September 2026 beim international renommierten Medienkunstfestival vertreten. Die positive Resonanz und zahlreiche neue Kontakte gaben wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Projekts Klangskulpturen.

Seit 1979 bringt das Ars Electronica Festival Kunst, Technologie und Gesellschaft zusammen. Unter dem Motto „Negotiating Humanity – Future Begins“ verwandelte es vom 9. bis 13. September 2026 zahlreiche Orte im österreichischen Linz in Ausstellungsräume für internationale künstlerische und technologische Projekte. Im OK Quarter, genauer gesagt im Elisabethinengarten, lud Quirin Nebas die Besuchenden dazu ein, mit seinen Sound Bananas Klänge durch Bewegung zu erzeugen und gemeinsam zu experimentieren.

„Es war auf jeden Fall ein sehr guter Test“, resümiert Quirin Nebas seinen Festivalauftritt. Besonders wertvoll sei es gewesen, die eigene Arbeit im internationalen Kontext zu erleben und mit anderen Projekten zu vergleichen. „Die Bananenen-Installation hat mir eine gute Grundlage gegeben, zu verstehen, wie die anderen Installationen des Projekts funktionieren müssen.“

Klangskulpturen auf dem Ars Electronica Festival 2026: Im Elisabethinengarten stellte Quirin Nebas (Artistic Research Lab) die Installation „Sound Bananas“ aus | Foto: Quirin Nebas
Klangskulpturen auf dem Ars Electronica Festival 2026: Im Elisabethinengarten stellte Quirin Nebas (Artistic Research Lab) die Installation „Sound Bananas“ aus | Foto: Quirin Nebas
Klingende Schaukelbananen im Elisabethinengarten in Linz: Auf dem Ars Electronica Festival konnten Besucher:innen die interaktive Installation testen | Fotos: Quirin Nebas

Schaukelbananen, die zum Musizieren einladen

Die Sound Bananas bestehen aus bananenförmigen Schaukelobjekten mit integrierter Elektronik. Wer sich daraufsetzt, wippt oder die Objekte in Bewegung versetzt, erzeugt musikalische Klänge. Die Installation lädt dazu ein, den eigenen Körper als Instrument zu entdecken und Klang auf spielerische Weise zu erfahren. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig aktiv werden und ihre Bewegungen zu einem gemeinsamen Klangerlebnis verbinden.

Das Konzept ging in Linz auf: Auf den gut besuchten Festivaltagen nutzten zeitweise rund 100 Menschen pro Stunde die Installation. Die Rückmeldungen fielen positiv aus. Besonders Kinder und Jugendliche probierten die Bananen mit großer Begeisterung aus. Aber auch Erwachsene und ältere Besucher:innen ließen sich auf das ungewohnte Instrument ein. Die einfache Bedienung erwies sich dabei als besondere Stärke. Wer das Konzept einmal verstanden hatte, konnte direkt loslegen. Eine kurze Anleitung vor Ort half zusätzlich beim Einstieg.

Weniger ist manchmal mehr

Für den Sounddesigner Quirin Nebas bot der Festivalauftritt auch eine Gelegenheit, die eigene künstlerische Herangehensweise zu reflektieren. Zwischen zahlreichen technisch aufwendigen und interaktiven Arbeiten sei die intuitive Nutzung der Sound Bananas positiv hervorgestochen. „Ein einfaches Konzept zahlt sich aus“, lautet eine der zentralen Erkenntnisse. Gerade auf einem mehrtägigen Festival mit vielen unterschiedlichen Eindrücken müsse eine Installation schnell zugänglich sein, ohne dabei an Tiefe zu verlieren, so der Projektverantwortliche.

Die Sound Bananas setzen genau hier an: Ihre Funktionsweise ist unmittelbar erfahrbar, während das Zusammenspiel der Klänge Raum für eigene Entdeckungen lässt. Wer gemeinsam mit Freund:innen oder Fremden musiziert, kann gezielt aufeinander reagieren. Doch auch ohne vorherige Absprache entsteht ein gemeinsamer Klangraum, in dem die Bewegungen und Töne verschiedener Menschen gleichzeitig hörbar werden.

