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Mit Struktur-Aufstellungen an Mental Models der digitalen Transformation herankommen

Viele unserer Entscheidungen basieren auf Überzeugungen und Vorstellungen, die nicht mehr hinterfragt werden und an die man ohne tiefes Bohren auch nicht herankommt. Solche verfestigten inneren Bilder, auch Mental Models genannt, faszinieren mich schon seit Langem. Als Zukunftsforscher war es eine meiner Hauptaufgaben solche inneren Bilder ins Wanken zu bringen, damit Entscheider in ihren Organisationen breiter über Zukunft nachdenken können. Als Berater in Strategie-, Innovations- oder Organisationsdesigns-Projekten bin ich heute bemüht, diese verfestigten Annahmen und Hypothesen zu hinterfragen, um mehr Gestaltungsoptionen zu erschließen. Ich möchte Euch heute ein Tool vorstellen, mit dem man auf schnelle und lockere Art an solche Mental Models herankommt: Struktur-Aufstellungen.

Wie ich Aufstellungen neu entdeckt habe

Aufstellungen sind für uns natürlich ein total gängiges Werkzeug. Allerdings nutzen wir in der Regel soziometrische Anordnungen im Raum. D.h. Teilnehmer stellen sich nach Alter, Unternehmenszugehörigkeit oder der Reise-Distanz ihres nächsten Urlaubs auf. Bei den Aufstellungen, um die es in diesem Artikel geht, schlüpfen die Teilnehmer in eine bestimmte Rolle. Sie nehmen die Sicht von Akteuren ein oder repräsentieren Kräfte eines Feldes. Darüber bekommen sie  einen anderen Zugang zu einem Team, ihrer Organisation oder einem Thema.

Der Digital Transformation Club

Konkret habe ich tolle neue Aufstellungen über meine Mitwirkung beim Digital Transformation Club der Good School gemacht. Wer sich fragt, was dass denn nun wieder für ein Club ist: Der DTC ist eine Lerncommunity für Digitalverantwortliche, die ich für die und mit der Good School in den letzten Monaten konzipiert habe und moderiere. Die Teilnehmer kommen für drei Module a drei Tagen zusammen, um sich auszutauschen, gegenseitig ihre eigenen Themen zu bearbeiten und spannenden Input zu bekommen. Die Arbeit mit jeweils einem Dutzend Experten und ebenso vielen Digitalverantwortlichen aus Unternehmen macht wahnsinnig Spaß und hat mich sehr inspiriert. Das Thema Aufstellungen kam gleich mehrmals ganz unterschiedlich zum Einsatz und hat den Teilnehmer sehr geholfen, tief in das Thema einzusteigen.

1. Persona-Aufstellung

Persona-Aufstellungen sind eine schöne Möglichkeit, sich schnell Zielgruppen zu erschließen. Im Digital Transformation Club hat Caspar Siebel diese Aufstellung im Rahmen einer Design Thinking Session gemacht. Caspar hat einen Teilnehmer gebeten, eine Zielgruppe für seinen Fall zu nennen und ihn in die Rolle dieser Persona schlüpfen zu lassen. In unserem Fall war das eine Café-Besitzerin.

Dann hat Caspar gefragt, was der Café-Besitzerin wohl wichtig ist. Alle Teilnehmer des DTC haben sich etwas überlegt. Es kamen Nennungen wie „Kaffee“, „Kunden“, „Gewinn“,„Barista“ …  Jede Teilnehmerin hat dann eine Nennung verkörpert. Caspar fragte den Café-Besitzer, wie wichtig ihm das Thema wohl sei? Und wie wichtig im Verhältnis zu anderen vorhandenen Elementen. Alles was wichtig war, wurde nah an ihn heran gestellt. Zudem hat er gefragt, wie die verschiedenen Items zueinander stehen in Bezug auf Wichtigkeit. Nach und nach kamen viele wichtige und unwichtige Dinge zusammen und wir hatten sehr schnell ein erstes grobes Bild, wie wir uns die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse vorstellen. Das war eine klasse Sache, um schnell erste Hypothesen für die Persona-Bildung zu entwickeln.

Persona-Aufstellung

2. Haufe-Quadrant

Stephan Grabmeier hat vier Teilnehmer im Haufe-Quadranten aufgestellt und die übrigen Teilnehmer beobachten und zuhören lassen. Der Haufe-Quadrant ist ein Tool, das vier Unternehmenskulturen aufzeigt und hilft, sich und sein Unternehmen besser zu verorten. Da Stephan zu dem Thema einen Gastbeitrag bei uns schreiben wird, führe ich das Thema hier nicht weiter aus.

3. Struktur-Aufstellung

Im Modul „Organisation“ habe ich mit den Teilnehmern eine Struktur-Aufstellung zum Thema Digitale Transformation gemacht. Mit dieser Aufstellung von 30 Minuten wollte ich einerseits die Inhalte der letzten beiden Tage rekapitulieren lassen und andererseits„Mental Models“ zur digitalen Transformation aufzeigen. Gerade digitale Transformation ist im Sprachgebrauch ein ziemlich leerer Container. Judith Muster von Metaplan sagte es so treffend: „Meint jemand damit die digitale Revolution durch Technologien und Start-Ups oder geht es um die Digitalisierung der Personalakte, also ganz konkreter Aufgaben und Prozesse?“

Die Vorbereitung

Als „Aufstellungsleiter“ habe ich im Vorfeld zwei Spannungsfelder mit jeweils zwei Polen ausgewählt. Die Pole sind: Vision vs Umsetzung & langfristig vs kurzfristig. Zudem habe ich eine Reihe von Akteuren und Programmen aus dem Kontext der digitalen Transformation eines Unternehmens bereits vorgegeben. Diese Elemente kann man selbstverständlich auch gemeinsam mit den Teilnehmern sammeln. Ich habe das angesichts knapper Zeit vordefiniert.

Struktur-Aufstellung digitaleTransformation

Schritt 1: Aufstellerin wählen

Im ersten Schritt ging es darum eine Person auszuwählen, die die verschiedenen Elemente aufstellt und damit ihr eigenes Mental Model exponiert.

Schritt 2: Items auswählen und verteilen

Bei einer Aufstellung wird jedes Element der Aufstellung durch eine Person repräsentiert. Exklusive der Aufstellerin waren wir 13 Pesonen. Repräsentantinnen für die vier Pole sowie für die digitale Transformation musste die Aufstellerin in jedem Fall nehmen. Aus den übrigen Elementen konnte die Aufstellerin wählen, welche sie nimmt und welche sie weglässt.

Nachdem sie ihre Wahl getroffen hat, hat sie die Themen Personen zugeordnet und sie so zu Repräsentanten der jeweiligen Aspekte (Akteure und Programme) gemacht.

Struktur-Aufstellung DigitalTransformationClub

Schritt 3: Aufstellen im Raum

Die Aufstellerin hat dann die verschiedenen Repräsentanten im Spannungsfeld zwischen Vision-Umsetzung und kurz-/langfristig aufgestellt. Dabei zählten einerseits die räumliche Position und andererseits die Blickrichtung. Aber: Position sticht Blickrichtung. D.h. es ist wichtiger, wo eine Person steht, als was sie in den Blick nimmt bzw. aus den Augen verliert. Nach ein paar Minuten waren alle Repräsentanten aufgestellt und die Aufstellerin hat noch einmal kurz ihre Aufstellung gecheckt.

Schritt 4: Reinfühlen

Ich forderte die Repräsentanten auf, sich in ihre Rolle einzufühlen, sich im Spannungsfeld zu orientieren und habe sie dann gebeten zu schauen, wie sie ihre eigene Position im Verhältnis zu den übrigen empfinden. Wie immer war die größte Schwierigkeit, die Ruhe und Stille kurz auszuhalten und nicht zu reden und zu witzeln.

Schritt 5: Repräsentanten sprechen lassen

Nun habe ich die Stellvertreter gefragt, wie sie sich fühlen und inwiefern jemand intensive Gefühle verspürt. Zuerst sagte der „Kunde“: „ich fühl mich hier total unwohl und bin aus meiner Sicht total an der falschen Stelle. Ich will hier weg.“ Dann sprudelte es aus dem Datenschutz heraus: „Ich fühl mich total wohl hier im Rücken des Betriebsrats. Ich hab hier alles gut im Blick und bin mitten im Geschehen.“ Und so ging das weiter. Es war sehr erheiternd und aufschlussreich zugleich.

Struktur-Aufstellung Digital Transformation Club

Im nächsten Schritt habe ich die Pole der Spannungsfelder befragt und auch die hatten spannende Perspektiven und Sichtweisen anzubieten. So sagte der Repräsentant der Langfristigkeit: “Für mich ist das alles komisch, die sind alle so weit weg. Die digitale Transformation kann ich nicht mal sehen bei all dem Gewusel und die digitalen Produkte und Services auch nicht.”

Schritt 6: Aufstellerin interviewen

Ich habe die Aufstellerin dann um ihr Feedback und ihre Einschätzung gebeten und sie gefragt, was die Rückmeldungen mit ihr machen. Anschließend habe ich sie gefragt, ob sie Positionen verändern wollte. Was die Aufstellerin dann auch tat.

Schritt 7: Aufstellung anpassen

Die Aufstellerin hat dann Ihr Arrangement ein wenig verändert. Der zentrale Repräsentant – die digitale Transformation – wurde komplett neu aufgestellt und ausgerichtet. Der IT-Leiter blieb irgendwie zwischen Vision und Umsetzung verloren, bis auch er ein finale Position fand: die Umsetzung fest im Blick und den Betriebsrat und Datenschutz im Nacken. Nur der Kunde wurde (aus vermeintlich guten Gründen) nicht verrückt – und blieb solange unzufrieden, bis wir ihm abschließend gestatteten sich dorthin zu stellen, wo er sich wohl fühlt: zwischen „Umsetzung“ und „kurzfristig“ und in direkter Nähe zu den digitalen Produkten und Services.

