Kultur trifft UX – Wie Kultur das UX Design beeinflusst

Was hat UX mit Kultur zu tun?

Als UXler ist man es gewohnt, immer die Nutzenden im Fokus zu haben. Was sind deren Bedürfnisse? Wie muss etwas gestaltet sein, sodass Nutzende sich bestmöglich zurechtfinden und ein angenehmes Nutzungserlebnis haben? Und vielleicht geht es Ihnen da genauso wie mir, dass man es in UX-Tests meist mit Nutzenden und Produkten aus einem uns ähnlichen Kulturkreis zu tun hat. Doch es lohnt sich über den eigenen Kultur-Tellerrand hinauszuschauen und andere Blickwinkel einzunehmen, denn auch vermeintlich ähnliche Kulturen können ganz unterschiedliche Anforderungen an die Usability haben. Im Folgenden schauen wir uns anhand von Beispielen an, welche Unterschiede es zwischen Kulturen gibt, was womöglich Gründe dafür sind und warum es für UXler wichtig ist, Kulturunterschiede zu kennen.

Anderes Land, andere Website. Aber warum?

Bittet man ChatGPT, ein Bild einer typischen chinesischen Webseite zu generieren (Abb. 1), ergibt sich zum Beispiel Folgendes:

KI generierte Darstellung einer chinesischen Website.
Abbildung 1 : Chat-GPT generiertes Bild einer typischen chinesischen Webseite

Bittet man die künstliche Intelligenz hingegen, ein Bild einer typischen schwedischen Webseite zu generieren (Abb. 2), wird beispielsweise Folgendes produziert:

KI generierte Darstellung einer schwedischen Website.
Abbildung 2 : Chat-GPT generiertes Bild einer typischen schwedischen Website

Die beiden generierten Abbildungen unterscheiden sich z. B. in Anzahl und Intensität der Farben sowie der generellen Menge an dargestellten Elementen. Zudem steht bei der schwedischen Variante die Nachhaltigkeit im Fokus und sie wirkt aufgeräumter und ruhiger (zumindest auf den deutschen Nutzenden). Zugegebenermaßen sind die Darstellungen sehr stereotypisch und nicht alle chinesischen oder schwedischen Websites sehen exakt so aus. Dennoch stellt sich hier die Frage, warum unterscheiden sich die generischen Webseiten der beiden Kulturen so sehr?

Welche kulturellen Einflussfaktoren beeinflussen das Design einer Webseite?

Das Design von Webseiten wird von zahlreichen kulturellen Faktoren beeinflusst, deren Bedeutung je nach Kultur variiert. Eine Gliederung in objektive (z. B. Sprache, Gesetze, Symbole, Farben) und subjektive Faktoren (z. B. Popkultur, Denkweisen, Markenwahrnehmung) hilft, diese Unterschiede zu verstehen und gezielt auf Nutzerbedürfnisse einzugehen. Die folgende Grafik gibt einen Überblick über eine Auswahl, die wir uns im Weiteren anhand von Beispielen genauer anschauen wollen. Die Einflussfaktoren kann man dabei in subjektive und objektive Faktoren unterteilen.

Inforgraphik die die verschienen Einflussfaktoren auf Website zeigt und zwischen subjektiven und objektiven Faktoren unterscheidet.
Abbildung 3: Subjektive und objektive kulturelle Einflussfaktoren für Unterschiede auf Websites

Objektive Einflussfaktoren

Sprache: Ein vielfältiger Schlüsselfaktor im Web Design

Sprachlänge

Einer der größten Einflussfaktoren auf die Gestaltung von Webseiten ist die Sprache.
Vergleicht man die englische, deutsche und französische Website des Online-Kleidungshandels Topshop fällt hier der Einfluss der Sprachlänge auf (Abb. 4). Da Englisch eine eher kurze Sprache ist, ist der Werbe-Slogan des Banners in der englischen Sprache am kürzesten. Französisch und Deutsch sind hingegen eher lange Sprachen, weshalb der Slogan in Französisch am längsten ist. In diesem Fall beeinflusst die Länge der Sprache auch die Schriftgröße. Je länger die Sprache, desto kleiner die Schrift. Im Extremfall kann die Länge der Sprache so z. B. die Lesbarkeit beeinflussen.

Sprichwörter

In diesem Beispiel (Abb. 4) wird auch deutlich, dass Sprichwörter, Ausdrücke oder Slang nicht immer gleichwertig in andere Sprachen übersetzt werden können. Der Slogan „Crop it like it’s hot“ hat in der englischsprachigen Gesellschaft mehr Dimension, da er sich an das Lied „Drop it like it’s hot“ anlehnt. Das deutsche Pendant „Jetzt wird abgekürzt“ ist zwar inhaltlich ähnlich, erreicht aber sprachlich nicht die gleiche Tragweite.

Drei Versionen der Topshow-Website aus den Ländern England, Deutschland und Frankreich mit Slogans in der jeweiligen Landessprache.
Abbildung 4: Topshop-Websites aus England (links), Deutschland (Mitte) und Frankreich (rechts)

Leserichtung

Schaut man von den romanischen und germanischen Sprachen zur Arabischen, sticht hier direkt die unterschiedliche Leserichtung ins Auge. Während Deutsch und Englisch von links nach rechts gelesen werden, wird Arabisch von rechts nach links geschrieben. Dies führt dazu, dass die Elemente auf einer arabischsprachigen Website rechts zentriert angeordnet sind. So befindet sich hier im Beispiel der ägyptischen Emirates Website das Logo der Airline in der oberen rechten Ecke, statt links (Abb. 5).

Screenshots der linksausgerichteten Website der Emirates Airline aus Deutschland neben der rechtsausgerichteten aus Ägypten nebeneinander.
Abbildung 5: Websites der Emirates-Airline aus Deutschland (links) und Ägypten (rechts)

Verhaltensmuster und Wahrnehmungen

Stellen Sie sich nun vor, in einem UX Test einer Webseite sollen Teilnehmende das Logo einer Website suchen. Proband*innen aus England würden wahrscheinlich links oben suchen, Proband*innen aus Marokko vermutlich rechts oben. Das zeigt, dass Sprache auch Verhaltensmuster beeinflusst.

Auch die Wahrnehmung kann durch Sprache beeinflusst werden, was sich sogar neuronal nachweisen lässt. Zum Beispiel ist es bei der arabischen Sprache so, dass dort teilweise die Zeichen für kurze Vokale fehlen. Um die korrekte Bedeutung und Aussprache eines Wortes erkennen zu können, müssen Vorwissen oder Hinweise aus dem Kontext herangezogen werden. Dies führt dazu, dass die Gehirnhälften bei Arabisch sprechenden Menschen viel vernetzter sind, da zum Sprachverständnis Informationen aus unterschiedlichen Gehirnregionen vereint werden müssen. Die erhöhte Vernetztheit der Gehirnregionen wirkt sich dann auf die Wahrnehmung von Inhalten aus.

Sprachkomplexität

Des Weiteren unterscheiden sich Sprachen in ihrer Komplexität. Ein Beispiel für sehr komplexe Sprache ist das chinesische Schriftzeichen für „Biangbiangmian“, ein Nudelgericht. Es besteht aus bis zu 58 Strichen, das simplifizierte Schriftzeichen (Abb. 6) aus 43 Strichen. Die Schrift auf Webseiten kann so (zumindest für ein ungeübtes Auge) sehr komplex wirken und es bedarf unter Umständen einer größeren Auflösung oder Schriftgröße, um alle Details eines Schriftzeichens abbilden zu können.