Sound Bananas, The Ear Wants to Hear | Foto: Quirin Nebas
Die Installation „Sound Bananas“ ist ein Teil der interaktiven Ausstellung „The Ear Wants to Hear“ | Foto: Quirin Nebas

Perspektiven für die Zukunft

Für die Weiterentwicklung der Sound Bananas nimmt Quirin Nebas vor allem technische Erkenntnisse mit: Bei der intensiven Nutzung zeigten sich vereinzelte Probleme mit Kabelverbindungen. Um die Installation skalierbar zu machen, soll nun nachgebessert werden. Das grundlegende Konzept habe sich dagegen bewährt. So habe die Ars Electronica gezeigt, wie viel Potenzial in einem einfachen, körperlich erfahrbaren Zugang zu Klang steckt – und wie aus individuellen Bewegungen ein gemeinsames Erlebnis entstehen kann.

The Ear Wants to Hear – Ausstellung im Dezember nochmal erleben

Im Sommer 2026 waren die Sound Bananas bereits als Teil einer Solo-Ausstellung des Projekts Klangskulpturen zu sehen. Die Ausstellung The Ear Wants to Hear – Interaktive Klangskulpturen wird am Tag der offenen Tür des ligeti zentrums (5. Dezember 2026) auf dem Exhibition Floor im 7. Stock erneut ausgestellt. Dann heißt es wieder: schaukeln, ausprobieren und experimentieren.

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Save the Date! 5.12.2026 – Tag der offenen Tür im ligeti zentrum

Disziplinen im Dialog – Entdecke, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit & Technologie gemeinsam klingen! Am 5. Dezember 2026 öffnet das ligeti zentrum zum zweiten Mal alle Türen zu seinen Projekten und Labs. Die diesjährigen Highlights: ein zusätzlicher Exhibition Floor mit interaktiven Ausstellungen und ein Science-Slam im Production Lab.

Interdisziplinarität ist ein Wort, das uns im akademischen Alltag immer wieder begegnet. Aber wie sieht die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen in der Praxis aus? Diese Frage beantwortet das ligeti zentrum seit 2023 in Hamburg-Harburg. In seinen zwei Clustern – „Musik und Gesundheit“ und „Ideen-, Wissens- und Technologietransfer“ – arbeiten Wissenschaftler:innen und Künstler:innen von HfMT, HAW, TUHH und UKE gemeinsam an den gesundheitsfördernden Potenzialen von Klang und Musik, an neuen Technologien für die künstlerische Arbeit sowie an multimedialen Formaten, die gesellschaftliche Teilhabe und öffentlichen Austausch fördern. Das Ergebnis: Skulpturen, die über die eigene Körperbalance zum Klingen gebracht werden. Roboter, die musizieren. Instrumente, die in der Mixed Reality gespielt werden. Gemälde, die klingen und virtuell zum Greifen nah erscheinen. Sensoren für die präventive Bewegungsanalyse von Musikern – und vieles mehr.

Die Vielfalt des ligeti zentrums lässt sich besser zeigen als erklären

Insgesamt mehr als 35 Projekte kurz und verständlich zu erklären, sei manchmal gar kein so leichtes Unterfangen, erklärt Nadine Schwalb. Als Leiterin der Agentur für Vermittlung und gesellschaftliche Teilhabe kuratiert sie das ganze Jahr über ein buntes Veranstaltungsprogramm für Kinder, Familien und Erwachsene. Mit Blick auf das große Ganze ist sie überzeugt: „Die Vielfalt des ligeti zentrums lässt sich besser zeigen als erklären.“ Rückblickend auf Projekte, die zu individuellen Ausstellungen herangewachsen sind, zahlreiche öffentliche Workshops und interaktive Performances sowie regionale und überregionale Kooperationen, die das ligeti zentrum in diesem Jahr prägten und vorantrieben, endet 2026 daher erneut mit einer gebündelten Präsentation von Projekten, Ideen und Fragestellungen.

