Kategorie-Archiv: Arbeiten als UX-Professional

Digitale Zukunft auf dem Land: Wie Coworking Spaces und Senioren/-innen voneinander profitieren!

Wenn auch Sie Eltern haben die nicht mit digitalen Medien aufgewachsen sind, dann haben Sie sich vielleicht schon einmal als (Not-)Helfer in Sachen „Digitalisierung“ betätigt. Ich tue das oft.

Meine Eltern (70 plus) brauchen ab und an Hilfe, wenn es beispielsweise darum geht eine App in Gang zu bringen. Sie fragen mich wie sie Fotos und Kontaktdaten von ihrem alten Smartphone auf ein neues Smartphone übertragen können. Oft helfe ich beim Einrichten neuer Geräte, beispielsweise einem Drucker, und löse Probleme mit dem WLAN.

Für mich sind diese Momente der Hilfe stets bereichernd. Sie bringen mir mindestens genauso viel wie meinen Eltern. Wie sagt man so schön: Eine Win-win-Situation!

„Digitale Daseinsvorsorge“ auf dem Land

Meine Eltern leben auf dem Land. In einem Dorf mit 1.500 Einwohnern/-innen. 400 Kilometer entfernt von meinem Lebensmittelpunkt. Nicht jedes Problem kann ich daher zufriedenstellend lösen. Sie müssen sich Hilfe bei Freunden und Nachbarn erbitten oder professionelle Beratung einkaufen. Beratung beispielsweise im stationären Einzelhandel. Letzteres ist für meine Eltern erst dann ein Lösungsweg, wenn alle anderen nicht erfolgreich waren. Es ist ein Weg den sie leider oft gehen (müssen). Stets verbunden mit viel Zeit für die Fahrt in die nächste Stadt, Kosten und auch einer gewissen Unbehaglichkeit.

Ich finde, da muss man etwas tun! Es braucht Alternativen.

Es braucht Orte an denen sowohl Hilfe bei Problemen mit digitalen Produkten und Anwendungen als auch Möglichkeiten zum Ausprobieren (neuer) digitaler Produkte geboten werden. Diese Orte bezeichne ich als digitale Treff- oder Knotenpunkte.

Lebensweisheit trifft auf Digital Natives

In digitalen Knotenpunkten treffen Menschen mit einem Problem auf fachkundige, hilfsbereite Mitbürger/-innen. Jene bieten Unterstützung beim Lösen von Problemen mit digitalen Medien, Produkten und Anwendungen. Die Helfer sind ehrenamtlich tätig, so dass ihre Hilfe kostenlos ist. Die Helfer haben Freude daran andere zu unterstützen und verfügen über die nötigen Fähigkeiten & Erfahrungen.

In meiner (Wunsch-)Vorstellung sind es Digital Natives die in den digitalen Knotenpunkten Senioren/-innen Unterstützung anbieten.

Digital Natives verfügen über die nötigen Kompetenzen. Was aber noch wichtiger ist, und im Besonderen für deren Einsatz spricht: Digital Natives können am meisten von der Lebensweisheit von Senioren/-innen profitieren. Sie können lernen mehr „digitale Souveränität“ zu entwickeln, sich weniger stark in die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken zu begeben und emanzipierter mit den Segnungen (und auch Zumutungen) im digitalen Zeitalter umzugehen.

Digital Natives können von den Senioren/-innen auch lernen Trends und technischen Entwicklungen nicht blind zu folgen. Sich stattdessen stets zu fragen: Brauche ich jenes Gerät wirklich? Muss ich jene App herunterladen? Welchen Nutzen bietet mir eine technische Neuerung?

Sich jene Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen, das ist eine zentrale Grundlage, um von den Segnungen im digitalen Zeitalter dauerhaft zu profitieren (und nicht etwa daran zu erkranken!). Senioren/-innen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die nötige innere Ruhe haben nicht ständig „online“ sein zu müssen. Etwas das vielen Digital Natives sowohl psychisch als auch physisch sehr guttun kann, wenn sie diese Einstellung und Verhaltensweise von Senioren/-innen übernehmen.

Da haben wir sie wieder, nun schon zum zweiten Mal: Eine Win-win-Situation zwischen Senioren/-innen und Digital Natives (Die digitale Weisheit der Silver Ager).

Digitale Knotenpunkte machen digitale Produkte erlebbar!

Neben kostenloser Beratung bieten die beschriebenen digitalen Knotenpunkte bestenfalls auch die Möglichkeit neue Technologien und digitale Produkte unter Anleitung auszuprobieren. Derartige Angebote gibt es bereits, beispielsweise in Schleswig-Holstein.

Gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein starteten im Sommer 2018 an verschiedenen Orten „Digitale Knotenpunkte“. Jene befinden sich in zentraler Lage in ausgewählten, kleineren Städten. Sie bieten sowohl neueste Technologien und digitale Produkte zum Ausprobieren als auch Wissensvermittlung in Form von Vorträgen (z.B. zum Thema Altersgerechte Assistenzsysteme) und Trainings (beispielsweise zur Bearbeitung von Bildern und Videos oder zum Aufbau eines eigenen Blogs).

In den Knotenpunkten können Virtual-Reality Brillen, digitale Alltagshelfer wie Amazon Echo & Google Home, Augmented-Reality Anwendungen, 3D Drucker und Smartwatches genutzt werden. Unter Anleitung von kundigen Bürgern/-innen gelingt damit eine Heranführung an neue Technologien auch und im Besonderen von älteren Menschen.

Digitale Knotenpunkte in Coworking Spaces

Ein digitaler Knotenpunkt braucht Räume für Begegnungen, er braucht eine aktive Gemeinschaft und vor allem Menschen die regelmäßig vor Ort sind, um ihre Hilfe anbieten zu können. Jene Erfolgsfaktoren können realisiert werden, wenn ein Coworking Space an einen digitalen Knotenpunkt angegliedert wird (Coworking auf dem Land – Landleben und (neue) Landarbeit nach menschlichem Maßstab).

Coworking Spaces vereinen Menschen aus unterschiedlichen Berufen, Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Erfahrungen. Coworker/-innen eint der Wunsch mit anderen Menschen zusammen zu sein, eine Gemeinschaft zu bilden, sich gegenseitig zu helfen, zusammenzuarbeiten und Inspiration von anderen zu erhalten.

Coworker/-innen sind zudem in der Regel vertraut mit neuen Technologien und nutzen digitale Produkte und Anwendungen intensiv. Beste Voraussetzung um anderen Menschen, beispielsweise Senioren/-innen, bei Herausforderungen mit dem digitalen Zeitalter zu helfen.

Andererseits können Coworking Spaces auf dem Land erwiesenermaßen nur sehr schwer betriebswirtschaftlich erfolgreich betrieben werden. Räume und Flächen sind zwar vorhanden – leerstehende Läden und Häuser gibt es auf dem Land oft mehr als genug -, jedoch sind die Betriebskosten eines Coworking Spaces kaum zu finanzieren. Die nötigen Personalkosten sind hoch und halten viele davon ab einen Coworking Space auf dem Land aufzubauen.

Jenes Dilemma ließe sich auf wundersame Weise auflösen, wenn der Coworking Space von Menschen im Ruhestand betrieben wird. Menschen, die ein erfolgreiches Berufsleben hinter sich haben und eine sinnvolle Aufgabe suchen bei der das Gehalt nicht der zentrale Treiber ist.

Sie kümmern sich als Community-Manager/-in um guten Kaffee, gepflegte und gemütliche Räumlichkeiten, sorgen für ein fantastisches Catering bei Workshops und Meetings. Sie bieten Lebenshilfe, betreuen ab und an die Kinder der Coworker/-innen, nehmen Post an, bringen Pakete zur Post und geben auch gern wertvolle Tipp für geschäftlichen Erfolg.

Senioren/-innen können auf diese Weise einen Coworking Space „am Laufen halten“ und den Coworkern/-innen dabei helfen in angenehmer Atmosphäre dauerhaft erfolgreich zu arbeiten. Und da haben wir Sie wieder, zum nunmehr dritten Mal: eine Win-win Situation zwischen Senioren/-innen, Digital Natives und Coworkern/-innen.

P.S.: Eine 4. Win-win Situation im Dienste unserer digitalen Zukunft könnte sich gar einstellen, wenn unter den Coworkern/-innen UX Professionals (w/m/d) & UX Designer (w/m/d) sind, die die digitalen Knotenpunkte, deren Produkte und Besucher für UX/Usability-Tests einspannen. Nutzertests beispielsweise für die Online-Dienste des Bundes, der Länder und Kommunen könnten so effizient durchgeführt werden. Ebenso ließen sich Prototypen in frühen Stadien an verschiedenen Endgeräten testen. Solche Tests können einen Beitrag leisten, um die Anforderungen des Onlinezugangsgesetz (OZG) noch zielführender umzusetzen.   

Viele gute Gründe für Coworking Spaces mit digitalen Knotenpunkten

Ich hoffe ich konnte Sie begeistern von Coworking Spaces auf dem Land, die über digitale Knotenpunkte verfügen und von Senioren/-innen gemanagt werden. Gleich 3, ja gar 4 Win-win Situationen sprechen für sich!

Sie sind die Garantie für einen erfolgreichen Betrieb sowohl des Space als auch digitalen Knotenpunkts.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Lassen Sie uns die erst Schritte gemeinsam gehen: Sie leben auf dem Land und wollen mehr teilhaben an den Segnungen des digitalen Zeitalters? Sie sind kommunal-politisch aktiv, leben in einem Ort mit Leerständen und suchen nach sinnvollen Konzepten für deren Nutzung?

Sprechen Sie mich einfach an.

Gerne biete ich Ihnen Beratung und Hilfe beim Konzipieren, Planen und Umsetzen eines digitalen Treffpunkts und Coworking Spaces in Ihrer Stadt oder in Ihrem Dorf. Gebe Ihnen Tipps und Hinweise auf gute Beispiele für Treffpunkte und Coworking Spaces auf dem Land, und helfe beim Identifizieren von geeigneten Fördermöglichkeiten.

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Dem Nutzer stets auf der Spur: Daniel Hujer

Heute möchte ich Ihnen Daniel Hujer vorstellen.

Portrait von Daniel Hujer (Leiter Sales & Marketing, m-pathy)

Daniel Hujer

Daniel leitet das Marketing & Sales Team bei m-pathy.
Er berät Unternehmen beim Konzipieren eines kontinuierlichen User Feedback Managements. Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen Wissen auf Unternehmensseite aufzubauen, Mitarbeitende zu befähigen und seine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Ich freue mich daher sehr, dass sich Daniel Zeit für ein Interview nahm.

Als Diplom-Betriebswirt und erfahrener Marketer weiß Daniel sehr genau, warum es wichtig ist Nutzer/-innen in den Mittelpunkt von Entscheidungen und Handlungen zu stellen. Warum es wichtig ist sich die Brille seiner Nutzer/-innen aufzusetzen und mit deren Blickfeld hinzuschauen auf Produkte, Anwendungen & Services.

Im Interview werden wir uns die Brille eines POs und UX Designers (w/m/d) aufsetzen, der für eine kunden- und nutzerzentrierte Produktentwicklung im B2B Umfeld zuständig ist: Wie gelingt es ein forschungsbasiertes „Design for User Experience“ für eine BtoB Zielgruppe umzusetzen? Dieser Kernfrage wird Daniel im Interview nachgehen und uns teilhaben lassen an seinen Erfahrungen.

User Feedback Management bei BtoB Zielgruppen

User Research ist die Grundlage für ein gelungenes UX Design. Ohne die Einbeziehung von Nutzern & Kunden können keine Produkte entstehen die nützlich sind. Auch lassen sich vorhandene Produkte & Services nicht nutzer-/kundenorientiert weiterentwickeln. Nicht immer ist es jedoch möglich Nutzer & Kunden einzubeziehen.

Ich selbst mache immer wieder die Erfahrung, dass dieses „Einbeziehen“ schwer ist, wenn es sich um eine Business-Applikation handelt, wir also Geschäftskunden als Zielgruppe einer Anwendung haben. Teilst Du, Daniel, diese Erfahrung?

Daniel: Ich teile die Erfahrung in der Hinsicht, dass im B2B Umfeld seltener Nutzer in die Entwicklung einbezogen werden. Während sich im klassischen B2C-Markt das Thema Kundenzentrierung inzwischen weitgehend durchgesetzt hat, werden die dafür notwendigen Methoden im B2B Umfeld noch vergleichsweise selten eingesetzt. Aber auch hier gewinnt das Thema mehr und mehr an Relevanz. Die Unternehmen stehen hierbei vor teilweise neuen Herausforderungen im Vergleich zu B2C-Unternehmen.

Um zwei Beispiele zu nennen: Viele B2B Unternehmen haben riesige Produktkataloge mit teilweise sehr ähnlichen Produktvarianten, deren Unterschiede selbst für Fachleute häufig nicht sofort erkennbar sind. Gleichzeitig sind die Fragen der Kompatibilität und der spezifischen Einsatzmöglichkeiten sehr vielfältig. Dementsprechend gibt es zu jedem Produkt ganz unterschiedliche Szenarien, was das Einbeziehen des Nutzers damit fast zu einer 1to1 Beziehung macht. Ähnliches gilt auch für Nischenanbieter, die zwar nicht viele unterschiedliche Produktvarianten anbieten, sich aber auf sehr spitze Zielgruppen konzentrieren und damit oft zu kleine Fallzahlen als Grundlage für eine nutzerzentrierte Entwicklung haben.
Die Unternehmen stehen so vor der Wahl ein Produkt noch spitzer auf Bedürfnisse einzelner Kunden zuzuschneiden oder ihr Angebot auf Basis von Annahmen weiterzuentwickeln.

Eine zweite Herausforderung ist der Kontext der Einkaufs- und Gebrauchssituation. Da die Anwender/Kunden sich selbst in einer Arbeitssituation befinden und dementsprechend wenig Zeit und Geduld haben, ist es schwierig mit Befragungen und Interviews zusätzliches Wissen zu erhalten. Dies macht das Einbeziehen der Nutzer in die Entwicklung auf Basis valider Daten häufig sehr schwierig.

Tipps zum Steigern von Response-Raten bei Umfragen

Wie gehst Du mit Deinem Team vor, wenn eure Kunden eine Umfrage durchführen möchten bei der Geschäftskunden im Moment der Nutzung einer Business-Anwendung befragt werden sollen. Wie schafft ihr es eine angemessene Anzahl an Befragungsteilnehmern/-innen zu generieren?

Daniel: Das ist in der Tat eine Herausforderung, da es sich häufig um eine überschaubare Gruppe potentieller Befragungsteilnehmer handelt und diese gleichzeitig schwer für eine Befragung zu motivieren sind.
Hier hilft es natürlich die Regeln für klassische Onsite-Surveys auch auf diese Befragungen zu übertragen: Eine erfolgreiche Befragung bedarf einer ansprechenden Gestaltung. Stichwort: Glaubwürdigkeit. Betrachtet der Nutzer die Befragung als unseriös, weil sie beispielsweise wie ein Fremdkörper wirkt, ist die Antwortbereitschaft deutlich geringer.

