Was euch bei der MTP Engange erwartet – zwölf Sessions, vier Keynotes

In genau zwei Monaten ist es soweit: am 28. April werden sich 300+ Teilnehmer in Hamburg zur ersten MTP Engage einfinden. Die Konferenz ist ein Ableger der bekannten Produktmanagement Konferenz „Mind the product“, die jährlich in London und San Francisco stattfindet.

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Workshop à la Hollywood: ein Storytelling-Tool als Strategie-Werkzeug

Gute Filme leben meist davon, dass uns Charaktere präsentiert werden, die eine Wandlung durchmachen. Die an ihren Schwächen scheitern oder ungeahnte Stärken entdecken. Helden, die über sich hinaus wachsen, Menschen, die ihre Bestimmung finden. Und Schurken, die immer tiefer ins Böse abdriften. Dabei werden wir mit unseren eigenen Ängsten konfrontiert, mit unseren Sehnsüchten, Hoffnungen – und ebenso mit unserer dunklen Seite. Sind wir vom fiktiven Stoff erst mal gefesselt, können die Charaktere hin und her über die Klaviatur der Gefühle von uns Zuschauern rasen. Was passiert wohl, wenn wir diese Charakter-Mechanismen auf die Arbeit mit Workshop-Teilnehmern übertragen? Was, wenn wir so tun, als sei das Unternehmen (das Projekt, der Service, der CEO…) ein Charakter aus einem Hollywood-Blockbuster? Und was zum Kuckuck hat das mit einem Strategie-Workshop zu tun?

Storytelling-Methoden als Workshop-Fundus

Es gibt viele Quellen, aus denen sich Workshop-Tools ableiten lassen. Jörg grub hier gerade im Bereich Design-Fiction, Dirk hat sogar seine Schwarzmalerei zum Arbeitswerkzeug umgebaut, wir entlehnen aus dem Impro-Theater, bedienen uns im Lego-Shop und plündern die Metro für schöne Materialien. Aus Hollywood, von Drehbuch-Entwicklern, also von Profi-Storytellern Workshop-Tools zu importieren liegt zunächst mal für alle Themen nahe, bei denen es um die Entwicklung von spannendem Content geht. Mein ehemaliger Three-Headed-Monkeys-Kompagnon Christian Riedel hat jüngst zum Beispiel darüber gebloggt, wie sich 5 Grund-Konflikte durch alle Storys ziehen und wie sich das in der Werbung nutzen lässt (Leseempfehlung!).

Ein Storytelling-Tool von Laurie Hutzler

Jetzt und hier geht es aber um etwas anderes. Es geht darum, wie ein Drehbuch-Werkzeug zu einem Workshop-Tool wurde, um an der Strategie eines Unternehmens zu arbeiten. Ich möchte ein Werkzeug vorstellen, dass eigentlich entwickelt wurde, um die Charaktere in Film-Drehbüchern zu schärfen: Die Character-Map von Laurie Hutzler. Dieses Storytelling-Tool der US-amerikanischen Drehbuchberaterin hat mich in Workshops wirklich überrascht.

Es gibt Methoden bei denen ziemlich genau abzusehen ist, welche Art von Ergebnis sie liefern werden. Setze ich zum Beispiel ein Business Model Canvas ein, weiß ich vorher, dass wir mit einem geschärften Bild aus der nächsten Session herausgehen werden – die Flughöhe ist vorab relativ klar. Sagen wir mal, es ist wie das Zeichnen mit einem Bleistift – präzise Striche und gezielte Schattierungen sind möglich. Der Einsatz der Character-Map verhält sich eher wie das Beträufeln von Büttenpapier mit verschieden gefärbten Wassertropfen. Will sagen: Bei jedem Einsatz hat die Character-Map bis heute in Workshops funktioniert, dabei aber auch überrascht oder auch mal zu nicht geplanten Situationen geführt. Das liegt auch daran, dass die Arbeit mit der Map ziemlich direkt auf der emotionalen Seite der Teilnehmer einsteigt und Rationalität erst im zweiten Schritt gefragt ist.

Das Setting: Strategie-Offsite mit einem Startup

Vor einiger Zeit habe ich einen Workshop mit drei Gründern eines Startups durchgeführt. An zwei Tagen sollte es um die Strategie des Unternehmens gehen und um das gemeinsame Bild und Selbstverständnis der Gründer von ihrer Firma. Die Character-Map habe ich in diesem Workshop gleich zu Beginn eingesetzt, weil ich durch die Vorabgespräche mit einem der Gründer hoffte, dass sie genau die Pain-Points auf den Tisch bringen würde und – wenn es gut liefe – auch schon ausstehende strategische Entscheidungen offensichtlich machen würde.

