Was euch bei der MTP Engange erwartet – zwölf Sessions, vier Keynotes

In genau zwei Monaten ist es soweit: am 28. April werden sich 300+ Teilnehmer in Hamburg zur ersten MTP Engage einfinden. Die Konferenz ist ein Ableger der bekannten Produktmanagement Konferenz „Mind the product“, die jährlich in London und San Francisco stattfindet.

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Workshop à la Hollywood: ein Storytelling-Tool als Strategie-Werkzeug

Gute Filme leben meist davon, dass uns Charaktere präsentiert werden, die eine Wandlung durchmachen. Die an ihren Schwächen scheitern oder ungeahnte Stärken entdecken. Helden, die über sich hinaus wachsen, Menschen, die ihre Bestimmung finden. Und Schurken, die immer tiefer ins Böse abdriften. Dabei werden wir mit unseren eigenen Ängsten konfrontiert, mit unseren Sehnsüchten, Hoffnungen – und ebenso mit unserer dunklen Seite. Sind wir vom fiktiven Stoff erst mal gefesselt, können die Charaktere hin und her über die Klaviatur der Gefühle von uns Zuschauern rasen. Was passiert wohl, wenn wir diese Charakter-Mechanismen auf die Arbeit mit Workshop-Teilnehmern übertragen? Was, wenn wir so tun, als sei das Unternehmen (das Projekt, der Service, der CEO…) ein Charakter aus einem Hollywood-Blockbuster? Und was zum Kuckuck hat das mit einem Strategie-Workshop zu tun?

Storytelling-Methoden als Workshop-Fundus

Es gibt viele Quellen, aus denen sich Workshop-Tools ableiten lassen. Jörg grub hier gerade im Bereich Design-Fiction, Dirk hat sogar seine Schwarzmalerei zum Arbeitswerkzeug umgebaut, wir entlehnen aus dem Impro-Theater, bedienen uns im Lego-Shop und plündern die Metro für schöne Materialien. Aus Hollywood, von Drehbuch-Entwicklern, also von Profi-Storytellern Workshop-Tools zu importieren liegt zunächst mal für alle Themen nahe, bei denen es um die Entwicklung von spannendem Content geht. Mein ehemaliger Three-Headed-Monkeys-Kompagnon Christian Riedel hat jüngst zum Beispiel darüber gebloggt, wie sich 5 Grund-Konflikte durch alle Storys ziehen und wie sich das in der Werbung nutzen lässt (Leseempfehlung!).

Ein Storytelling-Tool von Laurie Hutzler

Jetzt und hier geht es aber um etwas anderes. Es geht darum, wie ein Drehbuch-Werkzeug zu einem Workshop-Tool wurde, um an der Strategie eines Unternehmens zu arbeiten. Ich möchte ein Werkzeug vorstellen, dass eigentlich entwickelt wurde, um die Charaktere in Film-Drehbüchern zu schärfen: Die Character-Map von Laurie Hutzler. Dieses Storytelling-Tool der US-amerikanischen Drehbuchberaterin hat mich in Workshops wirklich überrascht.

Es gibt Methoden bei denen ziemlich genau abzusehen ist, welche Art von Ergebnis sie liefern werden. Setze ich zum Beispiel ein Business Model Canvas ein, weiß ich vorher, dass wir mit einem geschärften Bild aus der nächsten Session herausgehen werden – die Flughöhe ist vorab relativ klar. Sagen wir mal, es ist wie das Zeichnen mit einem Bleistift – präzise Striche und gezielte Schattierungen sind möglich. Der Einsatz der Character-Map verhält sich eher wie das Beträufeln von Büttenpapier mit verschieden gefärbten Wassertropfen. Will sagen: Bei jedem Einsatz hat die Character-Map bis heute in Workshops funktioniert, dabei aber auch überrascht oder auch mal zu nicht geplanten Situationen geführt. Das liegt auch daran, dass die Arbeit mit der Map ziemlich direkt auf der emotionalen Seite der Teilnehmer einsteigt und Rationalität erst im zweiten Schritt gefragt ist.

Das Setting: Strategie-Offsite mit einem Startup

Vor einiger Zeit habe ich einen Workshop mit drei Gründern eines Startups durchgeführt. An zwei Tagen sollte es um die Strategie des Unternehmens gehen und um das gemeinsame Bild und Selbstverständnis der Gründer von ihrer Firma. Die Character-Map habe ich in diesem Workshop gleich zu Beginn eingesetzt, weil ich durch die Vorabgespräche mit einem der Gründer hoffte, dass sie genau die Pain-Points auf den Tisch bringen würde und – wenn es gut liefe – auch schon ausstehende strategische Entscheidungen offensichtlich machen würde.

Die 6 Fragen der Character-Map

Die Arbeit mit der Character-Map beginnt zunächst einmal mit sechs Fragen – die Gesamtdauer der Session im Rahmen des Workshops beträgt im hier dargestellten Modus, wie könnte es anders sein: beste Spielfilmlänge von 105 Minuten. Der Start fühlt sich etwas sperrig an, denn die Fragen sind ja eigentlich auf einen Film-Charakter bezogen, wir wenden sie jetzt aber auf eine Firma, ein Produkt oder Service an. Die Teilnehmer müssen sich erst einmal darauf einlassen, so ein Konstrukt als selbstständigen Charakter anzuerkennen. Diese Hürde wird klarer, wenn ich die Fragen aufliste und Du Dir bitte geistig vergegenwärtigst, einer der Startup-Gründer zu sein und das Startup als eigenständig denkenden und handelnden Charakter im Kopf zu haben. Frage ich also, “wie geht es Dir?”, dann meint dieses “Dich” nicht “Dich”, sondern Dein Startup – von dem wiederum Du und alle Mitarbeiter ein Teil sind. Alle Klarheiten beseitigt? Prima. Also bitte:

(Die Fragen sind hemdsärmelig aus dem Englischen übersetzt. Die Originalfragen und ein absolut lesenswertes Büchlein zur Character-Map gibt es auf der Website von Laurie Hutzler.)

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  1. Frage: Missverständnisse
    Wenn Menschen Dich nicht besonders gut kennen, was ist ihr größtes Missverständnis darüber, wer Du bist? Wie denken Leute oft fälschlicherweise über Dich, wenn sie Dich zum ersten Mal treffen? Was wird hinter vorgehaltener Hand über Dich gelästert?
  2. Frage: Ängste
    Vor was hattest Du in Deiner Kindheit am meisten Angst? Und zwar eine nicht-spezifische, verallgemeinerte Angst. Eine Angst, die es geschafft hat, Dich in der Nacht wach liegen zu lassen. Welche Angst war so stark, dass Du nicht einschlafen konntest?
  3. Frage: Stärken
    Was sind Deine stärksten Charakterzüge? Auf welche Stärken kannst Du Dich verlassen, wenn es hart auf hart kommt? Welche Werte sind für Dich zentral? Was halten andere für Deine besten Eigenschaften?
  4. Frage: Vorbilder
    Jetzt geht es um die Merkmale und Eigenschaften, die Du nicht hast, die Du aber bei anderen bewunderst. Wenn Du diese Eigenschaften bei jemand anderem siehst, bist Du hingerissen. Und wenn Du ehrlich bist, würdest Du dir gerne eine Scheibe dieser wunderbaren Merkmale abschneiden.
  5. Frage: Schwächen
    Welche Charaktereigenschaften bringen Dich in Schwierigkeiten? Was sind die Eigenschaften, die Dich manchmal ins Stolpern bringen, obwohl die Dinge gerade einigermaßen gut laufen? Was sind die Eigenschaften, die Dich am häufigsten in Streitigkeiten oder Schwierigkeiten mit Deinen Lieben bringt?
  6. Frage: Ablehnung
    Stell Dir jetzt jemanden vor, den Du nicht ausstehen kannst. Jemand, den Du gut kennst oder beobachtet hast. Allein bei dem Gedanken, stellen sich deine Nackenhaare auf. Du spürst körperliche Abwehr. Was sind die Eigenschaften, die diese Person hat, die so viel Ablehnung Deinerseits provoziert?