Darüber hinaus muss sie an der richtigen Stelle platziert sein und die in diesem Kontext richtigen Fragen stellen. Gerade wenn man konkrete Informationen zu einer bestimmten Fragestellung oder einem bestimmten Verhalten benötigt, sollte man auch nur Nutzer befragen, die gerade damit interagieren oder ein solches Verhalten, wie z.B. eine Abbruchbewegung, ausführen. Das hat einerseits den Vorteil, dass man sich auf ein bis zwei fokussierte Fragen beschränken kann. Andererseits erhöht es signifikant die Response-Rates, da sich Nutzer in den Fragen direkt wiederfinden und damit eine größere Bereitschaft vorliegt die Fragen zu beantworten.

Auch die Art der Befragung ist individuell abzustimmen. Gerade bei Formularen, in Kauf- und Bestellprozessen sowie auf Produktdetailseiten haben sich Embedded Surveys sehr bewährt. Dies sind kurze, in die Seite oder sogar in Formulare integrierte Befragungen, die gezielte Fragestellungen ausspielen. Damit konnten wir auf Seiten mit wenig Traffic die Response-Rates um über 500% steigern und innerhalb kurzer Zeit valide Nutzer-Daten als Entscheidungsgrundlage liefern.

User Feedback Trends – beobachten & kontextuell befragen!

Vor einigen Jahren entdeckte ich beim Surfen auf immer mehr Websites „Feedback-Laschen“, meist am rechten Seitenrand der Sites. Per Klick wurde eine kurze Frage angezeigt, z.B. eine Zufriedenheitsabfrage, und ich konnte in ein Textfeld Kommentare eingeben. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass jene Laschen verschwunden sind. Ist das so oder erleben „Feedback-Laschen“ gerade einen zweiten Frühling?

Daniel: Ich denke wir erleben aktuell einen zweiten Frühling. Neue Technologien ermöglichen das über einen solchen Feedback-Button erhaltene Feedback besser in den Nutzungskontext zu setzen. Damit kann ein großer Mehrwert aus der Nachricht des Nutzers generiert werden. Ein solcher Feedback-Button ist einfach universell auf der Website einsetzbar und übernimmt dank ergänzender Informationen die Rolle eines Seismographen für die Online-Angebote des Unternehmens.

Auch wir haben die Funktionen der Feedback-Lasche in unserer Suite weiterentwickelt. Dabei wird das Feedback des Nutzers mit seinem Verhalten vor Abgabe des Feedbacks verknüpft, um zusätzliche Kontextinformationen zu erhalten. Dieses Verhalten kann man sich, analog dem klassischen Session Replay, in einem Video anschauen und so verstehen, warum ein Nutzer ein bestimmtes Feedback absendet.

Dank des Context Replay ist zum Beispiel nachvollziehbar, was der Nutzer getan hat, um ein technisches Problem auszulösen oder ganz allgemein was er vor seinem Feedback gesehen bzw. auch nicht gesehen hat.

Workshops & Fokusgruppen mit BtoB Zielgruppen

Wir haben, lieber Daniel, viel Neues und Wertvolles erfahren zu punktuellen Umfragen, eingebetteten Umfragen und User Feedback Management. Vielen Dank für das Teilen von Wissen & Erfahrungen.

Lass uns abschließend noch auf andere Forschungsansätze eingehen, beispielsweise Fokusgruppen oder Workshops mit Geschäftskunden. Welche Tipps und Hinweise kannst Du uns dazu geben: Was muss man tun, damit ein Unternehmen Geschäftskunden dazu begeistern kann sich 1-2 Tage aktiv an Fokusgruppen oder Design-Workshops zu beteiligen?

Daniel: Damit man Partner und Kunden für solche Arbeitsgruppen gewinnen kann, muss man sie sehr persönlich ansprechen und auch ihren Nutzen daraus in den Mittelpunkt stellen. Wenn man kommuniziert, dass man dies macht um besser zu verstehen was dieser – für das Unternehmen sehr wichtige Kunde – benötigt, um ihm einen noch besseren Service oder ein noch besseres Produkt bieten zu können, kann man ihn sehr häufig dazu motivieren.

Weiterhin sind die Kunden meist am Austausch mit anderen Kunden interessiert, um voneinander zu lernen. Wenn man ein solches Format mit in die Workshops integrieren kann, bietet man seinen Kunden einen ganz direkten Mehrwert durch die Teilnahme.

Vielen Dank Daniel für Deine gehaltvollen Anregungen und Tipps für eine nutzerzentrierte, researchbasierte Produktentwicklung und -weiterentwicklung im BtoB Umfeld. Du hast mir und ganz sicher auch den Lesern von Nutzerbrille.de neue Gedankenanstöße gegeben. Ich hoffe wir sprechen uns bald wieder, im Kontext der Themen User Research & User Feedback Management.

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Visuelle Designer sind Künstler und Handwerker

Gleich vorab: Sie werden in diesem Beitrag nichts Neues erfahren über die Profession der UX Designer (w/m/d). Zur wichtigen Rolle von UX Designern finden Sie auf nutzerbrille.de zahlreiche Gedanken und Beiträge.

Mir ist es ein Anliegen in diesem Beitrag visuellen Designern/-innen die Bedeutung zu geben, die sie meiner Meinung nach verdient haben. Warum ist mir das wichtig? Weil ich immer wieder erkennen muss, dass visuelles Design nicht die Wertschätzung bekommt, die es verdient hat. Es ist ein Kunsthandwerk – keineswegs zweckfrei und äußerst wertvoll für die Gestaltung erfolgreicher Produkte.

Visuelles Design ist ein Kunsthandwerk! 

Im Kontext der zurecht steigenden Bedeutung von Design Thinking Ansätzen, Design Sprints und der zunehmenden Klarheit über die Bedeutung der Bezeichnung „UX Design“ hat sich das grundlegende Verständnis für den Begriff Design verändert.

Design wird nicht (nur) verstanden als die Äußerlichkeit von Dingen. Design kennzeichnet den Gestaltungsprozess, im Sinne eines Gestaltungsprozesses für User Experience: Beginnend mit dem Erkennen von Bedarfen & Anforderungen, dem Konzipieren & Umsetzen von Prototypen und dem Testen & Optimieren jener mit Nutzern/-innen.

Damit einher ging die Abnahme der Relevanz von Ästhetik, also dem Visuellen, dem visuellen Design. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Tatsache, dass visuelles Design oft als Geschmackssache angesehen (man könnte auch wertend sagen „abgetan“) wird. Beides ist nachteilig – sowohl der Rückgang der Bedeutsamkeit von Ästhetik als auch die Gleichsetzung von Design mit Kunst bzw. mit einer Frage nach dem (guten) Geschmack. Visuelles Design ist auch Kunst, keine Frage. Aber Design ist nicht nur Kunst. Während Kunst frei von praktischen Zwecken ist, wollen visuelle Designer/-innen Gegenstände gestalten, die Menschen brauchen, gerne nutzen und zielführend einsetzen können.

Visuelles Design wirkt!

Visuelles Design löst Emotionen aus, weckt Erwartungen und prägt Stimmungen. Visuelles Design beeinflusst auf diese Weise Markenwerte, die Einstellungen zum Produkt und ganz wesentlich auch die wahrgenommene Nützlichkeit, Bedienbarkeit und damit letztlich die User Experience.

Der vielfach beschworene erste, visuelle Eindruck wirkt nicht nur kurzfristig. Er wirkt hinein in reflektive, ästhetische Bewertungen und bleibt über die Interaktion mit einem Produkt oder einer Anwendung hinaus erhalten. Zugleich ist er ein wesentlicher Bestimmungsfaktor dafür wie lange man sich mit einer Anwendung beschäftigt, ob man sie wiedernutzt und positiv oder eben negativ über sie spricht.

Diese Erkenntnisse basieren auf zahlreichen Studien und empirisch fundierten Theorien. Der Stand dieser Forschungen und deren Entwicklung über die Zeit kann in der Dissertationsschrift von Dr. Rita Strebe sehr gut nachvollzogen werden: Das visuell Ästhetische im Web.

Fazit – Gutes UX Design kann ohne ein gutes, zielführendes visuelles Design nicht (!) gelingen. Visuelle Gestaltung (Ästhetik) ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für (digitale) Produkte, der sich hinter den Wirkungen von Inhalten & Funktionen (Nützlichkeit) und der Nutzerführung (Usability) im engeren Sinne keineswegs verstecken sollte.

Um die Bedeutung des visuellen Designs aufzuwerten, ist es zunächst einmal wichtig die Wirkungen von Designs zu messen. Bestenfalls die Wirkungen verschiedener, visueller Designentwürfe.

Eine eindringliche und wunderbare Begründung, warum visuelles Design messbar gemacht werden muss damit es die ihm nötige Bedeutung zugesprochen bekommt, lieferte Professor Jochen Rädeker in einem Interview für die PAGE:

Der Manager [die Mangerin] nimmt die Entwürfe mit nach Hause und fragt: Schatz, wie gefällt dir das? In diesem Monat können Wochen strategischer Arbeit und logisch-konzeptionelle Herleitungen umsonst gewesen sein. Es liegt am Geschmack von Schatzi. […]. Deshalb müssen wir unser Design begründbar und messbar machen.

Begründbar und messbar – genau. Beides ist nötig. Widmen wir uns zunächst dem Messen der Wirkungen von visuellen Designs.

Wirkungen visueller Designs messen

Es gibt zahlreiche Ansätze, um die Wirkungen von visuellen Designs zu messen. Und das schöne dran: Diese Ansätze und Vorgehensweisen sind keine Kunst, sie sind klassisches Handwerk eines Marktforschers oder User Researchers. Handwerk das man erlernen kann und in dem man durch das Sammeln von Erfahrungen immer besser wird (How to Test Visual Design).

Die sich in Details unterscheidenden Ansätze weisen ein ähnliches, methodisches Vorgehen auf. Befragt werden Personen aus der Zielgruppe, beispielsweise abgebildet über Segmentierungs- oder Persona-Ansätze. Der Ablauf eines visuellen Design-Tests gestaltet sich typischerweise in 5-6 Phasen:

  1. Das visuelle Design wird für ca. 5 Sekunden eingeblendet.
  2. Es erfolgt eine Abfrage zu den „Likes & Dislike“.
  3. Das Design kann nun solange betrachtet werden, wie von der / dem Befragten gewünscht.
  4. Im Anschluss werden Bewertungen erhoben. Dabei kommen standardisierte, geprüfte Messinstrumente, wie beispielsweise der VisAWI, zum Einsatz. Typische Bewertungsdimensionen sind:
    • Attraktivität
    • Farbigkeit
    • Klarheit
    • Kunstfertigkeit
    • Neuartigkeit
    • Stimulation.
  5. Abschließend wird das Design noch einmal eingeblendet. Abgeleitet auf Basis von Markenkernwerten und angestrebten Designwirkungen können die Studienteilnehmer/-innen Eigenschaftswörter auswählen, die das Design aus ihrer Sicht beschreiben.

Gut vorbereitet, professionell durchgeführt und analysiert, erbringt ein (standardisierter) Designtest Klarheit und Wissen, um Entscheidungen zu treffen. Letzteres setzt jedoch voraus, dass man über Vergleichswerte verfügt, entweder aus einer Benchmarking-Datenbank oder durch den Vergleich verschiedener Designentwürfe in einem Testdurchlauf.

Visuelle Designs in Bezug auf ihre unmittelbaren Wirkungen zu messen – das geht also recht einfach. Deutlich schwieriger ist es die gemessenen Wirkungen zu begründen und erklärbar zu machen.

Wirkungen visueller Designs erklären

Visuelle Designer (w/m/d) verfügen über einen reich gefüllten Werkzeugkasten. Designer (w/m/d) wählen ganz bewusst objektive Gestaltungselemente aus, um gewünschte subjektive Einschätzungen beim Betrachter hervorzurufen.  Sie wissen über die Wirkungen von Farben, Formen, Strukturen, Anordnungen und Flächen. Visuelle Designer kennen sowohl die Gestaltgesetze als auch Grundprinzipien der Ästhetik. Ausgestattet mit einer gewissen (Berufs-)Erfahrungen sind das die zentralen Grundlagen, um wirksame visuelle Designs zu erschaffen.

Und obwohl das so ist, ist es bisher nicht gelungen eine Theorie zu entwickeln, die die ästhetischen Wirkungen von visuellen Designs vorhersagen kann. Und das trotz zahlreicher Forschungen der empirische Ästhetik, bereits beginnend bei Gustav Theodor Fechner im 18. Jahrhundert. Die empirische Ästhetik hat bis heute eine marginale Stellung inne, sowohl in der Psychologie als auch in den Kunstwissenschaften.

Ich finde es ist an der Zeit das zu ändern, um Ästhetik und die Wirkungen visuellen Designs über eine Theorie besser erklären und begründen zu können.

Visuelle Designs – Erst beschreiben und dann die Wirkungen messen!

Eine recht einfache, aber sehr wirksame Maßnahme auf dem Weg zu einem theoretischen Modell stellt eine deskriptive Analyse dar. Die im Rahmen von Design-Tests zu bewertenden visuellen Designs werden dabei ausführlich beschrieben. Neben der Beschreibung der Inhalte (Texte, Bilder) werden auch Angaben zu den in den Designs verwendeten Formen, Farben, Flächen, Strukturen und Gestaltungsprinzipien dokumentiert.

Diese eigenschaftsorientierte, rein deskriptive Vorarbeit ist die Grundlage, um aus den später erhobenen Daten zur Wirkung der visuellen Designs sowohl Wirkungsmuster als auch die zentralen Bestimmungsfaktoren der Wirkungen zu erkennen. Mit der Zeit entsteht auf diese Weise eine hervorragende Grundlage zur Vorhersage von Designwirkungen und zum steten Ausweiten vorhandenen Wissens über eine zielführende, visuelle Gestaltung von Designs.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Ich hoffe sehr, dass viele von Ihnen in Zukunft so oder so ähnlich vorgehen werden: Beschreiben und Messen!

Tun wir das viel mehr wie bisher, teilen wir zudem unsere dabei gewonnenen Erkenntnisse, dann werden wir gemeinsam dazu beitragen können, dass die Wirkungen visuellen Design begründbarer und erklärbarer werden.

Dabei sollten wir jedoch niemals den Anspruch entwickeln eine „Weltformel“ zu finden. Gute visuelle Designs können nur entstehen, wenn visuelle Designer auch über Kunstfertigkeit verfügen.

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Den richtigen UX Dienstleister finden: Der UX (Ver-)Mittler hilft bei der Qual der Wahl

Die meisten Unternehmen – sowohl in Deutschland als auch weltweit – haben einen niedrigen UX Reifegrad. Stellen für UX Designer/-innen, UX Teams oder Inhouse UX Abteilungen sind nicht vorhanden. Und in den meisten Fällen auch nicht in Planung.

Jene Unternehmen arbeiten mit externen Usability/UX Dienstleistern zusammen, um ihre Produkte und Services kunden- und nutzerzentriert zu gestalten. Nicht immer gelingt das, nicht immer ist die Zusammenarbeit zufriedenstellend und fruchtbar.

Woran das liegt? Nun, da unterscheidet sich der UX Markt in keiner Form von anderen Dienstleistungsmärkten. Es gibt Dienstleister die mehr versprechen als sie leisten wollen oder können.