Die 6 Fragen der Character-Map

Die Arbeit mit der Character-Map beginnt zunächst einmal mit sechs Fragen – die Gesamtdauer der Session im Rahmen des Workshops beträgt im hier dargestellten Modus, wie könnte es anders sein: beste Spielfilmlänge von 105 Minuten. Der Start fühlt sich etwas sperrig an, denn die Fragen sind ja eigentlich auf einen Film-Charakter bezogen, wir wenden sie jetzt aber auf eine Firma, ein Produkt oder Service an. Die Teilnehmer müssen sich erst einmal darauf einlassen, so ein Konstrukt als selbstständigen Charakter anzuerkennen. Diese Hürde wird klarer, wenn ich die Fragen aufliste und Du Dir bitte geistig vergegenwärtigst, einer der Startup-Gründer zu sein und das Startup als eigenständig denkenden und handelnden Charakter im Kopf zu haben. Frage ich also, “wie geht es Dir?”, dann meint dieses “Dich” nicht “Dich”, sondern Dein Startup – von dem wiederum Du und alle Mitarbeiter ein Teil sind. Alle Klarheiten beseitigt? Prima. Also bitte:

(Die Fragen sind hemdsärmelig aus dem Englischen übersetzt. Die Originalfragen und ein absolut lesenswertes Büchlein zur Character-Map gibt es auf der Website von Laurie Hutzler.)

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  1. Frage: Missverständnisse
    Wenn Menschen Dich nicht besonders gut kennen, was ist ihr größtes Missverständnis darüber, wer Du bist? Wie denken Leute oft fälschlicherweise über Dich, wenn sie Dich zum ersten Mal treffen? Was wird hinter vorgehaltener Hand über Dich gelästert?
  2. Frage: Ängste
    Vor was hattest Du in Deiner Kindheit am meisten Angst? Und zwar eine nicht-spezifische, verallgemeinerte Angst. Eine Angst, die es geschafft hat, Dich in der Nacht wach liegen zu lassen. Welche Angst war so stark, dass Du nicht einschlafen konntest?
  3. Frage: Stärken
    Was sind Deine stärksten Charakterzüge? Auf welche Stärken kannst Du Dich verlassen, wenn es hart auf hart kommt? Welche Werte sind für Dich zentral? Was halten andere für Deine besten Eigenschaften?
  4. Frage: Vorbilder
    Jetzt geht es um die Merkmale und Eigenschaften, die Du nicht hast, die Du aber bei anderen bewunderst. Wenn Du diese Eigenschaften bei jemand anderem siehst, bist Du hingerissen. Und wenn Du ehrlich bist, würdest Du dir gerne eine Scheibe dieser wunderbaren Merkmale abschneiden.
  5. Frage: Schwächen
    Welche Charaktereigenschaften bringen Dich in Schwierigkeiten? Was sind die Eigenschaften, die Dich manchmal ins Stolpern bringen, obwohl die Dinge gerade einigermaßen gut laufen? Was sind die Eigenschaften, die Dich am häufigsten in Streitigkeiten oder Schwierigkeiten mit Deinen Lieben bringt?
  6. Frage: Ablehnung
    Stell Dir jetzt jemanden vor, den Du nicht ausstehen kannst. Jemand, den Du gut kennst oder beobachtet hast. Allein bei dem Gedanken, stellen sich deine Nackenhaare auf. Du spürst körperliche Abwehr. Was sind die Eigenschaften, die diese Person hat, die so viel Ablehnung Deinerseits provoziert?

Es knirscht, funktioniert aber – und kann tiefer gehen

Ja, es knirscht. Es es ist wirklich nicht leicht, mit diesem Duzen zu arbeiten und die Firma im Gedankenspiel als eigenständigen Charakter zuzulassen. Es würde auf den ersten Blick etwas einfacher werden, wenn die Fragen umformuliert würden. Damit habe ich auch schon experimentiert und verschiedene Templates ausprobiert.

Mein Fazit ist bislang aber: Die Fragen funktionieren trotz ihrer Sperrigkeit in der Originalform besser. Vielleicht auch, weil dann offensichtlicher ist, dass das Vorgehen entliehen ist. Ich “verkaufe” das immer auch ein wenig als Hollywood-Experiment.

Die aufgeschriebenen Fragen ergänze ich dann lieber auf der Tonspur, wenn Teilnehmer mit den Antworten hadern (und das werden sie tun!). Ich ergänze also zum Beispiel: “auf welche Eigenschaften könnt Ihr euch in Eurer Firma immer verlassen? Was zeichnet Euch als Team aus?”.

Ablauf: Die Character-Map als Workshop-Tool

Diese sechs Fragen sind also der Ausgangspunkt. Im Folgenden stelle ich vor, wie und in welchem Ablauf ich sie in dem zweitägigen Workshop mit den drei Gründern eingesetzt habe. Die Character-Map diente dabei als Klammer – ganz zu Beginn des Workshops und erneut bei der Reflektion der beiden Tage. Das konkrete Beispiel dient nur zur besseren Darstellung und ist im Detail natürlich wandelbar.

1: Fragen beantworten (15 Minuten)

Die Teilnehmer beantworten alle sechs Fragen still und für sich auf Post-Its. Maximal drei Post-Its pro Frage sollen als Antworten reichen. Es sollen einfach und schnell die ersten Antworten notiert werden, die in den Sinn kommen. Und wie immer: eine Haftnotiz pro Antwort (weil sich’s sonst nachher nicht gut sortieren lässt).

