User Research wirksam machen: Impact-Argumentation statt ROI-Illusion!

Was bringt uns User Research eigentlich? Lässt sich der Beitrag von UX / User Research zum Geschäftserfolg messen, hat das „Business Impact“? Messbar, idealerweise als erkennbaren und messbaren Wertbeitrag zum Return on Investment?

Die Frage ist nachvollziehbar.
Aber sie ist falsch gestellt.

Denn sie unterstellt, dass sich die Wirkung von User Research isolieren, kausal zurechnen und in eine Kennzahl überführen lässt. Genau das ist in der Praxis selten der Fall.

Was wir tun – und wie User Research Wirkung entfaltet!

Wir wissen ziemlich genau, was wir als UX- und User Researcher:innen tun:

  • Wir verstehen und beschreiben Nutzungskontexte.
  • Wir identifizieren Bedarfe und Probleme.
  • Wir spezifizieren und priorisieren Anforderungen.
  • Wir testen Produkte mit Nutzern und Kunden.

Kurz: Wir erzeugen Erkenntnisse („Insights“) und schaffen Wissen.

Was dabei oft unterschätzt wird: Ein großer Teil unserer Arbeit besteht nicht in der Durchführung von Studien, sondern in der Zusammenarbeit mit anderen.

  • Wir stimmen uns mit Produktteams ab.
  • Wir entwickeln und klären Fragestellungen.
  • Wir vermitteln und kontextualisieren Ergebnisse.
  • Wir sorgen dafür, dass Erkenntnisse verstanden und genutzt werden.

User Research ist damit keine reine Forschungsfunktion. Unsere Arbeit ist Teil des Entscheidungsprozesses beim Gestalten digitaler Produkte und Services.

„Wir liefern nicht nur Erkenntnisse, wir machen Entscheidungen besser.“

Wo entsteht eigentlich die Wirkung von UX / User Research?

Sie entsteht dort, wo auf Basis von Erkenntnissen entschieden wird:

  • bei der Gestaltung von Produkten und Services,
  • bei der Priorisierung von Inhalten und Funktionen
  • bei strategischen Weichenstellungen zur Wertschöpfungsarchitektur oder zum Geschäftsmodell.

UX / User Research wirkt im Entscheidungsprozess. Und diese Wirkung ist doppelt:
Wir helfen, Risiken und Fehlentwicklungen zu vermeiden – und Potenziale zu erkennen und zu erschließen.

„Wir erklären unsere Wirkung oft über das, was wir verhindern
– nicht über das, was wir ermöglichen.“

Warum wir unsere Wirkung oft falsch erklären!

Wenn ein Produkt erfolgreich ist, liegt das selten nur an User Research. Erfolg entsteht im Zusammenspiel aus Erkenntnissen, Umsetzung, Marktbedingungen, Wettbewerb und Timing.

Den Wertbeitrag einer einzelnen Disziplin darin isoliert bestimmen zu wollen, ist kaum möglich. Und dennoch versuchen wir es immer wieder. Wir versuchen, unseren Wert über Return-on-Investment-Betrachtungen zu rechtfertigen.

Das ist eine Illusion, von der wir uns lösen sollten. Denn ROI setzt eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung voraus. User Research wirkt aber niemals isoliert. Seine Wirkung entfaltet sich im System:

Insights × Umsetzung × Marktbedingungen × Wettbewerb × Zeit

Wenn einer dieser Faktoren schwächelt, leidet das Ergebnis, auch bei exzellenter, objektiver und valider Markt-, Kunden- und Nutzerforschung.  Wer hier nach einem exakten ROI sucht, setzt auf Scheingenauigkeit.

Wirkung dort messen, wo sie entsteht!

Wenn User Research im Entscheidungsprozess wirkt, liegt eine Frage nahe: Warum messen wir seine Wirkung nicht genau dort?

Statt nach einem eindeutigen ROI-Wirkungsbeitrag vergebens zu suchen, sollten wir den Blick auf die Zusammenarbeit mit denjenigen richten, die Entscheidungen treffen:

  • Produktmanagerinnen und Produktmanager
  • Product Owner
  • Fachbereichsleiter und Fachbereichsleiterinnen
  • Top-Management (Marketing, Vertrieb, HR …).

Die zentrale Frage:

„Wie gut konnte ich als UX / User Researcher dich dabei unterstützen, erfolgreich zu sein?“

Diese Perspektive verändert, wie wir den „Business Impact“ unserer Arbeit messen und belegen.

