How you ask is everything – UX Design für Fragebögen

Wann haben Sie das letzte Mal an einer Umfrage teilgenommen? Letzte Woche, gestern, vielleicht gerade eben? Gelegenheiten gibt es zahlreiche.

Fragenbögen, die sich am Bildschirm ausfüllen lassen, sind schnell erstellt. Der Markt bietet viele Tools zum Aufsetzen von Umfragen. Viele Umfragetools sind kostenlos nutzbar. Ein Online-Fragebogen lässt sich damit einfach umsetzen. Programmierkenntnisse, ja selbst die Bereitschaft eine einfache Syntax zu erlernen, sind nicht erforderlich.

Nette Aufforderung zur Teilnahme an einer Umfrage

Menschlich und freundlich fragen!

Diese positiven Rahmendaten befördern die Lust am Fragen.

Unternehmen und Forschungsinstitute nutzen denn auch die ihnen gebotenen Möglichkeiten. Sie führen Zufriedenheitsumfragen, Anforderungsanalysen, Konzepttests oder Zielgruppenbefragungen regelmäßig durch.

Damit steigern sie ihr Verständnis für Kunden und Nutzer. Eine wichtige Grundlage für geschäftlichen Erfolg.

Fragebogendesign: Viel Schatten, wenig Licht!

Wenn Tools kostenlos angeboten werden und zugleich einfach einzusetzen sind, dann werden sie von vielen genutzt. Dies gilt für Umfragetools natürlich auch: Mit ihrer Hilfe werden immer mehr Umfragen durchgeführt.

Die Schattenseiten dieser Entwicklung sind mal eben schnell umgesetzte, fehlerhafte und wenig nutzerfreundliche Fragebögen.

Wir leiden immer öfter unter Umfragen, die eine oder gar mehrere dieser Schwächen aufweisen:

  • Optisch wenig ansprechende Fragebögen.
  • 40, 50, gar 60 Fragen in einer Umfrage.
  • Unverständliche Fragen, zu viele und unpassende Antwortvorgaben.
  • Fragebögen mit ungeeigneten Skalen und nicht sinnvoll gereihten Fragen.
  • Umfragen deren Ausfüllen wenig Freude bereitet, stattdessen mit hoher kognitiver Belastung verbunden ist – Convenience und Joy of Use? oft Mangelware.

Ein guter Fragebogen hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ein schlechter leider auch.“
(Dr. Sandra Gärtner).

Eine wahre Aussage, trefflich formuliert. Negative Wirkungen auf die Einstellungen zur Marke des fragenden Unternehmens sind jedoch nicht die einzige Gefahr schlechter Fragebögen. Weitere Gefahren zeigen sich in einer zunehmenden Befragungsmüdigkeit und der Ableitung falscher Entscheidungen aus Umfragedaten.

  • Ein schlecht umgesetzter Fragebogen liefert keine zuverlässigen Daten. Es kommt zu Fehlinterpretationen und in der Folge werden (zunächst oft unbewusst) falsche Entscheidungen abgeleitet. Der daraus entstehende, langfristige Verlust kann enorme Ausmaße annehmen.
  • Viele schlecht gemachte Umfragen führen zu einer zunehmenden Befragungsmüdigkeit:
    Immer mehr Menschen sind immer weniger bereit an Umfragen teilzunehmen.

Das war’s dann mit den goldenen Zeiten für die Forschung.
Die nachteiligen Entwicklungen können jedoch umgekehrt und aufgehalten werden. Ein zentraler Erfolgsfaktor: Fragebögen mit guter User Experience.

6 Schritte hin zum gelungenen Fragebogen!

Umfragen sollten, nein müssen genauso sorgsam wie Bestellprozesse in Online-Shops behandelt und gestaltet werden (letztere bestehen schließlich auch zu 80% aus Fragen und Eingabefeldern). Uns allen vertraute und bewährte UX Denk- und Prozessmodelle lassen sich problemlos auf Umfragen anwenden. Sie stellen eine hervorragende Grundlage dar, um einen UX Design Prozess für Umfragen abzubilden und in sinnvolle Phasen einzuteilen.

Konzeptions- und Analysephase

  1. Umfrageteilnehmer/-innen und deren Nutzungskontext beschreiben und verstehen.
  2. Erfordernisse sowohl für die formale Gestaltung als auch die Form und den Zeitpunkt der Ansprache der Befragungsteilnehmer/-innen ableiten.

Prototyping & Testphase

  1. Untersuchungsthemen und Forschungsthesen in verständliche Fragen und Antworten überführen.
  2. Eine erste Fragebogenversion erstellen und mit Nutzern testen, weiterentwickeln und erneut testen („iterative, mehrstufige Pretests“).

