Kategorie-Archiv: Ideen-, Wissens- und Technologietransfer

ligeti zentrum auf dem HHIS 2026: Innovation braucht die Künste!

Zum dritten Jahr in Folge präsentierte sich das ligeti zentrum beim Hamburg Innovation Summit in der HafenCity. Mit Talks, interaktiven Projekten und Installationen zeigte das Transferzentrum, wie die Künste, Wissenschaft, Gesundheit und Technologie in Hamburg-Harburg zusammenwirken.

Mit einem Infostand, zwei Bühnenformaten und der immersiven Sonic Exploration Box präsentierte sich das ligeti zentrum auf dem 11. Hamburg Innovation Summit (HHIS). Das größte Innovationsevent der Hansestadt zog am 18. Juni 2026 rund 2.200 Besucher:innen ins Oberhafenquartier und bot trotz hochsommerlicher Temperaturen zahlreiche Gelegenheiten für spannende Gespräche und interdisziplinären Austausch.

Foto: Michel Blümel

Austausch in der Gleishalle

Wie arbeiten vier Hamburger Hochschulen mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten gemeinsam unter einem Dach? Wie werden Wissenschaft, Technologie und Gesundheit mit den Künsten vereint? Und was hat der Komponist György Ligeti damit zu tun? Antworten auf Fragen wie diese erhielten Besucher:innen am Infostand des ligeti zentrums im HHIS-„Headquarter“ in Theorie und Praxis. Auf den „Sound Bananas“ etwa konnten sie die eigene Klangwahrnehmung durch Bewegung spielerisch testen. Die modifizierten Schaukelbananen wurden im Projekt Klangskulpturen von Quirin Nebas (Artistic Research Lab) entwickelt.

HHIS_2026_Andreas_Schwarz Photography
Foto: Hamburg Innovation Summit / Andreas Schwarz Photography

Vorträge auf der „Headquarter Stage“

Wie kann digitale Kunstvermittlung über das reine Streaming hinausgehen? Dieser Frage näherten sich Christian Frank und Peter Wolff (XR Lab) um 14:20 Uhr im Gespräch mit Jonas Laacke auf der „Headquarter Stage“. Hier stellten sie MultiView vor: verschiedene Kameraperspektiven, die sich vom digitalen Publikum frei wählen lassen. Das System findet bereits bei zahlreichen Konzertaufnahmen in der Mediathek der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) Anwendung.

Auch am späten Nachmittag rückte das ligeti zentrum auf der „Headquarter Stage“ erneut in den Fokus. In einem 20-minütigen Vortrag präsentierte Dr. Greg Beller (InnoLab) MusiXSpace – eine Musikproduktionsanwendung, die die Grenzen herkömmlicher Digital Audio Workstations (DAW) überschreitet. In einer sogenannten phygitalen Umgebung ist Klang nicht mehr nur eine Abstraktion auf einer Zeitachse, sondern ein räumliches und physisches Objekt, das durch Bewegungen direkt beeinflusst werden kann.

Foto: Michel Blümel

Ausprobieren in der Sonic Exploration Box

Besonders in der vom ligeti zentrum bespielten Sonic Exploration Box, einem mit Glas abgetrennten Raum in der „Innovation Corner“, ergaben sich zahlreiche persönliche Begegnungen und die Gelegenheit für Deep Dives in vier Programmpunkte und Projekte. Um 12 Uhr eröffneten Prof. Dr. Georg Hadju (Leitung ligeti zentrum), Gianni Tamanini und Barnabás Tóth den immersiven Raum mit einer angeleiteten Improvisation mithilfe von grafischer Notation, ehe Michel Blümel (Agentur für gesellschaftliche Teilhabe und Vermittlung) um 14 Uhr zeigte, wie sich im ehemaligen Kohlekraftwerk Moorburg aufgezeichnete Klänge in vollkommen neue akustische Realitäten überführen lassen. Auch um 15 Uhr konnten Besucher:innen sich kreativ ausprobieren und den Spatial Sampler XR, ein innovatives Musikinstrument von Dr. Greg Beller (InnoLab) in einer Mixed-Reality-Umgebung testen. Um 16 Uhr schließlich ging es um Stimmen und neu generierte Klangskulpturen: Der record-o-mat von Joana Welteke (Sustainable Theater Lab) und Nadja Rix zeichnet Gesagtes auf Knopfdruck auf – um es prompt zu fragmentieren, zu verfremden und neu zusammenzusetzen. Wie dieser zufallsbasierte Klangakteur klingt, zeigte das koppelbare Snappi-Lautsprechersystem von Prof. Dr. Jacob Sello (InnoLab).

Foto: Michel Blümel

Du hast das ligeti zentrum auf dem HHIS 2026 verpasst?

Auch in den kommenden Monaten gibt es zahlreiche Gelegenheiten, die Projekte des ligeti zentrums kennenzulernen. Alle kommenden Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Workshops sind im Eventkalender zu finden.