2: Character-Map vorstellen (5 Minuten)

Jetzt stelle ich den Teilnehmern die Character-Map vor. Das ist ein ziemlich simpel gestrickter Arbeitsbogen mit sieben Feldern. In der Mitte steht als erstes Feld der Charakter, um den es geht. Also jetzt: Das Startup. Die übrigen sechs Felder sind wie im folgenden Bild angeordnet. Für einen Workshop ist es am besten, die sechs Felder auf eine große Moderationswand oder ein Plakat an der Wand zu malen. Dort werden dann gleich die Post-Its angehängt.

storytelling-workshop-tool

Die Felder werden im nächsten Schritt mit den Antworten der Teilnehmer gefüllt. Die Antworten auf die sechs Fragen werden dabei folgendermaßen zugeordnet* Antworten zu…

  • Frage 1 (Missverständnisse): Mask – die Maske, die der Charakter aufsetzt.
  • Frage 2 (Ängste): Fear – die Ängste des Charakters.
  • Frage 3 (Stärken): Strongest Traits – die Stärken des Charakters.
  • Frage 4 (Vorbilder): Traits Admired – die Eigenschaften, die der Charakter bewundert.
  • Frage 5 (Schwächen): Trouble Traits : Die Schwächen des Charakters.
  • Frage 6 (Ablehnung): Dark Side : Die Abgründe des Charakters.

3: Antworten vorstellen (10 Minuten)

Nacheinander stellen die Workshop-Teilnehmer ihre Antworten vor und kleben sie auf die entsprechenden Felder auf der Character-Map.

4: Antworten clustern (15 Minuten)

Clustern der Antworten in den sechs Feldern. Und dabei gegebenenfalls nochmal neu formulieren, zusammenfassen, präzisieren.

5: Antworten gewichten (10 Minuten)

Jetzt sollen die Teilnehmer die Antworten gewichten. Dafür bieten sich Klebepunkte an. Zum Beispiel ein “5 Punkte für jedes der 6 Antwortfelder”, von denen aber höchstens 3 auf eine Karte geklebt werden dürfen. Da haben die Gründer jetzt also viele, viele Punkte zu kleben.

6: Charakter-Pfade aufzeigen (10 Minuten)

Das Team kann sich kurz zurücklehnen. Ich erzähle an einem Beispiel, wie mit der Character-Map die Entwicklung eines Film-Charakters dargestellt und geschärft werden kann.

Laurie Hutzler zeigt das* als Beispiel an einem Film, den fast jeder gesehen hat/gesehen haben sollte: Wall Street mit Michael Douglas und Charlie Sheen. Sie beantwortet die Fragen für Bud Fox (Charlie Sheens Hauptrolle) in etwa so:

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(Eine gute Leseunterbrechung wäre jetzt: auf der Couch Platz nehmen und nochmal in aller Ruhe “Wall Street” gucken. Und dabei immer wieder auf die Character-Map zu schielen. Die Charaktereigenschaften des Filmhelden werden durch die anderen tragenden Figuren geschärft.)

Da ist Gordon Gekko als fleischgewordene Dark Side, der Bud immer weiter in seine problematischen Charaktereigenschaften (Trouble Traits) drängt. Buds Vater, der für die Dinge steht, die Bud in seinem Innersten bewundert (Traits Admired). Im Verlauf des Films konfrontiert Bud seine Angst und er entscheidet sich, in seinem bisherigen Umfeld zum Verlierer zu werden. Und dafür muss er sich von seinen stärksten Eigenschaften lösen, denn seine Beharrlichkeit (Persistence) hat ihn blind für die negativen Auswirkungen seiner Handlungen gemacht.

Bei einem Drehbuch lässt sich da an jeder Schraube beliebig drehen, aber nun haben wir es im Workshop mit echten Menschen, einer echten Firma und einer realen Umwelt zu tun.

7: Gemeinsam angucken und sortieren (20 Minuten)

Beim gemeinsamen Blick auf das Poster ist vor allem erst mal spannend, ob es große Übereinstimmungen gibt, Antworten, die sich gut ergänzen oder echte Widersprüche. Das Team hat jedenfalls Gesprächsanlässe und die Fragen decken erstaunlich schnell Punkte auf, die das Team vielleicht gerade so mit sich herum trägt.

In der Moderation gehe ich darauf ein, welche Antworten als wichtig erachtet wurden und lasse nur die 3-5 Karten mit den meisten Klebepunkten auf der Map – die übrigen Karten hänge ich außen neben das Poster.

8: Charakter-Pfade durchspielen (20 Minuten)

Nahtlos moderiere ich weiter die Diskussion anhand der Character-Map und – wenn es nicht von alleine passiert – bitte ich die Teilnehmer immer wieder, die Entwicklungen ihres eigenen Charakters zu beschreiben. Also im Sinne von: Mal angenommen Dein Charakter (Deine Firma, Dein Service, Dein Produkt) wäre Protagonist in einem Film, wie würde sich der Charakter jetzt anhand dieser Character-Map entwickeln können? Was wären die zentralen Momente und Wendepunkte?

Extra-Level:

Ein optionaler Zusatz ist hier die Frage nach Genres. Also, wie würde sich Euer Charakter in einer Tragödie entwickeln, wie in einer Komödie, wie in einem Thriller?

