Alle Beiträge von Bernd Lohmeyer

Digitalisierungsstrategie: Was die Techniker Ihnen nicht sagen!

Bei einer Digitalisierungsstrategie kommt es wirklich nicht nur auf die Technik an. Es geht nicht um den Einsatz digitaler Technologien. Viele denken, dass, wenn man alle aktuellen Prozesse digitalisiert, man automatisch erfolgreicher ist. Doch das stimmt nicht. Wie Thorsten Dirks, CEO von Telefónica Deutschland, bereits sagte: "Wer miese Prozesse digitalisiert, hat miese Digitalprozesse." Er hatte es allerdings deutlich drastischer formuliert.

Für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie gibt es viele Dinge zu beachten. Im Kern geht es aber darum, kundenzentrierte Prozesse zu schaffen. Das bedeutet, die Strukturen und Prozesse Ihres Unternehmens auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden auszurichten. Außerdem müssen Sie die richtigen Technologien und digitalen Werkzeuge einsetzen. 

Bevor man also damit beginnt, alles zu digitalisieren, muss man zuerst aufräumen. Das bedeutet, dass man das Geschäftsmodell, die Produkte, die Prozesse und die Organisation überprüfen und gegebenenfalls anpassen sollte. Erst dann kann man die restlichen Abläufe und Prozesse digitalisieren.

Eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie beruht also nicht allein auf der Technik, sondern vielmehr auf einer gründlichen Vorarbeit und Anpassung der bestehenden Strukturen. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, kann die Digitalisierung effektiv eingesetzt werden, um Prozesse zu verbessern und das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Kundenbedürfnisse herausarbeiten

Auf der Suche nach dem richtigen Ansatzpunkt für neue Services ist es wichtig, die Kundenbedürfnisse herauszuarbeiten. Menschen bewegen sich in verschiedenen Lebensbereichen, in denen sie die Dienstleistungen verschiedener Anbieter nutzen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Beispielsweise im Bereich Wohnen nutzen sie Services von Maklern, Umzugsunternehmen, Finanzierungsdienstleistern und Möbelanbietern. Hierbei sind Unsicherheit und Ängste oft präsent. Daher ist es wichtig, eine User-Research und User-Obervations durchzuführen, um die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen. Mit Methoden der Experience Strategy, Markt- und Bedarfsanalyse können Sie neue Services entwickeln, die Sicherheit und Geborgenheit bieten. Es ist entscheidend, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und auf sie einzugehen, um passende Dienstleistungen anzubieten. Das erfordert nicht nur ökonomischen Sachverstand, sondern zuvorderst Empathie.

Wertschöpfung verstehen

Die Wertschöpfung entsteht, wenn ein Kunde einem Service eine Bedeutung bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse beimisst. Dieser Wert ist umso größer, je wichtiger das Bedürfnis für den Kunden ist und je besser der Service dieses Bedürfnis befriedigt. Es ist also der Kunde, der den Wert eines Services bestimmt, nicht der Dienstleister. Heutzutage wählt der Kunde den Dienstleister aus, der ihm den wertvollsten Service bietet, da er die Bedeutung der Bedürfnisbefriedigung für sich selbst erkennt.

In einem Geschäftskontext bezieht sich die Wertschöpfung darauf, wie ein Unternehmen durch seine Prozesse und Aktivitäten einen Mehrwert für den Kunden schaffen kann. Dies kann beispielsweise durch die Berücksichtigung von Kundenängsten und -bedürfnissen in der Entwicklung und Bereitstellung von Services geschehen.

Wert entsteht in der Interaktion zwischen Kunde und Unternehmen (nach James Kalbach "Experience Mapping").

Der einem Service beigemessene Wert ist untrennbar mit der Erfüllung der Kundenbedürfnisse verbunden. Kunden evaluieren Dienstleistungen danach, wie gut sie ihre individuellen Anforderungen und Wünsche erfüllen. Dabei geht es nicht nur um das Endprodukt, sondern auch um die Qualität der Interaktion und des Erlebnisses mit dem Unternehmen. Ein Service, der präzise auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist, wird als wertvoller wahrgenommen, da er einen direkten und positiven Einfluss auf das Alltagsleben oder die geschäftlichen Ziele des Kunden hat. Unternehmen, die dies erkennen und ihre Services entsprechend ausrichten, schaffen eine starke Wertwahrnehmung und fördern so Kundenzufriedenheit und -bindung.

Domain Services identifizieren

Domain Services identifizieren und bewerten ist ein entscheidender Schritt für Unternehmen, um innovative Services anzubieten, die verschiedene Lebensbereiche abdecken. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Wohnsituation, die viele Aspekte umfasst. Von der Wohnungssuche über Umzugsunternehmen, finanzielle Aspekte des Umzugs bis hin zur Kinderbetreuung und Schule - das sind alles Domain Services, die ineinandergreifen und das tägliche Leben der Menschen maßgeblich beeinflussen.

Unternehmen sollten daher überlegen, welche zusätzlichen Services sie neben ihren bisherigen Angeboten leisten können, um die Bedürfnisse ihrer Kunden noch besser abzudecken. Dies kann beispielsweise cross-industry services umfassen, die verschiedene Branchen miteinander verknüpfen, um ganzheitliche Lösungen anzubieten. Durch die Identifizierung und Bewertung von Domain Services können Unternehmen ihr Leistungsportfolio erweitern und sich als innovative Anbieter am Markt positionieren.

Ein Beispiel für Wertschöpfung im Dienstleistungsbereich wäre ein Umzugsbegleiter, der z.B. eine Familie beim Umzug von der ersten Idee, über die Finanzierung (vielleicht sogar eine Hausfinanzierung), die Koordination verschiedener Dienstleister bis zur Organisation der Umschulung der Kinder begleitet. Das würde der Familie Streß ersparen, die Sorge abnehmen, den Überblick zu verlieren, und auch Ängste vor Überlastung mildern. Durch die Befriedigung dieser Bedürfnisse schafft der Dienstleister einen spürbaren Wert für den Kunden.