Komplexes Chinesisches Schriftzeichen für Biangbiangmian mit 43 Strichen.
Abbildung 6: Chinesisches Schriftzeichen für Biangbiangmian mit 43 Strichen

Spracheingabe

Die Kompaktheit der Schriftzeichen ermöglicht es aber auch, viele Informationen auf kleinem Raum darzustellen. Nun könnte man vermuten, dass chinesische Webseiten daher sehr übersichtlich sein müssten und Schrift wenig Platz einnehmen sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Da die Eingabe über die Strichmethode oder Pinyin-Eingabe für chinesische Schriftzeichen nicht sehr effizient ist, werden viele Inhalte über sichtbare Menüs oder Buttons dargestellt, wodurch die Website (aus europäischer Sicht) voller wirken kann.

Symbole: Kleine Grafiken mit Fettnäpfchen-Potential

Weitere Unterschiede zwischen Kulturen zeigen sich in der Bedeutung von Symbolen. Zum Beispiel wird der Daumen hoch in einigen Ländern des Nahen Ostens als beleidigend verstanden und mit dem Zeigefinger deuten, gilt in Thailand als unhöflich.

Zudem werden Tieren unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben, z. B. steht die Eule in Deutschland für Weisheit, in China hingegen für Brutalität und Dummheit. Vor allem bei der Anwendung von Symbolik sollten diese Unterschiede zwischen den Kulturen beachtet werden.

Farben: Bunt ist nicht immer (farben-)froh

Ähnliches gilt für auch für Farben. Die Farbe Rot steht in Deutschland für Liebe oder auch Warnung, in Ägypten beispielsweise für den Tod und in China für Wohlstand. Lila wird überkulturell mit Reichtum und Spiritualität verbunden, in Brasilien und Thailand hingegen ist es die Farbe der Trauer. Und während Weiß in westlichen Kulturen mit Reinheit und Frieden verbunden wird, wird es in China und Japan bei Beerdigungen getragen und steht für Trauer und Unglück.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass man auf z. B. brasilianischen Webseiten niemals die Farbe Lila verwenden sollte. Sollte es jedoch um die Auswahl einer Farbe für ein bedeutsames Element gehen, ist die Berücksichtigung der Farbbedeutung durchaus eine Überlegung wert.

Umweltfaktoren: Analog beeinflusst digital

Die physische Umwelt, in der wir aufwachsen, beeinflusst, wie wir Dinge wahrnehmen. Wächst man beispielsweise in einer hektischen Stadt mit vielen Anzeigetafeln und Geräuschen wie Tokio auf, dann empfindet man unter Umständen eine sehr informationslastige Webseite auch als nicht überfordernd und kann sich gut orientieren. In der Studie von Masuda & Nisbett (2006) beschrieben Japaner*innen rund signifikant häufiger den Hintergrund einer Szene als Amerikaner*innen. Dies deutet darauf hin, dass Japaner*innen eine hohe Informationsdichte gewohnt sind, aus denen aufgrund der Anzahl an Informationen der Fokus nicht auf einer Hauptinformation liegt. Schaut man sich die Startseiten der Suchmaschine Yahoo aus Japan und USA im Vergleich an (Abb. 7), stellt man fest, dass auf der japanischen Seite sehr viele kleine Einzelmeldungen zu sehen sind, während auf der amerikanischen Seite eine zentrale Meldung die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Screenshot der yahoo Website aus Japan mit viel Text, vielen Links und ohne Bilder neben der Website aus den USA mit vielen Bildern und großen Überschriften.
Abbildung 7: Yahoo-Startseite aus USA (links) von yahoo.com und Japan (rechts) von yahoo.jp

Analog dazu fanden Miyamoto et al. (2006) heraus, dass das Ansehen von kulturell charakteristischen Stadtbildern aus amerikanischen oder japanischen Umgebungen zu unterschiedlichen Wahrnehmungsmustern führte. Japanische Stadtbilder waren mehrdeutiger und beinhalteten mehr Elemente, was dazu führen kann, dass mehr auf den Kontext geachtet wird.

Technischer Fortschritt und Trends: Treiber der Web-Veränderung

Des Weiteren ermöglichen technischer Fortschritt die Umsetzungen neuer Such- und Interaktionsmöglichkeiten, wie beispielsweise freie Suchen über eine Suchleiste statt Durchklicken durchs Menü oder ein Pop-up zu einem Chatbot. Im gleichen Tempo entwickeln sich auch stetig neue Designtrends, wie aktuell klare Formen und Minimalismus. Schaut man sich Website des Technikhandels Mediamarkt über die letzten Jahre an (Abb. 8), erkennt man immer weniger offene Menüs, Implementierung einer Suchleiste, mehr Whitespace und weniger plakative Werbung.

Screenshots verschiedener Versionen der Mediamarkt Website die im Lauf der Jahre minimalistischer wurde.
Abbildung 8: Mediamarkt Website über die letzten Jahre

Da aber Designtrends und technischer Fortschritt nicht weltweit gleichermaßen voranschreiten und die gleichen Ergebnisse produzieren, sind auch sie Faktoren für kulturelle Unterschiede.

Gesetze: Einschränkungen für das Design

Ebenso fluide und gleichermaßen rigide kann die Umsetzung neuer gesetzlicher Richtlinien sein, angefangen von der Zustimmung zum Sammeln von Cookies bis hin zu den Vorgaben pro Land, welche Angaben im Impressum gemacht werden müssen.

Subjektive Einflussfaktoren

Neben den objektiven Einflussfaktoren, wie Sprache, Farben und technologische Entwicklungen haben auch eher sozialpsychologische Faktoren einen Einfluss auf die Gestaltung und Struktur einer Webseite.

Popkultur: Promis für den persönlichen Pep

Im oben beschriebenen Beispiel der Topshop Webseite (Abb. 4), ist auf der englischen Seite David Bowie abgebildet, vielleicht, um auf eine besondere Kollektion hinzuweisen. Auf der deutschen und französischen Webseite befindet sich an gleicher Stelle ein Hinweis auf die neu gelaunchten Social Media Seiten. David Bowie ist zwar weit über das Königreich hinaus bekannt, aufgrund seiner Herkunft jedoch eine britische Ikone und hat auf popkultureller Ebene in Deutschland und Frankreich vielleicht nicht die gleiche Bedeutung.

Ob es nun Filme, Musik, berühmte Persönlichkeiten, kulinarische Spezialitäten oder die Nationalflagge sind – es gibt immer landestypische Elemente auf Webseiten, die von Außenstehenden evtl. nicht verstanden werden.

Verhaltens- und Denkweisen: Stereotype messbar machen

Kulturen unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihren Vorlieben, sondern auch in ihren Verhaltens- und Denkweisen. Vielleicht kommt einem hier sofort das typische deutsche Handtuchreservieren am Hotelpool oder die ausgeprägte Gestik der Italiener*innen in den Sinn. Dies sind Beispiele für das Ausleben kultureller Mentalitäten. Vergleicht man die Startseiten der Lufthansa-Webseite (Abb. 9), sieht man für die deutsche Startseite ein Feld zum Reiseziele entdecken. Auf der englischen Startseite ist an der gleichen Stelle jedoch ein Hinweis- oder Hilfebereich platziert. Hier scheint die Startseite der Lufthansa, den Verhaltensweisen ihrer Nutzenden nachzukommen, indem sie der deutschen Reiselust nachkommt und den englischen Nutzenden Tipps & Hilfe gibt.

