Lesenswert: Mai 2018

Der Mai stand für uns weniger im Zeichen neuer Artikel. Wie viele andere Produktler hat auch uns die DSGVO mächtig umgetrieben. Angenehmer war dann doch der erste World Product Day, der an weltweit 90 Locations und auch bei uns in Hamburg begangen wurde. Einiges gelesen und fleißig Links gesammelt haben wir aber natürlich trotzdem und diese möchten wir wie immer mit euch teilen. Im Folgenden findet ihr unsere spannendsten Artikel-Fundstücke zu den Themen Produktmanagement, UX-Design, Innovation und Unternehmens­kultur aus dem Mai. Viel Spaß beim Lesen!

Save the date

  • Ein Meetup mit Fokus auf Design Tools? Das wird es am 15. Juni zum ersten Mal in Hamburg geben, organisiert von Christophe Stoll, der auch schon der Kopf hinter dem Design Tools Hackday vor zwei Jahren war. Wir sind gespannt: Design Tools Hamburg #1
  • Im Januar hatten wir es schon angedeutet: UXCamp Europe Mitgründer Henning Grote plant eine neue Konferenz zur UX von „Emerging Technologies“, wie AI und Blockchain. Mittlerweile stehen Titel, Ort und Datum der Konferenz: 14.–15. September, Berlin, Exploring Experiences for Emerging Technologies
  • Nicht dass Graz schon allein einen Besuch wert ist, findet dort jedes Jahr im Herbst der World Usability Congress statt. Dieses Jahr findet die Konferenz am 17. und 18. Oktober statt und unseren Autor Wolf könnt ihr dort auch als Speaker erleben.

Produktmanagement

  • Bei Age of Product lest ihr, wie veraltete Organisationsstrukturen und Anreizsysteme auf Personenebene zu „Stakeholder-Anti-Patterns“ führen, die jegliche agile Transformation behindern können.

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Warum Unternehmen einen Chief Experience Officer (CXO) brauchen

Der Markt an deutschsprachiger Fachliteratur zum Thema User Experience Design (UX) wächst gemeinsam mit dem Fachgebiet. Derzeit ist er aber noch recht übersichtlich. Insbesondere richtet sich der bei weitem größte Teil der Bücher an UX Designer und Researcher, beschäftigt sich also vor allem mit den eher technischen Details. Der bekannte UX-Blog testingtime.com hat zum Ende […]

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Soziodrama: eine vollkommen andere Art einen Workshop zu „moderieren“

Ende letzten Jahres bin ich über das Soziodrama gestolpert – eine Methode, mit der Du Gruppenzusammenkünfte anders leiten kannst. Beim Soziodrama werden die Erlebnisse und Erfahrungen der Gruppe und der Teilnehmer vor den kognitiven Diskurs gestellt. Statt Diskussionen zu versachlichen wie bei klassischen Workshops geht es darum, Teilnehmer emotional tiefer in bestimmte Themen eintauchen zu lassen. Das Soziodrama bewegt sich irgendwo zwischen Live-Rollenspiel, Impro-Theater und Struktur-Aufstellungen – und ist zugleich älter als diese Formen. Ich habe das Soziodrama einmal in Abgrenzung zu klassischen Workshops definiert. Bevor ich die 5 Unterschiede heraus arbeite, sage ich einleitend etwas zum Ursprung des Soziodramas und wie ich dazu gekommen bin.


Wie ich darüber gestolpert bin

Letztlich gibt es vier Fäden, die hier zusammenlaufen. Zum einen bin ich seit dem Schnupperkurs im Betahaus vom Impro-Theater fasziniert, weil man darüber so schnell Energie wieder zurückholen kann. Aber mehr als Energizer für Workshops hatte ich dabei bislang nicht im Sinn.

Zum anderen habe ich im letzten Jahr für den Good School Digital Transformation Club  eine Strukturaufstellung konzipiert und moderiert. Das war eines meiner Highlights 2017. Aber an Aufstellungen stört mich, dass es eine Person braucht, die aufstellt und sich damit exponiert. Das halte ich für die Arbeit in Organisationen nicht immer für geeignet. In einem seiner Videos verweist Matthias Varga von Kibed auf das verwandte Gebiet des szenisch-darstellerischen Arbeitens – und meine Neugier war geweckt.

Über Theory U von Otto Scharmer bin ich zudem mit dem Social Presencing Theater von Arawana Hayashi in Kontakt gekommen. Zu guter Letzt habe ich auf einer Hochzeit Stefan Deutsch kennengelernt, einen Game-Designer für Live-Rollenspiele. Irgendwie schien sich alles zu verdichten, als ich das Soziodrama entdeckte.