Es ist wichtig, dass Unternehmen die Bedürfnisse und Herausforderungen ihrer Kunden verstehen und entsprechende Services entwickeln, die genau diese Aspekte abdecken. Domain Services bieten vielfältige Möglichkeiten, neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich als ganzheitlicher Dienstleister zu etablieren.

Innovative Services skizzieren

Nachdem man verstanden hat, welche Domain Services in Betracht kommen, kann man überlegen, welche davon bedient werden sollen. Mit verschiedenen Workshops kann man nun innovative Services skizzieren. Dabei sollte man erstens nicht zu klein denken und zweitens den Kunden nie aus den Augen verlieren. 

Wenn es um die Digitalisierung geht, ist es die beste Strategie, nicht zu klein zu denken. Vielmehr sollten Sie sich auf den Kunden und seine Bedürfnisse konzentrieren. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Ihre digitalen Lösungen für Ihre Kunden einfach zu nutzen und erschwinglich sind. Und schließlich sollten Sie nie aus den Augen verlieren, was Ihr Unternehmen einzigartig macht und warum Ihre Kunden sich für Sie und nicht für Ihre Mitbewerber entscheiden sollten.

Dann gilt es zu überlegen, welche Partner dafür benötigt werden. Vermutlich wird man nicht alles selbst anbieten können. Es sind übergreifende Services, die sehr wahrscheinlich die eigene Kompetenz überschreiten werden. Deshalb sollten Partnerschaften mit anderen Unternehmen konzipiert werden, um die Kundenbedürfnisse aus einer Hand bedienen zu können. Das kommt der Customer Experience zugute, da der Kunde nur mit einem Anbieter zu tun hat. Durch Reduzierung von Medienbrüchen und eine durchgehende Kommunikation entlang der Customer Journey, können innovative Services skizziert und optimiert werden.

Erforderliche Prozesse herausarbeiten

Um die Ziele der Digitalisierungsstrategie zu erreichen, müssen die erforderlichen Prozesse sorgfältig herausgearbeitet werden. Dies umfasst die Integration interner Abläufe und Prozesse in die gesamte Unternehmensstrategie. Es ist wichtig, dass die Digitalisierungsstrategie nicht isoliert betrachtet wird, sondern eng mit dem Geschäftsmodell und der operativen Steuerung des Unternehmens verknüpft ist. Die personelle Ressourcen müssen entsprechend ausgerichtet und geschult werden, um die Umsetzung der digitalen Maßnahmen zu ermöglichen.

Zudem sollten Leistungen bewusst zugekauft oder gemeinsam mit Partnern durchgeführt werden, um die Ziele effizienter und zielführender zu erreichen. Dies erfordert eine Überprüfung der internen Prozesse und gegebenenfalls Anpassungen, um eine nahtlose Zusammenarbeit mit externen Partnern zu gewährleisten. Eine klare Kommunikation und Abstimmung auf allen Ebenen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die digitale Transformation erfolgreich umgesetzt wird.

Insgesamt ist es wichtig, dass die internen Prozesse so gestaltet werden, dass sie die Ziele der Digitalisierungsstrategie unterstützen und auf eine effektive und effiziente Nutzung der personellen Ressourcen abzielen.

Alles überflüssige wegwerfen

Wenn es darum geht, überflüssige Prozesse oder Produkte loszuwerden, ist es entscheidend, die Effektivität und Organisation von Wissen im Unternehmen zu verstehen. Durch ein effektives Wissensmanagement kann unnötiges Wissen identifiziert und beseitigt werden, was zu einer schlankeren und effizienteren Arbeitsweise führt. Eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie spielt auch eine wichtige Rolle, um Prozesse zu optimieren und überflüssige Produkte zu erkennen und zu eliminieren.

Um die Effizienz und Zusammenarbeit zu verbessern, sollten sich Unternehmen auf die Organisation und Optimierung von Wissen und Prozessen konzentrieren. Dies kann durch die Anwendung von Methoden wie Lean Management und Kaizen sowie durch effiziente Softwaresysteme erreicht werden.

Durch die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie kann ein Unternehmen die Effizienz steigern, Kosten senken und Ressourcen effektiver nutzen. Eine klare Wissensorganisation führt zu besserer Entscheidungsfindung, verbessertem Kundenservice und mehr Innovationsmöglichkeiten. 

Indem man überflüssige Prozesse oder Produkte beseitigt, kann ein Unternehmen sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist, und so seine Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Erfolg sicherstellen. Es liegt nahe, dass dieser Schritt viel Mut erfordert!

Und den Rest digitalisieren und automatisieren

Durch die Nutzung einer konsolidierten Softwareplattform und die Implementierung von Automatisierung kann die digitale Transformation weiter vorangetrieben werden. Mit einer einheitlichen Plattform können Prozesse nahtlos integriert und Daten zentralisiert werden, was zu einer effizienteren Nutzung und Verwaltung von Ressourcen führt.

Es hat sich gezeigt, dass sich die Digitalisierung von Prozessen positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirkt. Denn sie ermöglicht eine schnellere Erledigung wiederkehrender Aufgaben, wodurch Fehler reduziert und letztlich die Qualität der erbrachten Dienstleistungen verbessert werden. Außerdem wird die Produktivität der Mitarbeiter gesteigert, da sie sich auf komplexere Aufgaben konzentrieren können, anstatt Zeit für manuelle Tätigkeiten aufzuwenden. Darüber hinaus steigert die Automatisierung die Betriebseffizienz, indem sie Arbeitsabläufe rationalisiert und Kosten reduziert.

DevOps-Teams setzen bereits auf Automatisierung, um die Wertschöpfungskette schneller und vorhersagbarer zu gestalten. Durch die Automatisierung von Entwicklungs-, Test- und Bereitstellungsprozessen können Produkte schneller auf den Markt gebracht werden und es wird eine konsistente Qualität gewährleistet.

