Kategorie-Archiv: User Research

Digitale Zukunft auf dem Land: Wie Coworking Spaces und Senioren/-innen voneinander profitieren!

Wenn auch Sie Eltern haben die nicht mit digitalen Medien aufgewachsen sind, dann haben Sie sich vielleicht schon einmal als (Not-)Helfer in Sachen „Digitalisierung“ betätigt. Ich tue das oft.

Meine Eltern (70 plus) brauchen ab und an Hilfe, wenn es beispielsweise darum geht eine App in Gang zu bringen. Sie fragen mich wie sie Fotos und Kontaktdaten von ihrem alten Smartphone auf ein neues Smartphone übertragen können. Oft helfe ich beim Einrichten neuer Geräte, beispielsweise einem Drucker, und löse Probleme mit dem WLAN.

Für mich sind diese Momente der Hilfe stets bereichernd. Sie bringen mir mindestens genauso viel wie meinen Eltern. Wie sagt man so schön: Eine Win-win-Situation!

„Digitale Daseinsvorsorge“ auf dem Land

Meine Eltern leben auf dem Land. In einem Dorf mit 1.500 Einwohnern/-innen. 400 Kilometer entfernt von meinem Lebensmittelpunkt. Nicht jedes Problem kann ich daher zufriedenstellend lösen. Sie müssen sich Hilfe bei Freunden und Nachbarn erbitten oder professionelle Beratung einkaufen. Beratung beispielsweise im stationären Einzelhandel. Letzteres ist für meine Eltern erst dann ein Lösungsweg, wenn alle anderen nicht erfolgreich waren. Es ist ein Weg den sie leider oft gehen (müssen). Stets verbunden mit viel Zeit für die Fahrt in die nächste Stadt, Kosten und auch einer gewissen Unbehaglichkeit.

Ich finde, da muss man etwas tun! Es braucht Alternativen.

Es braucht Orte an denen sowohl Hilfe bei Problemen mit digitalen Produkten und Anwendungen als auch Möglichkeiten zum Ausprobieren (neuer) digitaler Produkte geboten werden. Diese Orte bezeichne ich als digitale Treff- oder Knotenpunkte.

Lebensweisheit trifft auf Digital Natives

In digitalen Knotenpunkten treffen Menschen mit einem Problem auf fachkundige, hilfsbereite Mitbürger/-innen. Jene bieten Unterstützung beim Lösen von Problemen mit digitalen Medien, Produkten und Anwendungen. Die Helfer sind ehrenamtlich tätig, so dass ihre Hilfe kostenlos ist. Die Helfer haben Freude daran andere zu unterstützen und verfügen über die nötigen Fähigkeiten & Erfahrungen.

In meiner (Wunsch-)Vorstellung sind es Digital Natives die in den digitalen Knotenpunkten Senioren/-innen Unterstützung anbieten.

Digital Natives verfügen über die nötigen Kompetenzen. Was aber noch wichtiger ist, und im Besonderen für deren Einsatz spricht: Digital Natives können am meisten von der Lebensweisheit von Senioren/-innen profitieren. Sie können lernen mehr „digitale Souveränität“ zu entwickeln, sich weniger stark in die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken zu begeben und emanzipierter mit den Segnungen (und auch Zumutungen) im digitalen Zeitalter umzugehen.

Digital Natives können von den Senioren/-innen auch lernen Trends und technischen Entwicklungen nicht blind zu folgen. Sich stattdessen stets zu fragen: Brauche ich jenes Gerät wirklich? Muss ich jene App herunterladen? Welchen Nutzen bietet mir eine technische Neuerung?

Sich jene Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen, das ist eine zentrale Grundlage, um von den Segnungen im digitalen Zeitalter dauerhaft zu profitieren (und nicht etwa daran zu erkranken!). Senioren/-innen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die nötige innere Ruhe haben nicht ständig „online“ sein zu müssen. Etwas das vielen Digital Natives sowohl psychisch als auch physisch sehr guttun kann, wenn sie diese Einstellung und Verhaltensweise von Senioren/-innen übernehmen.

Da haben wir sie wieder, nun schon zum zweiten Mal: Eine Win-win-Situation zwischen Senioren/-innen und Digital Natives (Die digitale Weisheit der Silver Ager).

Digitale Knotenpunkte machen digitale Produkte erlebbar!

Neben kostenloser Beratung bieten die beschriebenen digitalen Knotenpunkte bestenfalls auch die Möglichkeit neue Technologien und digitale Produkte unter Anleitung auszuprobieren. Derartige Angebote gibt es bereits, beispielsweise in Schleswig-Holstein.

Gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein starteten im Sommer 2018 an verschiedenen Orten „Digitale Knotenpunkte“. Jene befinden sich in zentraler Lage in ausgewählten, kleineren Städten. Sie bieten sowohl neueste Technologien und digitale Produkte zum Ausprobieren als auch Wissensvermittlung in Form von Vorträgen (z.B. zum Thema Altersgerechte Assistenzsysteme) und Trainings (beispielsweise zur Bearbeitung von Bildern und Videos oder zum Aufbau eines eigenen Blogs).

In den Knotenpunkten können Virtual-Reality Brillen, digitale Alltagshelfer wie Amazon Echo & Google Home, Augmented-Reality Anwendungen, 3D Drucker und Smartwatches genutzt werden. Unter Anleitung von kundigen Bürgern/-innen gelingt damit eine Heranführung an neue Technologien auch und im Besonderen von älteren Menschen.

Digitale Knotenpunkte in Coworking Spaces

Ein digitaler Knotenpunkt braucht Räume für Begegnungen, er braucht eine aktive Gemeinschaft und vor allem Menschen die regelmäßig vor Ort sind, um ihre Hilfe anbieten zu können. Jene Erfolgsfaktoren können realisiert werden, wenn ein Coworking Space an einen digitalen Knotenpunkt angegliedert wird (Coworking auf dem Land – Landleben und (neue) Landarbeit nach menschlichem Maßstab).

Coworking Spaces vereinen Menschen aus unterschiedlichen Berufen, Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Erfahrungen. Coworker/-innen eint der Wunsch mit anderen Menschen zusammen zu sein, eine Gemeinschaft zu bilden, sich gegenseitig zu helfen, zusammenzuarbeiten und Inspiration von anderen zu erhalten.

Coworker/-innen sind zudem in der Regel vertraut mit neuen Technologien und nutzen digitale Produkte und Anwendungen intensiv. Beste Voraussetzung um anderen Menschen, beispielsweise Senioren/-innen, bei Herausforderungen mit dem digitalen Zeitalter zu helfen.

Andererseits können Coworking Spaces auf dem Land erwiesenermaßen nur sehr schwer betriebswirtschaftlich erfolgreich betrieben werden. Räume und Flächen sind zwar vorhanden – leerstehende Läden und Häuser gibt es auf dem Land oft mehr als genug -, jedoch sind die Betriebskosten eines Coworking Spaces kaum zu finanzieren. Die nötigen Personalkosten sind hoch und halten viele davon ab einen Coworking Space auf dem Land aufzubauen.

Jenes Dilemma ließe sich auf wundersame Weise auflösen, wenn der Coworking Space von Menschen im Ruhestand betrieben wird. Menschen, die ein erfolgreiches Berufsleben hinter sich haben und eine sinnvolle Aufgabe suchen bei der das Gehalt nicht der zentrale Treiber ist.

Sie kümmern sich als Community-Manager/-in um guten Kaffee, gepflegte und gemütliche Räumlichkeiten, sorgen für ein fantastisches Catering bei Workshops und Meetings. Sie bieten Lebenshilfe, betreuen ab und an die Kinder der Coworker/-innen, nehmen Post an, bringen Pakete zur Post und geben auch gern wertvolle Tipp für geschäftlichen Erfolg.

Senioren/-innen können auf diese Weise einen Coworking Space „am Laufen halten“ und den Coworkern/-innen dabei helfen in angenehmer Atmosphäre dauerhaft erfolgreich zu arbeiten. Und da haben wir Sie wieder, zum nunmehr dritten Mal: eine Win-win Situation zwischen Senioren/-innen, Digital Natives und Coworkern/-innen.

P.S.: Eine 4. Win-win Situation im Dienste unserer digitalen Zukunft könnte sich gar einstellen, wenn unter den Coworkern/-innen UX Professionals (w/m/d) & UX Designer (w/m/d) sind, die die digitalen Knotenpunkte, deren Produkte und Besucher für UX/Usability-Tests einspannen. Nutzertests beispielsweise für die Online-Dienste des Bundes, der Länder und Kommunen könnten so effizient durchgeführt werden. Ebenso ließen sich Prototypen in frühen Stadien an verschiedenen Endgeräten testen. Solche Tests können einen Beitrag leisten, um die Anforderungen des Onlinezugangsgesetz (OZG) noch zielführender umzusetzen.   

Viele gute Gründe für Coworking Spaces mit digitalen Knotenpunkten

Ich hoffe ich konnte Sie begeistern von Coworking Spaces auf dem Land, die über digitale Knotenpunkte verfügen und von Senioren/-innen gemanagt werden. Gleich 3, ja gar 4 Win-win Situationen sprechen für sich!

Sie sind die Garantie für einen erfolgreichen Betrieb sowohl des Space als auch digitalen Knotenpunkts.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Lassen Sie uns die erst Schritte gemeinsam gehen: Sie leben auf dem Land und wollen mehr teilhaben an den Segnungen des digitalen Zeitalters? Sie sind kommunal-politisch aktiv, leben in einem Ort mit Leerständen und suchen nach sinnvollen Konzepten für deren Nutzung?

Sprechen Sie mich einfach an.

Gerne biete ich Ihnen Beratung und Hilfe beim Konzipieren, Planen und Umsetzen eines digitalen Treffpunkts und Coworking Spaces in Ihrer Stadt oder in Ihrem Dorf. Gebe Ihnen Tipps und Hinweise auf gute Beispiele für Treffpunkte und Coworking Spaces auf dem Land, und helfe beim Identifizieren von geeigneten Fördermöglichkeiten.

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Dem Nutzer stets auf der Spur: Daniel Hujer

Heute möchte ich Ihnen Daniel Hujer vorstellen.

Portrait von Daniel Hujer (Leiter Sales & Marketing, m-pathy)

Daniel Hujer

Daniel leitet das Marketing & Sales Team bei m-pathy.
Er berät Unternehmen beim Konzipieren eines kontinuierlichen User Feedback Managements. Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen Wissen auf Unternehmensseite aufzubauen, Mitarbeitende zu befähigen und seine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Ich freue mich daher sehr, dass sich Daniel Zeit für ein Interview nahm.

Als Diplom-Betriebswirt und erfahrener Marketer weiß Daniel sehr genau, warum es wichtig ist Nutzer/-innen in den Mittelpunkt von Entscheidungen und Handlungen zu stellen. Warum es wichtig ist sich die Brille seiner Nutzer/-innen aufzusetzen und mit deren Blickfeld hinzuschauen auf Produkte, Anwendungen & Services.

Im Interview werden wir uns die Brille eines POs und UX Designers (w/m/d) aufsetzen, der für eine kunden- und nutzerzentrierte Produktentwicklung im B2B Umfeld zuständig ist: Wie gelingt es ein forschungsbasiertes „Design for User Experience“ für eine BtoB Zielgruppe umzusetzen? Dieser Kernfrage wird Daniel im Interview nachgehen und uns teilhaben lassen an seinen Erfahrungen.

User Feedback Management bei BtoB Zielgruppen

User Research ist die Grundlage für ein gelungenes UX Design. Ohne die Einbeziehung von Nutzern & Kunden können keine Produkte entstehen die nützlich sind. Auch lassen sich vorhandene Produkte & Services nicht nutzer-/kundenorientiert weiterentwickeln. Nicht immer ist es jedoch möglich Nutzer & Kunden einzubeziehen.

Ich selbst mache immer wieder die Erfahrung, dass dieses „Einbeziehen“ schwer ist, wenn es sich um eine Business-Applikation handelt, wir also Geschäftskunden als Zielgruppe einer Anwendung haben. Teilst Du, Daniel, diese Erfahrung?

Daniel: Ich teile die Erfahrung in der Hinsicht, dass im B2B Umfeld seltener Nutzer in die Entwicklung einbezogen werden. Während sich im klassischen B2C-Markt das Thema Kundenzentrierung inzwischen weitgehend durchgesetzt hat, werden die dafür notwendigen Methoden im B2B Umfeld noch vergleichsweise selten eingesetzt. Aber auch hier gewinnt das Thema mehr und mehr an Relevanz. Die Unternehmen stehen hierbei vor teilweise neuen Herausforderungen im Vergleich zu B2C-Unternehmen.