Vergleich der Lufthansa Website aus Deutschland mit der Option attraktive Angebote anzuzeigen, neben der Version aus England, die stattdessen einen Reiseguide hat.
Abbildung 9: Lufthansa-Websites aus Deutschland (links) von lufthansa.de und England (rechts) von lufthansa.com

Verhaltens- und Denkweisen lassen sich jedoch nicht nur durch Stereotype grob beschreiben, sie sind auch messbar. Beispielsweise untersuchte die amerikanische Analysefirma Clicktale das Surfverhalten von stark kontextbezogenen Kulturen wie USA, Deutschland und Norwegen im Vergleich zu schwach kontextbezogenen Kulturen wie China, Japan und Korea (Abb. 10). Sie stellten fest, dass Teilnehmenden aus USA, Deutschland und Norwegen stark mit dem Text der gezeigten Webseite interagierten, sehr viel lasen und mit der Maus über den Text fuhren. Teilnehmende aus China, Japan und Korea hingegen interagierten fast nicht mit dem Text und sahen sich nicht einmal die Hälfte der Seite an.

Heatmap, die das Leseverhalten von stark und schwach kontextbezogenen Kulturen auf einer Website vergleicht: Stark kontextbezogene Kulturen lesen fast alles, schwach kontextbezogene kaum.
Abbildung 10: Heatmap des Blickverhaltens, schwach kontextbezogene Kulturen (links) und stark kontextbezogene Kulturen (rechts)

Ähnliches zeigen die Ergebnisse von Zimmermann & Zimmermann (2013). Hier machten Teilnehmende aus Deutschland und den Niederlanden erst sehr viel später den ersten Klick auf der Startseite einer Webseite. Teilweise 40–60 Sekunden später als Personen aus Russland oder Belgien. Und analog zur Clicktale Studie fokussierten sich die deutschen und niederländischen Teilnehmenden durchschnittlich länger auf Hoteldetails als beispielsweise Teilnehmende aus Russland. In beiden Studien zeigen sich quantitative messbare Unterschiede im Bedürfnis nach Informationen zwischen Kulturen – interessanterweise auch zwischen Ländern, die geografisch direkte Nachbarn sind.

Markenwahrnehmung: Eine Marke – viele Gesichter

Unterschiedliche Verhaltens- und Denkweisen können weiterhin dazu führen, dass Unternehmen oder Marken in Ländern unterschiedlich wahrgenommen oder zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Im Vergleich der Lufthansa Webseite (Abb. 9) steht für die Ägypter*innen abgeleitet von der Grafik das Reisen zu Business Zwecken im Vordergrund. Dies zeigt, dass die Lufthansa als Airline oder Marke in Ländern unterschiedlich wahrgenommen wird. In Ägypten ist die Lufthansa vermutlich keine Urlaubsairline und wird eher mit berufsbedingten Reisen verbunden. Das ist nachvollziehbar, denn es fliegen wahrscheinlich mehr Deutsche nach Ägypten in den Urlaub als Ägypter*innen nach Deutschland.

Warum sind Kulturunterschiede für UXler relevant?

Als UXler sind wir es gewohnt, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Einer dieser Blickwinkel sollten dabei kulturelle Einflüsse sein. Wie in den beschriebenen Beispielen deutlich wird, können sich kulturelle Unterschiede sehr vielseitig zeigen und mitunter die komplette Struktur einer Webseite verändern. Es ist also für UXler imminent, sich interkulturelle Kompetenz anzueignen. Und damit ist nicht gemeint, sich mit allen Gepflogenheiten jeder Kultur bestens auszukennen. Es geht mehr darum, ein Bewusstsein für mögliche kulturelle Unterschiede und deren Auswirkungen zu entwickeln. Eine gewisse kulturelle Sensibilität ist in allen Schritten des UX-Prozesses hilfreich.

Im UX Test: Kultur in allen Phasen

In der Startphase eines UX-Tests steht zunächst die Rekrutierung passender Teilnehmender und die Erstellung eines Zeitplans an. Bei der Spezifizierung der Zielgruppe kann es bspw. relevant sein, aktiv unterschiedliche Kulturen miteinzubeziehen. Bei der Erstellung eines Zeitplans sollte beachtet werden, dass es unterschiedliche Terminkulturen gibt. Beispielsweise neigen Südeuropäer*innen dazu, eher unpünktlich zu sein und haben eine höhere No-Show-Rate. Sie haben eine entspanntere Haltung zu Pünktlichkeit. In vielen südeuropäischen Kulturen wird Pünktlichkeit nicht immer auf die Minute genau genommen und weniger streng betrachtet.

Durch Pufferzeiten zwischen den Interviews und Einplanen von Überrekrutierung kann dem vorgebeugt werden, um einen problemlosen Ablauf der Interviews zu ermöglichen.

Beim Erstellen des Interview-Leitfadens und Durchführung eines Pretests kann die Länge der Sprache eine Rolle spielen. Wir haben im Beispiel der Topshop-Webseite gesehen, dass Sprachen unterschiedlich lang sein können und so in einem Interview auch unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen können. Um den Sprachlängen entgegenzukommen, kann die Anzahl an Fragen oder die Gesamtlänge der Interviews angepasst werden.

Während des Interviews kann die Auskunftsfreudigkeit der Teilnehmenden eine Rolle spielen. Manche Kulturen sind sehr präzise und eher zurückhaltend in der persönlichen Kommunikation, weshalb die Antworten kürzer sind. Zudem kann es sein, dass z. B. Teilnehmende aus asiatischen Ländern tendenziell weniger Kritik äußern, da öffentliches Kritisieren dort nicht gängig ist. In beiden Fällen kann gezieltes Nachfragen helfen, möglichst viele Informationen zu erhalten.

Im Expert Review: Gleiche Prinzipien, aber anderes Prinzip

Im Expert Review beurteilt ein UXler Produkte anhand von Prinzipien und Heuristiken. Obwohl die UX-Prinzipien nach DIN EN ISO 9241-110 in ihrer Definition kulturübergreifend einsetzbar sind, kann die Umsetzung der Prinzipien sich zwischen Kulturen unterscheiden.

Aufgabenangemessenheit bedeutet zum Beispiel erforderliche Bedienelemente darzustellen. Für eine Webseite in chinesischer Sprache könnte das bedeuten, dass mehr Buttons oder Menüpunkte eingefügt werden sollten, da die Sticheingabe in einer Suchleiste für die Nutzenden aufwendiger wäre. Für eine deutsch- oder englischsprachige Webseite würde man vermutlich nicht auf diese Idee kommen, da hier eher nach dem Credo „weniger ist mehr“ designt wird und eine Suchfunktion einfacher genutzt werden kann. Unter Aufgabenangemessenheit wird auch verstanden, standardmäßige Auswahlmöglichkeiten zu geben. Das könnte die Auswahl der Bezahlmöglichkeiten beeinflussen. In England ist z. B. PayPal eine gängige Anwendung, während in China eher das Pendant Alipay genutzt wird.

Das Prinzip der Erwartungskonformität beschreibt die angemessene Reaktion auf Benutzerhandlungen sowie sprachlich und kulturelle Konventionen. Im Webseitekontext könnte dies die Frage aufwerfen, ob bei einer erfolgreichen Bearbeitung „Erledigt.“ erscheint oder eine animierte Figur applaudiert. Je nach Kultur kann das eine zu unpersönlich oder das andere zu übertrieben wirken.

Über das Prinzip Benutzerbindung soll Vertrauen hinsichtlich der Anwendung geschaffen werden. Bei Produkten spielt hier die Anzahl der angezeigten Informationen eine Rolle. In China bedeuten viele Informationen eine gute Qualität, während man sich in Deutschland wahrscheinlich eher bedrängt fühlen würde und das Produkt abwerten würde.