Es geht an dieser Stelle nicht darum, bis ins Detail auszuarbeiten, was konkret getan werden müsste, um diese oder jede Entwicklung der Firma voran zu treiben. Es geht eher darum, Themen offen zu legen, die im weiteren Verlauf des Workshops bearbeitet werden können und sollen.

Mit wenig eingesetzter Zeit stehen in diesem Moment meist schon sehr spannende Ergebnisse im Raum. Negative Szenarien, die den weiteren Verlauf der Firma oder des Service in einer Tragödie enden lassen – oder ein echtes Happy-End mit einem Befreiungsschlag des Hauptdarstellers.

Was wäre wenn – weiter mit anderen Methoden

Nachdem wir bislang noch ganz schön tief in halber Fiktion stecken, geht es jetzt zurück in die Realität. Was würden die skizzierten Entwicklungswege des Charakter (also der Firma, des Produkts…) in der Realität bedeuten?

Und welche Entwicklungsmöglichkeiten wollen wir jetzt im Workshop weiter durchdenken, um daraus strategische Pfade abzuleiten?

Nachdem über die Arbeit mit der Character-Map nun die Themen identifiziert sind, die weiter bearbeitet werden sollen, ist es an der Zeit, eben diese Themen mit anderen Werkzeugen anzugehen. Um das plastischer zu machen springe ich zurück zum konkreten Beispiel. Aus der gemeinsam erarbeiteten Character-Map der Startup-Gründer stach folgende Charakter-Entwicklung mit Happy-End heraus:

Workshop-Ergebnis durchs Warm-Up vorweg genommen

Bislang operierte das Startup sehr bodenständig. Wachstum sollte am liebsten aus eigener Kraft erfolgen (Strongest Traits). Gleichzeitig versuchten alle tendenziell Konflikte zu umgehen (intern und extern) und die Gründer haderten mit großen Entscheidungen (Trouble Traits). Die größte Angst der Gründer war es, dass sie den richtigen Zeitpunkt verpassen würden, entweder durchzustarten oder anzuerkennen, dass sie ihr Abenteuer beenden müssen (Fear). Glasklar wurde, dass es genug war mit einem guten Stück Bodenständigkeit. Sie wollten auf Wachstum setzen, zum echten SaaS-Modell (Software as a Service) werden und größer denken – und ja, auch endlich mal eine starke Geschichte erzählen (Traits Admired). Dabei wollten sie sich auf gar keinen Fall in Richtung zweier Konkurrenten entwickeln, deren Gebaren und Geschäftsmodell ihnen zutiefst zuwider war (Dark Side).


Die Character-Map: ein Storytelling-Tool für Strategie-Workshops á la Hollywood
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In diesem konkreten Fall sollte der Einsatz der Character-Map, eigentlich ja „nur“ ein Storytelling-Tool, zum treffsicheren Warm-Up für den zweitägigen Strategie-Workshop werden. Denn schlussendlich wurden genau die Entscheidungen getroffen, die sich bereits nach einer Session in Spielfilmlänge aus der Character-Map ablesen ließen. Die wir Im weiteren Workshop dann aber mit handfesten Zielen, Maßnahmen und Zeithorizonten konkretisiert haben.

Zum Abschluss des Workshops konnten wir uns noch mal vor der Character-Map versammeln und reflektieren, was wir in den vergangenen zwei Tagen geschafft haben.

Fazit und alternativer Einsatz der Character-Map

Nicht jedes Mal verläuft die Arbeit mit der Character-Map so gut. Das ist ja aber mit jedem Werkzeug so – mal läuft es prima, mal klemmt es hier oder da. Trotzdem wurde ich bislang bei jedem Einsatz der Character-Map belohnt.

Trotz erfolgreichem Einsatz der Character-Map als Workshop-Tool (vor allem in Strategie-Workshops), ist jede erneute Verwendung für mich immer wieder aufregend, und ich habe Angst, dass es überhaupt nicht funktioniert. Insofern freue ich mich riesig, wenn Du sie vielleicht auch mal einsetzt und wir uns dann dazu austauschen, wie sie bei Dir funktioniert hat.

PS: Ein paar Mal habe ich sie auch schon in Prozessen mit einzelnen Personen eingesetzt. Da zielten die Fragen dann direkt auf den eigenen Charakter. Das fühlt sich im Ablauf nicht so sperrig an, geht dafür aber unter Umständen ziemlich direkt ans Eingemachte. Gerade bei der Frage nach der Angst bringen hier die tatsächlichen Urängste der Befragten eine spannende Perspektive mit ins Spiel. Denn auch wenn wir das in der scheinbar rationalen Geschäftswelt nicht so gerne hören: Die Strategie von Unternehmenslenkern hat natürlich auch mit ihrem eigenen Charakter zu tun, und der wiederum existiert ja nicht losgelöst von Zeit, Raum und Erfahrungen, sondern geht in seiner Entwicklung eben wirklich bis zurück zu seinen Kindheitsängsten.

Mit dieser Perspektive steht man aber auch schon mit einem Bein im Coaching-Prozess. Ob man das will und ob das zur eigenen Position passt, muss dabei jeder im Einzelfall für sich entscheiden.

