Enter: The New Tagtool

Yaysome: The New Tagtool is finally live. I've already been beta'ing it for a while (it was great using it at this year's Kidsbit). A fantastic - though different to its predecessor - new instrument for creating visual projections and animations. To name a few of the many changes: it's now vector-based, you can create libraries (stacks) and - my fave - offset loop cycles of a given set of objects. Here are some clips I made recently.
Harder. #tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am
Peek-a-boo. #tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am
#tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am
Applause. #tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am
#tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am
Drums. #tagtool Ein Beitrag geteilt von Benjamin Rabe (@benjaminrabe) am

Inclusion through User Experience

How many words do you understand right away? Words matter. Wording and terminology make a difference in usability and user experience. If you struggle with words then you’ll also perceive a poor usability of a product or service. Jargon includes or excludes people from certain groups. Hence, as a designer please pay attention to the terminology in your product.

Happy Chinese class in Hamburg

A class of Chinese students has fun with recursive displays.

When I teach in front of Chinese students at the Brand Academy in Hamburg – although their German is much better than my Chinese – I am always aware of the issue that some thoughts might get lost or might change their intended meaning on the way from me to them. I mean, this can always be the case and it is astounding that communication works at all. But in this setting it is pretty clear that we have in addition to all language issues also a cultural gap that runs right through the middle of the class room. We have a different background just for instance because of the different TV shows we watched while growing up. The next generation might even ask, „what is TV?“

User Experience is what happens inside the user of a system or service before, during and after she uses the product or service. If you take teaching as a service then you can apply UX design principles also to the situation in the class room. In this setting inclusion means that the lecturer’s aim is to reach each and every student regardless of any circumstances like language, gender, age, prior education, home sickness or world championships in any kind of weird sports. I see inclusion as a humanistic attitude to respect and love your audience.

Well-designed user experiences allow for the uniqueness of people’s different strengths and believe to co-exist in a place of similarity and common ground.  Tools and technologies that embrace similarities to tap into the potential of all people creates conditions that promote people to be their best selves, to cultivate and nurture people will produce better outcomes in all we do.  – worldusabilityday.org 29-Oct-2017

What? “user experiences…believe…” what? This is taken from this year’s home page of the world usability day. After pointing out my problem the authors confessed that they do not understand either. Here is my proposed update:

Well-designed systems and services offer great user experiences for all kind of people regardless of their background, their education, or their current situation. Each one has different strengths and weaknesses that should not exclude him or her from participating in professional or social life via communication technology. Tools and technologies that embrace similarities to tap into the potential of all people create conditions that promote people to be their best selves; designing usable tools to support people will produce better outcomes in all we do.

I hope this is an improvement. I hope this paragraph can be understood and you agree to the intended meaning.

Have you already scheduled your World Usability Day? We can even meet at our panel on Innovation though Inclusion. How many words do you…?

A spiffy computer mouse

A spiffy computer mouse. Sometime it can be quite hard to empathize with the user.


// Original: Inclusion through User Experience CC-BY-NC-4.0 Matthias | mprove.net | @mprove | Musings & Ponderings

Das macht ein Strategischer Designer bei der Deutschen Telekom

»Als Anwalt des Kunden sorgt der Strategische Designer in unserer ingenieursgetriebenen Industrie für die nötige Empathie«, so Philipp Thesen, Designchef der Deutschen Telekom in Bonn. Was man sonst noch wissen sollte …

PAGE Connect, Telekom, Strategischer Designer

Nico Weckerle (links), Head of Experience Strategy, und Philipp Thesen, Designchef der Deutschen Telekom

Nico Weckerle, 39, ist Head of Experience Strategy in der Designabteilung der Deutschen Telekom. Wir sprachen mit ihm und dem Designchef der Telekom, Philipp Thesen, 40, darüber, was strategi­sches De­sign in einem großen Konzern bedeutet und welche Fähigkeiten man mit­bringen muss, um dort zu arbeiten.

Seit wann gibt es Telekom Design und was macht ihr hier genau?
Philipp Thesen: Den Designbereich gibt es seit neun Jahren. Bereits etwas länger existiert die Design Gallery, in der wir innovative Konzepte und Zukunftsvisionen mithilfe von Prototypen im Raum erlebbar machen. Die Ausrichtung auf Design Thin­king und die verstärkte Durchdringung des Konzerns mit strategischem Design findet seit rund drei Jahren statt. Die Deutsche Telekom befindet sich mitten in einem Transformationsprozess von einem klassischen Infrastrukturunternehmen zu ei­nem Vorreiter der Digitalisierung. Design spielt mittlerweile eine wichtige Rolle in diesem Veränderungsprozess, der nach und nach alle Teile des Unternehmens erfasst. In ei­nem Markt, der von steigender Übersättigung und Konsolidierungsdruck geprägt ist, bleibt am Ende nur ein wirkliches Differenzierungsmerkmal: die Customer Experience. Design ist dafür ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Nico Weckerle: Customer Experience trägt ja schon im Namen, worum es geht: um das, was unsere Kunden mit uns als Deutsche Telekom und unseren Produkten erle­ben. Deshalb legen wir den Fokus darauf, ihre Wünsche und Bedürfnisse mit innovativen Lösungen zu erfüllen.

Wie findet man heraus, was die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden sind?
Weckerle: Mit einer ausgiebigen Recherche- und Analysephase, in der wir Einflussfaktoren wie technologische Trends, aber auch intrinsische Motivationen unserer Kunden in der Tiefe untersuchen. Auf der Grundlage dieser Nutzeranalyse identifizieren wir Brüche in der Customer Journey, also Momente, in denen etwas nicht reibungslos funktioniert oder wo eine Leerstelle ist und ein Bedürfnis nicht erfüllt wird. Das sind sogenannte Blindspots – in ihnen liegen neu zu erschließende Geschäftsfelder. Unser Ziel ist ein ganzheitliches Kundenerlebnis, bei dem unsere Kunden nicht merken, dass unterschiedliche Produkte von unterschiedli­chen Konzernbereichen entwickelt werden, sondern sich nahtlos in das Leben unserer Kunden einfügen.

Klingt, als hätte Design großen Einfluss auf das Produktportfolio des Konzerns.
Thesen: Das ist auch dringend notwendig. Deshalb beschäftigen wir derzeit rund 100 Designer aus allen Bereichen. Um das Kundenerlebnis von Produkten und Services deutlich zu verbessern, denken wir darüber nach, was die Menschen wirklich antreibt und was sie begehren. Dieses Wis­sen wollen wir in unsichtbare Lösungen verwandeln, die das Leben einfacher machen. Nichts anderes bedeutet das Nutzenversprechen der Marke Telekom. Es war aber ein langer Weg, dafür im Konzern das Verständnis zu schaffen. Denn noch immer wird Design meist als Formgebung wahrgenommen. Dass Design aber nicht nur das Aussehen, sondern auch das Wesen und die Experience eines Produkts bestimmt, setzt sich nur langsam im Mindset vieler traditioneller Unternehmen durch.

Welche Disziplinen sind hier vertreten?
Thesen: Im Grunde alles, was ein Designer sein kann und sein darf. Wir beschäftigen hauptsächlich User Experience Designer, Service Designer, User Interface De­signer, Creative Coder aber auch klassische Industriedesigner und Designmanager. Die Übergänge sind oft fließend. Außerdem entwickeln wir uns ständig wei­ter. Derzeit suchen wir etwa Experten aus dem Bereich Dialogdesign, die für das The­ma Sprachsteuerung sehr wichtig sind.

