Nur glückliche UX Designer erschaffen begeisternde Produkte

Unglückliche UX Designer produzieren dagegen Flops – und das oft am laufenden Band. Wiederholte Flops steigern die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Flops deutlich, da Misserfolgserlebnisse einen Erfolgszwang hervorrufen und damit Kreativität gehemmt wird.
Es entsteht ein Teufelskreis, der kaum mehr durchbrochen werden kann.

Wie bekommen UX Designer Erfolgserlebnisse?

Ganz einfach: Indem man ihnen Zeit gibt!

  • Zeit für Nutzerinterviews und das Zusammenstellen daraus gewonnener Erkenntnisse zu Personas.
  • Zeit für regelmäßige Evaluationen von Arbeitsergebnissen mit und durch Personen aus der Zielgruppe.

Genau diese Zeit fehlt aber oft.

Viele Projektleiter fordern allzu früh sichtbare Ergebnissen ein, beispielsweise in Form von Wireframes. Damit rauben sie wertvolle Zeit für Nutzerforschung. Und dies findet tragischer Weise besonders oft in agilen Konzeptions- und Entwicklungsprozessen statt.

Nutzerforschung wird gleichgesetzt mit Langsamkeit und agile Entwicklung mit Schnelligkeit – und siehe da, nun haben die Projektleiter ihre Begründung für den Verzicht auf Nutzerforschung.

Wir alle wissen, dass genau dies UX Designer unglücklich macht. Agile Entwicklung bedeutet für sie alles zu tun, um den Nutzer in den Mittelpunkt der Konzeption & Entwicklung zu stellen. Den Nutzer frühzeitig fassbar zu machen, seine Anforderungen, Wünsche und Verhaltensweisen schnell kennenzulernen und ihn im Gestaltungsprozess einzubeziehen.

Agile Entwicklung bedeutet für UX Designer ganz sicher nicht auf Nutzerforschung zu verzichten („Agile Development Is No Excuse for Shoddy UX Research”). Nutzerforschung wird als zwingend nötig angesehen, um Produkte zu schaffen die Nutzer begeistern.

User Research in agilen Entwicklungsprozessen

UX Designer und Projektleiter finden wieder zueinander, wenn es gelingt UX Methoden & Verfahren in den Prozess zu integrieren, ohne dass es zu einem Zeitverzug kommt und ohne dass „schlampige“ Nutzerforschung stattfinden muss.

Die Zuverlässigkeit und Validität der Ergebnisse aus der Nutzerforschung ist dabei entscheidend und stellt die größte Herausforderung dar. Schlampig durchgeführte Forschung hilft nicht weiter – wenn sie auch in der Regel schnell zu haben ist.

Wertvolle, zielgerichtete Nutzerforschung in agilen Prozessen gelingt, wenn diese Rahmenbedingungen gegeben sind:

  1. Nutzerforschung wird als notwendige Aufgabe und Tätigkeit im Entwicklungsprozess festgelegt und angesehen.
  2. Nutzerforschung, gestalterisch-kreative Arbeiten und Programmierung werden so geplant, dass sie (auch) parallel durchgeführt werden können.
  3. Alle Teammitglieder – Researcher, Designer/Konzepter und Entwickler – kennen die Arbeitsweisen und Anforderungen der jeweils anderen, gehen aufeinander ein („Wireframes die Entwickler lieben!“) und zeigen damit Interesse füreinander. So entsteht Empathie.
  4. Bei der Planung und Durchführung von Nutzerinterviews  werden Designer & Entwickler einbezogen und nehmen daran aktiv teil, beispielsweise während der Beobachtung von Use-Labs („Live dabei, ohne vor Ort zu sein: Alternativen zum klassischen Teststudio“).
  5. Für Tests im Sinne einer Evaluation und für die Analyse von Nutzeranforderungen werden Forschungsressourcen (Labs, Panels und Researcher) reserviert, so dass diese im Bedarfsfall verfügbar sind.

User Feedback Days einplanen!

Für die Evaluation von Konzeptideen, Wireframes, Wireflows, Prototypen und Mock-Ups eignen sich User Feedback Days besonders gut. Fest eingeplant im Prozess, getreu dem Motto: Am 30. gehen wir ins Lab – und das jeden Monat, garantieren sie eine nutzerzentrierte Entwicklung.