*Ich spare an dieser Stelle meist einen Schritt, der an der Character-Map eigentlich sehr spannend ist. Laurie Hutzler hat einen Arbeitsbogen, auf den die Antworten auf die sechs Fragen eingetragen werden und der dabei die Angst ins Zentrum setzt.

Die herausgearbeiteten Antworten aus dem oben dargestellten Fragebogen beantworten dabei diese Fragen:

  • Frage 1: Wie versteckt, maskiert oder verneint der Charakter seine Angst?
  • Frage 2: Die Angst ist definiert durch:
  • Frage 3: Wie kontrolliert der Charakter seine Angst, wie geht es mit ihr um?
  • Frage 4: Wie kann der Charakter seiner Angst entgegentreten?:
  • Frage 5: Wozu wird der Charakter von seiner Angst verlockt? Wozu wird es von der Angst getrieben?
  • Frage 6: Wie gibt der Charakter der Angst vollständig nach, wie geht er in ihr auf?

Diese Lesart funktioniert mit Film-Charakteren super. Im Workshop war dieser Schritt aber zu sperrig. Denn es geht ja darum, Themen aus einem Team zu heben. Und nicht darum, einen möglichst durchdachten Drehbuchstoff zu entwickeln.  

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Ergebnisse des Product Management Survey

Das britische Beratungsunternehmen Product Focus, Anbieter für Trainings im Bereich Produktmanagement, führt in jedem Jahr eine große Umfrage zum Stand von Produktmanagement und Produkt Marketing in Technologie-Unternehmen durch. In der diesjährigen Studie, durchgeführt im Januar 2017, nahmen europaweit über 1.200 Personen aus über 600 Unternehmen teil. Die Ergebnisse sind – wie schon in den Jahren zuvor – sehr interessant. Einen Auszug davon möchten wir euch im Folgenden vorstellen.

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Back to the 60ties: Flussdiagramme

In den Zeiten von Lochkarten hat man den Algorithmus eines Programms meist mit einem Flussdiagrammen visualisiert. Erst danach hat man darauf aufbauend das eigentliche Programm „codiert“. Die Darstellungsmethodik wurde sogar in einer DIN-Norm 66001 spezifiziert und hat dann Eingang in viele Berufsausbildungen genommen. Auch heute noch sind Flussdiagramme in vielen Fachbüchern zu finden.

Einfaches Flussdiagramm aus einen Lehrbuch für Handwerker

Beispiel eines Flussdiagramms aus einem Buch für Handwerker.

Ironischerweise sind diese Diagramme in der Informatik seid dem Aufkommen des strukturierten Programmierens praktisch bedeutungslos.

Dennoch: In der Kommunikation mit fachlichen Anwendern oder Entscheidern können wir meist auf ein Grundverständnis von Flussdiagrammen aufbauen. Fachliche Projektbeteiligte kommen oft von selbst darauf, Abläufe mit Flussdiagrammen zu visualisieren.

Leider haben dann Nicht-Informatiker dann doch oft Probleme, ihre Gedanken in eine solche abstrakte Darstellung zu überführen.

Seltsamt verschachteltes Flussdiagramm

Mit welchem Programmkonstrukt kann man diese Ablauflogik ausdrücken? Es geht nur mit einem GO-TO. Aus modernen Programmiersprachen ist das GO-TO verschwunden: Es führt nämlich zu schwer zu verstehenden Ablaufstrukturen. Man kann die Abläufe praktisch immer deutlich eleganter ausdrücken.

Meine Erfahrung sagt mir, das auch hier der Anwender etwas anderes im Sinn hatte. Manche Anwender sollte man mit der Diagrammerstellung also lieber nicht alleine lassen.

Aber auch erfahrene Entwickler verlieren sich oft im Dickicht der Komplexität von Diagrammen.

Schauen wir uns ein Beispiel eines ehemaligen Kollegen an:

Ein Ablaufdiagramm das etwas unübersichtlich geraten ist.

Es wirkt sehr komplex. Wie kann man mehr Übersichtlichkeit herstellen?

Tipp 1: Die Hauptrichtung sollte immer von links nach rechts, oben nach unten sein. Nur die Nebenpfade sollten davon abweichen.

Tipp 2: Gerade die Fehlerbehandlung eines Prozesses neigt dazu, den Hauptpfad zu verschleiern. Hier sollte man gnadenlos abstrahieren und die Details der Fehlerbehandlung, wenn überhaupt, in einem gesonderten Diagramm erfassen. Es hilft meist niemanden, alle mögliche Pfade durch ein System wie in einem Labyrinth in einziges Diagramm zu pressen zu wollen.

Tipp 3: Hier werden Entscheidungsrauten benutzt, um Flüsse wieder zusammenzuführen. Das ist im Grunde falsch. Es wäre hier auch gar nicht nötig. In Prozessablaufdiagrammen kann man meiner Erfahrung nach oft auf die Darstellung von expliziten Entscheidungen verzichten. Das Diagramm wird übersichtlicher.
Die Stärke von Diagrammen sind die Darstellung von Beziehungen oder auch Abläufen. Details, unter genau welchen Bedingungen welche Entscheidung getroffen wird, lassen sich in Text meist besser ausdrücken.

Ein so vereinfachtes Diagramm kann man dann leichter verstehen:

Vereinfachtes Ablaufdiagramm

Umgestaltetes Ablaufdiagramm.