Insgesamt kann die Kombination aus einer konsolidierten Softwareplattform und Automatisierung die digitale Transformation vorantreiben und Unternehmen dabei helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ganzheitliche Digitalisierungsstrategie: Jetzt Kontakt aufnehmen

Als Unternehmensberatung Digitalisierung helfen wir Ihnen dabei, von einer Inside-in-Nabelschau zu einer Outside-in-Perspektive zu gelangen, um zu verstehen, was Ihren Kunden wirklich Wert schafft. Gemeinsam mit Ihnen konzipieren wir neue Services, die die wirklichen Kundenbedürfnisse bedienen und entwickeln eine digitale Roadmap, um diese innovativen Domain Services anzubieten.

Durch die Zusammenarbeit mit uns können Sie Ihre strategischen Ziele besser ausrichten und eine digitale Transformation in Ihrem Unternehmen vorantreiben. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Technologien und Prozesse so auszurichten, dass sie auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden zugeschnitten sind. Letzten Endes reduziert das den Digitalisierungsaufwand, da Sie sich auf das Wesentliche der digitalen Transformation konzentrieren.

Wenn wir gehen, hinterlassen wir nicht nur 5kg Powerpoint, sondern funktionierende digitale Services. Egal, ob eine App, die Ihre Kunden begeistert, oder eine komplexe Enterprise Application, die Ihre Produktivität verdoppelt. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf und lassen Sie uns gemeinsam an der digitalen Transformation Ihres Unternehmens arbeiten.

 

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Kurs auf Grün: Mit KI und Blockchain Energiekosten senken und Umweltregeln umsetzen

In den letzten Jahren hat die maritime Industrie stürmische See erlebt, insbesondere wenn es um die steigenden Energiepreise und die immer strengeren Umweltregulierungen geht. Herausragende Beispiele für solche regulatorische Maßnahmen sind die IMO 2020-Vorschriften und der Carbon Intensity Indicator (CII), die beide darauf abzielen, eine umweltfreundlichere Schifffahrt zu fördern. Während diese Regulierungen zweifellos lobenswerte Ziele verfolgen, bringen sie für die Reedereien erhebliche operative und finanzielle Herausforderungen mit sich. Diese Herausforderungen reichen von steigenden Treibstoffkosten bis hin zu Anforderungen an die Emissionsreduzierung, die erhebliche Investitionen in neue Technologien und Betriebspraktiken erfordern.

Der Kostendruck durch Energiepreise und IMO 2020

Um den Anforderungen der IMO 2020 gerecht zu werden, haben viele Reedereien auf schwefelarme Treibstoffe umgestellt, was die Betriebskosten erheblich erhöht hat. Diese Umstellung ist eine direkte Reaktion auf die Forderung nach einer Reduzierung der CO2-Emissionen und einer verbesserten Energieeffizienz, die die IMO 2020-Regulierung mit sich bringt. Darüber hinaus hat die Erhöhung der Treibstoffpreise den finanziellen Druck auf die Reedereien weiter erhöht, insbesondere in einem bereits wettbewerbsintensiven Marktumfeld.

Carbon Intensity Indicator (CII) – Ein neues Maß für Umweltfreundlichkeit:

Der CII ist ein weiteres Instrument, das die CO2-Effizienz von Schiffen misst und bewertet. Ab 2025 werden die Auswirkungen dieser Maßnahme spürbar sein, wenn es möglicherweise an Schiffen mangelt, die den CII-Anforderungen entsprechen. Dies könnte die Charteroptionen einschränken und die Preise für konforme Schiffe in die Höhe treiben. Die Einführung des CII zielt darauf ab, die Reedereien zu motivieren, ihre Betriebspraktiken zu verbessern und in umweltfreundlichere Technologien zu investieren.

KI als Rettungsring

Künstliche Intelligenz (KI) bietet eine vielversprechende Lösung für viele der Herausforderungen, mit denen Reedereien konfrontiert sind. Durch die Verbesserung der Energieeffizienz, vorausschauende Wartung und optimierte Routenplanung können Reedereien ihre Betriebskosten senken und die Umweltbelastung verringern. Darüber hinaus kann KI bei der Überwachung der Compliance und der effizienten Berichterstattung an Aufsichtsbehörden eine entscheidende Rolle spielen. Durch den Einsatz von Algorithmen zur Datenanalyse können Reedereien wertvolle Einblicke gewinnen, um bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Betriebsabläufe zu optimieren.

Blockchain: Ein Anker der Verifizierung

Die Blockchain-Technologie bietet eine transparente und unveränderliche Aufzeichnung von Emissions- und Effizienzdaten, die eine effiziente Überprüfung und Compliance mit Umweltregulierungen ermöglicht. Diese Technologie fördert die Transparenz gegenüber Aufsichtsbehörden und Stakeholdern und erleichtert die Zertifizierung von umweltfreundlichen Betriebspraktiken. Die Möglichkeit, vertrauenswürdige und verifizierbare Daten bereitzustellen, wird die Einhaltung von Umweltregulierungen erleichtern und gleichzeitig das Vertrauen in die Umweltinitiativen der Reedereien stärken.

Der Einsatz von KI und Blockchain bietet Reedereien die Möglichkeit, die Wellen der Veränderung zu meistern, die durch steigende Energiepreise und Umweltregulierungen verursacht werden. Diese Technologien bieten eine solide Plattform, um operative Effizienz zu verbessern, die Compliance zu erleichtern und gleichzeitig die Umweltbelastung zu minimieren. Durch die Annahme dieser innovativen Lösungen können Reedereien nicht nur die aktuellen Herausforderungen bewältigen, sondern auch einen nachhaltigeren Kurs für die Zukunft setzen.

Anforderungsanalyse: Was wir vom Berliner Flughafen lernen können

Digitalisierung mit Plan

Am 05. September 2006 erfolgte der erste Spatenstich für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Geplante Fertigstellung: Oktober 2011. Geplante Kosten: zwei Milliarden Euro. Aus heutiger Perspektive erscheint diese Zielsetzung weniger seriös als amüsant. Eine ganze Reihe von Problemen verschiebt den Eröffnungstermin immer weiter nach hinten. Im Jahr 2013 ist der Flughafen nicht eröffnet, sondern von insgesamt rund 150. 000 Baumängeln die Rede: Falsch gepflanzte Bäume, vergessene Kabelschächte, unauffindbare Räume, Licht, das sich nicht ausschalten lässt, mangelnder Brandschutz und zu kurze Rolltreppen sind nur einige Beispiele der langen Liste an Komplikationen auf der Baustelle. Nach einer Steigerung der Kosten auf sechs Milliarden Euro wird der Flughafen Berlin-Brandenburg erst im Oktober 2020 eröffnet – neun Jahre zu spät.