Genau diese Wirkungen werden selten gemessen. Umso wichtiger sind Ansätze. die das ändern – wie zum Beispiel der von Frederik Bader entwickelte Research Promoter Score.

User Research ist – wie strategische Beratung, Mediaplanung oder kreative Arbeit – kein Profit Center. Unser Beitrag liegt in besserer Entscheidungsqualität.

Mein Appell

Es ist an der Zeit, unseren Blick auf UX und User Research zu schärfen.

Weniger Rechtfertigung über ROI.
Weniger Fokus auf das, was wir verhindern.

Mehr Klarheit darüber, was wir tatsächlich bewirken:

  • Wir erhöhen Entscheidungsqualität.
  • Wir reduzieren Unsicherheit.
  • Wir helfen, die richtigen Dinge richtig gut zu gestalten.

Und mehr Klarheit auch zu der Frage: Wie steigern wir die Zufriedenheit von Entscheiderinnen und Entscheidern („Executive Experience“) in unseren Unternehmen, den Nutzenden unsere „Insights“?

Zwischen dem, was wir liefern …

  • eine valide und zuverlässige Datengrundlage
  • klare Schlussfolgerungen
  • nachvollziehbare Handlungsempfehlungen

und dem, was am Ende entschieden und umgesetzt wird, liegen …

  • persönliche Verantwortung von Entscheiderinnen und Entscheidern
  • Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Tops und Flops
  • wahrgenommene Risiken und Ängste.

Wie gut versteht ihr, liebe User Researcherinnen und liebe User Researcher, die Menschen in euren Unternehmen, die mit euren Ergebnissen arbeiten und entscheiden?

Ihre Ziele.
Ihre Zwänge.
Ihre Sorgen und Ängste.
Ihre emotionalen Realitäten.
Ihre Risiken, die sie abwägen, eingehen oder meiden müssen.

Executive Experience (EX) als neues Betätigungsfeld für User Researcher (w/m/d)?

Ich frage mich, ich frage euch:

Behandeln wir Entscheider, Manager und Kolleg aus Entwicklung, Marketing, Sales und Produktmanagement manchmal zu wenig als Kunden und Nutzer unserer Arbeit?

Versetzen wir uns zu selten in sie hinein?
Verstehen wir ausreichend, was sie antreibt, woran sie gemessen werden, welche Risiken sie sehen, was sie fühlen und warum sich manche Entscheidungen trotz klarer Datenlage eben nicht nachvollziehbar anfühlen?

Und ist genau das vielleicht einer der Gründe, warum gute UX / User Research manchmal weniger Einfluss entfaltet als sie könnte?

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form auf marktforschung.de in meiner Kolumne Klarblick UX

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Startschuss für die International Computer Music Conference in Harburg

Vom 10. bis 16. Mai 2026 ist Hamburg-Harburg das internationale Zentrum für Computermusik. Hier findet die International Computer Music Conference statt. Der feierliche Auftakt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie und der erste Konferenztag an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) sorgten auch für mediales Interesse. 

Das internationale Zentrum für computergestützte Musik liegt eine Woche lang in Hamburg-Harburg: Bei der ICMC HAMBURG 2026 kommen vom 10. bis 16. Mai rund 300 Wissenschaftler:innen, Musiker:innen und Entwickler:innen aus aller Welt zusammen. Die jährlich stattfindende ICMC vereint künstlerische Praxis und wissenschaftliche Forschung. Dabei widmet sie sich der Präsentation und Diskussion neuester Entwicklungen in Musiktechnologie, Künstlicher Intelligenz, interaktiven Systemen und immersiven Audioformaten.

Organisiert wird die ICMC HAMBURG 2026 von der Technischen Universität Hamburg (TUHH), der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der inhaltliche Fokus der Konferenz würdigt dabei den Transferansatz des gemeinsam gegründeten ligeti zentrums.

Konferenzeröffnung in der Hamburger Elbphilharmonie

Der feierliche Auftakt zur Konferenz fand am 10. Mai 2026 mit einem Konzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie statt. Das Ensemble Resonanz begeisterte unter der präzisen Leitung von Friederike Scheunchen mit Werken von Alexander Schubert, Nicole Brady, Anthony Paul De Ritis, Aigerim Seilova / Steffen Lohrey und dem Computermusik-Pionier Clarence Barlow.