Pressestimme

Ich freue mich sehr über die positive Kritik zu meinen Illustrationen für das Buch “Das kollegial geführte Unternehmen” von Bernd Oestereich und Claudia Schröder.

Kluge Firmenführung – durch Mitarbeiter

Hier ein Auszug aus der Artikel von Mark Hübner-Weinhold

Präsentation:

Mit diesem Buch übernimmt der Vahlen-Verlag das bei innovativen Business-Titeln von Campus und Plassen gängige Querformat, allerdings in der Höhe 3,5 Zentimeter flacher. Ein Minuspunkt: Dadurch werden Schriftgröße und Grafiken zu klein. Schade, denn inhaltlich und gestalterisch ist Oestereich und Schröder ein großer Wurf gelungen. Viele Jahre Erfahrungswissen wurden akribisch aufbereitet, sprachlich klar formuliert, stringent gegliedert und exzellent illustriert. 138 Grafiken stehen kostenlos als Download im Netz zur Verfügung. Ein beispielhafter Schritt.

… zu dem vollständigen Artikel


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Podcasts für „product people“

Haben wir auf produktbezogen eigentlich schon mal was zu Podcasts gemacht? Nein! Warum eigentlich nicht? Ich liebe Podcasts! Denn nicht immer hat man Lust ein (E-)Buch zu lesen oder sich einen Talk auf Video reinzuziehen um sich fortzubilden.

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Simpsons-Paradoxon in der Webanalyse

Bei der Analyse von Daten jeglicher Art trifft man hin und wieder auf das Simpson-Paradoxon. Dieses Phänomen hat nichts mit der amerikanischen Zeichentrickserie zu tun, sondern geht auf den britischen Statistiker Edward Simpson zurück. Man spricht von diesem Paradoxon, wenn ein Trend, der in verschiedenen Teilgruppen eines Datensatzes auftaucht, verschwindet, sobald diese Gruppen in einer Gesamtmenge zusammengefasst werden.

Wie das nachfolgende Beispiel der Erfolgsbewertung zweier Produkte A und B eines Onlineshops zeigt, bleibt auch die Webanalyse von diesem Phänomen leider nicht verschont. Betrachten wir folgende Tabelle:

Produkt A Produkt B
Produktaufrufe 500 500
Conversions 190 212
Conversionrate 38% 42%

Tabelle 1: Erfolgsbewertung über alle Endgeräte

Die Tabelle zeigt, dass bei einer gleichen Anzahl von Produktaufrufen von Produkte A und B, Produkt B das erfolgreichere Produkt mit 212 Verkäufen ist. Wenn Sie diese Zusammenfassung als Manager lesen, können Sie geneigt sein, Produkt B weiter zu bewerben, um den Gesamtumsatz zu steigern. Splitten wir nun die obige Tabelle über die Dimension Endgerät auf, zeigt sich ein überraschendes Bild.

Produkt A Produkt B
Produktaufrufe (Smartphone) 127 316
Conversions (Smartphone) 68 161
Conversionrate (Smartphone) 54% 51%

Tabelle 2: Erfolgsbewertung Smartphone

 

Produkt A Produkt B
Produktaufrufe (Desktop) 373 184
Conversions (Desktop) 122 51
Conversionrate (Desktop) 33% 28%

Tabelle 3: Erfolgsbewertung Desktop

Wie Sie sehen können, sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich und bringen eine paradoxe Schlussfolgerung mit sich, denn Produkt A hat sowohl bei Smartphones als auch Desktop-PCs eine bessere Conversionrate, dennoch schneidet Produkt B besser ab, wenn beide Endgeräte zusammen betrachtet werden (vgl. Tabelle 1).

Gegebenenfalls eröffnet ihnen die tiefgehendere Betrachtung neue Marketing-strategische Optionen und als Manager überdenken Sie noch einmal, welches Produkt wirklich das bessere ist. In dem vorliegenden Beispiel ist es nicht einfach zu entscheiden, welches das bessere Produkt ist, aber dennoch zeigt das Beispiel definitiv, dass Sie aggregierte Kennzahlen nicht einfach so hinnehmen sollten, ohne Sie zu hinterfragen. Graben Sie sich weiter in die Daten und entwickeln Sie ein besseres und detaillierteres Verständnis von ihren Prozessen, denn einige interessante Fakten und Zahlen lauern häufig unter der Oberfläche. Seien Sie skeptisch und versuchen Sie zu verstehen, wie die Webanalyse-KPIs wirklich mit Ihrem Onlineshop und den realen Geschäftsprozessen verknüpft sind.

Der Beitrag Simpsons-Paradoxon in der Webanalyse erschien zuerst auf etracker.com.

Kollaboration am virtuellen Whiteboard mit Mural

Wäre es nicht toll, als Team in einem digitalen Projektraum inhaltlich zu arbeiten? An verschiedenen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten? Wäre es nicht ungeheuer effizient, wenn man statt auf Post-Its schnell und einfach auf virtuellen Haftnotizen schriebe? Und was, wenn man auch Fotos und Videos einbauen könnte und medial angereicherte Inhalte zusammenstellen könnte? All das kann Mural – ein virtuelles Whiteboard-Tool für co-kreative Teams, das wir hin und wieder für die Prozessbegleitung und in Workshops einsetzen. Ach, Mural könnte die Herzen im Sturm erobern, wäre da nicht das unattraktive Preismodell.