Bewerten wir also die Usability von Anwendungen, deren Zielgruppe eine andere Kultur ist, müssen wir die unterschiedliche Auslegung der UX-Prinzipien beachten. Das UX Design anderer Länder ist demnach nicht schlechter, sondern einfach anders, als wir es vielleicht gewohnt sind.

Abschließende Worte: Gleiche Brille, aber neuer Blickwinkel!

In diesem Artikel wurde deutlich, dass sich Kultur sich auf viele verschiedene Elemente einer Anwendung auswirkt. Um diese Auswirkungen erkennen und gegebenenfalls bewerten zu können, ist kulturelle Kompetenz gefragt. Und keine Angst, man muss als UXler kein voll ausgebildeter Kulturanthropologe sein. Kulturelle Kompetenz kann man sich Stück für Stück erarbeiten, wenn man immer die besonderen Eigenschaften und Anforderungen der jeweiligen Zielgruppe im Blick behält. Also im Grunde sollte man einfach weiter das tun, was man als gewissenhafter UXler sowieso macht: Sich die Brille der Nutzenden aufsetzen und so die (kulturellen) Anforderungen im Blick haben!

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Internet

1„Andere Länder, andere Seiten – Nationale Startseiten internationaler Unternehmen im Vergleich“ | Andrea Struckmeier (2013) | eresult.de

„Andere Länder, anderes Web? Wie kulturelle Unterschiede Websites prägen (und wie nicht)“ | Sebastian Felge (2014) | usabilityblog.de

„Typisch deutsch verschaltet“ | Christiane Gelitz (2023) | spektrum.de

„Interkulturelle Kompetenz – Wie man internationaler Designer wird“ | Chloe Chan (2016) | centigrade.de

„User Experience und der Einfluss von kulturellen Faktoren“ | Amina Abromand (2016) | basecom.de

„Web Design China: Usability und Blickverhalten sind anders“ | Beat Z’graggen (2014)| basecom.de

„Unterschiede im UX Design: China und westliche Kulturen“ | Yang Zhong (2022) | ergosign.de

“Bridging the CulturalUX Divide: Why China’s Approach Matters” | Zippora Lau (2023) | digitalcreative.cn

 

Studien & Bücher

“Culture and Change Blindness” | Masuda, T., & Nisbett, R. E. (2006) | in Cognitive Science, 30(2), 381–399.

“Culture and the Physical Environment: Holistic Versus Analytic Perceptual Affordances” | Miyamoto, Y., Nisbett, R. E., & Masuda, T. (2006) | in Psychological Science, 17(2), 113-119.

„Kulturelle Unterschiede im online Blickverhalten: Nutzungs- Schnittstellen für interkulturelle Nutzergruppen” | Zimmermann, S. & Zimmermann, U. (2013) | in S. Boll-Westermann, S. Maaß & R. Malaka (Ed.), Mensch & Computer 2013 – Workshopband: 13. fachübergreifende Konferenz für interaktive und kooperative Medien (pp. 487-494).

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Design Sprint: Tipps & Tricks

„Aus Fehlern lernt man am besten“, heißt es. Wer schon einmal einen Design Sprint geleitet hat, wird immer wieder Dinge bemerken, die man irgendwie noch optimieren könnte. Auch der Erfinder des Design Sprints, Jake Knapp, hat die Methode nicht aus einer rein theoretischen Überlegung in Buchform gegossen, sondern ist aus viel praktischer Erfahrung zu diesem Ablauf gekommen.

Auch wir als Agentur lernen nach mehreren Sprints für Kund*innen aus unterschiedlichsten Branchen immer wieder dazu – jedes Mal. Hier finden Sie unsere wichtigsten Tipps zur erfolgreichen Durchführung eines Design Sprints:

Vorbereitung & Planung

Ein gut geplanter Design Sprint beginnt nicht erst am ersten Tag des Workshops. Vielmehr entscheidet die Vorbereitung maßgeblich über den Erfolg des gesamten Prozesses. Von der Definition der Zielgruppe bis zur Rekrutierung der Proband*innen und dem Zeitmanagement – diese Schritte legen den Grundstein für reibungslose Abläufe und ein starkes Teamgefühl.

Wer sind unsere potenziellen Nutzenden?

Diese Frage sollten wir schon vorab geklärt haben. Oder zumindest eine grobe Ahnung und Einigung (!) haben, wem wir am letzten Tag den Prototypen vorsetzen möchten. Nicht nur aufgrund der Rekrutierung von Proband*innen, sondern vor allem, da wir in unserem Sprint kaum Zeit haben, diese Frage ausgiebig zu klären.

Rekrutierung auslagern

Neben der Moderation, Planung und Vorbereitung des Sprints auch noch Anzeigen bei Facebook und eBay veröffentlichen und sich um die Slot-Planung von möglichen Kandidat*innen kümmern (die zudem auch zusätzliche Fragen und Betreuungsaufwand mitbringen)? Dieser Stress hindert uns vielleicht an einer guten Durchführung des Sprints. Daher sollten wir diese Aufgabe entweder vorab erledigt haben. (aber Achtung! Vor dem „großen Tag“ tauchen häufig noch Fragen, Terminänderungen o. Ä. auf) oder vollständig auslagern. Am besten direkt an Profis/Dienstleister, die auf einen großen und geeigneten Probandenpool zurückgreifen können. Dies steigert nicht nur die Qualität der Ergebnisse, sondern mindert vor allem unnötigen Aufwand.

Blitzdemos müssen vorab angekündigt werden

Laut dem Original Design Sprint „kann“ den Teilnehmenden am Montagabend, also nachdem die Map fertiggestellt und der Fokuspunkt eingekreist wurde, die Hausaufgabe gestellt werden, sich für den nächsten Tag nach inspirierenden Lösungen umzusehen (vgl. Jake Knapp: Sprint. Wie man in nur fünf Tagen neue Ideen testet und Probleme löst, München 2016, S. 95.). In der viertägigen Design-Sprint-Variante verwenden wir sogar direkt am ersten Tag diese Methode und die Teilnehmenden haben nur bis zu 25 Minuten Zeit für ihre Recherche.

Das Problem hierbei ist nicht nur die äußerst knappe Zeit (beim Original Design Sprint ist das weniger problematisch), sondern die ggf. fehlende Vorbereitung. Die Teilnehmenden müssen die Möglichkeit haben, sich vorab Gedanken um Inspirationen machen zu können und auch, wie sie diese am entscheidenden Tag präsentieren können. Zu oft mussten wir die Erfahrung machen, dass einzelne Teilnehmendn Frustration zeigten, da sie z. B. nicht die passenden Geräte dabei hatten oder ein simpler Login-Zugang fehlte.

Kein Nutzertest ohne Ersatzproband*innen

Was haben „Mein Freund hat meinen Laptop mitgenommen“ und „Ach so, ich dachte, das findet dort statt, wo es auch beim letzten Mal war“ gemeinsam? Es sind beides echte Aussagen aus dem Alltag von Usability Tester*innen, die beide zu ungünstigen Zeiten aufgetaucht sind: kurz vor dem eigentlichen Termin.