Es knirscht, funktioniert aber – und kann tiefer gehen

Ja, es knirscht. Es es ist wirklich nicht leicht, mit diesem Duzen zu arbeiten und die Firma im Gedankenspiel als eigenständigen Charakter zuzulassen. Es würde auf den ersten Blick etwas einfacher werden, wenn die Fragen umformuliert würden. Damit habe ich auch schon experimentiert und verschiedene Templates ausprobiert.

Mein Fazit ist bislang aber: Die Fragen funktionieren trotz ihrer Sperrigkeit in der Originalform besser. Vielleicht auch, weil dann offensichtlicher ist, dass das Vorgehen entliehen ist. Ich “verkaufe” das immer auch ein wenig als Hollywood-Experiment.

Die aufgeschriebenen Fragen ergänze ich dann lieber auf der Tonspur, wenn Teilnehmer mit den Antworten hadern (und das werden sie tun!). Ich ergänze also zum Beispiel: “auf welche Eigenschaften könnt Ihr euch in Eurer Firma immer verlassen? Was zeichnet Euch als Team aus?”.

Ablauf: Die Character-Map als Workshop-Tool

Diese sechs Fragen sind also der Ausgangspunkt. Im Folgenden stelle ich vor, wie und in welchem Ablauf ich sie in dem zweitägigen Workshop mit den drei Gründern eingesetzt habe. Die Character-Map diente dabei als Klammer – ganz zu Beginn des Workshops und erneut bei der Reflektion der beiden Tage. Das konkrete Beispiel dient nur zur besseren Darstellung und ist im Detail natürlich wandelbar.

1: Fragen beantworten (15 Minuten)

Die Teilnehmer beantworten alle sechs Fragen still und für sich auf Post-Its. Maximal drei Post-Its pro Frage sollen als Antworten reichen. Es sollen einfach und schnell die ersten Antworten notiert werden, die in den Sinn kommen. Und wie immer: eine Haftnotiz pro Antwort (weil sich’s sonst nachher nicht gut sortieren lässt).

2: Character-Map vorstellen (5 Minuten)

Jetzt stelle ich den Teilnehmern die Character-Map vor. Das ist ein ziemlich simpel gestrickter Arbeitsbogen mit sieben Feldern. In der Mitte steht als erstes Feld der Charakter, um den es geht. Also jetzt: Das Startup. Die übrigen sechs Felder sind wie im folgenden Bild angeordnet. Für einen Workshop ist es am besten, die sechs Felder auf eine große Moderationswand oder ein Plakat an der Wand zu malen. Dort werden dann gleich die Post-Its angehängt.

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Die Felder werden im nächsten Schritt mit den Antworten der Teilnehmer gefüllt. Die Antworten auf die sechs Fragen werden dabei folgendermaßen zugeordnet* Antworten zu…

  • Frage 1 (Missverständnisse): Mask – die Maske, die der Charakter aufsetzt.
  • Frage 2 (Ängste): Fear – die Ängste des Charakters.
  • Frage 3 (Stärken): Strongest Traits – die Stärken des Charakters.
  • Frage 4 (Vorbilder): Traits Admired – die Eigenschaften, die der Charakter bewundert.
  • Frage 5 (Schwächen): Trouble Traits : Die Schwächen des Charakters.
  • Frage 6 (Ablehnung): Dark Side : Die Abgründe des Charakters.

3: Antworten vorstellen (10 Minuten)

Nacheinander stellen die Workshop-Teilnehmer ihre Antworten vor und kleben sie auf die entsprechenden Felder auf der Character-Map.

4: Antworten clustern (15 Minuten)

Clustern der Antworten in den sechs Feldern. Und dabei gegebenenfalls nochmal neu formulieren, zusammenfassen, präzisieren.

5: Antworten gewichten (10 Minuten)

Jetzt sollen die Teilnehmer die Antworten gewichten. Dafür bieten sich Klebepunkte an. Zum Beispiel ein “5 Punkte für jedes der 6 Antwortfelder”, von denen aber höchstens 3 auf eine Karte geklebt werden dürfen. Da haben die Gründer jetzt also viele, viele Punkte zu kleben.

6: Charakter-Pfade aufzeigen (10 Minuten)

Das Team kann sich kurz zurücklehnen. Ich erzähle an einem Beispiel, wie mit der Character-Map die Entwicklung eines Film-Charakters dargestellt und geschärft werden kann.

Laurie Hutzler zeigt das* als Beispiel an einem Film, den fast jeder gesehen hat/gesehen haben sollte: Wall Street mit Michael Douglas und Charlie Sheen. Sie beantwortet die Fragen für Bud Fox (Charlie Sheens Hauptrolle) in etwa so:

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(Eine gute Leseunterbrechung wäre jetzt: auf der Couch Platz nehmen und nochmal in aller Ruhe “Wall Street” gucken. Und dabei immer wieder auf die Character-Map zu schielen. Die Charaktereigenschaften des Filmhelden werden durch die anderen tragenden Figuren geschärft.)

Da ist Gordon Gekko als fleischgewordene Dark Side, der Bud immer weiter in seine problematischen Charaktereigenschaften (Trouble Traits) drängt. Buds Vater, der für die Dinge steht, die Bud in seinem Innersten bewundert (Traits Admired). Im Verlauf des Films konfrontiert Bud seine Angst und er entscheidet sich, in seinem bisherigen Umfeld zum Verlierer zu werden. Und dafür muss er sich von seinen stärksten Eigenschaften lösen, denn seine Beharrlichkeit (Persistence) hat ihn blind für die negativen Auswirkungen seiner Handlungen gemacht.

Bei einem Drehbuch lässt sich da an jeder Schraube beliebig drehen, aber nun haben wir es im Workshop mit echten Menschen, einer echten Firma und einer realen Umwelt zu tun.

7: Gemeinsam angucken und sortieren (20 Minuten)

Beim gemeinsamen Blick auf das Poster ist vor allem erst mal spannend, ob es große Übereinstimmungen gibt, Antworten, die sich gut ergänzen oder echte Widersprüche. Das Team hat jedenfalls Gesprächsanlässe und die Fragen decken erstaunlich schnell Punkte auf, die das Team vielleicht gerade so mit sich herum trägt.

In der Moderation gehe ich darauf ein, welche Antworten als wichtig erachtet wurden und lasse nur die 3-5 Karten mit den meisten Klebepunkten auf der Map – die übrigen Karten hänge ich außen neben das Poster.

8: Charakter-Pfade durchspielen (20 Minuten)

Nahtlos moderiere ich weiter die Diskussion anhand der Character-Map und – wenn es nicht von alleine passiert – bitte ich die Teilnehmer immer wieder, die Entwicklungen ihres eigenen Charakters zu beschreiben. Also im Sinne von: Mal angenommen Dein Charakter (Deine Firma, Dein Service, Dein Produkt) wäre Protagonist in einem Film, wie würde sich der Charakter jetzt anhand dieser Character-Map entwickeln können? Was wären die zentralen Momente und Wendepunkte?

Extra-Level:

Ein optionaler Zusatz ist hier die Frage nach Genres. Also, wie würde sich Euer Charakter in einer Tragödie entwickeln, wie in einer Komödie, wie in einem Thriller?

Es geht an dieser Stelle nicht darum, bis ins Detail auszuarbeiten, was konkret getan werden müsste, um diese oder jede Entwicklung der Firma voran zu treiben. Es geht eher darum, Themen offen zu legen, die im weiteren Verlauf des Workshops bearbeitet werden können und sollen.