Monitoring und kontinuierliche Verbesserung

  1. Die Umfrage starten, Abbruchquoten und -stellen messen und
  2. (Detail-)Optimierungen vornehmen.

Für einen derartigen, systematischen Fragebogendesign-Prozess braucht es Erfahrungen und Kompetenzen in unterschiedlichen Feldern:

  • User Requirement Engineering
  • User Interface Design
  • Interaktionsdesign
  • UX Testing.

Und nicht zu vergessen: Es braucht Erfahrungen und Kenntnisse darüber, wie  Umfragethemen, Thesen und Forschungsfragen in verständliche Fragen überführt („operationalisiert“) werden, so dass gemessen wird was gemessen werden soll (Stichworte: Reliabilität, Validität).

Für das Testen eines Fragebogendesigns bieten sich gängige UX Verfahren & Methoden an: Nutzerbeobachtung, Denkprotokolle (Think-Aloud) und abschließende, halbstrukturierte Interviews. Solche Tests können sowohl im Lab als auch remote durchgeführt werden. 5-6 Testteilnehmer/-innen sind in der Regel ausreichend.

Return on Investment – UX Design für Fragebögen lohnt sich!

Das Resultat eines UX Design Prozesses für Umfragen sind Fragebögen, die optisch ansprechend sind, deren Ausfüllen Freude bereitet, leicht von der Hand geht (Convenience), die geringe Abbruchraten aufweisen und deren generierten Daten eine gültige und zuverlässige Grundlage für die Ableitung von Entscheidungen bieten.

Die Gestaltung solcher Umfragen kostet Zeit und Geld. Klar. Auch bei der Gestaltung von Fragebögen gibt es erfolgreiches UX Design nicht kostenlos. Aber: Die Investition rechnet sich. Denn: Ein schlechter Fragebogen hinterlässt einen bleibenden Schaden beim Markenimage und führt zu falschen Entscheidungen. Beides ist dauerhaft deutlich teurer als ein systematisch, nutzerzentriert entwickelter Fragebogen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht vor allem dann auf, wenn ein guter Fragebogen mehrfach eingesetzt wird – beispielsweise als Monitoring- oder Benchmarking-Instrument.

Sie wollen Ihre Umfragen überprüfen?
Sie benötigen bessere Fragebögen?

Sprechen Sie mich an. Gern bringe ich meine Erfahrungen ein. Ich helfe Ihnen eine zuverlässige Datenbasis für Ihre Entscheidungen zu bekommen, damit Sie die richtigen Dinge verbessern können.

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Interface Culture und KI @mprove

Ich und meine liebste Gehirnzelle. /Photo von Stefan Woelwer

Zweihundertfünfzigtausend Jahre Kulturtechniken – von der Höhlenmalerei zum Computer. Im Gastvortrag Interface Culture. Hildesheimer Trilogie in 4 Teilen durfte ich an der HAWK über Computer als Kulturtechnik und deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sprechen. Slides und Referenzen hier_


// Original: Interface Culture und KI @mprove CC-BY-NC-4.0 Matthias | mprove.net | @mprove | Musings & Ponderings

3-Bälle-Moderation

…oder wie Du hitzige Diskussionen entspannt jonglieren kannst

Zu meinen Moderations-Schreckbildern gehört ja so etwas wie ein Redestein. Und auch wenn das ein durchaus nützliches Tool sein mag, habe ich einfach große innere Widerstände dagegen. Umso erstaunlicher, dass ein sehr ähnliches Werkzeug zu meinem absoluten Liebling geworden ist. Ich finde, dass das ein wahrer “Hidden Champion” unter den Moderations-Tools ist. Darum wird es Zeit, die 3-Bälle-Moderation vorzustellen.

Stell Dir folgende (nicht ungewöhnliche) Situation vor: es sind mehr als 10 Personen versammelt und es wird emsig und oft emotional diskutiert und viel durcheinander geredet. Als Moderator muss ich dann permanent gute Gesprächsregeln und die richtige Reihenfolge (meist erfolglos) einfordern – zusätzlich zu meinen anderen Aufgaben. Hier springt mir die 3-Bälle-Moderation zur Seite.