Deshalb müssen bei jedem Nutzertest zusätzliche Proband*innen eingeplant werden. Wenn wir weniger als 5 haben, ist das Ergebnis nur bedingt oder gar nicht aussagekräftig. Sicher gehen wir bei 5–6 Personen mit zwei zusätzlichen Proband*innen. Und dies entweder in Form von Überrekrutierung (zwei Personen nach der eigentlich letzten Person, die ggf. nachrücken oder eine Absage inkl. Entschädigung erhalten) oder in Form von Standbys (zwei Personen, die sich jeweils den Vor- und Nachmittag freihalten und bei Bedarf sofort einspringen können, dafür aber auch eine höhere Aufwandsentschädigung erhalten).

Zeitlicher Puffer schadet nie

Auch wenn der Design Sprint sehr eng getaktet ist, gibt es immer wieder Stellen, an denen einzelne Methoden etwas mehr Zeit benötigen als geplant. Das kann aufgrund von Diskussionen geschehen, aber auch durch ganz triviale Dinge (technische Schwierigkeiten, Zugverspätung etc.). Generell ist es daher ratsam, an manchen Stellen auch etwas Raum für Puffer einzuplanen (z. B. zwischen den einzelnen Interviews). Es ist besser, am Ende des Tages fünf Minuten früher fertig zu sein als zehn Minuten zu spät. Das Timing ist bei einem Design Sprint entscheidend. Kein Teilnehmender darf einen wichtigen Schlussteil nicht mitbekommen (und so benachteiligt/ausgeschlossen werden), da er in einen Anschlusstermin o. Ä. musste.

Titelbild des Whitepapers "Business Value von Design Sprints".

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Der Business Value von Design Sprints

In diesem Whitepaper erklären wir Ihnen, was ein Design Sprint ist und wie man diesen gewinnbringend einsetzen kann. Wir gehen auf mögliche Wirkungen von Design Sprints auf strategische Unternehmensziele ein und zeigen, welche Zahlen diese Theorie befürworten.

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Zeitmanagement im Design Sprint

Zeit ist im Design Sprint ein entscheidender Faktor. Die einzelnen Methoden sind eng getaktet, und effizientes Zeitmanagement kann den Unterschied zwischen einem hektischen Ablauf und einem erfolgreichen Workshop ausmachen. Hier sind einige Tipps, wie Sie Zeit effektiv nutzen und gleichzeitig Raum für Diskussionen und Entscheidungen schaffen:

Diskussionen steuern und rechtzeitig auflösen

Ein wichtiger Punkt, der viele Sprints zum Scheitern neigen lässt, sind „zu nette“ Moderierende oder (bei internen Teams vor allem) fehlende Durchsetzungskraft. Nein, wir müssen nicht in die strenge Lehrer-Rolle verfallen, ein Design Sprint soll schließlich auch Spaß machen und motivieren. Diskussionen sollten aber nicht zu lange stattfinden, vor allem aufgrund des engen Timings. Daher ist es notwendig, den Entscheidenden früh genug zu Entscheidungen aufzufordern. Und insbesondere in der „Bestimmen“-Phase (vor allem die Storyboard-Erstellung) helfen zwei Dinge: kurze Dot Votings und der oben genannte „Pferd-Spruch“. Wir kommen so effizient zu Entscheidungen und einem gemeinsamen Verständnis.

Entscheidungen sofort treffen

Bei anstrengenden und dauerhaften Meetings neigen wir manchmal dazu, die anstrengenden Punkte auf unserer Liste oder neue, die hinzukommen, auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Prokrastination fällt uns aber spätestens beim Prototyping auf die Füße: Welcher Screen erscheint hier? Nehmen wir jetzt dieses oder jenes Bild? Ist hier nicht doch die andere Variante sinnvoller?

Diese Fragen klingen später entweder in Form von Überstunden oder einem mangelhaften Ergebnis (und einem schlechten letzten Eindruck) nach.

Moderation verbessern & Teilnehmerinteraktion fördern

Ein Design Sprint steht und fällt mit der Moderation. Hier geht es darum, alle Teilnehmenden abzuholen, für Klarheit zu sorgen und gleichzeitig die Motivation hochzuhalten. Durch eine geschickte Kommunikation, gezielte Fragen und das Vermitteln von Sicherheit kann die Moderation den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem herausragenden Sprint ausmachen.

Stimmungen erfassen mit „Wie geht es euch?“

Diese Frage ist kurz und schmerzlos. Sie hilft dabei, immer wieder das aktuelle Befinden abzutasten und evtl. Fragen aufzugreifen (die ggf. zurückgehalten werden). Seitdem wir diese Frage in einem Design Sprint mehrmals stellen, haben Zusammenhalt und Motivation spürbar zugenommen.

Den generellen Ablauf immer wieder zwischendurch erklären

Nicht nur zu Beginn holen wir alle Teilnehmenden ab. Zwischendurch ist es immer wieder hilfreich kurz aufzuzeigen, was wir gemacht und geschafft haben und WIE es damit anschließend weitergeht (wofür wir das Ganze machen). So schafft man Verständnis, holt die Leute ab und sensibilisiert für die Methode.

Das Whiteboard ist eine zentrale Stütze

Wenn wir den Tagesablauf, die wesentlichen Angaben und Merkmale der Methoden zu Beginn auf einem Whiteboard festhalten, löst sich das vorherige Problem ohnehin von alleine auf (und vermittelt eine hervorragende Organisation). Zusätzlich ist eine PowerPoint-Präsentation (o. Ä.) sinnvoll, um ggf. weitere Beispiele und Eindrücke zu vermitteln.

Keine spontanen Änderungen an der Methode an sich zulassen

Einfach mal auf die Straße gehen und die Menschen fragen, was sie von unserem Thema halten? Vielleicht doch mal spontan eine Empathy Map (Design Thinking) erstellen, denn das Ergebnis gibt uns Einigkeit und neue Einblicke?

Was nett gemeint ist, entpuppt sich später zu einem großen Problem, wenn die folgenden Methoden nicht mehr aufeinander aufbauen können. Gleichzeitig würden solche Taten zu einer Umstrukturierung des Timings zwingen, denn für spontane Aufgaben ist in einem Design Sprint überhaupt kein Platz vorhanden.

Vor allem macht es aber den Moderierenden, der Vorbereitungen geleistet hat, sowie die Methode des Design Sprints an sich unglaubwürdig. Das Konzept und das Grundgerüst sind erprobt. Darin müssen wir als Team vertrauen.

Bestimmte Sätze, an die wir erinnern müssen

Drei Sätze wiederholen wir gerne im Sprint mehrfach und an unterschiedlichen Stellen. Seitdem helfen, Verständnis aufzubauen und die Teilnehmenden zu motivieren:

  • Vor allem in der Anfangsphase:
    NICHTS muss perfekt sein. Wirklich nichts. Natürlich könnten wir die Map noch ausführlicher gestalten und weitere Beteiligte erwägen und die einzelnen Schritte, Wünsche und Gedanken weiter aufschlüsseln. So könnten wir sichergehen, dass wir garantiert nichts übersehen. Dann sollten wir es aber sowieso direkt „richtig“ machen und Persona- und CJM-Workshops machen. Mit Vorbereitung und Auswertung dauert das aber in der Regel mehrere Wochen. Dafür haben wir hier validierte Daten. Das ist dann aber kein Sprint mehr und dauert zu lange? Richtig, deshalb ist die knappe Version perfekt für uns. Um die Details können (und sollten) wir uns in diesem Fall später kümmern.
  • Vor allem im kreativen Teil:
    Zum Designen gehört das Verwerfen von Ideen zwingend dazu. Das ist normal. Das Erstellen von mehreren Varianten und das vorläufige Aussortieren von Alternativen mit Potenzial gehen Hand in Hand. Die Dekonstruktion eigener Erzeugnisse mag sich für manche ungewohnt oder sogar verletzend anfühlen. Hier hilft es zusätzlich zu betonen: Keine Idee geht jemals verloren! Alles wird dokumentiert.
  • Vor allem, wenn wir uns auf einen Lösungsweg einigen:
    Wir setzen auf ein Pferd und mit diesem gehen wir am letzten Tag ins Rennen. Welchen Platz die anderen Pferde, die wir hätten auswählen können, am Ende erreicht hätten, wissen wir nicht. Aber das können wir immer noch später herausfinden. Immer wieder zu betonen, dass wir eben auch ein bisschen auf unsere Entscheidung „wetten“, hilft den Teilnehmenden bei der Einigung ungemein.