Mit wenig eingesetzter Zeit stehen in diesem Moment meist schon sehr spannende Ergebnisse im Raum. Negative Szenarien, die den weiteren Verlauf der Firma oder des Service in einer Tragödie enden lassen – oder ein echtes Happy-End mit einem Befreiungsschlag des Hauptdarstellers.

Was wäre wenn – weiter mit anderen Methoden

Nachdem wir bislang noch ganz schön tief in halber Fiktion stecken, geht es jetzt zurück in die Realität. Was würden die skizzierten Entwicklungswege des Charakter (also der Firma, des Produkts…) in der Realität bedeuten?

Und welche Entwicklungsmöglichkeiten wollen wir jetzt im Workshop weiter durchdenken, um daraus strategische Pfade abzuleiten?

Nachdem über die Arbeit mit der Character-Map nun die Themen identifiziert sind, die weiter bearbeitet werden sollen, ist es an der Zeit, eben diese Themen mit anderen Werkzeugen anzugehen. Um das plastischer zu machen springe ich zurück zum konkreten Beispiel. Aus der gemeinsam erarbeiteten Character-Map der Startup-Gründer stach folgende Charakter-Entwicklung mit Happy-End heraus:

Workshop-Ergebnis durchs Warm-Up vorweg genommen

Bislang operierte das Startup sehr bodenständig. Wachstum sollte am liebsten aus eigener Kraft erfolgen (Strongest Traits). Gleichzeitig versuchten alle tendenziell Konflikte zu umgehen (intern und extern) und die Gründer haderten mit großen Entscheidungen (Trouble Traits). Die größte Angst der Gründer war es, dass sie den richtigen Zeitpunkt verpassen würden, entweder durchzustarten oder anzuerkennen, dass sie ihr Abenteuer beenden müssen (Fear). Glasklar wurde, dass es genug war mit einem guten Stück Bodenständigkeit. Sie wollten auf Wachstum setzen, zum echten SaaS-Modell (Software as a Service) werden und größer denken – und ja, auch endlich mal eine starke Geschichte erzählen (Traits Admired). Dabei wollten sie sich auf gar keinen Fall in Richtung zweier Konkurrenten entwickeln, deren Gebaren und Geschäftsmodell ihnen zutiefst zuwider war (Dark Side).


Die Character-Map: ein Storytelling-Tool für Strategie-Workshops á la Hollywood
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In diesem konkreten Fall sollte der Einsatz der Character-Map, eigentlich ja „nur“ ein Storytelling-Tool, zum treffsicheren Warm-Up für den zweitägigen Strategie-Workshop werden. Denn schlussendlich wurden genau die Entscheidungen getroffen, die sich bereits nach einer Session in Spielfilmlänge aus der Character-Map ablesen ließen. Die wir Im weiteren Workshop dann aber mit handfesten Zielen, Maßnahmen und Zeithorizonten konkretisiert haben.

Zum Abschluss des Workshops konnten wir uns noch mal vor der Character-Map versammeln und reflektieren, was wir in den vergangenen zwei Tagen geschafft haben.

Fazit und alternativer Einsatz der Character-Map

Nicht jedes Mal verläuft die Arbeit mit der Character-Map so gut. Das ist ja aber mit jedem Werkzeug so – mal läuft es prima, mal klemmt es hier oder da. Trotzdem wurde ich bislang bei jedem Einsatz der Character-Map belohnt.

Trotz erfolgreichem Einsatz der Character-Map als Workshop-Tool (vor allem in Strategie-Workshops), ist jede erneute Verwendung für mich immer wieder aufregend, und ich habe Angst, dass es überhaupt nicht funktioniert. Insofern freue ich mich riesig, wenn Du sie vielleicht auch mal einsetzt und wir uns dann dazu austauschen, wie sie bei Dir funktioniert hat.

PS: Ein paar Mal habe ich sie auch schon in Prozessen mit einzelnen Personen eingesetzt. Da zielten die Fragen dann direkt auf den eigenen Charakter. Das fühlt sich im Ablauf nicht so sperrig an, geht dafür aber unter Umständen ziemlich direkt ans Eingemachte. Gerade bei der Frage nach der Angst bringen hier die tatsächlichen Urängste der Befragten eine spannende Perspektive mit ins Spiel. Denn auch wenn wir das in der scheinbar rationalen Geschäftswelt nicht so gerne hören: Die Strategie von Unternehmenslenkern hat natürlich auch mit ihrem eigenen Charakter zu tun, und der wiederum existiert ja nicht losgelöst von Zeit, Raum und Erfahrungen, sondern geht in seiner Entwicklung eben wirklich bis zurück zu seinen Kindheitsängsten.

Mit dieser Perspektive steht man aber auch schon mit einem Bein im Coaching-Prozess. Ob man das will und ob das zur eigenen Position passt, muss dabei jeder im Einzelfall für sich entscheiden.

*Ich spare an dieser Stelle meist einen Schritt, der an der Character-Map eigentlich sehr spannend ist. Laurie Hutzler hat einen Arbeitsbogen, auf den die Antworten auf die sechs Fragen eingetragen werden und der dabei die Angst ins Zentrum setzt.

Die herausgearbeiteten Antworten aus dem oben dargestellten Fragebogen beantworten dabei diese Fragen:

  • Frage 1: Wie versteckt, maskiert oder verneint der Charakter seine Angst?
  • Frage 2: Die Angst ist definiert durch:
  • Frage 3: Wie kontrolliert der Charakter seine Angst, wie geht es mit ihr um?
  • Frage 4: Wie kann der Charakter seiner Angst entgegentreten?:
  • Frage 5: Wozu wird der Charakter von seiner Angst verlockt? Wozu wird es von der Angst getrieben?
  • Frage 6: Wie gibt der Charakter der Angst vollständig nach, wie geht er in ihr auf?

Diese Lesart funktioniert mit Film-Charakteren super. Im Workshop war dieser Schritt aber zu sperrig. Denn es geht ja darum, Themen aus einem Team zu heben. Und nicht darum, einen möglichst durchdachten Drehbuchstoff zu entwickeln.  

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Ergebnisse des Product Management Survey

Das britische Beratungsunternehmen Product Focus, Anbieter für Trainings im Bereich Produktmanagement, führt in jedem Jahr eine große Umfrage zum Stand von Produktmanagement und Produkt Marketing in Technologie-Unternehmen durch. In der diesjährigen Studie, durchgeführt im Januar 2017, nahmen europaweit über 1.200 Personen aus über 600 Unternehmen teil. Die Ergebnisse sind – wie schon in den Jahren zuvor – sehr interessant. Einen Auszug davon möchten wir euch im Folgenden vorstellen.

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Shopping Convenience: Einfach bequem einkaufen

Bequemlichkeit – was genau bedeutet das beim Kauf von Produkten des täglichen Bedarfs? Die Bedeutung von „Shopping Convenience“ hat ganz sicher viele Facetten. Und Extreme.

Einkaufen mit Stress

Kein Vergnügen: Eiliges Einkaufen im Supermarkt

Bequemlichkeit, rein definitorisch, bedeutet: „Vorhandensein angenehmer Gefühle auf Grund der Anwesenheit bestimmter Gegenstände, Geräte und Einrichtungen“. Für die meisten von uns sollte die höchste Bequemlichkeit beim Einkaufen von Lebensmittel dann erreicht sein, wenn sie diese Aussage treffen können:

Einkaufen? Das machen andere für mich!

Ich denke im Kontext von Bequemlichkeit beim Einkaufen gern an meine Jugend zurück. Schulzeit. Mama machte damals alle Einkäufe für die Familie. Wünsche wurden geäußert, meist beachtet und erfüllt. Es blieb viel Zeit für andere Dinge. Für mich die perfekte Situation hinsichtlich dem Aspekt: Bequemlichkeit.