Schritt 8: Reflektieren

Die Teilnehmer sprangen dann aus ihren Rollen  und wir haben gemeinsam über das Ergebnis der Struktur-Aufstellung gesprochen und was uns daran aufgefallen ist. Dabei war auch interessant, welche der vorgegebenen Elemente die Aufstellerin nicht gewählt hatte. So spielten in dieser konkreten Aufstellung die Aspekte “Digitalstrategie”, der “CFO” oder die “Mitarbeiter” keine Rolle und wurden von der Aufstellerin nicht ausgewählt. Das korrespondierte perfekt mit dem Setting der Aufstellerin.

Mein Fazit zu Struktur-Aufstellungen

Die Teilnehmer hatten viel Spaß und waren sehr ausgelassen. Alle haben sich unglaublich schnell in ihre Rollen eingefunden. Sie berichteten, dass die Aufstellung als Repräsentant unmittelbar auf ihr Erleben gewirkt hat und sie die Rolle förmlich gespürt hätten. Ich gehe bestärkt und inspiriert aus dieser Übung, werde mich weiter mit dem Thema beschäftigen und schauen, wo ich es mal wieder untergebracht bekomme.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Struktur-Aufstellungen gemacht?

Wir freuen uns zu hören, wie Ihr so etwas angeht, was gut funktioniert und was total gefloppt ist.

 

Bei der Vorbereitung haben mir ein paar Quellen sehr geholfen und mich inspiriert:

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Workshop-Ergebnisse sichern: 9 Foto-Protokoll-Alternativen

In Workshops geht es immer um Ergebnisse. Aber bei Workshops denkt jede und jeder an die teilnehmenden Personen, die Vorbereitung, an Tools oder Locations. Dabei übersieht man leicht, wie wichtig es ist, dass die Workshop-Ergebnisse gut gesichert werden. Der erste Impuls lautet immer: Foto-Protokoll. Dabei gibt es so viel mehr spannende Formen und Medien, Ergebnisse aufzubereiten und weiterzuentwickeln. Aber sie erfordern, Workshops anders zu planen und durchzuführen. Um solche Foto-Protokoll-Alternativen geht es in diesem Artikel.

Aber langsam!

Bevor es in die Alternativen geht, stelle ich kurz das Foto-Protokoll als Basis-Variante vor, wie man Workshop-Ergebnisse sichert. Mir sind insgesamt neun Alternativen dazu eingefallen, die ich mit ihren Vor- und Nachteilen jeweils kurz vorstellen möchte. Für jede Variante gibt es außerdem noch ein zwei Beispiele aus der Praxis.

Das Foto-Protokoll und die 9 Alternativen im Überblick

Das Foto-Protokoll

Workshop-Ergebnisse sichern: Foto-Protokoll

Wie der Name schon sagt: Ein Foto-Protokoll besteht aus Fotos aller Ergebnisse. Nicht mehr und nicht weniger. Als Moderator fotografierst Du die Poster, die Ihr erstellt habt, stellst die Fotos der Arbeitsergebnisse zusammen und machst sie den Teilnehmern im Nachgang zugänglich. Wenn Du die Fotos mit dem Smartphone machst, kannst Du Apps wie Office Lens oder ScannerPro nutzen. Die beschneiden das Foto automatisch am Rand und korrigieren die Winkel. Das sieht gleich deutlich besser aus.

Vorteile

Nachteile

Teilnehmer können sich an den Diskursverlauf erinnern und idealerweise auch Argumente nachvollziehen.

Es ist anstrengend, Foto-Protokolle nachzulesen. Sie werden kaum genutzt und verschwinden ungelesen in der (virtuellen) Schublade

Das Foto-Protokoll lügt nicht. Es gibt im Nachgang keinen Zweifel daran, ob bestimmte Dinge im Workshop wirklich so besprochen worden. Was auf dem Poster steht, ist im Workshop diskutiert worden.

Wer nicht teilgenommen hat, versteht die Ergebnisse in der Regel nicht. Wer andere über die Workshop-Ergebnisse informieren muss oder Zustimmungen einholen muss, kommt mit einem Foto-Protokoll nicht weiter.

Ein Foto-Protokoll ist die erwartete Inklusiv-Leistung. Es erfordert wenig Aufwand und verursacht keine Kosten. Denn aufwändigere Ergebnissicherungen sind häufig der erste Streichkandidat in einer Budget-Verhandlung.

Es ist oft schwierig, das Handschriftliche zu entziffern. Egal wie häufig man die Teilnehmer während des Workshops darauf hinweist, leserlich zu schreiben.

Es lässt sich schnell erstellen. Ein Foto-Protokoll kann spätestens am nächsten Tag bei den Teilnehmern sein.

Das gepimpte Foto-Protokoll: Wenn Du etwas mehr als ein reines Foto-Protokoll bieten willst, fotografierst Du nicht nur Workshop-Ergebnisse, sondern hältst auch viele Momente, Stimmungen und Personen fest. Schließlich sind Workshops ja immer auch soziale Zusammenkünfte. Damit das gelingt, musst Du in der Moderation entsprechend Freiräume haben, solche Fotos machen zu können. Da wir immer zu zweit moderieren, kann meistens eine Person immer mal wieder auch Fotos machen. Für tolle Stimmungsbilder in Räumen mit schwierigen Lichtverhältnissen empfiehlt sich eine gute Kamera mit Weitwinkelobjektiv. Valentin hat dafür profimäßiges Equipment – vom großen Besteck bis zur transportableren Lösung (Kamera mit Objektiv). Für besondere Bilder kannst Du Dir auch so eine tolle 360° Kamera holen. Wir haben z.B. die Tetha S von Ricoh. Die Fotos bearbeitest Du hinterher mit Filtern, verpasst ihnen einen einheitlichen Look und integrierst sie ins Protokoll oder machst ein eigenes Dokument daraus.

9 Alternativen zum Foto-Protokoll

Foto-Protokolle sind eine gute Basis-Variante, um Workshop-Ergebnisse zu übergeben. Es gibt aber durchaus andere Formen, die Ergebnisse von Workshops und Arbeitssessions anschlussfähig zu machen. Einige davon haben wir hier zusammengestellt. Mit Ausnahme der ersten und der letzten basieren die Dokumentationsformen auf anderen Medien. Wie immer geht es hier nicht um Vollständigkeit und wir freuen uns sehr, wenn Du über Kommentare oder E-Mails andere Foto-Protokoll-Alternativen ergänzt. So könnte Stück für Stück eine Sammlung zustande kommen, von der alle Interessierten profitieren. Für den Anfang kommen schon mal einige Kollegen zu Wort, denen ich an dieser Stelle sehr für ihren Input danken möchte: Anja Ebers von Akanto, Svenja Hofert von Teamworx bzw. Karriere & Entwicklung, Kai Matthiesen von Metaplan, Judith Scholten und Ole Keding von Pilot sowie Sonja Hörster und Jascha Rohr vom Institut für Partizipatives Gestalten.

Natürlich lassen sich viele dieser Ergebnissicherungsvarianten auch miteinander kombinieren. Du kannst das Foto-Protokoll ergänzend zu einer Präsentation nutzen. Oder Artefakte als Teil einer Ausstellung. Du kannst die intensive Planung nächster Schritte im Workshop vollziehen und einen digitalen Projektraum für das Team eröffnen. Und und und.

Alternative 1: Keine Dokumentation

Workshop-Ergebnisse sichern: Keine Dokumentation

Warum soll man sich die Mühe machen ein Foto-Protokoll zu produzieren, das ohnehin keiner liest? Wäre es nicht viel schlauer, alle Anschluss-To-Dos direkt schon im Workshop anzugehen, zu definieren und zu terminieren? Statt Foto-Protokoll gibt es eine zusätzliche intensive Session zu nächsten Schritten. Gerade die sofortige Vereinbarung von Follow-Up-Meetings und Terminierung von kleineren Arbeitstreffen führt sofort zu einem Realitätscheck.

Vorteile

Nachteile

Fokus liegt darauf, schnell ins Handeln zu kommen.

Die Ergebnissicherung leidet. Es wird schwierig sich im Nachhinein auf die gemeinsam entwickelten Ziele zu berufen, weil sie nicht festgehalten sind.  

Die Gefahr, dass Dinge verpuffen und Teilnehmer zurückrudern, ist deutlich geringer.

Die Vorgehensweise erfordert zusätzliche Zeit für die detaillierte Konkretisierung

Das Vorgehen lässt sich gut mit anderen Dokumentationsformen kombinieren.

Es funktioniert nur, wenn die Teilnehmer Dinge tatsächlich entscheiden können und handeln wollen.

Darf ich Sie zum Tanz bitten? Kai Matthiesen von Metaplan erzählte mir von sogenannten “Tanzkarten”. Jeder bekommt zum Ende des Workshops solche Karten. Auf zwei (oder mehr) Karten pro To-Do trägt jede Teilnehmerin ein, was sie zu tun hat. Eine Version behält sie für sich. Die zweite Version geht an eine Person, auf dessen Mitarbeit die Teilnehmerin angewiesen ist. Idealerweise werden dann auch gleich Termine vereinbart.

Bei einem Team-Workshop mit 25 Teilnehmern haben wir die Teilnehmer mal in Paaren individuelle Ziele definieren und als Briefe aneinander aufschreiben lassen. Diese Paar-Briefe, die sich die Teilnehmer gegenseitig geschrieben haben, haben wir ihnen dann nach 100 Tagen zukommen lassen. So konnte alle 25 Anwesenden überprüfen, wo sie nach drei Monaten stehen. Über die Paar-Konstellation kam zudem etwas Gruppendynamik hinzu, um sich ernster mit den Zielen zu beschäftigen.

