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Erfolgreiche Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft: Vorbild Dänemark?

Digitalisierung – Die Revolution unserer Kommunikationswege hat ihren Weg längst in all unsere Lebensbereiche gefunden. Doch sie schreitet nicht in allen Ländern gl

eich schnell voran. Deutschland zeigt bei diesem Prozess bekanntermaßen Nachholbedarf. Die jüngste Ausgabe des „Digital Economy and Society Index“ weist Dänemark innerhalb der EU als Branchenprimus bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft aus. Auch beim weltweiten E-Government-Ranking der Vereinten Nationen steht unser nordischer Nachbar auf dem ersten Platz. Was lässt sich von dem Vorreiter der Digitalisierung lernen?

In Anbetracht der Fakten wird eine Sache sehr schnell deutlich: Die dänische Digitalisierung geschah nicht über Nacht. Bereits 1968 schuf die dänische Regierung mit der Einführung einer zentralen Personenkennziffer eine Grundlage. Die sogenannte CPR-Nummer wird von allen Behörden sowie dem Gesundheitssystem verwendet und wurde 2010 unter dem Namen NEM-ID ins Internet übertragen. In der Folge leitete die Regierung weitere Schritte zur Digitalisierung ein. So wurden die Bürger schrittweise gezwungen, mit den Behördenausschließlich über Onlineformulare, Bürgerportale und einem digitalen Postfach zu kommunizieren.

Mit der dänischen Digitalisierung gehen viele Serviceleistungen einher. Bürger können beispielsweise online Rente beantragen, Geld überweisen, Arzttermine buchen oder Bücher in den Bibliotheken ausleihen. Trotz des Erfolgs der Digitalpflicht gibt es auch kritische Stimmen. „Wenn Systeme verpflichtend sind, gibt es keinen echten Anreiz, sie zu verbessern“, warnt der dänische Bürgerrechtler Jesper Lund. Außerdem sind alle privaten Schlüssel der Bürger auf einem zentralen Server gespeichert. Dessen Sicherheit muss folglich viel Vertrauen entgegengebracht werden.

Außerdem verweist Lund auf Sicherheitsmängel der NEM-ID. So hätten Kriminelle mit fremden NEM-ID-Zugangsdaten bereits mehrmals die Bankkonten ihrer Opfer geplündert. Hier justiert die dänische Regierung jedoch bereits nach, indem sie von der aktuellen NEM-ID auf die sicherere MIT-ID umsteigt. Begründet wurde die Digitalpflicht ursprünglich vor allem finanziell. 400 Millionen Euro könne so im öffentlichen Sektor jährlich eingespart werden. Zu den tatsächlichen Einsparungen gibt es allerdings keine Daten.

Einige Inspirationen lassen sich aus der dänischen Digitalisierung sicherlich gewinnen. Doch zwischen Deutschland und Dänemark scheint es einen entscheidenden Unterschied zu geben: Die Dänen vertrauen ihren Behörden. Die meisten stellen ihre Daten bereitwillig zur Verfügung. In Deutschland spielt der Datenschutz eine größere Rolle. Die Frage nach einer Digitalpflicht stellt sich in Deutschland zurzeit gar nicht erst. Für viele Verwaltungsleistungen stehen in Deutschland lediglich Papierformulare zur Verfügung. Vor allem kleine Kommunen hinken in der Digitalisierung hinterher.

Wandel in der Unternehmensausrichtung: Digitalisierung wesentlich für mehr Nachhaltigkeit

Wer von Digitalisierung in Unternehmen spricht, denkt vermutlich an Prozesse, die dringend optimiert werden sollen. Künstliche Intelligenz (KI) schafft beispielsweise Abhilfe bei monotonen Aufgaben oder beschleunigt Arbeitsabläufe. Im gleichen Maße können nachhaltige Maßnahmen stark von der Digitalisierung profitieren. Wie wichtig dabei Themen wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) in Zusammenarbeit mit KI für Unternehmen geworden sind, zeigt eine neue Studie von Cloudera (https://de.cloudera.com/campaign/limitless-the-positive-power-of-ai-report.html).