Mit inzwischen 45 Jahren und einer eigenen Familie finde ich einkaufen, nun selbst einkaufen gehen, weiterhin bequem. Meine wöchentlichen Besuche bei Edeka, dm, Famila oder Rossmann sind für mich und meine beiden Kinder (2 und 4 Jahre) etwas Besonderes. Wir genießen die gemeinsame Zeit, entdecken Neues, Schönes, lernen dazu und erfüllen uns oft kleine Einkaufswünsche.

Ist das bequem für mich? Irgendwie schon, ja, aber halt anders als vor 30 Jahren.

Die Bewertung der Bequemlichkeit eines Einkaufs wird also ganz wesentlich bestimmt von der (Lebens-)Situation, den (sich wandelnden) Einstellungen, Gewohnheiten und Anforderungen der jeweiligen Person.

Eine hohe, wahrgenommene Bequemlichkeit für Kunden zu erreichen ist eine wesentliche Zielsetzung eines jeden Händlers. Und das seit Jahrhunderten. Auf Marktplätzen, Märkten und in Läden stellen Händler Produkte zu Sortimenten zusammen, bringen die Waren näher an den Konsumenten heran und vereinfachen somit den Einkauf. Sie präsentieren die Produkte in angenehmer Atmosphäre, inszenieren die Produktpräsentation und beraten den Konsumenten bei der Auswahl.

Diese Handelsfunktionen sind wertvoll, rechtfertigen die Händlerzunft und stellen auch nachvollziehbare Argumente für höhere Preise im Vergleich zum Einkauf direkt beim Hersteller dar. Schaut gut aus, für die Händlerzunft. Sie sind ihr Geld wert. Gilt das auch für die Online-Händler?

Online-Shopping bietet wenig Shopping Convenience

Beim Web-Shopping muss man schon noch recht viel selbst erledigen, um seinen Wocheneinkauf in den Kühlschrank zu bekommen. Lebensmittel online einkaufen, das ist anstrengend und dauert. Probieren Sie es einmal selbst aus.

Und dann ist da ja noch die Lieferung des Wocheneinkaufs. Ist der Einkaufskorb endlich zusammengestellt und der Bestellvorgang beendet, dann sind die Produkte noch nicht im eigenen Heim. Nun steht die Lieferung an, und die, ja die sollte doch auch einfach, komfortabel, flexibel und am besten für den Konsumenten nicht spürbar sein.  Dass wir von dieser Situation noch weit entfernt sind, wissen wir alle.

Wie wünscht sich ein Convenience Shopper die Lieferung von Lebensmitteln?  

Das ist eine spannende Frage. Spannend im Kontext der Bequemlichkeit beim Wocheneinkauf. Für mich ist eine Lösung naheliegend die eng verbunden ist mit Smart Home Systemen und digitalen Sprachassistenten (Voice Shopping mit Amazon Echo).

Eine Verzahnung des Lieferservice mit Smart Home Anwendungen weist deutliche Vorzüge für den Convenience Shopper auf, selbst im Vergleich zu den heute von vielen Experten favorisierten Lösungen:

  • Zustellung im Kofferraum des eigenen Autos,
  • fest installierten Paketkästen oder
  • Paketboxen.

Smart Home Liefersysteme können in Zukunft dem Paketboten den Zugang in das Haus oder die Wohnung ermöglichen, ähnlich wie heute bereits der Zugang zum Kofferraum eines PKWs möglich ist. Per App ließe sich die Schließanlage fernsteuern und der Eingangsbereich der Wohnung per Video überwachen.

Klingelt der Bote, kann der Haus- oder Wohnungsbesitzer ihm über die Smart Home App die Tür öffnen und per Kamera überwachen, wie er das Paket ordnungsgemäß im Flur oder noch bequemer im Kühlschrank ablegt. Die Unterschrift leistet er auf seinem Smartphone, sie wird in Echtzeit an den Lieferanten übermittelt.

Die Lösung verspricht viel in Sachen Bequemlichkeit:

  • Flexibilität
  • Zuverlässigkeit
  • kaum Einschränkung im Zeitfenster
  • kaum Größenbeschränkung der Sendungsgröße
  • geeignet für Lebensmittellieferungen.

Die Anfangsinvestitionen sind hoch, sicher, es braucht viel Vertrauen in den Lieferservice, aber wenn das mal steht, dann ist es doch fast wie früher: „Einkaufen, das machen andere für mich!“.

Fast, denn noch immer haben wir ja den Self-Service beim Zusammenstellen der Lieferung und Bestellvorgang im Web-Shop. Aber hier zeichnen sich mit Amazon Echo, Google Home & Co. bereits heute Lösungen ab, die das Einkaufen auch vor der Lieferung bequem gestalten (Die Amazon Echo NutzerIn: Wer ist sie?).

Shopping Convenience überall. Ist das die Zukunft des Lebensmitteleinkaufs? Für den Convenience Shopper sicher. Wer sie bzw. er ist und wie viele es davon gibt, das bleibt es zu beobachten. Ich bin gespannt und freue mich auf die Entwicklungen der kommenden Monate und Jahre.

Es bleibt spannend in Sachen Convenience Shopping.

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Was ist eigentlich UX Design?

User Experience Design sorgt durch eine ganzheitliche Sicht auf die Nutzer für positive Kunden­erlebnisse. Was man sonst noch wissen muss …

Webservices, Apps und digitale Plattformen sind heute keine Add-ons zu physischen Produkten mehr, sondern eher integrale Bestandteile der Angebote selbst. Ob Amazon, Airbnb, Uber oder Netflix: Der Service ist das Produkt. Und dieser digi
tal nutz- und erlebbare Service muss die Menschen von Anfang bis Ende mit einer verlässlichen und intuitiven Nutzung über zeugen. Dieses über alle Touchpoints hinweg überzeugende – und im Idealfall begeisternde – Nutzererlebnis ist Aufgabe und Ziel von User-Experience-Designern. Mit dem Nutzer im Fokus gestalten sie in enger Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen Websites, Mobile-Apps oder Internet-of-Things-Anwendungen, die den Menschen das Leben erleichtern.

Mit dem Nutzer im Fokus gestalten UX Designer in enger Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen Produkte und Services, die den Menschen das Leben erleichtern

Dabei geht User Experience Design weit über die Usability und das Interaktionsdesign eines Produkts oder eines Services hinaus, denn neben der reinen Nutzungsphase werden auch die Touchpoints der künftigen Kunden mit dem Produkt oder Onlineservice vor, während und nach der Nutzung bedacht und gestaltet. Jeder dieser Punkte wird von UX-Designern mit viel Liebe zum Detail durchdacht, da eine negative Erfahrung des Kunden oder Users an beliebiger Stelle des Customer Lifecycles zum Verlust des Vertrauens in das Produkt und zu einer schlechten Reputation des Unternehmens insgesamt führen kann.

Positive Erfahrungen mit den Produkten oder Services einer Marke sorgen hingegen für überzeugte und loyale Kunden, die ihrerseits zu Markenbotschaftern in ihrem Umfeld werden. Die designrelevanten Berufsfelder, die sich konstruktiv mit Usability-Fragen befassen, sind vielfältig und reichen von User Research und Usability Engineering über Interaktionsdesign, Screendesign und User Interface Design bis hin zu Grafikdesign, Visual Design sowie Motion Design. Sie alle befassen sich mit der Gestaltung und Verbesserung eines Produkts oder Services für bestimmte Nutzer und deren Aufgabensituationen.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des User Experience Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein UX Designer bei Aperto – An IBM Company«:

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Produkte ganzheitlich betrachten

Die Kompetenzen der reinen Produkt­ge­staltung reichen heute nicht mehr aus, um neue Produkte erfolgreich am Markt zu platzieren und Kunden und Nutzer zu gewinnen. Apple hat das als eine der ers­ten Firmen verstanden und stellte schon 1993 Donald Norman als weltweit ersten User Experience Architect ein. Norman war zuvor Professor für Psychologie und Kognitionswissenschaften an der Uni­ver­sity of California in San Diego und hatte
in seinem Buch »The Design of Everyday Things« (1988) das psychologische Ver­hält­­nis zwischen Mensch und Alltagsgegenständen diskutiert, das entweder zu Frust oder Freude bei der Nutzung führen kann.