Methoden und Prozesse im Design Sprint optimieren

Die Methoden des Design Sprints bieten einen bewährten Rahmen, der Kreativität und Effizienz miteinander verbindet. Von der Wahl zwischen Design Sprint 1.0 und 2.0 bis zur geschickten Anwendung einzelner Methoden wie den „Wie-Können-Wir-Notizen“ – hier kommt es darauf an, die Prozesse konsequent und gleichzeitig flexibel umzusetzen.

Der sogenannte „Design Sprint 2.0“ heißt nicht so, weil er per se besser ist

Wer sich über die Methodik „Design Sprint“ informiert, stößt schnell auf den sogenannten „Design Sprint 2.0“. Hierbei handelt es sich um eine Verkürzung und teilweise auch Umstrukturierung des ursprünglichen Design Sprints, wodurch wir einen Tag sparen. Ein Team nur für vier Tagen, anstelle von fünf, freizustellen senkt die Hürde zur Durchführung dieser spannenden Methode. Das ist super, aber es bedeutet nicht – auch wenn es der Name suggeriert und es immer wieder behauptet wird – dass wir auf die Version 1.0 verzichten sollten.

In der viertägigen Variante werden vor allem Diskussionen durch Votings verkürzt. Manche Methoden werden zeitlich weiter reduziert. Andere neue und durchaus nützliche Methoden kommen hinzu („User Flow“). Dennoch scheint bei den Teilnehmenden das Gefühl, dass man noch tiefer nachforschen könnte, hier schneller und eindringlicher zu entstehen. Bestimmte Themen wollen doch untereinander besprochen werden, aber die Methode kürzt es durch wenige Sätze und ein schnelles Voting ab.

Um zu entscheiden, welche Variante besser geeignet ist, empfehle ich deshalb auch die Ausgangsfrage einzubeziehen. Ist sie klar umrissen? Dann könnte der kürzere Sprint reichen. Sind viele Dinge noch offen und das Problem möglicherweise nicht eindeutig eingegrenzt? Dann spricht das für die fünftägige Variante.

Keine WKWs ohne Probelauf

Die Wie-Können-Wir-Notizen (engl.: How Might We?) sind eine effiziente und einfache Vorgehensweise, um Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten (und schnell zu ersten Lösungsideen zu gelangen). Entscheidend ist, dass alle Teilnehmenden genau wissen, wie diese Methode funktioniert, warum sie so praktisch ist, wie es danach damit weitergeht. (Warum erstellen wir diese Notizen?) und vor allem der Aufbau der Formulierung. Es ist wichtig, dass beim Sammeln der WKWs keine Notiz à „Nutzer springen an Stelle X ab“ zu finden ist.

Keine Angst vor dem Blick in die Checkliste

Überfordernd bei der praktischen Durchführung eines Design Sprints ist bei einigen Sprint-Moderator*innen wohl die Menge an Methoden, deren genauer Ablauf und zeitlichen Vorgaben. Wie viele Klebepunkte sind bei dieser Methode noch mal vorgesehen? Waren für diese Übung 20 oder 25 Minuten vorgesehen? Fragen dieser Art stelle ich mir auch heute noch immer wieder. Jake Knapp persönlich übrigens auch. Daher ist es auch kein Problem, als professionelle/r Moderator*in vor den Teilnehmenden einen Blick auf die Checkliste zu riskieren.

Einen Zeichner bei den Blitzdemos dabeihaben

Blitzdemos werden bei uns immer „ausgezeichnet“ und das im wortwörtlichen Sinn. Während die Teilnehmenden präsentieren und Moderator*innen auf die Uhr achten, zeichnet eine andere Person die Ideen schnell und skizzenhaft auf. Diese Skizzen werden mit einzelnen Notizen später an die Wand angebracht. Bilder sagen mehr als tausend Worte, heißt es – und in diesem Fall helfen sie enorm, die markanten Eigenschaften der Inspirationen auch später noch zu kommunizieren.

Wir zeichnen übrigens auch immer ein paar negative Dinge auf, die wir nicht aufgreifen wollen. Diese stehen zwar nicht im Fokus, helfen aber, vor allem bei Ideen mit mehrdeutiger Qualität den wesentlichen Punkt zu beachten. Außerdem helfen auch Anti-Ideen bei der späteren Kreativarbeit.

Wichtig dabei: mit zwei verschiedenen Farben arbeiten. Bei uns: blaue oder schwarze Skizzen für die normalen, positiven Erkenntnisse und rote Skizzen für die schlechten Dinge.

Design Sprint Workshop:

Sie wollen schnell, innovative Lösungskonzepte erarbeiten?

Wir führen Design Sprints Workshops für Sie und mit Ihnen durch.

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Prototyping und Nutzertests

Das Herzstück eines jeden Design Sprints: der Prototyp und die Nutzertests. In kürzester Zeit entsteht ein greifbares Ergebnis, das reale Nutzerfeedback liefert. Wichtig ist dabei, den Fokus nicht zu verlieren, schnell Entscheidungen zu treffen und den Testtag durch Ersatzproband*innen abzusichern, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Prototyping: Keine neuen Ideen zulassen

Dieser Tipp greift den vorherigen auf und zielt in dieselbe Richtung. Allgemein können wir hier festhalten: Es ist besser, den Prototypen möglichst klein zu halten, als sich in Details zu verheddern. Und das ist vor allem während der Praxis nicht immer einfach.
Gerade wenn wir so wenig Zeit für unseren Prototypen haben wie bei einem Design Sprint (nun gut, immerhin einen ganzen Tag), gilt der Leitsatz: Wichtig ist nicht, dass es echt ist, sondern dass es echt wirkt.

Den Prototyping-Tag einfach strecken und von vornherein so planen, dass wir einen detaillierten HiFi-Prototypen erstellen können? Ggf. kann das je nach Ausgangsfrage notwendig sein, aber aus dem sogenannten „Rapid Prototyping“ wissen wir, dass wir auch bereits mit wenigen Strichen und Aufwand eine relativ verlässliche Einschätzung erhalten können, ob unsere Idee funktioniert oder nicht. Und darauf kommt es am Ende an. (Ein Design Sprint ersetzt nicht einen vollständigen Produktentwicklungsprozess, auch wenn manche Anbieter das in ähnlicher Weise kommunizieren möchten. Unser Ergebnis bleibt ein „Rohdiamant“.)

Ideen ggf. mit zwei Farben bewerten

Beim Heatmap-Voting der Lösungsvorschläge (und auch danach) kommt es bei begabten Talenten unter den Teilnehmenden vor, dass vor allem gut gezeichnete Ideen auch tendenziell besser abschneiden. Obwohl gute Zeichner*innen sicherlich häufig auch ein Händchen für gute und punktgenaue Kommunikation haben: Wenn große Qualitätsunterschiede sichtbar werden, dürfen die Teilnehmenden beim Heatmap-Voting zwei unterschiedliche Farben verwenden: Eine für die gute Idee und eine für die Umsetzung. So hält man den ersten Eindruck etwas neutraler.