Struktur-Aufstellung Digital Transformation Club

Strukturaufstellung zum Thema Digitale Transformation an der Good School

Was ist ein Soziodrama?

Soziodrama ist eine szenisch-darstellerische Methode, um gemeinsam mit anderen Gruppen- und Gesellschaftsthemen zu explorieren. Für das jeweilige Thema werden Szenen entwickelt. Die Szenen werden mit den notwendigen Rollen ausgestattet und dann gilt es, die Interaktion der Rollen in der Szene zu spielen. In einem Soziodrama, an dem ich kürzlich an der Soziodrama-Akademie teilgenommen habe, hatten wir das Thema „Teams, die an ihr Ende kommen“. Das Thema wurde über eine Szene bearbeitet, in der ein Team darauf wartet, dass große Umbrüche im Unternehmen verkündet werden. Und als Rollen waren der CEO, ein Banker, vier Teammitglieder und zwei Familienangehörige vorgegeben.

Statt einem Diskurs erleben und erfahren die Teilnehmer ein Thema in Aktion. Dabei geht es nicht so sehr um gutes Theater, sondern um besagte Erlebnisse und Erfahrungen für die Teilnehmenden.

Und wer hat das erfunden?

Die Methode wurde seit den 1920er Jahren von Jacob Moreno entwickelt, der auch als Vater des Psychodramas bekannt geworden ist. Das Psychodrama ist vor allem im therapeutischen Kontext verbreitet. Es geht beim Psychodrama um die Bearbeitung individueller Themen, Probleme und Fragestellungen in einer Gruppe. Im Gegensatz dazu behandelt das Soziodrama gesellschaftliche oder Gruppenthemen in einer Gruppe. Da die soziodramatische Arbeit nicht in einen therapeutischen Kontext eingebunden ist und Moreno sich eher mit dem Psychodrama beschäftigt hat, ist das Soziodrama als Methode vergleichsweise unbekannt, aber auch viel freier in der Anwendung als das Psychodrama.

Soziodrama vs Workshop

Die 5 wichtigsten Unterschiede zwischen einem Soziodrama und einem konventionellen Workshop

Da wir das Soziodrama oder soziodramatische Elemente in Offsites mit Führungskräften und Teams nutzen wollen, habe ich mal die zentralen Merkmale des Soziodramas in Abgrenzung zu klassischen Workshops formuliert. Zwar folgen die wenigsten unserer Workshops diesen klassischen Workshop-Regeln und wir haben in unserer Praxis schon einige soziodramatische Methoden ähnlich genutzt. Über die Abgrenzung soll aber klarer werden, was genau ein Soziodrama ist und wie es im Wesentlichen funktioniert.

Unterschied 1: Warm-Ups sind mehr als lustige Energizer

Viele klassische Workshops verzichten ganz auf Energizer oder setzen sie nur zur Auflockerung ein: zum Start eines Workshops, zum Ende, oder um die Teilnehmer aus dem Mittagsloch zu holen. Meistens gibt es nur eine Übung, die mit dem inhaltlichen Arbeiten eher lose gekoppelt ist. Wir sind schon lange begeistert von Energizern und versuchen diese immer auch inhaltlich zu verknüpfen. Was ich dann bei meinem ersten Soziodrama erlebte war trotzdem ganz anders!

Dr. Ron Wiener, der wohl bekannteste Soziodramatiker in Europa, führte uns beim Soziodrama “A World Gone Mad” beispielsweise durch eine Kette von fünf Warm-Ups. Jedes Warm-Up hatte eine bestimmte Intention und Funktion.

Übungen Intentionen & Funktionen
„Geht zu zweit durch den Raum und stellt Euch vor, dass es sich um eine Galerie handelt, in der alles mit einer Intention steht“
  • Mit dem Raum vertraut machen
  • auf Details achten
  • sich bewegen
„Tut Euch zu zweit zusammen. Eine Person hält die Hand mit etwas Abstand vor das Gesicht der anderen Person und beginnt diese zu bewegen. Die zweite Person muss immer den gleichen Abstand einhalten und der Hand folgen.“ (Augusto Boals kolumbianische Hypnose)
  • Im Hier und Jetzt ankommen
  • den eigenen Körper nutzen
  • Führen und Folgen
„Zu zweit spielt ihr zwei Freunde, die sich lange nicht gesehen haben und die sich in einer Fantasiesprache unterhalten“
  • Kreativität wecken
  • Mimik, Gestik und Stimme nutzen
  • ins spontane Spiel kommen
„Schlüpft in die Rolle von etwas, dass es schon jahrhundertelang gibt und interviewt Euch gegenseitig“
  • Mit Rollen und Rollenspiel vertraut machen
  • Eine andere zeitliche Perspektive einnehmen
„Steigt in Eure erste Rolle für das Spiel ein und vertieft die Rolle im gegenseitigen Gespräch“
  • Vorbereitung der Rollen auf das soziodramatische Spiel