Drei Bälle für ein Halleluja

Ich lege drei Bälle in die Mitte. Jede, die etwas sagen will, muss sich vorher einen Ball nehmen. Weil es drei Bälle sind, ergibt sich automatisch eine Reihenfolge der Mitteilungsbedürftigen. Weil man sich erst einen Ball nehmen und manchmal warten muss, bis einer zurückgelegt und frei ist, nimmt man Dynamik und Hitzigkeit aus der Situation und legt mehr Gewicht auf den Redebeitrag jeder einzelnen. Als Moderator habe ich dann wieder Kapazitäten den Diskurs zu verfolgen, kann ggf. mitvisualisieren oder auch mal eine Nachfrage stellen.

Hinwerfen verboten

Wichtig daran ist, dass die Teilnehmer beim Zurücklegen die Bälle nicht einfach in die Mitte schmeißen, sondern aufstehen und zurücklegen. Jedes Mal wenn die Bälle zurückgeworfen werden, gab es eine ziemlich hingerotzte Diskussion. Durch das Zurücklegen wird auch die Diskussion wertschätzender.

3-Bälle-Moderation für selbstorganisierte Gruppen

Ich habe mir die Methode bei Eva Stützel aus Sieben Linden abgeschaut, die für unser Wohnprojekt zwei Mal die jährlichen „Offsites“ moderiert hat. Seither erhalten die 3 Bälle immer wieder auch Einzug in unsere monatlichen Treffen. Valentin, der ebenso in einem Wohnprojekt lebt, hat die 3 Bälle dort mittlerweile auch eingeführt und schätzen gelernt. Gerade in Kontexten wie diesen, wo man einerseits die Moderationsrolle hat, aber auch gleichberechtigt mitdiskutieren möchte, sind die Bälle genial. Du kannst die 3-Bälle-Moderation also auch super in “nicht-moderierten” oder selbstmoderierten Runden nutzen.

Hast Du auch so ein Mini-Superwerkzeug am Hosenbund? Dann würden wir uns sehr freuen, wenn Du es mit uns teilen magst.

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Design Systems 101 – Teil 4: Ein flexibles Naming-Schema für Patterns

Neben vielen weiteren Vorteilen sollen Pattern Libraries und Design Systeme für ein gemeinsames Verständnis und effiziente Kommunikation zwischen Designern, Entwicklern, Produktmanagern und allen anderen Beteiligten der Produktentwicklung sorgen. Um dieses zu erreichen, bedarf es aber eines eindeutigen Schemas zur Bezeichnung der Patterns. Spricht man zum Beispiel von einem „Button“ ist nicht unmissverständlich klar, ob ein Button im allgemeinen oder exakt eines der definierten Button-Patterns gemeint ist (und wenn ja, welches).

Nachdem wir im letzten Teil der Serie gelernt haben, wie sich Patterns für den Aufbau einer Library identifizieren und strukturieren lassen, will ich als nächsten Schritt unseren Weg zu einem eindeutigen und sehr flexiblen Naming Schema für OTTOs Design Patterns aufzeigen.

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Social-Media-Verlosung mit Wow-Effekt: Das 360-Grad-Gewinnspiel!

Von wegen 360°-Content ist nur was für die Großen! Auch für kleine und mittelständische Unternehmen gibt es verschiedene Einsatzmöglichkeiten für das innovativen Content-Format, mit denen sich wirkungsvolle Marketingmaßnahmen umsetzen lassen. Eine davon möchten wir Ihnen im folgenden Beitrag vorstellen: Das 360-Grad-Gewinnspiel. Ein 360-Grad-Gewinnspiel ermöglicht eine kreative Marketinglösung für kleine und mittelständische Unternehmen. Am [...]

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Design Systems 101 – Teil 3: Patterns identifizieren und strukturieren

Zum Aufbau einer Pattern Library oder eines Design System braucht man Patterns. Natürlich. Im ersten Teil haben wir gelernt was ein Pattern ist. In diesem Teil soll es nun darum gehen, welche Arten von Patterns es gibt, wie man diese in seinem Produkt identifiziert und wie man mit den gefundenen Patterns ein verständlich strukturiertes Design System aufbaut.

Darüber hinaus möchte ich einige pragmatische Ansätze zeigen, wie man mit neu entstehenden Patterns umgeht und wann man entscheidet, dass ein Element kein Pattern ist.

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Digitalisierung darf sich nicht an tradierten Verwaltungs-Strukturen ausrichten

Im März fand in Berlin zum wiederholten Male der Kongress „Digitaler Staat“ statt. Dorothee Bär, erste deutsche Staatsministerin für Digitalisierung, verkündete dort, die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland stark vorantreiben zu wollen. Bernd Lohmeyer hat verschiedenste Digitalisierungsprozesse bei internationalen Behörden wie der Europäischen Kommission erfolgreich begleitet. Als Experte für Digitale Transformation und User Experience Design […]

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