Disziplinen im Dialog: Entdecke, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit & Technologie gemeinsam klingen!

Am 05. Dezember 2026 ist es wieder soweit: Das ligeti zentrum lädt zu seinem zweiten Tag der offenen Tür ein. Unter dem diesjährigen Motto „Disziplinen im Dialog“ können Besucher:innen und Interessierte von 11 bis 18 Uhr entdecken, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit und Technologie gemeinsam klingen.

Auf zwei Stockwerken gibt es Prototypen und Demos zum Testen, Musikdarbietungen zum Lauschen und viele interaktive Formate zum Mitreden und Mitmachen. Ein Highlight: ein zusätzlicher Exhibition Floor, auf dem die interaktiven Ausstellungen „The Ear Wants to Hear“ und „Moving Sound Pictures“ zu sehen sind. 

strg+alt+ligeti: Vier Projekte im Wettbewerb – ein Science-Slam des ligeti zentrums

Den Abschluss des Tages feiern wir ab 19 Uhr mit einem besonderen Format. Beim Science-Slam „strg+alt+ligeti“ geben vier Mitglieder des ligeti zentrums ihre Forschung zum Besten. Das Ziel: das Publikum begeistern, inspirieren und mitreißen – und das in nur zehn Minuten und auf humoristische Art. Wem das am besten gelingt? Darüber entscheiden der Applaus und die Publikumsjury! 

Komm uns am 5. Dezember 2026 im ligeti zentrum besuchen! 

Tag der offenen Tür: 11–18 Uhr 
Science Slam: 19–21 Uhr 

ligeti zentrum, Veritaskai 1, 21079 Hamburg 

 

Weitere Informationen und das vollständige Programm folgen in Kürze.

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Bessere Erkenntnisse durch gute Feldarbeit: Worauf es bei der Rekrutierung von Meinungsgebenden ankommt!

Ende 2024 suchte ich für einen UX-Test einen Rekrutierungspartner. Der Screener war ungewöhnlich umfangreich, die Auswahlkriterien komplex, die Quoten eng gefasst. Alles basierte auf umfangreichen Persona-Beschreibungen.

Als ich unserem Kunden berichtete, wie schwierig die Suche nach Felddienstleistern war, fragte er:
„Hast du schon Helena von VISiiO angefragt?“.
Ich kannte Helena nicht, folgte aber natürlich der Kundenempfehlung, und bereute es keine Sekunde.

Auch für Helena und ihr Team war die Aufgabe anspruchsvoll. Sie stellten jedoch umgehend wichtige Fragen: „Welche Merkmale sind zwingend nötig? Warum wird das abgefragt? Habt ihr daran gedacht, dass …!“. Noch vor der Beauftragung bekam ich eine kostenlose, wertvolle „Screener-Beratung“. Helena und ihr Team sahen sich sofort als Partner und Lösungsfinder. Sie wollten verstehen, hinterfragten Vorgaben und dachten mit. Diese Haltung schätze ich bis heute.

Ich besprach ihre Anregungen mit unserem Kunden, wir überarbeiteten die Kriterien und Quoten – und erhielten passende, kommunikative, auskunftsfähige und motivierte  Meinungsgebende: Menschen, deren Erfahrungen uns halfen, die Forschungsfragen zu beantworten und eine fundierte Grundlage für Entscheidungen zu schaffen.

Seit 2025 sind Helena und ich im engen, fachlichen Austausch.

Helena Berghoff von VISiiO im Portrait

Helena Berghoff

Helena hat ihr Unternehmen VISiiO insights 2011 gegründet und führt es seitdem. Sie ist begeisterte Läuferin, Mutter von zwei Kindern und Kölnerin mit Leib und Seele.

Ihre Leidenschaft gilt Menschen und ihren Meinungen.