»Um wahre Konvergenz herzustellen, müssen wir ans große Ganze denken, nicht in einzel­nen Abteilungen oder Produkten« Nico Weckerle

Nico, du leitest die Abteilung Experience Strategy. Worum kümmert sich diese?
Weckerle: Der Bereich ist unter anderem für die horizontale Verknüpfung der Produkte zuständig. Um wahre Konvergenz herzustellen und Synergieeffekte der verschiedenen Produkte nutzen zu können, müssen wir ans große Ganze denken – nicht in einzelnen Abteilungen oder Pro­duk­ten. Nur so kann man dem Nutzer ein nahtloses Markenerlebnis ohne Brüche bie­ten. Das bedeutet für einen großen Kon­zern wie die Telekom natürlich enormes Umdenken und Umstrukturieren. Für die Produktverantwortlichen wirkt es zunächst so, als hätten sie dadurch mehr Arbeit, wenn sie statt nur an das eigene Produkt an das komplette Portfolio denken sollen. Letztlich zahlt es sich aber für jeden aus, da es in einem nahtlosen Ökosystem viel wahrscheinlicher ist, dass der Nutzer sich dort wohlfühlt und auch andere Produkte der Firma nutzt.

Wie wird man Head of Experience Strategy?
Weckerle: Ich habe schon früh meine Leidenschaft für digitales Design entdeckt. Daher bin ich nach der Schule direkt in die Praxis eingestiegen und habe als Grafikdesigner für verschiedene Agenturen gearbeitet. Ende der 1990er Jahre war digita­les Design dort noch komplettes Neuland. Das bedeutete Learning by Doing. Studiengänge dafür gab es in Deutschland damals noch wenige. Deswegen bin ich nach Sydney gegangen und habe dort Multimedia Arts studiert. Nach meinem Abschluss ging ich in die USA. Dort habe ich bei einer Innovationsberatung als Lead Experience Designer angefangen. Kunden wie Motorola oder eBay suchten nach innovativen Lösungen für den sich rapide verändern­den digitalen Markt. Weitere Stationen in Stuttgart und London folgten. 2011 kam ich dann als strategischer UX Designer zur Telekom. Seit 2015 leite ich das Experience-Strategy-Team.

»Einige Prinzipien für das Nutzererlebnis unserer Produkte: reduce friction, adapt to context, support opennes« Nico Weckerle

Woran arbeitet ihr gerade?
Weckerle: An einer Vielzahl von Produk­ten und Experiences für eine vernetzte Zukunft und vor allem an der Vernetzung dieser Ökosysteme untereinander. Wir ha­ben gerade die Konzeption der Tele­kom Ex­perience der Zukunft abgeschlossen und in einem Experience Framework dokumen­tiert. Dabei handelt es sich um eine Art Baukasten aus verschiedenen Elementen. Diese enthalten zum einen Prinzipien für das Nutzererlebnis unserer Produkte, wie etwa: reduce friction, adapt to context, sup­port openness. Außerdem be­schreibt das Framework die Infrastruktur hinter ei­nem Produkt oder Service. Es lässt sich zum Beispiel bei der Erstellung einer Customer Journey gut anwenden. Zum an­deren enthält es aber auch direkt anwendbare Templates, Assets und die Beschreibung von Verhaltensweisen, die alle Produkte der Te­lekom in Zukunft aufweisen müssen.

Welche anderen Aufgabengebiete gibt es noch?
Thesen: Auf der Prozessebene haben wir einen eigenen Ansatz des Design Thinking entwickelt, den wir nicht nur in der eigenen Abteilung praktizieren, sondern mit einem kompletten Rahmenwerk aus Methoden und Tools allen Kollegen bei der Telekom zur Verfügung stellen. So kann jeder Mitarbeiter mit diesen Instrumen­ten arbeiten und Design wird eine organi­satorische Kompetenz. Ein entscheiden­der Beitrag ist dabei die Entwicklung von verschiedenen Co-Creation-Formaten auf Grund­lage unserer Personas, die wir bei der Telekom entwickelt haben. Sie helfen uns dabei, unsere Kunden und ihre Bedürf­nisse besser zu verstehen und uns in sie hineinzuversetzen. (Das Methodenbuch können Sie hier herunterladen: page-online.de/telekom-methodenbuch)

Wie funktioniert das genau?
Thesen: Basierend auf Marktforschungsdaten haben wir insgesamt 16 Konsu­men­tengrundtypen definiert, inklusive Wohnort, Geschlecht, Alter, Einkommen, In­te­res­sen et cetera. Im nächsten Schritt haben wir reale Menschen gesucht, die die­sen Eigenschaften entsprechen, diese interviewt und mit ihnen Testgruppen zusammengestellt, denen wir regelmäßig Pro­dukt­ideen und Innovationskonzepte vorstellen. Die­ses direkte Feedback ist sehr wichtig für die Designer und hilft dabei, Produkte und Dienste zu entwickeln, die wirklich den Be­dürfnissen unserer Kunden entsprechen.

An welchem Punkt übergebt ihr ein Kon­zept? Oder begleitet ihr es stetig weiter?
Thesen: Das ist unterschiedlich. Wenn wir an einer Innovation arbeiten, kann es sein, dass wir am Ende einen Prototyp oder ein Zielbild an den Produktverantwortli­chen übergeben – etwa in Form ei­nes Films. Er kann dann etwas daraus machen – oder eben nicht. Zu unserer Arbeit gehört auch, Projekte anzudenken, die nicht realisiert werden. Vor Kur­zem haben wir zum Beispiel eine Idee zum Thema Digital Detox – also digitaler Entgiftung – vorgestellt. Das ist ein populäres Thema bei Kunden, aber es ist sehr schwer, daraus einen Business Case für die Telekom zu entwickeln. Daher wird die Idee vorerst nicht weiterverfolgt.

Weckerle: Wir versuchen, die Produktverantwortlichen früh in die Konzeption zu integrieren. Eine gemeinsam entwickelte Idee erleichtert es ungemein, sie anschließend im Konzern durch- und umzusetzen. Dann begleiten wir das Thema meist auch durch die Entwicklungsphase.

»Der strategische Designer muss sich im digitalen Zeitalter auf seine eigent­liche Rolle als Vermittler zwischen Technologie und Lebenswelt besinnen« Philipp Thesen

Was macht einen strategischen Designer aus?
Thesen: Der strategische Designer muss sich im digitalen Zeitalter auf seine eigent­liche Rolle als Vermittler zwischen Technologie und Lebenswelt besinnen. Das war ja schon immer seine ureigene Funktion. Sie muss nur unter dem digitalen Regime neu interpretiert werden. Er muss deshalb bei der Entwicklung und Gestaltung von Produkten und digitalen Diensten die Hoheit über die Customer Experience beanspruchen. Als Moderator im Unternehmen vermittelt er zwischen den beteiligten Instanzen und sorgt dafür, dass in allen Entwicklungsprozessen nicht nur das technisch Machbare umgesetzt wird, sondern an erster Stelle die Bedürfnisse des Kunden stehen. Als Anwalt des Kunden sorgt der Designer in unserer ingenieursgetriebenen Industrie für die nötige Empathie.

Woher kommen diese Menschen? Welchen Hintergrund haben sie?
Thesen: Die meisten haben einen inter­dis­ziplinären Background. Ich finde es äu­ßerst wich­tig, dass strategische Designer offen sind für interdisziplinäre Frage­stel­lun­gen. Die Probleme, die Design heute zu lö­sen hat, sind so komplex, dass auch Experten aus Human Resources, Arbeits­or­ganisa­tion, Informationstechnologie, So­­ziologie und Zukunftsforschung ein­ge­bun­den wer­den müssen. Das bedeutet auch, dass wir künftig dringend mehr Quer­ein­steiger aus allen relevanten Disziplinen brauchen. Wir benötigen Change Agents, die schwerfälli­ge Großunternehmen in Be­wegung brin­gen und die klassischen Silos aufbrechen.