Der Berliner Flughafen ist nicht das einzige prominente Beispiel für Fehlplanungen auf großer Ebene. Die Hamburger Elbphilharmonie – so schön sie auch geworden ist – hat anstatt der geplanten 77 Millionen Euro, stolze 800 Millionen Euro gekostet. Die Bundeswehr hat vor kurzem Funkgeräte im Wert von 1.3 Milliarden Euro bestellt, nur um herauszufinden, dass es Probleme beim Einbau in Panzer, Gefechtsfahrzeuge und Lastwagen gibt. Essenzielle Anforderungen vom Brandschutz am Flughafen oder vom Einbau der bestellten Funkgeräte wurden offensichtlich übersehen. All diese Fälle zeigen deutlich: Eine sorgfältige Planung ist für den Erfolg eines Projekts unerlässlich. Ein strukturiertes Anforderungsmanagement mit präziser Anforderungsanalyse hätte dem Berliner Flughafen sicherlich viele Baumängel ersparen können. Das gilt für den Bau eines Flughafens genauso wie für die Umsetzung eines Digitalisierungsprojektes.

So wie eine Rolltreppe am Flughafen zu kurz gerät, können auch Funktionen einer Unternehmensanwendung unzureichend implementiert sein. Für ein Unternehmen beutetet das steigende Kosten und Zeitverzug im Prozess der Digitalisierung. Auch hier ist es entscheidend, die Anforderungen des Projektes im Vorfeld zu identifizieren. Denn wirksame Kommunikation ist der Schlüssel zu erfolgreicher Projektarbeit. Ich lehne mich wohl kaum mit der Behauptung zu weit aus dem Fenster, dass die Kommunikation beim Bau des Berliner Flughafens miserabel war. Ansonsten hätte niemand Kabelschächte vergessen oder Bäume an die falsche Stelle gepflanzt. Es lag kein einheitliches Verständnis der Anforderungen bei allen Beteiligten vor. Doch nur so kann eine effektive Zusammenarbeit gewährleistet werden, auch im Zuge von Digitalisierungsprojekten zwischen Fachabteilungen und der IT-Abteilung oder einem externen Dienstleister. Für die Analyse, Erfassung, Dokumentation, Überprüfung und Validierung von Anforderungen gibt es zum Glück bewährte Methoden. Dank Anforderungsanalyse, User Cases oder Prototypen können selbst komplexe IT-Projekte planmäßig umgesetzt werden – ohne vier Milliarden Euro Zusatzkosten und ohne neun Jahre Verspätung.

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Künstliche Intelligenz zum Mittel der Wahl machen

Innovativ bleiben mit Verschränkung von KI und UX Design

Es gelingt wenigen, in der Öffentlichkeit Artificial Intelligence (AI), also – auf deutsch – Künstliche Intelligenz (KI), einfach zu erklären. Ich habe eine Kurzbeschreibung parat: KI ist der heutige Versuch, das Denken und die Fähigkeit des menschlichen Lernen Computern zu ermöglichen und derart die Kraft der Intelligenz zu verleihen. Bisher, wissen vor allem IT-Experten der Vergangenheit, war es so, dass Jahrzehnt auf Jahrzehnt die Computer und ihre Programme von Menschen weiterentwickelt werden mussten, damit sie ihren nächsten Zweck erfüllten. KI nun, das ist anerkannt und löst sowohl Angst als auch Euphorie aus, ist heute in vielen Bereichen in der Lage, sehr weitgehend eigenständig bestimmte Herausforderungen und Probleme zu lösen. Und: die Stärke von KI entwickelt sich mehr und mehr aus eigener Kraft. Experten, UX-Designer wie ich, waren und sind im Prozess der Softwareentwicklung die Schnittstelle zwischen Nutzer/User, IT und Management. Ich konnte mich bereits früh als UX-Experte für Konzerne und Mittelstand positionieren und habe auch früh mit damals wenigen anderen die KI zum Einsatz kommen sehen.

Wir sind bis heute die Schnittstelle, die Kunden von Anfang an in einem hochkomplexen System begleitet. Wir nennen das die Customer Journey. Sie beginnt oft mit der physischen Begegnung von Kunden in Raum und Zeit mit dem Produkt und dem Unternehmen und geht über die Nutzung von Software und Webseiten bis hin zum Erlebnis hoher Zufriedenheit, die zum Wiederkommen einlädt. Besondere Services wie das Erleben einer Stimme am Telefon gehören genauso wie zu unserer Expertenarbeit als auch spezielle Management-Techniken des UX-Designs, so etwa die Anforderungsanalyse und das Anforderungsmanagement. Da ich in meinem Berufsleben sowohl im In- als auch im Ausland beauftragt wurde, UX-Design anzuwenden, zu implementieren und dauerhaft zu verankern, sehe ich nun sehr große Chancen in diesem Zusammenhang. Mittels KI können wir bald sehr gute, stärkere Wirkungen für Kunden und Verbraucher im fairen Sinne für beide herstellen, bin ich überzeugt. Die Hauptfähigkeit von KI ist es, sehr, sehr große Datenmengen zu sammeln, zu analysieren und an den Adressaten mit größter Genauigkeit zu seiner Prüfung und zu seinem Nutzen zu verwenden. KI in diesem Sinne hilft sowohl den Kunden als auch der Wirtschaft. So hat die Textilindustrie und der Handel mit Textilien etwa sehr früh damit begonnen, mit Hilfe von KI im Frühjahr bereits ziemlich genau zu wissen, welche Farben und Stoffe und welche Bedürfnisse überhaupt im Herbst die Mode sein werden und sich danach etwa in den Lieferketten erfolgreich ausgerichtet.