Um zwei Beispiele zu nennen: Viele B2B Unternehmen haben riesige Produktkataloge mit teilweise sehr ähnlichen Produktvarianten, deren Unterschiede selbst für Fachleute häufig nicht sofort erkennbar sind. Gleichzeitig sind die Fragen der Kompatibilität und der spezifischen Einsatzmöglichkeiten sehr vielfältig. Dementsprechend gibt es zu jedem Produkt ganz unterschiedliche Szenarien, was das Einbeziehen des Nutzers damit fast zu einer 1to1 Beziehung macht. Ähnliches gilt auch für Nischenanbieter, die zwar nicht viele unterschiedliche Produktvarianten anbieten, sich aber auf sehr spitze Zielgruppen konzentrieren und damit oft zu kleine Fallzahlen als Grundlage für eine nutzerzentrierte Entwicklung haben.
Die Unternehmen stehen so vor der Wahl ein Produkt noch spitzer auf Bedürfnisse einzelner Kunden zuzuschneiden oder ihr Angebot auf Basis von Annahmen weiterzuentwickeln.

Eine zweite Herausforderung ist der Kontext der Einkaufs- und Gebrauchssituation. Da die Anwender/Kunden sich selbst in einer Arbeitssituation befinden und dementsprechend wenig Zeit und Geduld haben, ist es schwierig mit Befragungen und Interviews zusätzliches Wissen zu erhalten. Dies macht das Einbeziehen der Nutzer in die Entwicklung auf Basis valider Daten häufig sehr schwierig.

Tipps zum Steigern von Response-Raten bei Umfragen

Wie gehst Du mit Deinem Team vor, wenn eure Kunden eine Umfrage durchführen möchten bei der Geschäftskunden im Moment der Nutzung einer Business-Anwendung befragt werden sollen. Wie schafft ihr es eine angemessene Anzahl an Befragungsteilnehmern/-innen zu generieren?

Daniel: Das ist in der Tat eine Herausforderung, da es sich häufig um eine überschaubare Gruppe potentieller Befragungsteilnehmer handelt und diese gleichzeitig schwer für eine Befragung zu motivieren sind.
Hier hilft es natürlich die Regeln für klassische Onsite-Surveys auch auf diese Befragungen zu übertragen: Eine erfolgreiche Befragung bedarf einer ansprechenden Gestaltung. Stichwort: Glaubwürdigkeit. Betrachtet der Nutzer die Befragung als unseriös, weil sie beispielsweise wie ein Fremdkörper wirkt, ist die Antwortbereitschaft deutlich geringer.

Darüber hinaus muss sie an der richtigen Stelle platziert sein und die in diesem Kontext richtigen Fragen stellen. Gerade wenn man konkrete Informationen zu einer bestimmten Fragestellung oder einem bestimmten Verhalten benötigt, sollte man auch nur Nutzer befragen, die gerade damit interagieren oder ein solches Verhalten, wie z.B. eine Abbruchbewegung, ausführen. Das hat einerseits den Vorteil, dass man sich auf ein bis zwei fokussierte Fragen beschränken kann. Andererseits erhöht es signifikant die Response-Rates, da sich Nutzer in den Fragen direkt wiederfinden und damit eine größere Bereitschaft vorliegt die Fragen zu beantworten.

Auch die Art der Befragung ist individuell abzustimmen. Gerade bei Formularen, in Kauf- und Bestellprozessen sowie auf Produktdetailseiten haben sich Embedded Surveys sehr bewährt. Dies sind kurze, in die Seite oder sogar in Formulare integrierte Befragungen, die gezielte Fragestellungen ausspielen. Damit konnten wir auf Seiten mit wenig Traffic die Response-Rates um über 500% steigern und innerhalb kurzer Zeit valide Nutzer-Daten als Entscheidungsgrundlage liefern.

User Feedback Trends – beobachten & kontextuell befragen!

Vor einigen Jahren entdeckte ich beim Surfen auf immer mehr Websites „Feedback-Laschen“, meist am rechten Seitenrand der Sites. Per Klick wurde eine kurze Frage angezeigt, z.B. eine Zufriedenheitsabfrage, und ich konnte in ein Textfeld Kommentare eingeben. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass jene Laschen verschwunden sind. Ist das so oder erleben „Feedback-Laschen“ gerade einen zweiten Frühling?

Daniel: Ich denke wir erleben aktuell einen zweiten Frühling. Neue Technologien ermöglichen das über einen solchen Feedback-Button erhaltene Feedback besser in den Nutzungskontext zu setzen. Damit kann ein großer Mehrwert aus der Nachricht des Nutzers generiert werden. Ein solcher Feedback-Button ist einfach universell auf der Website einsetzbar und übernimmt dank ergänzender Informationen die Rolle eines Seismographen für die Online-Angebote des Unternehmens.

Auch wir haben die Funktionen der Feedback-Lasche in unserer Suite weiterentwickelt. Dabei wird das Feedback des Nutzers mit seinem Verhalten vor Abgabe des Feedbacks verknüpft, um zusätzliche Kontextinformationen zu erhalten. Dieses Verhalten kann man sich, analog dem klassischen Session Replay, in einem Video anschauen und so verstehen, warum ein Nutzer ein bestimmtes Feedback absendet.

Dank des Context Replay ist zum Beispiel nachvollziehbar, was der Nutzer getan hat, um ein technisches Problem auszulösen oder ganz allgemein was er vor seinem Feedback gesehen bzw. auch nicht gesehen hat.

Workshops & Fokusgruppen mit BtoB Zielgruppen

Wir haben, lieber Daniel, viel Neues und Wertvolles erfahren zu punktuellen Umfragen, eingebetteten Umfragen und User Feedback Management. Vielen Dank für das Teilen von Wissen & Erfahrungen.

Lass uns abschließend noch auf andere Forschungsansätze eingehen, beispielsweise Fokusgruppen oder Workshops mit Geschäftskunden. Welche Tipps und Hinweise kannst Du uns dazu geben: Was muss man tun, damit ein Unternehmen Geschäftskunden dazu begeistern kann sich 1-2 Tage aktiv an Fokusgruppen oder Design-Workshops zu beteiligen?

Daniel: Damit man Partner und Kunden für solche Arbeitsgruppen gewinnen kann, muss man sie sehr persönlich ansprechen und auch ihren Nutzen daraus in den Mittelpunkt stellen. Wenn man kommuniziert, dass man dies macht um besser zu verstehen was dieser – für das Unternehmen sehr wichtige Kunde – benötigt, um ihm einen noch besseren Service oder ein noch besseres Produkt bieten zu können, kann man ihn sehr häufig dazu motivieren.

Weiterhin sind die Kunden meist am Austausch mit anderen Kunden interessiert, um voneinander zu lernen. Wenn man ein solches Format mit in die Workshops integrieren kann, bietet man seinen Kunden einen ganz direkten Mehrwert durch die Teilnahme.

Vielen Dank Daniel für Deine gehaltvollen Anregungen und Tipps für eine nutzerzentrierte, researchbasierte Produktentwicklung und -weiterentwicklung im BtoB Umfeld. Du hast mir und ganz sicher auch den Lesern von Nutzerbrille.de neue Gedankenanstöße gegeben. Ich hoffe wir sprechen uns bald wieder, im Kontext der Themen User Research & User Feedback Management.

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Visuelle Designer sind Künstler und Handwerker

Gleich vorab: Sie werden in diesem Beitrag nichts Neues erfahren über die Profession der UX Designer (w/m/d). Zur wichtigen Rolle von UX Designern finden Sie auf nutzerbrille.de zahlreiche Gedanken und Beiträge.

Mir ist es ein Anliegen in diesem Beitrag visuellen Designern/-innen die Bedeutung zu geben, die sie meiner Meinung nach verdient haben. Warum ist mir das wichtig? Weil ich immer wieder erkennen muss, dass visuelles Design nicht die Wertschätzung bekommt, die es verdient hat. Es ist ein Kunsthandwerk – keineswegs zweckfrei und äußerst wertvoll für die Gestaltung erfolgreicher Produkte.

Visuelles Design ist ein Kunsthandwerk! 

Im Kontext der zurecht steigenden Bedeutung von Design Thinking Ansätzen, Design Sprints und der zunehmenden Klarheit über die Bedeutung der Bezeichnung „UX Design“ hat sich das grundlegende Verständnis für den Begriff Design verändert.

Design wird nicht (nur) verstanden als die Äußerlichkeit von Dingen. Design kennzeichnet den Gestaltungsprozess, im Sinne eines Gestaltungsprozesses für User Experience: Beginnend mit dem Erkennen von Bedarfen & Anforderungen, dem Konzipieren & Umsetzen von Prototypen und dem Testen & Optimieren jener mit Nutzern/-innen.

Damit einher ging die Abnahme der Relevanz von Ästhetik, also dem Visuellen, dem visuellen Design. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Tatsache, dass visuelles Design oft als Geschmackssache angesehen (man könnte auch wertend sagen „abgetan“) wird. Beides ist nachteilig – sowohl der Rückgang der Bedeutsamkeit von Ästhetik als auch die Gleichsetzung von Design mit Kunst bzw. mit einer Frage nach dem (guten) Geschmack. Visuelles Design ist auch Kunst, keine Frage. Aber Design ist nicht nur Kunst. Während Kunst frei von praktischen Zwecken ist, wollen visuelle Designer/-innen Gegenstände gestalten, die Menschen brauchen, gerne nutzen und zielführend einsetzen können.

Visuelles Design wirkt!

Visuelles Design löst Emotionen aus, weckt Erwartungen und prägt Stimmungen. Visuelles Design beeinflusst auf diese Weise Markenwerte, die Einstellungen zum Produkt und ganz wesentlich auch die wahrgenommene Nützlichkeit, Bedienbarkeit und damit letztlich die User Experience.

Der vielfach beschworene erste, visuelle Eindruck wirkt nicht nur kurzfristig. Er wirkt hinein in reflektive, ästhetische Bewertungen und bleibt über die Interaktion mit einem Produkt oder einer Anwendung hinaus erhalten. Zugleich ist er ein wesentlicher Bestimmungsfaktor dafür wie lange man sich mit einer Anwendung beschäftigt, ob man sie wiedernutzt und positiv oder eben negativ über sie spricht.

Diese Erkenntnisse basieren auf zahlreichen Studien und empirisch fundierten Theorien. Der Stand dieser Forschungen und deren Entwicklung über die Zeit kann in der Dissertationsschrift von Dr. Rita Strebe sehr gut nachvollzogen werden: Das visuell Ästhetische im Web.

Fazit – Gutes UX Design kann ohne ein gutes, zielführendes visuelles Design nicht (!) gelingen. Visuelle Gestaltung (Ästhetik) ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für (digitale) Produkte, der sich hinter den Wirkungen von Inhalten & Funktionen (Nützlichkeit) und der Nutzerführung (Usability) im engeren Sinne keineswegs verstecken sollte.

Um die Bedeutung des visuellen Designs aufzuwerten, ist es zunächst einmal wichtig die Wirkungen von Designs zu messen. Bestenfalls die Wirkungen verschiedener, visueller Designentwürfe.

Eine eindringliche und wunderbare Begründung, warum visuelles Design messbar gemacht werden muss damit es die ihm nötige Bedeutung zugesprochen bekommt, lieferte Professor Jochen Rädeker in einem Interview für die PAGE:

Der Manager [die Mangerin] nimmt die Entwürfe mit nach Hause und fragt: Schatz, wie gefällt dir das? In diesem Monat können Wochen strategischer Arbeit und logisch-konzeptionelle Herleitungen umsonst gewesen sein. Es liegt am Geschmack von Schatzi. […]. Deshalb müssen wir unser Design begründbar und messbar machen.

Begründbar und messbar – genau. Beides ist nötig. Widmen wir uns zunächst dem Messen der Wirkungen von visuellen Designs.

Wirkungen visueller Designs messen

Es gibt zahlreiche Ansätze, um die Wirkungen von visuellen Designs zu messen. Und das schöne dran: Diese Ansätze und Vorgehensweisen sind keine Kunst, sie sind klassisches Handwerk eines Marktforschers oder User Researchers. Handwerk das man erlernen kann und in dem man durch das Sammeln von Erfahrungen immer besser wird (How to Test Visual Design).