Alternative 2: Ergebnisposter

Workshop-Ergebnisse sichern: Ergebnisposter

Am Ende des Workshops oder im Nachgang entwickelt man 1-3 Poster mit den zentralen Ergebnissen, Entscheidungen und To-Dos. Du stellst diese Poster den Teilnehmern zur Verfügung. Wenn sich so ein Ergebnisposter von einem reinen Wer-macht-was-bis-wann-Poster abheben soll, kannst Du es schön visuell gestalten. Denn Du willst ja, dass die Teilnehmer im Anschluss damit arbeiten, sie in ihrem Büro oder Projektraum aufhängen oder die Workshop-Ergebnisse anderen Stakeholdern vorstellen (z.B. Geschäftsführung, Team, Communities of Practice, …). Wenn Du so ein Poster live mit Teilnehmern im Workshop entwickelst, musst Du dafür wie bei einer Wer-macht-was-bis-wann-Übung mindestens 45 Minuten einplanen. Erstellst Du das Ergebnisposter im Nachgang, kannst Du Deine volle Visualisierungskraft und Materialverspieltheit ausleben. Du kannst statt eines Posters natürlich auch ein Flip-Chart oder eine Flip-Chart-Alternative nutzen.

Vorteile

Nachteile

Hohe Übersichtlichkeit und Fokussierung auf das Wesentliche

Ungeeignet, wenn es um eine Fülle an Ergebnissen geht

Ergebnisse bleiben sichtbar. Ergebnisposter werden häufig im Büro oder Projektraum der Auftraggeber aufgehängt.

Der Diskursverlauf wird nicht festgehalten. Es ist für Außenstehende nicht ersichtlich, wie die Teilnehmer zu den Ergebnissen gekommen sind.

Du kannst mit gut aussehenden Postern punkten

Mit Bildern und Metaphern Frieden stiften: Svenja Hofert erzählte mir, dass sie in ihren Gruppenarbeiten Ergebnisse mit Bildern und/oder Leitsprüchen verankert. Die Teilnehmer suchen also zu jedem zentralen Ergebnis noch ein einprägsames Bild. Dadurch werden Ergebnisse besser erinnert und erodieren hoffentlich weniger stark in der alltäglichen Betriebsamkeit.

Im Oxford Scenarios Programme war es ebenfalls gängige Praxis, für die 2-5 Szenarien einprägsame Metaphern und Bilder zu finden. Ein Beispiel für solche Szenario-Namen aus dem Projekt Destino Columbio gibt es hier. Das Szenario-Projekt, das Juan Manuel Santos zusammen mit Adam Kahane Ende der 1990er Jahre durchgeführt hat, war der Startpunkt für den Friedensprozess in Kolumbien und ein wichtiges Leitmotiv für die Beendigung des 52-jährigen Bürgerkriegs.

 

Alternative 3: E-Book

Workshop-Ergebnisse sichern: E-Book

Smartphones und Tablets sind heute ständige Begleiter vieler Menschen. PDFs mit vollgeschriebenen Workshop-Postern lassen sich darauf nicht gerade komfortabel lesen. Wer also eine Dokumentationsform sucht, die der Mediennutzung unserer Zeit entspricht, könnte beim E-Book fündig werden. Das erfordert natürlich, dass Du die Ergebnisse zunächst niederschreibst, strukturierst und zumindest minimal gestaltest.

Vorteile

Nachteile

Du bist kompatibel zu den Endgeräten der Teilnehmer und deren Vorgesetzten und passt Dich deren Online-Nutzung an.

Aufwand: Du musst die Ergebnisse transkribieren, bearbeiten und gestalten.

Kein nerviges Vergrößern und Verkleinern auf mobilen Bildschirmen (wie z.B. bei einem PDF)

Es ist umständlich, mit den Inhalten eines E-Books weiterzuarbeiten, sie zu drucken, in Präsentationen zu überführen oder Ähnliches.

Das Event-Erlebnis auf den Rückweg ausdehnen: Eine fluffige, wenn auch aufwändige E-Book-Variante hat Claudia Brückner unlängst in einem Gastartikel bei uns vorgestellt. Dort wurde die Dokumentation einer Konferenz so angelegt, dass Teilnehmer und Experten eine schön gestaltete E-Book-Publikation (ePub) am Ende des Events zugesandt bekamen. So konnten die Veranstalter das Event-Erlebnis auf die unmittelbare Zeit danach und den Rückweg ausdehnen und die Teilnehmer die Ergebnisse direkt mit auf Heimweg nehmen.

 

Alternative 4: Video-Protokoll

Workshop-Ergebnisse sichern: Video-Protokoll

Wer häufig mit Inszenierungen, Prototyping oder der Lego Serious Play Methode arbeitet, kennt diese Dokumentationsform bestimmt. Man filmt zentrale Passagen. Dafür müssen die Teilnehmer ihre Ergebnisse so vorbereiten, dass sie sie in einem vorgegebenen Zeitfenster präsentieren können. Anja Ebers, die ihre Lego-Serious-Play-Sessions entsprechend aufnimmt, empfiehlt 3 Minuten als eine gute Länge pro Video. Das zwingt die Teilnehmer sich zu fokussieren.

Vorteile

Nachteile

Die Kamera und die begrenzte Aufnahmedauer zwingen zu einer besonderen Fokussierung

Videos zeigen Personen und den genauen Wortlaut. Das kann mitunter heikel sein.

Geringer Aufwand, da jedes Smartphone ausreichend gute Videos macht

Ggf. müssen die Videos bearbeitet werden (einheitlicher Vorspann, kleinere Datei-Größe, …)

Das Ambiente des Workshops wird mittransportiert

Videos sind nur für die Teilnehmer interessant. Sie sind nur bedingt tauglich für Mitarbeiter, Chef-Chefs oder sonstige externe Stakeholder.

Überraschungs-Effekt im Workshop. Die wenigsten Teilnehmer rechnen damit, für die Präsentation von Ergebnissen gefilmt zu werden.

Videos sind nicht direkt anschlussfähig. Teilnehmer müssen diese verschriftlichen, um sie in ihren Alltag zu übersetzen.

Videos sind nicht veränderbar oder editierbar. Teilnehmer können sie später nicht ergänzen oder damit weiterarbeiten.

Wenn die Teilnehmer selbst die Dokumentation machen: Anja hat zudem ein schönes Format für Großgruppen vorgestellt, um Freiwillige zu Kamerafrauen und -männern zu machen. Dafür fragt man vor oder zu Beginn der Veranstaltung, wer Lust hätte, wichtige und besondere Momente per Video festzuhalten, Teilnehmer zu interviewen und Stimmungsbilder einzufangen.

 

Alternative 5: Digitale Projekträume

Workshop-Ergebnisse sichern: digitale Projekträume

Bei dieser Foto-Protokoll-Alternative bringst Du die Workshop-Ergebnisse in die virtuellen Arbeitsumgebungen Deiner Auftraggeber. Dafür nutzt Du z.B. ein virtuelles Whiteboard wie Mural. Du kannst entweder direkt im Workshop schon auf so einem virtuellen Whiteboard die Ergebnisse mitschreiben und visuell anordnen. Oder Du räumst die Ergebnisse im Nachgang auf, ergänzt die Dinge, die noch fehlen (z.B. weil sie auf Arbeitsbögen stehen) und lädst die Teilnehmer ein.

Vorteile

Nachteile

Du schaffst einen virtuellen Ort, an dem die Teilnehmer ko-kreativ weiterarbeiten können

Teilnehmer, die es nicht gewohnt sind, in digitalen Projektumgebungen zu arbeiten, werden das wahrscheinlich nicht nutzen.

Du bringst die Ergebnisse in einen Modus der Weiterbearbeitung.

Virtuelle Projektumgebungen in der Cloud können für hochsensible Themen ungeeignet sein

EIn digitaler Projektraum lässt sich bereits  im Workshop zur Visualisierung nutzen

Wenn Du nicht schon im Workshop alles in den digitalen Projektraum bringst, erfordert es etwas Aufwand, alle zentralen Inhalte in die Projektumgebung zu bringen.

Digitales Projektmanagement x Foto-Protokoll: Judith Scholten und Ole Keding von der Media-Agentur Pilot berichteten kürzlich, dass sie die To-Dos aus ihren Foto-Protokollen in ein Board der Projektmanagement-Software Trello überführen (lassen). Damit werden die Ergebnisse direkt als internes Projekt aufgesetzt. Man kann To-Dos terminieren, Verantwortliche benennen, kommentieren und vieles mehr.

 

Alternative 6: Artefakte

Workshop-Ergebnisse sichern: Artefakte

Je stärker Du ko-kreativ arbeitest und Deine Teilnehmer Objekte, Modelle, Prototypen bauen oder Pläne gestalten lässt, desto visueller und haptischer werden auch die Ergebnisse. Du kannst solche Artefakte daher auch als Anker für die Workshop-Ergebnisse nutzen. Sie lassen sich gut in Räumen ausstellen (z.B. in Büros, Meetingsräumen, Fluren, Foyers, …). Sie dienen den Workshop-Teilnehmern als Erinnerung und Mitarbeitern und Stakeholdern als Inspiration und bieten Gesprächsanlässe. Anders als bei einer Verankerung von Ergebnissen durch Bildern sind die Artefakte aber selbst Workshop-Ergebnisse und kein reines Vehikel.

