Kategorie-Archiv: InnoLab

Mehrkanal to go: Das Lautsprecher-Orchester

Sie lassen sich in Bäume hängen, im Kreis aufstellen oder einfach unter den Arm klemmen: Im InnoLab des ligeti zentrums entwickelten Marcus Weseloh und Prof. Dr. Jacob Sello 2024 die ersten Snappi-Lautsprecher aus klassischen Industriekomponenten und 3D-gedruckten Gehäusen. Anders als herkömmliche Stereo-Lautsprecher lassen sich diese kugelrunden, kabellosen Lautsprecher per WLAN-Verbindung in beliebigen Anordnungen miteinander verbinden und kombinieren. Sie bieten Mehrkanal-Klangbilder zum Mitnehmen – und laden mit nur rund 100 Euro Materialkosten und quelloffener Software auf GitHub zum Selbstbau ein.

Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt

Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello
Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello

Während der Sound selbst zu Beginn noch im zentralen Fokus der Entwicklung stand, geht es mittlerweile vor allem um die Optik und das passende Größenverhältnis. „Ich baue fast ausschließlich unterschiedliche Lautsprecher“, erklärt Jacob Sello und kommt auf die Vor- und Nachteile zu sprechen. Wer das perfekte Surround-System suche, sei in technisch aufwendig ausgestatteten Studios wie dem Production Lab des ligeti zentrums oder dem Multifunktionsstudio der HfMT nämlich noch immer am besten aufgehoben. Anstelle einer präzisen Verräumlichung ließen die Snappi-Lautsprecher neue künstlerische Strategien in den Fokus rücken – im Theaterkontext zum Beispiel, oder bei Live-Performances im öffentlichen Raum. „Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt“, ist der InnoLab-Leiter überzeugt. „Mir geht es um die Flexibilität und eine schöne Erlebnisqualität. Mit Snappi-Lautsprechern kann ich mir ein Surround-System im Park aufhängen. Oder ich habe Personen, die den Sound quer durch den Raum tragen.“ Vor allem das batteriebetriebene, frei skalierbare Setup böte praktische und sicherheitstechnische Vorteile. „Man muss sich schlichtweg keine Gedanken über Kabel, Stolperfallen, Hänge- oder Installationsfehler machen.“

Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor

Mittlerweile verfügt das InnoLab über rund 25 Snappi-Lautsprecher. „Ich verstehe die Lautsprecher als ein Orchester mit verschiedenen Stimmen“, erklärt Jacob Sello. „Natürlich singt eine Bassstimme anders als ein Sopran. Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor.“ Der Code der Snappi-Software steht über GitHub längst frei und offen bereit. Und das nächste Gehäuse? Das entsteht mit dem Start des 3D-Druckers.

Titelfoto: Prof. Dr. Jacob Sello
Dieser Beitrag erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 

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Musizierende Gehirne und ein klingender Tisch: Bei der SuedKultur-MusicNight werden mathematische Modelle in Musik übersetzt

Am 10. Oktober 2026 ist es wieder soweit: Zum nunmehr 16. Mal bringt die SuedKultur-MusicNight 2026 die Musikszene in Harburg zusammen. Auch das ligeti zentrum ist erneut mit dabei. Im Production Lab heißt es ab 17 Uhr: „Bühne frei für Klang à la Carte!“ Präsentiert wird ein musikalisches Dinner, zu dem jeder Act seine eigenen Zutaten beisteuert.

Mit dabei sind die mathematisch beeinflussten Klanglandschaften von Dr. Simon Linke (InnoLab) und Prof. Dr. Rolf Bader. Das Duo musiziert seit ein paar Jahren zusammen – zuletzt sogar in China. Dabei verwenden sie die sogenannte Impulse Pattern Formulation (IPF) – einen physikalischen Modellierungsalgorithmus, der Klänge, Rhythmen und großräumige Formen erzeugen kann. Was halten die Musiker für die MusicNight parat?

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Ihr eröffnet die MusicNight im Production Lab des ligeti zentrums mit einer 30-minütigen Performance, bei der die Impulse Pattern Formulation (IPF) zum Einsatz kommt. Was hat es mit diesen mathematischen Algorithmen auf sich?

Simon Linke: Ich kombiniere IPF und andere mathematische Modelle aus den späten 1980er-Jahren, um Instrumente zu bauen, die so klingen, wie ich es will, sich aber tatsächlich auch wie richtige Instrument artikulieren. Mich hat an traditionellen Synthesizern schon immer gestört, dass man am Ende nur Knöpfe drückt. Und dann passiert immer dasselbe. Mithilfe der IPF kann ich auch Gegenstände so intuitiv spielen, wie ein klassisches, akustisches Instrument – ohne Synthesizer-Knöpfe programmieren zu müssen.