Niemand muss „schön“ zeichnen können

Vor Beginn des Kreativteils bitte unbedingt erklären, dass es nicht darum geht, schön zu zeichnen! Und das zusätzlich zu der Information, dass die ersten drei Teile privat und der letzte Teil zum Zweck der Abstimmung veröffentlicht wird.

Remote Design Sprint Workshops

Remote-Workshops ermöglichen es Teams, unabhängig von Standorten zusammenzuarbeiten. Doch die digitale Umsetzung eines Design Sprints erfordert besondere Anpassungen. Von der Strukturierung der Tage bis zur Erhaltung der Teamenergie: Diese Tipps helfen Ihnen, Ihre Remote-Sprints erfolgreich zu gestalten.

Remote? Dann bitte die ersten Tage durch zwei teilen

Dies war eine besonders anstrengende Erfahrung, die nicht nur für Design Sprints, sondern für Workshops jeglicher Art gelten sollte. Workshops, die vor Ort an ganzen Tagen stattfinden, können so nicht 1:1 ins Virtuelle verlagert werden. Es benötigt viel zu viel Energie, volle acht Stunden an einem Schreibtisch in einen Bildschirm zu schauen und dabei auch noch zu jeder Zeit einen Schwall innovativer Ideen zu produzieren (die auf diese Weise sowieso nur erschwert entstehen werden).

Stattdessen bitte die ersten Sprinttage halbieren (max. 4 Stunden) und ca. alle 60 bis maximal 90 Minuten eine Pause machen. Hiermit dauert der Sprint zwar länger, aber dafür wird die Laune, das Teamgefühl und letztlich auch die Qualität des Ergebnisses gesteigert – versprochen. Das Prototyping kann, wenn es ausgelagert wird oder nicht alle Teilnehmenden benötigt werden, auch an einem ganzen Tag stattfinden. Dann ist es aber wichtig, das gesamte Team abzuholen und vor allem alle wichtigen Punkte und Fragen vorab geklärt zu haben. Der letzte entscheidende Tag (der Nutzertest) wird nicht gekürzt (es sei denn, die Zielgruppe ist sehr speziell und erfordert flexible Uhrzeiten).

Zeit sparen beim Anbringen der WKWs

Es hat sich in den vergangenen Sprints gezeigt, dass vor allem das nachträgliche Gruppieren der WKW-Fragen meist länger dauert als vorgesehen. Nach den Experteninterviews folgt meist eine Pause, sodass wir als Moderator*innen (meist führen wir Design Sprints bei eresult als Zweierteam durch) diese damit verbringen, die übrigen gesammelten Fragen zu überfliegen und zu ordnen. Insbesondere bei größeren Teams von sieben bis acht Teilnehmenden wird die Zeit hier knapp – ganz abgesehen davon, dass auch Sprint-Moderator*innen sich über Pausen freuen.

Besser ist es daher wohl, die einzelnen WKWs nacheinander anzubringen, d. h. jede teilnehmende Person liest den eigenen Notizzettel kurz vor (diskussionslos!), bringt diesen ans Board an und sortiert. Währenddessen können doppelte Notizen direkt aussortiert werden und sinnvolle Kategorien gebildet werden. Das hat auch den Vorteil, dass für den nachfolgenden Schritt alle Teilnehmenden bereits einen ersten guten Überblick über die Fragen haben und so schneller zum Voting gelangen. Und auch die Moderator*innen haben eine Pause.

Lassen Sie uns in den Kommentaren wissen, welche weiteren Tipps haben Sie?

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

  •  „21 praktische Design-Sprint-Erfahrungen (die ich gerne schon früher gewusst hätte)“ | Robin Nagel  (2021) eresult GmbH

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5 Beispiele für virtuelle Rundgänge im Recruiting

VR trifft HR: Erfahren Sie, wie Ihr Recruiting-Prozess von virtuellen Rundgängen profitieren kann. Stellen Sie sich vor, Bewerber könnten schon vor dem ersten Vorstellungsgespräch hautnah erleben, wie es ist, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Ein virtueller Rundgang macht's möglich! 360°-Einblicke bieten Bewerbern die Chance, Büros, Pausenräume und Arbeitsalltag ganz bequem von zuhause aus [...]

Der Beitrag 5 Beispiele für virtuelle Rundgänge im Recruiting erschien zuerst auf omnia360.

Customer Journey Maps: Wegweiser zur optimalen Nutzererfahrung

Die Customer Journey Map ist ein zentrales Instrument zur strategischen Entwicklung und Feinabstimmung von Produkten. Unterstützt durch zahlreiche online verfügbare Beschreibungen und Vorlagen, ermöglicht sie Teams, den Weg der Nutzenden durch das Produktangebot detailliert nachzuvollziehen und zu optimieren. Obwohl ihre Erstellung als ressourcenintensiv gilt – sowohl in Bezug auf Zeit als auch auf Kosten – beweist die praktische Anwendung ihren Wert, indem sie tiefe Einblicke in die Nutzererfahrung liefert und gezielt zur Verbesserung von Produkten beiträgt.

Inhalt

Was sind Customer Journey Maps?

UX Customer Journey Maps sind visuelle Darstellungen aller Schritte, die Nutzende bei der Interaktion mit einem Produkt oder Service durchlaufen. Sie zeigen den Prozess von der ersten Recherche bis zur Nutzung. Ein Beispiel ist die Journey einer Person beim Online-Einkauf – von der Produktsuche über den Kauf bis zur Bewertung. Durch die Analyse von Erlebnissen, Entscheidungen und Herausforderungen helfen sie, Schwachstellen zu erkennen und die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Als zentrales UX-Design-Werkzeug unterstützen sie einen nutzerzentrierten Ansatz zur Optimierung von Produkten und Services.

Customer Journey vs. Customer Experience: Was ist der Unterschied?

Im Zusammenhang mit der Customer Journey Map (CJM) stößt man unweigerlich auf den Begriff Customer Experience – sie beschreibt allerdings nicht das gleiche. Die Customer Experience umfasst die Gesamterfahrung eines Menschen mit einem Produkt oder einem Unternehmen, welche z. B. deutlich über einen Bestellprozess hinausgeht. Sie beinhaltet sowohl prä- als auch post-interaktive Aspekte wie die Meinung zum Produkt oder Unternehmen vor der Nutzung, den Einfluss von Social Media und Empfehlungen, sowie die Erfahrungen nach dem Kauf, einschließlich Kundenservice und Langzeitnutzung. Die Customer Journey hingegen beschreibt den spezifischen Weg einer Person durch die Customer Experience bei einem konkreten Kauf in einem Online-Shop.

Elemente der Customer Journey

Eine CJM sollte folgende Kernelemente umfassen:

  • Phasen der Nutzerreise
    Dazu gehören die Aufmerksamkeitsphase, Recherche, Entscheidungsfindung, Kauf, erste Nutzung, weitere Nutzung, Ende der Nutzungsphase und die Entsorgung bzw. der Neuerwerb.
  • Kontaktpunkte (Touchpoints)
    Die Momente, in denen Nutzende direkt mit dem Unternehmen in Kontakt treten, inklusive der „Moments of Truth“, die besondere Bedeutung haben.
  • Nutzerinteraktionen
    Was Nutzende erwarten, tun und fühlen.

Warum sind Customer Journey Maps wichtig?