In User Feedback Days – angelegt als Nutzertests in einem Lab oder Gruppenevaluationen in Fokusgruppen – können die wahrgenommene und erlebte Nützlichkeit, Bedienbarkeit und optische Gestaltung unter die Lupe genommen werden. Und das mit und durch Repräsentanten der Zielgruppe. Somit gelingt es die späteren Nutzer im Entwicklungsprozess in den Mittelpunkt zu stellen und Arbeitsergebnisse frühzeitig durch Nutzer bewerten zu lassen.

Zeitplanung bei User Feedback Days

Die Abbildung verdeutlicht zeitliche Eckpunkte von User Feedback Days: 10 Tage vor dem Testtag werden Untersuchungsgegenstand und Themen benannt. 7 Tage vor dem Test startet die Rekrutierung der Testpersonen, 1 Tag nach Datenerhebung liegen die Erkenntnisse vor.

Unternehmen wie ING DiBa (Finanzen), Bonprix (Handel) und die Deutsche Lufthansa (Dienstleistung) haben bereits User Feedback Days in ihre Prozesse integriert und führen mit den erfahrenen UX Forschern & Berater von eresult monatliche Use-Labs auf hohem Niveau durch.

Sollte einmal kein Testbedarf vorhanden sein, dann ist eine kostenlose Stornierung möglich.

User Feedback Days – derart geplant und angelegt – verhindern einen Verzicht auf Nutzerforschung aus zeitlichen Gründen, da alle am Prozess beteiligten Teammitglieder stets die Gewissheit haben sich im Bedarfsfall mit Nutzern austauschen und deren Meinung einholen zu können.
User Feedback Days, geplant und durchgeführt von erfahrenen UX Forschern & Beratern, sind ein wesentlicher Eckpfeiler für eine nutzerzentrierte, agile Entwicklung – und eine Basis für glückliche UX Designer.

Der Beitrag Nur glückliche UX Designer erschaffen begeisternde Produkte erschien zuerst auf Nutzerbrille.

Alles für die Elemente: Runde 1

Für die Hololens Anwendung benötige ich diverse Elemente, wie eine Lebensanzeige, Karten, Anzeige der gefallenen, einige Emblems und einen Kompass. Diese Elemente sollten im gleichen Stil gestaltet sein, sie sollten aussehen als wären sie über 100 Jahre alt, man sollte auf den ersten Blick erkennen was die Symbole bedeuten und wo man sich befindet. Doch wie mache ich das?

Um die Elemente im gleichen Stil erstellen zu können, nutze ich Photoshop auf meinen Laptop. Aber warum Photoshop und nicht mit Feder und Tusche, wie früher? In Photoshop habe ich die Möglichkeit mir ein Papier zu erstellen, welches total alt aussieht. Außerdem habe ich die Möglichkeit mir den perfekten Pinsel zu erstellen und darüber hinaus, kann ich das ganze in After Effects animieren. Dies sind, so finde ich, drei wertvolle Gründe für die digitale Erstellung all meiner benötigten Elemente.

papier_benoetigte-elemente

Mein verwendetes Papier. Dies erstellte ich in Photoshop, da es so aussehen soll wie 203 Jahre alt.

pinsel_benoetigte-elemente

Dies sind alles Pinsel, welche ich ausprobiert habe.

 

mein-pinsel_benoetigte-elemente

Das sind die Einstellungen und die Form meines verwendeten Pinsels.

Zuerst setze ich mich mit der Karte, dem Schlachtplan auseinander. Hierbei besteht die Schwierigkeit alle Information die nützlich ist einzufangen, ohne das diese stört, wie ein Riss in der Scheibe wirkt oder total unnütze ist. Dafür erstellte ich eine Grundkarte. Auf diese baut alles andere auf, alle anderen Elemente orientieren sich an diese Grundkarte. Da die Karte Orientierungspunkte benötigt, erfolgt die Vollendung und diese Symbolik in der nächsten Kartenrunde. Doch zunächst, setze ich mit den Kompass auseinander. Der Kompass benötigt verschiedene Ansichten, da man ihn ein und ausblenden sollte und es nicht so wirken darf wie an- und ausknipsen. Außerdem braucht der Kompass ein edles Aussehen, da dies 1813 modisch war. Am allerwichtigsten ist, er sollte funktionieren und nicht nur Deko sein. Nach dem Kompass folgt die Lebens- und Todesanzeige. Diese müssen klar erkennbar sein und den Nutzer informieren. Diese sollten schnell erfassbar sein. Ein weiterer schwieriger Punkt stellt das Emblem dar. Diese sollten an Medaillen aus der Armee erinnern und zum Design von allem anderen passen. Sie müssen mit allem eine Einheit bilden, somit sollte die Kette auch sichtbar sein.