Die sich in Details unterscheidenden Ansätze weisen ein ähnliches, methodisches Vorgehen auf. Befragt werden Personen aus der Zielgruppe, beispielsweise abgebildet über Segmentierungs- oder Persona-Ansätze. Der Ablauf eines visuellen Design-Tests gestaltet sich typischerweise in 5-6 Phasen:

  1. Das visuelle Design wird für ca. 5 Sekunden eingeblendet.
  2. Es erfolgt eine Abfrage zu den „Likes & Dislike“.
  3. Das Design kann nun solange betrachtet werden, wie von der / dem Befragten gewünscht.
  4. Im Anschluss werden Bewertungen erhoben. Dabei kommen standardisierte, geprüfte Messinstrumente, wie beispielsweise der VisAWI, zum Einsatz. Typische Bewertungsdimensionen sind:
    • Attraktivität
    • Farbigkeit
    • Klarheit
    • Kunstfertigkeit
    • Neuartigkeit
    • Stimulation.
  5. Abschließend wird das Design noch einmal eingeblendet. Abgeleitet auf Basis von Markenkernwerten und angestrebten Designwirkungen können die Studienteilnehmer/-innen Eigenschaftswörter auswählen, die das Design aus ihrer Sicht beschreiben.

Gut vorbereitet, professionell durchgeführt und analysiert, erbringt ein (standardisierter) Designtest Klarheit und Wissen, um Entscheidungen zu treffen. Letzteres setzt jedoch voraus, dass man über Vergleichswerte verfügt, entweder aus einer Benchmarking-Datenbank oder durch den Vergleich verschiedener Designentwürfe in einem Testdurchlauf.

Visuelle Designs in Bezug auf ihre unmittelbaren Wirkungen zu messen – das geht also recht einfach. Deutlich schwieriger ist es die gemessenen Wirkungen zu begründen und erklärbar zu machen.

Wirkungen visueller Designs erklären

Visuelle Designer (w/m/d) verfügen über einen reich gefüllten Werkzeugkasten. Designer (w/m/d) wählen ganz bewusst objektive Gestaltungselemente aus, um gewünschte subjektive Einschätzungen beim Betrachter hervorzurufen.  Sie wissen über die Wirkungen von Farben, Formen, Strukturen, Anordnungen und Flächen. Visuelle Designer kennen sowohl die Gestaltgesetze als auch Grundprinzipien der Ästhetik. Ausgestattet mit einer gewissen (Berufs-)Erfahrungen sind das die zentralen Grundlagen, um wirksame visuelle Designs zu erschaffen.

Und obwohl das so ist, ist es bisher nicht gelungen eine Theorie zu entwickeln, die die ästhetischen Wirkungen von visuellen Designs vorhersagen kann. Und das trotz zahlreicher Forschungen der empirische Ästhetik, bereits beginnend bei Gustav Theodor Fechner im 18. Jahrhundert. Die empirische Ästhetik hat bis heute eine marginale Stellung inne, sowohl in der Psychologie als auch in den Kunstwissenschaften.

Ich finde es ist an der Zeit das zu ändern, um Ästhetik und die Wirkungen visuellen Designs über eine Theorie besser erklären und begründen zu können.

Visuelle Designs – Erst beschreiben und dann die Wirkungen messen!

Eine recht einfache, aber sehr wirksame Maßnahme auf dem Weg zu einem theoretischen Modell stellt eine deskriptive Analyse dar. Die im Rahmen von Design-Tests zu bewertenden visuellen Designs werden dabei ausführlich beschrieben. Neben der Beschreibung der Inhalte (Texte, Bilder) werden auch Angaben zu den in den Designs verwendeten Formen, Farben, Flächen, Strukturen und Gestaltungsprinzipien dokumentiert.

Diese eigenschaftsorientierte, rein deskriptive Vorarbeit ist die Grundlage, um aus den später erhobenen Daten zur Wirkung der visuellen Designs sowohl Wirkungsmuster als auch die zentralen Bestimmungsfaktoren der Wirkungen zu erkennen. Mit der Zeit entsteht auf diese Weise eine hervorragende Grundlage zur Vorhersage von Designwirkungen und zum steten Ausweiten vorhandenen Wissens über eine zielführende, visuelle Gestaltung von Designs.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Ich hoffe sehr, dass viele von Ihnen in Zukunft so oder so ähnlich vorgehen werden: Beschreiben und Messen!

Tun wir das viel mehr wie bisher, teilen wir zudem unsere dabei gewonnenen Erkenntnisse, dann werden wir gemeinsam dazu beitragen können, dass die Wirkungen visuellen Design begründbarer und erklärbarer werden.

Dabei sollten wir jedoch niemals den Anspruch entwickeln eine „Weltformel“ zu finden. Gute visuelle Designs können nur entstehen, wenn visuelle Designer auch über Kunstfertigkeit verfügen.

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Mitarbeiter-Personas als Fundament eines Employee Experience Design

Stellen Sie sich einmal vor wie es sein würde, wenn Sie mit Ihren Kindern, Ihren Eltern und Ihrer Oma unter einem Dach zusammenleben. Wie fühlt sich dieser Gedanke an: Interessant, reizvoll, abschreckend, herausfordernd?

4-Generationen Haushalte sind für viele von uns schwer vorstellbar und in der Realität kaum (mehr) anzutreffen. Ganz anders ist das in unseren Unternehmen. Dort arbeiten Baby Boomer (Geburtenjahrgänge 1955-1969), Vertreter der Generation Golf (1965-1980) und Mitarbeiter/-innen aus den Generationen „Why” (Jahrgänge 1980-2000) und Z (1995-2010) zusammen. Und das in der Regel mit großem Erfolg.

Mitarbeiter/-innen aus mehreren Generationen zu führen, glücklich zu machen und zu binden,  das ist eine Herausforderung. Typische Vertreter der Generationen haben ganz eigene Wertemuster, in einigen Bereichen vollkommen unterschiedliche Einstellungen und Meinungen. Ihre Anforderungen an ein glückliches und erfülltes Arbeits- und Privatleben unterscheiden sich.

4 Mitarbeiter-Generationen in einem Unternehmen zu haben ist herausfordernd, keine Frage, zugleich aber auch die Basis für unternehmerischen Erfolg.

  • Vielfalt und Diversität sind die Grundlage für Kreativität und (wahre) Innovationen.
  • Ein „Design for All“ kann nur umgesetzt werden, wenn unterschiedliche Persönlichkeiten in einem Unternehmen zusammenarbeiten. In diesem Fall ist gewährleistet, dass sich Konzeptions- und Entwicklungsteams in heterogene Nutzer- und Kundentypen gut hineinversetzen können (So gelingt inklusives Design: 7 Lektionen von Google, Apple, Facebook und Amazon).
  • Vielfalt und Diversität ist nötig, um Aufgaben und Tätigkeiten bestmöglich erfüllen zu können. Ein Controller beispielsweise benötigt andere Werte, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale wie eine im Vertrieb tätige Mitarbeiterin.

Vielfalt strukturieren und managen

Wie gelingt es Unternehmen die Vielfalt an Mitarbeitertypen und Generationen zu managen und zu strukturieren?

Im Kern sind es die Führungskräfte, die diese Herausforderung meistern müssen. Unternehmen benötigen Führungskräfte, die sich in unterschiedliche Generationen und Mitarbeitertypen hineinversetzen können. Die Verständnis für jede(n) Mitarbeiter/-in aufbringen (können) oder entwickeln (können). Die Interessen ausgleichen, einbeziehend entscheiden, handeln und typgerecht führen (können).

Nehmen Sie die Menschen wie sie sind – andere gibt’s nicht!
(Konrad Adenauer).

Nun ist nicht jede Führungskraft als hervorragende(r) Mentor/-in, Begleiter/-in und Leader/-in geboren. Auch sind nur wenige Führungskräfte per se gesegnet mit Empathie, Verständnis für andere und der Fähigkeit emotionale Nähe zu Mitarbeitern/-innen herzustellen. Und nur wenigen Führungskräften gelingt es Mitarbeiter/-innen zu begeistern, zu motivieren, typgerecht zu führen und dauerhaft zu binden. Genau an dieser Stelle setzen Mitarbeiter-Personas an.

Mit Mitarbeiter-Personas typgerecht führen!

Mitarbeiter-Personas strukturieren Vielfalt. Sie ermöglichen Führungskräften eine typgerechte Führung. Es wird möglich jede(n) Mitarbeiter/-in einer Persona zuzuordnen und auf diese Weise sowohl das Typische als auch das Besondere in jedem Individuum zu erkennen.

Mit Mitarbeiter-Personas ausgestattet, können Führungskräfte …

  • den Dialog und die Kommunikation mit Mitarbeitern typgerecht gestalten – in Form, Zeitpunkt, Kanal und Häufigkeit.
  • Schwächen & Stärken ganzheitlicher und in unterschiedlichen Umfeldern erkennen.
  • seelische Wohlfühlbedingungen in Bezug auf Arbeitsinhalte, Tätigkeiten, Herausforderungen, Arbeitsplatzausstattung, Teamarbeit und Verantwortungsbereiche herstellen.
  • fachliche und vor allem persönliche Entwicklungsfelder eröffnen.
  • den Umfang und die Art der Betreuung festlegen, um seinen Mitarbeitern ein(e) gute(r) Coach und Begleiter/-in zu sein.
  • leichter emotionale Nähe und Bindung aufbauen.
  • Empathie & Verständnis aufbringen.
  • ein Klima der Toleranz und Kooperation herstellen, auch und im Besonderen dann, wenn die Führungskraft eine andere Persönlichkeit hat wie ihre Mitarbeiter/-innen.

All diese Nutzenkomponenten – bezogen rein auf die Thematik der Mitarbeiterführung und -bindung – sind es wert, sich dem Thema Mitarbeiter-Personas zu widmen.

Mitarbeiter-Personas bieten noch viele weitere Einsatzbereiche. Mitarbeiter-Personas helfen beispielsweise im Personalmarketing bei der Ansprache von potentiellen Mitarbeitern/-innen. Es ist leichter möglich relevante Themen rund um den Job und Arbeitgeber zu identifizieren und geeignete Kommunikationswege, -formen und -formate auszuwählen.

Mit Hilfe von Mitarbeiter-Personas gelingt es Tools, Software, Prozesse, Arbeitsplätze, -geräte, Räumlichkeiten und Strukturen ganzheitlich zu evaluieren, neu zu denken und mitarbeiter-zentriert weiterzuentwickeln.

Vergleichbar mit dem Einsatz von User-Personas bei der Konzeption, Gestaltung und Evaluation von Websites, Apps oder Geräten (UX Design mit Personas), bieten Mitarbeiter-Personas die fundamentale Grundlage für ein erfolgreiches Employee Experience Design.

Mitarbeiter-Personas: Ausgangspunkt und Varianten

Es gibt verschiedene Ansätze für die Entwicklung von Mitarbeiter-Personas. Auch sind die Wege hin zur Beschreibung von Mitarbeiter-Personas und Zuordnung von Mitarbeitern/-innen genauso vielfältig wie beim Entwickeln von User-Personas.

Welcher Weg der „Königsweg“ ist, das muss auf Basis einer Ist-Analyse vorhandener Stellen, Mitarbeiter-Generationen, Aufgabenbereiche, Prozesse und im engen Austausch mit Führungskräften und Mitarbeitern/-innen entschieden werden.

Typische Ausgangspunkte zur Bildung von Mitarbeiter-Personas sind:

  • Qualifikationen & Fähigkeiten
  • Werte & Einstellungen (Generationenansatz)
  • Motivationale Treiber & berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale.

Mitarbeiter-Personas auf Generationsbasis haben ihren besonderen Reiz, da es aufgrund des Geburtsjahrgangs auf einfache Weise möglich ist eine(n) Mitarbeiter/-in einer Persona zuzuordnen:

  • Babyboomer – geboren zwischen 1955 und 1969. Sie haben nach den Kriegsjahren das Wirtschaftswunder erlebt.
  • Generation X – geboren zwischen 1965 und 1980; auch Generation Golf genannt. Sie wurden geprägt durch die Wirtschaftskrise.
  • Generation Y – geboren zwischen 1980 und 2000, auch Generation „Why“ oder Millennials genannt. Sie haben die Globalisierung und den Boom rund um das Internet in ihrer Kindheit oder Jugend erlebt.
  • Generation Z – geboren zwischen 1995 und 2010, auch Generation YouTube genannt. Sie haben die „Digitalisierung des Alltags“ in ihr Leben integriert.

Der aufmerksame Leser hat erkannt, dass es bei einigen Generationen Schnittmengen bei den Geburtsjahrgängen gibt. Ein Indiz dafür, dass allein das Geburtsjahr als Zuordnung nicht ausreichend ist. Es braucht weitere, beispielsweise werte- und einstellungsbezogene Kriterien, sowie eine Unterteilung der Generationen.
Mitarbeiter-Personas auf Generationsbasis sind denkbar für Unternehmen mit Geschichte und Mitarbeitern/-innen aus allen Altersgruppen – vom Berufseinsteiger (w/m/d) bist zum (Vor-)Ruheständler (w/m/d).