Demnach würde laut den befragten Entscheidungsträgern der größte Anteil ihrer Investitionen in ESG fließen. Damit würde mehr in soziale und gesellschaftsrelevante Projekte investiert als in Gewinnsteigerung oder die Entwicklung neuer Produkte. Ein Grund dafür könnte laut der Studie die Einstellung der Mitarbeiter sein. Der Fachkräftemangel ist mittlerweile in fast jeder Branche zu spüren. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter müssen erfüllt werden. Rund ein Viertel der Befragten sorgt sich, dass Mitarbeiter ihr Unternehmen verlassen könnten, wenn nicht genügend in ESG, vor allem Nachhaltigkeit, investiert würde. Der gesellschaftliche Druck, ausgehend von den Mitarbeitern, scheint in den Unternehmen Deutschlands einen festen Platz eingenommen zu haben. Gewinn und ESG gehen Hand in Hand.

Doch welche Rolle spielen neue Technologien dabei? Mehr als 90 Prozent der Befragten sehen etwa in der KI ein Schlüsselinstrument, um nachhaltige Unternehmenspraktiken zu fördern. Das Ziel ist es, die vom Unternehmen erhobenen Daten sowie zur Verfügung stehenden Technologien zu nutzen, um der Gemeinschaft zu dienen, auf die das Unternehmen ausgerichtet ist. Sowohl die Entscheider als auch die Mitarbeiter sind der Meinung, dass etwa die Hälfte der durch das Unternehmen erhobenen Daten für gute Zwecke eingesetzt werden sollten. Gerade bei nachhaltigen Projekten sind sich fast alle Befragten einig, dass KI das Mittel der Wahl ist. Ohne eine umfangreiche Implementierung würden wirtschaftliche Einbußen drohen. Besitzt ein Unternehmen Daten, die es ausschließlich für sich selbst nutzt, könnten sich Kunden und Partner abwenden, fürchten die Entscheider.

Dass soziale und nachhaltige Aspekte für Unternehmen den gleichen Stellenwert erreicht haben wie Wachstum und Innovation, ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Wichtig ist, dass viele Entscheider gemäß der Studie den Wert der Digitalisierung zur sinnvollen Durchführung der ESG-Prozesse erkannt haben. Mehr als 80 Prozent der Befragten wollen an dieser Stelle mehr investieren. Festgeschraubte Budget-Deckel, die mangelnde Bereitschaft, neue Wege zu gehen und fehlendes Verständnis für die nötigen Implementierungen haben jedoch einen negativen Einfluss auf die tatsächliche Umsetzung. Es braucht gut durchdachte Strategien, die die gesamte Belegschaft mit ins Boot holen. Zudem benötigen Führungskräfte Fort- und Weiterbildungen, um sich auf den Wandel einzustellen und ihn aktiv mitzugestalten. Die Unternehmen müssen die Digitalisierung also nicht nur wollen, sondern auch umsetzen.

Was sagen Beschäftigte in Deutschland zur Digitalisierung?

Innovationen und neue technische Entwicklungen wie das Radio, der Fernseher oder das Internet wurden gerade während ihrer Einführungen kritisch begutachtet. So wichtig Kritik auch ist, die Grenze zur Angst vor Neuerungen ist gerade bei Veränderungen der Industrie häufig in Sichtweite. Denn bei Technologien, die die Arbeitswelt verändern, ist der Jobverlust eine große Sorge. So auch bei der sogenannten vierten industriellen Revolution, also der fortschreitenden Digitalisierung, Robotik und Automatisierung. Doch existiert diese Sorge oder wird sie in der medialen Berichterstattung nur vorausgesetzt, weil es immer schon so war?