kartenvariante1_benoetigte-elemente

Dies ist die erste Kartenvariante. Die verwendete Schrift ist die Cock. Sie ist eine Schrift, welche an alte Karten und alte Zeiten erinnert.

kartenvariante1-mit-figuren_benoetigte-elemente

Hier kamen noch die Elemente für die Verbündeten hinzu.

Dies sind meine Ersten Überlegungen zu den Elementen in der Brille. Zu diesen ersten Überlegungen werden weitere angestellt um die Einheit zu verdeutlichen. Außerdem stellen sie ein Teil des Erlebnisses dar. In den folgenden Überlegungen, werden die anderen Elemente gestalterisch in Angriff genommen und die Karte wird vervollständigt.


Der Artikel Alles für die Elemente: Runde 1 hat die Lizenz CC-BY-NC-4.0 CLIC, bzw. des jeweiligen Autors.

Lesenswert: Die besten Links des Jahres 2016

Auch dieses Jahr haben wir euch an dieser Stelle jeden Monat mit unseren interessantesten Link-Fundstücken aus den Bereichen Produktmanagement, User Experience Design, Innovation und Unternehmenskultur versorgt. Für die letzte Ausgabe des Jahres wählen wir aber, wie 2014 und 2015, eine andere Variante: Anstelle der besten Links aus dem letzten Monat wollen wir euch diesmal einen Jahresrückblick auf unsere bemerkenswertesten Fundstücke aus 2016 geben. Auch erfahrt ihr, welche unserer eigenen Artikel in diesem Jahr am häufigsten gelesen worden sind.

Weiterlesen auf produktbezogen.de

produktbezogen.de – Der Blog für Produktmanagement und User Experience Design
Aktuelle Artikel | Buchempfehlungen | Jobs | Über uns

„Was wäre, wenn …?“ Mit Miniszenarien Zukunft gestalten

Zukunftswochen bei den Komfortzonen. Nachdem sich Jörg in seinem letzten Beitrag dem Thema Design Fiction gewidmet hat, werde ich mich in diesem Artikel um Miniszenarien kümmern. „Was wäre wenn“-Fragen helfen, um neue Handlungsräume zu erkunden. Das Schöne dabei ist, dass dieses Tool viele Variations-Möglichkeiten bietet: von einfachen Fragen, um neues Denken zu inspirieren, bis hin zur Entwicklung detaillierter Zukunftsgeschichten, um das Mögliche plastischer zu machen.

Gutes Morgen!

„The future is creating the future“ heißt es in einem schönen Artikel von Mark Frauenfelder, Forschungsdirektor des Institute for the Future. Die Vorstellungskraft ist ein nützliches Werkzeug, um Zukunft zu gestalten. Aber es ist schwierig, sich eine Realität vorzustellen, die noch gar nicht existiert. Manchmal scheitert diese Vorstellungskraft daran, dass Möglichkeitsräume gar nicht erst aufgemacht werden (dürfen) und Status-Quo-Beharrung und Risikovermeidungs-Strategien das Denken von Neuem erschwert. Disruption ist formulierte Anspruchshaltung vieler Unternehmen, und im Kleingedruckten findet sich dann oft der Disclaimer: aber bitte nur, wenn mit „Proof of Concept“ hinterlegt. Der zweite Grund, warum es schwierig ist, sich mit der Zukunft zu beschäftigen, ist mir da schon lieber: Das Scheitern an den Möglichkeiten. Denn bekanntlich gibt es nicht nur die eine, sondern vielfältige mögliche Zukünfte. Welche ist denn da die richtige? Keine Ahnung, müsste die ehrliche Antwort sein. Zumindest solange, bis man einige Optionen durchdacht hat. Eine banale, aber sehr gute Frage für so eine Gedankenübung ist: Was wäre, wenn …?