Für unser Interview wollte ich von ihr genauer wissen, was gute Rekrutierung ausmacht:
Wann helfen Personas, wann führen sie in die falsche Richtung?
Wie erkennt und vermeidet man Fehlrekrutierungen?
Was motiviert Menschen, über Wochen an einer Studie mitzuwirken?
Und was können Auftraggeber selbst zur Qualität der Feldarbeit beitragen?

Helena gibt in unserem Gespräch tiefe Einblicke in eine Arbeit, die für die Qualität der Erkenntnisse aus Studiendaten entscheidend ist – und die doch oft im Hintergrund bleibt und zu wenig Wertschätzung erfährt.

Ich mag das gern ändern!

Personas geben Orientierung – gute Rekrutierung braucht konkrete Studienziele!

Einige, vielleicht sogar die meisten UX- und User-Researcher:innen arbeiten mit Personas. Einmal erstellt, werden sie über längere Zeit hinweg für Studien und in der täglichen Projektarbeit genutzt. Felddienstleister erhalten Persona-Beschreibungen als Grundlage, um passende Teilnehmende für Tests, Fokusgruppen oder Umfragen zu rekrutieren.
Wie sind deine Erfahrungen mit Rekrutierung auf Basis von Personas? Wo funktioniert das gut – und wo wird es problematisch?

Helena: Rekrutierung auf Basis von Personas funktioniert gut, wenn die Persona als Orientierung für relevante Lebenssituationen, Verhaltensweisen und Bedürfnisse dient – nicht als starre Checkliste.

Problematisch wird es, wenn ältere Persona-Beschreibungen ungeprüft für neue Studien übernommen werden oder wenn Merkmale wie Alter, Beruf, Wohnsituation oder Einstellungen an die Stelle des tatsächlich relevanten Verhaltens treten.

„Eine Persona kann ein guter Startpunkt sein, sie ersetzt aber keine studienspezifische Zielgruppendefinition!“

Was noch wichtig wäre zu erwähnen, ist der Erhebungs-Prozess zur Beschreibung von  Personas: Ist dieser entlang der „Zielgruppen-Wahrscheinlichkeiten“ verlaufen oder hat man interne Bilder („Schablonen“) kreiert, für die man passende Personen draußen in der Welt sucht?

Screening: Konstanz schafft Vergleichbarkeit, Anpassung sichert Relevanz!

Ja, das kann ich bestätigen, liebe Helena: Gute Personas entstehen aus tiefgehenden (qualitativen) Erkenntnissen über reale Menschen, über ihre Lebenssituationen, Bedürfnisse und ihr tatsächliches Verhalten. Daraus werden dann Muster verdichtet, die für die jeweilige Zielgruppe relevant sind. Lass uns zurückgehen zum Prozess der Zusammenarbeit auf Basis von Persona-Beschreibungen.

Wenn Personas einmal definiert sind, entsteht leicht die Versuchung auch beim Screening immer wieder auf dieselben Kriterien zurückzugreifen – naheliegend, irgendwie, vermutlich spart es Abstimmungsaufwand intern und gibt ein Gefühl von Sicherheit. Wann ist dieser Sicherheit, wann ist Konstanz beim Screening sinnvoll – und wann sollte man die Rekrutierung stärker an Methode, Fragestellung oder Erkenntnisinteresse einer Studie anpassen?

Helena: Beim Screening ist Konstanz sinnvoll, wenn bestimmte Kriterien für wiederkehrende Tests tatsächlich unverändert relevant sind – etwa die Nutzung eines Produkts oder ein bestimmter Erfahrungsstand. Das schafft Vergleichbarkeit und erleichtert die Zusammenarbeit.

Die Kriterien sollten jedoch regelmäßig überprüft und an Methode, Fragestellung und Erkenntnisziel angepasst werden. Für eine explorative Studie können andere Teilnehmende passend sein als für einen Usability-Test, der konkrete Nutzungserfahrung voraussetzt.