Vorteile

Nachteile

Das Denken mit den Händen wirkt bei den Teilnehmern stark nach. Ein gemeinsames Artefakt hat eine hohe Erinnerungskraft.

Artefakte sind nicht explizit. Man kann sich nicht auf etwas Niedergeschriebenes verlassen.

Mit einem Objekt, Modell, … lassen sich Ergebnisse einfacher anderen vorstellen und näherbringen.

Artefakte sind vage und nicht konkret. Wie genau, etwas getan werden soll, können sie nicht vermitteln

Oft entstehen kleine Kunstwerke, die gern unternehmensintern “ausgestellt” werden.

Modelle, die begeistern: Im Rahmen eines Innovationsworkshops von uns haben die Teilnehmer für die wichtigsten Konzepte tolle Modelle mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien gebaut. Diese Modelle waren für die Teilnehmer so wichtig, dass sie diese unbedingt in ihrem Büros aufstellen wollten und die Konzepte intern daran vorstellen wollten. Mit dem Effekt, dass Dirk einige seiner antiken Lieblingslego-Figuren abhanden kamen. Upsi!

 

Alternative 7: Physische Projekträume

Workshop-Ergebnisse sichern: Physischer Projektraum

Häufig finden Workshops zu Beginn eines längerfristigen Projekts statt, um die verschiedenen Akteure zusammenzubringen und Mitstreiter aufeinander einzuschwören. Damit das Projekt auch einen Ort hat, an dem die Mitglieder gemeinsam daran arbeiten können, werden häufig Projekträume eingerichtet. Neben möglichem Interior und nötigen Materialien sollen in solchen Räumen immer auch Ergebnisse ausgestellt werden. Das Projekt-Team will in solchen Räumen nicht nur arbeiten, sondern anderen auch zeigen, woran sie arbeiten, wo sie gerade stehen, welche Erfolge es schon gab oder ähnliches. Von daher empfiehlt sich für so einen Projektraum in jedem Fall der Übertrag der Workshop-Ergebnisse auf ein Kanban-System (To-Do, Doing, Done).

Vorteile

Nachteile

Du überträgst Workshop-Ergebnisse direkt in eine neue Arbeitsumgebung der Verantwortlichen

Räume zu bekommen, ist in vielen Unternehmen mit bürokratischen Hürden und Zustimmungen verbunden. Zudem sind Räume in vielen Unternehmen knapp.

Alle (zentralen) Ergebnisse können längerfristig sichtbar bleiben. Man muss nicht alles auspacken und aubauen und hinterher wieder wegräumen.

Heikle, vertrauliche oder geheime Ergebnisse sind ggf. nicht “sicher” vor den Blicken anderer.

Das Team hat einen gemeinsamen Ort zum Arbeiten und für Projekttreffen. Ein Raum schafft zusätzlichen Fokus, Nähe und kurze Wege.

Ja, aber nein: Die Einrichtung eines Projektraums war bei mir das ein um andere Mal Thema und wir haben zumindest in einem Fall das Workshop-Ende noch einmal für eine intensive Konkretisierung eines solchen Projektraums vorgenommen. Leider wurde dieser Raum dann nicht genehmigt. Solch einen Projektraum mitzugestalten würde uns schon sehr reizen. Jake Knapp hat im Zusammenhang mit seinem Buch zu Design Sprints auch etwas geschrieben, wie man Teams hilft, kostengünstige War Rooms aufzusetzen. Zum Artikel!

 

Alternative 8: Ausstellungen

Workshop-Ergebnisse sichern: Ausstellung

Wenn Du eine Fülle unterschiedlicher Ergebnisse, viele stimmungsvolle Bilder und einen Ort hast, kann es sinnvoll sein, diese auszustellen und für andere erfahrbar zu machen. Die Aufbereitung zur Ausstellung erfolgt nicht zwingend eins zu eins. Als Ausstellungsmacher darfst bzw. musst Du Ergebnisse auswählen, ggf. neu sortieren, ergänzen, interpretieren. Dabei ist doppeltes Fingerspitzengefühl gefragt: Einerseits muss man sich an den Interessen und Nutzungsweisen der Ausstellungsbesucher orientieren. Andererseits darf man die Workshop-Ergebnisse nicht zu stark verändern.

Vorteile

Nachteile

Ausstellungen eignen sich gut, wenn die Ergebnisse länger einer größeren Zahl von Menschen zugänglich bleiben sollen

Es ist für die Workshop-Teilnehmer nicht einfach mit den Ergebnissen einer Ausstellung weiterzuarbeiten.

Die Besucher können die Workshop-Ergebnisse und das damit verbundene Ambiente erfahren

Eine Ausstellung richtet sich vorrangig an Nicht-Teilnehmer und fokussiert daher immer darauf, was man von sich zeigen und wie man wahrgenommen werden will.

Du kannst sehr schön Entstehungsprozesse nachzeichnen

Es ist aufwändig, eine gute Ausstellung zusammenzustellen

Man kann eine Vielzahl verschiedener Medien einsetzen: Poster, Fotos, Videos, O-Töne, …

Man muss Ergebnisse verdichten, interpretieren, strukurieren.

Theoretisch möglich: Wir haben bislang noch keinen Kontakt mit Ausstellungen gehabt. Ich kann mir aber vorstellen, dass es solche im Kontext von Beteiligungsverfahren häufiger gibt, um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren.

 

Alternative 9: Präsentation

Workshop-Ergebnisse sichern: Präsentation

Häufig wollen und/ oder müssen die Workshop-Teilnehmer die Ergebnisse anderen vorstellen: z.B. dem Team oder Vorgesetzten. Für viele ist in diesem Fall wichtig, die zentralen Ergebnisse in einer Präsentation aufzubereiten. Diese hat nicht den Anspruch alles wortwörtlich wiederzugeben, sondern konsistent und anschaulich zu sein. Dafür musst Du ggf. die Workshop-Ergebnisse anfassen, Formulierungen gerade ziehen, Teile weglassen, übersichtlicher strukturieren, Erklärung hinzufügen, Visualisierungen ergänzen oder oder oder. Selbstverständlich ist das heikel und bedarf Abstimmungen mit dem Auftraggeber, einem Redaktionsteam (das genau für die Erstellung so einer Strategie-/ Leitbild-/ oder Werte-Bild-Präsentation zusammengestellt wurde) oder wichtigen Stakeholdern. Mit der Präsentationserstellung verlässt Du den Tanzbereich der Moderation und wechselst auf das Gestalter- oder Berater-Parkett. Von daher sind hier auch eigene Interpretationen, Beobachtungen oder Empfehlungen möglich. Diese solltest Du natürlich kenntlich machen.

Vorteile

Nachteile

Workshop-Ergebnisse werden in einen größeren Prozess eingebettet.

Eine gute Präsentation zu machen ist sehr aufwändig

Du bist als Gestalter oder Berater gefragt, musst Interpretationen anbieten und kannst Empfehlungen geben oder eigene Entwürfe anbieten.

Eine Präsentation, bei der Du Neues hinzufügst, ist abstimmungsintensiv

Du kannst eine Vielzahl von Medien einbinden: Fotos, Videos, Visualsierungen, …

Mit so einer Präsentation kann man mehrere Arbeits-Sessions zusammenfassen und ein längeres Projekt zusammenfassen und abschliessen

Partizipativ arbeitende Planer wie z.B. Sonja Hörster und Jascha Rohr vom IPG entwickeln die in Beteiligungsrunden entstandenen visuellen Ko-Kreationen (Bilder, Objekte, Modelle, …) weiter. Sie analysieren die Grob-Entwürfe, führen sie zusammen und entwickeln sie weiter und spielen sie dann zurück an die Beteiligten.

Für ein neues Organisationsdesign haben wir über acht Monate alle acht Wochen mit einem Kunden zu verschiedenen Fragestellungen gearbeitet. Die Ergebnisse haben wir strukturiert, neu formuliert, ergänzt und um ganz eigene Gedanken und Empfehlungen erweitert. Zum Abschluss des Projekts haben wir diese Präsentation vor der Geschäftsführung gehalten.

Was noch zu beachten ist:

Als Moderator ist es meine Aufgabe, das Team, die Gruppe oder die Teilnehmer voranzubringen. Die Frage nach der richtigen Form der Ergebnis-Sicherung ist daher kein Selbstzweck. Von daher mußt Du überlegen, wie sich das Zielpublikum die Ergebnisse am Besten aneignen und selbständig mit den Inhalten weiterarbeiten kann. Und vielleicht löst z.B. ein wunderschön visualisiertes Poster bei Deinen Teilnehmern Hemmungen aus, anschließend selbst ins Arbeiten zu kommen.

Um zu entscheiden, was die richtige Form ist, die Workshop-Ergebnisse zu sichern, brauchst Du ein Verständnis derjenigen, die mit den Ergebnissen weiterarbeiten müssen.

Typische Zielgruppen sind:

  • CEO & Co.: Workshop-Ergebnisse müssen einer hierarchisch höher gestellten Person oder Gremium vorgestellt werden. Nicht selten entscheiden diese, wie es es weitergeht.
  • Die Projektgruppe: Die Workshop-Teilnehmer müssen selbst mit den Ergebnissen weiterarbeiten, sie vertiefen und konkretisieren. Hier geht es um den Übergang in das Projektmanagement oder Tagesgeschäft.
  • Die Mitarbeiter: wie Dirk ja kürzlich ausführte spielt der Flurfunk eine wichtige Rolle. Bei grösseren Veränderungen müssen irgendwann auch alle Mitarbeiter informiert werden.
  • Externe Stakeholder: je stärker man in öffentlichen Prozessen involviert ist, desto wichtiger werden auch sonstige Stakeholder, die nachvollziehen wollen, was Institutionen vorhaben oder wofür sie Geld ausgeben.