Welche Tätigkeiten erwarten einen strategischen Designer bei euch?
Weckerle: Im Grunde sämtliche Anforderungen, die der klassische Designprozess mit sich bringt. Beginnend mit dem Beob­achten und Verstehen der Kundenbedürfnisse so­wie der für das Thema relevanten Trends und Treiber bis hin zur Entwicklung von geschäftsrelevanten Ideen, Zielbildern und Prototypen. Bei der Konzeption geht es darum, die Interessen des ­Unternehmens und des Kunden mitein­ander in Einklang zu bringen. Hierbei arbeiten wir in selbst entwickel­ten Workshopformaten in interdisziplinären Teams zusam­men – beispielsweise den Customer Ex­perience Camps. Dabei schließen wir uns drei bis vier Wochen ein und arbeiten mithilfe von Design-Thinking-Methoden sämt­liche konzeptionell relevan­ten Aspekte aus. Unsere Aufgabe als Designer besteht ganz wesentlich darin, Ideen zu visualisieren und erlebbar zu machen. Das tun wir etwa in Form von Papier­prototypen, Klickdummys, Installationen oder auch Filmen. Wir füllen Zukunftsvisionen mit Leben, indem wir Storylines aufbauen und Use Cases anhand unserer Personas durchspielen.

Die Ansprüche an einen strategischen Designer sind hoch. Müssen Bewerber sämtliche Fähigkeiten schon mitbringen oder können sie sich hier intern weiterbilden?
Thesen: Die meisten Bewerber bringen schon alles mit, aber nicht alle. Für neue, aber auch bestehende Mitarbeiter haben wir die Design Academy gegründet. Hier haben wir seit 2015 über 8000 Trainings für Design Thinking durchgeführt. Die Academy ist ein wichtiges Vehikel, um Design stärker in die Prozesse des Unternehmens zu integrieren und zu zeigen, dass Design auch eine Haltung ist, die das Unternehmen verändern kann.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Strategischer Designer  finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Strategischer Designer bei der Deutschen Telekom« geht’s hier.

 

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Digitale Workshops für Kinder beim Lesefest Seiteneinsteiger 2017 in Hamburg

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Zusammen mit Heike Roegler war ich im Oktober beim Seiteneinsteiger Lesefest 2017 eingeladen, für den Bereich Digitalisierung zwei Workshops für Schulklassen anzubieten.

Dabei wollten wir die kreativen Möglichkeiten im Umgang mit Tablets zeigen und zum Weitermachen anregen; wir haben also zum einen mit Stop-Motion-Apps kleine Animationen und Pixilation-Filme gemacht. Zum anderen von der wunderbaren Bilderbuch-App 1-2-3-Tier ausgehend mit PuppetPals die Idee des Buches aufgenoomen und die Kinder selbst erweitern lassen.

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Interface Design in der Praxis

Wie gestaltet man Autokataloge informativ und multimedial, um End­konsumenten und Händler in 135 Ländern zu erreichen? Für BMW konzipierte Serviceplan eine neue modulare App für iPad und Smartphone.

Wer in unseren Tagen mit dem Gedanken spielt, sich ein neues Auto zu kaufen, informiert sich höchstwahrscheinlich zuerst online. Auf den verschiedenen digita­len Plattformen sucht er alle relevanten Details zum gewünschten Modell heraus, bevor er das erste Mal beim Autohändler vorbeischaut, dort in gedruckten Katalo­gen blättert oder eine Probefahrt vereinbart. Bis die finale Kaufentscheidung fällt, greift der Interessent immer wieder auf unterschiedliche digitale Informationsinhalte zurück – unterwegs auf dem Smartphone, in der Mittagspause am Desk­top oder zu Hause auf dem Tablet. Er kommt also auf etlichen Wegen und Geräten immer wieder mit der Automarke seiner Wahl in Berührung.

»Interface Designer müssen nicht coden können. Sie sollten aber verstehen, was technisch möglich ist, damit die Ideen, die sie entwickeln, auch umsetzbar sind« Brian Ta, Senior Art Director Digital, Serviceplan Content Hamburg

Um diese Begegnungen möglichst ansprechend zu gestalten und den vielfälti­gen Ansprüchen gerecht zu werden, die Menschen heutzutage an Informationen rund um Neuwagen haben, entwickelte Ser­viceplan Content Hamburg für die Verkaufsliteratur von BMW ein umfangrei­ches neues Konzept. Das Ziel: eine multimediale, zeitgemäße Lösung, die auf al­len Kanälen funktioniert. Die Serviceplan-Tochterfirma am Standort Hamburg arbeitet bereits seit acht Jahren für BMW im Bereich Verkaufsliteratur. Insgesamt gestalten 45 Mit­arbeiter, darunter Interface Designer, technische Redakteure, Digital­spezialisten, Analogexperten, Texter und Konzepter, gemeinsam die Inhalte – Fotos, Videos und Texte.

Die Herausforderung dabei: BMW kommuniziert als globale Marke in 135 Ländern in 40 Sprachen und richtet sich mit der Verkaufsliteratur sowohl an Endkonsumen­ten als auch an BMW-Händler. Zu allen Fahr­zeugmodellen entstehen unzäh­lige In­hal­te, die auf unterschiedlichen Kanälen in die verschiedenen Märkte gespielt werden. Etliche dieser Inhalte spre­chen gleich mehrere Zielgruppen an. Das Serviceplan-Team suchte nach einem Weg, den Content nur einmalig produzieren, aber mehr­fach ausspielen zu können. »Uns war dabei wichtig, dass alles wie aus einer Hand wirkt«, erklärt Jakob Ulrich, Interface Designer und Head of Digital Art bei Serviceplan Content Hamburg.

Modular geht’s leichter

Die Interface Designer konzipierten eine Tablet- und Smartphone-App sowie einen digitalen Argumentationsleitfaden für BMW-Händler, die wie Content-Baukas­ten­systeme funktionieren. Für jedes BMW-Modell gibt es mehrere Kategorien, die flexibel mit Content-Modulen gefüllt werden können. Hinter jedem Modul verbergen sich weiterführende Inhalte.

»Die Werte von BMW schwingen im Interface Design immer mit: Die Marke ist hochwertig, sie strahlt etwas Zurück­genomme­nes aus, statt protzig zu sein« Jakob Ulrich, Head of Digital Art, Serviceplan Content Hamburg

Die neue Struktur setzte Serviceplan zu­nächst für die 5er-Limousine um, alle weiteren BMW-Modelle passt die Agentur nach und nach an. Für die 5er-Limousine entstanden zunächst 18 Module, die sich mit Themen rund um den Wagen befassen – zum Beispiel dem Exterieur, dem Interieur oder der Geschichte des Modells. »Die The­menseiten sind wie eigenständige One-Pager aufgebaut und durch die Module individuell anpassbar«, erklärt Jakob Ulrich.

Nachdem die Entscheidung für ein mo­dulares Prinzip gefallen war, legte das Team im nächsten Schritt das iPad als Master­gerät fest, für dessen Seitenverhältnisse sämtliche Inhalte im Querformat angelegt werden sollten. »In der alten App stell­ten die Printkataloge unsere Vorlage für die digitale Umsetzung dar«, sagt Brian Ta, Senior Art Director Digital bei Serviceplan Content Hamburg und vor allem verantwortlich für alle visuellen Inhalte. Die alte Vorgehensweise erforderte einen hohen Arbeitsaufwand und war einfach nicht mehr zeitgemäß, weswegen das Serviceplan-Team den Ansatz komplett umdreh­te. »Durch den Digital-First-Ansatz richten sich jetzt alle Medien nach dem 4:3-Format der iPad-App – auch die Printproduk­te«, sagt Ta. Auf diese Weise lassen sich Fotos und andere Bildinhalte ohne Format­anpassungen sowohl in der App als auch in der Printbroschüre nutzen. Die App ist responsiv, sie zeigt die Inhalte am Smartphone im Hochformat an.

Das Team definierte unterschiedliche Kategorien, um die Module zu clustern: »Highlights«, »Innovation und Technik«, »Ausstattung« und »Special und Servi­ces«. Weil die meisten Informationen zur 5er-Limousine sowohl für Händler als auch für Endkonsumenten relevant sind, finden sich diese in beiden Anwendungen. Lediglich die Themen der »Special und Ser­vi­ces«-Kategorie werden nur Endkonsumen­ten gezeigt. Händler erhalten stattdessen Informationen zu vergleichbaren Autos von Wettbewerbern, denn in Zeiten umfassend informierter Kunden müssen Autohändler sich unbedingt einen Wissensvorsprung aneignen, um auf jede erdenkliche Frage vorbereitet zu sein und im

Verkaufsgespräch mit guten Argumen­ten punk­ten zu können. Auch von Land zu Land unterscheiden sich die Module teilweise: Einige Inhalte sind für alle Regio­nen relevant, andere – wie etwa techni­sche Details – können variieren.