Universeller einsetzbar sind Mitarbeiter-Personas auf Basis von berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmalen, grundlegenden Karrierevorstellungen und Anforderungen an die Unternehmenskultur, sowie die Zusammenarbeit mit Kollegen (Nähe vs. Distanz, Dauer vs. Wechsel).

Mitarbeiter-Personas auf Basis von Werten und Persönlichkeitsmerkmalen

Anja von Kanitz hat ausgehend von den Big 5 Persönlichkeitsmerkmalen und dem Riemann-Thomann-Kreuz („seelisches Heimatgebiet“) 11 Mitarbeiter-Typen herausbilden können. Sie unterscheidet …

  1. Der Bürokratische: Alles geht seinen geregelten Gang.
  2. Die Ängstliche: Ob ich das wohl kann?
  3. Der Pragmatische: Hauptsache, das Ergebnis stimmt.
  4. Die Kreative: Es gibt für alles viele tolle Lösungen!
  5. Die Perfektionistin: Alles muss hundertprozentig sein. Immer!
  6. Der Einzelkämpfer: Wenn ich’s nicht mache, geht’s in die Hose.
  7. Die Wamherzige: Ich helfe gern!
  8. Der Gemütliche: Nur kein Stress!
  9. Der Star: Keiner ist so gut wie ich!
  10. Der Spezialist: Alles Knifflige interessiert mich!
  11. Die Abenteuerin: Neues? Risiko? Ich bin dabei.

Derartig gebildete Mitarbeiter-Personas sind deutlich differenzierter als jene auf Basis von Generationen. Das erhöht den Aufwand bei der Arbeit mit Personas deutlich. Andererseits ermöglichen Mitarbeiter-Personas auf Basis von Persönlichkeitsmerkmalen auf recht einfache Weise eine typgerechte Führung. Dieser Nutzen wiegt in der Regel die (Mehr-)Aufwände auf.

Mitarbeiter-Personas entwickeln und einführen!

Der Anfang prägt, das Ende haftet!“ – diese im Kontext der Gestaltung von Reden und Präsentation gebotene Empfehlung gilt auch für Persona-Projekte.

Die Einführung von Mitarbeiter-Personas muss gut vorbereitet und geplant werden. Dazu gehört ganz wesentlich die frühestmögliche Einbeziehung sowohl der Führungskräfte als auch Mitarbeiter/-innen. Von Anfang an muss deutlich kommuniziert werden warum und wozu Mitarbeiter-Personas entwickelt werden. Transparenz zum Prozess, Ergebnis und dem Arbeiten mit Mitarbeiter-Personas ist ebenso wichtig.

Werden diese Faktoren beherzigt, dann lassen sich sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter ein auf das Instrument Mitarbeiter-Personas.

Je nach Ansatzpunkt zur Ausgestaltung von Mitarbeiter-Personas, ist die Zuordnung des einzelnen Mitarbeiters unterschiedlich aufwändig. Im beruflichen Kontext gibt es mit dem Bochumer Inventar für berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale (BIP) ein etabliertes  Befragungsinstrument, welches die Einstufung von Mitarbeitern auf zentralen Persönlichkeitsmerkmalen ermöglicht. Persönlichkeitsmerkmalen wie beispielsweise: Leistungsmotivation, Gewissenhaftigkeit, Selbstbewusstsein, Flexibilität, Handlungsorientierung, Belastbarkeit, Sensitivität, Soziabilität und Teamorientierung.

Der BIP Fragebogen wird vom Mitarbeiter selbst (Selbstbild) und bestenfalls von Kollegen/-innen (Fremdbild), sowie der Führungskraft (Fremdbild) ausgefüllt. Voraussetzung dabei: Freiwilligkeit und eine glaubhafte Vermittlung der Absicht mit diesem Instrument eine typgerechte Führung zu erleichtern.

Oft wird der Einsatz des BIP Fragebogens ergänzt um Daten zum Karrierebild. So bietet der Karriereankerfragebogen eine hervorragende Grundlagen, um zu erkennen welche Faktoren dem einzelnen Menschen im Arbeitsleben wichtig sind, welche ihn antreiben und motivieren. Faktoren wie beispielsweise Sicherheit & Stabilität, Unabhängigkeit, technisch-funktionale Kompetenz, Lebensstilintegration, Kreativität, (totale) Herausforderung, „General Management“ oder „Dienst & Hingabe“.

BIP und Karrierankerbogen sind eine hervorragende Grundlage, um Mitarbeiter datenbasiert einer Mitarbeiter-Persona zuzuordnen. Beide Befragungsinstrumente bieten, in Kombination eingesetzt, Sicherheit die werte- und persönlichkeitsbasierte Zuordnung korrekt zu vollziehen. Das ist fundamental wichtig, da sich daraus ableitet, wie der einzelne Mitarbeiter typgerecht geführt werden kann.

Haben Mitarbeiter und Führungskraft den Prozess der Einordnung vollzogen, so ist das Projekt „Mitarbeiter-Persona“ noch nicht abgeschlossen. Nun gilt es die sich daraus ergebenden Anforderungen im Umgang miteinander, die persönliche Entwicklung im Unternehmen und die Anforderungen an die Arbeit im Unternehmen zu besprechen. Bestenfalls begleitet von einem internen (Personalmanager) oder externen Berater, der das Gespräch vorbereitet, moderiert und Vereinbarungen dokumentiert. Erst jetzt ist die Grundlage für eine typgerechte Führung auf Basis von Mitarbeiter-Personas gelegt, ein sinnvoller und „haftender“ Abschluss eines Persona-Projekts erreicht.

Wer denkt, damit sei „personabasierte“ Führungsarbeit beendet, der irrt natürlich. Die Arbeit am eigenen Führungsstil ist niemals beendet. Diese große Herausforderung zu meistern, das gelingt 95% aller Führungskräfte mit Mitarbeiter-Personas deutlich besser. Führung auf Basis von Instinkt und Bauchgefühl ist dauerhaft weniger erfolgreich, wie ein persona-orientierter Führungsstil. Probieren Sie es selbst aus, es lohnt sich!

Wo stehen Sie in Sachen Mitarbeiter-Personas?

Vielleicht am Anfang und wollen nun starten?
Oder haben Sie bereits Erfahrungen, gute oder auch schlechte, mit Mitarbeiter-Personas gesammelt?

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Ich freue mich mit Ihnen in einen Austausch zum Thema Mitarbeiter-Personas und Employee Experience Design einsteigen zu können.

Gerne auch als Sparringspartner und Impulsgeber – ich bin da für Sie und gebe meine Erfahrungen mit Personas weiter. Sprechen Sie mich einfach an.

Der Beitrag Mitarbeiter-Personas als Fundament eines Employee Experience Design erschien zuerst auf Nutzerbrille.

Den Nutzer stets im Blick: Dr. Fabian Hennecke

Heute möchte ich Ihnen Dr. Fabian Hennecke vorstellen. Ich freue mich sehr, dass Fabian sich die Zeit für ein Interview auf Nutzerbrille.de nahm. Ich schätze Fabian sehr: Sowohl als Persönlichkeit als auch Experten für UX Design.

Im Besonderen freue ich mich auf dieses Interview, weil Fabian einer der Väter von Nutzerbrille ist: Nach seinem Studium und seiner Promotion in Medieninformatik an der LMU München hat Fabian zusammen mit Johannes Müller und Mario Obendorfer die UX-Beratung uxcite und die Usability Testing Plattform nutzerbrille.de aufgebaut und bis ins Jahr 2016 betrieben.

Danach sammelte Fabian vielfältige Erfahrungen bei der nutzerzentrierten Entwicklung neuer und bei der Weiterentwicklung vorhandener Produkte in verschiedenen Unternehmen. Seit 2018 ist Fabian als erfahrener UX Designer bei xbAV tätig, dem führenden Technologieanbieter für die Digitalisierung der betrieblichen Altersversorgung.

Viele gute Gründe für ein Interview mit Dr. Fabian Hennecke zu Lean UX, dem UX Reifegrad von deutschen Unternehmen und den sich wandelnden Berufsbildern der Usability/UX Branche.  Am Ende des Interviews werden Sie auch erfahren, warum es sich lohnt Jeff Gothelf auf eine Tasse Kaffee einzuladen.

Design for User Experience

Fabian „Design for User Experience“ – diese Zielsetzung hat für viele Unternehmen eine große Bedeutung. Sie wollen UX Denk- und Prozessmodell in agile Entwicklungsumfelder integrieren. Entwickler, Konzepter, Gestalter, Produktmanager und User Researcher sollen herausragende Produkte schnell auf den Markt bringen und vorhandene zielführend optimieren. Diese Ziele überfordern einige Unternehmen. Sicherlich hast Du diese Erfahrung auch schon gemacht.

Warum tun sich einige Unternehmen so schwer ein „Design for User Experience“ zu etablieren?

Fabian: Ich glaube eines der großen Probleme am Anfang dieses Prozesses ist die Umstellung der eigenen Denkweise. Es geht bei einem UX-orientierten Prozess nicht um die Lieferung möglichst vieler Features in kurzer Zeit, wie bisher in vielen Firmen, sondern um sinnvolle Features oder Änderungen, die auf User Research beruhen.
Hierfür müssen Firmen erstmal einen guten Kontakt zu ihren eigenen Kunden bzw. den Nutzern ihrer Produkte knüpfen. Das kann je nach Produkt und Marktsituation schon eine ganz eigene Herausforderung darstellen falls verschiedene Stakeholder involviert sind. Anschließend muss man wissen wie man User Research effizient vorbereitet, durchführt und dann natürlich auch auswertet.
Dieses Wissen kann man zwar von extern einkaufen, dennoch ist auch dies eine Hürde. Schlussendlich laufen all diese Dinge darauf hinaus, dass sich das Unternehmen auf drei wesentliche Punkte einlässt:

  1. Entscheidungen auf den Ergebnissen von User Research treffen
    („Was wird entwickelt?“)
  2. Entscheidungen als Experimente begreifen
    („Löst unser Ansatz das gefundene Problem?“)
  3. Keine Angst davor haben bereits getroffene Entscheidungen zu revidieren („Das war wohl nix.“).

Diese Punkte erfordern ein organisationsweites Umdenken, sowohl bei den einzelnen Stakeholdern als auch bei der Unternehmenskultur. Nicht jedes Unternehmen akzeptiert gescheiterte Experimente als Lernerfolg. Insofern ist der Übergang zu einem „Design for User Experience“ durchaus eine Herausforderung auf mehreren Ebenen.

Lean UX – agile Entwicklung nutzerzentriert gestalten!

Fabian, wenn ein Unternehmen seinen UX Reifegrad steigern möchten, sagen wir ausgehend von „Wir haben etwas Budget für UX Tests!“ hin zu einem systematischen, nutzerzentrieren Gestaltungsprozess, womit sollte das Unternehmen starten?

Fabian: Die Unternehmen sollten anfangen zu verstehen wie ihre Produkte tatsächlich genutzt werden. Das geht am besten mit User Research. Durch Beobachtungen bei Nutzern vor Ort und in Interviews bekommt man neue Einsichten, die man auch im zehnten Meeting im eigenen Unternehmen so nicht erhalten hätte.
Interessanterweise sind Anekdoten oder auch Videos von Nutzern, die das eigene Produkt nutzen, außerdem ein gutes Argumentationsmittel, um im Unternehmen für einen nutzerzentrierten Prozess zu werben. Man profitiert durch User Research als erstem Schritt also gleich zweifach: Man gewinnt wichtige Erkenntnisse zum Produkt und erhält Material, um weiter für eine nutzerzentrierte Entwicklung im Unternehmen zu werben.

Fabian, Du bist ein Fan von Jeff Gothelf und Josh Seiden, den beiden Begründern des Lean UX Ansatzes. Inzwischen bist Du selbst zu einem der führenden Lean UX Experten geworden.
Was zeichnet diesen Ansatz aus und wieso ist er so gut integrierbar in agile Entwicklungsumfelder?

Fabian: Der Ansatz von Lean UX baut stark auf cross-funktionale Teams und die Integration des Teams in die Research- und Design-Aktivitäten. So erreicht man von Beginn an Alignment und Commitment im Team. Zusätzlich ermöglicht der Fokus auf Hypothesen und Experimente, dass das Team Dinge in kleinen Iterationen testen kann. Besonders wenn das Team selbst Entscheidungen treffen und die Entwicklung steuern kann, hilft Lean UX dabei die agile Entwicklung nutzerzentriert zu gestalten.