Wie Du Workshop-Ergebnisse am Besten sicherst, hängt auch von folgenden Fragen ab:

  • Dokumentation im Workshop erstellen oder im Nachgang?
  • Ergebnisse analog oder digital sichern und aufbereiten?
  • Nur Ergebnisse sichern oder veredeln?
  • Ergebnisse persönlich präsentieren oder eine Datei / Poster übersenden?

Klar ist: Die Art der Ergebnissicherung hat starken Einfluss auf das Workshop-Design.

Wie Ergebnisse aussehen und aufbereitet werden sollen, hängt stark davon ab, wie man im Workshop arbeitet. Idealerweise entwickelst Du also vorher eine Idee, welche Ergebnisse Du bekommen und wie Du sie dokumentieren willst.

Wenn Du weitere spannende Arten kennst, wie man Workshop-Ergebnisse sichern kann, dann hinterlasse uns doch einen Kommentar unter dem Artikel oder auf Facebook oder schreib uns eine Email.

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Kollaboration am virtuellen Whiteboard mit Mural

Wäre es nicht toll, als Team in einem digitalen Projektraum inhaltlich zu arbeiten? An verschiedenen Orten oder zu unterschiedlichen Zeiten? Wäre es nicht ungeheuer effizient, wenn man statt auf Post-Its schnell und einfach auf virtuellen Haftnotizen schriebe? Und was, wenn man auch Fotos und Videos einbauen könnte und medial angereicherte Inhalte zusammenstellen könnte? All das kann Mural – ein virtuelles Whiteboard-Tool für co-kreative Teams, das wir hin und wieder für die Prozessbegleitung und in Workshops einsetzen. Ach, Mural könnte die Herzen im Sturm erobern, wäre da nicht das unattraktive Preismodell.

Ein virtuelles Whiteboard

Mural ist ein digitaler Service, der einem Blanko-Boards (Canvases) bietet. Auf denen kann man allein oder im Team mit virtuellen Post-Its arbeiten und diese frei arrangieren. Ein Doppelklick und das Post-It erscheint auf dem Canvas. Natürlich kann man verschiedenste Post-Its in allen Farben wählen: kleine, große, umrandete, kreisförmige und so weiter. Und Du kannst auch ohne Post-Its auf dem Canvas schreiben, um zum Beispiel Arbeitsbögen oder Tool-Frameworks anzulegen.

Mural läuft über den Browser oder neuerdings auch über eine iPad-App und ermöglicht Dir weitere Teammitglieder hinzuzufügen, die dann zuschauen ergänzen oder editieren können. Genau wie in einem Google-Dokument lässt sich also auch zeitversetzt oder an mehreren Orten gleichzeitig an einem Thema arbeiten, ohne dabei auf die Vorteile visueller Anordnung und Bearbeitung verzichten zu müssen.

Ich bin über Mural durch das supertolle Buch “Mapping Experiences” von Jim Kalbach gestoßen. Jim ist Head of Customer Success bei Mural. Und das merkt man dem Tool auch an. Es macht unglaublich Spaß Mural zu benutzen und das Allermeiste erschließt sich ganz einfach (normalerweise muss mein innerer Schweinehund bei neuer Software erstmal über eine ziemliche Barrikade springen).

Mapping Experiences

Tolle neue Möglichkeiten

Mit so einer als virtuellem Whiteboard getarnten Kollaborationsplattform ergeben sich viele spannende neue Formen, Inhalte mit anderen Personen oder in Teams zu erarbeiten. Einige davon möchte ich nun vorstellen:

A. Schnell Skizzen anlegen

Wie auf einem regulären Whiteboard kannst Du schnell und einfach eine Skizze oder ein Schaubild am virtuellen Whiteboard von Mural erstellen und mit Kollegen oder Kunden teilen. Für die Studie des GWA-Think-Tanks „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“ habe ich zum Beispiel eine grobe Systems-Map erstellt, die zeigt, wie die verschiedenen Themen und Thesen zusammenhängen und sich wechselseitig beeinflussen. Für die Veröffentlichung der Studie hat NameName die Skizze dann hübsch gestaltet. Natürlich spricht auch nichts dagegen, aufwändige Infografiken über Mural anzulegen und zu publizieren. Das habe ich aber noch nie gemacht.

Agentur-Kundenbeziehungen von morgen by Jörg Jelden

Quelle: GWA-Studie „Agentur-Kunden-Beziehungen von Morgen“

B. Schöne Arbeitsvorlagen anlegen

Wenn Du gern mit schönen Arbeitsbögen oder kompletten Tool-Frameworks arbeitest, kannst Du diese toll am virtuellen Whiteboard gestalten, duplizieren, befüllen und auch mit Deinen Teamkollegen oder mit Kunden nach einem Workshop daran weiterarbeiten. In Mural gibt es eine Vielzahl vorhandener Vorlagen und Frameworks, die man benutzen kann. Darunter sind 2×2 Matrix, konzentrische Kreise, der Business Model Canvas oder Empathy Maps. So haben wir etwa unser Template zum Futures Framework in Mural aufsetzen und im Blogbeitrag einbinden können.

Futures Framework by Jörg Jelden

C. Kollaborativ am virtuellen Whiteboard arbeiten

Auch vor oder nach einem Workshop, einem Meeting oder einer Telko kann man wunderbar mit anderen an einem Mural gemeinsam weiterarbeiten. Etwa haben wir das Futures Framework angewandt, um erste Gedanken zum Thema Facilitation of the Future zu sammeln. Dafür haben tollerweise ein paar Moderations-Kolleginnen und -Kollegen ihre Gedanken auf virtuellen Post-Its hinterlassen.

Man kann Mural natürlich auch als Alternative zu Projektorganisations-Tools wie Trello oder Asana nutzen, wenn einem deren starre Bearbeitsweisen nicht liegen und man lieber freier auf einem virtuellen Whiteboad arbeiten möchte. Dafür gibt es bei Mural auch einige Vorlagen wie z.B. ein Kanban-Board. Und auch ein Workshop-Planning-Framework gibt es als Vorlage.

D. Workshops live dokumentieren

Im Rahmen einer Prozessbegleitung, bei der es um die Reorganisation einer Abteilung ging, haben wir eine Session mit Mural live bestritten. Dabei hat Dirk die Session moderiert und ich als Co-Moderator habe das Mural befüllt. Nachdem wir zuvor zwei analoge Materialschlachten gemacht hatten, war die Arbeit mit einem digitalen Tool eine willkommene Varianz in der Bearbeitung, die es mit dem analogen Pendant problemlos aufnehmen konnte. Das hat auch deshalb so gut funktioniert, weil es nur wenige Teilnehmer in dieser Session waren und wir nicht in Kleingruppen gearbeitet haben. Für die Dokumentation mussten wir dann nur noch einmal etwas aufräumen, arrangieren und PDFs exportieren.

E. Projekte dokumentieren

Wenn man Mural für Workshops oder längere Prozesse nutzt, hat man tolle neue Möglichkeiten Sessions, Workshops oder Sprints zu dokumentieren und im Nachgang anzureichern. Man kann in Mural easy-peasy Fotos, Videos und Websites (per Vorschaubild) integrieren. Du kannst also sowohl Stimmungsbilder aus dem Workshop, ein klassisches Fotoprotokoll oder Dokumentationsvideos von Prototypen integrieren als auch ergänzende Links, Moods und Filme im Rahmen von vertiefendem Research einbauen. Alle Inhalte auf der Wand sind zudem kommentierbar, so dass einfach eine Diskussion und Abstimmung über Inhalte auch nach einer Session, einem Workshop oder einem Sprint möglich sind. Und auch Voting-Sessions sind möglich.

 

Pferdefüße

Leider hat Mural auch ein paar Haken, die ich an dieser Stelle nicht verschweigen will.

A. Wenn es ums Geld geht, hört die virtuelle Whiteboard-Freundschaft auf

Um alle Möglichkeiten von Mural ausschöpfen zu können, ist mir Mural leider zu teuer. Als Einzelperson zahle ich $16 im Monat (14,89 Euro gegenwärtig) oder $144 (133,97 Euro) für eine Jahres-Mitgliedschaft. Im Vergleich: Photoshop und Lighthouse kosten 11,89 Euro pro Monat und das Office-Paket von Microsoft kostet mich 7 Euro pro Monat. Evernote berechnet pro Jahr nur 29,99 bzw. 59,99 Euro.

Und bei Mural zahlt man für jedes Teammitglied ebenfalls diese Summe. Bei einem festen Team, das komplett in Mural arbeitete, wäre diese Summe vielleicht ok. Wenn wir aber eine kollaborative Session mit vielen weiteren einmaligen Teilnehmern oder kurzfristigen Kunden machen wollen, müssten wir zumindest für den Zeitraum der Kollaboration oder des Auftrags, sprich mindestens einen Monat, für jede Person, die Input beisteuern soll, zahlen.

Ich würde mir konkret wünschen, mehr Kurzzeit-Kollaborateure umsonst hinzufügen zu können. Trotzdem kann ich Mural auch mit meinem Single-Account gut nutzen. Ich bringe dann alle Whiteboards wie in diesem Artikel in einen View-Modus. Aber die volle Kollaborationsbandbreite steht mir leider nicht zur Verfügung.