Die Kompetenzen der reinen Produktgestaltung reichen heute nicht mehr, um neue Produkte und Services erfolgreich am Markt zu platzieren und Kunden und Nutzer zu gewinnen

Nicht nur bei Apple versteht man seither unter User Experience eine ganzheit­li­che Betrachtungsweise des Customer Lifecy­cles. Diese geht davon aus, dass Kunden sich ­bereits lange vor dem Kauf beziehungs­weise lange vor dem Anlegen eines User Accounts mit dem erwarteten Produkt- re­s­pektive Servicenutzen auseinandersetzen. Sie wol­len wis­sen, wofür sie ihr Geld ausgeben oder in was sie ihre Zeit inves­tie­ren. Sie wollen wissen, welche Funktionen das Produkt hat, unter welchen Her­stel­­lungs­bedingun­gen die Hardware produziert wur­­de, welche Freunde oder Kollegen das System schon nutzen – und nicht zuletzt, welchen Status der Besitz des Produkts oder die Mitgliedschaft im jeweiligen Netz­werk mit sich bringt. Das alles hat nichts mit Usability zu tun, denn der potenzielle Kunde hat das Produkt oder den Service ja noch nicht einmal ausprobiert. Dennoch tragen alle diese Aspekte maß­geblich zur User Experience des Produkts oder Services bei.


User Experience Design als iterativer Prozess: User Experience Design bedeutet, Empathie für den Nutzer zu entwickeln und ein positives Erlebnis über alle Touchpoints hinweg zu schaffen. Und das immer iterativ: beobachten, Schlüsse ziehen, entwickeln, testen und weiterentwickeln.


Den Nutzer verstehen

Im Zentrum der Arbeit von UX-Designern stehen stets die Nutzer – insbesondere die zukünftigen –, deren Wünsche und Be­dürf­nisse sie durch Beobachtungen und Be­fragungen – sei es analog oder digital – ermitteln. Die Ergebnisse dieser User Research verdichten sie in sogenannten Personas, die im weiteren Design- und Ent­wicklungsprozess die potenziellen Nut­zer exemplarisch repräsentieren. Mit diesen Kunden- oder Nutzermodellen spie­len sie anhand von Szenarien und Storyboards schnell und iterativ Nutzungssituationen für neue Produkte und Services durch. Da­für betreiben sie umfangreiches Prototyping: Papierprototypen, Wireframes und Klickdummys helfen dabei, das zukünftige Systemverhalten zu visualisieren, zu verstehen und an Probanden zu testen.

User Experience umfasst Wahrnehmungen von Nutzern und deren Reaktionen auf ein Produkt oder einen Service während der Nutzung genauso wie die Erwartung und Vorfreude vor der eigentlichen Anwendung

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die jeweils folgende Designrunde ein, bis das Konzept sowohl mit Blick auf die Personas als auch im Geschäftskon­text überzeugt. Diese Schritte sind nur einige von vielen Verfahren aus dem Werkzeugkoffer eines UX Designers, in dem auch Design Thinking, Human-Centered Design, User (Experience) Journey Mapping, Crossmedia Storytelling oder Business Model Design ihren Platz haben.

Diese Methoden sorgen dafür, dass der UX Designer eine ganzheitliche Sicht auf den Nutzer sowie den Nutzungskontext ei­nes Produkts oder Services hat. Nur so kann ein adäquates und kohärentes Angebot entstehen, denn Kohärenz über die diver­sen Kanäle, Plattformen und User Inter­faces hinweg ist eines der zentralen Anliegen von UX Design. Um den Erfolg eines Unternehmens nachhaltig zu sichern, um neue und innovative Onlineservices zu entwickeln oder gar Ideen für Start-ups zu generieren, bedarf es einer holistischen Betrachtungsweise, die sämt­liche Aspekte der Kundenerfahrung umspannt. Dazu gehören: das Branding, mög­liche Flagship-Stores im realen Leben, der Social-Media-Auftritt, aber auch inter­aktive Elemente wie Navigation, Gestensteuerung, Anima­tion oder Voice- und Chatbots sowie Screen­design, Layout und Typografie. Dadurch schaffen UX Designer die Rahmenbedingungen für Produkte und Services, die bei den Kunden zu einer positiven User Experience führen, ihr Vertrauen in die Marke stärken und sie in loyale Botschafter verwandeln. Dabei arbeiten UX Designer immer eng mit anderen Disziplinen zusammen, wie Programmierern, Visual-Designern und Projektmanagern.

Das Nutzungserlebnis formen

Es dauerte bis 2010, ehe die International Organization for Standardization den Begriff User Experience erstmals im Rahmen der ISO-Norm 9241-210 als »Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher Systeme« definierte. User Experience umfasst demnach die kognitiven und emotionalen Wahr­nehmungen von Nutzern und deren physiologischen und psychologischen Re­aktionen auf ein Produkt oder einen Service während der Nutzung genauso wie die Erwartung und Vorfreude vor der eigentlichen Anwendung. All diese Erfahrungen beeinflussen den Gesamteindruck, den die Kunden vom System und damit von der Marke, dem Produkt und der Firma bekommen. Die Definition berücksich­tigt explizit auch Dienstleistungen, die zu­nehmend selbst zum Kerngeschäft werden, wobei eine stärkere Serviceorientierung zu einer guten User Experience beiträgt.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des User Experience Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein UX Designer bei Aperto – An IBM Company«:

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Im Gegensatz zur Usability ist User Experience im Sinne dieser Definition nicht messbar, da es überwiegend um psychologische und mentale Vorgänge geht. Genauso wenig ist User Experience im Sinne der ISO-Norm gestaltbar. Mit anderen Wor­ten: Es gibt – im strengen Sinne – kein User Experience Design, da viele Aspekte der Nutzererfahrung subjektiv sind und Designer diese subjektiven Aspekte nicht direkt beeinflussen können. Jeder Mensch ist anders und erfährt daher eine eigene User Experience. Diese individuellen Kun­denerlebnisse durch die Gestaltung digitaler Schnittstellen und Services indirekt zu beeinflussen macht den großen Reiz des User Experience Designs aus.

UX Design geht weit über die Usability und das Interak­tions­­design eines Produkts oder Services hinaus

Wie schon Donald Norman es Anfang der 1990er Jahre bei Apple forderte, entwirft und gestaltet ein User Experience De­signer interaktive Systeme mit einer ganzheitlichen Sicht auf die Nutzer und schafft so die Voraussetzungen für ein möglichst positives Kundenerlebnis. Dies trifft sich offenbar mit dem Bedürfnis vieler Designer, denn der Jobtitel des UX Designers erfreut sich wachsender Beliebtheit.

UX Design ist ein Beruf in Bewegung, weil Kundenlebenszyklen immer mit der Zeit gehen. Wer gerne interdisziplinär in Teams arbeitet, sein psychologisches Inte­resse mit eigenen kreativen Impulsen verbinden möchte und sich gerne mit Leuten umgibt, die in Produkten und Businessmodellen denken, ist mit dem Berufsbild UX Designer gut bedient. Bringt man außerdem noch zukunftszugewandten Forschergeist mit, ist die Berufswahl goldrichtig.