Ein Design Sprint pro Woche

Drei Monate arbeitete Jakob Ulrich mit einer Entwicklerin, einem Konzepter und einem Digitalberater an der Erstellung der Module. »Wir haben uns in sogenannten Design Sprints organisiert«, sagt er. »Jede Woche haben wir ein Modul entwickelt – immer nach dem gleichen Ablauf: Montags wird recherchiert, dienstags skizziert, mitt­wochs designt, donnerstags programmiert und freitags getestet.« Am Ende der Woche präsentierten sie die Ergebnisse und den Entstehungsprozess ihren Teamleitern.

»Als Interface Designer versetzt man sich immer wieder in den User hinein, um die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Gerät zu gestalten. Ist die Bedienung so logisch, intuitiv und selbsterklärend wie möglich? Fühlt der Nutzer sich jederzeit gut orientiert?« Jakob Ulrich, Head of Digital Art, Serviceplan Content Hamburg

Abhängig vom jeweiligen Wochentag kamen sehr unterschiedli­che Tools zum Ein­satz: So recherchierte das Team online und in Fachzeit­schriften, scribbelte mit Pa­pier und Stiften, nutzte in den Designphasen Sketch, Photo­shop und das Anima­tions­programm After Effects sowie Framer für das Erstellen von Prototypen. »Framer ist ein tolles Tool, weil es zweigeteilt funktioniert: Man kann damit nicht nur interaktive Prototypen erstellen, sondern auch gleich ein Interface designen und um­setzen«, erklärt Jakob Ulrich. »Um die Pro­grammierung hat sich hauptsächlich die Entwicklerin gekümmert, aber mittler­wei­le können wir Prototypen oder Klickdummys auch selbst bauen«, erklärt er. Brian Ta ergänzt: »Interface Designer müssen nicht zwangsläufig coden können. Sie sollten aber verstehen, was technisch möglich ist, damit die Ideen, die sie entwickeln, auch umsetzbar sind.«

Zwischen Nutzer und Marke

Als nach drei ungemein intensiven Design-Sprint-Monaten im April 2016 die Module fertig waren, erstellte das Team eine gro­ße Sitemap für die App. Hier legte es fest, wie die Module angeordnet werden und wo welche Inhalte gezeigt werden sollen. Anschließend ging es an die Umsetzung: Jede Themenseite wurde wie eine eigene Webseite programmiert und mit von Serviceplan Content Hamburg produzierten Fotos, Videos und Texten bestückt.

Während des gesamten Prozesses hatte das Team stets die künftigen Nutzer im Blick: »Als Interface Designer versetzt man sich immer wieder in den User hin­ein, um die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Gerät zu gestalten. Ist die Bedienung so logisch, intuitiv und selbsterklärend wie möglich? Fühlt der Nutzer sich jederzeit gut orientiert?«, so Jakob Ulrich. Zusätzlich müssen die Qualitäten der Mar­ke transportiert werden: »Die Wer­te von BMW schwingen im Interface Design stets mit. Die Marke ist hochwertig, sie strahlt etwas Zurückgenommenes aus, statt prot­zig zu sein. Entsprechend konzentriert sich auch das Design auf das Wesentliche.«

Um von Anfang an ein Gefühl für den Look der neuen BMW Dynamic Sales Media zu bekommen, nutzte das Serviceplan-Team im De­signprozess das Atomic-Design-Prinzip. Das heißt: Jedes Designelement wurde von Anfang an detailliert gestaltet, statt mit groben Skizzen zu arbei­ten (siehe »Atomic Design«, unten).

Digitales Blättern

In der fertigen App fallen sofort die klare Struktur und die großen Bilder auf: Die Ka­­tegorien zur 5er-Limousine sind unterei­-
n­ander angelegt, sodass man beim Durch­scrollen bereits die ersten Module auf dem Bildschirm sieht, durch die man seitwärts swipen kann. So können Nutzer von Inhalt zu Inhalt blättern, ohne zwischendurch ei­ne Navigationsleiste zu bedienen – wie in ei­ner gedruckten Broschüre. Findet man ein Modul interessant und tappt darauf, kommt der gesamte Inhalt zum Vorschein – inklusive Videos, Fotogalerien und Texten.

Da die Module für die iPad-App von An­fang an responsiv entwickelt wurden, war keine Anpassung für andere Geräte mehr nötig. »Die Inhalte sind identisch, reagieren aber teilweise auf dem Smartphone dy­namischer als auf dem Tablet«, sagt Brian Ta. »Das war bei der Entwicklung eine der großen Herausforderungen – bei Tabellen beispielsweise noch mehr als bei Text-Bild-Kombinationen.« Auf dem Smartphone sind alle Inhalte im Hochformat sichtbar, Fotos und Videos sind wie am iPad im Querformat gehalten und nehmen die vol­le Breite des Smartphone-Displays ein. Die zugehörigen Printkataloge sind ebenfalls im neuen 4:3-Format gestaltet, sodass die Fotos die gleichen Seitenverhältnisse haben wie in der App.

Als nach zehn Monaten die neuen BMW Dynamic Sales Media für die 5er-Limou­si­ne fertig waren, blickte das Team auf eine ausgesprochen intensive und lehrrei­che Zeit zurück: »Vor allem in den Sprintwochen habe ich mich sehr weiterentwickelt. Wir haben gelernt, die Fühler auszustrecken – in alle möglichen Richtungen«, sagt Jakob Ulrich. Und mit der fertigen App ist das Team sehr zufrieden, wie Brian Ta berichtet: »Sie macht Spaß! Obwohl es sehr viel Inhalt ist, lässt er sich angenehm konsumieren.«

 


Was ist eigentlich Atomic Design?

Die Webdesign-Methode hilft bei der Gestaltung komplexer Projekte.

Der amerikanische Webdesigner Brad Frost erfand 2013 das Prinzip, das als iterativer Gestaltungsansatz für Websites dient und wie ein Baukastensys­tem funktioniert: Man entwickelt zuerst die Design­grundbestandteile und baut diese nach und nach zu immer größeren Einheiten zu­sammen. Los geht es mit den kleinsten an­zunehmenden Einheiten, Atome genannt. »Bei den BMW Dynamic Sales Media gehörten Icons, Fotos, Schriftar­ten oder die Hintergrundfarbe Weiß zu den Ato­men«, erklärt Jakob Ulrich, Head of Digital Art bei Serviceplan Content Hamburg.

Im zweiten Schritt setzt man die Ato­me zu Molekülen zusammen – so ent­ste­hen beispielsweise Text-Bild-Kombina­tio­nen. Mehrere Moleküle sind wiederum Or­ganismen. Diese bildeten die Module für die BMW Dynamic Sales Media. Kombiniert man Organismen beziehungsweise Module, entwickeln sich dar­aus Templates und im letzten Schritt kom­plette Seiten.

Die Vorteile der Metho­de: Man arbeitet so kleinteilig, dass Details direkt erkennbar sind und die Richtung vorgeben. »Im Vergleich wirken Skizzen oder Wireframes eher grob, denn dort sind nur die nötigs­ten User-Inter­ak­tions-Mög­­lich­keiten zu sehen«, sagt Jakob Ulrich. Durch die Un­terteilung in Atome, Moleküle et cetera ergibt sich zudem eine logische Struktur, die ei­nen guten Überblick über ein Projekt gewährt. Für komplexe Großprojek­te wie die BMW-Verkaufsliteratur ist Atomic Design daher gut geeignet – für einen One-Pager lohnt sich die aufwendige Methode hingegen eher nicht.