Für die MusicNight haben wir neue IPF-Instrumente gebaut und uns neue Klänge überlegt. Während der Performance improvisieren wir, um neue Klanglandschaften zu erschaffen.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell

Rolf Bader: Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell. Mein Instrument ist eine Ansammlung von Gehirnen, denen man Input gibt, ehe man sie für sich selbst laufen und Stimmen produzieren lässt. Das können Froschtöne sein oder Vogelgezwitscher, aber auch alle möglichen anderen Tiere. Die einzelnen Gehirne kopple ich miteinander, sodass sie einander zuhören und aufeinander reagieren. Zusammen bilden sie ihren kleinen Dschungel.  

ligeti zentrum: Woher stammt die Inspiration für diesen besonderen Gehirn-Synthesizer?

Rolf Bader: Letztes Semester habe ich ein Seminar zu Astromusikologie an der Universität Hamburg gegeben. Darin ging es um die Frage, wie Leben auf anderen Planeten wohl klingen würde. Das müssten nämlich auch selbstorganisierende Systeme sein – sonst wäre es kein Leben.

Eine NASA-Sonde hat bereits erste elektromagnetische Wellen und Radioaktivität auf dem Jupitermond aufgezeichnet, die in für Menschen hörbare Töne übersetzt wurden. Wenn da wirklich Leben ist, könnte man die Klänge abgleichen und rekonstruieren, wie diese Aliens gebaut sein müssten. Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut.

Foto: Jakob Mewes

Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut

ligeti zentrum: Eure Performances sind durch Improvisation ausgezeichnet. Ihr improvisiert aber nicht nur miteinander, sondern ebenfalls mit den Instrumenten. Wie fühlt sich das an?

Rolf Bader: Die Gehirne funktionieren in der Tat wie eigenständige Lebewesen. Und die machen nicht immer, was man will.

Simon Linke: Wir haben gelernt, wie man sie beeinflussen kann. Wenn Elemente aus der Reihe tanzen, kann man versuchen, sie zu überzeugen. Aber dasselbe gilt auch für uns beide: Man weiß nie richtig, was der andere macht. Das ist der Spaß an der Sache. Was passiert, ergibt sich live.

SuedKultur-MusicNight 2026 @ ligeti zentrum: Klang à la Carte!

Zur SuedKultur-MusicNight 2026 lädt das ligeti zentrum Künstler:innen mit unterschiedlichen Handschriften und Einflüssen zu einem musikalischen Dinner. Jeder Act bringt seine eigenen Zutaten mit: von mathematisch beeinflussten Klanglandschaften über vertonte chinesische Gedichte bis hin zu Instrumenten, die sich gegenseitig steuern.

 

10. Oktober 2026, 17:00–23:30 Uhr
Production Lab, ligeti zentrum (10. Stock)
Eintritt: 7,50 Euro

 

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SPORT1: Interaktive Klangwelten zwischen experimenteller Musik und Spiel

Am 23. Januar 2026 lädt das ligeti zentrum zu einer einzigartigen Performance ein: SPORT1 verbindet experimentelle Musik mit einem innovativen Gameshow-Format, bei dem das Publikum das Geschehen aktiv mitgestaltet. Was hat es damit auf sich? Nachgefragt bei den Projektbeteiligten Dr. Simon Linke (InnoLab) und Eric Haupt.

SPORT1 ist mehr als ein Konzert – es ist ein interaktives Experiment, bei dem Musik, Spiel und Publikum zu einer Einheit verschmelzen. Die Zuschauer:innen übernehmen eine aktive Rolle: Sie setzen auf Teams, schließen Allianzen, steuern Parameter der Musiker:innen und entscheiden über den Verlauf der Performance. Wer riskiert alles, wer spielt taktisch – und wer genießt das Spektakel aus sicherer Distanz?

Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie entstand die Idee zu dem Wett- und Klangformat SPORT1?

Eric Haupt: Experimentelle Klänge sind oft sehr abstrakt. Die Idee, mit Spielen und Wetten zu arbeiten, entstand aus dem Wunsch, diese Abstraktion aufzubrechen und Netzwerke größer und anschaulicher zu denken.

Die Spiele liefern eine visuelle Ebene, die das Hören unterstützt: Wenn man sieht, wie sich ein Schläger bewegt und gleichzeitig ein bestimmter Klang entsteht, entsteht eine vertraute Verknüpfung zwischen Bewegung und Sound. Diese Art von Ursache-Wirkung kennen wir aus dem Alltag, und sie hilft dabei, musikalische Zusammenhänge intuitiv zu erfassen.