Ein virtuelles Whiteboard

Mural ist ein digitaler Service, der einem Blanko-Boards (Canvases) bietet. Auf denen kann man allein oder im Team mit virtuellen Post-Its arbeiten und diese frei arrangieren. Ein Doppelklick und das Post-It erscheint auf dem Canvas. Natürlich kann man verschiedenste Post-Its in allen Farben wählen: kleine, große, umrandete, kreisförmige und so weiter. Und Du kannst auch ohne Post-Its auf dem Canvas schreiben, um zum Beispiel Arbeitsbögen oder Tool-Frameworks anzulegen.

Mural läuft über den Browser oder neuerdings auch über eine iPad-App und ermöglicht Dir weitere Teammitglieder hinzuzufügen, die dann zuschauen ergänzen oder editieren können. Genau wie in einem Google-Dokument lässt sich also auch zeitversetzt oder an mehreren Orten gleichzeitig an einem Thema arbeiten, ohne dabei auf die Vorteile visueller Anordnung und Bearbeitung verzichten zu müssen.

Ich bin über Mural durch das supertolle Buch “Mapping Experiences” von Jim Kalbach gestoßen. Jim ist Head of Customer Success bei Mural. Und das merkt man dem Tool auch an. Es macht unglaublich Spaß Mural zu benutzen und das Allermeiste erschließt sich ganz einfach (normalerweise muss mein innerer Schweinehund bei neuer Software erstmal über eine ziemliche Barrikade springen).

Mapping Experiences

Tolle neue Möglichkeiten

Mit so einer als virtuellem Whiteboard getarnten Kollaborationsplattform ergeben sich viele spannende neue Formen, Inhalte mit anderen Personen oder in Teams zu erarbeiten. Einige davon möchte ich nun vorstellen:

A. Schnell Skizzen anlegen

Wie auf einem regulären Whiteboard kannst Du schnell und einfach eine Skizze oder ein Schaubild am virtuellen Whiteboard von Mural erstellen und mit Kollegen oder Kunden teilen. Für die Studie des GWA-Think-Tanks „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“ habe ich zum Beispiel eine grobe Systems-Map erstellt, die zeigt, wie die verschiedenen Themen und Thesen zusammenhängen und sich wechselseitig beeinflussen. Für die Veröffentlichung der Studie hat NameName die Skizze dann hübsch gestaltet. Natürlich spricht auch nichts dagegen, aufwändige Infografiken über Mural anzulegen und zu publizieren. Das habe ich aber noch nie gemacht.

Agentur-Kundenbeziehungen von morgen by Jörg Jelden

Quelle: GWA-Studie „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“

B. Schöne Arbeitsvorlagen anlegen

Wenn Du gern mit schönen Arbeitsbögen oder kompletten Tool-Frameworks arbeitest, kannst Du diese toll am virtuellen Whiteboard gestalten, duplizieren, befüllen und auch mit Deinen Teamkollegen oder mit Kunden nach einem Workshop daran weiterarbeiten. In Mural gibt es eine Vielzahl vorhandener Vorlagen und Frameworks, die man benutzen kann. Darunter sind 2×2 Matrix, konzentrische Kreise, der Business Model Canvas oder Empathy Maps. So haben wir etwa unser Template zum Futures Framework in Mural aufsetzen und im Blogbeitrag einbinden können.

Futures Framework by Jörg Jelden

C. Kollaborativ am virtuellen Whiteboard arbeiten

Auch vor oder nach einem Workshop, einem Meeting oder einer Telko kann man wunderbar mit anderen an einem Mural gemeinsam weiterarbeiten. Etwa haben wir das Futures Framework angewandt, um erste Gedanken zum Thema Facilitation of the Future zu sammeln. Dafür haben tollerweise ein paar Moderations-Kolleginnen und -Kollegen ihre Gedanken auf virtuellen Post-Its hinterlassen.

Man kann Mural natürlich auch als Alternative zu Projektorganisations-Tools wie Trello oder Asana nutzen, wenn einem deren starre Bearbeitsweisen nicht liegen und man lieber freier auf einem virtuellen Whiteboad arbeiten möchte. Dafür gibt es bei Mural auch einige Vorlagen wie z.B. ein Kanban-Board. Und auch ein Workshop-Planning-Framework gibt es als Vorlage.

D. Workshops live dokumentieren

Im Rahmen einer Prozessbegleitung, bei der es um die Reorganisation einer Abteilung ging, haben wir eine Session mit Mural live bestritten. Dabei hat Dirk die Session moderiert und ich als Co-Moderator habe das Mural befüllt. Nachdem wir zuvor zwei analoge Materialschlachten gemacht hatten, war die Arbeit mit einem digitalen Tool eine willkommene Varianz in der Bearbeitung, die es mit dem analogen Pendant problemlos aufnehmen konnte. Das hat auch deshalb so gut funktioniert, weil es nur wenige Teilnehmer in dieser Session waren und wir nicht in Kleingruppen gearbeitet haben. Für die Dokumentation mussten wir dann nur noch einmal etwas aufräumen, arrangieren und PDFs exportieren.