B. Wenn man die Papiere zeigen muss

Viele Kunden brauchen Ergebnisse außerhalb guter Software-Tools, und auch hier ist Mural (noch?) nicht besonders gut. Man kann Bilder oder PDFs exportieren. Dafür wird einem aber per E-Mail ein Download-Link geschickt, der fünf Tage gültig ist. Leider lässt diese E-Mail gern mal auf sich warten. Mural sagt selbst, dass einem diese E-Mail innerhalb einer Stunde geschickt wird. Meistens trudelt sie nach 5-10 Minuten ein. Man dreht dann im hektischen Projektalltag Däumchen während man alle zehn Sekunden auf Refresh beim Mail-Provider drückt, nur um zu schauen, ob ein Post-it-Cluster lesbar ist oder die Schriftgröße richtig ist. Das ist wirklich furchtbar nervig.

C. Wenn das Internet mal Schluckauf hat

Mural speichert alles online. Das heißt, Du brauchst stabiles Internet, um arbeiten zu können. Bei einem Workshop in der norddeutschen Pampa war nicht klar, ob das W-Lan im Konferenzraum des Kunden oder unser mitgebrachter W-Lan-Stick wirklich funktionieren würden. Wir brauchten also einen ausgedruckten Plan B.

Das zweite Problem sind schwankende Netzverbindungen wie man sie verrückterweise auch 2017 noch häufig hat. Mural speichert alles immer sofort im Browser. Bricht das Netz weg, sucht die Anwendung ein paar Minuten. Bis dann die Fehlermeldung kommt, dass keine Internetverbindung da ist, arbeitet man munter weiter und verliert darüber die zuletzt getätigten Inputs.  Wenn man wie ich auch gern mal im ICE arbeitet, ist es äußerst ärgerlich, dass es keine Offline-Bearbeitungsform gibt.

Resümee zum virtuellen Whiteboard

Trotz des Preises bin ich von Mural ziemlich begeistert und werde noch weiter damit herumspielen und experimentieren. Es gibt für 30 Tage eine kostenlose Nutzung, die ich sehr empfehlen kann.

Ich werde mir aber auch andere Tools noch mal zum Vergleich anschauen müssen. Aktuell steht da Omnigraffle ganz oben auf der Liste und auch Prezi könnte noch mal einen Blick wert sein. Wenn Du mit Omnigraffle oder Prezi Erfahrungen im Workshop-Kontext gemacht hast, mir eine Schnelleinführung geben magst oder andere Alternativen kennst, hinterlasse uns doch einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail.

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Design Fiction: Wieso man Produkte entwickelt, die keiner kaufen soll

Stell Dir vor, Du liest einen normal anmutenden IKEA-Katalog voller Science-Fiction-Produkte. Oder Du gehst auf eine Messe und an einem Messestand präsentiert ein Unternehmen eine vollkommen neue Lösung, die es (noch) gar nicht gibt. Oder Du besuchst eine Ausstellung, in der nur Prototypen und Objekte ausgestellt sind, die es niemals zu kaufen geben wird. Warum sollte man Dinge konzipieren, die niemals genutzt werden? Das klingt schräg. Ist es auch! Heute geht es um das Thema Design Fiction. Nein, nicht Design Thinking, sondern Design Fiction. Diesen relativ neuen Diskurs-Ansatz möchte ich heute vorstellen.

Objekte aus der Zukunft provozieren neues Denken

Unser Handeln als Einzelpersonen wie auch von Organisationen insgesamt ist stark von Zukunftserwartungen und mentalen Zukunftsmodellen geprägt. Darum ging es ja auch schon im Futures Framework. Sowohl unser persönliches wie auch das organisationale Handeln in der Gegenwart sind zu einem großen Teil von der Hoffnung auf zukünftige Erlöse geprägt. Ich mache X, um morgen Y zu bekommen. Wenn wir Veränderungen bewirken wollen, müssen wir diese Zukunftserwartungen und -bilder verändern und Grundannahmen hinterfragen. Das gilt für Strategie-, Innovations- und Organisationsentwicklungs-Aufgaben gleichermaßen.

Zukunftserwartungen zu verändern und Grundannahmen zu hinterfragen fällt vielen Menschen kognitiv sehr schwer. Deutlich einfacher ist es, irritierende Erfahrungen und Erlebnisse zu machen und so neue Gedanken zu provozieren. Beim Design Fiction erfindet man solche störenden und provozierenden Objekte aus der Zukunft und platziert sie in vertrauten Kontexten. Man kann sich Design Fiction als Science-Fiction-Objekt vorstellen. Aber mit dem Unterschied, dass der Fokus nicht auf der Erfindung einer zukünftigen Welt, sondern auf einem Objekt aus einer möglichen Zukunft liegt. Statt die nächste Black-Mirror-Folge zu schreiben, entwickelt man Objekte, die in einer Black-Mirror-Folge auftauchen könnten. Black-Mirror bleibt trotzdem „Pflicht-Lektüre“.

Design Fiction vs Design Thinking

Damit unterscheidet sich Design Fiction deutlich von anderen Ansätzen wie z.B. Design Thinking. Design Thinking will Innovationen hervorbringen, die am Markt erfolgreich sind. Es geht um Leistungen, die möglichst nah an den Bedürfnissen von Konsumenten ist. Design Fiction entwickelt spekulative Lösungen und zielt nicht auf Markterfolg, sondern auf veränderte Diskurse. Anthony Dunne und Fiona Raby haben in ihrem Buch “Speculative Everything” einen tollen Vergleich zwischen Design Fiction (b) und faktischem Design (a) wie es z.B. im Design Thinking.

Speculative Design a-b

Quelle: „Speculative Everything“

Nun ja. Das klingt total abstrakt in der Theorie. In der Praxis ist das aber deutlich handfester.

Beispiele für Design Fiction

Um die Auseinandersetzungen mit dem Thema “Internet of Things” weiter anzustoßen, konkrete Ideen dazu vorzustellen und Menschen die Angst vor diesen Konzepten zu nehmen, haben Near Future Laboratory 2015 einen fiktiven IKEA Katalog für “Internet of Things”- Produkte entwickelt. Darin gibt es dann z.B. ein intelligentes Sofa, das seine Farbe und Muster den Stimmungen der Sitzenden anpasst. Oder ein Shampoo, das die Nachproduktion und -bestellung entsprechend des Bedarfs automatisch vollzieht. Während der Katalog voller verrückter Produkte ist, unterscheidet sich die gesamte Anmutung kaum von einem normalen IKEA Katalog. Mehr dazu hier. Near Future Laboratory präsentiert mit den TBD Katalogen regelmäßig solche spekulativen Produkte und hat auch die tollen Design Fiction Cards entworfen.

IKEA Katalog Design Fiction

Quelle: Near Future Laboratory

Mein Freund Nik Baerten von Pantopicon aus Antwerpen hatte 2014 von der Biennale Interieur in Kortrijk den Auftrag bekommen, einen Diskurs über die Zukunft der Design-Branche anzustoßen. Das Projekt lief unter dem Titel „Man & Interior„. Nik und sein Kollege Daniel haben dann u.a. zu fünf Zukunftsthemen fiktive Lösungen von fiktiven Startups entwickelt. Jedes dieser fiktiven Startup bekam einen Messestand. Nik und Daniel haben so getan, als seien die Startups am Markt aktiv, haben Gespräche mit Interessierten geführt, Business-Karten getauscht und das getan, was man sonst so auf Messen macht. Zudem gab es geführte Touren für Messebesucher. Es lohnt sich, ab und an mal einen Blick in die Instagram-Bilder von Pantopicon zu schauen.

Pantopicon Design Fiction

Quelle: Pantopicon.be

Ende September habe ich das Basis-Seminar am Institut für partizipatives Gestalten in Oldenburg besucht. Dort ging es um die Gestaltung von Beteiligungsverfahren. Als Teilnehmer mussten wir in den vier Tagen selbst eine Mini-Beteiligung zu dem extrem schwammigen Thema „Die Gutmenschen und das Pack“ machen. Wir wollten uns nicht mit einem Haufen AfDlern, Nazis oder Verschwörungstheoretikern an einen Tisch setzen und denen eine Bühne bieten. Unsere Design Fiction war die Gründung eines eigenen Instituts: Das „Institut zur Erforschung des Untergangs des Abendlandes“. In dessen Namen haben wir Oldenburger Bürger an einem Samstagnachmittag auf dem Schlossplatz angesprochen. Sie sollten schreiben oder malen, wie sie sich Oldenburg nach dem Untergang des Abendlandes vorstellen. So eine öffentliche Intervention war ein sehr aufregendes Format.

 

Aktion Oldenburg Schlossplatz

Toll finde ich auch die aktuelle Kampagne von Peta aus Großbritannien. In dem Video im Dokumentations-Stil wird ein neuartiges Milchprodukt vorgestellt und Konsumenten zur Verkostung angeboten. Die Menschen erfahren erst später, dass es sich dabei um Hunde- statt um Kuhmilch handelt und sind extrem angewidert. Mit dieser Irritation will Peta ein Nachdenken über den menschlichen Konsum von Kuh-Milch anstoßen.


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Design Fiction Formate?

A pro pos Formate: Welches Format so ein Design Fiction Objekt hat ist nicht zentral. Es gibt alles: von fiktiven Katalogen, Filmen, Anzeigen, Apps, Webseiten, Ausstellungsobjekten, Job-Ausschreibungen, Research-Papern, … Alle diese Objekte tun so, als ob sie echt wären und dienen dazu, den Diskurs anzustoßen. Dabei gibt es grundsätzlich zwei spannende Ansatzpunkte:

  • Der Diskurs nach der Entwicklung der Objekte
  • Der Diskurs während der Kontextualisierung der Objekte

Der Ablauf eines Design-Fiction-Prozesses

  • Schritt 1: In Zukünfte eintauchen
  • Schritt 2: Ideen & Konzepte entwickeln
  • Schritt 3: Prototyp bauen
  • Schritt 4: Lösung kontextualisieren

Design Fiction

Design-Fiction im Rahmen des GWA-Think-Tanks

Dirk und ich haben in den letzten sechs Monaten einen Think-Tank für den Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) zum Thema “Agentur-Kunden-Beziehungen von morgen” geleitet. Dafür haben wir qualitative Interviews und eine quantitative Befragung durchgeführt. In einem Workshop mit Agentur- und Marketingvertretern ging es dann darum, die von uns entwickelten Thesen, Herleitungen und Lösungsansätze zu überprüfen, zu ergänzen und weiterzuentwickeln. In diesem Workshop haben wir u.a. einen Design-Fiction-Ansatz verfolgt. Ich möchte Euch das Vorgehen kurz skizzieren.