UX-Design, das mit KI arbeitet, hat nun ganz neu die Möglichkeit, Prozesse im Unternehmen zu verschlanken, Kosten zu sparen und die Strategien rascher und genauer auszusteuern. Am Ende bieten UX-Design und KI in diesem komplexen Umfeld den Nutzern, also den Kunden, ein wirkungsvolles Erlebnis – die User Experience – zu ihren Wünschen und Bedürfnissen noch zielgenauer. Und das stets unter ihrer freien Entscheidungshoheit. Besondere Erwähnung bedarf die Ergänzung, dass nicht nur Angestellte in vielen Branchen, sondern auch Unternehmer Sorge und Angst haben, sich auf KI einzulassen. Dazu halte ich gegen. Einfache Tätigkeiten in manchen Branchen sind gefährdet, weniger gebraucht zu werden. Ja, das stimmt. Doch insgesamt und vor allem auch in meinem Bereich, in der Beratung und dem Umsetzen der UX-Design-Strategie in Firmen und Unternehmen sowie Behörden, so meine Einschätzung, werden viele, neue Arbeitsplätze geschaffen. KI wird es uns – trotz Sichtung der Gefahren von erweiterter Überwachung und möglicher neuer Kriegsformen – ermöglichen, die menschliche Intelligenz anders, ja, besser mit Unterstützung von KI einzusetzen. Denken wir nur an das Gesundheitssystem, das bereits Projekte in der Forschung mit KI umsetzt, die aufgrund von größerer Datenbasis in der Erforschung von neuen Medikamenten, etwa gegen Krebs, neue und bessere Ergebnisse erzielen könnten. So ist KI für UX-Designer wie mich zu dem nicht allein in der Zukunft liegenden Mittel der Wahl geworden. Es klug nutzen, das ist die Aufgabe in den nächsten Jahren auf dem Weg der Digitalisierung der Gesellschaft und dort zu regulieren, wo notwendig, und dort einzusetzen, wo es passt. KI ist ein Angebot von Weiterentwicklung, wie es sie stets gab. Nutzen wir es.

Wer sich über die Chancen der Verschränkung von KI und UX-Design informieren möchte, sucht am besten das Gespräch mit erfahrenen UX-Designern, damit sie die umfängliche Idee hinter dieser These en Detail erläutert bekommen. Ich selbst habe mich entschieden, ganz neu in meinem Portfolio, Online-Gespräche zu ermöglichen. Darunter fallen auch Anforderungsanalysen und Anforderungsmanagement. Wer Interesse hat, innovativ und wirkungsvoll mit dem neuen Werkzeug KI im Zusammenhang mit UX-Design zu beginnen, den verweisen wir von lohmeyer / business UX auf unsere Service-Webseite. Mehr Informationen finden sich unter https://www.bestspec4.me, einer Ausgründung zu Online-Schulungen und -Beratungsgesprächen zu den Themen des UX-Design.

Generation Z, nutzt die Bildungsangebote, die wir geschaffen haben!

Innovation durch Wissen und Erfahrung – Fazit eines UX-Designexperten und Baby-Boomers

Was die Generation Z jetzt noch braucht, um alte und neue Probleme zu lösen

Warum sollten sich Baby Boomers über die Generation Z beschweren? Die ganz jungen Leute (ungefähr 1997 bis 2012 geboren) sind mit Homeschooling während der Pandemie, den Apps und Spielereien der Social Networks groß geworden, deren erste Entwicklungen und Grundlagen Baby Boomers wie ich zu verantworten haben. Viele ältere digitale Experten beklagen sich, dass die Generation Z wenig von Arbeit, Karriere und Loyalität gegenüber Unternehmen hält. Der heutige Wohlstand, den die Baby Boomers mit aufgebaut haben, ermöglich diesen doch tatsächlich erst, über New Work und neue Arbeits- und Freizeitmodelle nachzudenken, deren heutige Angebote wir damals sicherlich auch gerne angenommen hätten.

Als UX Designexperte, der im In- und Ausland über eine dreißigjährige Erfahrung verfügt, war mir vor Jahren bereits klar, dass die heutigen Digital Natives über neue, ganz zusätzliche Fähigkeiten gegenüber den Baby Boomers verfügen werden. Sie gehen mit einer Selbstverständlichkeit mit dem System Internet um, die sich Kinder aus den Sechziger Jahren erst – teilweise mühsam – aneignen mussten und Kinder aus den Fünfziger Jahren häufig selten aneigneten. Das Spezifische dabei ist, mit welch‘ wirksamer Intuition die Generation Z alles Digitale nutzt und nicht zuletzt Soziale Netzwerke wie Tik Tok bedient. UX-Designer der ersten Stunde waren Experten der Technik, der Psychologie und Gestaltung – zu fühlen, zu wissen und zu erahnen, was wo wie wann gesehen und gedrückt oder gewischt werden muss. So bedienen UX-Designexperten stets gekonnt die Bedürfnisse der User und überführen diese in attraktive Services und Produkte.

Eines fällt zugleich auf, und das sollte der Rat an die junge Generation Z sein. Studien zeigen, dass klassische Ausbildungen und Hochschul-Wege bis zum Master im Design und überhaupt weniger Wertschätzung erfahren. Da es den Fachkräftemangel gibt, ist es verlockend, ohne diese Abschlüsse früh in bezahlte Arbeit zu gehen. Es gilt gleichwohl jetzt wie vor zwanzig Jahren und reicht bis in die Antike: Lehrjahre sind nicht die schönsten Jahre. Sie garantieren aber erst eine lebenslange Sicherheit im Beruf oder sogar in verschiedenen Berufen und sichern damit das Privatleben ab. Dass die Wohlstandsphase Deutschlands vermutlich künftig gefährdet ist, sollte der Generation Z Motiv sein, so viel an Bildung in jungen Jahren mitzunehmen, wie es nur geht. Wir stehen in der Tat vor vielen Herausforderungen. Die Generation Z wird im Ingenieurwesen, in der Medizin, in der Politik und nicht zuletzt in der Gestaltung der Internet-Plattformen nur zu den Lösungen kommen, wenn sie sich vor allem durch Fachkenntnis in Tiefe und Breite auszeichnet. Ich als Baby Boomer stehe dazu in meinem Fachbereich UX Design der Generation Z stets und gerne unterstützend und beratend zur Seite.