Die Kraft des Hypothetischen

Allen Zukunfts-Romanen oder -Filmen liegt mindestens eine „What if“-Frage zugrunde: Was wäre, wenn Dronen nicht mehr auf die Befehle von Menschen reagieren und beginnen, im Schwarm ein Eigenleben zu führen („Kill Decision“, Daniel Suarez)? Was wäre, wenn jeder Mensch während seines Lebens die Möglichkeit hätte, einen anderen Menschen ohne Strafe zu töten („Red Card“ S.L. Gilbow)? Was wäre, wenn nicht mehr Geld die Währung ist, mit der wir bezahlen, sondern Lebenszeit („In Time“)? Was wäre, wenn wir eine intim-persönliche Beziehung mit einem Algorithmus eingingen („Her“? Als ich „Zeitgruppe Null“ geschrieben habe, war meine Leitfrage: Was wäre, wenn man Menschen gegen ihren Willen leistungssteigernde Medikamente unbemerkt über die Atemwege verabreichen würde, um die wirtschaftliche Produktivität zu erhöhen?

Das Mögliche und seine Folgen

Gute Science-Fiction setzt sich ja bekanntlich nicht mit dem auseinander, was in der Zukunft möglich wäre, sondern damit, welche Probleme das Mögliche von Morgen mit sich bringt. Es gilt der Satz: Todays´s solutions give birth to tomorrow´s problems. Wer an dieser Binsenweisheit noch Zweifel hat, sollte sich unbedingt ein paar Folgen der britischen Mini-Serie „Black Mirror“ ansehen: Eine große Exploration des Denkbaren, ganz nah am Heute und nicht in abgehobenen Zukunftswelten. Jede Folge behandelt ein Thema, das die dystopische Seite des zukünftig Möglichen beleuchtet und mich nach jeder Folge beeindruckt und angeekelt zurückgelassen hat: Was wäre, wenn wir jede Erinnerung jederzeit abrufbar hätten und mit anderen teilen könnten? Was wäre, wenn ein verstorbener Mensch nach seinem Tod als künstliche Replikation weiterexistiert? Utopie trifft auf Dystopie: viele der aufgegriffenen Themen spielen mit unseren Wünschen oder geheimen Sehnsüchten, um dann umgehend die Schraube, mit der unser Zukunftsoptimismus befestigt ist, einen Tick weiter zu drehen. Nach fest kommt lose.

Nicht nur Neues denken, sondern auch neu denken

Auch für Innovations- und Strategieprozesse eignet sich diese Methode: Wie müsste eine Kaffeemaschine gestaltet sein, wenn alle Menschen nur einen Arm hätten? Was wäre, wenn wir im Unternehmen ausschließlich auf Selbstorganisation der Mitarbeiter setzen? Derlei Fragen sind der Ausgangspunkt für neues Denken. Es geht nicht darum, sofort Lösungen zu finden, sondern Möglichkeiten zu erkunden und dabei implizit auch die bisherigen Routinen in Frage zu stellen. Oder anders formuliert: “With the ‚what-if‘ question you can challenge long-held core beliefs of your industry”.Miniszenarien _1

Von “What if …?” zu “That’s it!“

So gut „Was wäre wenn“-Fragen auch funktionieren, sie schleppen den Konjunktiv als Nachteil mit sich. Soll heißen: Sie bleiben zu weich. Hier haben wir in unseren Workshops die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, mit abgeschlossenen Zukünften zu arbeiten. Das ist dann kein „What if“ mehr, sondern ein „That’s it“, ein Mini-Szenario. Für die Workshop-Teilnehmenden wird es konkreter, nachvollziehbarer und leichter, sich auf dieses Gedankenspiel einzulassen: „2025 haben wir es geschafft, die Unternehmenskultur so zu gestalten, dass alle Teams sich selbst organisieren“. Oder: „2025 haben wir unser Kerngeschäft auf den Kopf gestellt: wir machen nur noch 30% Umsatz mit unseren produzierten Waren und 70% mit Services und Dienstleistungen.“ Der Trick ist: Auf diese Weise verschiebt man die Frage. Ich stelle nicht die Entwicklung als solche zur Diskussion, sondern nehme diese als gesetzt – und kann andere Fragen stellen.