Das Warm-Up ist die erste der drei Phasen des Soziodramas. Ohne ein gutes Warm-Up können Teilnehmer nicht tief genug in Themen und Rollen eintauchen und das Spiel bleibt zu oberflächlich.

Soziodrama Schuhe

Unterschied 2: Teilnehmer agieren in Rollen – und nicht als sie selbst

Die zweite Phase ist das soziodramatische Spiel. Hier schaffen und spielen die Teilnehmer Rollen, die notwendig sind, um das Thema mit seinen Fragestellungen und Dynamiken zu erkunden. Während des Spiels bleiben die Spieler in den Rollen und handeln aus deren Eigenlogiken heraus (As-if). Man spricht z.B. aus seiner Rolle aus der Ich-Perspektive. Je nach Tiefe der benötigten Rolle versuchen die Teilnehmerinnen die Körperhaltung ihrer Rolle einzunehmen und deren Emotionen zu übernehmen. Sie machen sich Gedanken zu ihrer Hintergrundgeschichte. Eine Rolle muss nicht notwendigerweise menschlich sein. Bei meinem ersten Soziodrama “A World Gone Mad” war ich erst eine nationale Grenze und später “Unsicherheit”. Es war erstaunlich, wie gut das geht – wenn man aufgewärmt ist.

Durch das Übernehmen von (verschiedenen) Rollen tauchen Teilnehmerinnen auch emotional tief ein. Sie erleben und erfahren, wie es ist, in fremden Schuhen durch die Welt zu laufen, und wie es sich in dieser Rolle anfühlt. Sie erweitern ihr Rollenrepertoire – also die Vielzahl verschiedener Rollen, die einem vertraut sind. Allein das größere Rollenrepertoire führt bei vielen Teilnehmern zur Erkenntnis neuer Lösungswege, die man bisher nicht gesehen oder für möglich gehalten hat. Soziodrama setzt also Erlebnisse und Erfahrungen vor den kognitiven Diskurs und Emotionalisierung über Rollen vor die Versachlichung der Diskussion.

Unterschied 3: Stühle sind nicht allein zum Sitzen da

Klassische Workshops fordern den Teilnehmern viel Sitzfleisch ab, und die Frage nach der Art der Bestuhlung hat eine strategische Dimension. Im Soziodrama wird viel mehr in Aktion gemacht. Gleichwohl haben Stühle auch eine besondere Bedeutung. Stühle sind quasi die Standard-Requisite des Soziodramas. Es kommt regelmäßig vor, dass Teilnehmer weitere Rollen kreieren, aus einer Rolle gehen oder sich für eine wichtige Rolle kein Spieler findet. Hier helfen Stühle – sie halten Rollen, geben Rollen eine Position und Richtung im Raum und können Platzhalter für unbesetzte Rollen sein.

Soziodrama

Nachgestelltes Set-Up eines Soziodramas an der Soziodrama-Akademie zum Thema: „Teams, die an ihr Ende kommen“

Unterschied 4: Regie führen statt zu moderieren

Als Moderator setze ich Themen, definiere die Länge verschiedener Diskussions-Slots, wähle die passende Frage plus Bearbeitungsform aus und bereite das entsprechende Material vor. Ich bin Berater, Mediator und Entertainer. Im Diskurs interveniere ich dann hauptsächlich über Fragen und manchmal auch über Konfrontationen.

Beim Soziodrama dagegen bin ich ein Live-Regisseur. Das heißt, ich entwickle eine Szene, fülle sie mit den notwendigen Rollen und steuere dann das Spielgeschehen und die Dynamik. Ich achte auf die Energie im Raum und darauf, dass das Spiel nicht zu stark vom Thema abweicht. An mir ist es auch, das Spiel zu beenden, wenn die Geschichte oder die Gruppen-Energie ans Ende gerät. Als Live-Regisseur darf ich das Spiel aber auch nicht stören, z.B. indem ich es verbal oder non-verbal kommentiere oder zu stark eingreife.