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The Ear Wants to Hear: Interaktive Klangausstellung in Hamburg

Vom 20. bis 25. Juni 2026 verwandelt sich das historische Schulgebäude in der Seilerstraße 43 auf St. Pauli in einen interaktiven Ausstellungsraum. Die kostenfreie Klangausstellung The Ear Wants to Hear verbindet Bewegung, Spiel und Klangwahrnehmung zu einem immersiven Erfahrungsraum.

Wie klingt eine Bananenschaukel? Wie lässt sich Klang durch Bewegung, Balance oder die eigene Stimme formen? Und wie hört sich das an? Im Projekt Klangskulpturen untersucht Quirin Nebas (Artistic Research Lab) neue Formen des Hörens, der Klanggestaltung und -wahrnehmung. Nach zahlreichen Tests verschiedener Prototypen präsentiert er im historischen Schulgebäude in der Seilerstraße 43 nun das Ergebnis: The Ear Wants to Hear, eine interaktive Klangausstellung.

Fünf Tage, vom 20. bis 25. Juni 2026, können Besucher:innen zwei Rauminstallationen testen: „Plapalapap“ – überdimensionale Ohrenskulpturen, die Stimmen aufnehmen und verfremden, und die „Sound Bananas“ – Schaukelbananen, die Balance mit Klang verknüpfen.

Die Interaktionen sind bewusst simpel gestaltet. Sie sollen kaum Überwindung kosten. Laufen, stehen, sitzen, schaukeln und wippen – das schließlich sind Bewegungen, die wohl alle im Alltag ausüben. Wie aber verändert sich die eigene Wahrnehmung durch die Verbindung mit Klängen? In der kostenlosen Ausstellung können Besucher:innen jeden Alters genau das spielerisch herausfinden.

The Ear Wants to Hear eröffnet am Samstag, den 20. Juni 2026, um 12 Uhr. Ab 18 Uhr findet zudem eine Vernissage statt. 

„The Ear Wants to Hear“ – Interaktive Klangausstellung

Seilerstraße 43 (Eingang im Hinterhof)
20359 Hamburg

Ausstellung
20.–25.06., 12–18 Uhr
Eintritt frei

Vernissage
20.06., ab 18 Uhr

Weitere Informationen

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SPORT1: Interaktive Klangwelten zwischen experimenteller Musik und Spiel

Am 23. Januar 2026 lädt das ligeti zentrum zu einer einzigartigen Performance ein: SPORT1 verbindet experimentelle Musik mit einem innovativen Gameshow-Format, bei dem das Publikum das Geschehen aktiv mitgestaltet. Was hat es damit auf sich? Nachgefragt bei den Projektbeteiligten Dr. Simon Linke (InnoLab) und Eric Haupt.

SPORT1 ist mehr als ein Konzert – es ist ein interaktives Experiment, bei dem Musik, Spiel und Publikum zu einer Einheit verschmelzen. Die Zuschauer:innen übernehmen eine aktive Rolle: Sie setzen auf Teams, schließen Allianzen, steuern Parameter der Musiker:innen und entscheiden über den Verlauf der Performance. Wer riskiert alles, wer spielt taktisch – und wer genießt das Spektakel aus sicherer Distanz?

Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie entstand die Idee zu dem Wett- und Klangformat SPORT1?

Eric Haupt: Experimentelle Klänge sind oft sehr abstrakt. Die Idee, mit Spielen und Wetten zu arbeiten, entstand aus dem Wunsch, diese Abstraktion aufzubrechen und Netzwerke größer und anschaulicher zu denken.

Die Spiele liefern eine visuelle Ebene, die das Hören unterstützt: Wenn man sieht, wie sich ein Schläger bewegt und gleichzeitig ein bestimmter Klang entsteht, entsteht eine vertraute Verknüpfung zwischen Bewegung und Sound. Diese Art von Ursache-Wirkung kennen wir aus dem Alltag, und sie hilft dabei, musikalische Zusammenhänge intuitiv zu erfassen.

So wird es leichter, einzelne Klänge wiederzuerkennen und einzuordnen. Anstatt einer undurchsichtigen Klangmasse entsteht eine nachvollziehbare Klangwelt. Die Spiele fungieren damit als kommunikative Brücke, die ohne große Erklärung funktioniert und dem Publikum einen direkten Zugang zur Musik ermöglicht.

Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Simon Linke: Die Grundidee von SPORT1 lässt sich auf zwei Ebenen erklären, die für uns besonders spannend sind: die Netzwerkebene und das Verständnis von Musik selbst.

Wir Musiker:innen sind vollständig miteinander verknüpft und können gegenseitig auf unsere Klangerzeugung zugreifen. Im Extremfall kann man die Hände vom eigenen Instrument nehmen und wird komplett von jemand anderem „gespielt“. Dieser stark ko-kreative Ansatz war ein Ausgangspunkt unserer Arbeit.

Die Interaktion dient dazu, erfahrbar zu machen, was innerhalb eines Stücks passiert und was uns als Musiker:innen daran interessiert. Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Man versteht vielleicht nicht alles im Detail, aber einzelne Aspekte werden klarer, weil es einen Rahmen gibt, der den Fokus verschiebt und neue Zugänge eröffnet.

ligeti zentrum: Welche Rolle spielt das Publikum in diesem Netzwerk?