Alles hat zwei Seiten

Selbstverständlich geht es in Strategie- oder Innovationsprozessen darum, neue Richtungen zu finden, Möglichkeitsräume zu verdichten und gute Gründe zu finden, warum die Fokussierung auf dieses sinnvoll, auf jenes aber nicht zielführend ist. Aber, und das wird oft vergessen, es geht auch darum, die Robustheit dieser Ideen zu testen und Schwachpunkte offen zu legen. Nicht, um die Idee zu zerstören, sondern um sie besser zu machen.

„Was wäre wenn“-Fragen richtig einzusetzen bedeutet, beide Seiten der Medaille zu betrachten. Meine beiden Leitfragen sind hier: Welche Vorteile bringt Ihnen das? Was handeln Sie sich damit ein? Die inhaltliche Nähe zu einem meiner Lieblingstools, dem Pre-Mortem, liegt auf der Hand, nur dreht das Pre-Mortem die Schraube der Nachteile noch einen Tick weiter und lässt eine Idee faktisch scheitern. Beide Tools haben ihre Existenzberechtigung, aber in unterschiedlichen Workshop-Phasen: Eine „What if“-Übung setze ich eher zu Beginn eines Workshops ein, also in der Explorationsphase, um Denkräume zu öffnen, Handlungsfelder zu erschließen und mögliche Richtungen aufzuzeigen. Pre-Mortems sind eher im Mittelteil oder gegen Ende eines Workshops sinnvoll, also in der Konkretisierungsphase, um entwickelte Lösungen oder Ideen auf ihre Robustheit zu prüfen und zu verbessern.

Die richtigen Fragen stellen

Mini-Szenarien sind letztlich „nur“ ein Sprungbrett, um Optionen zu durchdenken. Dabei ist es wichtig, die richtigen Fragen zu stellen. Fragen, die auf Wünsche und Hoffnungen einerseits, andererseits aber auch auf Sorgen, Ängste oder Hindernisse abzielen. Fragen, die auch wesentlicher Bestandteil unseres Future Frameworks sind. Hier möchte ich eine kleine Auswahl an diskussionsleitenden Fragen für einzelne Szenarien vorstellen. Diese Fragen sind auf die Arbeit mit abgeschlossenen Zukünften ausgerichtet, der Soll-Zustand ist bereits erreicht. Wer mit „Was-wäre-wenn“-Fragen arbeitet, muss die Fragen entsprechend anpassen:

  • Welche Vorteile/ Chancen ergeben sich daraus für uns?
  • Welche neuen Probleme sind aufgetaucht? Was haben wir uns damit eingehandelt?
  • Auf welche Hindernisse sind wir gestoßen?
  • Wie haben wir es trotzdem geschafft?
  • Wie haben wir uns verändert, um dieses Ziel zu erreichen? Welche wichtigen Schritte haben wir hierfür unternommen?
  • Auf wen oder was waren wir angewiesen, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen?

Wie legt man solche Miniszenarien an?

Aber wie bekommt man die Informationen, um diese Szenarien zu entwickeln? Man kann ja nicht unendlich viele Entwicklungen in einem Workshop thematisieren, sondern sollte sich auf die vermeintlich relevanten konzentrieren. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

Erstens, durch die Gespräche, die ich mit Auftraggebern und Beteiligten im Vorfeld führe, bekomme ich einen guten Eindruck von den relevanten Themen und Fragestellungen. Diese Sammlung macht es leicht, entsprechende Mini-Szenarien im Vorfeld zu formulieren und zum Workshop mitzubringen. Bei strategischen Fragestellungen sind es eher weniger, denn so viele Möglichkeiten der zukünftigen Ausrichtung gibt es realistischerweise nicht, ohne dass das Unternehmensziel beliebig wird. Bei Innovations-Projekten, in denen es um Impulse und Ideen für neue Produkte oder Services geht, lassen sich ungleich mehr Inspirationsfelder aufmachen.