Unterschied 5: Anweisen statt Fragen

Im Gegensatz zu den verschiedenen Frage- und Bewertungstechniken eines klassischen Workshops mit seinen Zuruf- und Kartenfragen, Thesen und Bewertungen, brauche ich als Live-Regisseur andere Werkzeuge. Um ins Spielgeschehen einzugreifen, gibt es unzählige Möglichkeiten. Im Folgenden stelle ich kurz die Basisinterventionen des Soziodramas vor sowie beispielhaft ein paar weitere Eingriffsmöglichkeiten.

Pausieren: ich pausiere das Spiel, um eine Anweisung zu geben.

Doppeln: ein Teilnehmer stellt sich schräg hinter die Person in Rolle und spricht das Unausgesprochene aus. Das muss nicht zwingend etwas sein, dass diese Person gerade denkt. Es kann auch etwas sein, dass die Person denken könnte. Doppeln kann auf Anweisung erfolgen oder auch Teil des normalen Spiels sein, um Gedanken auszudrücken.

Rollentausch: als Regisseur kann es sehr ergiebig sein, Teilnehmer zu bitten, ihre Rollen zu tauschen. Wenn ich zum Beispiel dominantere und stillere Personen die Rollen tauschen lasse, wird das Spiel eine andere Richtung erhalten und neue Impulse bekommen.

Statuen: die Arbeit mit Statuen ist einer Struktur-Aufstellung oder dem Social Presencing Theater (siehe Video) sehr ähnlich. Teilnehmer positionieren sich Raum, im Verhältnis zueinander und nehmen dabei eine Pose an, die ihre Rolle zum Ausdruck bringt. Über Statuen kann man z.B. gut Systeme erkennbar machen und aufzeigen, was gestaltbar ist und was nicht. Statuen lassen sich selbstverständlich auch irgendwann in Bewegung bringen.

Rolleninterviews: Um Teilnehmern zu helfen, Rollen zu vertiefen, kann ich Interviews führen. Ich frage z.B. nach einem Namen, einem Ort, nach dem Kontext der Person, Vorlieben, Abneigungen, Erfahrungen oder was gerade notwendig ist, um ein tieferes Rollenverständnis zu entwickeln. Auch die Fragen aus der Character Map passen gut, um zu mehr Rollentiefe zu gelangen. Während des Spiels kann ich zudem über Rolleninterviews, Schlaglichter auf einzelne Rollen und Thematiken legen oder Teilnehmer neu involvieren.

Sonstige Eingriffsmöglichkeiten: Darüberhinaus gibt es unzählige weitere Möglichkeiten das Spielgeschehen zu lenken. Ich kann die Teilnehmer bitten das Spiel möglichst groß (größere Gesten, lautere Stimmen, mehr Raum,…) zu machen oder inhaltlich zu übertreiben, oder ohne Worte fortführen zu lassen. Ich kann um neue Rollen bitten oder einen leeren Stuhl mit einem Thema als Projektionsfläche platzieren. Ich kann zeitlich variieren und die Teilnehmer an den Anfang einer Szene, in die Vergangenheit oder in eine mögliche Zukunft platzieren. Nur eins sollte ich nicht tun: selbst in eine Rolle schlüpfen.

Am Ende geht es aber nicht darum, ein gutes und unterhaltsames Spiel zu entwickeln, sondern der Gruppe zu helfen, ihr Thema voranzubringen.

Was klassische Workshops und Soziodrama verbindet

Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten zwischen einem klassischen Workshop und einem Soziodrama. Ein Soziodrama endet mit dem sogenannten Sharing. Teilnehmer berichten über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse aus ihren Rollen, über vergleichbare Erfahrungen in ihrem Leben. Sie ziehen Schlüsse und können an dieser Stelle auch Entscheidungen treffen, Aktivitäten beschließen. Das Sharing ist der post-rationalisierende Diskurs des Erlebten und Erfahrenen. Das kann allein, in Kleingruppen oder im Plenum erfolgen. Man kann die Äußerungen an Postern mitvisualisieren (oder darauf verzichten).

Aus der Analyse von Spielphasen kommend haben Chris Caswell und Julian Kea einen schönen Ansatz für das Sharing entwickelt. Zum Debriefing Cube geht es hier.