Berufsbilder der Usability/User Experience Branche

UX Designer sind die neuen Stars der UX Szene. Auf 3 von 4 Visitenkarten von Usability & UX Professionals ist diese Berufsbezeichnung inzwischen zu finden. Wie ist Dein Verständnis von den Aufgabenbereichen und Tätigkeitsfeldern eines UX Designers?

Fabian: Ich würde da zwischen UX Designer in kleinen Unternehmen und großen Konzernen unterscheiden. In kleinen Unternehmen sehe ich den UX Designer als Schweizer Taschenmesser, der von User Research über Konzeption bis hin zum Design alles abdecken muss. In großen Konzernen gibt es jedoch viel stärkere Spezialisierungen, zum Beispiel auf User Research. Beide Varianten haben für mich ihren eigenen Reiz und besondere Herausforderungen.
Neben diesem klassischen Rollenbild sehe ich einen UX Designer aber auch als Bindeglied zwischen den Bereichen Produkt, Entwicklung, Support, Customer Management und beispielsweise Marketing. In der täglichen Arbeit, z.B. in Workshops, bringen UX Designer die unterschiedlichen Bereiche zusammen, koordinieren Wissensaustausch und sorgen dafür, dass der Nutzer im Unternehmen eine Stimme hat.

Arbeitest Du heute bereits entsprechend Deines Idealbildes von einem UX Designer?

Fabian: Ich würde sagen: ja! Als Schnittstelle zwischen verschiedenen Bereichen treibe ich die Erstellung und Umsetzung von Konzepten eigenverantwortlich voran. Zusätzlich hinterfragen wir uns als Team regelmäßig und versuchen dadurch beispielsweise bestehende Prozesse zu verbessern. Insgesamt gefällt mir die Kombination aus der Arbeit an Detaillösungen und dem Mitgestalten am Großen und Ganzen sehr gut.

Mehr Erfolg durch Empathie und Verständnis füreinander!

Fabian, wie ist Deine Meinung zu diesen beiden Aussagen:

  • Wir brauchen mehr Entwickler, die Konzeptions- und Gestaltungswissen haben und grundlegende Erfahrungen in diesen Aufgabenfeldern gesammelt haben.
  • Wir brauchen mehr Konzepter & Gestalter, denen die Arbeitsweise von Entwicklern nicht fremd ist, die sich mit neuen Technologien beschäftigen und ein grundlegendes Verständnis von Programmiersprachen haben. 

Fabian: Ich stimme beiden Aussagen zu. In der täglichen Arbeit merke ich, dass es extrem hilfreich ist die Probleme bei der technischen Umsetzung eines Konzepts zu verstehen und diskutieren zu können. Ebenso ist es sehr hilfreich, wenn Entwickler Feedback zum Konzept und Design geben. Das fachliche Entgegenkommen und das gegenseitige Verstehen verbessern die Qualität der Arbeit ungemein. Außerdem erspart es an manchen Stellen auch Arbeit: UX Designer, die einfache Code-Änderungen vornehmen können oder Entwickler, die einfache Konzeptfragen selbst lösen können, machen so manches Ticket überflüssig.

Du hast bereits mit Donald Norman Pizza gegessen, daher ist die Frage: Mit welcher UX Persönlichkeit würdest Du gerne mal einen Kaffee trinken? sicherlich eine schwere, dennoch möchte ich sie Dir zum Abschluss unseres Interviews gerne stellen.

Fabian: Ganz klar: Jeff Gothelf. Dabei würde ich mit ihm über die Entwicklung von und die praktische Erfahrung mit Lean UX sprechen. Es wäre spannend zu erfahren, welche Fragen und Probleme ihm als Koryphäe auf dem Gebiet schon begegnet sind. Haben die typischen Probleme bei der Einführung von Lean UX typische Lösungen? Welche Fehler werden bei der Umsetzung von Lean UX am häufigsten gemacht? Was ist der größte Erfolg, den er mit Lean UX in einem Projekt bisher erreicht hat?

Vielen Dank, lieber Fabian, für diese anregenden und tiefen Einblicke in Deine Erfahrungs- und Gedankenwelt zu Usability, UX, Lean UX und UX Design. Ich hoffe Du bleibst Nutzerbrille.de lange, sehr lange treu und bist in 2-3 Jahren wieder für ein Interview auf Nutzerbrille zu begeistern. 

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Wie minimal darf ein Minimum Viable Product sein?

Die zunehmende Verbreitung von Minimum Viable Product (kurz: MVP) Ansätzen ist ein Segen für uns alle. Wir als Kunden bzw. Nutzer bekommen attraktive, neue Produkte. Unsere Unternehmen können Produktangebote in kurzer Zeit auf den Markt bringen, ohne ein mehrseitiges Lasten- und Pflichtenheft zu erstellen.

MVPs („minimal lebensfähige Produkte“ in der deutschen Übersetzung) sind geprägt von einem einfachen Funktionsumfang. Fokussiert auf einen Bedarf, zu dessen Erfüllung es kein oder kein ausreichend gutes Angebot gibt.

Bevor der MVP auf den Markt kommt, wird eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt wie der MVP nach mehreren, erfolgreichen Iterationen – also Weiterentwicklungen – aussehen könnte. Aus jenem Zielbild leitet sich ab wie der MVP, also die minimal lebensfähige Produktversion, zum Zeitpunkt des Markteintritts ausschaut. Das Zielbild wird im Prozess geschärft und oft mehrfach modifiziert.

Die stetige Weiterentwicklung erfolgt mit Produktverwendern. Sie geben Bewertungen ab, bieten Optimierungsideen, lassen sich vielleicht sogar auf beobachtete Produktnutzungen in einem Use-Lab ein und tragen auf diese Weise zu einer nutzerzentrierten Weiterentwicklung bei.

Derartige Weiterentwicklung verbessern die Bedienbarkeit (Usability) und zugleich den Nutzwert (Utility) des Produkts. Es entsteht in kurzer Zeit ein Produkt mit einer hervorragenden User Experience.  Das klingt, vom Ansatz her, traumhaft. Und ist es auch, jedenfalls in der Theorie!

Hervorragende, neue Produkt zu (er-)schaffen, die Kunden und Nutzer begeistern, eine hohe User Experience bieten und schnell steigende Nutzerzahlen erreichen ist für viele Unternehmen äußerst erstrebenswert. In der Praxis wird dieses Ziel unter Anwendung des MVP Ansatzs oft jedoch nicht erreicht. Das liegt fast immer darin begründet, dass der Ansatz nicht richtig umgesetzt oder falsch verstanden wird.

Zentraler Fehler: Es kommen Produkte mit einem viel zu geringen Nutzwert auf den Markt. Man geht davon aus, dass eine gute UX durch Ausprobieren entwickelt werden kann – was natürlich nicht der Fall ist. Die Flop-Rate ist dementsprechend hoch; sie liegt meiner Erfahrung nach bei über 75%.

Nur 1 von 4 Minimum Viable Products (MVPs) wird ein Jahr alt!

Die erste gute Nachricht an dieser misslichen Situation: Der MVP Ansatz wird sich (dennoch) durchsetzen. Dazu tragen zwei Aspekte im Besonderen bei:

  1. Der MVP Ansatz passt hervorragend zu agilen Projektmanagementansätzen.
  2. Der MVP Ansatz geht von der Tatsache aus, dass sich der „wahre“ Wert eines Produkts erst nach dessen Verwendung einschätzen lässt. Anders formuliert: Produktideen müssen vom Konzeptstadium mindestens hin zum Prototypenstadium, will man deren Problemlösungsbeitrag zuverlässig abbilden.

Die zweite, gute Nachricht: Die Befürworter des MVP Ansatzes können die Flop-Rate deutlich senken, wenn sie den Austausch und die Zusammenarbeit mit Marktforschern suchen.  Das klingt jetzt sicherlich für viele von Ihnen nach einer scheinbar unlösbaren Herausforderung. Marktforscher und UX-/Digital-Designer, die auf den MVP-Ansatz setzen, haben in den meisten Unternehmen nicht die besten Voraussetzungen ein „Dreamteam“ zu bilden.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass in den meisten Unternehmen Stellen, Abteilungen und Tätigkeitsfelder von Marktforschern länger existieren als Stellen, Abteilungen und Tätigkeitsfelder von UX-/Digital Designern. Deren Rollen und Aufgabenbereiche entstanden erst in den 2000er Jahren, Marktforscher gibt es dagegen bereits seit den 1950er Jahren. Dementsprechend sind auch die Machtverhältnisse und die Anzahl an Stellen in den Unternehmen ausgeprägt.

Ein zweites, viel schwerwiegendes Konfliktpotential liegt darin begründet, dass Marktforscher gelernt haben Verhaltenseffekte vorherzusagen. Sie beherrschen entsprechende Tools und Methoden. Beispielhaft sei hier die Methode der Conjoint Analyse genannt. Marktforscher sind in der Lage auf Basis von rein bildlichen und textlichen Beschreibungen der Merkmale eines Produkts Erkenntnisse zu dessen Absatzmenge bei unterschiedlichen Preisen und unterschiedlichen Merkmalskombinationen abzuschätzen. Und das mit einer hohen Sicherheit!

Jene „Vorhersagetools“ existieren seit den 1980er Jahren und haben sich mehrfach bewährt. Sie sind einsetzbar für Gebrauchsgüter, Konsum- und Verbrauchsgüter. Mit Conjoint Analysen lassen sich verkaufsstarke Verpackungen für Schokoriegel ebenso entwickeln wie attraktive Angebote für Reiserücktrittversicherungen.

Dieses methodische Vorgehen – Nutzer befragen und Verhalten prognostizieren – widerspricht dem MVP Ansatz und der Idee hinter diesem Ansatz. Er (er-)fordert, dass mindestens ein nutzbarer Prototyp vorhanden sein muss – ein MVP. Erst auf Basis der MVP Nutzung und den dabei gewonnenen Eindrücken lassen sich Marktpotentiale erkennen, erschließen und Umsätze maximieren.

Hinzu kommt, und das steigert die Gemengelage zwischen Marktforschung & UX weiter, dass UX-/Digital-Designer die Tools & Methoden der Marktforscher oft nicht in ausreichendem Maße kennen und verstehen (was natürlich auch umgekehrt gilt).

Sie sehen, die Bedingungen für eine gute Zusammenarbeit zwischen UX & Marktforschung sind leider nicht die besten, die Lage scheint aussichtslos, kann aber, sie ahnen es, durchaus verbessert werden. Wie so oft liegt die Lösung darin aufeinander zuzugehen.

Gute User Experience basiert nicht auf reinem ausprobieren!

Damit 3 von 4 „minimal überlebensfähigen Produkten“ ihren ersten Geburtstag erleben, müssen Marktforscher und UX-/Digital Designer mehr miteinander reden. Sie sollten Interesse zeigen an der jeweils anderen Profession, ihren Arbeitsweisen, Tools und Methoden. Sie sollten voneinander lernen und auf einer besseren Verständnisgrundlage füreinander nach Anknüpfungspunkten der Zusammenarbeit suchen.

Marktforscher werden erkennen, dass sich erfolgreiche digitale Produkte nicht ausschließlich auf Basis von Umfragen und eleganten Analysemethode gestalten bzw. „berechnen“ lassen. Jene Produkte können ihren Mehr- und Nutzwert erst im Moment der Nutzung verdeutlichen und erlebbar („Experience“) machen. Sie werden zudem erkennen, dass sie sich als Marktforscher nicht mehr nur als Abteilung oder interne Dienstleister sehen sollten, sondern stattdessen in den agile arbeitenden Entwicklungsteams ganz eng mit UX Designern, Produktmanagern und Entwicklern zusammenarbeiten sollten.

UX-/Digital Designer werden erkennen, dass gute UX nicht durch ausprobieren entstehen kann. Sie werden zu dem Schluss kommen, dass sie sich gemeinsam mit Marktforschern in Zukunft dieser zentralen Fragestellung widmen müssen, bevor sie ein MVP, ein „minimal überlebensfähiges Produkt“ auf den Markt bringen:

Wann ist das Minimum nicht genug?

Anders formuliert: Wie minimal darf der Funktionsumfang sein, damit der MVP und damit das ganzheitliche, zielbildkonforme Produktkonzept nicht komplett in Frage gestellt wird?

Die Antwort auf diese Frage wird sich in der Zusammenarbeit mit den Kollegen/-innen aus der Marktforschung ergeben – oder sich in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Partnern finden lassen. Bestenfalls mit solchen Dienstleistern die beide Seiten verstehen und kennen: UX Design Agenturen, die auf einen forschungsbasierten Konzeptions- und Gestaltungsansatz setzen.