Simon Linke: Wir beschäftigten uns mit der Frage, wie sich dieses Prinzip erfahrbar machen lässt, ohne dass es theoretisch erklärt werden muss. Eine Antwort darauf war, das Publikum bewusst als Teil dieses Netzwerks zu begreifen. Das ist es im Konzert ja ohnehin – das Publikum beeinflusst immer, was auf der Bühne passiert.

Bei SPORT1 rücken wir diesen Einfluss stärker in den Fokus und geben dem Publikum die Möglichkeit, auf direktere und drastischere Weise einzugreifen – etwa über das Smartphone, über Geräusche oder über konkrete Entscheidungen.

Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Eric Haupt: Die normale Publikumsinteraktion läuft über eine Wett-App auf dem Handy: Man unterstützt seine Spieler:innen, setzt ein paar Münzen, um Vorteile zu erzielen – und ist so Teil des Netzwerks.

Egal ob im Theater oder auf Konzerten: Man kennt vielerorts kleine Publikumsinteraktionen, die mal mehr oder weniger gut funktionieren. Wir senken die Hürde zum Mitmachen durch den Einsatz von Handys und die Anonymität, die damit einhergeht. Ohne falsche Scham kann man anderen Spielern auch ein Hindernis in den Weg legen – einfach aus Spaß oder aus Kalkül zum Gewinnen.

Die Interaktion gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden.

ligeti zentrum: Welche Auswirkungen hat das umgekehrt auf die Musik?

Simon Linke: An der Musik selbst machen wir keine Kompromisse. Sie entsteht so, wie wir sie künstlerisch vertreten und spannend finden. Die aktive Integration des Publikums öffnet einen Erfahrungsraum, in dem komplexe musikalische Prozesse erlebbar werden, ohne dass sie erklärt werden. Er gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden. Es gibt keine didaktische Vereinfachung oder „Kinderversion“, sondern das volle musikalische Programm.

ligeti zentrum: Wie gliedert sich das Projekt in das gesamte ligeti zentrum ein? Gibt es Anknüpfungspunkte zu und Überschneidungen mit anderen Projekten?

Simon Linke: Sowohl das InnoLab als auch das Production Lab sind in vollem Einsatz. Dadurch, dass wir die klangliche Steuerung von einer Person am Mischpult loslösen und stattdessen die volle Kontrolle untereinander verteilt haben, kommt die Technologie des 3D-Systems zur vollen Entfaltung. Dasselbe gilt für die Lichtanlage, die gleichermaßen in das Netzwerk integriert ist und ebenfalls vom Publikum manipuliert werden kann. Diverse Projekte und Technologien aus dem ligeti zentrum kommen zum Einsatz. Der Netzwerkansatz spiegelt sich natürlich auch in meiner  eigenen Arbeit mit der Impulse Pattern Formulation. Gleichermaßen viele Anknüpfungspunkte zu anderen Projekten stehen uns in der Zukunft offen.

Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling
Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling

Eric Haupt: Es gibt viele Anknüpfungspunkte, an denen unterschiedliche Menschen mitarbeiten können. Sobald die technische Basis steht, ist das Prinzip selbst leicht nachvollziehbar – die Gameshow-Struktur versteht man sofort.

Viele Beteiligte bringen Ideen ein: Wie etwas aussehen, sich verhalten oder klingen könnte. Das Projekt ist sehr offen und bietet zahlreiche Möglichkeiten: Workshop-Formate, Kooperationen mit Theatern oder Anpassungen auf verschiedenen Ebenen, auch musikalisch.

Wir stellen das Netzwerk bereit, und andere Projekte können darauf aufbauen. Man verknüpft verschiedene Elemente, schaut, wie sie zusammenwirken, und entscheidet dann, wie man sie einsetzen möchte.

Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können

Simon Linke: Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können. Auf der ICMC HAMBURG 2026 wird es zudem einen Workshop geben, in dem gezeigt wird, wie die entwickelten Tools anderen zugänglich gemacht werden können.

SPORT1 dient gewissermaßen als Generalprobe. Wir erwarten, dass 30 bis 50 Personen gleichzeitig ins Netzwerk eingreifen – das lässt sich im Vorfeld kaum simulieren. Wenn sich das Konzept in der Umsetzung bewährt, kann die Technologie problemlos an anderen Orten eingesetzt werden. Sie ist flexibel genug, dass der Fokus auch ohne das Production Lab oder 3D-Audio verschoben werden kann.

Spielt, hört, wettet und verändert das Geschehen live!

SPORT1 ist ein Projekt, das Erik Haupt, Moritz Wesp, Victor Gelling und Dr. Simon Linke (InnoLab) im ligeti zentrum realisieren. SPORT1 – eine musikalische Gameshow findet dort am 23. Januar 2026 um 20:00 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos; um eine Anmeldung via Pretix wird gebeten.

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