Soziodra

Stuhlkreis für das Sharing bei „A World Gone Mad“

Soziodramatische Techniken in Workshops nutzen

Natürlich ist es auch möglich Elemente des Soziodramas in Workshops zu nutzen. Das haben wir auch schon gemacht. So haben wir bei einem Vortrag z.B. ausgewählte Teilnehmer vorab in Rollen schlüpfen lassen und sie den Vortrag aus dieser bestimmten Stakeholder-Rolle heraus hören lassen. Anschließend wurden sie dann von den übrigen Zuhörern in Rollen-Interviews zu ihren Eindrücken interviewt. In einem anderen Fall haben wir die Teilnehmer eines Meetings in die Rollen von zentralen Stakeholdern schlüpfen lassen. Über Rollen-Interviews und Doppeln haben wir dann gut herausbekommen, was diese nicht-anwesenden Akteure wohl bewegen mag. Die große Schwierigkeit beim Arbeiten mit soziodramatischen Techniken ist das Aufwärmen. Man muss es irgendwie schaffen, Workshop-Teilnehmer schnell in eine Art Minispiel zu bringen und das Warm-Up muss im Verhältnis zur Spielzeit stehen.

Fazit

Das Soziodrama bietet einen Werkzeugkasten, um anders mit Gruppen zu arbeiten. Dieser Werkzeugkasten ist nicht besser oder schlechter als der des klassischen Workshops, sondern bietet schlicht andere Werkzeuge. Während klassische Workshops ergebnisorientiert, rational und reich an niedergeschriebenen Resultaten sind, steht beim Soziodrama etwas anderes im Vordergrund. Du führst Gruppen nicht über den kognitiven Diskurs, sondern über die Erlebnisse und Erfahrungen eines szenischen Spiels. So können Teilnehmer emotional tiefer eintauchen und Themen erleben und erfahren. Über diese Erlebnisse und Erfahrungen kommt man dann auch zu gemeinsamen Erkenntnissen.

Mit so einem neuen, mächtigen Werkzeugkasten muss man sich natürlich erst einmal gründlich vertraut machen. Ich habe mich auf den Weg zum Soziodrama-Leiter gemacht und besuche gerade regelmäßig die Soziodrama-Akademie in Berlin. Ich habe erste Leitungserfahrungen gemacht und soziodramatische Techniken in Workshops eingesetzt.

Aktuell sind wir auf der Suche nach weiteren Einsätzen für diese tolle Methode und das neue Arbeiten. Sprecht uns dazu gern an.

Soziodrama Bücher

Weiterführende Links und Lese-Tipps:

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Digitale Transformation: Top 6 Punkte warum Unternehmen scheitern

Digitale Transformation ist wie sportliche Ausdauer

Digital Transformation ist en vogue. Eigentlich eine tolle Sache. Prinzipiell ist das Ziel einer Digitalen Transformation nämlich Organisationen flacher, autonomer, agiler und kundenzentrierter zu gestalten. Leider haben die Schattenseiten der Digitalen Transformation innerhalb der letzten paar Jahre meiner Meinung nach Überhand genommen. Es scheitern schlicht zu viele Unternehmen an ihren digitalen Tagträumereien. Aktuell ist es vor allem ein vielversprechendes neues Business für Berater und Beratungen aller Größe und Art. Schnell den Nadelstreifenanzug gegen einen Hoodie getauscht und aus dem ehemaligen Prince2 zertifizierten Projektmanager wird ein Design Thinking Facilitator. An den Namen des Unternehmens wird dann einfach noch ein X gehängt, um die Veränderung in die Welt zu kommunizieren. Wäre alles halb so wild, wenn die Digitale Transformation nur funktionieren würde. Ich fände es großartig mehr Unternehmen zu sehen, die auf diese Art und Weise dann großartige Produkte auf den Markt brächten.

Es gibt viel Literatur zum Thema Digitale Transformation. Gefühlt allerdings eher alles aus theoretischer, strategischer Sicht oder mit dem Ziel, die eigenen Beratungsleistungen zu bewerben. Hier deswegen unsere produktbezogene Sicht auf Digitale Transformation direkt aus der Praxis: Digitale Transformation: Top 6 Punkte warum Unternehmen scheitern:

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Unser Speaker Portfolio rund um 360° und Virtual Reality

Seit der Gründung von omnia360 setzen wir uns aktiv dafür ein, die Themen 360°-Content und Virtual Reality in Deutschland voranzutreiben und Pionierarbeit rund um die neuen Technologien zu leisten. Dafür möchten wir nicht nur in den sozialen Medien und in unserem 360°-Blog Aufklärungsarbeit leisten, sondern gehen auch gerne hinaus in die "reale Realität", um dort [...]