Das Ensemble Resonanz unter der Leitung von Friederike Scheunchen zur Eröffnung der ICMC HAMBURG 2026 im Kleinen Saal der Elbphilharmnie | Fotos: Leonie Sens

In seinen Grußworten hob der Direktor des ligeti zentrums, Prof. Dr. Georg Hajdu, das enorme Potenzial der Verbindung von Musik, Technologie und Forschung hervor. HfMT-Präsident Prof. Dr. Jan Philipp Sprick und TUHH-Präsident Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel betonten das langfristige Potenzial für den Wissenschaftsstandort Hamburg – eine Bewertung, die auch Klaus von Lepel (BWFG) in seinen Begrüßungsworten spiegelte. Er stellte das ligeti zentrum in eine Reihe mit den Exzellenzclustern der Universität Hamburg, deren Erfolg ebenfalls auf der Kooperation inhaltlich starker Bereiche beruht.

This gives Hamburg a truly historic opportunity. We now have the chance to secure and further develop a unique international profile – one that combines artistic excellence, technological innovation, and interdisciplinary research in a way few places in the world can offer.

– Prof. Dr. Jan Philipp Sprick
Prof. Dr. Georg Hajdu, Leiter des ligeti zentrums und Chair der ICMC HAMBURG 2026
Prof. Dr. Jan Philipp Sprick, Präsident der HfMT Hamburg
Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel, Präsident der TUHH
Klaus von Lepel, Referatsleiter bei der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWFG)
Prof. John Chowning, Mitbegründer des CCRMA an der Stanford University 
Ehrengast der ICMC HAMBURG 2026: Prof. John Chowning war ein enger Wegbegleiter György Ligetis und wollte diesen schon in den 1970er-Jahren darin unterstützen, ein Zentrum für Computermusik in Hamburg zu errichten | Foto: Leonie Sens

Ein besonderer Moment des Abends war die Rede des 91-jährigen John Chowning vom Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) der Stanford University, der bereits in den 1970er-Jahren gemeinsam mit György Ligeti an Visionen eines Computer Music Centers in Hamburg arbeitete.

Reception und Austausch unter Teilnehmenden im Foyer des Kleinen Saals der Elbphilharmonie | Foto: Leonie Sens

Workshops, interaktive Installationen und ein Science-Slam

Prof. Georg Hajdu: „Das Motto der Konferenz lautet ‚Innovation, Translation, Participation‘. Es betont die Idee, dass Kunst und Forschung die Köpfe und Herzen der Öffentlichkeit erreichen müssen, um relevant zu bleiben. Deshalb haben wir das Konzept der Off-ICMC wiederbelebt und bieten auch ein Format für ein größeres Publikum an.“

Dieses vom ligeti zentrum organisierte Begleitfestival – die Off-ICMC – richtet sich gezielt an die breite Öffentlichkeit. Eingeladen wird zu Workshops, Performances, Installationen und einem Science-Slam am 12. Mai im neu sanierten Kultur Palast Harburg. Ziel ist es, aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Kunst für ein vielfältiges Publikum zugänglich zu machen. Die Teilnahme an den Events der Off-ICMC ist kostenfrei.

Ein Highlight der Off-ICMC: Der Science-Slam am 12. Mai 2026 im neu sanierten Kultur Palast Harburg

Im Programm der ICMC HAMBURG 2026 für das Fachpublikum gibt es unter anderem Konzerte an der TUHH, in der Friedrich-Ebert-Halle sowie im Stellwerk Hamburg. Aufgeführt werden Werke internationaler Komponist:innen, interpretiert von renommierten Ensembles und Soloist:innen, darunter das Ensemble Resonanz, das Ensemble 404, das SPIIC+ Ensemble sowie die Saxophonistin Asya Fateyeva und der Kontrabassist John Eckardt. Einige dieser Konzerte sind öffentlich.

Einen ersten Eindruck bietet das Hamburg Journal des NDR. Das Segment über den Beginn der ICMC HAMBURG 2026 ist in der NDR-Mediathek ab Minute 21:20 nachzusehen. 

Titelfoto: Eröffnungskonzert der ICMC HAMBURG 2026 im Kleinen Saal der Elbphilharmonie | Foto: Leonie Sens

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Was Product People glücklich macht

In der Product Community wird viel darüber gesprochen, wie gute Produktarbeit aussehen sollte: autonom, nutzerzentriert, outcome-orientiert und agil. Aber wie erleben Product People ihren Arbeitsalltag tatsächlich? Eine Online-Befragung zeigt, welche Rolle gelebte agile Prinzipien, Vertrauen und empfundene Produktwirksamkeit für ihre Arbeitszufriedenheit spielen.

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