Wir bieten eine Session zum End2End-Anforderungsmanagement, einem wichtigen Bestandteil von UX Design. Die Generation Z und alle anderen Interessierten buchen hier:

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Energiespeicher Natrium?

Ein Schritt aus dem Rohstoff-Dilemma

Steinzeit, Bronzezeit oder Eisenzeit - Rohstoffe spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Menschheit. Der Übergang in eine neue Epoche kennzeichnet sich durch die Erschließung neuer Rohstoffe. Noch heute spielen Rohstoffe eine entscheidende Rolle beim technologischen Fortschritt. So hat zum Beispiel die industrielle Revolution begonnen, als der Mensch lernte, fossile Energieträger zu nutzen. Heute setzt die digitale Revolution neue Rohstoffe in den Fokus: Lithium, Kobalt, Nickel oder Metalle der Seltenen Erden. Vom Bildschirm bis zu Windturbinenmagneten – diese Rohstoffe werden in vielen Alltagsgegenständen und Schlüsseltechnologien eingesetzt. Besonders Lithium-Ionen-Akkus haben sich als Energielieferant für mobile Endgeräte wie Notebook oder Smartphone etabliert.

Neue Rohstoffe - alte Probleme

Die EU spricht in diesem Zusammenhang von „kritischen Rohstoffen“. Sie werden als wesentlich für den ökologischen und digitalen Wandel angesehen. Die Verfügbarkeit dieser Rohstoffe könnte für Europa jedoch zum Problem werden. Mehr als 80 % der Seltenen Erden werden zum Beispiel in China gefördert. Rund 70 % des Lithium-Vorkommens wird in den südamerikanischen Anden vermutet. Das Verhängnis einer Rohstoffabhängigkeit hat der russische Angriffskrieg jüngst verdeutlicht. Ein weiteres bekanntes Problem sind die Umweltschäden beim Abbau der begehrten Bodenschätze; besonders in Chile, Bolivien und Argentinien. Zudem lässt die Energiewende die Nachfrage der Kritischen Rohstoffe rasant ansteigen. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass bei Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens die Nachfrage im Bereich der Seltenen Erden um das Siebenfache und für Lithium sogar um das 42-fache steigen wird. Die europäische Politik hat diese Entwicklung bereits erkannt und versucht mit Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz, Recycling entgegenzusteuern.

Natrium eine Alternative?

Neben der europäischen Rohstoffpolitik gibt eine neue Batterietechnik Grund zur Hoffnung: Natrium-Ionen-Batterien. Natrium-Nickelchlorid-Batterien gibt es zwar schon seit 1980er Jahren, sind jedoch schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Denn Natrium-Batterien haben eine geringere Energie- und Leistungsdichte als Batterien aus Lithium. Dafür benötigen sie jedoch viel weniger kritische Rohstoffe. Als Bestandteil von Kochsalz ist Natrium überall reichlich vorhanden und kann im Gegensatz zu Lithium einfach und preiswert gewonnen werden. Der chinesische Autobauer JAC Motors veröffentlichte im März die erste Natrium-Ionen-Batterie für einen Kleinwagen. Auch einige andere Unternehmen investieren in die Technologie. Der Forscher Micha P. Fertig vom Fraunhofer IKTS sieht ebenfalls Potenzial in Natrium: „Ökonomisch werden Lithium-Feststoffzellen wohl nur da sein, wo eine hohe Energiedichte nötig ist, etwa in der Luftfahrt oder bei Luxusautos. Auf dem Massenmarkt haben Natrium-Feststoffzellen in bestimmten Bereichen das Potenzial, Lithium-Ionen-Akkus zu verdrängen.“ Natrium ist zwar keine endgültige Lösung für unser Rohstoff-Dilemma, doch ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sollten aus alten Fehlern lernen und unsere Rohstoffe frühzeitig diversifizieren. Die weitere Entwicklung von Natrium als Energiespeicher ist dafür eine Möglichkeit.

Entwicklung der Künstlichen Intelligenz: Zu schnell für Regulierungen

„Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Mit diesem Satz hat Angela Merkel 2013 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Barack Obama für viel Spott und Häme gesorgt. Denn besonders die sozialen Netzwerke verloren keine Zeit, um sich über diesen vermeintlichen Patzer der damaligen Bundeskanzlerin zu amüsieren. Wer Internet für Neuland hält, stecke doch im 20. Jahrhundert fest. Tatsächlich ist die Wirklichkeit eine andere: Wer das Internet nicht für Neuland hält, hat die Tragweite der digitalen Revolution nicht erfasst. Das galt damals – genauso wie heute.

Die Künstliche Intelligenz führt uns diesen Sachverhalt dieses Jahr besonders deutlich vor Augen. Die rasante Entwicklung der KI sorgt weltweit für Erstaunen. Auch Frank Hutter, Professor am "Machine Learning Lab" der Universität Freiburg zeigt sich gegenüber dem ZDF beeindruckt: „Wenn man das Forschungswachstum der letzten Monate betrachtet, wären das normalerweise zehn Jahre Entwicklung.“ Viel zu schnell, um von einer vergleichsweise behäbigen Gesetzgebung reguliert werden zu können. Mehr als tausend führende Tech-Experten fordern deswegen in einem offenen Brief eine sechsmonatige Entwicklungspause in der KI-Forschung. Dabei gehe es nicht darum, KI-Forschung als Ganzes zu pausieren, sondern nur das Wettrennen der Tech-Giganten um die mächtigste KI, so Frank Hutter.

Wie gefährlich ist KI?