So werden 3 von 4 „minimal überlebensfähigen Produkten“ mindestens ein Jahr alt!

Die Erfolgsrate eines MVP Ansatzes kann deutlich gesteigert werden, wenn vor der Entwicklung des Zielbildes für den MVP Personas erstellt werden. Dies sichert die Auseinandersetzung mit Anforderungen, Erwartungen, Wünsche und Nutzungskontexten der Zielgruppe. Die Personas sollten auf Basis von Umfragen und bestenfalls ergänzenden Interviews entwickelt werden – nicht ausschließlich im Meetingraum erdacht werden.

Gemeinsam mit Vertretern der Personas lassen sich Design Workshops durchführen. Der MVP entsteht somit unter Mitwirkung der späteren Anwender: User Centered Design in Perfektion.

Gerade bei innovativen Produktideen, die im MVP Ansatz auf den Markt gebracht werden sollen, ist es ratsam ethnografische Studien durchzuführen. Hier bietet die Marktforschung ein breites Methoden- und Verfahrensspektrum. Häufig zielführend, vor allem im Kontext der Entwicklung neuer digitaler Produkte, sind Tagebuchstudien und Kontextanalyse in Form einer begleitenden Beobachtung, ergänzt um kontextuelle Interviews.

Die Durchführung von Conjoint Analysen ist ebenfalls geeignet, um mit einem Funktionsumfang zu starten, der einen angemessenen Nutzwert bietet. Anforderungen an einen ausreichenden Funktionsumfang eines MVPs können auch mit Hilfe von Mental Model Diagrams „erarbeitet“ werden.

Sie sehen: Es gibt sie, die Methoden & Verfahren aus der Marktforschung, die den MVP Ansatz optimieren und weiter professionalisieren. Nicht das Angebot an jenen Methoden ist das Problem, die Herausforderung ist, dass Marktforscher und MVP Verfechter zueinanderfinden müssen, damit sie miteinander arbeiten können. Nur so kann Großes entstehen, nur so lassen sich hervorragende, begeisternde Produkte schnell auf den Markt bringen und dauerhaft etablieren.

Und das Wichtigste zum Schluss: Ein derartiger Wandel in der Zusammenarbeit zwischen UX & Marktforschung kann nur gelingen, wenn auf beiden Seiten neben der Bereitschaft zum Zusammenarbeiten auch Geduld & Durchhaltevermögen vorhanden ist. Verändern von Mindsets, das dauert, geht nicht in 1-2 Jahren, weist einige Rückschläge auf, bietet aber für alle jede Menge Gelegenheiten für große Zufriedenheit im Job.

Darf ich Sie unterstützen Ihren MVP Ansatz zu optimieren?

Möchten Sie die Zusammenarbeit zwischen Ihrer Inhouse UX und Marktforschungsabteilung verbessern? Sind Sie auf der Suche nach einer UX Agentur, die einen forschungsbasierten Gestaltungs- und Entwicklungsprozess für Sie realisieren kann? Darf ich Ihnen helfen – als tätiger Marktforscher oder UX-Designer – die jeweils andere Profession (noch) besser zu verstehen?

Sprechen Sie mich gerne an.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gemeinsam mit meinen Kollegen/-innen von eresult, meinen Partnern aus den Beraternetzwerken Berater 37 und teneo begleite ich Sie bei der Sondierung des Status Quo, der Erarbeitung eines Zielbildes, eines verbesserten MVP Ansatzes und auch bei dessen Umsetzung.

 

Sie wollen sich selbst weiter mit dem Thema befassen?
Ich empfehle Ihnen die Gedanken von Uwe Todoroff im Ratgeberbeitrag: UX vs. MVP – Wenn das Minimum nicht genug ist.

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User Experience mit Fragebögen messen

User Experience messen – das ist Dr. Martin Schrepp’s Thema aus Leidenschaft.

Dr. Martin Schrepp im Profil.

Dr. Martin Schrepp

Martin Schrepp studierte Mathematik & Psychologie an der Universität Heidelberg. 1990 schloss er das Studium mit dem Titel Diplom-Mathematiker ab und begann eine Promotion in Psychologie. Nach Abschluss der Promotion wechselte er zur SAP AG. Dort ist Dr. Martin Schrepp seit 1994 als UX Experte tätig.

Seiner Leidenschaft für das Messen von UX konnte er stets treu bleiben.

Dr. Martin Schrepp hat zusammen mit Theo Held und Bettina Laugwitz den  User Experience Questionnaire (UEQ) entwickelt und betreut die Weiterentwicklung dieses häufig genutzten UX Fragebogens seitdem zusammen mit Andreas Hinderks und Prof. Dr. Jörg Thomaschewski.

In  zahlreichen Forschungs-, Buchbeiträgen und in seinem Buch User Experience mit Fragebögen messen hat Martin Schrepp sein UX Wissen geteilt und damit der UX Community viel Gutes getan.

„User Experience messen“ – Dr. Martin Schrepp im Interview

Im Interview auf Nutzerbrille gibt Dr. Martin Schrepp seine Erfahrungen zu methodischen Fragen rund um das Messen von User Experience weiter.

Ich freue mich sehr heute mit Dir, lieber Martin, über das Thema „User Experience mit Fragebogen messen“ sprechen zu können. Ein Thema das in der UX Community schon seit Jahren ganz eng mit Dir verbunden ist.
Wie entwickelte sich Deine Leidenschaft für dieses Thema?

[Dr. Martin Schrepp] – Bevor ich als UX Designer angefangen habe, hatte ich in Psychologie promoviert. Dort ist ja das Messen und das Erzeugen von geeigneten Messinstrumenten für nicht direkt beobachtbare Konstrukte (z.B. Intelligenz, Persönlichkeitseigenschaften) ein Standardthema. Hier wird naturgemäß auch stark mit Fragebögen gearbeitet.

Als Designer hat mich dann die Frage, wie messe ich eigentlich die Wahrnehmung, die die Nutzer zu den von mir betreuten Produkten haben, stark interessiert. Ich habe dann 2006 mit zwei Kollegen bei SAP den User Experience Questionnaire (UEQ) entwickelt (den kann man sich unter www.ueq-online.org ansehen). Seitdem habe ich eigentlich kontinuierlich an der Weiterentwicklung dieses Fragebogens und anderen Themen im Bereich „UX messen“ gearbeitet und dabei natürlich auch immer versucht mich zu informieren, was andere in dem Bereich so treiben. Daraus und aus eigenen praktischen Erfahrungen mit verschiedenen Fragebögen, ist letztlich auch das Material für das Buch User Experience mit Fragebögen messen entstanden.

Wann hast Du das letzte Mal UX mit einem Fragebogen gemessen – und welche konkreten Erkenntnisse konntest Du für Deine Arbeit gewinnen?

[Dr. Martin Schrepp] – Ich verwende eigentlich regelmäßig Fragebögen, um quantitative Daten zu erhalten, die mir in gewisser Weise zeigen, wo die von mir betreuten Produkte bzgl. UX stehen. Natürlich den UEQ, aber auch den VISAWI oder den SUS. Häufig auch in Verbindung mit klassischen Usability Tests, da sich diese beiden Methoden eigentlich sehr gut ergänzen.

Ein Fragebogen liefert im Gegensatz zu einem Usability Test keine konkreten Hinweise zur Verbesserung eines Produkts, z.B. dass ein bestimmter Begriff auf dem UI nicht gut verständlich ist. Aber er zeigt, welchen subjektiven Eindruck Nutzer von einem Produkt haben, wo man im Vergleich zu anderen Produkten steht (z.B. über einen Benchmark, den die meisten Standardfragebögen anbieten) bzw. in welcher Richtung man ein Produkt weiterentwickeln muss. Hat man z.B. gute Werte für die pragmatischen UX Aspekte (z.B. Effizienz oder Erlernbarkeit), aber schlechte Werte für Stimulation (Fun of Use), ist das ein klares Indiz, in welcher Richtung man für die nächste Version des Produkts arbeiten muss.

UX Fragebögen – Wie wähle ich den richtigen aus?

Es gibt viele kostenlos zugängliche Fragebögen um UX zu messen. Einige versprechen eine ganzheitliche Messung, andere fokussieren auf einzelne Facetten der User Experience. Da fällt die Auswahl oft schwer. Wie gehst Du vor um das richtige Instrument zu finden?

[Dr. Martin Schrepp] – Bevor man einen Fragebogen wählt, sollte man sich immer die Frage stellen, warum man UX überhaupt messen will? Das ist ja kein Selbstzweck, sondern soll letztlich helfen, Produkte erfolgreicher zu machen.

Hier muss man natürlich die UX Aspekte (z.B. Effizienz, Erlernbarkeit, Fun of Use, etc.) messen, die für die Nutzer des Produkts wichtig sind. Schließlich will man wissen, wie zufrieden die Nutzer sind und in welchen Bereichen das Produkt nicht gut ankommt. Welche Aspekte das sind, hängt stark von der Art des Produkts ab. Für eine betriebswirtschaftliche Anwendung sind für die Nutzer andere Aspekte relevant, als für einen Web-Shop oder ein Soziales Netzwerk.

Aber das reicht in der Regel nicht aus. Es gibt hier auch Marketinggesichtspunkte zu berücksichtigen. Wie wird das Produkt beworben und platziert? Braucht man eine originelle Gestaltung, um die Aufmerksamkeit auf das Produkt zu lenken? Wenn ja, sollte man den Aspekt der Originalität auch messen, selbst wenn er für die eigentlichen Nutzer nicht so wichtig sein sollte.

D.h. im ersten Schritt muss man sich überlegen, welche UX Aspekte man messen will, um das Produkt erfolgreicher zu machen. Wenn man ein Produkt und seine Nutzer gut kennt, fällt diese Auswahl meist nicht schwer. Wenn nicht, kann man über Befragungen von Nutzern oder auch Produktverantwortlichen meist zumindest ein grobes Verständnis für die relevanten UX Aspekte erreichen.

Hat man eine solche Liste „relevanter“ UX Aspekte, kann man auf die Suche nach einem passenden Fragebogen gehen. D.h. einem Fragebogen, der möglichst viele der wichtigen UX Aspekte mit einer Skala misst. Wenn man Pech hat, kommt man mit einem einzigen Fragebogen nicht aus, sondern muss mit mehreren arbeiten oder muss sich auf die Messung der wichtigsten UX Aspekte beschränken.

„Man lernt am meisten über UX Fragebögen, wenn man konkret mit ihnen arbeitet.“ (Dr. Martin Schrepp).

Woran kann ich erkennen, ob ein Messinstrument ein gutes ist? Was sind zentrale Qualitätskriterien eines Fragebogens?

[Dr. Martin Schrepp] – Für UX Fragebögen hat man eigentlich ähnliche Qualitätskriterien, wie für andere Arten von Fragebögen oder psychologische Tests. Objektivität (d.h. das Ergebnis sollte unabhängig vom Durchführenden sein, was bei den stark standardisierten UX Fragebögen eigentlich überall erfüllt ist), Reliabilität (Genauigkeit, mit der eine Skala eines Fragebogens misst) und Validität (misst die Skala auch wirklich das, was sie zu messen vorgibt).

Bei Standardfragebögen sind meist einige wissenschaftliche Studien vorhanden, in denen die Autoren des Fragebogens versuchen, genau diese Qualitätskriterien nachzuweisen. Das ist gerade bei der Validität oft nicht ganz einfach, da die zugrundeliegenden UX Konstrukte oft nicht sehr sauber beschrieben und von anderen UX Qualitäten abgegrenzt sind.

Umfragedaten messen und interpretieren!

Wenn ich eine Suchmotivation hab, dann ist Steuerbarkeit und Effizienz für mich sehr wichtig. Bin ich im Stöbermodus, dann mag ich Aktivierung durch Fotos, Animationen und eine abwechslungsreiche Gestaltung, schätze Originalität und Schönheit in der Gestaltung besonders wert.
Wie kann man situative Einflussfaktoren bei der Messung von UX und der Interpretation von gemessenen Daten beachten?

[Dr. Martin Schrepp] – Wenn die Nutzer der Anwendung oder Web-Seite mit beiden Motivationen unterwegs sind, ist die Unterscheidung nicht relevant. Dann spielen einfach alle UX Kriterien aus Such- und Stöbermodus eine Rolle. Schwierig wird es, wenn man Nutzergruppen hat, die jeweils vorwiegend suchen oder stöbern. Die Nutzer beider Gruppen haben dann evtl. sehr unterschiedliche Nutzererlebnisse mit der gleichen Anwendung, was natürlich zu sehr unterschiedlichen Bewertungen führen kann. Wenn man so etwas vermutet, lohnt es sich sicher die Daten des Fragebogens daraufhin zu untersuchen, ob man die Teilnehmer in unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Ansichten unterteilen kann.