 


Der Autor

Matthias Müller-Prove ist Interaction Designer und »Human Computer Interactivist.« Unter mprove.de finden Sie eine Übersicht über seine Veröffentlichungen, Artikel und Präsentationen.

 


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UXDesignCCCAP17

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Podcasts für „product people“

Haben wir auf produktbezogen eigentlich schon mal was zu Podcasts gemacht? Nein! Warum eigentlich nicht? Ich liebe Podcasts! Denn nicht immer hat man Lust ein (E-)Buch zu lesen oder sich einen Talk auf Video reinzuziehen um sich fortzubilden.

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Was ist eigentlich Interaction Design?

Interaction Design ist die Gestaltung von Parametern, die eine Interaktion zwischen 
Menschen, Räumen 
und Dingen 
ermöglichen. Was man sonst noch wissen muss …

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Visual Designer, Information Architect, User Experience Designer, User Interface Designer und so weiter und so fort – all diese Bezeichnungen stehen in aktuellen Stellenbeschreibungen und auf Visitenkar ten von Agenturen. An den Hochschulen wachsen die Studienangebote mit ähnlichen Titeln, und es gibt, ganz abgesehen von einzelnen Bezeichnungen, auf allen Stellenbörsen einen sehr großen Bedarf an Designerinnen und Designern mit digitaler Kompetenz. Aber was bedeutet das eigentlich, digitale Kompetenz?

Mit der anhaltenden Technologisierung und Digitalisierung unserer Lebens- und Arbeitswelt wachsen die Aufgaben der Designer noch rascher als die wohlklingenden Jobbezeichnungen. Außerdem ändern sich die Arbeitswerkzeuge, sprich Compu ter und Software schneller, als die Kreativen schauen können. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es nicht mehr um eine Unterteilung von Berufsgruppen in einzelne Tätigkeiten und Kompetenzen gehen kann, sondern um ein grundsätzliches Verständnis von digitaler, sprich algorithmisierter und vernetzter Gestaltung.

Interaction Design is a state of mind. Es braucht Haltung, um Zukunft zu gestalten.

Die klassischen Designdisziplinen waren klar umrissen, und es gab einen Anfang und ein Ende im Gestaltungsprozess. Ein gutes Layout für ein Magazin oder Buch blieb beständig, wenn es vom Grafikdesigner erst einmal entworfen wurde und in den Druck ging. Eine leicht zu bedienende Kaf feemaschine mit einfachen Schaltern und Funktionen erfreute die Besitzer über viele Jahre, denn das vom Produktdesigner gezeichnete Gerät änderte sich nicht mehr und die Bedienelemente blieben am gewohnten Platz – und mit dem Internet war es ganz bestimmt nicht verbunden.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des Interaction Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein Interaction Designer bei deepblue networks«:

Button, call to action, onlineshop, PAGE

Im digitalen Design ist hingegen vieles anders. Wir befinden uns in einem permanenten Betastadium, und die von uns entwickelten digitalen Produkte und Services werden nicht mehr im klassischen Sinne »fertig«, sondern Apps und Webseiten verändern sich in einem fortlaufenden Prozess und wachsen stetig weiter. Wenn Designerinnen und Designer aber die Kontrolle über das Ergebnis abgeben müssen, ändert sich auch das Verständnis von der eigenen Profession. Und diese Profession heißt Interaction Design.

Interaction Design ist 
wie Schach

Die Disziplin Interaction Design lässt sich gut anhand des Strategiespiels Schach erläutern. Den beiden Schachspielern stehen Schachfiguren, Schachbrett und Spielregeln zur Verfügung. Damit agieren und reagieren sie auf den Gegenspieler und denken in langen Zugfolgen. Somit ist Schach ein anschauliches Bild für den Kern des Interaction Designs: Nur die grundsätzlichen Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Spielern lassen sich planen, nicht aber der konkrete Spielverlauf. Dieser ergibt sich aus dem Können und den Entschei dungen der Spieler.

Die Schachfiguren stehen für die digitalen und technischen Werkzeuge und Pro dukte wie zum Beispiel die Fahrkarten-App Navigator der Deutschen Bahn. Das Schachbrett steht sinnbildlich für den weiten Bereich des Interface Designs, also der Nutzeroberfläche der Deutsche-Bahn-App. Dadurch wird eine gute Interaktion zwischen Reisenden – den Spielern – und der Software, vor allem aber zwischen den Reisenden und der Deutschen Bahn erst möglich. Und die Spielregeln beim Schach stehen im übertragenen Sinne für eine gute Nutzerführung in digitalen Anwendungen. Schließlich will der Bahnkunde auch die Logik verstehen, nach der er am virtuellen Bahnschalter Zugfahrten plant und dann das Ticket abruft.

Interaction Design, PAGE Connect

Vernetzt agieren: Interaction Design an der Schnittstelle von Technologie, Soziologie und Gestaltung

 

Burkhard Müller, Creative Director bei deepblue networks in Hamburg, bringt es aus Agentursicht auf den Punkt: »Interaction Design ist mehr als die rein visuelle Gestaltung eines Interfaces. Es geht um die gesamte Anwendung und ihr Umfeld. Zunächst werden Probleme und Gewohnheiten jeglicher Art identifiziert, um dann Schritt für Schritt die passenden Lösungen zu entwickeln.« Während Ingenieure und Techniker Produkte entwickeln und die Sozialwissenschaftler unser gemeinsames Miteinander beschreiben, bringen wir Designer die besondere Entwurfskompetenz in ein gutes Interaction-Design-Team ein.


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Visualisieren, moderieren, entwickeln, führen

Interaction Design hilft aber auch bei der Beschreibung neuer Ideen und sorgt dafür, dass Kunden und Entwickler eine Vorstellung davon bekommen, wie zukünftige Produkte und Services aussehen könnten. Design Fiction als Methode zur Visualisierung von Zukunftsszenarien hilft beispielsweise erfolgreich innerhalb der Kommunikationsprozesse in Unternehmen.

Die Interaction-Design-Studierenden der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim zeigen zum Beispiel in interaktiven Videos und Präsentationen, wie der Automobilhersteller Volkswagen zukünftig als umfassender Anbieter von Mobilität am Markt präsent sein könnte. Dabei haben sie untersucht, welche Parameter – etwa öffentliche Verkehrs mittel, individuelle Fahrzeuge wie Auto und Fahrrad, aber auch Gesetzgebungen und Verkehrsregeln – verändert werden müssen, um neue Mobilitätskonzepte zu entwerfen. Es ist dieses besondere Verständnis von gestalterischen Prozessen, die den Auftraggeber von Anfang an mit einbindet und ihn berät. Hier liegt der entscheidende Vorteil für den Kunden, wenn er mit Interaction-Designern zusam menarbeitet.

Interaction Designer bringen Kindern das Radfahren bei. Sie erklären, schieben an und stützen auf den ersten Metern. Vor allem sind sie in der Lage, im rechten Moment loszulassen. Dann läuft es von alleine.

In Workshops erstellen Agenturen gemeinsam in Co-Creation mit ihren Kunden mithilfe von Methoden und Denkweisen des Interaction Designs ein Briefing, das die erfolgreiche Entwicklung eines neuen Produkts oder Angebots deutlich unterstützt. Im Anschluss übernehmen die auf Interaction Design spezialisierten Agenturen die Moderation in der Planung und Aus führung. Dazu braucht es dann natürlich auch spezifische Kompetenzen etwa im visuellen Design, in der Informationsarchitektur und dem User Experience Design. Schließlich müssen die Schachfiguren mit viel Liebe zum Detail und gestalterischer Kompetenz von digitalen Produktdesignern gestaltet werden.