Die Unterstützer des offenen Briefes sehen die Gefahr eines Vertrauensverlustes in der Kommunikation. Immer menschlicher wirkende KI-Tools könnten Millionen authentisch aussehende Fake-Accounts auf Plattformen erstellen und Fake News verbreiten oder Wahlen beeinflussen. Weiter könnten KI-Systeme Einseitigkeit, Vorurteile und Rassismus aufgrund bestimmter Trainingsdaten weiterverbreiten. Zudem gebe KI autoritären Staaten die Möglichkeit zur ‚Totalüberwachung‘ einer Gesellschaft.

Den Gefahren der KI steht natürlich eine lange Liste von Potenzialen wie Automatisierung oder die Steigerung der Produktivität gegenüber. Außerdem würden die Fortschritte im KI-Bereich laut Hutter große Hoffnung bei der Krebsforschung machen. Das Problem liegt vor allem in der fast schon monopolartigen Dominanz der digitalen Big-Player bei der KI-Forschung. Die Ethik-Kodizes zu Aspekten wie Datenschutz oder Transparenz werden von großen Onlineplattformen schon seit Jahren ignoriert. Juristisch bindende Regulierungen fehlen bisher. Deswegen fordert die Medienethikerin Dr. Jessica Hessen von der Universität Tübingen eine Offenlegungspflicht für Filter und Algorithmen, die bei KI-Anwendungen verwendet werden.

Das Neuland erkunden

Ob die geforderte Forschungspause eine umsetzbare Lösung darstellt, bleibt fraglich. Trotzdem stößt der offene Brief die richtige Debatte an. Denn Künstliche Intelligenz ist für uns alle Neuland. In einem Neuland warten Potenziale und Gefahren. KI-Forschung, Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam einen Weg finden, um Potenziale auszunutzen und Gefahren zu umgehen. Lasst uns aus diesem Prozess außerdem Lehren ziehen – die KI wird nicht das letzte unbekannte Land in der großen Welt des Internets bleiben.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens

Lernen von Israel

In den deutschen Arztpraxen tritt eine verschlafene Digitalisierung besonders deutlich zu Tage. Während ich mir im Wartezimmer auf meinem Smartphone einen Vortrag aus den USA in Echtzeit angucken kann, erhalte ich von meinem Arzt zum Abschied ein Stempel in mein Heft und eine Röntgenaufnahme in einer Mappe. Solche Ambivalenzen verdeutlichen: Das deutsche Gesundheitssystem muss dringend digitalisiert werden. Dabei wäre eine elektronische Patientenakte alles andere als eine Revolution. In Israel existiert eine solche Patientenakte schon seit über 20 Jahren. Nicht ohne Grund hat der Impfstoff-Lieferant Pfizer schon im ersten Jahr der Pandemie einen Handel mit der israelischen Regierung abgeschlossen. Israel erhielt genügend Impfstoff und lieferte an Pfizer im Gegenzug die beim Impfprozess gewonnenen anonymisierten Daten des bestens digitalisierten Gesundheitssystems. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach musste gegenüber der Süddeutschen bedauernd anerkennen: "Was Sie tun, können wir nicht." Die digitalen Patientendossiers in Israel registrieren jeden Arztbesuch, jede Diagnose und jedes verschriebene Medikament. Das erleichtert nicht nur das Leben der Ärztinnen und Ärzte. Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Gesundheitsdaten in Krisen als Basis für politische Entscheidungen notwendig sind. Gleichsam profitiert die Forschung von einem großen Datenpool. Künftig ließen sich anhand solcher Daten und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz auch Risikopatienten für Herzinfarkte oder Schlaganfälle herausfiltern. Darüber hinaus haben Patienten selbst stetigen Zugriff auf ihre medizinischen Daten. So werden das Bewusstsein und die Kontrolle über die eigene Gesundheit gestärkt.

Deutschland muss jetzt lernen

In Deutschland existiert die elektronische Patientenakte zwar bereits seit 2021, doch bisher nur mit mäßigem Erfolg. Weniger als ein Prozent der Deutschen nutzen diese auch. Deswegen soll 2024 bei gesetzlich Versicherten das sogenannte Opt-out-Verfahren eingeführt werden. Dabei müssen Versicherte eigens widersprechen, wenn sie die elektronische Akte nicht erhalten wollen. Mit der Allianz hat auch die erste private Krankenversicherung im November 2022 die elektronische Patientenakte eingeführt. Weitere private Versicherer haben angekündigt, bis zum Ende dieses Jahres nachzuziehen. Ob die digitalen Daten in naher Zukunft für zentrale Forschung verwendet werden können, ist unklar. Es gibt Zweifel daran, ob gesundheitsbezogene Daten in jedem Fall anonym bleiben. Einen Skandal mit digitalen Patientenakten hat es jedoch auch nach Jahrzehnten in Ländern wie Israel oder England nicht gegeben. Wir sollten von den digitalisierten Gesundheitssystemen dieser Länder lernen. Es geht nicht darum ein Gesundheitssystem zu kopieren, sondern Erkenntnisse zu erlangen und richtige Schlüsse zu ziehen. So gibt es in Israel aufgrund der Sorge zur persönlichen und nationalen Sicherheit einen anderen Bezug zum Datenschutz als in Deutschland. Trotzdem müssen auch wir erkennen: Gesundheitsdaten sind privat und schützenswert, doch seit jeher auch die Grundlage unserer medizinischen Erkenntnisse. Wir sollten schnell die Digitalisierung vorantreiben und einen angemessenen Umgang mit den Daten finden – im Sinne des medizinischen Fortschritts.

Meilenstein Chat GPT

Kann Künstliche Intelligenz UX Designer ersetzen?

Es ist zurzeit das Thema der Stunde. Künstliche Intelligenz – genauer gesagt – die KI-Software Chat GPT. 100 Millionen Menschen greifen mittlerweile monatlich auf den Text-Roboter zu. Das von OpenAI entwickelte Sprachsystem beschäftigt Schulen und Universitäten genau wie die Kreativwirtschaft. Außerdem werden neue Fragen zur Cyber-Sicherheit aufgeworfen. Kurz gesagt: Die Faszination für die neue Technologie ist groß. Dabei ist die Vorgehensweise der KI-Anwendung gar nicht so neu. Hunderte andere Services basieren schon länger auf Künstlicher Intelligenz.