In solchen Fällen macht es auf jeden Fall Sinn einem UX Fragebogen noch einige zusätzliche Fragen voranzustellen, die das Nutzungsverhalten des Teilnehmers (oder andere Besonderheiten, von denen man annimmt, dass sie die UX Wahrnehmung beeinflussen) erfragen.

UX & Marke – Kann man das trennen?

Lass uns über den Zusammenhang zwischen Marke und UX sprechen. Es gibt Unternehmen deren Markenwerte sind so stark , dass Nutzer UX Schwächen verzeihen. Meine These: Wenn Apple den „Buy-Button“ auf seinem Webshop absichtlich versteckt, dann hat das keinerlei Effekt auf den Abverkauf. Die Shopbesucher suchen einfach so lange, bis sie ihn gefunden haben.
Ausstrahleffekte von der Marke auf die UX treten stets auf.  Wie gehe ich damit um, wenn es beispielsweise darum geht die UX zweier Anwendungen miteinander zu vergleichen?

[Dr. Martin Schrepp] – Sicher gibt es einen Zusammenhang zwischen Markenwahrnehmung und UX. Eine positive Markenwahrnehmung bei einem Konsumenten entsteht ja auch über die Zeit durch positive Erlebnisse mit einem Produkt. D.h. eine positive UX ist einer der Faktoren, die eine positive Markenwahrnehmung erzeugen.

Hat ein Nutzer umgekehrt schon eine positive Wahrnehmung einer Marke, wird er oder sie auch die UX entsprechend einschätzen, d.h. selbst wenn eine neue Produktversion Schwächen hat, wird das bei einer positiven Markenwahrnehmung deutlich milder beurteilt werden, als bei einer negativen Markenwahrnehmung. In der Marktforschung ist ja das Phänomen der evaluativen Konsistenz gut untersucht, d.h. die Tendenz fehlende Informationen zum Produkt aus der allgemeinen Bewertung der Marke abzuleiten (z.B. wenn man für Premiummarken auch eine hohe Produktqualität annimmt und damit einen hohen Preis akzeptiert, was ja nun leider faktisch nicht immer stimmt). Ähnliche Effekte treten natürlich auch bei der Beurteilung eines Produkts mit einem UX Fragebogen auf.

Ein UX Fragebogen misst immer die subjektive Wahrnehmung von UX. D.h. nehmen wir mal an, dass wir zwei Produkte mit einem UX Fragebogen messen. Nehmen wir weiter an, dass die Produkte eigentlich vom Design und von der Interaktion völlig identisch sind. Produkt A ist einer Marke mit sehr positiver Markenwahrnehmung zugeordnet, Produkt B stammt von einer völlig unbekannten Marke. Was werden wir als Ergebnis bekommen?

Vermutlich wird Produkt A im Vergleich der Fragebogenergebnisse besser abschneiden. Logisch, die subjektive Wahrnehmung ist auch besser. Ich denke das Beispiel zeigt sehr schön zwei wichtige Aspekte von UX Fragebögen. Erstens messen diese immer den subjektiven Eindruck von einem Produkt, d.h. man sollte das nicht mit einer wie auch immer definierten „objektiven“ User Experience verwechseln. Zweitens muss man Ergebnisse eines UX Fragebogens immer im Kontext interpretieren. Einfach Daten erheben und platt die Zahlen vergleichen kann unter Umständen ziemlich irreführend sein. Aber das gilt natürlich für jede Messmethode.

Gibt uns abschließend noch 2-3 Tipps für eine weiterführende Lektüre zum Thema „UX mit Fragebögen messen“?

[Dr. Martin Schrepp] – Ich denke am meisten lernt man über UX Fragebögen, wenn man konkret mit ihnen arbeitet. Die meisten Fragebögen sind frei verfügbar und wenn man den nächsten Usability Test macht, kostet es wenig Zeit, einfach mal einen Fragebogen mitlaufen zu lassen. Oder warum nicht mal einen Link zu einem Online-Fragebogen per Mail an bekannte Kunden schicken?

Die im deutschen Sprachraum verbreiteten Fragebögen UEQ, VISAWI, AttrakDiff2 sind auch alle frei verfügbar, d.h. einfach mal ausprobieren, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

Vielen Dank, lieber Martin, für diese Einblicke in Deinen Wissensschatz in Sachen „User Experience mit Fragebögen messen“!

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How you ask is everything – UX Design für Fragebögen

Wann haben Sie das letzte Mal an einer Umfrage teilgenommen? Letzte Woche, gestern, vielleicht gerade eben? Gelegenheiten gibt es zahlreiche.

Fragenbögen, die sich am Bildschirm ausfüllen lassen, sind schnell erstellt. Der Markt bietet viele Tools zum Aufsetzen von Umfragen. Viele Umfragetools sind kostenlos nutzbar. Ein Online-Fragebogen lässt sich damit einfach umsetzen. Programmierkenntnisse, ja selbst die Bereitschaft eine einfache Syntax zu erlernen, sind nicht erforderlich.

Nette Aufforderung zur Teilnahme an einer Umfrage

Menschlich und freundlich fragen!

Diese positiven Rahmendaten befördern die Lust am Fragen.

Unternehmen und Forschungsinstitute nutzen denn auch die ihnen gebotenen Möglichkeiten. Sie führen Zufriedenheitsumfragen, Anforderungsanalysen, Konzepttests oder Zielgruppenbefragungen regelmäßig durch.

Damit steigern sie ihr Verständnis für Kunden und Nutzer. Eine wichtige Grundlage für geschäftlichen Erfolg.

Fragebogendesign: Viel Schatten, wenig Licht!

Wenn Tools kostenlos angeboten werden und zugleich einfach einzusetzen sind, dann werden sie von vielen genutzt. Dies gilt für Umfragetools natürlich auch: Mit ihrer Hilfe werden immer mehr Umfragen durchgeführt.

Die Schattenseiten dieser Entwicklung sind mal eben schnell umgesetzte, fehlerhafte und wenig nutzerfreundliche Fragebögen.

Wir leiden immer öfter unter Umfragen, die eine oder gar mehrere dieser Schwächen aufweisen:

  • Optisch wenig ansprechende Fragebögen.
  • 40, 50, gar 60 Fragen in einer Umfrage.
  • Unverständliche Fragen, zu viele und unpassende Antwortvorgaben.
  • Fragebögen mit ungeeigneten Skalen und nicht sinnvoll gereihten Fragen.
  • Umfragen deren Ausfüllen wenig Freude bereitet, stattdessen mit hoher kognitiver Belastung verbunden ist – Convenience und Joy of Use? oft Mangelware.

Ein guter Fragebogen hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ein schlechter leider auch.“
(Dr. Sandra Gärtner).

Eine wahre Aussage, trefflich formuliert. Negative Wirkungen auf die Einstellungen zur Marke des fragenden Unternehmens sind jedoch nicht die einzige Gefahr schlechter Fragebögen. Weitere Gefahren zeigen sich in einer zunehmenden Befragungsmüdigkeit und der Ableitung falscher Entscheidungen aus Umfragedaten.

  • Ein schlecht umgesetzter Fragebogen liefert keine zuverlässigen Daten. Es kommt zu Fehlinterpretationen und in der Folge werden (zunächst oft unbewusst) falsche Entscheidungen abgeleitet. Der daraus entstehende, langfristige Verlust kann enorme Ausmaße annehmen.
  • Viele schlecht gemachte Umfragen führen zu einer zunehmenden Befragungsmüdigkeit:
    Immer mehr Menschen sind immer weniger bereit an Umfragen teilzunehmen.

Das war’s dann mit den goldenen Zeiten für die Forschung.
Die nachteiligen Entwicklungen können jedoch umgekehrt und aufgehalten werden. Ein zentraler Erfolgsfaktor: Fragebögen mit guter User Experience.

6 Schritte hin zum gelungenen Fragebogen!

Umfragen sollten, nein müssen genauso sorgsam wie Bestellprozesse in Online-Shops behandelt und gestaltet werden (letztere bestehen schließlich auch zu 80% aus Fragen und Eingabefeldern). Uns allen vertraute und bewährte UX Denk- und Prozessmodelle lassen sich problemlos auf Umfragen anwenden. Sie stellen eine hervorragende Grundlage dar, um einen UX Design Prozess für Umfragen abzubilden und in sinnvolle Phasen einzuteilen.

Konzeptions- und Analysephase

  1. Umfrageteilnehmer/-innen und deren Nutzungskontext beschreiben und verstehen.
  2. Erfordernisse sowohl für die formale Gestaltung als auch die Form und den Zeitpunkt der Ansprache der Befragungsteilnehmer/-innen ableiten.

Prototyping & Testphase

  1. Untersuchungsthemen und Forschungsthesen in verständliche Fragen und Antworten überführen.
  2. Eine erste Fragebogenversion erstellen und mit Nutzern testen, weiterentwickeln und erneut testen („iterative, mehrstufige Pretests“).

Monitoring und kontinuierliche Verbesserung

  1. Die Umfrage starten, Abbruchquoten und -stellen messen und
  2. (Detail-)Optimierungen vornehmen.

Für einen derartigen, systematischen Fragebogendesign-Prozess braucht es Erfahrungen und Kompetenzen in unterschiedlichen Feldern:

  • User Requirement Engineering
  • User Interface Design
  • Interaktionsdesign
  • UX Testing.

Und nicht zu vergessen: Es braucht Erfahrungen und Kenntnisse darüber, wie  Umfragethemen, Thesen und Forschungsfragen in verständliche Fragen überführt („operationalisiert“) werden, so dass gemessen wird was gemessen werden soll (Stichworte: Reliabilität, Validität).

Für das Testen eines Fragebogendesigns bieten sich gängige UX Verfahren & Methoden an: Nutzerbeobachtung, Denkprotokolle (Think-Aloud) und abschließende, halbstrukturierte Interviews. Solche Tests können sowohl im Lab als auch remote durchgeführt werden. 5-6 Testteilnehmer/-innen sind in der Regel ausreichend.

Return on Investment – UX Design für Fragebögen lohnt sich!

Das Resultat eines UX Design Prozesses für Umfragen sind Fragebögen, die optisch ansprechend sind, deren Ausfüllen Freude bereitet, leicht von der Hand geht (Convenience), die geringe Abbruchraten aufweisen und deren generierten Daten eine gültige und zuverlässige Grundlage für die Ableitung von Entscheidungen bieten.

Die Gestaltung solcher Umfragen kostet Zeit und Geld. Klar. Auch bei der Gestaltung von Fragebögen gibt es erfolgreiches UX Design nicht kostenlos. Aber: Die Investition rechnet sich. Denn: Ein schlechter Fragebogen hinterlässt einen bleibenden Schaden beim Markenimage und führt zu falschen Entscheidungen. Beides ist dauerhaft deutlich teurer als ein systematisch, nutzerzentriert entwickelter Fragebogen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht vor allem dann auf, wenn ein guter Fragebogen mehrfach eingesetzt wird – beispielsweise als Monitoring- oder Benchmarking-Instrument.

Sie wollen Ihre Umfragen überprüfen?
Sie benötigen bessere Fragebögen?

Sprechen Sie mich an. Gern bringe ich meine Erfahrungen ein. Ich helfe Ihnen eine zuverlässige Datenbasis für Ihre Entscheidungen zu bekommen, damit Sie die richtigen Dinge verbessern können.

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Customer Experience: Einfach bequem einkaufen!

Agentenbasiertes Online-Einkaufen, Bestellungen über digitale Sprachassistenten, Bestellbutton im Haushalt, bequeme Check-In/Check-Out Stationen und Umkleidekabinen mit Bedien-, Steuer- und Ausgabeeinheiten im stationären Einzelhandel: Jede dieser Anwendungen zahlt ein auf eine Verbesserung der Customer Experience durch mehr Bequemlichkeit. In den kommenden Jahren wird das Thema Convenience an Bedeutung gewinnen. „Bequemlichkeit (Convenience) ist Customer Experience in Vollkommenheit“.

Diese Entwicklung wird sowohl durch Technologien als auch von den Wünschen der Kunden getrieben. Immer mehr und zugleich immer unterschiedlichere Kundengruppen erwarten mehr Annehmlichkeiten rund um den Einkauf. Senioren/-innen, Familien, DINKS (Double Income No KidS), sie alle wollen ihre Zeit und Energie sinnvoll und zufriedenstellend einsetzen. Und das sowohl im Privat- als auch, ja vielleicht sogar im Besonderen, im Berufsleben.