So wird es leichter, einzelne Klänge wiederzuerkennen und einzuordnen. Anstatt einer undurchsichtigen Klangmasse entsteht eine nachvollziehbare Klangwelt. Die Spiele fungieren damit als kommunikative Brücke, die ohne große Erklärung funktioniert und dem Publikum einen direkten Zugang zur Musik ermöglicht.

Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Simon Linke: Die Grundidee von SPORT1 lässt sich auf zwei Ebenen erklären, die für uns besonders spannend sind: die Netzwerkebene und das Verständnis von Musik selbst.

Wir Musiker:innen sind vollständig miteinander verknüpft und können gegenseitig auf unsere Klangerzeugung zugreifen. Im Extremfall kann man die Hände vom eigenen Instrument nehmen und wird komplett von jemand anderem „gespielt“. Dieser stark ko-kreative Ansatz war ein Ausgangspunkt unserer Arbeit.

Die Interaktion dient dazu, erfahrbar zu machen, was innerhalb eines Stücks passiert und was uns als Musiker:innen daran interessiert. Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Man versteht vielleicht nicht alles im Detail, aber einzelne Aspekte werden klarer, weil es einen Rahmen gibt, der den Fokus verschiebt und neue Zugänge eröffnet.

ligeti zentrum: Welche Rolle spielt das Publikum in diesem Netzwerk?

Simon Linke: Wir beschäftigten uns mit der Frage, wie sich dieses Prinzip erfahrbar machen lässt, ohne dass es theoretisch erklärt werden muss. Eine Antwort darauf war, das Publikum bewusst als Teil dieses Netzwerks zu begreifen. Das ist es im Konzert ja ohnehin – das Publikum beeinflusst immer, was auf der Bühne passiert.

Bei SPORT1 rücken wir diesen Einfluss stärker in den Fokus und geben dem Publikum die Möglichkeit, auf direktere und drastischere Weise einzugreifen – etwa über das Smartphone, über Geräusche oder über konkrete Entscheidungen.

Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Eric Haupt: Die normale Publikumsinteraktion läuft über eine Wett-App auf dem Handy: Man unterstützt seine Spieler:innen, setzt ein paar Münzen, um Vorteile zu erzielen – und ist so Teil des Netzwerks.

Egal ob im Theater oder auf Konzerten: Man kennt vielerorts kleine Publikumsinteraktionen, die mal mehr oder weniger gut funktionieren. Wir senken die Hürde zum Mitmachen durch den Einsatz von Handys und die Anonymität, die damit einhergeht. Ohne falsche Scham kann man anderen Spielern auch ein Hindernis in den Weg legen – einfach aus Spaß oder aus Kalkül zum Gewinnen.

Die Interaktion gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden.

ligeti zentrum: Welche Auswirkungen hat das umgekehrt auf die Musik?

Simon Linke: An der Musik selbst machen wir keine Kompromisse. Sie entsteht so, wie wir sie künstlerisch vertreten und spannend finden. Die aktive Integration des Publikums öffnet einen Erfahrungsraum, in dem komplexe musikalische Prozesse erlebbar werden, ohne dass sie erklärt werden. Er gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden. Es gibt keine didaktische Vereinfachung oder „Kinderversion“, sondern das volle musikalische Programm.

ligeti zentrum: Wie gliedert sich das Projekt in das gesamte ligeti zentrum ein? Gibt es Anknüpfungspunkte zu und Überschneidungen mit anderen Projekten?

Simon Linke: Sowohl das InnoLab als auch das Production Lab sind in vollem Einsatz. Dadurch, dass wir die klangliche Steuerung von einer Person am Mischpult loslösen und stattdessen die volle Kontrolle untereinander verteilt haben, kommt die Technologie des 3D-Systems zur vollen Entfaltung. Dasselbe gilt für die Lichtanlage, die gleichermaßen in das Netzwerk integriert ist und ebenfalls vom Publikum manipuliert werden kann. Diverse Projekte und Technologien aus dem ligeti zentrum kommen zum Einsatz. Der Netzwerkansatz spiegelt sich natürlich auch in meiner  eigenen Arbeit mit der Impulse Pattern Formulation. Gleichermaßen viele Anknüpfungspunkte zu anderen Projekten stehen uns in der Zukunft offen.

Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling
Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling

Eric Haupt: Es gibt viele Anknüpfungspunkte, an denen unterschiedliche Menschen mitarbeiten können. Sobald die technische Basis steht, ist das Prinzip selbst leicht nachvollziehbar – die Gameshow-Struktur versteht man sofort.