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Strategischer Designer – Was man über das Berufsfeld wissen muss

Philipp Thesen und Nico Weckerle erklären, was einen strategischen Designer bei der Deutschen Telekom erwartet.

 

Im Rahmen der PAGE-Initiative Connect Creative Competence sprechen Nico Weckerle (Head of Experience Strategy bei der Deutschen Telekom) und Philipp Thesen (ehemals Senior Vice President Design bei der Deutschen Telekom, heute Professor für Design und Mensch-System-Interaktion an der Hochschule Darmstadt) über das Jobprofil des strategischen Designers.

Philipp Thesen: Im digitalen Zeitalter kommt dem strategischen Designer eine wichtige Rolle zu. Er ist verantwortlich für Vermittlung zwischen Technologie und Lebenswelt der Menschen. Das ist eigentlich seit jeher die Rolle des Designers – aber mit der zunehmenden Komplexität durch die Digitalisierung wird diese Rolle noch viel wichtiger. Es geht für den strategischen Designer darum, Business-Anforderungen, technologische Entwicklungen und die Lebenswelt der Nutzer zusammenzubringen. Dazu braucht er ein hohes Maß an Empathie und er muss verstehen, was die Menschen heute und in Zukunft brauchen.

Nico Weckerle: Als strategischer Designer bei der Deutschen Telekom hat man ein sehr breites Spektrum an Aufgaben. Dabei ist es für die Designer auch wichtig, in Geschäftsmodellen zu denken. Des Weiteren geht es darum, aus der Konzeption ein Zielbild zu erarbeiten, welches wir als Designer anfassbar und erlebbar machen können. Das tun wir im klassischen Sinne mit Prototypen und Klickdummys, aber auch mit Filmen und Installationen.

Es geht für den strategischen Designer darum, Business-Anforderungen, technologische Entwicklungen und die Lebenswelt der Nutzer zusammenzubringen.

Thesen: Wir arbeiten mit Marktforschern, mit Zukunftsforschern, mit Ingenieuren, mit Technologen und Software-Entwicklern ganz stark an Produkten und Diensten, die auch wirklich international erfolgreich sein können.

Weckerle: Um die Vielfalt der Aufgaben und die interdisziplinären Teams zusammenzubringen, brauchen wir einen einheitlichen gemeinsamen Prozess. Wir haben einen eigenen Design-Thinking-Ansatz gewählt.

Thesen: Wir haben dazu relativ früh ein Methoden-Set entwickelt und die Design Academy gegründet, wo unsere Designer kundenzentrierte Methoden lernen. Das hat sich zu einer konzernweiten Design Academy entwickelt, in der heute 225.000 Mitglieder des Unternehmens Design Thinking von den Designern lernen können. Wir haben verschiedene Formate entwickelt, wie wir mit Kunden arbeiten, in Testgruppen und internen Produktkliniken, und haben damit das Design und die Empathie für den Kunden zu einer organisatorischen Kompetenz entwickelt.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Strategischer Designer  finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Strategischer Designer bei der Deutschen Telekom« geht’s hier.

 

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uxHH News für Mai/Juni/August 2018

Moin,
vorab ein Dank an Sebastian Schmidt von Skopos Nova für seinen UX Roundtable im April zum Thema “Einbeziehung von Endkunden in die agile Entwicklung via UX-Communities”. Slides (und Sketchnotes von Indra) gibt es über den Eintrag im UX Roundtable Archiv_ 
Location Sponsor waren die HONGKONG STUDIOS

Weitere Termine stehen an, die auf unserer Homepage uxhh.de verlinkt sind:
> Mittwoch 16.5.: Hammerbrooklyn Digital Campus - Wie und wo gedeihen digitale Innovationen?
> Mittwoch 16.5.: 50 Jahre Odyssee im Innovationsraum – Von Engelbart’s »Mother of All Demos« 1968 zur vernetzten Gesellschaft
> Donnerstag 31.5.: This Happened… #9
> Donnerstag/Freitag 31.5./1.6. Mind the Progress
> Montag 4.6.: UX Roundtable zum Thema Lebensmittel Online
> Samstag 11.8.: UXCamp Hamburg

BTW Die Terminüberschneidungen tun mir auch leid. I am just the messenger. Positiv kann man sagen, dass es in Hamburg für die Gestalter interaktiver Produkte viele spannende Events gibt. Andererseits wäre ein Tacken mehr terminliche Koordination zu begrüßen. Aber was red’ ich? Wie war Euer Wochenende mit Hafengeburtstag, Derby Klein Flottbek, ESC auf der Reeperbahn und HSV Abtanz im Jurassic-Volksparkstation?