Berater, Agentur oder doch ein Institut? Generalist oder Spezialist?

Die Herausforderung einem geeigneten UX Dienstleister zu finden, beginnt bereits bei der Frage: Nach welcher Art von Dienstleister muss ich eigentlich suchen?

Der Markt der UX Dienstleister ist geprägt von einer ausgeprägten Differenzierung. Jene spiegelt sich bei der Bezeichnung der Dienstleister wieder.

Wir finden …

  • UX Design Agenturen,
  • Strategie- und Prozessberater,
  • Digitalagenturen,
  • klassische (Marktforschungs-)Institute,
  • Softwareentwickler und auf
  • Innovation & Prototyping spezialisierte Dienstleister.

Jene Differenzierung ist durchaus vorteilhaft, ermöglicht sie doch bestmögliche Leistungsfähigkeit und ist auch ein Indiz für einen entwickelten Markt. Sie bedeutet für die Auftraggeber aber auch, dass der Auswahlprozess aufwändig ist. Es besteht zudem ein hohes Risiko ungeeignete Dienstleister zu beauftragen – mit fatalen Folgen: Hohe Kosten und niedrige Qualität.

Neben der Fülle von Agenturtypen gibt es auch eine Vielzahl an Methoden, Verfahren und Vorgehensweisen. Zahlreiche Toolanbieter – beispielsweise für Umfragesoftware, Remote-Tests, Card-Sorting Studien, Analytic und Testsoftware, oder auch die Erstellung von Prototypen – machen die Auswahl nicht leichter; vor allem dann nicht, wenn jene Unternehmen ergänzend Serviceleistungen verkaufen wollen.

Da mag ein naheliegender Lösungsansatz in der Entscheidung für eine „Digitalagentur“ gesehen werden. Die versprechen alles aus einer Hand:

  • Nutzer- und Nutzungsforschung,
  • Ideenentwicklung und -konkretisierung,
  • Konzeption & Prototyping,
  • Testing,
  • Implementierung,
  • kontinuierliche Weiterentwicklung,
  • Training,
  • Strategie- und IT-Prozessberatung.

Das klingt doch gut. Da kann man doch nichts falsch machen, oder? Auf den ersten Blick spricht in der Tat vieles für die Wahl eines Full-Service Dienstleisters. Unternehmen mit wenig UX Projekterfahrung reduzieren das Risiko einen falschen Agenturtyp auszuwählen.

Bei genauerer Betrachtung wird sich ein Unternehmen mit geringem UX Reifegrad jedoch einige kritische Fragen stellen (müssen):

  • Wie bedeutsam ist mein UX Design Budget für Digitalagenturen?
  • Wird es zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe kommen?
  • Einer Zusammenarbeit, bei der meine Interessen, Erfahrungen und Zielsetzungen als Auftraggeber/-in zu 100% beachtet werden?

Die Antwort: „Du bist für uns ein C-Kunde und wirst auch entsprechend behandelt!“ trifft ganz sicher nicht immer zu. Zu vielfältig sind die Arbeitsweisen und Philosophien der mehr als 100 Digitalagenturen im deutschen Markt. Jene Antwort ist aber ganz sicher nicht auszuschließen.

Die Lösung: Setzen Sie auf einen „UX (Ver-)Mittler“ – einen Architekten (w/m/d) der UX Branche!

Stellen Sie sich einmal vor wie es war bzw. wie es sein wird, als bzw. wenn Sie ein eigenes Haus bauen / bauten: Ging, geht das gut ohne die Hilfe eines Architekten (w/m/d)?

Architekten (w/m/d) befassen sich mit der

  • technischen,
  • wirtschaftlichen,
  • funktionalen und
  • gestalterischen

Planung und Errichtung von Bauwerken.

Sie erstellen den Entwurf, setzen die Rahmenbedingungen der Auftraggeberin um (Kosten, Zeitplanung) und beaufsichtigen die Baudurchführung. Sie sind Gestalter, Planer und (Bau-)Leiter in einer Person.

Architekten (w/m/d) verfügen über die nötigen fachlichen Fertigkeiten & Fähigkeiten. Jene haben sie sich in einer langjährigen Ausbildung erworben. Sowohl theoretisch als auch durch praktische Arbeitseinsätze am Bau. Sie kennen die grundlegende Arbeitsweise und Aufgabenbereiche der am Bau tätigen Handwerker; haben jene auch schon einmal selbst ausgeführt. Schließlich bilden sie sich stetig weiter, um ihre Qualifikationen auszubauen.

Einem derart kompetenten Menschen vertraut man gern. Und man traut ihm bzw. ihr auch entsprechend viel zu:

  • Während des Bauprozesses kümmern sich Architekten (w/m/d) um die Projektsteuerung, koordinieren die beteiligten Dienstleister und überprüfen deren Arbeitsergebnisse im Sinne einer Qualitätssicherung.
  • In der Planungsphase erstellen sie einen Entwurf, konzipieren die Umsetzung, managen die Ausschreibung von Gewerken, vergeben Aufträge, erstellen Verträge und planen die Zusammenarbeit der Dienstleister.
  • Während der Ausführung der Bauarbeiten kontrollieren und überwachen Architekten (w/m/d) die Kosten, Termine und Qualität, dokumentieren und berichten stetig an den/die Auftraggeber/-in.

Neben rein fachlichen Kompetenzen helfen bei der Bewältigung dieser Aufgaben Kommunikationsstärke, Durchsetzungsvermögen und Einfühlungsvermögen sowohl in Richtung des/der Auftraggeber/-in als auch der Dienstleister.

Jenen „Typen“ vertrauen wir zu Recht mehrere Jahresgehälter an, um in unserem Auftrag ein Haus zu bauen. Und genau solche „Typen“ braucht es für Unternehmen mit einer Wertschätzung für „gute UX“, aber (noch) geringem UX Reifegrad.
Und natürlich auch für Unternehmen, die schon einen hohen Reifegrad haben, nun jedoch mit einer neuen Art und/oder einem sehr komplexen Projektvorhaben konfrontiert sind.

Ich bezeichne diesen Typen als „UX (Ver-)Mittler“ – nicht zuletzt um ihn abzugrenzen von einem Digital und UX Designer (w/m/d).

Aufgabenbereiche für UX (Ver-)Mittler

Ein guter „UX (Ver-)Mittler“ wirkt und arbeitet grundsätzlich genauso wie ein Architekt (w/m/d).

Er übersetzt eine Projektzielsetzung in ein geeignetes Prozess- und Vorgehensmodell, inklusive einer Festlegung auf zielführende Methoden, Verfahren und Tools. Er berät bei der Zielkonkretisierung und achtet auf einen möglichst ganzheitlichen Blick auf die Problemstellung.

Dazu analysiert er/sie die Ist-Situation bei seinem Auftraggeber und stellt auf diese Weise sicher, dass durch die Zusammenarbeit mit Dienstleistern tatsächlich Neues geschaffen wird. Und nicht wie sooft geschehen, externe Dienstleister für Dinge bezahlt werden, die im Unternehmen schon bekannt bzw. vorhanden waren.

Ein UX (Ver-)Mittler trägt dazu bei, dass die Projektziele in einem gesetzten Kosten- und Zeiträumen bestmöglich erreicht werden. Effizienz für den/die Auftraggeber/-in zu erzielen, das ist seine zentrale Zielsetzung und zugleich seine Daseinsberechtigung.

Um dies zu erreichen plant und begleitet er den Such- und Ausschreibungsprozess, wählt geeignete Dienstleister aus, erstellt nötige Verträge und sichert im Projektverlauf die geforderte Qualität unter Einhaltung von finanziellen- und zeitlichen Rahmenbedingungen.

Je nach Problem- und Fragestellung ist er auch konzeptionell tätig. Erstellt beispielsweise für Nutzerstudien das Erhebungs- und Auswertungsdesign und legt die nötige Anzahl an Studienteilnehmer/-innen fest. Damit stellt er sicher, dass die Angebote von Dienstleistern 100% vergleichbar sind. Zudem schließt er aus, dass die Dienstleister Leistungen und Vorgehensweisen ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihrer Marge anraten.

Für seine Arbeit wird er nach einem mit dem/der Auftraggeber/-in zuvor vereinbarten Honorar auf Stundenbasis entlohnt. Vielleicht kombiniert mit Zielvereinbarungen, jedoch keinesfalls verbunden mit Provisionen! UX (Ver-)Mittler verweigern ganz bewußt jede Art von Provision von Dienstleistern. Nur so kann er/sie sicherstellen, dass die Auswahl der Dienstleister auf rein sachlicher Basis erfolgt.

Was zeichnet einen guten UX (Ver-)Mittler aus?

Fachlich muss ein UX (Ver-)Mittler möglichst breit aufgestellt sein, sowohl in der Aus- und Weiterbildung als auch hinsichtlich praktischen Erfahrungen.

Mindestens 20 Berufsjahre Erfahrung in der UX Branche sollte er/sie schon aufweisen – je mehr, umso besser. Nur so kann er/sie die Arbeitsweise und Arbeit von unterschiedlichen UX Design Dienstleistern und Agenturtypen einschätzen.

Von Haus aus sollte er/sie Gestalter/-in, Ingenieur/-in oder Manager/-in sein. Gerne auch zwei dieser drei Professionen erworben haben.

Empathie, Handlungsorientierung, Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsstärke und die Motivation zur stetigen Weiterbildung sind für einen UX (Ver-)Mittler unersetzlich.

Die UX Design Dienstleiter-Szene kennt er/sie sehr gut. Er/sie ist bestens vernetzt. Selbst hat er/sie bei unterschiedlichen Dienstleistern aus der Branchen oder einem Generalisten gearbeitet. Bestenfalls in verschiedenen Tätigkeitsbereichen: Research, Konzeption, Design, Testing, Management, Entwicklung. Damit verfügt er/sie über Grundkenntnisse zu den Arbeitsweisen und Tätigkeiten von Researchern, Konzeptern, Gestaltern und Entwicklern. Auch kennt er/sie das UX Mindset, die gelebte UX Philosophie, in unterschiedlichen Agenturtypen. Jene Erfahrungen sind sehr wichtig, um die Arbeit von Dienstleistern und deren Qualität bewerten zu können. Und natürlich auch, um für seine Auftraggeber/-in passende Dienstleister auswählen zu können.

Neben fachlichen Erfahrungen hat er/sie als Führungskraft und im Vertrieb erfolgreich gearbeitet, vielleicht sogar selbst ein Unternehmen aufgebaut und/oder geführt. Letzteres ist sehr hilfreich, um Empathie für den/die Auftraggeber/-in und Dienstleister entwickeln zu können.

Er/sie ist bestens vernetzt, nicht zuletzt durch den regelmäßigen Besuch von Veranstaltungen. Hier lernt er/sie neue Dienstleister kennen und pflegt seinen aktuellen und ganzheitlichen Marktüberblick. Zugleich lernt er/sie Trends frühzeitig kennen, behält einen umfänglichen Überblick zu UX Tools und Softwarelösungen, nimmt Veränderungen wahr und kann sich methodisch und fachlich weiterbilden.

Sehr gute UX-(Ver-)Mittler sind jene, die glaubhaft vermitteln, dass sie ihre Tätigkeit dauerhaft betreiben werden. Jenes ist beispielsweise gegeben, wenn der/die Vermittler/-in soloselbständig oder in einem kleinen Team wirkt. Er/sie sollte seine Vermittlerrolle zudem nach zahlreichen Jahren Berufstätigkeit als „krönenden Abschluss“ eingenommen haben. So können UX (Ver-)-Mittler ihren Auftraggebern/-innen glaubhaft Sicherheit und Konstanz bieten. Jenes unterscheidet sie von dem Leistungsversprechen der meisten Agenturen. Hier ist Fluktuation eher die Regel statt Ausnahme. Eine(n) feste(n) Ansprech- und Sparringspartner/-in können größere Agenturen selten bieten.

Jene Konstanz, gepaart mit der Bereitschaft Wissen weiterzugeben, sind eine wichtige Grundlage, um zusammen mit einem UX (Ver-)Mittler auch daran zu arbeiten seinen UX Reifegrad auszubauen. Erfahrene UX (Ver-)Mittler können die hierfür nötige Rolle eines Strategie- und Prozessberaters einnehmen, vor allem dann, wenn sie selbst bereits unternehmerisch erfolgreich tätig waren. Ein guter UX (Ver-)Mittler sollte diesen Anspruch haben. Er/sie kann dann die äußerst wertvolle Rolle eines UX Missionars einnehmen. Er/sie klärt in dieser Rolle auf, informiert und bildet die Mitarbeiter/-innen seiner Auftraggeber in Sachen UX Design weiter.

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Tun Sie’s. Sie werden es ganz sicher nicht bereuen.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

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Gerne unterstütze ich Sie bei der Suche nach dem für Sie und Ihr Projektvorhaben bestens geeigneten UX Design Architekten (w/m/d).

Sprechen Sie mich einfach an.

Es gibt sie bereits heute, gute „UX (Ver-)Mittler“, keine Frage. Sie zu finden, ist jedoch nicht leicht.

Zum einen gibt es nicht viele, die die nötigen Kompetenzen, Netzwerke und Erfahrungen aufweisen. Zum andern ist die Rolle eines „UX (Ver-)Mittlers“ (noch) kein klar definiertes Berufsbild innerhalb der UX Branche (mit dem Digital Designer gibt einen ersten Ansatz in diese Richtung).

Ganz anders schaut das heute bereits in der Marktforschungsbranche aus. Dort gibt es jene Vermittler – im Stil eines Architekten (w/m/d) der Forschungsbranche – seit vielen Jahren. Ihre Anzahl steigt stetig, was ein Beleg dafür ist, dass jene Rolle für die Auftraggeber/-innen nützlich und wertvoll ist. Genauso wie die von UX (Ver-)Mittlern (w/m/d).

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Coworking auf dem Land – Landleben und (neue) Landarbeit nach menschlichem Maßstab

Es gibt viele gute Gründe einen „geteilten Schreibtisch“ in Klein-, Mittelstädten und in Dörfern anzubieten. Coworking Spaces auf dem Land sind keine Vision mehr, sie sind Realität: In Schleswig-Holstein, Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und vielen weiteren Regionen Deutschlands, Europas und weltweit.

Dazu beigetragen haben die positiven Effekte von Coworking-Spaces auf dem Land für Wissensarbeiter/-innen („Büromenschen“) die auf dem Land leben (wollen), für die Gemeinschaft auf dem Land und für die Gesellschaft als Ganzes.

Viele gute Gründe für Coworking auf dem Land

Der wohl entscheidende Grund für den besonderen Wert von geteilten Schreibtischen in unseren Regionen liegt in der Wiederherstellung von Nähe: Nähe zwischen dem Wohn- und Arbeitsort.

„In Zeiten der Digitalisierung ist es verrückt, dass die Menschen immer noch wie in den 1950er Jahren jeden Tag in die Büros der Städte zum Arbeiten eilen – die Arbeit kann heute zum Menschen kommen.“
Ulrich Bähr, Vorstand der CoWorkLand Genossenschaft.

Die funktionale Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsort ist geschichtlich betrachtet vollkommen untypisch für die Menschheit. Sie entstand erst im Zeitalter der Industrialisierung. Damals hatte sie auch ihre Berechtigung. Für die stetig steigende Schar von Wissensarbeitern/-innen („Büromenschen“) hat Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort jedoch deutlich mehr Vorteile.

Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer/-innen in Deutschland pendeln 5 von 7 Tagen zwischen ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sie legen zum Teil sehr weite Strecken zurück, erleben Stress, verlieren wertvolle Zeit für ihr Familienleben, für Freunde, den Austausch mit Nachbarn oder Zeit zum Erholen. Zugleich tragen sie zu einer großen Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen bei. Letzteres ganz sicher in den meisten Fällen nicht gewollt.

Pendelzeiten reduzieren – das ist der wichtigste Nutzen von Coworking-Spaces auf dem Land. Es ist jedoch nicht der einzige. Geteilte Schreibtische auf dem Land leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen im ländlichen Raum indem sie …

  • „Büromenschen“ in der Region halten,
  • Stadt- und Ortskerne (wieder-)beleben,
  • Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Leben in einer Gemeinschaft verbessern,
  • eine Kultur des Teilens und Helfens befördern (wiederbeleben),
  • Menschen unterschiedlicher Professionen (Wissensarbeiter/-innen, Handwerker/-innen, Landwirte/-innen) vernetzen und auf diese Weise die Entstehung von Innovationen, Unternehmen und neuen Geschäftsmodellen fördern,
  • leerstehenden Gebäuden neues Leben „einhauchen“ und somit Werte erhalten
  • und den Lebensort Dorf für junge, hochqualifizierte Menschen attraktiver machen, so dass jene sich leichter tun mit einem Wohnortwechsel „von der Stadt aufs Land“.

Coworking Spaces auf dem Land schaffen, das sollte deutlich geworden sein, volkswirtschaftliche Werte von bedeutendem Ausmaß. Gleichzeitig, und das ist leider auch (noch) Realität, sind Coworking-Spaces auf dem Land betriebswirtschaftlich betrachtet kein Erfolgsmodell aus sich selbst heraus.

Es braucht Zeit, eine lange Anlaufphase, Durchhaltevermögen und intelligente Förderung(en) durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jene Förderung ist, ob der aufgezeigten volkswirtschaftlichen Effekte, jedoch ein sehr lohnendes Investment.

Erfolgsfaktoren von Coworking-Spaces auf dem Land

Unsere Regionen haben, im Vergleich zu unseren Metropolen, viele, zum Teil seit Jahren leerstehende Gebäude. Das ist eine gute Grundlage, um geeignete Räumlichkeiten für einen Coworking-Spaces zu finden. Gründer/-innen von ländlichen Spaces benötigen in der Startphase daher vor allem Personal- und Betriebskostenzuschüsse. Nur so lassen sich Menschen finden die das Risiko einer Coworking-Space Gründung auf dem Land eingehen.

Eine Gemeinschaft die den Wert von geteilten Schreibtischen kennt und für sich erschließen will, ist ein weiterer, wesentlicher Erfolgsfaktor. Coworking-Spaces auf dem Land können nur dann dauerhaft überleben, wenn es von Anfang an eine Handvoll interessierter und aktiver Coworker/-innen gibt.

Ist diese Gemeinschaft (noch) nicht vorhanden, dann ist das Wagnis einer Spacegründung groß. Um dennoch die Machbarkeit abschätzen zu können, bietet sich ein experimentelles Coworking auf Zeit an. Derartiges bietet die CoWorkLand Genossenschaft. Sie stellt mobile Coworking-Spaces für 4-8 Wochen zur Verfügung. Jene sind so konstruiert, dass sie an nahezu jedem Ort mit guter Web-Anbindung aufgestellt werden können: Am Strand, auf Marktplätzen, an Bahnhöfen oder auf Bauernhöfen.

Unter dem Motto „Angebot schafft Nachfrage“ (in Anlehnung an Norbert Blüm), laden die mobilen PopUp-Coworking-Boxen der CoWorkLand Genossenschaft Bürger/-innen dazu ein Coworking auszuprobieren, erst einmal zu erleben.

Im Gespräch mit interessierten Menschen vor Ort, die von der Box angezogen werden und einige Zeit darin verbringen, können potentielle Space-Gründer/-innen Potentiale erkennen und ihr Gründungsrisiko besser abschätzen. Jener Ansatz ist einer Machbarkeitsstudie per Befragung hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Gültigkeit gewonnener Erkenntnisse weit überlegen.

Menschen-zentriertes Space-Design

Ist die Startphase gesichert, sind Zuschüsse, Zuversicht und eine Gemeinschaft vor Ort vorhanden, dann gilt es die Räumlichkeiten einladend zu gestalten.

Dabei muss keineswegs ein Raumkonzept umgesetzt werden, welches es mit den Coworking-Spaces in Berlin, Hamburg, München oder Düsseldorf aufnehmen kann.

Lounge-Bereiche, ein Marktplatz mit einer Cafeteria, Still-Arbeit in einer Bibliothek, Wellbeing-Oasen mit Bällebad und Hängematten, Kicker, Trampoline und Workspace-/ Prototyping-Räume werden ganz sicher auch bei Coworker/-innen auf dem Land gut ankommen. Keine Frage. Ein derartiges Space-Design ist aber sehr teuer in der Umsetzung, im Betrieb und führt folglich zu hohen Kosten für Coworker/-innen. Da deren Zahlungsbereitschaft bei weitem nicht so hoch ist wie von Coworker/-innen in einer Metropole, sollte die Absicht einen High-End Coworking-Space zu gestalten schnell aufgegeben werden.

Viel wichtiger ist die ernsthafte Absicht einen menschen-zentrierten Gestaltungsansatz umzusetzen. Genauer gesagt: Einen Coworker/-innen-zentrierten Ansatz.

Ein Space auf dem Land wird vor allem dann eine dauerhaft erfolgreiche Angelegenheit, wenn dessen Betreiber die vorhandenen Räumlichkeiten gemeinsam mit den Coworkern/-innen der ersten Stunde gestalten. Ihre Erfordernisse und Wünsche sollten die Grundlage sowohl für die Erstausstattung und -gestaltung als auch eine stetige, gemeinsam Reflektion und Optimierung darstellen.

Ganz im Sinne des bewährten User Experience Mindset:
Design für positive Coworker/-innen Experience gelingt nur unter Einbeziehung der Coworker/-innen !

Mit jenem Mindset ausgestattet, wird ganz schnell deutlich, dass ein Coworking-Space auf dem Land nicht zu einem zweiten zu Hause für die Coworker/-innen werden muss. Dass Wohlfühl- und Wellbeing-Oasen nett aber nicht unbedingt nötig sind, und dass Parklätze direkt vor der Tür für viele Coworker/-innen auf dem Land wichtiger sind wie ein vielfältiges gastronomische Angebot in der Nähe des Spaces.

Was aber auch in einem Coworking-Space auf dem Land auf keinen Fall fehlen darf sind …

  • eine stabile und schnelle Netzanbindung,
  • gut ausgestattete Besprechungs- und Workshopräume,
  • ein großer Raum in dem Coworker/-innen zusammenarbeiten und sich austauschen können (Dialog-Space),
  • Stillarbeitsplätze / -möglichkeiten,
  • eine Kaffeeküche mit Sitzgelegenheiten, bestenfalls an einem großen Tisch und
  • guter Kaffee.

Dies sind die zentralen Basis-(Erfolgs-)faktoren eines jeden Coworking-Spaces, egal ob in Berlin oder auf Eiderstedt.

Förderer aus Politik & Wirtschaft

Bereits an dieser Stelle sollte deutlich geworden sein, dass es nahezu unmöglich ist einen Coworking Space auf dem Land nebenbei zu betreiben. Es braucht ehrlichen Willen einen positiven Beitrag für die Zukunft der Region zu leisten, ausgeprägte Handlungsorientierung, gepaart mit großem Durchhaltevermögen. Und selbst dann, wenn all dies vorhanden ist, braucht es zwingend geeignete Förderprogramme, die speziell abgestellt sind auf die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Die Politik muss sowohl auf kommunaler als auch auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene einen Beitrag leisten, um Coworking Spaces auf dem Land dauerhaft am Leben zu halten. Erste Schritte und Maßnahmen sind dazu bereits getan bzw. auf den Weg gebracht. Jene sind hilfreich aber bei weitem noch nicht ausreichend.

Die EU und die Bundesregierung sollten „Schreibtische auf dem Land“ durch ein Recht auf mobiles Arbeiten fördern. Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen, die mit der festen Überzeugung geschaffen wurden, dass Arbeitnehmer/-innen die für ihre Arbeiten geeigneten Arbeitsorte am allerbesten selbst auswählen können. Damit einhergehend muss die Arbeitsort-Kompetenz von Arbeitgebern, Unternehmern und Arbeitnehmern gestärkt werden. Es braucht Wissen, Weiterbildungs- und Aufklärungsmaßnahmen in Sachen mobiles, virtuelles und selbstbestimmtes Arbeiten.

Ulrich BährVorstand der CoWorkLand Genossenschaft und Projektleiter  Digitalisierung / ländliche Räume der Heinrich-Böll Stiftung – fordert ergänzend eine Coworking-Pauschale. Seine Argumentation pro Coworking-Pauschale ist nachvollziehbar: Pendler können heute ihre Kosten für den Weg zur Arbeit und zurück von der Steuer absetzen. Hört man auf zu Pendeln und arbeitet wo man lebt, dann müssen die Kosten für einen Schreibtisch selbst getragen werden. Umweltschädliches Verhalten wird heute also belohnt, während ressourceneffizientes und zugleich familien-/ gemeinschaftsfreundliches Verhalten bestraft wird. Ich finde, das sollte sich schnellstmöglich ändern!

Die Bundesregierung muss zudem die bestehende Homeoffice-Regelung dahingehend anpassen, dass auch nicht Hauptarbeitsorte und deren Nutzung steuerlich anrechenbar sind. Und schließlich braucht es Förderprogramme, welche die Personal- und Betriebskosten von Coworking-Spaces auf dem Land bezuschussen, in den ersten 2 Jahre bestenfalls zu 100%.

Auch die Politik vor Ort, in den Gemeinden, Ämtern und Kommunen, und regionale Unternehmen können wesentliche Beiträge zum Erfolg von Coworking-Spaces in der Region leisten. Sie könnten beispielsweise ihre Veranstaltungen, Weiterbildungen, Schulungen und Trainings bewusst im Coworking-Space durchführen, und damit sowohl den Betrieb des Spaces mitfinanzieren als auch Werbung für das Thema Coworking betreiben.

Unternehmen, kommunale Ämter und Behörden könnten ihren Mitarbeitern/-innen die Möglichkeit einräumen einige Arbeitstage pro Monat im Space zu arbeiten – mit all den daraus sich ergebenden positiven Effekten: Neue Sichtweisen, Impulse und Ideen durch den Austausch mit Coworkern/-innen, Wissenstransfer und Wissensaufbau.

Damit dies geschieht, braucht es vor Ort eine liberale und zugleich umweltbewusste Wertehaltung. Ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor für Coworking-Spaces auf dem Land – den es vor der Gründung eines Spaces unbedingt auch zu prüfen gilt.

Volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich erfolgreich – das geht nur in einer starken Gemeinschaft!

Die eingangs genannten guten Gründe für Coworking-Spaces auf dem Land haben derart positive volkswirtschaftliche Effekte, dass sich alle Arten von zuvor geforderten Förderungen schnell amortisieren und zusätzliche Werte geschaffen werden.

Gründer/-innen von Coworking-Spaces wollen und müssen jedoch auch betriebswirtschaftlich erfolgreich sein. Das eint sie mit allen Gründern, und das ist auch wichtig, um dauerhaft motiviert zu bleiben.

Betriebswirtschaftlicher Erfolg wird sich nach einer geförderten Startphase von 1-2 Jahren vor allen dann einstellen, wenn es gelingt den Space auf spezifische Zielgruppen und deren Erfordernisse auszurichten. Hilfreich sind zudem ergänzende Serviceangebote, über die der Space-Betreiber zusätzliche Einnahmen generieren kann.

Welcher Weg für betriebswirtschaftlichen Erfolg der richtige ist, das sollten die meisten Spacebetreiber/-innen innerhalb von 1-2 Jahren recht gut erkennen können. Er wird sich ausgehend von der Art der bis dahin gewonnenen Coworker/-innen abzeichnen:

  • Sind es Pendler, die den Space 1-2 Tage pro Woche nutzen?
  • Liegt der Fokus auf Freiberuflern/-innen?
  • Gelingt es junge Unternehmen anzuziehen?
  • Welche Professionen sind im Space anzutreffen?
  • Welche privaten und familiären Gemeinsamkeiten haben die Coworker/-innen?
  • Kommen die Coworker/-innen überwiegend aus der Region?
  • Gelingt es Menschen und Unternehmen aus den Metropolen bzw. Großstädten für einen temporären Schreibtisch auf dem Land zu gewinnen?

Jene Fragen zeigen schon auf, wie vielfältig die Möglichkeiten einer grundlegenden Ausrichtung eines Coworking-Space sind: Pendlerspace, Workation oder Retreat? Sie zeigen zudem auf, welche unterschiedlichen Zielgruppenfokussierungen denkbar sind: Coworking-Spaces für Frauen, Menschen mit Kindern, für Schüler/-innen, Designer/-innen oder Handwerker/-innen?

Die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen sind eine wertvolle Grundlage für eine fokussierte und bedarfsorientierte Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung für einen Space.

Die Fokussierung auf die Zielgruppe der Pendler bietet sich an, wenn eine Großstadt in 40-60 Kilometern Entfernung liegt. Jener Standortfaktor trägt ganz wesentlich dazu bei Pendler als Coworker/-innen zu gewinnen. Sie und auch ihre Unternehmen sind zudem vertraut mit dem Thema Coworking, müssen daher nicht erst aufgeklärt werden. Zudem gelingt es Coworking-Spaces innerhalb von Speckgürteln Unternehmen aus der angrenzenden Großstadt für Veranstaltungen, Events und Seminare / Workshops zu gewinnen; ebenso für die Möglichkeit Projektteams ein temporäres Arbeiten in neuer Umgebung zu ermöglichen.

Ist dieser Standortvorteil nicht vorhanden, dann kann ein Erfolgsweg in der Kombination von Unterkunft (Ferienwohnung, Hotel) und Coworking-Space liegen. Zielgruppe sind Menschen die für eine begrenzte Zeit an einem anderen Ort, einem Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit arbeiten und leben wollen. Sie erhoffen sich Ideen und Impulse durch einen Wechsel des Arbeitsortes: Weg aus der (vertrauten) Umgebung einer Stadt, raus aufs Land, raus in die Natur.

Stellt man als Spacebetreiber/-in nach 1-2 Jahren fest, dass es besonders gut gelingt Coworker/-innen einer speziellen Profession zu gewinnen, so können auf jene ausgerichtete Services eine gute Grundlage für Zusatzeinnahmen darstellen. Beispielsweise in Form von Vertriebs- und Marketingberatung, sowie Ausschreibungsmanagement für Handwerker/-innen.

Wie auch immer der Erfolgsweg ausschauen wird, er wird sich leichter finden und gehen, wenn sich Coworking-Spacebetreiber/-innen aus unterschiedlichen Regionen regelmäßig treffen, austauschen und auf diese Weise kollegial beraten.