„Ein wiederverwendbares Screening-Gerüst hilft, ein unverändertes Screening für jede Studie kann dagegen systematisch die falschen Personen auswählen.“ 

Wer neue Nutzungssituationen erkunden will, braucht womöglich andere Teilnehmende als ein Team, das einen konkreten Ablauf testen möchte. Ein gemeinsames Grundgerüst spart Zeit. Die Kriterien sollten aber nicht einfach ungeprüft übernommen werden.

Qualität in der Feldarbeit beginnt mit einem guten Briefing!

Wer entscheidet eigentlich über die Vergabe von Rekrutierungsanfragen und -aufträgen?
Welche Rollen und Aufgaben haben die entscheidenden Personen typischerweise in Unternehmen, Agenturen oder Marktforschungsinstituten?

Helena: Wer eine Rekrutierung beauftragt, ist je nach Organisation unterschiedlich. In Marktforschungsinstituten und in Unternehmen kommen die Anfragen in der Regel von Projektleitern oder vom sogenannten Feldmanagement. In Agenturen kümmern sich meist Projekt- oder Research-Leitung darum.

Ich höre immer wieder von Moderator:innen oder Interviewer:innen, die von sehr frustrierenden Situationen berichten: Sie starten eine Studie, sitzen in einer Remote-Interview-Session oder in einem Gruppendiskussionsraum, und merken bereits nach wenigen Minuten, dass die Teilnehmenden eigentlich gar nicht geeignet sind.
Kennst du solche Situationen aus deiner Erfahrung? Und was kann man tun, um solche Fehlrekrutierungen möglichst zu vermeiden?

Helena: Ja, solche Fehlrekrutierungen kommen vor: Im Gespräch zeigt sich dann etwa, dass jemand ein Produkt nicht in der Frequenz nutzt oder ein Produkt mit einem anderen verwechselt hat , die eigene Erfahrung nicht konkret beschreiben kann oder die Auswahlkriterien anders verstanden hat als erwartet.

Das lässt sich durch ein präzises Briefing, verhaltensnahe Screening-Fragen und eine Überprüfung der Antworten auf Schlüssigkeit während des telefonischen Screenings reduzieren. Bei anspruchsvollen Zielgruppen oder besonders wichtigen Studien hilft ein sehr ausführliches Vorgespräch, die studienspezifische Passung bzw. Eignung der Teilnehmenden vorab einzuschätzen.

„Auch müssen Rekrutierungspartner frühzeitig wissen, welche Kriterien unverzichtbar sind und wo Flexibilität möglich ist.“

Ein gemeinsames Briefing seitens des Aufraggebers zum Projektstart kann in der Regel sehr positiven Einfluss auf das gesamte Projekt ausüben, indem man mit uns wichtige Hintergrundinformationen zur Studie teilt, die uns helfen in den Screening-Gesprächen die richtigen Akzente zu setzen oder Nuancen im Aussageverhalten der potentiellen Teilnehmenden besser zu deuten und die Auswahl zu verfeinern.

Das hat unmittelbaren Einfluss auf den Qualitäts-Output der Rekrutierung!

Blackbox Rekrutierung? – gute Feldarbeit ist transparent und nachvollziehbar!

Woran merkt man eigentlich, dass eine Studie mit den falschen Teilnehmenden durchgeführt wurde?

Helena: Falsche Teilnehmende erkennt man oft daran, dass ihnen der Bezug zur untersuchten Situation fehlt. Sie können wichtige Aufgaben nicht nachvollziehen oder bleiben bei ihren Antworten sehr allgemein, statt von konkreten Erlebnissen zu erzählen.

Manchmal zeigt sich auch, dass mehrere Personen die Auswahlkriterien ganz unterschiedlich verstanden haben. Einzelne ungewöhnliche Antworten beweisen noch keine Fehlrekrutierung.

„Entscheidend ist, ob die Stichprobe insgesamt die Forschungsfrage beantworten kann.“

Ebenso problematisch sind stark voneinander abweichende Interpretationen der Screening-Kriterien oder eine Gruppe, die zwar z.B. zu einer Persona passt, aber nicht zum Ziel der Studie.