Es grüßt
Matthias Müller-Prove

Von Tier-Klebestickern als Metaphern in Workshops

Ein interessanter Talk mit zwei kleinen Metapher-Werkzeugen als Inspiration vom „Dropbox Research & Design“-Team

Vor ein paar Wochen hielt Jennifer Brook einen kleinen Talk über ihre Arbeit mit dem „Dropbox Research & Design“-Team im Betahaus Hamburg. Sie gab spannende Einblicke in ihre Bestrebungen, Kundenbedürfnisse und Ideen so früh wie möglich in den Produktentwicklungsprozess zu holen und Co-Creation mit Nutzern anzustoßen. Ihr Team macht dort nicht halt und befasst sich auch mit Organisationsentwicklungsthemen beim amerikanischen Cloud-Schwergewicht. Vor allem aber hat sie ein paar kleine aber feine Workshop-Methoden vorgestellt und mit uns eingesetzt, die Metaphern nutzen. Die fand ich super und habe sie – *schwups* – in unseren Werkzeugkasten gelegt. In diesem Beitrag stelle ich sie so vor, dass auch Ihr sie direkt einsetzen könnt.

Löwen, Leoparden und ein Fuchs – (m)ein metaphorisches Dreamteam

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Ein Löwe, der laut brüllen kann, sich Gehör verschafft, prahlt und wenn es sein muss auch mal mutig unser Revier verteidigt oder ausweitet. Eine bärenstarke Löwenmama, die sich darum sorgt, dass alle genug zu Essen haben, in Ruhezeiten immer zum Spielen aufgelegt ist und die Familie im Blick hat (die Rollenverteilung lag hier bei den Löwen eher an den gegebenen Stickern, als an meiner Sicht auf die Welt). Ein Leopard, der blitzschnell ist, behände jede Herausforderung erklimmt und ein Fuchs – der einfach schlau ist und gewitzt.

Das ist ein Teil der Rollen, die in unserem Team immer wieder besetzt werden müssen. Es sind aber auch Rollen, die Jörg, Dirk und ich immer wieder wechseln müssen. Dabei ist es gut, wenn wir wissen, welche Aspekte einer Rolle wer von uns gut füllen kann und im besten Falle auch noch mag. Damit wir dabei immer besser werden und damit es uns gemeinsam gut geht, müssen wir regelmäßig einen Schritt zurücktreten und über unsere Zusammenarbeit und unser Miteinander reflektieren.

Klebesticker-Bastel-Set für ein Metapher-Mood-Board

Ich wäre vielleicht auch zu dieser metaphorischen Beschreibung von uns als idealem Team gekommen, wenn ich irgendwie frei darüber nachgedacht hätte. Aber nicht so schnell und nicht mit so schönen Metaphern. Mitten in ihrem Talk über User-Research bei Dropbox teilte Jennifer uns kleine Papiertütchen aus – mit folgendem Inhalt:

jennifer-brook-cocreative-design

  • Ein stummeliger Bleistift
  • Kinder-Klebesticker mit Tieren
  • Ein paar weitere Aufkleber (bei mir waren es diese Lochverstärker-Klebepunkte und Herzchen)
  • Eine Karteikarte

Alle Päckchen hatten etwas andere Inhalte. Ruckzuck ging es dann zur Arbeitsanweisung:

Arbeitsanweisung für das Metapher-Mood-Board eines Dream-Teams

metapher workshop tool

Also los: schnelle zwei Minuten für den Bau eines Mood-Boards eures Dream-Teams. Aus den zwei Minuten wurden dann eher drei – dennoch ein hohes Tempo. Direkt im Anschluss drehte sich dann jeder zu seinem Sitznachbarn und sprach zwei Minuten über das eigene Dreamteam anhand der folgenden Fragen:

metapher workshop tool

  • Wer auf dem Mood-Board bist du?
  • Wer ist noch da (und wer nicht)?
  • Was für Superkräfte haben die Team-Mitglieder?
  • Was daran ist insgesamt wichtig für dich?

Die Tier-Metaphern haben wunderbar geholfen, Gedanken ans Tageslicht zu befördern, die ich in der knappen Zeit sonst nicht gehabt hätte. Das Material war schön verknappt und gleichzeitig anregend. Obendrein rief Jennifer dazu auf, mit Nachbarn Material zu tauschen, wenn wir es wollen – was umgehend zu einer spielerischen Atmosphäre verholfen hat.