Die CoWorkLand Genossenschaft bietet eine derartige Austauschplattform. Und darüber hinaus noch viele weitere Services für die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Das Ziel der Genossenschaft ist es, ihre Mitglieder sowohl bei der Gründung als auch im Betrieb von Coworking-Spaces auf vielen Ebenen zu unterstützen und ihren Kunden/-innen, den Coworkern, die Möglichkeit zu bieten an möglichst vielen Orten im ländlichen Raum unkompliziert zu arbeiten.

Neben dem Erfahrungsaustausch qualifiziert und berät die Genossenschaft ihre Mitglieder und unterstützt sie durch überregionales Marketing, eine Buchungs- und Abrechnungsplattform und gemeinschaftlichen Einkauf. Sie fördert zugleich einheitliche Qualitätsstandards und bietet Beratung bei der Auswahl geeigneter Förderprogramme.

Viele gute Gründe sich dieser oder vergleichbaren Gemeinschaften, wie beispielsweise dem VillageOffice in der Schweiz, anzuschließen.

Sie wollen loslegen? Wollen Arbeiten und Leben besser vereinbaren und einen Space in Ihrem Dorf aufbauen?

Dann legen Sie los und wagen Sie es. Die Zeit ist gekommen für Arbeiten und Leben auf dem Land!

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne unterstütze ich Sie bei den ersten Schritten mit Rat, Impulsen und nützlichen Tipps.

Sprechen Sie mich an.

Ich bin gerne für Sie da und möchte so einen Beitrag für viele erfolgreiche Coworking-Spaces auf dem Land leisten.

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Office-Design: Bürogestaltung für Experience Designer/-innen

Der französische Schriftsteller Honoré de Balzac bezeichnete das Einzelbüro als die „Schale des Beamten“. Lange ist das her. Einzelbüros galten jedoch über einen sehr langen Zeitraum als Statussymbol und begehrte Rückzugsräume im Arbeitsalltag.

Heutzutage sind die eigenen vier Wände in Firmen, Organisationen und Institutionen eher die Ausnahme als die Regel. Groß, weit, offen und vor allem flexibel müssen Räume in Büros heutzutage sein, um den Anforderungen der Arbeitswelt gerecht zu werden.

Das gilt im Besonderen für UX und Digital Designer/-innen. Sie üben vielfältige Tätigkeiten aus, die entsprechend vielfältige Aktivitätsräume erfordern. Designer/-innen arbeiten in Teams, ab und an natürlich auch alleine und nahezu immer erfordern ihre Aufgaben viele Fähigkeiten: Gestalten, managen, entwickeln und reflektieren.

Es ist eine komplexe Aufgabenstellung geeigneten Räumlichkeiten für jene Aufgabenvielfalt bereitzustellen. Jene Aufgabenstellung zu bewältigen hat jedoch mindestens genauso viele positive Effekte auf die Mitarbeiterzufriedenheit, Mitarbeiterbindung und den unternehmerischen Erfolg, wie ein typgerechter Führungsstil auf Basis von Mitarbeiter-Personas oder die Ausstattung von Arbeitsplätzen mit geeigneten Technologien und Tools.

Ein aufgaben- und typgerechtes Office Design für Experience Designer (w/m/d) lohnt sich!

Glückseligkeit – Nein, Wohlfühlen – Ja!

Vielleicht beginnen Sie just in diesem Moment darüber nachzudenken, wie Sie Ihr Büro zu einem zweiten Zuhause für Ihre Mitarbeiter/-innen (um-)gestalten können.

Ihnen kommen Rutschen, Trampoline, Tischkicker oder Tischtennisplatten in den Sinn, und sie überlegen sich, wo Sie jene Spielgeräte in Ihrem Büro aufstellen können. Und vielleicht denken Sie auch an ein Bällebad für den neu einzurichtenden Kreativraum. Sie denken wahrscheinlich an einen trendigen Lounge-Bereich, Ihnen kommen Bilder von Coworking-Spaces in den Sinn und Sie überlegen ob Sie Ihren Mitarbeitern/-innen das Stillarbeiten in einer Bibliothek ermöglichen sollten.

All das macht Sinn, ja, jedoch nicht zwingend für Sie, Ihr Unternehmen und für Ihre Mitarbeiter/-innen. Ich würde sogar behaupten, dass die zuvor beschriebenen Spielgeräte für die meisten Unternehmen überhaupt keinen positiven Beitrag in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung leisten.

Arbeit muss nicht glücklich machen (oder um es mit den Worten von André Spicer provokant auszudrücken: Arbeit ist Scheiße). Persönliches Glück entsteht und braucht Zeit mit bzw. für Freunde oder Familie, braucht Zeit für Aktivitäten bei denen die Zeit wie im Fluge vergeht.

Sie müssen also keineswegs alles dafür tun, dass Ihre Mitarbeiter/-innen gar nicht mehr nach Hause gehen wollen. Sie müssen Ihr Büro nicht zu einem Ort der Glückseligkeit entwickeln. Beim Meistern einer aufgaben- und typgerechten Bürogestaltung geht es vielmehr darum Mitarbeitern/-innen Räumlichkeiten zu bieten, in denen sie die Aufgaben welche sie mögen auf aus ihrer Sicht ideale Art und Weise erledigen können.

Das ist noch immer eine komplexe Aufgabenstellung, zugegeben, es ist aber eine Aufgabe die systematisch angegangen durchaus zu bewältigen ist.

Office Design = Mitarbeiter-zentrierte (Büro-)Gestaltung 

Wer den Erfolgsfaktor Bürogestaltung voll ausschöpfen will, muss sich mit den Bedürfnissen seiner Mitarbeiter/-innen und deren Anforderungen, die mit der Verrichtung ihrer Arbeit einhergehen, auseinandersetzen.

Er sollte seine Mitarbeiter/-innen daher auch einbeziehen in die Konzeption von Räumen und Arbeitsplätzen, jene für ein Experimentieren mit Veränderungen gewinnen und sie bei der Auswertung von Erfahrungen aus Veränderungen in der Raum-/Bürogestaltung einbeziehen.

Die Entwicklung einer optimalen Büro- und Arbeitsplatzgestaltung (Office Design) erfordert ein Employee Experience Design Mindset.

Grundlagen einer aufgabengerechten Bürogestaltung

Wie genau das ideale Büro für Experience Designer (w/m/d) ausschauen muss, dafür gibt es kein Patentrezept. Und selbst wenn es ein Patentrezept gäbe, dann ist es mehr als ungeschickt es einfach anzuwenden. Viel effektiver ist es beim Thema Arbeitsplatz-, Raum- und Bürogestaltung die eigenen Mitarbeiter/-innen einzubinden.

Eine Bestandsaufnahme zu den typischen Aufgaben und Arbeiten ist eine gute Grundlage, um die Anforderungen an die Gestaltung von Büroräumen abzuleiten. Sie sollte bestenfalls nicht nur einmalig durchgeführt werden. Bereits beim Start eines Office Design Projekts gilt es den Faktor Zeit zu beachten. Die Bestandsaufnahme muss Veränderungen im Zeitverlauf deutlich machen:

  • Welche Arbeiten und Aufgaben nahmen in den vergangenen 9, 12 oder 18 Monaten zu?
  • Welche Arbeiten wurden weniger oft ausgeführt und was sind die Gründe für diese Veränderungen?
  • Wie wird sich die Art und der Umfang der Arbeiten in den kommenden Monaten entwickeln?

Die Bestandsaufnahme wird erst dann vollständig und nützlich, wenn sie auch eine Identifikation der subjektiven und emotionalen Erfordernisse der Mitarbeiter/-innen hervorbringt:

  • Wünschen sich die Mitarbeiter/-innen eine offene Raumgestaltung?
  • Wie wichtig ist ihnen Privatsphäre?
  • Welche Bedeutung hat das Mobiliar, welche Relevanz haben Tools & Technologien?
  • Wie wichtig ist den Mitarbeitern/-innen eine wohlige, gemütliche, zum Verweilen einladende Raumgestaltung?
  • Welche Pausen- und Erholungsmöglichkeiten werden gewünscht?
  • Gibt es spezielle Anforderungen an die Akustik und Farbgestaltung?
  • Sollen die Räumlichkeiten repräsentative Aufgaben übernehmen, zum Beispiel gegenüber Kunden & Partnern?
  • Welche Bedeutung hat die Raumgröße?
  • Wie vielfältig sind die Anforderungen an Besprechungsmöglichkeiten, Teamräume und Möglichkeiten für spontane Treffen und Gespräche?

Die Antworten auf jene exemplarischen Fragestellungen bieten sehr gute Hinweise auf die individuellen Erfolgsfaktoren einer gelungenen Bürogestaltung.

Prototyping im Office-Design – Coworking-Spaces machen es möglich!

Fragen stellen und Daten zusammentragen sind eine notwendige, aber keinesfalls hinreichende Grundlagen für den Start eines Office Design Projekts. Es gilt zusätzlich neue Raumerfahrungen tatsächlich zu machen, um auch auf dieser Basis zuverlässig entscheiden zu können was ein Unternehmen und deren Mitarbeiter/-innen brauchen.

Jene Raumerfahrungen lassen sich recht einfach ermöglichen: In den meisten Städten erlauben Coworking-Spaces ein Arbeiten auf Probe in innovativen Räumen und unter Verwendung von modernen Büromöbeln. Coworking-Spaces ermöglichen damit die auch im Office Design Prozess so wichtige „Prototyping-Phase“.

Coworking-Spaces bieten vielfältig, oft unterschiedlich gestaltete Räumlichkeiten, Arbeits- und Erholungsmöglichkeiten (Kreativräume, Treffpunkte, Cafeteria, Bibliothek/Stillarbeitsräume, Dialog-Spaces, Teamräume, Aktionsräume etc.). Gute Coworking-Spaces gewähren zugleich beste Bedingungen für eine offene Kommunikation, den Austausch untereinander, die Zugänglichkeit zu Ideen und Gedanken und fördern die Entstehung eines Gemeinschaftsgefühls.

Eine bessere Umgebung zum Erleben und Erfahren moderner Raum- und Arbeitsplatzkonzepte gibt es nicht.

Sind mehrere Spaces in einer Stadt vorhanden, so sind jene oft auf spezifische Zielgruppen und Berufsbilder ausgerichtet. Hier gilt es den für sein Unternehmen passenden Space gezielt auszuwählen. Eine gute Grundlage zur Auswahl des Space stellt, aufbauend auf der vorgelagerten Bestandsaufnahme, die Durchführung eines Workshops mit dem SAP Mosaic Baukasten dar.

Über die Nutzung von 2-3 Spaces durch mehrere Mitarbeiter/-innen wird ist es möglich geeignete Raum- und Arbeitsplatzkonzepte zu erleben, zu testen, zu bewerten und auf diese Weise eine hervorragende Grundlage für die eigene Bürogestaltung zu schaffen.

Prototyping wie es sein sollte – und das zu vergleichsweise geringen Kosten.

Eckpfeiler einer Bürogestaltung für Experience Designer (w/m/d)

Bestandsaufnahme, Mitarbeiterinnen-Befragung und Probearbeiten in Coworking-Spaces stellen eine ausreichende Grundlage dar, um (nun endlich) beim Office Design in die konkrete Umsetzung zu gehen.

Wie eine Umsetzung ausschauen könnte, das möchte ich Ihnen gerne am Beispiel einer exemplarischen Bürogestaltung für Experience Designer (w/m/d) darstellen.

Die Bestandsaufnahmen wird aufzeigen wie vielfältig, abwechslungsreich und sehr oft herausfordernd der Arbeitsalltag von UX/Digital Designern (w/m/d) ist. Sie wird Tätigkeiten – von A-Z sortiert und keineswegs vollständig – wie …

  • analysieren,
  • dokumentieren,
  • gestalten,
  • Ideen entwickeln und konkretisieren,
  • managen,
  • missionieren,
  • optimieren,
  • präsentieren,
  • reflektieren,
  • testen,
  • verändern

hervorbringen. Sie alle müssen erfolgreich bewältigt werden (können), um als UX/Digital Designer (w/m/d) mit seiner Arbeit zufrieden zu sein.

Erlebnisse in Coworking-Spaces und nicht zuletzt daraus entstandene Anforderungen, Erfordernisse und Wünsche werden den Bedarf an verschiedenen Aktivitätsräumen hervorbringen. Aktivitätsräumen die förderlich sind für …

  1. die Kommunikation und den Austausch untereinander.
  2. das Zusammenarbeiten (Teamarbeit).
  3. ein inspirierendes, kreatives Arbeiten – alleine und in Teams.
  4. das sogenannte Stillarbeiten / konzentrierte Arbeiten

Sie stellen die Eckpfeiler eines gelungenen Office Design für Experience Designer (w/m/d) dar.

Office-Design für UX/Digital-Designer (w/m/d)

Je nach vorhandener Fläche und Anzahl an Mitarbeitern/-innen ergeben sich unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten, um die genannten Eckpfeiler umzusetzen. Allen Lösungsvarianten gemein ist der Gedanke möglichst viele Multifunktionsflächen bereitzustellen, die sich flexibel und einfach umgestalten lassen. Auf diese Weise kann den sich wandelnden Anforderungen möglichst lange gerecht werden.

Um den Austausch untereinander, die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen zu fördern, sind Großraumbüros bestens geeignet. Unregelmäßige Tischanordnungen und Raumteiler, beispielsweise über Regale und/oder Pflanzen, erlauben es viele Mitarbeiter/-innen und Teams zusammen arbeiten zu lassen.

Für einen Team-übergreifenden Austausch sind Großraumbüros hilfreich jedoch nicht immer ausreichend. Sind entsprechende Flächen vorhanden, so sollten Treffpunkte ergänzend eingerichtet werden. Vergleichbar mit einem Marktplatz in einer Stadt, müssen jene Treffpunkte an Orten eingerichtet werden, die von vielen Mitarbeiter/-innen oft durchkreuzt werden. Jene Flächen sind oft in der Nähe von Toiletten oder in Eingangsbereichen verortet.

Treffpunkte zur Förderung eines Team-übergreifenden Austausches benötigen Sitzgelegenheiten für den persönlichen (Zweiergespräche) und sozialen Austausch in Gruppen. Es bietet sich an lange Tischreihen bereitzustellen, die an die klassische Ausstattung von Coworking-Spaces erinnern. Eine sehr gute Infrastruktur (Netzanbindung, Steckdosen etc.), leicht zugängliche Kalt-, Warmgetränke und Snacks, sowie eine Café-Atmosphäre machen einen Treffpunkt („Marktplatz“) lebendig. Dazu tragen auch Events bei, die willentlich im Treffpunkt veranstaltet werden (beispielsweise Meet-Ups, Talks, regelmäßige Frühstückstermine, Projektfeiern oder Geburtstagsfeiern).

Um die Teamarbeit zu unterstützen, braucht es für jedes Team eine „Home-Base“. Jene kann auf einer Großraumfläche durch den Einsatz von flexiblen Raumteilern hergestellt werden oder durch feste Teamräume.