Uns passiert das aber so gut wie nie.

Wie geht ihr bei VISiiO vor, um genau solche Situationen zu verhindern, um Fehlrekrutierungen zu vermeiden?
Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine qualitativ hochwertige Rekrutierung?

Helena: Bei VISiiO setzen wir auf passgenaue, nachvollziehbare Rekrutierung statt auf eine Black-Box-Auswahl.

Dazu gehören ein gemeinsames Verständnis der Zielgruppe und Ausschlusskriterien, die Prüfung von Screening-Antworten und – je nach Projekt – eine zusätzliche Einschätzung der Eignung vor dem finalen Einsatz.

Bei schwierigen Zielgruppen oder erhöhtem Qualitätsbedarf kann eine unabhängige Prüfung der Profile und Dokumentation sinnvoll sein (gemeinsam mit unserem Auftraggeber).

Für uns sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren

  • ein gutes Briefing,
  • präzise und verhaltensnahe Kriterien,
  • transparente Kommunikation,
  • realistische Zeitplanung sowie die
  • Bereitschaft, bei neuen Erkenntnissen/Abweichungen nachzusteuern.

Unser Motto ist „über den Screener hinausdenken“, die unmittelbaren Screening-Erlebnisse mit der Zielgruppe reflektieren und in einen Zusammenhang mit den Zielen der Studie setzen.

So findet ein Auswahl- und Reinigungs-Prozess innerhalb der Rekrutierung statt. Das Ergebnis sind dann gute und sehr engagierte Meinungsgebende.

Was Studienteilnehmende motiviert – und über Wochen engagiert hält!

Du beschäftigst dich intensiv mit der Motivation von Menschen, die an qualitativen Studien teilnehmen. Was treibt Menschen an, sich bei Studien zu engagieren und ab und an auch über mehrere Tage oder Wochen bei einer Tagebuchstudie aktiv mitzuwirken?

Helena: Oft spielen Neugier und der Wunsch eine Rolle, die eigene Erfahrung einzubringen. Auch ein persönlicher Bezug zum Thema und eine faire Aufwandsentschädigung können motivieren.

Bei einer Tagebuchstudie oder einer Online-Community über mehrere Tage oder Wochen kommt noch etwas dazu: Die Aufgaben müssen verständlich und gut machbar sein (keine monotonen Abfragen), die Betreuung sollte verlässlich sein und die Teilnehmenden sollten merken, dass ihre Beiträge ernst genommen werden.

Eine wichtige Rolle spielt auch, dass die Teilnehmenden sich im besten Fall intuitiv z.B. auf einer Community-Plattform bewegen können, ohne technische Hürden, die demotivierend wirken oder sogar zu Abbrüchen führen können.

Gute Rekrutierung braucht Austausch – und das schon vor dem Auftrag!

Lass uns noch einmal auf die Zusammenarbeit zwischen UX-/User-Research-Teams und Rekrutierungspartnern schauen. Wie sieht aus deiner Erfahrung eine gute Zusammenarbeit aus – etwa bei regelmäßigen UX- oder Usability-Tests?

Helena: Eine gute Zusammenarbeit mit einem Rekrutierungspartner beginnt früh. Es reicht meist nicht, nur eine Persona und eine Quote weiterzugeben. Hilfreich ist zu erklären, welche Erkenntnisse die Studie liefern soll und woran man passende Teilnehmende erkennt.

Der Rekrutierungspartner sollte seinerseits offen ansprechen, was realistisch ist, wo Risiken liegen und wie viel Zeit die Suche nach geeigneten Teilnehmenden voraussichtlich braucht.

Bei regelmäßigen Tests können feste Abläufe und ein gemeinsames Screening-Grundgerüst den Alltag erleichtern – solange man es für jede neue Studie noch einmal prüft.

Rekrutierung für Langzeitstudien: Eine Zusage allein reicht nicht!

Bei Tagebuchstudien oder Online-Communities sind Teilnehmende häufig über mehrere Wochen involviert. Was muss bei der Rekrutierung und Vorbereitung der Teilnehmenden hier besonders beachtet werden?