Von kleinen Elementen zum großen Ganzen statt andersherum. Das Ergebnis ist konsistentes, durchdachtes Design.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Interface Designer finden Sie hier.

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Was ist eigentlich Design Direction?

Design Direction ist Management von Pro­jek­ten und Prozessen bei gleichzeitigem tiefem Verständnis für kreative Arbeitsweisen. Was man sonst noch wissen sollte …

Design Direction, Kochan & Partner, PAGE Connect

Jeden Tag profitiert jeder von gutem De­sign, ohne dass dieser Tatsache besonders viel Beachtung geschenkt würde. Nie war die Nachfrage nach Design größer. Nie war Design notwendiger als heute. Und nie gab es mehr Designer. Die digitalen Ka­näle, ob sta­tio­när oder mobil, haben die ana­logen nicht er­­setzt, sondern vielmehr das Spielfeld von Design enorm erweitert. Jetzt kommt es mehr als je zuvor darauf an, die Bezugsgruppen über intelligente Verknüpfungen zu er­rei­chen. In ihrer Funktion als Übersetzer ana­lysieren Designer und stellen kritische Fra­gen, um Botschaften zielführend zu trans­portieren. Ganz gleich, ob es sich dabei um kleine und mittelständische Unternehmen oder Global Player handelt. Denn Produkte, Dienstleistungen und Ideen, die sich durch gute Gestaltung von der Masse abheben, setzen sich langfristig am Markt durch.

Design schafft Aufmerksamkeit

Die Aufgabe des Designers besteht darin, den Kern einer Botschaft visuell zu übersetzen und abstraktes Wissen informativ, spannend und leicht konsumierbar auf­zubereiten. Dafür benötigen Designer ein gu­tes Gespür für die Bedürfnisse der Nutzer, deren An­for­derungen die Gestaltung bedienen muss. Ana­lyse- und Kon­­zept­stär­ke ist die Voraussetzung für überzeugende Ergebnisse und mindestens eben­so entscheidend wie das handwerkliche Können, das traditionell mehr Gewicht hatte.

Design Director wird man nicht über Nacht. Berufs- und Lebenserfahrung sind für diese Position unbedingt notwendig.

Kommt beides zusammen, sorgt Design für Aufmerksamkeit. Und die ist angesichts der heutigen Marktsituationen drin­gend nö­­tig – denn die rein technischen Unterschiede der Produkte schwinden zunehmend oder sind für Verbraucher kaum noch erkennbar. Die Lösung für dieses Problem liegt in einem einzigartigen Pro­dukt- oder Markengesicht, das Unterschie­de gegenüber den Wettbewerbern erkenn­bar macht, gepaart mit einer einzigartigen und nutzwertigen User Experience. Denn nur mit dem, was sich deutlich vom Rest unterscheidet, beschäftigen wir uns inten­siver, nur das bleibt im Gedächtnis – also dort, wo letztlich über Erfolg oder Miss­er­folg ei­ner Marke entschieden wird.

Gutes Design vermittelt dem Verbraucher, dass er es mit einem durchdachten Produkt oder Service zu tun hat – oder mit einem vertrauenswürdigen Unternehmen. Es schafft nicht nur eine schöne, ästhetisch ansprechende Form, sondern macht auch die Funktion eines Angebots oder einer Marke nachvollziehbar und schafft damit allein schon einen Mehrwert. Zusätzlich entsteht durch designgetriebene Kommu­­­nikation eine stärkere emotionale Bin­­dung an ein Produkt oder eine Marke. Design schafft also Bedeutung und im besten Fall Verlangen. Eine Vernachlässigung der Gestaltung – beim Produkt ebenso wie in der Kommunikation – wird durch Nichtbeachtung des Produkts, der Marke oder des Unternehmens abgestraft.

Der Wert von Design muss sich letztlich an denselben Maßstäben messen lassen wie der Erfolg von Unternehmen, also Pro­fitabilität, Innovation und Nachhaltigkeit. Je früher Designer in die Entwicklung miteinbezogen werden, desto zielführender können sie gestalten und entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen. Dafür müssen sie systemische Zusammenhänge und Technologien verstehen und für sich nutzen beziehungsweise frühzeitig deren Grenzen erkennen. Voraussetzung für all das – und ebenso wichtig wie das schöpferische Talent – ist eine natürliche Neugier.


Der Designprozess:

Design Direction, Kochan & Partner, PAGE Connect

Für eine größere Darstellung klicken Sie auf die Grafik.

Der Arbeitsprozess von Designern verläuft in mehreren Schritten, die ineinander übergehen und auch mal in Schleifen wiederholt werden. Der Nutzer des zu gestaltenden Produkts oder Services steht dabei immer im Mittelpunkt. Die gesamte Entwicklung baut darauf auf, ihn zu verstehen und Ideen und erste Lösungen gemeinsam mit ihm zu testen. Der Design Director behält in diesem Prozess den Überblick und leitet alle internen und externen Beteiligten an.


Design braucht Direction

Zeitgenössisches Design fordert von seinen Akteuren, dass sie (Kom­muni­ka­tions-)Pro­bleme der Auftraggeber erkennen und analysieren, um aus den daraus gewonne­nen Ergebnissen die richtigen Lösungs­ideen zu entwickeln. Diese gilt es zu prä­sen­­tieren und nach kritischer Betrachtung wei­­terzuent­wi­ckeln, um sie gemeinsam mit anderen zu einem ­er­­folgreichen Abschluss zu bringen. Dies sind die Voraussetzun­gen für jeden eigenständigen, verantwortlich und kritisch den­kenden Gestalter, der sich im beruflichen Alltag zu behaupten weiß.

Zugleich hat Gestaltung immer weniger mit der Lösung von Einzelaufgaben zu tun. Kommunikationskonzepte und Produktentwicklung, etwa Printerzeugnisse, Illustrationen, Webdesign, Messebau oder Produktgestaltung, werden zunehmend als zusammenhängende Aufgaben begriffen. Daran sind neben Designern auch viele an­dere Fachkompetenzen beteiligt. Design hat daher mehr mit intelligenter, kreativer Teamarbeit zu tun als mit Einzelkämpfertum. Das gilt insbesondere für Aufgaben aus dem Bereich Markenführung. Um eine konzeptionell starke und überzeugende Corporate Identity samt all ihren Kom­po­nenten wie Corporate Design und Corporate Language, aber auch interner und externer Kommunikation zu gestalten, benö­tigt man einen ebenso ganzheitlichen wie analytischen Blick auf ein Unternehmen und seinen Markt.

Deshalb arbei­ten viele Design-, Bran­ding- und Digital­agen­turen nicht mehr in ­li­nearen Prozessen, sondern agil und in interdisziplinären Teams. Das jedoch er­fordert neue Prozesse und Kompetenzen. So braucht es einen Design Director, der den Überblick über ein Projekt behält, der Teams zusammenstellt, Aufgaben verteilt und die Kommunikation gegenüber dem Kunden und externen Dienstleistern steu­ert. Da­bei handelt es sich um eine Schnittstellenposition, deren Inhaber Einblick in sämtliche Ge­werke hat – von der Datenbankverwaltung bis hinein in »klassische« Pro­duk­tionstechniken wie Buchbin­derei oder Druck­veredelung.

Ein Design Director weiß, welche Kompetenzen es für ein Projekt braucht und welche Mitarbeiter oder Dienstleister hierfür die beste Wahl sind – und er weiß, wie er den Kunden aktiv einbindet.

Ein Design Director weiß, welche Kom­petenzen es für ein Projekt braucht und wel­che Mitarbeiter oder Dienstleister hierfür die beste Wahl sind – und er weiß, wie er den Kunden aktiv einbindet. Denn die Zei­ten, in denen Auftraggeber sich nach dem Briefing komplett raushielten, sind vorbei. Sie kommunizieren auf Augenhö­he mit den Kreativen, bringen ihr eigenes Know-how mit ein und sind selbstverständlicher Teil des Co-Creation-Prozesses.