Schritt 1: In die Zukunft eintauchen

Warm-Up
Im Rahmen des Check-Ins vor dem Workshop haben wir die Teilnehmer existierende Produkte, Services und Startups mit Zukunfts- oder Innovationspotenzial aufschreiben lassen. Außerdem hat jede Teilnehmerin eine berühmte, historische oder fiktive Person (VIP) genannt, mit der sie gern mal sprechen würde.

VIPs

Während der Vorstellungsrundne haben die Teilnehmer neben ihren Namen gesagt, was ihr Zukunftsprodukt mit dem Thema Agentur-Kunden-Beziehungen von morgen zu tun hat. In einer zweiten Runde haben die Teilnehmer sich gegenseitig erzählt, was sie ihre VIPs zu dem Thema Agentur-Kunden-Beziehungen von morgen gern mal fragen würden.

Future Wheels
Anschließend haben wir die sieben wichtigsten Thesen unserer Arbeit vorgestellt und die Agentur- und Marketingvertreter haben diese anhand eines Future Wheels weiterentwickelt.

Future Wheel

Quelle: Extrapolation Factory Operator´s Manual

 

Schritt 2: Ideen und Konzepte entwickeln

Das Setting
Nachmittags haben die Teilnehmer die Studienergebnisse weiter in die Zukunft fortgeschrieben und über neue Agentur-Kunden-Beziehungen spekuliert. Die Teilnehmenden haben einen zu prämierenden Beitragsentwurf für einen fiktiven Award entwickelt.

Ideation, Konzeption, Prototyping
In Einzelarbeit haben die Teilnehmer zunächst Ideen entwickelt. Als Trigger lagen beliebige Karten mit den Zukunftsprodukten, die VIP-Namen (beide aus dem Check-In), sowie jeweils eine Gestaltungsvorgabe aus unserem Context-Combinator-Set. Statt dieser Trigger hätten wir auch auch unseren Context Combinator, The Thing from the Future oder die Design Fiction Cards nehmen können. In vier Kleingruppen haben die Teilnehmer dann eine Idee ausgewählt und zu einem Konzept verfeinert.

Design Fiction - The Thing from the future

Schritt 3: Prototypen bauen

Materialvielfalt
Schließlich haben die Gruppen für ihre Konzepte Modelle gebaut. Dazu standen diverse Materialien zur Verfügung: Lego, Knete, Kapa-Boards, Bild-lastige Zeitschriften, Stifte, Kleber, Scheren etc.

Materialtisch

Schritt 4: Die Lösung kontextualisieren

Bewertung & Reflektion
Nach der Vorstellung und Prämierung haben wir eine längere Reflektion über die Modelle und die Bedeutung für die Agentur-Kunden-Beziehungen von heute geführt. Spannend daran war vor allem, dass die entwickelten Modelle sich komplett von den vorherigen Diskussionen unterschieden. Durch die Entwicklung der Modelle konnten sich die Teilnehmer von den Zwängen des Alltags und der Gegenwart lösen und ein größeres Zukunftsbild entwickeln.

Eine größere Kontextualisierung steht noch aus
Für uns war die Entwicklung spekulativer Lösungen ein spannender Ansatz, um im Rahmen eines Workshops anders Diskurse anstoßen bzw. Diskurse anders steuern zu können. Um das Ganze im Sinne von Design Fiction weiterzutreiben, müssten wir im Zuge weiterer Workshops und Events noch mehr solcher fiktiver Designs entwickeln und von professionellen Gestaltern aufbereiten lassen. Das Ergebnis könnte dann z.B. ein fiktiver Award-Katalog, ein Film oder eine Ausstellung sein.

Solche Diskursobjekte zu gestalten und zu nutzen, reizt mich sehr. 2017 würde ich gern mehr mit Design Fiction machen.

Ich würde sehr gern solche Zukunfts-Objekte im Rahmen von Strategie-, Innovations- oder Organisationsentwicklungs-Prozessen entwickeln und in einem größeren Rahmen wie z.B. einer Ausstellung kontextualisieren. Oder wir würden in der Vorbereitung eines Events solche Objekte gestalten und als Diskurs-Anstoß in einem größeren Offsite oder einer Management-Konferenz  nutzen. Mal sehen, was 2017 da für uns bereit hält.

Wenn Du tiefer in das Thema Design Fiction einsteigen willst,

gibt es nun noch einige spannende Links zu Design Fiction. Vor allem das Buch “Operator´s Manual” von Extrapolation Factory möchte ich an dieser Stelle sehr empfehlen. Es bietet eine gute und kurze Einordnung des Themas, eine gute Handvoll nützlicher Tools, um Teilnehmer in Zukunfts-Settings zu bringen, sowie ein strukturiertes Vorgehen, um spekulative Designs zu entwickeln und zu nutzen. Ach ja, deren Instagram-Channel ist auch stark.

Design Fiction Inspirationen

Einige interessante Design-Fiction-Artikel 

Meine Design-Fiction-Buch-Empfehlungen:

Einige schöne Präsentationen und Videos zum Thema Design Fiction:


 

Einige der wenigen deutschen Design-Fiction-Projekte:

Shaping the Future

The Constitute aus Berlin machen immer wieder spannende Projekte und haben auch schöne Instagram-Bilder.

Prof. Dr. Gesche Jost hat dazu einen Vortrag gehalten. Den findest Du hier.

Und auch im Futurium, dem neuen Ort für Zukunftsfragen und Dialog über die Gestaltung der Zukunft im Berliner Regierungsviertel, das 2017 eröffnet werden soll, nutzt man vorab schon Design Fiction.

 

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Futures Framework

Unser Tool, um Zukunftserwartungen aufzudecken und zu nutzen

Zukunft hat mich von jeher fasziniert. Wenn ich mich mit Zukunft beschäftige, wird mir immer bewusst, dass andere Entwürfe möglich sind und wie gestaltbar die Welt doch ist. Spannend finde ich außerdem, dass jeder Mensch eine eigene Vorstellung davon hat, was Zukunft ist. Manchmal ist sie schwammig und wenig konkret und nur als Gefühl vorhanden. Manchmal gibt es klare Erwartungen, feste Vorsätze und definierte Wege. Als tiefgehendes und schön geschriebenes Buch kann ich dazu „Die Zukunft“ von Sascha Mamczak empfehlen.

Jede größere Entscheidung und jedes Projekt wird von unseren Zukunftserwartungen geprägt – ob wir das wollen oder nicht. Und gleichzeitig gibt es ganz wenig Verständigung und Austausch über diese inneren Zukunftsbilder und -erwartungen. Ich möchte heute ein Framework vorstellen, dass wir vor einiger Zeit entwickelt haben und in unserer Arbeit nutzen. Damit lassen sich die verschiedenen Zukunftsvorstellungen systematisch auf den Tisch bringen und weiterverarbeiten.

Zurück zu den Zukünften

In meinem vorherigen Berufsleben war ich in der Trend- und Zukunftsforschung tätig. Ich habe entsprechend viel mit Zukunftsthemen zu tun gehabt. Sei es beim Trendbüro, der Kuration des Deutschen Trendtags und der Next Conference, an der Good School, im Rahmen unzähliger Trendstudien, eigener Keynotes oder bei den Think-Tanks, die Dirk und ich initiiert und durchgeführt haben (hier und hier). Die meisten Diskussionen, Studien und Artikel, die mir in dem Zusammenhang begegnet sind, waren dabei extrem einseitig. Entweder wurde das Neue über den Klee gelobt und jegliche Kritik als Einwände ewig Gestriger abgetan. Oder umgekehrt wurden ausschließlich mögliche Schattenseiten betrachtet und alles Neue relativiert oder blockiert. Eine differenzierte Betrachtung gab es fast nie.

Zukunft lässt sich nicht vorhersagen

Prognosen werden von Entscheidern gern wie Fakten behandelt – wenn sie ihnen in den Kram passen. Ansonsten werden sie ignoriert. Philip Tedlock hat in seinem tollen Buch „Superforecasting“ dargelegt, dass sämtliche Experten und Zukunftsforscher nie an dem Gehalt ihrer Prognosen gemessen würden und man die Prognosen genauso gut von Affen durchführen lassen könnte. Er hat stattdessen Schritte für gute Prognosen entwickelt und ein Netzwerk von Superforecastern aufgebaut, die nachweislich besonders gut Entwicklungen bewerten können. In Deutschland gehört z.B. Bruno Jahn zu diesem Superforecaster-Netzwerk. Aber diese Prognosen sind auf den Eintritt besonderer Ereignisse in der näheren Zukunft gerichtet. Für mittelfristige Ausblicke oder um den strategischen Blick zu weiten, eignet sich vor allem die Szenario-Technik. In dem Oxford Scenarios Programme der Said Business School, das ich 2012 mitgemacht habe, wurden Angela Wilkinson und Rafael Ramirez nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Hauptfunktion von Szenarien und Zukunftsaussagen darin liegt, anders auf die Gegenwart zu schauen. Szenarien helfen, seine eigenen Zukunftsvorstellungen zu überprüfen, den Blick zu weiten, Strategien robuster zu machen und für alternative Zukunftspfade vorbereitet zu sein. Das Problem: so ein Szenario-Prozess ist aufwändig und in zahlengetriebenen Organisationen schwer zu vermitteln. Wir haben daher eigene Tools wie Pre-Mortem oder den Context Combinator entwickelt, um Zukunftsdenken in Projekten abzubilden, ohne gleich riesige Verfahren dafür aufsetzen zu müssen. Das Futures Framework gehört auch dazu und ist ein bisschen wie Szenario-Planung light.