Dieser Frage hat sich ein Forscher-Team der FOM Hochschule Frankfurt am Main angenommen (https://bit.ly/3H201gb). Haben die Menschen in Deutschland Angst, von einer Maschine ersetzt zu werden? Laut einer Medienbeobachtung nehme diese Sorge vor allem in der wissenschaftlichen und polit-medialen Öffentlichkeit einen großen Raum ein. Dabei würden Nachteile und Risiken stärker betont als Vorteile und Chancen. Die Forscher vermissen Aussagen zur subjektiven Haltung der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland gegenüber neuen Entwicklungen wie der Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz (KI) oder dem Internet of Things (IoT) – und nahmen sich dem Thema selbst an.

Wie üblich in wissenschaftlichen Arbeiten wurde zuerst die Literatur zur Hand genommen. Dort ist von Risiken die Rede: Auswirkungen auf die Beschäftigung durch die vierte industrielle Revolution träfe vor allem Personen im Niedriglohn- und Bildungssektor. Gleichzeitig betont die Literatur die positiven Effekte und hält eine technologisch bedingte Arbeitslosigkeit derzeit für unwahrscheinlich. Die Forschung ist sich also uneins.

Und was ergibt die Arbeit der FOM Hochschule Frankfurt am Main? Unter rund 240 Befragten aus unterschiedlichen Branchen gab nur ein geringer Teil an, eine Arbeitslosigkeit aufgrund der vierten industriellen Revolution zu befürchten. Knapp die Hälfte sieht Fort- und Weiterbildungen als wichtiges Instrument an, um als Arbeitskraft am Ball zu bleiben – ein wichtiger Hinweis an die Führungskräfte. Ein Großteil der Befragten nimmt die Digitalisierung zudem als Vorteil an. Schließlich ist eines ihrer Ziele die Arbeitserleichterung, denn sie schafft etwa Abhilfe bei monotonen Tätigkeiten wie Datenerfassung und -abgleich.

Die öffentlich suggerierte Wahrnehmung scheint nicht zwangsläufig der Wirklichkeit zu entsprechen. Um den Kreis zu schließen, üben wir Kritik. Die Studie ist ein guter Impuls, um der wissenschaftlichen und medialen Wahrnehmung ein neues Betrachtungsfeld zu präsentieren. Dass dabei weitere und tiefere Untersuchungen nötig sind, ist auch den Wissenschaftlern der FOM klar. Wir hoffen auf neue Erkenntnisse in der Zukunft.

Koalitionsvertrag im Digitalcheck

Nach der Bundestagswahl wurden – wie es sich in einer Demokratie auch gehört – zahlreiche Forderungen an die neuen Koalitionsparteien herangetragen, was in dem Koalitionsvertrag zu berücksichtigen sei und welche Themen ganz oben auf der Agenda stehen sollten.

Alle „Ampel-Parteien“ haben zum Glück erkannt, dass die Digitalisierung zu diesen Themen gehört, die zukünftig ganz oben stehen müssen. Auch die Medien überschlugen sich mit Beiträgen, was bei der Digitalisierung zu tun sei, was in den letzten Legislaturperioden falsch gelaufen sei und verschlafen wurde und wie es nun besser geht.

Inzwischen sind die Koalitionsverhandlungen beendet, die neue Regierung und deren Vertragswerk steht – Schwarz auf Weiß. Zeit also, den Digitalcheck zu machen und zu schauen, wie die Digitalisierung im Koalitionsvertrag weggekommen ist.

Welchen Stellenwert das Thema für die neue Koalition hat, merkt man bereits daran, dass zukünftig alle neuen Gesetzesvorhaben einem Digitalisierungscheck unterzogen werden – ähnlich dem Klimacheck, den die Grünen für alle neue Gesetze gefordert haben. Digitalisierung soll somit in Zukunft bei allen Vorhaben von vornherein mitgedacht werden.