In heterogenen Teams zu arbeiten erfordert ein ständiges Überprüfen, ob die Marsch­richtung noch stimmt und ob das bestmögliche Ergebnis erreicht wird. Auch dies liegt im Aufgabengebiet des Design Directors, der offen auf alle Fragestellungen eingeht und flexibel auf Anforderungen ­reagiert, die sich innerhalb eines Projekts verändern können. Dabei sorgt er ­dafür, dass alle Beteiligten auf demselben Wissensstand sind. Hierfür muss er kommunikativ sein und teamorientiert denken. Im Grunde ist Design Direction Projekt- und Prozessmanagement – bei gleichzeiti­gem tiefem Verständnis für kreative Ar­beits­weisen. Dabei führt der Design Direc­tor weniger, als dass er vernetzt – und sorgt da­für, dass das Team die beste Lö­sung für einen Kunden entwickelt und umsetzt.

Eine der Kernkompetenzen von Desi­gn­ern ist und bleibt Empathie, also die Fähigkeit, sich in Menschen einzufühlen. Nur wenn die Wünsche und Bedürfnisse sowohl der Konsumenten und Nutzer als auch der Auftraggeber erfüllt werden, ist ein Design­projekt erfolgreich. Dabei ist es mitunter auch wichtig, Probleme erst ausfindig zu machen, zu analysieren und dann entspre­chende Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Gutes Design entdeckt auch zukünftige Herausforderungen, von denen die Menschen bisher nur latent ahnen, dass sie sie haben werden – und sich dann umso mehr freuen, dass es eine (weitere) Lösung gibt.

Gestalterpersönlichkeiten sind gefragt

Eine zeitgemäße Designausbildung geht daher weit über die traditionelle kunstgewerbliche Lehre einer Zeichen-, Mal- und Modellierschule hinaus und schließt alle methodischen, technischen und gestalteri­schen Kompetenzen ein, die die Absol­ven­­ten in der Berufspraxis benötigen – ebenso wie die Fähigkeit zum kritischen Denken und zur ganzheitlichen Betrachtung von Problemstellungen. Dazu gehören die Grundlagen der Gestaltungslehre genauso wie die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten – und Grenzen – auszutesten. An der Münster School of Design, dem Fachbereich Design der Fachhochschule Münster, setzen die Lehrenden daher auf ein offenes Konzept nach dem Motto »Learning by Doing«. Dies basiert auf der Überzeugung, dass die eigene Kreativität am besten in der praktischen gestalterischen Arbeit erkannt und geformt werden kann.

Der Design Director führt weniger, als dass er vernetzt – und er sorgt dafür, dass das Team gemeinsam die beste Lösung für einen Kunden entwickelt und umsetzt.

Dabei sollten sich experimentelle und realitätsnahe Projekte die Waage halten. Denn während freies Herumspinnen und Ausprobieren ungemein wichtig für die Entwicklung einer kreativen Persönlichkeit sind, darf die Anbindung und Vorbereitung auf die spätere Berufswelt im Studium nicht zu kurz kommen. Hierbei helfen praxis­orientierte Fragestellungen und Projekte – beispielsweise in Kooperation mit anderen Hochschulen oder externen Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft.

An solchen Projekten lässt sich zudem hervorragend das interdisziplinäre Arbeiten erpro­ben, das die Absolventen später im Beruf erwartet, etwa wenn Studenten aus den Studiengängen Kommunikations- und Pro­­duktdesign gemeinsam an einem Ausstellungskonzept arbeiten. Mit einem derartigen Hintergrundwissen, gerne vertieft in einem Masterstudium, können ver­­antwortlich handelnde Gestalterpersönlichkeiten heranwachsen, die sich – eine gewisse Berufserfahrung vorausgesetzt – einen Posten als Design Director erarbeiten können. Denn Design Director wird man nicht über Nacht. Berufs- und Le­bens­erfahrung sind für diese Position unbedingt notwendig.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man als Design Director irgendwann ausgelernt hat. Neue Tech­nologien und Kanä­le, neue Tools, Methoden und Kun­­den­an­fragen sor­gen dafür, dass die Herausforderungen nie ausgehen. Um sie in lösbare Projekte zu übersetzen, brauchen Unterneh­men und Agenturen breit aufgestellte, gut ver­netz­te und kom­munikationsstarke De­si­­gner, die neu­gierig und offen auf Pro­b­lem­stel­lun­gen zugehen und Teams mit­rei­ßen.


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Women in Tech: Claudia als Role Model für moinworld e.V.

Als Co-Founderin von omnia360, einem Startups im Tech-Bereich hat das Thema Women in Tech für mich einen hohen Stellenwert, da es leider nach wie vor viel zu wenige meiner Art gibt. Deshalb freue ich mich sehr darüber, im Rahmen der Kurzfilmserie "Women in Tech" als weibliches Role Model zu fungieren, um mehr Frauen für technologische Berufe zu begeistern. [...]

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Konferenz-Rückblick – Design Matters 2017

“New Movements in Digital Design” war das Motto der design matters in Kopenhagen. In diesem Jahr kamen über 700 Besucher, um den Vorträgen von Spotify, Instagram und Netflix zu lauschen. Deshalb zogen die Veranstalter in die größeren Räumlichkeiten der wunderschönen Industrieanlage Docken um. Eine wirklich tolle Location, welche durch die zwei sonnigen Tage noch besser wurde: Mit Blick auf Schweden, leckerem Catering und einer entspannten Atmosphäre konnte man gut netzwerken.

An beiden Tagen gab es inspirierende Talks zu Trends und Best Practises aus den Bereichen User Experience, Visual Design und Product Design. Abseits der Vorträge konnte an Workshops teilgenommen oder schon einen Blick in die Zukunft geworfen werden: Visual Design in der Virtual Reality. Obwohl noch in den Kinderschuhen, war es sehr beeindruckend, im dreidimensionalen Raum all die Dinge zu tun, die man sonst nur aus Photoshop kennt!

Die über 20 Vorträge lassen sich grob in die drei Kategorien  “Conversational UI”, “Product Design DNA” oder “Embrace Failure” unterteilen. Hier eine sehr grobe Zusammenfassung der, meiner Meinung nach, besten Talks:

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Andere Stifte und Schriften für Workshops: 3 Alternativen zu Moderationsmarkern

Bist Du auch gelangweilt von klassischen Moderations-Markern und 08-15-Trainer-Schriften? Wenn Du Workshop-Materialien typografisch aufhübschen willst, dann bekommst Du durch diesen Post vielleicht ein paar Inspirationen für andere Stifte und Typos.

In den letzten anderthalb Jahren habe ich großen Spass an der Gestaltung mit Schrift gefunden. Wenn man mir das vor ein paar Jahren erzählt hätte, hätte ich das bestimmt für äußerst unwahrscheinlich gehalten. Aber ich ertappe mich sogar dabei, dass ich manchmal mehr Spaß an der Materialproduktion als der Moderation oder dem Partizipationsdesign habe. Und das Kaufen neuer Stifte ist meine “Shopping Therapy”. Da ich im Sommer während meiner Elternzeit umfangreich gemalt habe und mir viele neue Stifte besorgt habe, kommt hier ein Einblick in mein Federmäppchen.

Alternative Stifte 1: Brushpens – wie alles anfing

Stifte-Schriften-Workshops-Brush-Pens

Zwischen den Jahren 2015/2016 – parallel zur Vorbereitung auf den 2. Kyu beim Aikido – habe ich über Frau Hölle Brushlettering entdeckt und fleißig begonnen, mit dem Pinselstift zu schreiben. Vor allem für Posterüberschriften in Workshops. Es war ein unglaublich tolles Erlebnis, weil ich mit ganz wenig Übung schon Wow-Effekte erzeugen konnte. Genau meine Kragenweite. Über einen Kurs von Chris Campe beim Selfmade-Lab habe ich das ganze dann noch mal vertieft. Über Brushlettering hatte ich ja auch schon mal geschrieben.