Wer nicht die Zeit oder Möglichkeit hat, diese Informationen in Vorgesprächen zu erheben, kann die Entwicklung der Mini-Szenarien auch in den Workshop integrieren. Das kostet aber Zeit und verändert mitunter das Ziel bzw. das Ergebnis des Workshops. Der effizienteste Weg, um die wichtigen Entwicklungs-Richtungen „herauszumoderieren“, ist die Wildcard-Frage: Welche Optionen sehen Sie für die Zukunft? Etwas spielerischer und zeitaufwändiger ist es, über den Status-Quo zu kommen, z.B. durch Sammlung von Allgemeinplätzen und Klischees, die anschließend ins gewünschte Gegenteil umgekehrt werden. Beispiel Versicherungen: Es ist stinklangweilig, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Ins Gegenteil gekehrt wäre die Frage: Was wäre, wenn Versicherungen ein Spaß bringendes Lifestyle-Thema sind und eine Möglichkeit, sich in seinem Freundeskreis zu profilieren? Auch mit dem Context Combinator lassen sich durch Verknüpfung einzelner Aspekte selbst „What if“-Fragen formulieren.

Miniszenarien _2

Bloß nicht in der großen Runde diskutieren

Auf keinen Fall sollten solche Szenarien plenar erarbeitet werden. Besser ist es, wenn Zweier-Teams sich jeweils 15 Minuten den Fragen widmen und diese dann kurz vorstellen. 14 Workshop-Teilnehmer, die sich zu zweit in zwei Runden jeweils 15 Minuten einem Szenario widmen, ergeben also schon mal 14 bearbeitete „What if“-Szenarien. Kurze Rückpräsentation der wichtigsten Ergebnisse, anschließende Priorisierung der Ideen, die weiter detailliert werden sollen, und schon hat man in 60-90 Minuten eine Auswahl vielversprechender Optionen, die weiter durch den Tag getragen werden. Der Rest fällt hinten runter, zumindest im Workshop.

Wichtig ist, sich im Vorfeld zu überlegen, wofür man diese „What if“-Übung nutzen möchte. Sind diese Szenarien tatsächlich nur ein Sprungbrett, oder sind sie das eigentliche Ziel des Workshops? Jörg und ich haben beispielsweise in unserem vorletzten Think Tank zur „Marketingorganisation der Zukunft“ in einem Workshop Szenarien entwickeln lassen, die in Form von ausführlichen Zukunftsgeschichten auch im Buch erschienen sind. Da haben wir dann auch deutlich mehr Zeit auf die Ausarbeitung der Szenarien verwendet. Wen es interessiert: das Buch von 2014 gibt es hier als kostenloses pdf, die vier Zukunftsgeschichten finden sich auf den Seiten 78 bis 104).


Was wäre, wenn ...? Wie Miniszenarien helfen, die Zukunft zu gestalten.
Klick um zu Tweeten


Was wäre, wenn Du Deine Meinung teilst?

Man muss  aus „What if“-Fragen aber nicht zwangsläufig eine eigene Workshop-Session machen. Die Frage an sich reicht ja schon aus, um als Moderator einzelne (Nach-)Fragen zu stellen und darüber die Diskussion in eine neue Richtung zu lenken.

Welche Erfahrungen hast Du mit „Was wäre wenn“-Fragen oder Mini-Szenarien gemacht? Wann sind die sinnvoll, wann stößt Du an die Grenzen? Über Erfahrungen und Impulse freue ich mich. Und wer in der Zwischenzeit ein wenig mit „Was-wäre-wenn“-Fragen experimentieren will, findet hier 30 sehr gute Beispiel-Fragen. Die sollten für den Anfang reichen. Und wer danach Bock auf mehr hat und mehr Aneignung oder Ablenkung sucht, schaut in die neue Anthologie „Twelve Tomorrows“. Wieder 12 namhafte Schreiber*innen, die die aktuellen Artikel der MIT Technology Review ins Fiktive gedreht haben. Was wäre, wenn …?

Der Beitrag „Was wäre, wenn …?“ Mit Miniszenarien Zukunft gestalten erschien zuerst auf Komfortzonen.

Save the date: Die „mind the product“ kommt nach Deutschland!

Für Produktmanager ist sie das internationale Klassentreffen und eine wichtige Wissensplattform: die MTPCon in London. Und ihre lokalen Ableger, die „ProductTanks“ in Stuttgart, München, Berlin und Hamburg sind gut besuchte Veranstaltungen mit Fokus auf informellem, fachlichem Austausch & Networking.

Weiterlesen auf produktbezogen.de

produktbezogen.de – Der Blog für Produktmanagement und User Experience Design
Aktuelle Artikel | Buchempfehlungen | Jobs | Über uns