In ihrer Home-Base sollten die Teammitglieder unter sich sein, ihren Arbeitsplatz frei gestalten können und auch einmal Zwischenstände von Arbeitsergebnissen „rumliegen lassen“ können. Team-spezifische Arbeitsflächen innerhalb eines Großraumbüros benötigen viele Gelegenheiten um Arbeits- und Diskussionsergebnisse dauerhaft präsent zu halten. Das setzt entsprechende Wände und Präsentationsflächen voraus, ebenso flexibel verstellbare Arbeitsplätze.

Beim Thema „Kreativität fördern“ werden sich die Geister scheiden: Einige setzen auf separate (Kreativ-)Räume andere lehnen das strikt ab. Bei der Gestaltung von Büros für Experience Designer (w/m/d) macht man wohl nichts verkehrt, wenn man ein UX Mindset als Grundlage anlegt und daraus abgeleitet die Einstellung vertritt:

Kreativität entsteht durch Prototyping und frühes Testen!

Eine Einstellung, die im Ergebnis mehr Investitionen in Räume bedarf, kommt man mit „nur“ einem Kreativraum dann nicht mehr aus. Jener Ansatz ist jedoch in Bezug auf seine Wirkungen im Sinne eines „Design für User Experience“ ganz sicher deutlich effektiver, so dass sich die zusätzlichen Investitionen amortisieren werden.

In einem Prototyping-Raum benötigt die Teams viele Whiteboards, Tische und Stühle. Er muss nicht besonders groß sein, eine Gruppengröße von 4-6 Personen ist in der Regel ideal um an Prototypen zu arbeiten. Statt Größe ist der Zugang zu vielfältigen Materialien mit den Ideen gestalterisch umgesetzt werden können deutlich wichtiger.

Für die Durchführung von Tests braucht es sowohl einen Test- als auch Beobachtungsraum. Beide sollten technisch gut ausgestattet sein, Audio- und Videotechnik bereitstellen und zugleich möglichst viele, unterschiedliche Endgeräte für die Tests bieten.

Auf nahezu ideale Weise umgesetzt ist ein solches Prototyping- und Test-Setting im BMW UX Live Center. Jenes Center lädt Teams geradezu ein Prototyping und Testing oft durchzuführen. Oder um es mit den Worten des Center-Leiters Ralf Kellner zu sagen:

Human Centered Design soll [im BMW UX Live Center] so einfach zugänglich sein, wie Burger bestellen in einem Fast Food-Restaurant.“ (Das UX Live Center von BMW Group IT).

Über diese Analogie kommend, berät das UX Live Center Team seine Kollegen/-innen an einem Service Desk, der optisch der Theke eines Fast Food Restaurants nachempfunden ist.

Die gesamte Fläche des UX Live Center bietet vier unterschiedliche Aktivitätsflächen:

  • Workshop-Space mit/ohne Personas als Pappaufsteller, die zum Erstellen von beispielsweise Customer Journeys genutzt werden können.
  • Prototyping-Raum.
  • Gruppendiskussionsraum und Testraum mit Beobachtungseinheit
    zum Evaluieren von Produkten und Produkt-Ideen (Prototypen).
  • Ruhebereiche für Moderatoren und Interviewer.

Das UX Live Center von BMW ist damit ganz sicher ein Best Practice für alle Unternehmen, die ein „Design für User Experience“ fördern und dafür missionieren wollen. Besser geht das kaum.

Bleibt abschließend noch, und da spannt sich auch der Bogen zum Anfang dieses Artikels, ein Loblied zu singen auf die nach wie vor nötige „Stillarbeit“. Stillarbeit im modernen Sinne braucht jedoch nicht das in die Jahre gekommene Einzelbüro („Schale des Beamten“). Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten konzentriertes Arbeiten auch auf gemeinsam nutzbaren Flächen umzusetzen (3 verschiedene Settings für Stillarbeit):

  1. Die „Bibliothek“ – So wie früher beim Lernen für Klausuren. Gerne auch genauso hergerichtet wie eine Bibliothek.
  2. Die „Denkerzelle“ – Gut geeignet für Telefonate und längere Telefonkonferenzen. Sie wird oft umgesetzt in Form von Raum-in-Raum Konzepten (bestenfalls nicht als Glaskasten).
  3. Die „Nische“ – Nischen können sowohl verstanden werden als wirkliche, räumliche Nischen, umgesetzt oft über entsprechende Möbelstücke. Nischen kann es aber auch in nett hergerichteten Pausen-, Marktplatz- oder Lounge Bereichen geben.

Et Voila, fertig ist das ideale Büro für Experience Designer (w/m/d).
Ein Büro das alle Eckpfeiler für ein gestalterisches, nutzerzentriertes Arbeiten erfüllt und fördert:

  1. Kommunikation und Austausch untereinander
  2. Zusammenarbeiten (Teamarbeit)
  3. Inspirierendes, kreatives Arbeiten
  4. Stillarbeiten / konzentriertes Arbeiten

Und ganz sicher auch ein Büro, das „Mitarbeiter-bindend“ wirkt.

Ob dem so ist, das erkennen Sie dann, wenn Ihre Mitarbeiter/-innen ihren Freunden und/oder Familienmitgliedern Büroführungen bieten, sie als Gäste einladen. Das ist der beste Indikator für eine gelungene Gestaltung der physikalischen Umwelt, als eine der 3 Säulen eines gelungenen Employee Experience Design (daneben: Kultur & Technologie).

In diesem Fall ist es gelungen ein Büro zu einem Ort zu machen, an dem man gerne ist, auf den man stolz ist und den man auch in die Öffentlichkeit bringt.

Sie wollen genau da hin und an Ihrem Office Design arbeiten?
Dann starten Sie den Weg dahin. Bestenfalls jetzt!

Arbeiten Sie möglichst oft in Coworking-Spaces. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern/-innen ebensolche Möglichkeiten. Nehmen Sie deren Wünsche und Erfordernisse an eine Büro- und Raumgestaltung auf – ausgehend von deren typischen Arbeiten und Tätigkeiten. Führen Sie Workshops mit Ihren Mitarbeitern/-innen mit Hilfe des Mosaic Baukasten von SAP durch.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Und dann: Wagen Sie das Investment in ein neues Büro oder ein überarbeitetes Raumkonzept. Es wird sich lohnen, wenn Sie die vorbereitenden Arbeiten gemeinsam mit Ihrem Team, Ihren Mitarbeitern vollzogen haben.

Office Design für zufriedenen Mitarbeiter/-innen gelingt nur mit einer mitarbeiterzentrierten Denk- und Vorgehensweise. Gerne unterstütze ich Sie dabei – mit Impulsen und einem Gedankenaustausch. Sprechen Sie mich an.

Buchtipp zur Gestaltung von Büros und Räumen  

Das Team von Dark Horse Innovation hat das Buch „New Workspace Playbook“ im Jahr 2018 geschrieben.
Eine spannende, praxisnahe und informative Darstellung ihrer Erfahrungen aus zahlreichen Innovations- und Office Design Projekten. Das Buch zeigt in Wort und Bild welche herausragenden Arbeitsumgebungen Unternehmen bereits heute geschaffen haben und erklärt das Wie und Warum dahinter.

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„Freitags arbeite ich im Coworking Space!“ – Über den besonderen Reiz des 3. Arbeitsortes

Immer mehr Mitarbeiter/-innen wollen Familien- und Arbeitsleben besser miteinander vereinbaren. Das gilt für Mitarbeiter/-innen aus allen Generationen – vom Baby-Boomer bis zur Generation „Why“. Sie wollen Zeit mit ihren heranwachsenden Kindern verbringen, Zeit haben für gemeinsame Erlebnisse mit der Familie oder – immer öfter wird aus dem „oder“ gar ein „oder/und (!)“ – ihre Eltern pflegen.

Erfolgreiche Unternehmen reagieren auf diese Erkenntnis mit der Einführung von Home-Office Tagen. Mitarbeiter/-innen können, je nach Branche und Unternehmen, 1-2 Tage pro Monat von zu Hause arbeiten. In Unternehmen aus der Digital und UX-Design Branche ist die Arbeit von zu Hause aus problemlos möglich – so dass in diesen Branchen oft 1-2 Home-Office Tage pro Woche geboten werden (Als UX Professional zu Hause arbeiten: Das macht glücklich und produktiv!).

Die Einführung der Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu können ist in Bezug auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben besonders wirksam.

Der 2. Arbeitsort: Arbeiten im Home-Office

Viele Unternehmen erkennen den Bedarf an Home-Office Tagen wenn Mitarbeiter/-innen erstmals aus einer Elternzeit zurückkommen. Mitarbeiterorientierte Unternehmen reagieren in solchen Situationen auf vielfältige Weise: Sie bieten die Möglichkeit zum Arbeiten von zu Hause und passen Stellenbeschreibungen, sowie Aufgabenbereiche an. Sie strukturieren Prozesse um, bieten Weiterbildungen auch in Form von Webinaren, statten ihre Mitarbeiter/-innen mit mobilen Arbeitsgeräten aus, implementieren Tools & Werkzeuge für virtuelle Teamarbeit, geben Tipps für das Arbeiten von zu Hause und bieten ihren Mitarbeitern/-innen unterschiedliche Teilzeitmodelle: Von 3-5 Tage Woche, von 10-40 Arbeitsstunden pro Woche.

In solchen Unternehmen nutzen von der Geschäftsführung, über die Back-Office Mitarbeiter/-innen bis zu den Auszubildenden alle das Angebot Home-Office Tage zu nehmen.

Der 3. Ort: Arbeiten in Coworking Spaces

Die Möglichkeit als Angestellte/-r ab und an auch in einem Coworking Space zu arbeiten hat einen besonderen Reiz. Dieser 3. Arbeitsort wird von Unternehmen oft ergänzend angeboten, wenn zuvor die Möglichkeit geboten wurde 3, 4 oder gar 5 Tage pro Woche von zu Hause zu arbeiten. Der Coworking Space als 3. Ort soll der Gefahr einer sozialen Isolation entgegenwirken.

Coworking Spaces bieten, neben Gemeinschaft & Austausch, noch viele weitere Vorteile. Vorteile die gerade für Unternehmen aus der Digital und UX-Design Branche von besonderem Wert sind: Coworking Spaces sind ein nährstoffreicher Boden auf dem Ideen und Innovationen wunderbar gedeihen.

Coworking Spaces sind Nährböden für Ideen

Die grundlegenden, konstitutiven Coworking-Werte:

  • Offenheit
  • Zugänglichkeit,
  • Kollaboration und
  • Gemeinschaft

stellen Werte dar, die für die Generierung von Ideen äußerst hilfreich sind.

Ideen, „am Puls der Zeit“ zu sein und Innovationen als erster einzuführen, das sind gerade in der Digital und UX-Design Branche zentrale Erfolgsfaktoren für Unternehmen.

In Coworking Spaces finden Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen, Fertigkeiten, Berufen und Berufungen zueinander. Diese Diversität, gepaart mit Räumlichkeiten die Kommunikation untereinander fördern (Küche, Cafeteria, Gesprächsinseln, Sofaecken), tragen zu einer inspirierenden (Arbeits-)Atmosphäre bei (Was genau ist eigentlich Coworking?).

Der Nährboden für Ideen wird auch durch die Coworker selbst gepflegt. Coworker sind neugierig, kommunikativ, nehmen neue Blickwinkel und Sichtweisen gerne ein, schauen über den Tellerrand und versuchen sich in andere hineinzuversetzen. Das sind Tugenden, die von einer guten Coworking Gemeinschaft gepflegt werden.

Diese offensichtlichen, positiven Rahmenbedingungen sowohl auf räumlicher als auch kultureller Ebene sind notwendige jedoch keineswegs hinreichende Bedingungen, um in einem Coworking Space Ideen zu entwickeln. Das geschieht nur dann, wenn angestellte Mitarbeiter/-innen das Angebot zum Arbeiten in Coworking Spaces freiwillig annehmen. Wenn sie motiviert sind Ideen für Produkte & Prozesse zu entwickeln und durch die Führung ihres Unternehmens ermutig, gefördert und beratend begleitet werden.

Zudem müssen die Mitarbeiter/-innen berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, die dazu beitragen, dass im Coworking Space gemeinsam mit anderen Coworkern Ideen entstehen. Dazu gehören Merkmale wie Kontaktfähigkeit & Soziabilität, Empathie & emotionale Stabilität, Flexibilität, Handlungsorientierung („auf ein Ziel hinwirken“) und Teamorientierung – jene berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale sind nötig, um Ideen durch gelegentliche Arbeitstage in Coworking Spaces zu ernten.

Coworking Spaces – Nicht jeder eignet sich!

So wie sich nicht jede(r) Mitarbeiter/-in für das Arbeiten in einem Coworking Space eignet, so bietet auch nicht jeder Coworking Space einen guten Nährboden für Ideen & Innovationen. Es gilt Coworking Spaces zu finden, die „wertekonform“ ausgerichtet sind, d.h. eine

  • Gemeinschaft bieten,
  • Zusammenarbeit fördern und
  • von Offenheit geprägt sind.

Das sind, neben der Lage – entweder nah am Büro oder nah am Wohnort – und Ausstattung, die weichen Erfolgsfaktoren für die Auswahl von Coworking Spaces.

Zudem sollte der Space Coworker beheimaten, die unterschiedliche Fertigkeiten, Qualifikationen und Arbeitsschwerpunkte aufweisen. Nur so wird Diversität geboten und nur so können die sich daraus ergebenden, positiven (Netzwerk-)Effekte und Innovationen entstehen (So gelingt inklusives Design: 7 Lektionen von Google, Apple, Facebook und Amazon).

Bei der großen Anzahl an Coworking Spaces ist diese Auswahl eine große Herausforderung (Ist das eigentlich noch Coworking?) . Es gilt eine Vorauswahl zu treffen und im Anschluss geeignet erscheinende Spaces zu besuchen, die Atmosphäre aufzuspüren und die Coworker kennenzulernen.

Sie wollen Ihren Mitarbeitern die Wahl zwischen 3 Arbeitsorten bieten?

Tun Sie es, probieren Sie es aus. Die Wahl zwischen 3 Arbeitsorten – Büro, Home-Office und ergänzend Coworking Space – ermöglicht  es Ihnen sowohl private Anforderungen & Wünsche Ihrer Mitarbeiter/-innen zu erfüllen als auch die Innovationsfähigkeit Ihres Unternehmens zu steigern. Die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter wird steigen und zugleich bekommt Ihr Unternehmen jede Menge neuer Impulse, Kontakte und Ideen. Letzteres im ganz besonderen Maße im Coworking Space.

Ich hoffe Ihnen gute Gründe und eine schlüssige Argumentationsgrundlage für das Angebot von 3 Arbeitsorten geboten zu haben.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne unterstütze ich Sie bei der Konzeption & Umsetzung eines solchen Ansatzes für Ihr Unternehmen und helfe Ihnen bei der Auswahl geeigneter Coworking Spaces in Ihrer Stadt oder Region.

Sprechen Sie mich einfach an.

 

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Den Nutzer stets im Blick: Dr. Fabian Hennecke

Heute möchte ich Ihnen Dr. Fabian Hennecke vorstellen. Ich freue mich sehr, dass Fabian sich die Zeit für ein Interview auf Nutzerbrille.de nahm. Ich schätze Fabian sehr: Sowohl als Persönlichkeit als auch Experten für UX Design.