Hier mal ein Tweet als Beispiel für ein weiteres “Dream-Team”:

Ob zu einem Dream-Team oder einem anderen Thema: haufenweise Klebesticker liegen schon jetzt in unserem Material-Hochlager bereit und warten auf einen Einsatz in einem unserer kommenden Workshops. Ich wünschte mir jetzt nur noch einen General-Importeur für die tollen Sticker von Mrs.Grossmans  – denn auf meinen Ausflügen in dieses Internet habe ich bis jetzt keine gleichwertigen Sticker mit EU-Versand entdecken können.

Einsatz-Pitch mit Tier-Metapher

Das zweite Metapher-Tool war noch viel kleiner – aber ebenso charmant. An einer Stelle im Vortrag bat Jennifer uns darum, uns kurz unserem Sitznachbar vorzustellen. Mit Job-Titel und Tätigkeit in einem kurzen Satz. Und genauso adhoc sollten wir dann folgenden Lückensatz zur gegenseitigen Vorstellung nutzen – dankenswerterweise mit ein paar Vorschlägen zur geistigen Erstbefüllung.metapher workshop tool

Jennifer Brooks Talk über Co-Creative-Research

Nebenbei gab es auch mal wieder die Lehre, dass es auch in einer vollen Arbeitswoche lohnt, einfach mal kurz auf Inspirationsausflug zu gehen. Denn fast wäre ich nicht hingegangen und hätte Jennifers Vortrag verpasst. Was nicht nur wegen diesen beiden schönen, kleinen Tools schade gewesen wäre.

Denn Jennifer hat natürlich nicht in erster Linie über diese Methoden gesprochen, sondern insgesamt einen spannenden Einblick in ihre Arbeit als Staff Researcher bei Dropbox gegeben. Und ist dabei vor allem auf die Gestaltung von Co-Creation-Prozessen mit Dropbox-Nutzern eingegangen und hat wunderbare Beispiele für ihre These “Metaphors are AWESOME!” gegeben. So lässt Jennifer mit ihren Kollegen Workshop-Teilnehmer methaphorische Städte bauen – mit Modellen von Häusern, Straßen, Autos und allem was dazu gehört (ähnlich, wie wenn wir mit Lego bauen lassen), und sie denkt immer wieder darüber nach, welche neuen Metapher-Sets von einer “Rockband” bis zu “Tieren der Savanne” in welchen Kontexten weiterhelfen können und wie sie sich haptisch gut umsetzen lassen.

Wäre ich nicht zum Talk gegangen, hätte ich auch Jennifer als Person nicht kennengelernt. In grundsympathischer Art erzählte sie uns von ihrem kurvigen Lebensweg und schlug den Bogen vom Dasein als “ganz normale” Designerin über das Leben in einem Baumhaus, über monatelanges Reisen mit der Vespa, das Schafehüten und Zeitmaschinenbauen bis ins Heute. Wo sie auf sehr freie und kreative Art und Weise so früh es geht Nutzer-Input ins Unternehmen spült.

Mehr Dreamteams & Lese- und Klicktipps zum Abschluss

Abschließen möchte ich mit ein paar Lesetipps, Beispielen von Dreamteam-Moodboards, die in Vorträgen von Jennifer und ihrer Kollegin Ruth gepostet wurden und Jennifers knackigem Arbeits-Manifesto:

  • Getting co-creative with research” – Jennifers Kollegin Ruth Buchanan mit einem Beitrag zu Co-Creative-Design bei Dropbox
    “Metaphors are one of our favorite ways to understand how people perceive their lives. If somebody describes their team using the metaphor of a town, who on their team is the police? Who’s the crossing guard? How do we design for those roles? We can use metaphors that share cultural significance to understand one another quickly. A couple of my colleagues will be blogging about this soon!”
  • Jennifer zu Gast im Podcast “On the Way to New Work“ mit Michael Trautmann & Christoph Magnussen
  • Convivial Toolbox – Generative Research For The Front End Of Design” – das Buch, aus dem Jennifer und ihre Kollegen viel Inspiration für ihre Arbeitsweise ziehen.
  • Und jetzt einfach noch ein paar Dream-Team-Tweets als Inspiration:

 

Der Beitrag Von Tier-Klebestickern als Metaphern in Workshops erschien zuerst auf Komfortzonen.