Übertragen aufs Strategiespiel Schach brauchen Interface Designer visuelles Talent und ein Auge für Typografie und Grafik, um das Schachbrett zu gestalten. User Experience Designer müssen sich in der Soziologie und Psychologie auskennen, um die Spielregeln, also die Metaphern und mentalen Modelle, zu kreieren, die eine gute Interaktion ausmachen. »Diese Kombination an Skills ermöglicht es dem Interaction Designer, ein Projekt in seiner Komplexität von Anfang bis Ende zu betreuen. Er kann das Team steuern, zusammenhalten und motivieren, statt sich nur für ei nen Teilbereich verantwortlich zu fühlen«, bestätigt Burkhard Müller, der genau das mit seinem Team in Hamburg macht.

Interaction Design, PAGE Connect

Nachhaltiger Austausch: Im Interaction-Design-Prozess entsteht auch ein besonderer Feedbackloop zwischen Gestaltern und Kunden beziehungsweise Anwendern

 

Das Berufsfeld 
Interaction Design

Interaction Designer können ihre Entwürfe in dezentralen Medien wie dem World Wide Web nicht in allen Details planen, denn sie ergeben sich aus dem Zusammenwirken von Gestaltern, Kunden und Anwendern.

Erstaunlicherweise ist die Bezeichnung Interaction Design noch nicht durch Normen und Vorschriften definiert oder geschützt. Und das obwohl der Interaction-Design-Pionier Bill Moggridge schon in den 1980er Jahren auf die besonderen Gestaltungsauf gaben hinwies, die seit dem Aufkommen von Personal-Computern notwendig wurden. Immerhin hat er mit seinem Buch »De signing Interactions« eine umfassende Beschreibung und Dokumentation der frü hen Jahre verfasst und so das jetzige Interaction Design etabliert (www.designing
interactions.com).

In Deutschland benötigten die Gestaltungshochschulen einige Jahre, um ein adäquates Studienangebot auf die Beine zu stellen, aber heute finden sich viele gute Angebote. Sie sind gerade als Masterstudiengang für Kreative interessant, die bereits ein grundlegendes Designstudium in den klassischen Disziplinen absolviert haben und sich für die digitalisierte Arbeitswelt neu aufstellen wollen (siehe Überblickskarte auf Google Maps).

An guten Hochschulen finden sich interdisziplinäre Teams, die bereits im Studium mit Unternehmen und Agenturen kooperieren und auf diese Weise schon früh das Wesen des Interaction Designs verstehen. Die Ergebnisse der Entwurfsideen können von den Interaction Designern in jenen dezentralen Medien wie dem World Wide Web nicht in sämtlichen Details geplant werden, sondern sie ergeben sich aus dem Zusammenwirken von Gestaltern und partizipierenden Kunden und Anwendern.

Das heißt, dass sich das Wechselspiel zwischen den Beteiligten nach der Projektplanung eigenständig im Sinne der gewünschten Ziele fortsetzt. Oder anders formuliert: Interaction Designer bringen Kindern das Radfahren bei. Sie erklären, schieben an und stützen auf den ersten Metern. Vor allem sind sie in der Lage, im rechten Moment loszulassen. Dann läuft es von alleine.


Der Autor

Stefan Wölwer ist Interaction Designer und seit 2007 Professor für Interaktionsdesign an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Interaction Design finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Interaction Designer bei deepblue networks« geht’s hier.

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Kollaboration am virtuellen Whiteboard mit Mural

Wäre es nicht toll, als Team in einem digitalen Projektraum inhaltlich zu arbeiten? An verschiedenen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten? Wäre es nicht ungeheuer effizient, wenn man statt auf Post-Its schnell und einfach auf virtuellen Haftnotizen schriebe? Und was, wenn man auch Fotos und Videos einbauen könnte und medial angereicherte Inhalte zusammenstellen könnte? All das kann Mural – ein virtuelles Whiteboard-Tool für co-kreative Teams, das wir hin und wieder für die Prozessbegleitung und in Workshops einsetzen. Ach, Mural könnte die Herzen im Sturm erobern, wäre da nicht das unattraktive Preismodell.

Ein virtuelles Whiteboard

Mural ist ein digitaler Service, der einem Blanko-Boards (Canvases) bietet. Auf denen kann man allein oder im Team mit virtuellen Post-Its arbeiten und diese frei arrangieren. Ein Doppelklick und das Post-It erscheint auf dem Canvas. Natürlich kann man verschiedenste Post-Its in allen Farben wählen: kleine, große, umrandete, kreisförmige und so weiter. Und Du kannst auch ohne Post-Its auf dem Canvas schreiben, um zum Beispiel Arbeitsbögen oder Tool-Frameworks anzulegen.

Mural läuft über den Browser oder neuerdings auch über eine iPad-App und ermöglicht Dir weitere Teammitglieder hinzuzufügen, die dann zuschauen ergänzen oder editieren können. Genau wie in einem Google-Dokument lässt sich also auch zeitversetzt oder an mehreren Orten gleichzeitig an einem Thema arbeiten, ohne dabei auf die Vorteile visueller Anordnung und Bearbeitung verzichten zu müssen.

Ich bin über Mural durch das supertolle Buch “Mapping Experiences” von Jim Kalbach gestoßen. Jim ist Head of Customer Success bei Mural. Und das merkt man dem Tool auch an. Es macht unglaublich Spaß Mural zu benutzen und das Allermeiste erschließt sich ganz einfach (normalerweise muss mein innerer Schweinehund bei neuer Software erstmal über eine ziemliche Barrikade springen).

Mapping Experiences

Tolle neue Möglichkeiten

Mit so einer als virtuellem Whiteboard getarnten Kollaborationsplattform ergeben sich viele spannende neue Formen, Inhalte mit anderen Personen oder in Teams zu erarbeiten. Einige davon möchte ich nun vorstellen:

A. Schnell Skizzen anlegen

Wie auf einem regulären Whiteboard kannst Du schnell und einfach eine Skizze oder ein Schaubild am virtuellen Whiteboard von Mural erstellen und mit Kollegen oder Kunden teilen. Für die Studie des GWA-Think-Tanks „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“ habe ich zum Beispiel eine grobe Systems-Map erstellt, die zeigt, wie die verschiedenen Themen und Thesen zusammenhängen und sich wechselseitig beeinflussen. Für die Veröffentlichung der Studie hat NameName die Skizze dann hübsch gestaltet. Natürlich spricht auch nichts dagegen, aufwändige Infografiken über Mural anzulegen und zu publizieren. Das habe ich aber noch nie gemacht.

Agentur-Kundenbeziehungen von morgen by Jörg Jelden

Quelle: GWA-Studie „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“

B. Schöne Arbeitsvorlagen anlegen

Wenn Du gern mit schönen Arbeitsbögen oder kompletten Tool-Frameworks arbeitest, kannst Du diese toll am virtuellen Whiteboard gestalten, duplizieren, befüllen und auch mit Deinen Teamkollegen oder mit Kunden nach einem Workshop daran weiterarbeiten. In Mural gibt es eine Vielzahl vorhandener Vorlagen und Frameworks, die man benutzen kann. Darunter sind 2×2 Matrix, konzentrische Kreise, der Business Model Canvas oder Empathy Maps. So haben wir etwa unser Template zum Futures Framework in Mural aufsetzen und im Blogbeitrag einbinden können.

Futures Framework by Jörg Jelden

C. Kollaborativ am virtuellen Whiteboard arbeiten

Auch vor oder nach einem Workshop, einem Meeting oder einer Telko kann man wunderbar mit anderen an einem Mural gemeinsam weiterarbeiten. Etwa haben wir das Futures Framework angewandt, um erste Gedanken zum Thema Facilitation of the Future zu sammeln. Dafür haben tollerweise ein paar Moderations-Kolleginnen und -Kollegen ihre Gedanken auf virtuellen Post-Its hinterlassen.