Im Besonderen freue ich mich auf dieses Interview, weil Fabian einer der Väter von Nutzerbrille ist: Nach seinem Studium und seiner Promotion in Medieninformatik an der LMU München hat Fabian zusammen mit Johannes Müller und Mario Obendorfer die UX-Beratung uxcite und die Usability Testing Plattform nutzerbrille.de aufgebaut und bis ins Jahr 2016 betrieben.

Danach sammelte Fabian vielfältige Erfahrungen bei der nutzerzentrierten Entwicklung neuer und bei der Weiterentwicklung vorhandener Produkte in verschiedenen Unternehmen. Seit 2018 ist Fabian als erfahrener UX Designer bei xbAV tätig, dem führenden Technologieanbieter für die Digitalisierung der betrieblichen Altersversorgung.

Viele gute Gründe für ein Interview mit Dr. Fabian Hennecke zu Lean UX, dem UX Reifegrad von deutschen Unternehmen und den sich wandelnden Berufsbildern der Usability/UX Branche.  Am Ende des Interviews werden Sie auch erfahren, warum es sich lohnt Jeff Gothelf auf eine Tasse Kaffee einzuladen.

Design for User Experience

Fabian „Design for User Experience“ – diese Zielsetzung hat für viele Unternehmen eine große Bedeutung. Sie wollen UX Denk- und Prozessmodell in agile Entwicklungsumfelder integrieren. Entwickler, Konzepter, Gestalter, Produktmanager und User Researcher sollen herausragende Produkte schnell auf den Markt bringen und vorhandene zielführend optimieren. Diese Ziele überfordern einige Unternehmen. Sicherlich hast Du diese Erfahrung auch schon gemacht.

Warum tun sich einige Unternehmen so schwer ein „Design for User Experience“ zu etablieren?

Fabian: Ich glaube eines der großen Probleme am Anfang dieses Prozesses ist die Umstellung der eigenen Denkweise. Es geht bei einem UX-orientierten Prozess nicht um die Lieferung möglichst vieler Features in kurzer Zeit, wie bisher in vielen Firmen, sondern um sinnvolle Features oder Änderungen, die auf User Research beruhen.
Hierfür müssen Firmen erstmal einen guten Kontakt zu ihren eigenen Kunden bzw. den Nutzern ihrer Produkte knüpfen. Das kann je nach Produkt und Marktsituation schon eine ganz eigene Herausforderung darstellen falls verschiedene Stakeholder involviert sind. Anschließend muss man wissen wie man User Research effizient vorbereitet, durchführt und dann natürlich auch auswertet.
Dieses Wissen kann man zwar von extern einkaufen, dennoch ist auch dies eine Hürde. Schlussendlich laufen all diese Dinge darauf hinaus, dass sich das Unternehmen auf drei wesentliche Punkte einlässt:

  1. Entscheidungen auf den Ergebnissen von User Research treffen
    („Was wird entwickelt?“)
  2. Entscheidungen als Experimente begreifen
    („Löst unser Ansatz das gefundene Problem?“)
  3. Keine Angst davor haben bereits getroffene Entscheidungen zu revidieren („Das war wohl nix.“).

Diese Punkte erfordern ein organisationsweites Umdenken, sowohl bei den einzelnen Stakeholdern als auch bei der Unternehmenskultur. Nicht jedes Unternehmen akzeptiert gescheiterte Experimente als Lernerfolg. Insofern ist der Übergang zu einem „Design for User Experience“ durchaus eine Herausforderung auf mehreren Ebenen.

Lean UX – agile Entwicklung nutzerzentriert gestalten!

Fabian, wenn ein Unternehmen seinen UX Reifegrad steigern möchten, sagen wir ausgehend von „Wir haben etwas Budget für UX Tests!“ hin zu einem systematischen, nutzerzentrieren Gestaltungsprozess, womit sollte das Unternehmen starten?

Fabian: Die Unternehmen sollten anfangen zu verstehen wie ihre Produkte tatsächlich genutzt werden. Das geht am besten mit User Research. Durch Beobachtungen bei Nutzern vor Ort und in Interviews bekommt man neue Einsichten, die man auch im zehnten Meeting im eigenen Unternehmen so nicht erhalten hätte.
Interessanterweise sind Anekdoten oder auch Videos von Nutzern, die das eigene Produkt nutzen, außerdem ein gutes Argumentationsmittel, um im Unternehmen für einen nutzerzentrierten Prozess zu werben. Man profitiert durch User Research als erstem Schritt also gleich zweifach: Man gewinnt wichtige Erkenntnisse zum Produkt und erhält Material, um weiter für eine nutzerzentrierte Entwicklung im Unternehmen zu werben.

Fabian, Du bist ein Fan von Jeff Gothelf und Josh Seiden, den beiden Begründern des Lean UX Ansatzes. Inzwischen bist Du selbst zu einem der führenden Lean UX Experten geworden.
Was zeichnet diesen Ansatz aus und wieso ist er so gut integrierbar in agile Entwicklungsumfelder?

Fabian: Der Ansatz von Lean UX baut stark auf cross-funktionale Teams und die Integration des Teams in die Research- und Design-Aktivitäten. So erreicht man von Beginn an Alignment und Commitment im Team. Zusätzlich ermöglicht der Fokus auf Hypothesen und Experimente, dass das Team Dinge in kleinen Iterationen testen kann. Besonders wenn das Team selbst Entscheidungen treffen und die Entwicklung steuern kann, hilft Lean UX dabei die agile Entwicklung nutzerzentriert zu gestalten.

Berufsbilder der Usability/User Experience Branche

UX Designer sind die neuen Stars der UX Szene. Auf 3 von 4 Visitenkarten von Usability & UX Professionals ist diese Berufsbezeichnung inzwischen zu finden. Wie ist Dein Verständnis von den Aufgabenbereichen und Tätigkeitsfeldern eines UX Designers?

Fabian: Ich würde da zwischen UX Designer in kleinen Unternehmen und großen Konzernen unterscheiden. In kleinen Unternehmen sehe ich den UX Designer als Schweizer Taschenmesser, der von User Research über Konzeption bis hin zum Design alles abdecken muss. In großen Konzernen gibt es jedoch viel stärkere Spezialisierungen, zum Beispiel auf User Research. Beide Varianten haben für mich ihren eigenen Reiz und besondere Herausforderungen.
Neben diesem klassischen Rollenbild sehe ich einen UX Designer aber auch als Bindeglied zwischen den Bereichen Produkt, Entwicklung, Support, Customer Management und beispielsweise Marketing. In der täglichen Arbeit, z.B. in Workshops, bringen UX Designer die unterschiedlichen Bereiche zusammen, koordinieren Wissensaustausch und sorgen dafür, dass der Nutzer im Unternehmen eine Stimme hat.

Arbeitest Du heute bereits entsprechend Deines Idealbildes von einem UX Designer?

Fabian: Ich würde sagen: ja! Als Schnittstelle zwischen verschiedenen Bereichen treibe ich die Erstellung und Umsetzung von Konzepten eigenverantwortlich voran. Zusätzlich hinterfragen wir uns als Team regelmäßig und versuchen dadurch beispielsweise bestehende Prozesse zu verbessern. Insgesamt gefällt mir die Kombination aus der Arbeit an Detaillösungen und dem Mitgestalten am Großen und Ganzen sehr gut.

Mehr Erfolg durch Empathie und Verständnis füreinander!

Fabian, wie ist Deine Meinung zu diesen beiden Aussagen:

  • Wir brauchen mehr Entwickler, die Konzeptions- und Gestaltungswissen haben und grundlegende Erfahrungen in diesen Aufgabenfeldern gesammelt haben.
  • Wir brauchen mehr Konzepter & Gestalter, denen die Arbeitsweise von Entwicklern nicht fremd ist, die sich mit neuen Technologien beschäftigen und ein grundlegendes Verständnis von Programmiersprachen haben. 

Fabian: Ich stimme beiden Aussagen zu. In der täglichen Arbeit merke ich, dass es extrem hilfreich ist die Probleme bei der technischen Umsetzung eines Konzepts zu verstehen und diskutieren zu können. Ebenso ist es sehr hilfreich, wenn Entwickler Feedback zum Konzept und Design geben. Das fachliche Entgegenkommen und das gegenseitige Verstehen verbessern die Qualität der Arbeit ungemein. Außerdem erspart es an manchen Stellen auch Arbeit: UX Designer, die einfache Code-Änderungen vornehmen können oder Entwickler, die einfache Konzeptfragen selbst lösen können, machen so manches Ticket überflüssig.

Du hast bereits mit Donald Norman Pizza gegessen, daher ist die Frage: Mit welcher UX Persönlichkeit würdest Du gerne mal einen Kaffee trinken? sicherlich eine schwere, dennoch möchte ich sie Dir zum Abschluss unseres Interviews gerne stellen.

Fabian: Ganz klar: Jeff Gothelf. Dabei würde ich mit ihm über die Entwicklung von und die praktische Erfahrung mit Lean UX sprechen. Es wäre spannend zu erfahren, welche Fragen und Probleme ihm als Koryphäe auf dem Gebiet schon begegnet sind. Haben die typischen Probleme bei der Einführung von Lean UX typische Lösungen? Welche Fehler werden bei der Umsetzung von Lean UX am häufigsten gemacht? Was ist der größte Erfolg, den er mit Lean UX in einem Projekt bisher erreicht hat?

Vielen Dank, lieber Fabian, für diese anregenden und tiefen Einblicke in Deine Erfahrungs- und Gedankenwelt zu Usability, UX, Lean UX und UX Design. Ich hoffe Du bleibst Nutzerbrille.de lange, sehr lange treu und bist in 2-3 Jahren wieder für ein Interview auf Nutzerbrille zu begeistern. 

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150.000 EUR Jahresgehalt: Warum UX Designer das verdienen aber (noch) nicht bekommen!

Im den Jahren 2017/2018 verdiente ein UX Professional in Deutschland, bei einer durchschnittlichen Berufserfahrung von sieben Jahren, 4.475 EUR pro Monat (Brutto). Das ergibt ein Bruttojahresgehalt von 53.700 EUR (Branchenreport German UPA). Die meisten UX Professionals in Deutschland bezeichnen sich selbst als UX Designer. Auch das ein Ergebnis des Branchenmonitor der German UPA.

Eine Suche in bekannten Jobbörsen nach den Stichworten „UX und Usability“ führt in 50% der Fälle hin zu einer Ausschreibung mit der Stellen-/Rollenbezeichnung: UX Designer (w/m). Folglich wird die Anzahl an UX Designern (w/m) unter Deutschlands UX Professionals weiter steigen.

Ein Blick in die gefundenen Stellenausschreibungen führt in den meisten Fällen zu großer Verwunderung.  Man reibt sich die Augen ob der hohen Ansprüche und Anforderungen der suchenden Unternehmen. Die Unternehmen suchen die sprichwörtliche „eierlegende Woll(milch)sau“: UX Designer die die Fähigkeiten von Gestaltern, Managern und Ingenieuren (englisch: Engineer) in sich vereinen. Gesucht werden also Menschen, die gleich 3 Professionen ausfüllen.

Die/Der gesuchte UX Designer/-in soll …

  • ein Verständnis für die Arbeitsweise von Entwicklern/-innen haben,
  • Programmiersprachen kennen und die Logik hinter PHP, JavaScript, HTML & CSS verstehen, bestenfalls selbst programmieren können,
  • sich für Technik und neue Technologien begeistern,
  • hervorragende Erfahrungen mit Prototyping-Techniken, Varianten und einschlägigen Tools haben,
  • Wireframes, Wireflows und Templates gestalten können,
  • den Prozess und die Methoden für ein „User Centered Design“ kennen und mit
  • dessen Planung, Anwendung, Koordination und Durchführung vielfältige Erfahrungen gesammelt haben,
  • somit in der Lage sein ein „Design für User Experience“ umzusetzen und schließlich
  • neben „Teamfähigkeit haben“ auch noch
  • Teams erfolgreich führen können.

All diese Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen reichen aber nicht aus. Gewünscht werden zusätzlich Leistungsmotivation und Gestaltungswille, Managementqualitäten und Führungserfahrung, Empathie und Kontaktfreudigkeit, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit.

Und spätestens jetzt sollte wirklich jedem klar werden: UX Designer (w/m) sind 150.000 EUR Bruttojahresgehalt wert – wenn sie die Fähigkeiten und Erfahrungen von gleich 3 Professionen (Gestalter, Manager, Engineer) in sich vereinen.

Das gilt im Besondern für diejenigen UX Designer, die in Unternehmen die Rolle eines UX Pioniers einnehmen. Sie übernehmen dann meistens auch den Auftrag ein „Design für User Experience“ im Unternehmen einzuführen, zu verankern und somit den UX Reifegrad des Unternehmens zu steigern. Jene brauchen, ergänzend zu den zuvor dargelegten Fähigkeiten, auch Changemanager-Qualitäten.

Eine solche Fähigkeiten-, Erfahrungs- und Aufgabenfülle sollte einem Unternehmen 93,75 EUR pro geleisteter Arbeitsstunde wert sein. Jener Stundensatz summiert sich bei einer 40 Stundenwoche und im Mittel 200 geleisteten Arbeitstagen zu einem Bruttojahresgehalt von 150.000 EUR (entspricht auf Tagessatzbasis gerechnet 750 EUR pro Tag).

Warum erhalten angestellte UX Designer (noch) keine 150.000 EUR Jahresgehalt?

Das liegt ganz sicher nicht darin begründet, dass es keine UX Designer auf Unternehmensseite gibt, die jene per Stellenausschreibungen geforderten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen aufweisen.

Davon gibt es in Deutschland sicherlich nicht allzu viele, aber es gibt sie. Ulf Schubert, Wolf Brüning, Johannes Müller, Clemens Lutsch, Dominik Sibum, Christoph Ohl, Bastian Linder, Jan Jursa, David Gilbert, Andreas Hallermann, Karolin Wisch, Markus Wienen, Dominique Winter, Henning Brau und Marcel Zimmermannn seien an dieser Stelle exemplarisch genannt. Sie alle ermöglichen es User Researchern, Interaktionsdesignern, Entwicklern, Produktmanagern und UI Designern besser miteinander zu arbeiten und gemeinsam hervorragende Produkte für ihre Unternehmen zu erschaffen.

Zentral für die Diskrepanz zwischen dem Idealbild eines UX Designers (w/m) laut Stellengesuchen und dem nicht Erreichen von 150.000 EUR Bruttojahresgehalt ist folglich nicht das fehlende Angebot. Der Grund ist vielmehr darin zu sehen, dass derzeit die meisten UX Designer/-innen in 60-80% ihrer Arbeitszeit Tätigkeiten ausüben, die für ein spezifisches, klar definiertes UX Berufsbild typisch sind. Berufsbilder wie beispielsweise …

  • Usability Engineer
  • User Requirements Engineer
  • User Researcher
  • Interaktionsdesigner
  • UI / Interface Designer
  • Informationsarchitekt
  • UX Tester.

Für jene Professionen gibt es etablierte Aus- und Weiterungsangebote, Studiengänge und Zertifizierungsprogramme. Folglich gibt es im Markt zahlreiche UX Professionals, die die nötigen Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten für eine jener spezifische UX Rollen bzw. Berufsbilder aufweisen. All jenes – Aus-, Weiterbildungsangebote, Studiengänge und Zertifikate – gibt es für UX Designer (noch) nicht.