Metas oberster KI-Forscher Yann LeCun wies vor kurzem in einer Pressekonferenz über Zoom darauf hin, dass die zugrundeliegende Technik von Chat GPT weder innovativ noch revolutionär sei. Nicht nur die Tech-Giganten Alphabet und Meta, sondern auch ein halbes Dutzend Start-ups besitzen ähnliche Technologien, so LeCun. Trotzdem wird in Chat GPT ein Meilenstein der Künstlichen Intelligenz gesehen. Auf Twitter und LinkedIN sprechen Tech-Enthusiasten bereits von dem iphone-Moment für die Künstliche Intelligenz. Das erste iphone hat 2007 maßgeblich den Standard für das moderne Smartphone gesetzt und damit die Welt verändert. Das entscheidende Kriterium für die Bedeutung von Chat GTP liegt in der freien Zugänglichkeit. Jeder Mensch kann sich dank Chat GPT selbst von den Fähigkeiten einer aktuellen KI-Software überzeugen lassen.

KI im UX-Design

Wenn wir bei der Künstlichen Intelligenz nun von einer ähnlichen Entwicklung wie dem iphone ausgehen, lassen sich viele Potenziale und Risiken in Gedankenspielen skizzieren. Davon bleibt natürlich auch das UX Design nicht unberührt. Schon seit Jahrzehnten wird erfolglos versucht die User Interfaces von Unternehmensanwendungen (UI Design) durch Definitionen von Prozessen und Datenmodellen automatisch zu generieren. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz kann dieses Vorhaben in Zukunft für normale Anwendungen in Verbindung mit bestimmten Frameworks tatsächlich gelingen.

Sollten sich UX-Designer also bereits nach einem neuen Arbeitsplatz umschauen? Die eindeutige Antwortet lautet: Nein. UX Design erfordert menschliche Empathie, Kreativität und Überlegungen zu Ethik und Verantwortung, die von Künstlicher Intelligenz nicht vollständig nachgeahmt werden können. Die Künstliche Intelligenz ist eher als weiteres Werkzeug im Baukasten eines UX-Designers zu verstehen. So lassen sich bei der Analyse von Daten oder der Automatisierung von Aufgaben Vorteile aus einer KI-Software schöpfen. Dabei bleibt es jedoch wichtig, dass das Designkonzept und die endgültige Umsetzung von Menschen kontrolliert und überwacht werden. Die Künstliche Intelligenz wird uns UX-Designer in Zukunft also unterstützen, aber nicht ersetzen.

Dieser Artikel ist übrigens von einem Menschen geschrieben.

Hamburg: Modellregion für Mobilität

Die Sicht eines Hamburgers

Die Hansestadt-Hamburg ist bereits für einige Merkmale bekannt: die vielen Brücken, die Elbphilharmonie, das klassische Moin Moin – als Hamburger sind mir diese Dinge natürlich sehr vertraut. Nun erlangt die Hansestadt eine weitere Besonderheit dazu. Hamburg wird zur „Metropol-Modelregion Mobilität“. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde von Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing und Hamburgs Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks Ende letzten Jahres unterzeichnet. Doch was bedeutet das für uns Hamburger eigentlich?

Verkehr der Zukunft ist digital und autonom

Eines der Projekte im Zuge der „Metropol-Modellregion Mobilität“ in Hamburg ist das autonome Fahren. Bis 2030 sollen 10 000 autonome Fahrzeuge auf den Straßen Hamburgs unterwegs sein. Um eine autonom fahrende Sammeltaxi-Flotte in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren, arbeitet die Stadt mit Volkswagen und Sammeltaxi-Anbieter Moia zusammen. Bereits dieses Jahr soll es erste Erprobungsfahrten in den Stadtteilen Uhlenhorst und Winterhude geben. Martin Röhrleef, Verkehrsexperte für autonomes Fahren, bezeichnet die Zielsetzung des Projektes gegenüber dem Hamburg Journal als ambitioniert, aber auch realistisch.

Digitalisiertes urbanes Mobilitätssystem

Des Weiteren ist in Hamburg der Einsatz einer digitale Verkehrslenkung sowie autonom fahrender LKWs geplant, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Langfristig soll in Hamburg ein neues, digitalisiertes urbanes Mobilitätssystem entwickelt werden, das in ganz Deutschland die Grundlage für entsprechende Konzepte bietet. Volker Wissing lobt das experimentierfreudige Klima für neue Mobilitätsformen in Hamburg und sagt: „Angesichts zunehmender Verkehre brauchen wir mehr denn je neue Technologien, um Mobilität klug zu lenken und die bestehende Infrastruktur effizient zu nutzen.“ Ein weiterer Baustein der Modellregion für Mobilität ist die Bewerbung um die Ausrichtung des UITP-Weltkongresses. Mit der zugesagten Unterstützung des Bundes könnte die internationale Messe für den ÖPNV 2025 oder 2027 in Hamburg stattfinden. Weitere mögliche Projekte sollen in den nächsten Schritten herausgearbeitet werden.

Kritik vom ADFC

Kritik zur Modelregion gibt es indes vom Fahrrad-Club ADFC. Das autonome Fahren konterkariere die Verkehrswende. Statt fahrerlose Autos sollten der Umweltverbund aus öffentlichem Nah-, Rad- und Fußverkehr priorisiert werden, so ADFC-Sprecher Dirk Lau. Trotzdem bleibt zu konstatieren: Die Digitalisierung und Automatisierung des Verkehrs ist ein wichtiger Bestandteil einer fortschrittlichen Mobilität. Die Metropol-Modellregion Mobilität ist ein sinnvoller Schritt, um unsere schöne Hansestadt als Pionier der Mobilität zu positionieren. Gleichzeitig ist die Kritik des ADFC berechtigt. Die Lösung scheint einfach wie offensichtlich: Weitere Projekte der Modellregion für Mobilität sollten sich auf intelligente Lösungen beim Rad- und Fußverkehr fokussieren. So kann Hamburg in Zukunft für deutsche Städte in allen Bereichen als Vorbild der Mobilität gelten.