Die 4 zentralen Perspektiven auf Zukunft und wie sie Dir im Projekt helfen #FuturesFramework
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Das Futures Framework

Futures Framework Template

Schritt 1: Den Rahmen setzen

Zuallererst musst Du dem wabernden Begriff Zukunft einen Rahmen setzen, die richtige Fragestellung bzw. das richtige Thema formulieren und dann eine Jahreszahl nennen. Die Frage bzw. das Thema steht daher im Zentrum des Frameworks.

Bei dem Zeithorizont gilt: Je näher Du an der Gegenwart bleibst, desto konkreter werden die Ergebnisse. Aber kurzfristig ist nur wenig veränderbar. Je weiter Du den Blick in die Zukunft richtest, desto mehr und grundlegendere Dinge werden veränderbar. Aber die Antworten werden auch abstrakter und diffuser. Ich versuche den Zeitrahmen immer etwas weiter zu setzen, als der Auftraggeber plant. Wenn es also um eine Strategie für die nächsten drei Jahre geht, setze ich den Zeithorizont auf +5 Jahre. Damit kann ich den Blick etwas weiten, und das Projekt bekommt mehr Zukunftskontext.

Futures Framework - Den Rahmen setzen

Schritt 2: Zukunft als Hoffnungen, Wünsche oder Chancen

Zukunft ist immer auch ein Produkt unserer Wünsche und Träume. Getreu dem Motto: “The best way to predict the future, is to invent it.” In der ersten Perspektive auf Zukunft geht es darum zu benennen, worauf sich die Hoffnungen bei den Initiatoren, Teilnehmern oder sonstigen Stakeholdern richten bzw. welche Chancen und Möglichkeiten sie sehen. In diesem Feld sind Menschen besonders vertraut, die andere von einer Idee begeistern müssen (z.B. CEOs und Startup-Gründer) und die äußerst optimistisch in die Zukunft schauen.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:

Was sind Deine Hoffnungen? Welche Chancen siehst Du?

Futures Framework - Hoffnungen, Wünsche, Chancen

Schritt 3: Zukunft als Risiken, Ängste oder Sorgen

Wie die Zukunft gestaltet wird, ist immer auch eine Reaktion auf bestehende Sorgen und Ängste bzw. ein Umgang mit Risiken. Die zweite Perspektive auf Zukunft richtet sich auf die Schattenseite in den Köpfen und Herzen der Beteiligten. Mit diesem Bereich sind vor allem Menschen vertraut, die stark abwägen, den Status quo schätzen und eher Angst vor Veränderungen haben. Solche Zukünfte kommen gern schwarzgemalt als Dystopie daher.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Was sind Deine größten Sorgen? Welche Risiken siehst Du?

Futures Framework - Risiken, Sorgen, Ängste

Schritt 4: Zukunft als Erbe der Gegenwart

Die Zukunft, die sich durchsetzen wird, hängt stark von dem Verhalten der etablierten Kräfte in der Gegenwart ab. Häufig wurden oder werden im Zuge eines Projekts gerade wichtige Weichen gestellt, die stark auf den Möglichkeitsraum einwirken. Hier geht es um Themen wie Pfadabhängigkeiten oder “sunken costs”. Wer etwa gerade die komplette IT-Infrastruktur erneuert, wird nicht morgen komplett auf ein neues System wechseln. Selbst, wenn es sinnvoll wäre. Mit diesem Bereich sind vor allem Menschen vertraut, die einen übergeordneten Blick auf das eigene Unternehmen haben. Häufig brauchen die Teilnehmer für Antworten auf diese Fragen mehr Zeit und sie müssen intensiver nachdenken.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Was hälst Du für unabwendbar?
Welche heutigen Entscheidungen setzen den Rahmen für die zukünftigen Entwicklungen?

Futures Framework - Erbe der Gegenwart

Schritt 5: Zukunft als Zufall, Fügung oder Katastrophe

Was wann wie kommt, ist immer auch unplanbar, dem Zufall unterworfen und das Ergebnis vieler nicht kalkulierbarer Verkettungen. Das können die viel beschworenen schwarzen Schwäne sein, ein plötzlicher Zusammenbruch des europäischen Flugverkehrs aufgrund eines Vulkanausbruchs in Island oder aber die Entlassung des CEOs sein. Oder schlicht und ergreifend Glück und Pech. In diesem Bereich sind Menschen zuhause, die komplett außerhalb des Bestehenden denken können. Der erste Impuls ist häufig, dieses Feld frei zu lassen. Aber es bringt tolle Ergebnisse, wenn Du Teilnehmer auf den Pott setzt und ihnen eine Antwort abringst.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Welche glückliche Fügung würde uns in die Karten spielen?
Was könnte das Thema total zur Explosion bringen?

Futures Framework - Zufälle, Fügungen, Katastrophen

Wie setzt man das Future Framework ein?

  • In der Strategie-, Innovations- oder Organisationsentwicklung
    Mit dem Tool lässt sich sowohl bei der Entwicklung neuer Produktideen, in der Strategieentwicklung oder beim Organisationsdesign arbeiten, da alle drei wesentlich mit Zukunftsvorstellungen arbeiten und man bei allen dreien die zugrundeliegende Motivlage der wichtigsten Akteure kennen sollte.
  • Zum Projektverständnis und Auftragsklärung
    Zu Beginn eines Projekts geht es darum, die verschiedenen Perspektiven auf das Zukunftsthema zu ergründen. Dafür kannst Du Interviews führen (z.B. mit dem Initiator, wichtigen Akteuren und Stakeholdern). Wenn Du mehrere Ansprechpartner hast, macht vielleicht auch eine zweistündige gemeinsame Session im Vorfeld eines größeren Workshops Sinn. Man kann die Fragen auch nutzen, um daraus mit Google Forms, Surveymonkey oder ähnlichen Programmen eine qualitative Befragung aufzusetzen.
  • Den Blick im Workshop weiten
    Man kann mit dem Futures Framework auch wunderbar im Workshop arbeiten, um den Blick der Teilnehmer zu weiten und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Hierfür eignet sich z.B. ein World-Café. An jedem Tisch wird dann eine Frage bearbeitet.

Was macht man dann mit den Informationen?

  • Wahrnehmungsverzerrungen minimieren
    Die Informationen aus dem Futures Framework helfen Dir und den Teilnehmer, sich weniger stark von sogenannten Cognitive Biases blenden zu lassen.
  • Das passende Verfahrensdesign entwickeln
    Du kannst die Ergebnisse nutzen, um den Aufbau mehrerer Sessions und  die Workshop-Dramaturgie zu planen.
  • Den Möglichkeitsraum aufbereiten
    Du kannst die Ergebnisse Deiner Exploration aufbereiten und den Möglichkeitsraum neuer Lösungen im Workshop präsentieren.
  • Einflussfaktoren sichtbar machen
    Du kannst die Antworten analysieren und aufzeigen, was in den Vorstellungen der Interviewten die zentralen Einflussfaktoren sind. Diese kannst Du dann miteinander kombinieren (lassen) und plausible Kombinationen identifizieren.
  • Szenarien entwickeln
    Auch ohne Einflussfaktoren zu identifizieren, kannst Du die Nennungen zu Szenarien clustern (lassen). Diese Szenarien kannst Du dann nutzen, um sie mit bestehenden Produktideen, Portfolios, Strategien, Organisationsentwürfen etc. zu vergleichen.
  • Blinde Flecken identifizieren
    Spannend ist es auch, wenn Du schaust, was die Teilnehmenden nicht gesagt haben und worüber nicht gesprochen wurde. Hier hast Du als Berater die Gelegenheit bzw. Pflicht auf Lücken oder Widersprüche hinzuweisen.
  • Um Stärken und Schwächen ergänzen
    Man kann die Ergebnisse des Futures Frameworks schön mit einem Stärken-Schwächen-Profil abgleichen und erhält so etwas Ähnliches wie eine SWOT.

Praxishinweise:
Die Zukunftsperspektiven erkunden

Du arbeitest Dich systematisch durch die oben genannten Bereiche. Wichtig ist, dass alle Teilnehmer durch alle vier Perspektiven geführt werden bzw. Du einen Interviewpartner durch alle vier Sichtweisen führst. Es geht gerade darum, dass auch die unverbesserlichen Optimisten mal schwarz malen und die Schwarzmaler ihre Hoffnungen offenbaren, man einmal auf Pfadabhängigkeiten und den Einfluss von Zufällen schaut.

Bei den Antworten solltest Du darauf achten, dass Du aktiv und positiv formulierte Statements bekommst, damit die Kategorien trennscharf bleiben. Gegebenenfalls musst Du nachhaken, um Schlagworte und Worthülsen zu hinterfragen. Wenn Du noch tiefer bohren willst, kannst noch diese Ergänzungsfrage nutzen:

Welche Ereignisse oder Entwicklungen haben dazu geführt?

Das Futures Framework ausprobieren

Wir haben die Bereiche und die Fragen mal als einen Template auf Mural aufbereitet. Schau doch mal rein. Und natürlich interessiert es uns zu hören, welche Erfahrungen Du mit dem Futures Framework machst.

 

 

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