Was zeichnet einen UX Designer aus?

Was wir dringend brauchen ist eine Antwort auf eben jene Frage: Was zeichnet einen UX Designer aus? Wir benötigen eine klare Rollendefinition und Beschreibung der zentralen Tätigkeiten eines UX Designers. Eines UX Designers, wie er von immer mehr Unternehmen, auch und gerade aus dem Mittelstand, gesucht und benötigt wird.

Ausgehend von einer Rollenbeschreibung können Aus- und Weiterbildungsangebote entstehen, die für jene Tätigkeiten qualifizieren, können Unternehmen geeignete Bewerber/-innen finden und gemeinsam mit ihnen ihren UX Reifegrad steigern. Und nur so können UX Professionals auf Jobsuche – sowohl als Berufseinsteiger als auch Jobwechsler – eine Anstellung finden, die zu ihren Fähigkeiten passt und in der sie erfolgreich und zufriedenstellend wirken können. Niemand, weder Unternehmen noch Arbeitnehmern, ist gedient mit unklaren Rollen und Berufsbildern, und sich daraus ergebenden überforderten Stelleninhabern.

Was wir weiterhin dringend benötigen ist eine andere Bezeichnung für den idealtypischen, bis zu 3 Professionen in sich vereinenden UX Designer. UX und Design, beide Begriffe sind vielfältig, facettenreich und werden unterschiedlich verstanden. Gerade in Kombination ist deren Bedeutung nicht eindeutig.

Es ist an der Zeit nach einer besseren Rollenbezeichnung für UX Designer zu suchen!

Der Arbeitskreis Digital Design im BITKOM hat sich dieser Aufgaben bereits angenommen. Er formt und etabliert das Berufsbild des Digital Designer (w/m). Damit ist ein erster Lösungsvorschlag für eine Berufsbildbezeichnung vorhanden, die die Aufgabenbereiche Gestaltung, Management und Engineering in sich vereinen kann.

Weitere Lösungsvorschläge werden vom Berufsverband der Deutschen Usability und UX Professionals (German UPA) unterbreitet werden, nicht zuletzt vom Arbeitskreis Qualitätsstandards, der stetig an der Aktualisierung der UX Berufsbilder arbeitet.

Bis die beste Lösung gefunden ist gilt es durchzuhalten und gemeinsam daran zu arbeiten, dass UX Designer die als Gestalter, Manager & Engineer gleich 3 Professionen ins sich vereinen auch bekommen was sie verdienen.

Sie sind UX Designer und benötigen einen Sparringspartner? Sie suchen einen UX Pionier, der den UX Reifegrad Ihres Unternehmens steigern kann?

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne helfe ich Ihnen. Gebe Tipps, berate und begleite Sie im Prozess der Suche geeigneter Mitarbeiter/-innen und bei der Implementierung neuer Prozesse & Rollen.

Sprechen Sie mich gerne an – und nehmen Sie teil an meinem Webinar „UX im Unternehmen verankern“ (Ein Weg von einer 1 Mann/Frau UX Stelle hin zum Teamleader UX).

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Wie minimal darf ein Minimum Viable Product sein?

Die zunehmende Verbreitung von Minimum Viable Product (kurz: MVP) Ansätzen ist ein Segen für uns alle. Wir als Kunden bzw. Nutzer bekommen attraktive, neue Produkte. Unsere Unternehmen können Produktangebote in kurzer Zeit auf den Markt bringen, ohne ein mehrseitiges Lasten- und Pflichtenheft zu erstellen.

MVPs („minimal lebensfähige Produkte“ in der deutschen Übersetzung) sind geprägt von einem einfachen Funktionsumfang. Fokussiert auf einen Bedarf, zu dessen Erfüllung es kein oder kein ausreichend gutes Angebot gibt.

Bevor der MVP auf den Markt kommt, wird eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt wie der MVP nach mehreren, erfolgreichen Iterationen – also Weiterentwicklungen – aussehen könnte. Aus jenem Zielbild leitet sich ab wie der MVP, also die minimal lebensfähige Produktversion, zum Zeitpunkt des Markteintritts ausschaut. Das Zielbild wird im Prozess geschärft und oft mehrfach modifiziert.

Die stetige Weiterentwicklung erfolgt mit Produktverwendern. Sie geben Bewertungen ab, bieten Optimierungsideen, lassen sich vielleicht sogar auf beobachtete Produktnutzungen in einem Use-Lab ein und tragen auf diese Weise zu einer nutzerzentrierten Weiterentwicklung bei.

Derartige Weiterentwicklung verbessern die Bedienbarkeit (Usability) und zugleich den Nutzwert (Utility) des Produkts. Es entsteht in kurzer Zeit ein Produkt mit einer hervorragenden User Experience.  Das klingt, vom Ansatz her, traumhaft. Und ist es auch, jedenfalls in der Theorie!

Hervorragende, neue Produkt zu (er-)schaffen, die Kunden und Nutzer begeistern, eine hohe User Experience bieten und schnell steigende Nutzerzahlen erreichen ist für viele Unternehmen äußerst erstrebenswert. In der Praxis wird dieses Ziel unter Anwendung des MVP Ansatzs oft jedoch nicht erreicht. Das liegt fast immer darin begründet, dass der Ansatz nicht richtig umgesetzt oder falsch verstanden wird.

Zentraler Fehler: Es kommen Produkte mit einem viel zu geringen Nutzwert auf den Markt. Man geht davon aus, dass eine gute UX durch Ausprobieren entwickelt werden kann – was natürlich nicht der Fall ist. Die Flop-Rate ist dementsprechend hoch; sie liegt meiner Erfahrung nach bei über 75%.

Nur 1 von 4 Minimum Viable Products (MVPs) wird ein Jahr alt!

Die erste gute Nachricht an dieser misslichen Situation: Der MVP Ansatz wird sich (dennoch) durchsetzen. Dazu tragen zwei Aspekte im Besonderen bei:

  1. Der MVP Ansatz passt hervorragend zu agilen Projektmanagementansätzen.
  2. Der MVP Ansatz geht von der Tatsache aus, dass sich der „wahre“ Wert eines Produkts erst nach dessen Verwendung einschätzen lässt. Anders formuliert: Produktideen müssen vom Konzeptstadium mindestens hin zum Prototypenstadium, will man deren Problemlösungsbeitrag zuverlässig abbilden.

Die zweite, gute Nachricht: Die Befürworter des MVP Ansatzes können die Flop-Rate deutlich senken, wenn sie den Austausch und die Zusammenarbeit mit Marktforschern suchen.  Das klingt jetzt sicherlich für viele von Ihnen nach einer scheinbar unlösbaren Herausforderung. Marktforscher und UX-/Digital-Designer, die auf den MVP-Ansatz setzen, haben in den meisten Unternehmen nicht die besten Voraussetzungen ein „Dreamteam“ zu bilden.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass in den meisten Unternehmen Stellen, Abteilungen und Tätigkeitsfelder von Marktforschern länger existieren als Stellen, Abteilungen und Tätigkeitsfelder von UX-/Digital Designern. Deren Rollen und Aufgabenbereiche entstanden erst in den 2000er Jahren, Marktforscher gibt es dagegen bereits seit den 1950er Jahren. Dementsprechend sind auch die Machtverhältnisse und die Anzahl an Stellen in den Unternehmen ausgeprägt.

Ein zweites, viel schwerwiegendes Konfliktpotential liegt darin begründet, dass Marktforscher gelernt haben Verhaltenseffekte vorherzusagen. Sie beherrschen entsprechende Tools und Methoden. Beispielhaft sei hier die Methode der Conjoint Analyse genannt. Marktforscher sind in der Lage auf Basis von rein bildlichen und textlichen Beschreibungen der Merkmale eines Produkts Erkenntnisse zu dessen Absatzmenge bei unterschiedlichen Preisen und unterschiedlichen Merkmalskombinationen abzuschätzen. Und das mit einer hohen Sicherheit!

Jene „Vorhersagetools“ existieren seit den 1980er Jahren und haben sich mehrfach bewährt. Sie sind einsetzbar für Gebrauchsgüter, Konsum- und Verbrauchsgüter. Mit Conjoint Analysen lassen sich verkaufsstarke Verpackungen für Schokoriegel ebenso entwickeln wie attraktive Angebote für Reiserücktrittversicherungen.

Dieses methodische Vorgehen – Nutzer befragen und Verhalten prognostizieren – widerspricht dem MVP Ansatz und der Idee hinter diesem Ansatz. Er (er-)fordert, dass mindestens ein nutzbarer Prototyp vorhanden sein muss – ein MVP. Erst auf Basis der MVP Nutzung und den dabei gewonnenen Eindrücken lassen sich Marktpotentiale erkennen, erschließen und Umsätze maximieren.

Hinzu kommt, und das steigert die Gemengelage zwischen Marktforschung & UX weiter, dass UX-/Digital-Designer die Tools & Methoden der Marktforscher oft nicht in ausreichendem Maße kennen und verstehen (was natürlich auch umgekehrt gilt).

Sie sehen, die Bedingungen für eine gute Zusammenarbeit zwischen UX & Marktforschung sind leider nicht die besten, die Lage scheint aussichtslos, kann aber, sie ahnen es, durchaus verbessert werden. Wie so oft liegt die Lösung darin aufeinander zuzugehen.

Gute User Experience basiert nicht auf reinem ausprobieren!

Damit 3 von 4 „minimal überlebensfähigen Produkten“ ihren ersten Geburtstag erleben, müssen Marktforscher und UX-/Digital Designer mehr miteinander reden. Sie sollten Interesse zeigen an der jeweils anderen Profession, ihren Arbeitsweisen, Tools und Methoden. Sie sollten voneinander lernen und auf einer besseren Verständnisgrundlage füreinander nach Anknüpfungspunkten der Zusammenarbeit suchen.

Marktforscher werden erkennen, dass sich erfolgreiche digitale Produkte nicht ausschließlich auf Basis von Umfragen und eleganten Analysemethode gestalten bzw. „berechnen“ lassen. Jene Produkte können ihren Mehr- und Nutzwert erst im Moment der Nutzung verdeutlichen und erlebbar („Experience“) machen. Sie werden zudem erkennen, dass sie sich als Marktforscher nicht mehr nur als Abteilung oder interne Dienstleister sehen sollten, sondern stattdessen in den agile arbeitenden Entwicklungsteams ganz eng mit UX Designern, Produktmanagern und Entwicklern zusammenarbeiten sollten.

UX-/Digital Designer werden erkennen, dass gute UX nicht durch ausprobieren entstehen kann. Sie werden zu dem Schluss kommen, dass sie sich gemeinsam mit Marktforschern in Zukunft dieser zentralen Fragestellung widmen müssen, bevor sie ein MVP, ein „minimal überlebensfähiges Produkt“ auf den Markt bringen:

Wann ist das Minimum nicht genug?

Anders formuliert: Wie minimal darf der Funktionsumfang sein, damit der MVP und damit das ganzheitliche, zielbildkonforme Produktkonzept nicht komplett in Frage gestellt wird?

Die Antwort auf diese Frage wird sich in der Zusammenarbeit mit den Kollegen/-innen aus der Marktforschung ergeben – oder sich in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Partnern finden lassen. Bestenfalls mit solchen Dienstleistern die beide Seiten verstehen und kennen: UX Design Agenturen, die auf einen forschungsbasierten Konzeptions- und Gestaltungsansatz setzen.

So werden 3 von 4 „minimal überlebensfähigen Produkten“ mindestens ein Jahr alt!

Die Erfolgsrate eines MVP Ansatzes kann deutlich gesteigert werden, wenn vor der Entwicklung des Zielbildes für den MVP Personas erstellt werden. Dies sichert die Auseinandersetzung mit Anforderungen, Erwartungen, Wünsche und Nutzungskontexten der Zielgruppe. Die Personas sollten auf Basis von Umfragen und bestenfalls ergänzenden Interviews entwickelt werden – nicht ausschließlich im Meetingraum erdacht werden.

Gemeinsam mit Vertretern der Personas lassen sich Design Workshops durchführen. Der MVP entsteht somit unter Mitwirkung der späteren Anwender: User Centered Design in Perfektion.

Gerade bei innovativen Produktideen, die im MVP Ansatz auf den Markt gebracht werden sollen, ist es ratsam ethnografische Studien durchzuführen. Hier bietet die Marktforschung ein breites Methoden- und Verfahrensspektrum. Häufig zielführend, vor allem im Kontext der Entwicklung neuer digitaler Produkte, sind Tagebuchstudien und Kontextanalyse in Form einer begleitenden Beobachtung, ergänzt um kontextuelle Interviews.

Die Durchführung von Conjoint Analysen ist ebenfalls geeignet, um mit einem Funktionsumfang zu starten, der einen angemessenen Nutzwert bietet. Anforderungen an einen ausreichenden Funktionsumfang eines MVPs können auch mit Hilfe von Mental Model Diagrams „erarbeitet“ werden.

Sie sehen: Es gibt sie, die Methoden & Verfahren aus der Marktforschung, die den MVP Ansatz optimieren und weiter professionalisieren. Nicht das Angebot an jenen Methoden ist das Problem, die Herausforderung ist, dass Marktforscher und MVP Verfechter zueinanderfinden müssen, damit sie miteinander arbeiten können. Nur so kann Großes entstehen, nur so lassen sich hervorragende, begeisternde Produkte schnell auf den Markt bringen und dauerhaft etablieren.

Und das Wichtigste zum Schluss: Ein derartiger Wandel in der Zusammenarbeit zwischen UX & Marktforschung kann nur gelingen, wenn auf beiden Seiten neben der Bereitschaft zum Zusammenarbeiten auch Geduld & Durchhaltevermögen vorhanden ist. Verändern von Mindsets, das dauert, geht nicht in 1-2 Jahren, weist einige Rückschläge auf, bietet aber für alle jede Menge Gelegenheiten für große Zufriedenheit im Job.

Darf ich Sie unterstützen Ihren MVP Ansatz zu optimieren?

Möchten Sie die Zusammenarbeit zwischen Ihrer Inhouse UX und Marktforschungsabteilung verbessern? Sind Sie auf der Suche nach einer UX Agentur, die einen forschungsbasierten Gestaltungs- und Entwicklungsprozess für Sie realisieren kann? Darf ich Ihnen helfen – als tätiger Marktforscher oder UX-Designer – die jeweils andere Profession (noch) besser zu verstehen?

Sprechen Sie mich gerne an.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gemeinsam mit meinen Kollegen/-innen von eresult, meinen Partnern aus den Beraternetzwerken Berater 37 und teneo begleite ich Sie bei der Sondierung des Status Quo, der Erarbeitung eines Zielbildes, eines verbesserten MVP Ansatzes und auch bei dessen Umsetzung.

 

Sie wollen sich selbst weiter mit dem Thema befassen?
Ich empfehle Ihnen die Gedanken von Uwe Todoroff im Ratgeberbeitrag: UX vs. MVP – Wenn das Minimum nicht genug ist.

Der Beitrag Wie minimal darf ein Minimum Viable Product sein? erschien zuerst auf Nutzerbrille.