Foto mit Einkaufstaschen, Einkaufwagen und Rechner. Verdeutlicht die Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten und Customer Experience

Customer Experience – einfach, bequem und schnell einkaufen.

Zeitsparende Annehmlichkeiten beim Kauf von Verbrauchs- und Gebrauchsgütern im B2B Handel bringen Kosteneinsparungen und steigern die Kundenbindung. Bequemlichkeit beim privaten Einkauf bringt Freude und führt ebenfalls zu einer (emotionalen) Bindung an Händler.

Bequemlichkeit ist die Kür, Customer Experience das Pflichtprogramm!

Die Herausforderungen zur Steigerung der Customer Experience und Shopping Convenience sind für B2C und B2B Händler gleichsam vielfältig.

Mehr Bequemlichkeit beim Einkaufen muss auf vielen Dimensionen gleichzeitig erzielt werden:

  1. Access Convenience
    Ein Händler muss bei der Suche nach Produkten gut auffindbar sein (online, stationär, überall).
  2. Search Convenience
    Das Sortiment muss einfach zu erkunden sein.
  3. Evaluation Convenience
    Die Auswahl geeigneter Artikel muss schnell und zuverlässig erfolgen können.
  4. Transaction Convenience
    Die gefundenen Artikel müssen einfach den Besitzer wechseln.
  5. Possession/Post Possession Convenience
    Der Erhalt und die Rückgabe gekaufter Produkte muss unkompliziert sein.

Um diese Erfolgsfaktoren umzusetzen, muss jeder im Handelsunternehmen zum Wohle der Kunden handeln. Ein positives Kundenerlebnis muss dazu zum Kern der Unternehmensstrategie gemacht werden.

Nicht nur Amazon, viele andere Händler haben diese Erfordernisse erkannt und stellen sich den Herausforderungen. Es werden Abteilungen aufgebaut die den Nutzer im Blick haben. Inhouse UX bzw. Enterprise UX Teams entstehen, die Kommunikation zwischen Entwicklern, Designern, Produktmanagern, Einkäufern und Verkäufern wird verbessert. Wissen rund um eine optimale Customer Experience wird aufgebaut.

Erfolgsfaktor (C)UX Mindset

Nur in einer UX-driven Company können Methoden wie agiles Projektmanagement, User Centered Design Prinzipien, neu geschaffene Abteilungen und Berufsfelder ((C)UX Designer) erfolgreich wirken und arbeiten.

Die Prinzipien eines User Centered Design müssen dazu sowohl bezogen auf die Kunden als auch die Mitarbeiter/-innen angewandt werden. Auch die Mitarbeiter/-innen gilt es in den Mittelpunkt zu stellen. Wertschöpfung entsteht in (Handels-)Unternehmen nun einmal durch Wertschätzung – gegenüber Kunden aber eben auch Mitarbeitern (Stichwort: Employee Experience Design).

Erfolgreiche Unternehmen, die in den 90ziger Jahren entstanden, hatten gar keine andere Chance als die „Experience“ von Mitarbeitern, Nutzern und Kunden von Anfang an in den Mittelpunkt ihrer Strategie und ihres Handelns zu stellen. In älteren Unternehmen ist die stetige Verbesserung des „digitalen Kundenerlebnisses“ und ein UX Mindset als Grundlage der Strategie nicht zwingend verankert. Ob sich das ändern muss, und wie schnell, das ist abhängig von deren Märkten.

Die meisten Unternehmen, ob jung oder alt, werden sich mit den Themen Customer und Employee Experience beschäftigen müssen. Der zentrale Grund liegt vor allem darin, dass sich neue Technologien immer schneller etablieren. Der E-Commerce brauchte 15 Jahre um fast jeden zu erreichen. Mobile Shopping verbreitet sich schon sehr viel schneller und es ist zu erwarten, dass Sprachassistenten und künstliche Intelligenz noch schneller eine breite Masse an Nutzern erreichen werden.

Bald werden wir die ersten Shops, Banking/Brokerage Anwendungen oder Reiseportale erleben, die den Nutzern eine (Teil-)Nutzung über Sprache ermöglichen. Das visuelle Interface wird bestehen bleiben, denn der Endpunkt einer Suche (z.B. eine  Produktdetailseite) lässt sich nun einmal am besten visuell darstellen. Der Weg dahin, dem Zielpunkt der Interaktion, kann jedoch per Sprache viel schneller erreicht werden:
Zeige mir bitte alle T-Shirts der Größe M, in der Farbe Gelb, bis max. 50 EUR und mit einer Lieferbarkeit innerhalb von 3 Tagen.“ Das dauert gesprochen genau 3 Sekunden während es mindestens 30 Sekunden braucht um das per Maus-/ Touch-Interaktion „einzustellen“.

Derartige Innovationen, die den steigenden Wunsch nach Bequemlichkeit und positiven Einkaufserlebnissen optimal erfüllen, können nur in Unternehmen entstehen, die in der Lage sind Erfordernisse von Kunden frühzeitig zu erkennen und in Lösungen umzusetzen. Das gelingt nur dann, wenn ein UX Mindset vorhanden ist und die Zielsetzung „digitale Kundenerlebnisse“ zu schaffen in der Unternehmensstrategie angemessen verankert ist.

Los geht’s: Messen, vergleichen, lernen und verbessern.

  • Haben Sie ein (C)UX Mindset bei Ihren Mitarbeitern/-innen geschaffen?
  • Schätzen Sie Ihre Mitarbeiter/-innen wert und achten deren Anforderungen?
  • Wie ist es um die Experience Ihrer Nutzer (User) und Kunden (Customer) bestellt?
  • Wie bequem ist es für Ihre Kunden Produkte & Leistungen zu bestellen?

Antworten auf diese Fragen sind nötig, um mit den richtigen Maßnahmen zu starten. Mit einer Bestandsaufnahme, beispielsweise über eine Mitarbeiter-/Kundenumfrage und auf Basis von Vergleichsdaten mit Mitbewerbern, erkennen Sie auf welchen Dimensionen und Faktoren Handlungsbedarfe bestehen.

Das ist eine hervorragende Grundlage, um Projekte abzuleiten und zu priorisieren. Erkennen ist die Grundlage um das Tor für neue Umsätze und höhere Gewinne aufzustoßen. Das ist heute noch genauso wie vor hunderten von Jahren: Für die Astronomie am wichtigsten war, dass Galilei ein holländisches Fernrohr weiterentwickelte und verbesserte. Damit wurden fantastische astronomische Entdeckungen möglich und Erkenntnisse gewonnen.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Sie brauchen Beratung beim Messen des (C)UX Mindset in Ihrem Unternehmen? Sie wollen sich mit Ihren Wettbewerbern vergleichen, wissen wie es um Ihre Customer Experience oder gebotene Shopping Convenience bestellt ist?

Sprechen Sie mich gerne an.

Im Team mit meinem Kollegen/-innen von eresult biete ich Ihnen geeignete Instrumente und Methoden, um die wichtigen Dinge richtig gut umzusetzen.

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Bequemlichkeit (Convenience) ist UX in Vollkommenheit

Die Zielgröße „Bequemlichkeit“ (Convenience) bekommt immer mehr Bedeutung bei der Gestaltung von Anwendungen. Gerade Shop-Betreiber sind (heraus-)gefordert den gesamten Einkaufsprozess für den Kunden so einfach und annehmlich wie möglich zu gestalten.

„Ist die Zeit die Kostbarste unter allem, so ist die Zeitverschwendung die allergrößte Verschwendung.“
Benjamin Franklin (1706-1790).

Zeit und Energie sinnvoll einzusetzen, das ist für viele Menschen auch heute und ganz sicher auch noch in der Zukunft erstrebenswert. Und das sowohl im Privat- als auch im Berufsleben.

Amazon hat das früh erkannt (Mit Bequemlichkeit punkten). Ein-Klick Bestellung, Dash Button und Amazon Echo sind einige, durchaus aber herausragende Resultate eines stetigen Strebens nach einer hohen Shopping-Convenience. Das gilt auch im B2B Handel (Florian Böhme über Kundenzentrierung in der B2B-Welt).

Vom Einkaufserlebnis über den Service hin zur Convenience

Viele Ziel- und Nutzergruppen möchten die Einkäufe von Verbrauchsgütern möglich schnell und einfach erledigen. Shopping-Convenience wird damit gerade in unserer stressigen Zeit zu einer immer wichtigeren Währung, wenn es darum geht Online-Shops hinsichtlich ihrer Erfolgsaussichten zu bewerten.

Und das gilt für B2C als auch B2B Online-Shops im gleichen Maße.

  • Vereinfachung beispielsweise beim Lebensmitteleinkauf steigert das Wohlbefinden und bietet wertvolle „freie Zeit“, die für Erlebnisse mit Freunden, der Familie oder für Hobbies eingesetzt werden kann.
  • Vereinfachung beim Kauf von Verbrauchs- und Gebrauchsgütern im B2B Handel bietet Kostenvorteile durch eingesparte Arbeitszeit in Einkaufsprozessen und Einkaufsabteilungen.

Wie kann Shopping-Convenience gemessen werden?    

Bequemlichkeit beim Einkauf entsteht immer dann, wenn sowohl wenig Zeit als auch wenig Energie für das Finden, Bestellen und Erhalten von Produkten eingesetzt werden muss.

Schnell und einfach bestellen können – das sind somit die zentralen Säulen einer hohen Shopping-Convenience. Der Weg dahin ist aber alles andere als einfach und schnell zu bewältigen. Er führt über eine gute Bedienbarkeit des Shops, ein breites, tiefes und attraktives Sortiment, nützliche Produktdetailseiten (Bilder, Bewertungen, Beschreibungen), positive Erlebnisse beim Stöbern und einen hervorragenden Service beim Auswählen, Bestellen, „in Besitz nehmen“ und schließlich auch Zurückgeben von Produkten.

Shopping-Convenience ist folglich nicht nur schwer realisierbar, sie ist auch schwer messbar.

Mit ein Grund dafür, dass es derzeit nur wenige Messinstrumente für das Konstrukt Shopping-Convenience gibt. Nur wenige Wissenschaftler (Ausnahme: Ling Jiang, Zhilin Yang & Minjoon Jun – „Measuring consumer perceptions of online shopping convenience“) und Praktiker (Ausnahme: Mailin Schmelter – „Service sells: Welche Bedeutung Services im Handel wirklich zukommt“) haben sich diesem spannenden Thema angenommen.

5 Dimensionen der Shopping-Convenience

Aus meiner Erfahrung bei der Beratung von Shop-Betreibern seit 1997 und den Erkenntnissen vorhandener Studien lassen sich fünf Dimensionen für das Konstrukt Shopping-Convenience ableiten.

  • Access Convenience
    Ein Shop muss bei der Suche nach Produkten gut auffindbar sein.
  • Search Convenience
    Das Sortiment muss einfach zu erkunden sein (und sollte breit und tief sein).
  • Evaluation Convenience
    Die Auswahl geeigneter Artikel muss schnell und zuverlässig erfolgen können.
  • Transaction Convenience
    Die gefundenen Artikel müssen einfach bestellbar sein.
  • Possession/Post Possession Convenience
    Der Erhalt (und die Rückgabe) gekaufter Produkte muss unkompliziert sein.

Zusammen mit meinen Kollegen/-innen bei der eresult GmbH konzipiere ich einen Fragebogen, der je Dimension 3-5 Fragen aufweist und Shopping-Convenience per Umfrage ganzheitlich messbar macht.

Mit dem ConQuest (Convenience Questionnaire) ist es möglich einzelne Shops zu bewerten, ihre Shopping-Convenience im Zeitverlauf zu überwachen, sie mit anderen Shops zu vergleichen und auf Basis von gewonnenen (Benchmarking-)Daten konkrete Tipps und Empfehlungen zur Eroberung der Shopping-Convenience Führerschaft abzuleiten.

Machen Sie mit beim Projekt ConQuest – Shopping-Convenience messen!

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit diesem Beitrag bei Ihnen Interesse geweckt habe und Sie sich an unserem Vorhaben aktiv beteiligen wollen.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne als Ideen- und Impulsgeber, Sparingspartner und/oder Shop-Betreiber.
Shop-Betreibern bieten wir kostenlose Umfragedaten zur Shopping-Convenience, wenn wir dort unseren Fragebogen ConQuest in einer ersten Version einsetzen dürfen.

 

Sollten Sie Interesse an einer Mitwirkung haben, dann melden Sie sich gerne bei mir.

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