Man kann Mural natürlich auch als Alternative zu Projektorganisations-Tools wie Trello oder Asana nutzen, wenn einem deren starre Bearbeitsweisen nicht liegen und man lieber freier auf einem virtuellen Whiteboad arbeiten möchte. Dafür gibt es bei Mural auch einige Vorlagen wie z.B. ein Kanban-Board. Und auch ein Workshop-Planning-Framework gibt es als Vorlage.

D. Workshops live dokumentieren

Im Rahmen einer Prozessbegleitung, bei der es um die Reorganisation einer Abteilung ging, haben wir eine Session mit Mural live bestritten. Dabei hat Dirk die Session moderiert und ich als Co-Moderator habe das Mural befüllt. Nachdem wir zuvor zwei analoge Materialschlachten gemacht hatten, war die Arbeit mit einem digitalen Tool eine willkommene Varianz in der Bearbeitung, die es mit dem analogen Pendant problemlos aufnehmen konnte. Das hat auch deshalb so gut funktioniert, weil es nur wenige Teilnehmer in dieser Session waren und wir nicht in Kleingruppen gearbeitet haben. Für die Dokumentation mussten wir dann nur noch einmal etwas aufräumen, arrangieren und PDFs exportieren.

E. Projekte dokumentieren

Wenn man Mural für Workshops oder längere Prozesse nutzt, hat man tolle neue Möglichkeiten Sessions, Workshops oder Sprints zu dokumentieren und im Nachgang anzureichern. Man kann in Mural easy-peasy Fotos, Videos und Websites (per Vorschaubild) integrieren. Du kannst also sowohl Stimmungsbilder aus dem Workshop, ein klassisches Fotoprotokoll oder Dokumentationsvideos von Prototypen integrieren als auch ergänzende Links, Moods und Filme im Rahmen von vertiefendem Research einbauen. Alle Inhalte auf der Wand sind zudem kommentierbar, so dass einfach eine Diskussion und Abstimmung über Inhalte auch nach einer Session, einem Workshop oder einem Sprint möglich sind. Und auch Voting-Sessions sind möglich.

 

Pferdefüße

Leider hat Mural auch ein paar Haken, die ich an dieser Stelle nicht verschweigen will.

A. Wenn es ums Geld geht, hört die virtuelle Whiteboard-Freundschaft auf

Um alle Möglichkeiten von Mural ausschöpfen zu können, ist mir Mural leider zu teuer. Als Einzelperson zahle ich $16 im Monat (14,89 Euro gegenwärtig) oder $144 (133,97 Euro) für eine Jahres-Mitgliedschaft. Im Vergleich: Photoshop und Lighthouse kosten 11,89 Euro pro Monat und das Office-Paket von Microsoft kostet mich 7 Euro pro Monat. Evernote berechnet pro Jahr nur 29,99 bzw. 59,99 Euro.

Und bei Mural zahlt man für jedes Teammitglied ebenfalls diese Summe. Bei einem festen Team, das komplett in Mural arbeitete, wäre diese Summe vielleicht ok. Wenn wir aber eine kollaborative Session mit vielen weiteren einmaligen Teilnehmern oder kurzfristigen Kunden machen wollen, müssten wir zumindest für den Zeitraum der Kollaboration oder des Auftrags, sprich mindestens einen Monat, für jede Person, die Input beisteuern soll, zahlen.

Ich würde mir konkret wünschen, mehr Kurzzeit-Kollaborateure umsonst hinzufügen zu können. Trotzdem kann ich Mural auch mit meinem Single-Account gut nutzen. Ich bringe dann alle Whiteboards wie in diesem Artikel in einen View-Modus. Aber die volle Kollaborationsbandbreite steht mir leider nicht zur Verfügung.

B. Wenn man die Papiere zeigen muss

Viele Kunden brauchen Ergebnisse außerhalb guter Software-Tools, und auch hier ist Mural (noch?) nicht besonders gut. Man kann Bilder oder PDFs exportieren. Dafür wird einem aber per E-Mail ein Download-Link geschickt, der fünf Tage gültig ist. Leider lässt diese E-Mail gern mal auf sich warten. Mural sagt selbst, dass einem diese E-Mail innerhalb einer Stunde geschickt wird. Meistens trudelt sie nach 5-10 Minuten ein. Man dreht dann im hektischen Projektalltag Däumchen während man alle zehn Sekunden auf Refresh beim Mail-Provider drückt, nur um zu schauen, ob ein Post-it-Cluster lesbar ist oder die Schriftgröße richtig ist. Das ist wirklich furchtbar nervig.

C. Wenn das Internet mal Schluckauf hat

Mural speichert alles online. Das heißt, Du brauchst stabiles Internet, um arbeiten zu können. Bei einem Workshop in der norddeutschen Pampa war nicht klar, ob das W-Lan im Konferenzraum des Kunden oder unser mitgebrachter W-Lan-Stick wirklich funktionieren würden. Wir brauchten also einen ausgedruckten Plan B.

Das zweite Problem sind schwankende Netzverbindungen wie man sie verrückterweise auch 2017 noch häufig hat. Mural speichert alles immer sofort im Browser. Bricht das Netz weg, sucht die Anwendung ein paar Minuten. Bis dann die Fehlermeldung kommt, dass keine Internetverbindung da ist, arbeitet man munter weiter und verliert darüber die zuletzt getätigten Inputs.  Wenn man wie ich auch gern mal im ICE arbeitet, ist es äußerst ärgerlich, dass es keine Offline-Bearbeitungsform gibt.

Resümee zum virtuellen Whiteboard

Trotz des Preises bin ich von Mural ziemlich begeistert und werde noch weiter damit herumspielen und experimentieren. Es gibt für 30 Tage eine kostenlose Nutzung, die ich sehr empfehlen kann.

Ich werde mir aber auch andere Tools noch mal zum Vergleich anschauen müssen. Aktuell steht da Omnigraffle ganz oben auf der Liste und auch Prezi könnte noch mal einen Blick wert sein. Wenn Du mit Omnigraffle oder Prezi Erfahrungen im Workshop-Kontext gemacht hast, mir eine Schnelleinführung geben magst oder andere Alternativen kennst, hinterlasse uns doch einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail.

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20 Konferenz-Tipps für Produktmanager, Designer und UX-Experten

Ihr kennt das Gefühl: kaum sind die Luftschlangen von Silvester weggeräumt, ist auch irgendwie der erste Monat des Jahres vorbei und die Jahresplanung schon fast komplett mit Terminen und Urlauben geblockt. So langsam wird es also Zeit, sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Konferenzen denn in diesem Jahr einen Besuch wert sind. Soll es wieder ein altbekannter Klassiker sein oder doch mal etwas Neues?

Darum haben wir weder Zeit noch Mühen gescheut und euch wie 2015 und 2016 wieder unseren ganz besonderen Konferenz-Ausblick zusammen gestellt. Unser Ziel ist dabei jedes Mal nicht die längste Konferenzliste des Netzes (wie man sie auf Flipboard oder bei den Kollegen vom Smashing Magazine findet), sondern eine Zusammenstellung von ganz persönlichen Konferenzfavoriten der UX- und Produkt-Szene. Dafür haben wir viele schlaue Köpfe aus unserem Netzwerk nach ihren Lieblingsevents, nach neu entdeckten Konferenz-Perlen oder Terminen auf die sie sich besonders freuen gefragt.

Die Resonanz war auch in diesem Jahr wieder groß und ihr könnt euch freuen, nachfolgend die persönlichen Empfehlungen von 22 Produkt- und UX-Experten zu insgesamt 20 sehenswerten Konferenzen zu lesen. Mit dabei sind viele neue Perlen aber auch Dauerbrenner wie „The Conference“, die bisher in jedem Jahr empfohlen wurde (vielleicht sollte man da wirklich mal hin). Viel Spaß beim Entdecken:

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