Auch das Onlinezugangsgesetz (OZG), das allen Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu digitalen Verwaltungsleistungen zusichert, soll noch einmal weiterentwickelt werden. Denn bisher hinken viele Kommunen bei der Umsetzung des OZG deutlich hinterher. Auch die digitale Modernisierung der Verwaltung hat die neue Koalition zum Glück also auf dem Schirm. Erfreulich ist hier auch gerade aus Perspektive eines UX Designers, dass laut Koalitionsvertrag die Orientierung an der Nutzerfreundlichkeit für digitale Verwaltungsleistungen zukünftig höchste Priorität genießen soll. Wir sind gespannt...

Positiv zu bewerten ist ebenso grundsätzlich die Idee, ein zusätzliches, zentrales Digitalbudget einzuführen. Unklar bleibt leider bisher, wie groß dieses Budget sein soll, wer es verwalten wird und für was es eingesetzt wird. Es bleibt also zu hoffen, dass es gerade bei der wichtigen Finanzierungsfrage nicht bei einer Luftnummer bleibt. Denn auch die Forderungen nach einem Ausbau der digitalen Infrastruktur wurden insbesondere aus der Wirtschaft zurecht immer lauter.

Aus Sicht vieler Bürger ebenso wie Journalisten ist es ebenso eine Luftnummer, dass die Idee eines Digitalministeriums verworfen wurde. Hier gibt es jedoch auch zahlreiche andere Positionen, die ein eben solches nicht für notwendig halten, um die Digitalisierung voranzutreiben. Hierzu ein interessanter Beitrag im Manager Magazin Podcast unter: https://bit.ly/31DR4dd.

Tatsächlich ist die Frage nach einem eigenen Ministerium wohl kein entscheidender Punkt bei der Digitalisierung. Dies zeigen zahlreiche Beispiele aus Nachbarstaaten, die in den letzten Jahren deutlich mehr Fortschritte als Deutschland bei der Digitalisierung gemacht haben – und das meist ohne ein eigenes Digitalministerium.

Letztlich bleibt abzuwarten, wie ernst die Koalitionsparteien die Vorhaben nehmen, die sie im Koalitionsvertrag festgehalten haben. Und bei vielen dieser Vorhaben wird es auf die konkrete Ausgestaltung ankommen, denn die formulierten Pläne sind naturgemäß häufig noch recht schwammig.

Doch die Grundlage, die mit dem neuen Koalitionsvertrag für sichtbare Fortschritte bei der Digitalisierung gelegt wurde, ist klar. Ebenso ist zu erkennen, dass die neue Regierung bereit zu sein scheint, auf den Rat von Expertinnen und Experten von außen zu hören. Auch das bietet Chancen. Die Tür ist also aufgestoßen, die spannende Frage bleibt: Wird die neue Regierung nun auch hindurchgehen?

Bitkom-Studie zeigt: DSGVO ist ein Bremsschuh für Unternehmen

Eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zeigt: Die DSGVO ist ein Bremsschuh insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen. Vor allem kleine Unternehmen sind mit der Umsetzung der DSGVO im Detail überfordert und machen hierbei inzwischen kaum noch Fortschritte. Der Datenschutz setze die Unternehmen unter Dauerdruck, so Bitkom zum Ergebnis der Studie. Die stetige Rechtsunsicherheit, zu häufige Änderungen und Anpassungen der Verordnung sowie mangelnde Hilfe durch die zuständigen Aufsichtsbehörden sind für die Unternehmen die größten Hürden.

Insbesondere sollte aufhorchen lassen, dass mehr als Dreiviertel der Unternehmen, die die DSGVO bisher nicht vollständig umgesetzt haben, davon ausgehen, dass sich dies auch schlicht nicht bewerkstelligen lasse. Eine nicht unerhebliche Zahl insbesondere an kleinen Unternehmen wird daher auch zukünftig gezwungenermaßen weiterhin in einer rechtlichen Grauzone agieren müssen – was die Entfaltung unternehmerischer Aktivitäten erheblich negativ beeinflusst.