Viele Beteiligte bringen Ideen ein: Wie etwas aussehen, sich verhalten oder klingen könnte. Das Projekt ist sehr offen und bietet zahlreiche Möglichkeiten: Workshop-Formate, Kooperationen mit Theatern oder Anpassungen auf verschiedenen Ebenen, auch musikalisch.

Wir stellen das Netzwerk bereit, und andere Projekte können darauf aufbauen. Man verknüpft verschiedene Elemente, schaut, wie sie zusammenwirken, und entscheidet dann, wie man sie einsetzen möchte.

Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können

Simon Linke: Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können. Auf der ICMC HAMBURG 2026 wird es zudem einen Workshop geben, in dem gezeigt wird, wie die entwickelten Tools anderen zugänglich gemacht werden können.

SPORT1 dient gewissermaßen als Generalprobe. Wir erwarten, dass 30 bis 50 Personen gleichzeitig ins Netzwerk eingreifen – das lässt sich im Vorfeld kaum simulieren. Wenn sich das Konzept in der Umsetzung bewährt, kann die Technologie problemlos an anderen Orten eingesetzt werden. Sie ist flexibel genug, dass der Fokus auch ohne das Production Lab oder 3D-Audio verschoben werden kann.

Spielt, hört, wettet und verändert das Geschehen live!

SPORT1 ist ein Projekt, das Erik Haupt, Moritz Wesp, Victor Gelling und Dr. Simon Linke (InnoLab) im ligeti zentrum realisieren. SPORT1 – eine musikalische Gameshow findet dort am 23. Januar 2026 um 20:00 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos; um eine Anmeldung via Pretix wird gebeten.

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Wenn Musik auf KI trifft: Interkultureller und musikwissenschaftlicher Austausch in China

Ende Oktober und Anfang November 2025 reiste Dr. Simon Linke (InnoLab) nach China, um die internationale Zusammenarbeit im Bereich KI und Musik zu vertiefen. Die Stationen: die Universität Jinhua sowie Workshops und Konzerte in Hangzhou, Jinhua und Shanghai – eine Reise voller künstlerischer Inspiration und interkultureller Begegnungen.

Im ligeti zentrum beschäftigt sich der Musikwissenschaftler Dr. Simon Linke mit der Suche nach neuen, meist digitalen Wegen der musikalischen Klangerzeugung. Dabei beruft er sich auf die sogenannte Impulse Pattern Formulation (IPF), eine vielseitige Methode zur nicht linearen Modellierung, die eine einfache rekursive Gleichung verwendet, um dynamische und komplexe Muster in musikalischen Systemen zu beschreiben und zu verstehen. Spannende Kooperationen entstanden dadurch nicht nur innerhalb des ligeti zentrums. Auch international stößt der Ansatz auf großes Interesse. So reiste Simon Linke bereits im vergangenen Juli nach Sichuan und Yunnan in China, um dort seine Arbeit auszustellen und sich mit den internationalen Kolleg:innen auszutauschen und zu vernetzen. Diesen Herbst konnte die Kooperation auf das östliche China ausgeweitet werden.

Performance in Shanghai: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten | Foto: 蔣舒帆
Performance in Shanghai: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten | Foto: 蔣舒帆

Ausstellung und Symposium in Jinhua  

Im Mittelpunkt der Reise stand eine Ausstellung zum Thema KI und Musik an der Zhejiang Normal University in Jinhua. Die Ausstellungsinhalte, die von elektronischer Tanzmusik über Filmmusik und Akustik bis hin zu Instrumentenbau und traditioneller Musik verschiedener Kulturen reichen, wurden 2023 ursprünglich in Zusammenarbeit mit Prof. Rolf Bader (Universität Hamburg) für die Ausstellung „Can You Hear It“ am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg entwickelt. Nun konnten sie in aktualisierter und angepasster Form auch in China präsentiert werden. Simon Linke betont: „Besonders spannend war der direkte Austausch darüber, wie sich ethnische Gruppen in der Darstellung wiederfinden und ob diese Perspektiven auch in Deutschland angemessen werden können, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit Hamburgs, deren Spuren such direkt vor den Türen des ligeti zentrums zeigen.“

Der Einsatz von KI als neutraler Vermittler wurde sehr positiv aufgenommen. Sie ermöglicht es, kulturelle Eigenständigkeiten – etwa über Tonsysteme – wissenschaftlich nachvollziehbar zu machen und sensible Themen wie ethnische Identität oder Minderheiten, unter ihnen beispielsweise die Uiguren, sachlich zu adressieren. Dass die Hochschulleitung der Universität Jinhua diese Themen explizit als globale Herausforderungen einordnete, sei sehr hilfreich gewesen. „Diese Rahmung machte es möglich, die Inhalte frei und ohne weitere Einschränkungen zu diskutieren“, berichtet der Musikwissenschaftler.