E. Projekte dokumentieren

Wenn man Mural für Workshops oder längere Prozesse nutzt, hat man tolle neue Möglichkeiten Sessions, Workshops oder Sprints zu dokumentieren und im Nachgang anzureichern. Man kann in Mural easy-peasy Fotos, Videos und Websites (per Vorschaubild) integrieren. Du kannst also sowohl Stimmungsbilder aus dem Workshop, ein klassisches Fotoprotokoll oder Dokumentationsvideos von Prototypen integrieren als auch ergänzende Links, Moods und Filme im Rahmen von vertiefendem Research einbauen. Alle Inhalte auf der Wand sind zudem kommentierbar, so dass einfach eine Diskussion und Abstimmung über Inhalte auch nach einer Session, einem Workshop oder einem Sprint möglich sind. Und auch Voting-Sessions sind möglich.

 

Pferdefüße

Leider hat Mural auch ein paar Haken, die ich an dieser Stelle nicht verschweigen will.

A. Wenn es ums Geld geht, hört die virtuelle Whiteboard-Freundschaft auf

Um alle Möglichkeiten von Mural ausschöpfen zu können, ist mir Mural leider zu teuer. Als Einzelperson zahle ich $16 im Monat (14,89 Euro gegenwärtig) oder $144 (133,97 Euro) für eine Jahres-Mitgliedschaft. Im Vergleich: Photoshop und Lighthouse kosten 11,89 Euro pro Monat und das Office-Paket von Microsoft kostet mich 7 Euro pro Monat. Evernote berechnet pro Jahr nur 29,99 bzw. 59,99 Euro.

Und bei Mural zahlt man für jedes Teammitglied ebenfalls diese Summe. Bei einem festen Team, das komplett in Mural arbeitete, wäre diese Summe vielleicht ok. Wenn wir aber eine kollaborative Session mit vielen weiteren einmaligen Teilnehmern oder kurzfristigen Kunden machen wollen, müssten wir zumindest für den Zeitraum der Kollaboration oder des Auftrags, sprich mindestens einen Monat, für jede Person, die Input beisteuern soll, zahlen.

Ich würde mir konkret wünschen, mehr Kurzzeit-Kollaborateure umsonst hinzufügen zu können. Trotzdem kann ich Mural auch mit meinem Single-Account gut nutzen. Ich bringe dann alle Whiteboards wie in diesem Artikel in einen View-Modus. Aber die volle Kollaborationsbandbreite steht mir leider nicht zur Verfügung.

B. Wenn man die Papiere zeigen muss

Viele Kunden brauchen Ergebnisse außerhalb guter Software-Tools, und auch hier ist Mural (noch?) nicht besonders gut. Man kann Bilder oder PDFs exportieren. Dafür wird einem aber per E-Mail ein Download-Link geschickt, der fünf Tage gültig ist. Leider lässt diese E-Mail gern mal auf sich warten. Mural sagt selbst, dass einem diese E-Mail innerhalb einer Stunde geschickt wird. Meistens trudelt sie nach 5-10 Minuten ein. Man dreht dann im hektischen Projektalltag Däumchen während man alle zehn Sekunden auf Refresh beim Mail-Provider drückt, nur um zu schauen, ob ein Post-it-Cluster lesbar ist oder die Schriftgröße richtig ist. Das ist wirklich furchtbar nervig.

C. Wenn das Internet mal Schluckauf hat

Mural speichert alles online. Das heißt, Du brauchst stabiles Internet, um arbeiten zu können. Bei einem Workshop in der norddeutschen Pampa war nicht klar, ob das W-Lan im Konferenzraum des Kunden oder unser mitgebrachter W-Lan-Stick wirklich funktionieren würden. Wir brauchten also einen ausgedruckten Plan B.

Das zweite Problem sind schwankende Netzverbindungen wie man sie verrückterweise auch 2017 noch häufig hat. Mural speichert alles immer sofort im Browser. Bricht das Netz weg, sucht die Anwendung ein paar Minuten. Bis dann die Fehlermeldung kommt, dass keine Internetverbindung da ist, arbeitet man munter weiter und verliert darüber die zuletzt getätigten Inputs.  Wenn man wie ich auch gern mal im ICE arbeitet, ist es äußerst ärgerlich, dass es keine Offline-Bearbeitungsform gibt.

Resümee zum virtuellen Whiteboard

Trotz des Preises bin ich von Mural ziemlich begeistert und werde noch weiter damit herumspielen und experimentieren. Es gibt für 30 Tage eine kostenlose Nutzung, die ich sehr empfehlen kann.

Ich werde mir aber auch andere Tools noch mal zum Vergleich anschauen müssen. Aktuell steht da Omnigraffle ganz oben auf der Liste und auch Prezi könnte noch mal einen Blick wert sein. Wenn Du mit Omnigraffle oder Prezi Erfahrungen im Workshop-Kontext gemacht hast, mir eine Schnelleinführung geben magst oder andere Alternativen kennst, hinterlasse uns doch einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail.

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