Doch auch für die Unternehmen, welche die DSGVO umsetzen konnten, bedeutet die Verordnung häufig eine deutliche Belastung. Rund Dreiviertel aller Unternehmen geben an, durch die DSGVO mehr Aufwand als früher zu haben und rund ein Drittel geht davon aus, dass dieser in Zukunft noch weiter steigen wird. Dies hat häufig ganz konkrete negative wirtschaftliche Folgen für die Unternehmen. So geben 90 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie bereits Projekte wegen Unklarheiten in Bezug auf die DSGVO stoppen mussten.

Die Pressemitteilung mit den zusammengefassten Ergebnissen der Bitkom-Studie finden Sie hier: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Datenschutz-setzt-Unternehmen-unter-Dauerdruck

All diese Erkenntnisse sind jedoch keineswegs neu. Vor zwei Jahren nahm Bernd Lohmeyer, Inhaber von lohmeyer I Business UX, die DSGVO insbesondere mit Blick auf Start-Ups unter die Lupe. Das Ergebnis: Die Verordnung sei für Unternehmen kaum greifbar, der zusätzliche bürokratische Aufwand sorge für ein negatives Investitionsklima und die Rechtsunsicherheit sowie die kleinteiligen Anforderungen der DSGVO träfen KMU und Start-Ups besonders hart. All dies scheint sich nun, zwei Jahre später, eindeutig bewahrheitet zu haben.

Den entsprechenden Artikel mit dem Interview mit Bernd Lohmeyer im Fachmagazin it-business können Sie hier nachlesen: https://www.it-business.de/bremst-die-dsgvo-startups-in-der-eu-aus-a-838874/

Kritik an der DSGVO ist dabei nicht gleichbedeutend mit Kritik am Datenschutz im Allgemeinen. Jedoch sagen zwei Drittel der von Bitkom befragten Unternehmen auch, dass ein zu strenger Datenschutz in Deutschland die Digitalisierung behindere. Und auch hier ist wohl etwas dran. Datenschutz ist nötig und wünschenswert – und wird von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung auch eingefordert. Doch sollte dabei nicht Maß und Mitte verloren gehen. Wenn der Schutz der Daten so kompliziert wird, dass diese Aufgabe von vielen Unternehmen (und gegebenenfalls auch Behörden, Krankenhäusern etc.) nicht mehr zu leisten ist, dann ist am Ende für niemanden etwas gewonnen.

Digitale Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland in Europa auf vorletztem Platz

Es sind die bereits gewohnt schlechten Nachrichten, wenn es in Deutschland um das Thema Digitalisierung geht. Zuerst wurde das E-Rezept, dass zum 01.10. flächendeckend eingeführt werden sollte, vom Hersteller einen Tag vor der geplanten Einführung gestoppt. Zu groß waren die noch ungeklärten Herausforderungen. Gleiches gilt für den digitalen Führerschein – die sogenannte ID Wallet der Bundesregierung – die kurz nach der Veröffentlichung wieder vom Markt genommen wurde – unter anderem wegen gravierender Mängel bei der Datensicherheit.

Und doch kann es anscheinend noch schlechter werden. Die diesjährige Studie des European Center for Digital Competitiveness (ECDC) sieht Deutschland bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit sowohl im europäischen wie internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Inzwischen rangiert Deutschland demnach in Europa nur noch auf dem vorletzten Platz – knapp vor Albanien. Und auch im Vergleich der G20 – der zwanzig größten Industriestaaten der Welt – stehen nur Japan und Indien bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit noch schlechter dar.

Für diesen Zustand gibt es laut der Forscher zahlreiche Gründe: Neben fehlender Risikobereitschaft der Unternehmen seien auch die digitalen Fähigkeiten in der Bevölkerung insgesamt nur schlecht ausgeprägt. Der einzige Aspekt, bei dem sich Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung zwischen 2018 und 2020 laut dem ECDC verbessert habe, sei der benötigte Zeitaufwand zu Registrierung eines Unternehmens. Ehemalige Problemkinder wie Italien und Frankreich haben sich dagegen in dieser Zeit deutlich schneller weiterentwickelt und haben inzwischen zur digitalen Spitzengruppe in Europa aufgeschlossen. In Deutschland stattdessen vor allem: Stillstand.