Helena: Bei Tagebuchstudien und Online-Communities müssen Verfügbarkeit, Verbindlichkeit und digitale Teilnahmemöglichkeiten besonders sorgfältig geprüft werden.

Vorab sollten Teilnehmende genau wissen, wie lange die Studie dauert, wie häufig Beiträge erwartet werden, welche Art von Beiträgen erwartet werden (Text, Videos oder Fotos) wie viel Zeit einzelne Aufgaben beanspruchen und welche technischen Voraussetzungen gelten. Eine kurze Einführung, klare Aufgabenstellungen, Erinnerungen und erreichbare Ansprechpersonen unterstützen die Teilnahme.

Außerdem sollte die Rekrutierung nicht nur die anfängliche Zusage, sondern die realistische Bereitschaft zur kontinuierlichen Mitwirkung berücksichtigen.

Die Teilnehmenden und Meinungsgebenden sollten genau wissen, wie lange die Studie dauert, wie häufig Beiträge erwartet werden und wie viel Zeit die Aufgaben ungefähr kosten. Eine kurze Einführung, klare Aufgaben, Erinnerungen und eine erreichbare Ansprechperson machen es leichter, dranzubleiben.

Zum Abschluss: Wenn du UX- und User-Research-Teams einen einzigen Rat geben könntest, bevor sie eine Studie starten: Welcher wäre das?

Helena:

„Definiert vor der Rekrutierung, welche konkreten Erfahrungen und Verhaltensweisen ihr für die Forschungsfrage braucht – und prüft jedes Persona-Merkmal daran, falls ihr mit Personas arbeitet.“

Liebe Helena, vielen Dank für Deine Einblicke und dafür, dass Du jeden Tag zeigst, wie viel Sorgfalt und Mitdenken hinter guter Rekrutierung steckt.
Ich freue mich auf unseren weiteren Austausch, und darauf, gemeinsam Fragen aufzugreifen, die uns in der UX- und User-Forschung beschäftigen.

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Musizierende Gehirne und ein klingender Tisch: Bei der SuedKultur-MusicNight werden mathematische Modelle in Musik übersetzt

Am 10. Oktober 2026 ist es wieder soweit: Zum nunmehr 16. Mal bringt die SuedKultur-MusicNight 2026 die Musikszene in Harburg zusammen. Auch das ligeti zentrum ist erneut mit dabei. Im Production Lab heißt es ab 17 Uhr: „Bühne frei für Klang à la Carte!“ Präsentiert wird ein musikalisches Dinner, zu dem jeder Act seine eigenen Zutaten beisteuert.

Mit dabei sind die mathematisch beeinflussten Klanglandschaften von Dr. Simon Linke (InnoLab) und Prof. Dr. Rolf Bader. Das Duo musiziert seit ein paar Jahren zusammen – zuletzt sogar in China. Dabei verwenden sie die sogenannte Impulse Pattern Formulation (IPF) – einen physikalischen Modellierungsalgorithmus, der Klänge, Rhythmen und großräumige Formen erzeugen kann. Was halten die Musiker für die MusicNight parat?

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Ihr eröffnet die MusicNight im Production Lab des ligeti zentrums mit einer 30-minütigen Performance, bei der die Impulse Pattern Formulation (IPF) zum Einsatz kommt. Was hat es mit diesen mathematischen Algorithmen auf sich?

Simon Linke: Ich kombiniere IPF und andere mathematische Modelle aus den späten 1980er-Jahren, um Instrumente zu bauen, die so klingen, wie ich es will, sich aber tatsächlich auch wie richtige Instrument artikulieren. Mich hat an traditionellen Synthesizern schon immer gestört, dass man am Ende nur Knöpfe drückt. Und dann passiert immer dasselbe. Mithilfe der IPF kann ich auch Gegenstände so intuitiv spielen, wie ein klassisches, akustisches Instrument – ohne Synthesizer-Knöpfe programmieren zu müssen.