Folgende Pinselstifte nutze ich:

Brushpens nutze ich inzwischen auch häufig zum Colorieren. Das machen viele Manga-Künstler so. Vor allem die Stifte von Ecoline und Tombow nutze ich dafür, Farben hinzuzufügen.

In Sachen Brushlettering-Schriften kann man bedenkenlos den Brush Lettering Guide von Frau Hölle nehmen. Auch Chris Campe hat schöne in ihrem Handlettering-Buch. Auf Kelly Creates gibt es viel Schriftinspiration. Peggy Dean hat diesen Sommer auf Instagram ihr gesamtes Alphabet häpchenweise gepostet und Janne Klöpper aka Textmarie hat gerade einen schönen Artikel über die drei goldenen Regeln bei Pinselstiften und Papier veröffentlicht.

Auf Instagram sieht man tolle Brushletterings mit irren Verzierungen. Das hat mich bislang nicht gereizt und im Vergleich zu dem, was ich auf Instagram so sehe, ist meine Pinselschönschreiberei nach wie vor ziemlich basal. Aber es erfüllt seinen Zweck und es macht mir Spaß. Gleichzeitig hat sich Brushlettering für mich schnell erschöpft, weil es mir an alternativen Fonts fehlte. Die Suche nach Alternativen Schriftarten war daher der Ausgangspunkt für die Suche nach anderen Schriften und Stiften.

Alternative Stifte 2: Parallel & Ruling Pens

Stifte-Schriften-Workshops-Parallel-Ruling-Pens

Kurz nach dem Aha-Erlebnis durch Brushlettering habe ich dann das Kalligraphie-Tutorial von Julia Bausenhart entdeckt. Ich habe mir dann einen 6mm Parallel-Pen von Pilot zugelegt. Der Parallel-Pen wird viel für klassische Kalligraphie und Fraktur-Schriftarten benutzt. Um da gute Resultate hinzubekommen, fehlen mir eindeutig die Übung und Geduld. Und so blieb der Parallel-Pen lange in der Schublade – bis zu diesem Sommer!

Wer noch nie einen Parallel-Pen gesehen hat: Es  sind Stifte mit einer Spitze, die breit  und zugleich sehr dünn sind. Im Verhältnis dazu sind typische Moderationsmarker breit und dick. Dem entsprechend ist beim Parallel-Pens  der Unterschied zwischen breitem und dünnen Schreiben sehr viel größer als beim Moderations-Marker.

In diesem Sommer hatte ich zwei Monate Elternzeit und wir waren 7 Wochen in Südtirol auf Reisen. Ich habe unzählige Abende damit verbracht, eine Art Tagebuch in Schönschrift zu führen. Jeden Tag habe ich mir 2-3 Erlebnisse notiert und diese dann nach und nach in Schönschrift in mein Buch gepinnt. Zur Inspiration habe ich dafür intensiv Instagram genutzt. Dabei habe ich tolle Künstler entdeckt wie z.B. Drury Brennan, Claudio Gil, Luca Barcellona, CarolDubosch oder Heather Martinez. Und auf Pinterest sammle ich Alphabete, die mir gut gefallen.

test

In dem Zusammenhang habe ich auch den Parallel-Pen wiederentdeckt und mich neu verknallt. Das liegt nicht nur an dem Stift, sondern auch an drei Schriftarten. Diese Schriftarten sind eher expressiv als klassische Kalligraphie-Fonts. Sie erfordern nicht so filigranes Arbeiten, sondern sind rough. Das gefällt mir sehr. Das sind die Schriften, die auch in meiner Pinterest-Sammlung sind.

PIN 1
PIN 2
PIN 3

Das Schöne am Parallel-Pen: es ist ein Stift mit Tintenpatrone. Man braucht also kein Tintenfass. Das Problem am Parallel-Pen sind jedoch die limitierte Breite. Pilot bietet nur Stifte bis max. 6mm Breite an. Das ist für Poster-Überschriften aber meistens zu klein.

Stifte-Schriften-Marshmallow-Challenge

Aus dem Grund habe ich mir nach der Elternzeit auch Stifte zugelegt, die man in ein Tinten- oder Tuschefass tunken muss. Toll sind z.B. die Stifte von Automatic Pens, Dreaming Dog (ganz neu eingetrudelt) und bestimmt auch die von Luthis. Die haben viele schöne Breiten und einige spannende Sonder-Formen, z.B. mit zwei parallelen Linien. Diese Stifte heißen auch Ruling Pens – oder Reißfedern auf deutsch. Wenn man schnell und kräftig damit eine Linie zieht, dann entsteht eine coole, ausgefranste Linie und es kommt zu interessanten Klecksern. Hier bin ich aber aktuell noch in der Übungs- und Ausprobierphase. Häufig kleckst es noch zu stark oder an der falschen Stelle. Aber es macht mir viel Spaß. Automatic Pens gibt es im Künstlerbedarfsgeschäft wie z.B. bei Jerwitz. Dreaming Dog bekommt man in Europa nur bei Scribblers und Luthis über Kalligrafie.com.

In die Kategorie der Ruling Pens gehören auch modifizierte Parallel Pens von Pilot. Anbieter wie John Neal Bookseller (USA) oder Rainer Wiebe (D) schleifen die Parallel Pens und geben Ihnen alternative Formen die denen von Automatic oder einem Cola Pen ähneln. Das ist ganz praktisch, weil man ja nicht mit Tinte hantieren muss. Ich habe mir gerad einen Radius Cut bestellt und spiele damit herum.

Mein aktueller Liebling ist der Cola-Pen, einem ungehobeltem Verwandten der Ruling Pens: Aus einer leeren Cola-Dose, Essens-Stäbchen und Tape ist so ein Stift ruckzuck gebaut. Eine Anleitung davon gibt es hier. Cola-Pens sind unberechenbar und erzeugen kein vorhersehbares Schriftbild. Schließlich schreibst Du mit dem abgeschnitten Büchsenblech. Man kann mit der Spitze des Cola-Pen sehr dünn oder auch dicker schreiben – je nachdem wie man den Stift hält. Am Aufregendsten ist es aber mit dem unteren Teil zu schreiben und den Stift übers Papier zu kratzen. Dabei entstehen tolle Spritzer und wilde Kanten bei den Schriften. Blöd ist nur, dass man immer Gefahr läuft Dinge und Klamotten mit Tinte einzusauen. Einen Cola-Pen würde ich auch nicht in meinen Moderationskoffer packen, sondern im Büro für Poster-Überschriften nutzen.

Alternative Stifte 3: Paint-Marker

Über den Newsletter von Ian Barnard bin ich schon vor einiger Zeit in Kontakt mit Paint-Markern gekommen. Im Gegensatz zu regulären Markern, die Tinte verwenden, sind die Stifte mit verschiedenen Farben befüllt. Viele muss man schütteln und durch Drücken der Spitze Farbe nachpumpen.

Ich habe mir zunächst die Posca-Marker mit Rundspitze zugelegt und war spontan hin und weg. Dafür habe ich mir einen Satz Monoline-Schriften zusammengestellt (auch in der Pinterest-Sammlung), mit denen ich regelmäßig schreibe. Meine Lieblingsschrift ist hier die Timeburner. Die finde ich so eingängig, dass sie zu meiner Standardschönschrift geworden ist. Aber auch die A.D. Mono und die Black Bear benutze ich gern und häufig. Die Paint-Marker sind aber auch deshalb so cool, weil sie deckend sind. Die Farbe legt sich über die schwarze Tinte anderer Marker. Man kann z.B. mit einem weißen Paint-Marker auf schwarzer Tinte schreiben und so tolle Effekte durch Inlines bekommen.