Italien hat beispielsweise mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket zur Stärkung der digitalen Wettbewerbsfähigkeit gepunktet. Hier ist die nächste Bundesregierung gefragt, die Digitalisierung ähnlich entschlossen und zügig voranzutreiben, soll Deutschland nicht vollends abgehängt werden – mit entsprechenden negativen wirtschaftlichen Konsequenzen.

In den meisten Parteien wird derzeit ein Bundesministerium für Digitales als möglicher Ansatz diskutiert. Viele andere Staaten haben die Herausforderungen der digitalen Transformation auch ohne eine solche zusätzliche Behörde gemeistert. Angesichts des bisherigen Behördenversagens – siehe das Beispiel ID Wallet – ist durchaus zu befürchten, dass ein zusätzliches Ministerium die Digitalisierung schlicht in einen weiteren deutschen Bürokratiesumpf verwandeln könnte. Andererseits ist man angesichts der Gesamtsituation bereits froh, wenn sich überhaupt etwas bewegt.

https://www.manager-magazin.de/politik/digitalisierung-deutschland-in-ranking-auf-vorletztem-platz-in-europa-a-f0a7ef16-8903-4d9a-90c8-f72d732b8b9c

Fast jeder dritte Betrieb hat keine Internetpräsenz

Es klingt eigentlich nicht nach 21. Jahrhundert und schon gar nicht nach Fortschritt bei der Digitalisierung, doch tatsächlich hat in Deutschland weiterhin fast jeder dritte Betrieb keinen eigenen Internetauftritt. Dies betrifft sowohl kleine als auch mittelgroße Betriebe (KMU). Am häufigsten verzichten offenbar Friseurgeschäfte, Handwerksbetriebe und Arztpraxen auf eine eigene Internetpräsenz.

Auch Soziale Medien wie Facebook, Instagram, YouTube oder Twitter, die auch für kleinere Betriebe mit relativ geringem Aufwand reichweitenstarke Marketingmöglichkeiten eröffnen würden, werden von rund einem Drittel der Unternehmen nicht genutzt.

58 Prozent dieser KMU geben an, dass sie in der Nutzung der elektronischen Plattformen keine Vorteile für ihre Firma sähen, 41 Prozent sagen, sie hätten keine personellen Kapazitäten für die Bespielung der Kanäle. Dies zeigt eine Forsa-Umfrage unter rund 300 Betrieben. Auch die Bereitschaft, digitale Medien in Zukunft zu nutzen, ist wenig ausgeprägt. Nur 13 Prozent dieser Betriebe wollen zukünftig in den sozialen Medien präsent sein.

Die Wahrnehmung, dass die Digitalpräsenz für die Unternehmen keinen Vorteil brächte, spiegelt sich bei den Verbrauchern jedoch ganz und gar nicht wieder. Rund 50 Prozent der befragten Verbraucher wollen, dass Unternehmen soziale Kanäle intensiver nutzen und ungefähr ebenso viele Verbraucher bewerten das Engagement von KMU auf sozialen Plattformen „als weniger“ gut bzw. „schlecht“.

Es scheint so, dass viele kleine und mittelständische Betriebe riesige Potenziale ungenutzt liegen lassen. Für die Kleinbetriebe bedeutet die fehlende Internetpräsenz einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz, die mit Webseiten und in den Sozialen Medien präsent ist – oder sogar digitale Services für ihre Kunden anbietet.