Großes Interesse galt der interaktiven Dance Booth, die soziale Austauschprozesse über Bewegung und Klang erfahrbar macht. „Während Besucher:innen in Deutschland meist direkt mit der Installation interagieren, wünschte sich das Publikum in Jinhua zunächst Erläuterungen und persönlichen Kontext“, berichtet Simon Linke. Zwar sei der Ansatz betreuungsintensiver; Simon Linke möchte ihn aber auch für künftige Präsentationen in Harburg berücksichtigen.

Während Besucher:innen in Deutschland meist direkt mit der Dance Booth interagieren, wünschte sich das Publikum in Jinhua zunächst Erläuterungen und persönlichen Kontext.

Das anschließende Symposium eröffnete internationale Perspektiven, etwa zur KI-gestützten Modellierung urbaner Klang- und Sozialräume. Die Diskussionen über kulturell unterschiedliche Wahrnehmungen von Lautstärke hat Simon Linke als besonders prägend wahrgenommen. „In Europa gilt Stille oft als Ideal, während in vielen afrikanischen Kontexten gerade das Fehlen von Klang irritiert. Obwohl die im Projekt „Cybermusician“ entwickelten physikalischen Modelle diese Offenheit bereits berücksichtigen, wurde deutlich, dass dieser Aspekt künftig stärker betont werden sollte – eine Beobachtung, die sich auch beim Besuch von Dekan Xing Ruan und dem Team der Stadtplanung an der Shanghai Jiao Tong University bestätigte.“

KI und Musik: Ausstellung in Jinhua | Foto: Simon Linke
Fotos: Simon Linke

Workshops und Konzerte in Hangzhou, Jinhua und Shanghai

Konzert in Hangzhou am 01. November | Foto: 蔣舒帆
Konzert in Hangzhou am 01. November | Foto: 蔣舒帆

Der zweite Teil der Reise galt der musikalischen Zusammenarbeit von Rolf Bader und Simon Linke (Sonomathematische Impulsarchitekten) mit dem chinesischen Musiker und Komponisten Liang Yiyuan, mit dem Simon Linke bereits seit der vorangegangenen Reise nach Yunnan im Kontakt stand. „Die gemeinsam organisierten Workshops und Konzerte ermöglichten einen seltenen Austausch mit Vertreter:innen der freien chinesischen Musikszene, die aufgrund politischer Einschränkungen und begrenzter Förderung nur schwer sichtbar ist“, resümiert Simon Linke. „Viele Musiker:innen können das Land kaum verlassen und haben nur eingeschränkten Zugang zu internationalen Netzwerken.“

Gerade mit Blick auf die ICMC 2026, die vom 10. bis 16. Mai 2026 in Hamburg-Harburg stattfinden und von den Verbundpartner:innen des ligeti zentrums organisiert wird, sei dieser Dialog wichtig gewesen. „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigte sich ein starkes Interesse an experimenteller Musik – und eine überraschende inhaltliche Nähe zu unseren Zielen, die jedoch oft mit ganz anderen Mitteln verfolgt werden“, erklärt Simon Linke. Die im Projekt „Cyberinstruments“ entwickelten Open-Source-Methoden seien als wertvolle Inspiration aufgenommen worden.

Bemerkenswert war, dass KI-basierte Verfahren in China – ähnlich wie in Europa – offiziell stark gefördert werden, auch im musikalischen Bereich.

„Bemerkenswert war, dass KI-basierte Verfahren in China – ähnlich wie in Europa – offiziell stark gefördert werden, auch im musikalischen Bereich. Dadurch entstehen selbst in restriktiven Strukturen neue Freiräume für künstlerische Arbeit.“ Für Simon Linke und sein Projekt „Cyberinstruments“ bedeutet dies, dass KI-basierte Instrumente und Systeme nicht nur ästhetisch neue Möglichkeiten eröffnen, sondern auch den internationalen Austausch erleichtern können, wo dieser politisch oder gesellschaftlich eingeschränkt ist. Auf diese Weise entstehen sowohl technologische als auch neue kulturelle Impulse, die langfristig auch die Hamburger und Harburger Musikszene bereichern können.

Performance in Hangzhou: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten, Simon Linke und Rolf Bader | Foto: 蔣舒帆
Performance in Hangzhou: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten, Simon Linke und Rolf Bader | Foto: 蔣舒帆

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