Stifte-Schriften-Workshops-Paintmarker

Valentin hat irgendwann die neuen AcrylOnes von Neuland mitbestellt, und ich habe im Zuge der Materialproduktion für den Digital Transformation Club die Liquitex und Calligraffiti (von On The Run) Stifte entdeckt. Alle drei haben eine breite gerade Spitze (also etwas anders Keilspitzen) von ca. 12 mm. Damit kann man sehr schön fette Lettern malen. Bei den Fonts von Heather Martinez für Neuland ist auch einer dabei, den man super mit den breiten Markern schreiben kann:

PIN 4

Bei Black Ferry, dem Vegan/Graffiti-Laden hier in Wilhelmsburg, habe ich kürzlich beim Kaffeekauf die Slimer von On the Run aufgetan. Das sind Tuben mit Latexfarbe, die man über eine Spitze rausdrückt und schreibt. Das tolle an der Latexfarbe: sie bildet eine Art Relief und schafft so einen 3D-Effekt, den ich so noch nicht gesehen habe.

So. Das war mein Einblick in mein Federmäppchen, indem natürlich auch normale Marker, FineOnes, Fineliner und ein Bleistift noch drin sind.

Hast Du noch Tipps und Empfehlungen für andere Arten von Stiften?

Dann schreib mir oder hinterlasse einen Kommentar und ich kann meiner #PenAddiction weiter frönen.

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Inklusion durch User Experience

Am 09.11.2017 findet der World Usability Day als weltweiter Tag für nutzbare (digitale) Produkte auch wieder in Hamburg statt. Seit 2007 organisiert von eparo in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Das diesjährige Schwerpunktthema: Inklusion durch User Experience (UX). UX-Experten aus verschiedenen Branchen bieten 13 Vorträge, eine Podiumsdiskussion und 10 Workshops an. In der Speakers Corner gibt es nach jedem Vortrag Raum für Austausch. Teilnehmer lernen praxisnah, wie nutzerfreundliche und nachhaltige Produkte entstehen und welche Unternehmenskulturen dafür nötig sind. Das komplette Programm findet sich hier: wudhh.de/programm. Die Teilnahme ist kostenlos.

Insgesamt gibt es an dem Tag weltweit rund 200 kostenfreie Veranstaltungen in mehr als 40 Ländern und auch Deutschland ist mit Veranstaltungen an rund 20 Standorten wieder dabei. Der WUD in Deutschland wird als Veranstaltung durch die German UPA (Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals) koordiniert.

Wie passen Inklusion und UX zusammen?

Holger FischerDas Thema „Inclusion through User Experience“ hat auch dieses Jahr wieder viele Fragen aufgeworfen. Zwar haben wir mit 43 Vortragseinreichungen einen neuen Rekord aufgestellt. Aber auch diesmal gab es nur wenige Vortragseinreichungen zum Schwerpunktthema. Viele konnten sich nicht vorstellen, wie UX und Inklusion zusammenhängen. Wir haben Holger Fischer von der German UPA gebeten, uns genauer zu erklären, was darunter zu verstehen ist.

 

Inklusion durch positive Benutzungserlebnisse

Autor: Holger Fischer. Redaktion: Beate Winter

Inklusion durch UX – für wen?

Die Welt, in der wir heute leben, verändert sich. Dabei lassen sich insbesondere drei Gruppen von Menschen besonders herausstellen.

  1. Migranten: Kriege und Terror verursachen eine anhaltende Flucht der bedrohten Bevölkerungen. Ein großer Anteil migriert nach Europa und findet auch in Deutschland eine neue Zufluchtsstätte oder Heimat. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen leben somit an einem Ort zusammen.
  2. Ältere: Die Altersstruktur in unserem Land verändert sich nach wie vor. Die Menschen werden immer älter und stellen einen bedeutenden Teil unserer Bevölkerung dar.
  3. Menschen mit Beeinträchtigungen: Diese dritte Gruppe überlagert sich teilweise mit der Gruppe der Älteren. Nichts desto trotz macht die Gruppe einen Anteil von fast 20% unserer Bevölkerung aus, von denen um die 60% im Alltag körperlich beeinträchtigt sind (z.B. durch Sehschwäche, Hörschwäche, motorische Einschränkungen o.ä.)

Von der Integration zur Inklusion – für ein „echtes“ Miteinander

Themen wie Integration und Toleranz werden daher großgeschrieben oder zumindest kundgetan. Was bedeutet jedoch Integration? Integration beschreibt die allgemeine Eingliederung von bisher aus verschiedenen gesellschaftspolitischen und sozialen Gründen ausgeschlossenen Menschen oder Gruppen. In der tatsächlichen Ausprägung zeigt sich jedoch, dass Gruppen zwar verstärkt integriert werden, gleichzeitig allerdings weiterhin unter sich in Gruppen abgegrenzt sind und der Austausch häufig nur begrenzt stattfindet. Was wir für ein gemeinsames Miteinander benötigen, ist die nächste Stufe der Inklusion. Die Inklusion beschreibt den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. Die folgende Abbildung verdeutlicht den Wandeln von der Integration hin zur Inklusion.

Integration vs. Inklusion

Abbildung 1: Integration vs. Inklusion
Adaptiert entlang der CreativeCommons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz, basierend auf dem Original von Robert Aehnelt

UX für digitale Helfer: Barrieren abbauen. Arbeitsplätze schaffen. Wandel gestalten.

Die aktuelle Digitalisierung oder digitale Disruption verändert unser Leben in vielen Bereichen, angefangen von unserem Privatleben über die Art der Kommunikation bis hin in unsere Arbeitswelt. Junge Leute werden mit dieser Digitalisierung groß und werden von den Älteren häufig nicht mehr verstanden. Diese Art des Wandels durchleben wir allerdings bereits seit Jahren. Auch die Einführung des Telefons bzw. Fernsprechers hat schon in der damaligen Zeit eine kleine Revolution ausgelöst. So anstrengend die Digitalisierung teilweise beispielsweise in Bezug auf den Anstieg des E-Mails-Verkehrs auch sein kann, bringt sie auch viele Vorteile mit sich. Sämtliche Bevölkerungsgruppen lassen sich unabhängig ihrer Einschränkungen, Fähigkeiten, Kulturen, Sprachen, etc. zusammenbringen und können durch angemessene Konzepte und Lösungen bspw. besser und eigenständiger ihr Privatleben gestalten oder Behördengänge verstehen und absolvieren. Hierbei zeigt sich auch eines der wesentlichen Konzepte hinter dem Schlagwort „Arbeit 4.0“: Digitale Assistenzsysteme können Arbeitsplätze im Alter sichern, Barrieren aufheben und eine Vielzahl von Menschen überhaupt erst am Arbeitsleben teilhaben lassen.
Diese digitalen Helfer, die uns im Privat- als auch Arbeitsleben unterstützen, lassen sich allerdings erst sinnvoll einsetzen und leisten erst dann eine angemessene Unterstützung, wenn die Usability der Lösung sichergestellt und eine positive User Experience fokussiert wird. Das bedeutet vor allem auch die aktive Partizipation der Menschen bei der Konzeption und Ermittlung der wahren Erfordernisse hinsichtlich der Lösung.

Relevante Themen, welche die Inklusion und User Experience gemeinsam betrachten sind z.B. Universal Design, Barrierefreiheit, nutzbare Behörden-Webseiten, Schutz vor Mobbing durch künstliche Intelligenz, Sozialer Wandel durch soziale Medien oder Inklusion durch Kollaboration u.v.m.

Beispiele für positive User Experience

Ein paar von zahlreichen schönen Beispielen wie Inklusion durch eine positive User Experience beeinflusst werden kann, sind die Projekte der SOZIALHELDEN.de. So verschafft die Wheelmap.org Rollstuhlfahrenden einen Überblick über rollstuhlgerechte Orte. Der DialogBereiter.de  trägt sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen von Behördenmitarbeitenden, Freiwilligen und Geflüchteten zusammen und bietet damit Unterkunftsbetreibern oder Freiwilligeninitiativen einen guten Startpunkt, sich in der Nachbarschaft für das Miteinander mit Geflüchteten zu engagieren.

Die Themen Inklusion und User Experience ergänzen sich prächtig. Sei engagiert und beteilige Dich am World Usability Day mit Deinem Beitrag für eine schöne Zukunft.