So wäre es ein Leichtes gewesen, während Corona mit einer Onlineterminvergabe zu punkten – doch nur drei Prozent der befragten Unternehmen nutzten diese Möglichkeit. Ohne besseres Know-how und steigende Bereitschaft, sich digital aufzustellen, werden zahlreiche dieser Unternehmen in den kommenden Jahren insbesondere jüngere Kunden verlieren.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/digitalisierung-fast-jeder-dritte-betrieb-hat-keine-internetpraesenz-a-063cd8df-19fd-47f7-bf2a-1d3385665639

Rund hundertfache Rendite: Investitionen in UX Design zahlen sich aus

User Experience Design (UX Design) zielt darauf ab, die Kundenzufrieden zu erhöhen, indem digitale Services vom Kunden beziehungsweise Nutzer her gedacht und konsequent an dessen Bedürfnissen ausgerichtet werden. Der Erfolg von UX Design ist jedoch nicht immer sofort messbar. Daher scheuen Unternehmen häufig vor Investitionen in eine Optimierung des UX Designs ihrer Anwendungen zurück, können sie doch wirtschaftlich nicht genau beziffern, was ihnen die Investition als Return on Investment einbringen wird.

Doch diese Zurückhaltung ist nicht gerechtfertigt. Es gibt Möglichkeiten, den Erfolg von UX Design zu operationalisieren und somit messbar zu machen. Und die Zahlen, die sich hier zeigen, rechtfertigen Investitionen in die Optimierung von UX Design aus unternehmerischer Sicht sehr deutlich. Der Markterfolg eines Softwareprodukts wird beispielsweise anhand von Key Performance Indicators (KPI) gemessen. So steigen beispielsweise die Key Performance Indicators Konversionsrate, Anzahl Besucher, Nutzerperformanz und Nutzung bestimmter Features um zusammen durchschnittlich rund 83 Prozent bei einer Investition von nur rund 10 Prozent des Projektbudgets in die Optimierung der UX.

Darüber hinaus kann sich die Arbeitszeit der eingesetzten Softwareentwickler um bis zu 50 Prozent reduzieren, wenn Usability-Anforderungen durch das UX Design frühzeitig definiert werden, statt entstandene Fehler in der Software erst im Nachhinein zu überarbeiten. Ein weiteres Argument liefert die Kaufwahrscheinlichkeit: Es hat sich gezeigt, dass Kunden ein Produkt mit einer 3,5 Mal höheren Wahrscheinlichkeit erwerben, wenn sie zuvor ein positives Nutzungserlebnis hatten verglichen mit einem negativ bewerteten Nutzungserlebnis. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen, das eine positive User Experience bietet, weiterempfohlen wird, steigt sogar um das Fünffache gegenüber einem Unternehmen, dessen Nutzererfahrung als schlecht bewertet wird.

Gleichzeitig gibt allein die IT-Industrie weltweit jährlich geschätzt rund 25 Milliarden Dollar zu viel für die Produktentwicklung aus, die sie bei konsequenter Einbindung von UX Design einsparen könnte. Dies alles – sowie eine Vielzahl weiterer positiver Effekte – zusammengenommen, führt dazu, dass im Schnitt jeder in User Experience investierte Dollar den rund hundertfachen Ertrag bringt. Dieses Return on Investment sollte eigentlich jedes Unternehmen ökonomisch davon überzeugen, in gutes UX Design zu investieren.

Siehe auch die früheren Artikel zur ROI-Berechnung einer Fachapplikation und Wachstumsmarkt Digital Customer Experience.

Aktuell bei Heise https://www.heise.de/hintergrund/Die-oekonomischen-Vorteile-von-User-Experience-Design-6020633.html

Mit Experience Mapping von der Inside-Out- zur Outside-In- Perspektive

Im Juli hatte ich Gelegenheit, einen Fachbeitrag zum Experience Mapping auf dem Onlineportal it-daily.net zu veröffentlichen. In dem Artikel erläutere ich, wie Unternehmen mit Hilfe des Experience Mappings erfolgreicher von einer Inside-Out- zu einer Outside-In-Perspektive gelangen und so ihre digitale Transformation meistern. Mehr Infos zum Thema in meinem Artikel unter:

Digitale Transformation in Unternehmen

Mit Experience Mapping von der Inside-Out- zur Outside-In-Perspektive

Zehn Jahre Industrie 4.0

Der Begriff „Industrie 4.0“ ist heute weltweit in aller Munde. Überall wird an der Digitalisierung der industriellen Produktion geforscht und gearbeitet. Die vierte industrielle Revolution soll eine umfassende intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produkten hervorbringen. Produktion soll so flexibler, effizienter, ressourcen- und umweltschonender und kundenzentrierter gestaltet werden.

Weniger bekannt ist im Allgemeinen, dass das Konzept zu Industrie 4.0 ursprünglich aus der Feder einiger deutscher Wissenschaftler stammt. Beteiligt waren die Physiker Henning Kagermann und Wolf-Dieter Lukas sowie der Informatiker Wolfgang Wahlster. 2011 umrissen sie in dem Artikel „Industrie 4.0: Mit dem Internet der Dinge auf dem Weg zur 4. industriellen Revolution“, der zur damaligen Hannover Messe erschien, ihre Idee.

Zehn Jahre ist dies nun her und in einem weiteren Artikel in der FAZ unternahmen Kagermann und Wahlster zu diesem Jubiläum eine Bestandsaufnahme zur Entwicklung von Industrie 4.0 – einen Rückblick sowie einen Ausblick auf das Kommende. Industrie 4.0 sei als innovatives Hightech-Konzept aus Deutschland weltweit ein Exportschlager geworden, so Kagermann und Wahlster, da es „die Basis für datenbasierte Wertschöpfung, innovative Geschäftsmodelle und Organisationsformen, aber auch für neue Lösungen in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Mobilität“ bilde.

"Internet 4.0 bildet die Basis für datenbasierte Wertschöpfung, innovative Geschäftsmodelle und Organisationsformen, aber auch für neue Lösungen in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Mobilität."

Die beiden Wissenschaftler führen der Erfolg des Konzepts nicht zuletzt auf eine breite gesellschaftliche und politische Unterstützungsbasis zurück – etwas, das man sich bei anderen Digitalisierungsbemühungen in Deutschland auch hin und wieder wünschen würde. So seien das „Internet der Dinge und darauf aufsetzende cyberphysische Systeme sind in modernen Fabriken heute Realität“, beschreiben die Autoren den derzeitigen Stand. Hier bleibt einzuwenden, dass dies in einigen Großunternehmen sicherlich bereits der Fall ist, zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen bisher jedoch immer noch an den Grundlagen der Digitalisierung scheitern.

Dennoch ist ein erheblicher Fortschritt auf dem Gebiet der digitalisierten industriellen Produktion erkennbar. Kagermann und Wahlster umreißen in ihrem Artikel zudem neue Ideen, die zur Weiterentwicklung von Industrie 4.0 beitragen können. Eine solche Idee ist die sogenannte „Home Workbench“, welche „die mobile Steuerung, Wartung und Reparatur von Fabrikanlagen als Softwarelösungen mit Fernzugriff auf cyberphysische Systeme bis hin zur Tele-Operation mit physischen Avataren ermöglichen“ soll. Eine solche Innovation würde beispielsweise Home Office für zahlreiche Berufszweige ermöglichen, in denen dies bisher undenkbar war und die Arbeitswelt weiter grundlegend verändern.

Zahlreiche Weiterentwicklungen sind auch dank einer sich stetig verbessernden Künstlichen Intelligenz zu erwarten. Kagermann und Wahlster sehen die Potenziale von Industrie 4.0 daher noch lange nicht als ausgereizt. Der Artikel „Deutschlands Zukunft : Zehn Jahre Industrie 4.0“ der beiden Wissenschaftler ist hier nachzulesen: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/digitale-technik/digitalisierung-der-produktion-zehn-jahre-industrie-4-0-17267696.html.