Für die MusicNight haben wir neue IPF-Instrumente gebaut und uns neue Klänge überlegt. Während der Performance improvisieren wir, um neue Klanglandschaften zu erschaffen.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell

Rolf Bader: Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell. Mein Instrument ist eine Ansammlung von Gehirnen, denen man Input gibt, ehe man sie für sich selbst laufen und Stimmen produzieren lässt. Das können Froschtöne sein oder Vogelgezwitscher, aber auch alle möglichen anderen Tiere. Die einzelnen Gehirne kopple ich miteinander, sodass sie einander zuhören und aufeinander reagieren. Zusammen bilden sie ihren kleinen Dschungel.  

ligeti zentrum: Woher stammt die Inspiration für diesen besonderen Gehirn-Synthesizer?

Rolf Bader: Letztes Semester habe ich ein Seminar zu Astromusikologie an der Universität Hamburg gegeben. Darin ging es um die Frage, wie Leben auf anderen Planeten wohl klingen würde. Das müssten nämlich auch selbstorganisierende Systeme sein – sonst wäre es kein Leben.

Eine NASA-Sonde hat bereits erste elektromagnetische Wellen und Radioaktivität auf dem Jupitermond aufgezeichnet, die in für Menschen hörbare Töne übersetzt wurden. Wenn da wirklich Leben ist, könnte man die Klänge abgleichen und rekonstruieren, wie diese Aliens gebaut sein müssten. Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut.

Foto: Jakob Mewes

Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut

ligeti zentrum: Eure Performances sind durch Improvisation ausgezeichnet. Ihr improvisiert aber nicht nur miteinander, sondern ebenfalls mit den Instrumenten. Wie fühlt sich das an?

Rolf Bader: Die Gehirne funktionieren in der Tat wie eigenständige Lebewesen. Und die machen nicht immer, was man will.

Simon Linke: Wir haben gelernt, wie man sie beeinflussen kann. Wenn Elemente aus der Reihe tanzen, kann man versuchen, sie zu überzeugen. Aber dasselbe gilt auch für uns beide: Man weiß nie richtig, was der andere macht. Das ist der Spaß an der Sache. Was passiert, ergibt sich live.

SuedKultur-MusicNight 2026 @ ligeti zentrum: Klang à la Carte!

Zur SuedKultur-MusicNight 2026 lädt das ligeti zentrum Künstler:innen mit unterschiedlichen Handschriften und Einflüssen zu einem musikalischen Dinner. Jeder Act bringt seine eigenen Zutaten mit: von mathematisch beeinflussten Klanglandschaften über vertonte chinesische Gedichte bis hin zu Instrumenten, die sich gegenseitig steuern.

 

10. Oktober 2026, 17:00–23:30 Uhr
Production Lab, ligeti zentrum (10. Stock)
Eintritt: 7,50 Euro

 

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Vertrauen als Grundlage für empowered Product Teams: Wie man durch Delivery trust aufbaut

Shape Up in practice, Ryan Singer and Daniel Neuberger

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Ein Team, das mehr Verantwortung übernehmen möchte, muss zunächst zeigen, dass es mit seiner aktuellen Verantwortung umgehen kann. Das klingt einfach. Ist es aber nicht.

Viele Product Teams wissen, wie gute Produktarbeit aussieht. Sie haben die Bücher gelesen. Sie waren auf den richtigen Konferenzen. Sie verstehen Discovery, Strategie und Outcomes.

Aber am Montagmorgen bekommen sie trotzdem Anforderungen vorgesetzt. Das Product Team wird darauf reduziert, die Lösung anderer umzusetzen.

Hier ist die unbequeme Wahrheit:

Empowerment kann nicht einfach erklärt werden. Vertrauen muss man sich verdienen. Und dieses Vertrauen beginnt mit Delivery.

Der Artikel enthält auch ein Gespräch mit Ryan Singer über „Shape Up“ als Tool für Product Delivery. Das Video findet ihr im Artikel.

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