Customer Journey Maps (CJM) erfassen das Nutzererlebnis, damit helfen sie dabei, zentrale Touchpoints zu identifizieren und geben wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse, Erwartungen und möglichen Enttäuschungen der Nutzenden:

Förderung eines einheitlichen Verständnisses
Customer Journey Maps tragen entscheidend dazu bei, innerhalb eines Unternehmens ein gemeinsames Verständnis der Nutzerbedürfnisse und -ansprüche zu schaffen. Dieser Ansatz hilft, fragmentierte Sichtweisen und Abteilungsgrenzen zu überwinden und fördert eine kundenorientierte Denkweise.

Reduktion von Silo-Denken
Durch die Anwendung von CJMs wird das in vielen Unternehmen vorherrschende Silo-Denken abgebaut. Dies ermöglicht eine effizientere und zielgerichtetere Zusammenarbeit über verschiedene Abteilungen hinweg.

Fokussierung auf Nutzerbedürfnisse
CJMs ermöglichen es, die Arbeit präzise auf die Bedürfnisse der Nutzenden auszurichten. Sie visualisieren diese Bedürfnisse auf klare und strukturierte Weise, was die Entwicklung nutzerzentrierter Produkte und Services erleichtert. Sie helfen nicht nur, Erwartungen zu verstehen, sondern auch potenzielle Frustrationen oder Hürden frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu reduzieren.

Identifikation von Chancen und Potenzialen
Die Analyse von Customer Journeys ermöglicht es Unternehmen, ungenutzte Chancen und Potenziale zu erkennen, die zur Verbesserung des Kundenerlebnisses und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit genutzt werden können.

Was ist die Basis von Customer Journey Maps?

Die Erstellung einer Customer Journey Map ist ein kollaborativer Prozess, an dem UX-Designer, Konzepter*innen, Produkt Owner, Marketing-Verantwortliche und weitere Fachbereiche beteiligt sind. Damit CJMs aussagekräftig und praxisnah sind, müssen sie auf einer fundierten Datengrundlage basieren. Sie sollten nicht allein auf internen Annahmen beruhen, sondern durch reale Nutzerdaten gestützt werden – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Ein essenzieller Bestandteil dieser Grundlage sind UX Personas – detaillierte, datenbasierte Nutzerprofile, die typische Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Erwartungen der Zielgruppen widerspiegeln. Sie helfen, die Perspektive der Nutzenden besser zu verstehen und die Customer Journey Map gezielt darauf auszurichten.

Nur durch die Analyse echter Verhaltensmuster lassen sich zuverlässige Erkenntnisse gewinnen, die zur Optimierung von Produkten und Services beitragen. Die visuelle und strukturierte Darstellung der Customer Journey sorgt zudem dafür, dass Teams ein gemeinsames Verständnis entwickeln und kundenorientierte Entscheidungen treffen können.

Abgrenzung und Einordnung im Kontext anderer Mapping-Methoden

Neben weiteren Mapping-Methoden, wie Blueprints, Experience Maps oder Mental Models, zeichnen sich Customer Journey Maps durch ihre Fokussierung auf die konkrete Zielgruppe/Persona und die externe Kundenerfahrung aus, ohne interne Prozesse darzustellen. CJMs dienen als Grundlage für ein tieferes Verständnis der Kundenerfahrung und sollten basierend auf den spezifischen Bedürfnissen und Zielen eines Unternehmens ausgewählt werden. Die Wahl der richtigen Mapping-Methode hängt von den gewünschten Einblicken und dem Fokus des Projekts ab.

Was sollte bei Customer Journey Maps beachtet werden?

Vor dem Beginn der Erstellung einer Customer Journey Map (CJM) ist es unerlässlich, das Ziel und den methodischen Ansatz klar zu definieren. Es besteht die Möglichkeit, eine Map zu entwickeln, die entweder den aktuellen Zustand (Status Quo) des Nutzerwegs abbildet oder einen idealen, zukünftigen Weg (Wunschszenario) darstellt. Diese Entscheidung beeinflusst maßgeblich den Inhalt und die Ausrichtung der CJM.

  1. Abbildung des Status Quo:
    Diese Methode konzentriert sich darauf, wie Nutzende aktuell ein Produkt oder einen Service verwenden. Der Vorteil dieser Herangehensweise liegt in der Möglichkeit, die Darstellung auf Basis von Forschungsergebnisse zu stützen und direkte Einblicke in bestehende Herausforderungen und Chancen zu erhalten, an denen sofort gearbeitet werden kann.
  2. Entwurf eines Wunschszenarios:
    Diese Vorgehensweise ist angebracht, wenn das Ziel die Markteinführung einer Innovation oder eine signifikante Veränderung in der Nutzung eines bestehenden Angebots ist. Hier geht es darum, einen idealen Nutzungspfad zu konzipieren und anschließend zu erarbeiten, wie dieser erreicht werden kann.

Methodische Ansätze bei der Entwicklung einer CJM

Hierbei stehen zwei grundsätzliche Methoden zur Verfügung:

  1. Hypothesenbasiertes Vorgehen
    Hier wird zunächst eine hypothetische CJM auf Grundlage bereits bekannter Informationen erstellt, die dann durch nachfolgende Forschung validiert wird. Dieser Ansatz ermöglicht es, alle Beteiligten frühzeitig einzubinden und intensiv vorhandene Daten zu analysieren, um ein tiefes Verständnis für die Nutzenden zu entwickeln. Es ist jedoch kritisch, diesen Prozess nicht bei der Hypothesenbildung enden zu lassen, sondern eine Validierung durch Interaktion mit den tatsächlichen Nutzenden sicherzustellen, um Fehlannahmen und daraus resultierende Fehlentscheidungen zu vermeiden.
  2. Forschungsbasiertes Vorgehen
    Bei diesem Ansatz beginnt man direkt mit der Nutzerforschung, um die CJM auf einer soliden Datengrundlage aufzubauen.

Der hypothesenbasierte Ansatz ist der gängigere und wird daher im weiteren Verlauf näher erläutert.

Ein Diagramm, das den Übergang vom Status quo zu einem Wunschscenario darstellt, wobei zwischen hypothesenbasierter und forschungsbasierter Herangehensweise unterschieden wird.
Abb. 1. Vergleich zwischen hypothesenbasierter und forschungsbasierter Entscheidungsfindung.

Wie wird eine Customer Journey Maps erstellt?

Die Erstellung einer Customer Journey Map (CJM) ist ein komplexer Prozess, der tiefgehende Kenntnisse über Kund*innen und ihre Interaktionen mit einem Produkt oder Service erfordert. Um eine effektive CJM zu entwickeln, ist es notwendig, ein systematisches Vorgehen zu wählen, das auf fundierter User-Experience-Forschung basiert und sowohl aktuelle als auch zukünftige Nutzerpfade berücksichtigt. Im Folgenden werden die einzelnen Schritte zum Erstellen einer CJM näher erläutert.

Erstellungsprozess einer Customer Journey Map

Der Prozess der CJM-Erstellung ist eng mit der Erhebung und Ausgestaltung von Personas verknüpft und umfasst typischerweise die folgenden 5 Schritte:

1. Auftaktworkshop
Hier wird das Fundament der CJM gelegt, indem Stakeholder einbezogen werden, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Der Einsatz von Post-Its oder Kärtchen zur Visualisierung ist üblich.

2.-4. Erhebung und Überprüfung
Durch UX-Forschungsmethoden wie Tiefeninterviews oder Online-Befragungen wird die CJM validiert und verfeinert.

5. Visualisierung & Vermittlung
Die visuelle Darstellung kann digital beginnen und durch Grafikdesign verfeinert werden. Hierbei können sowohl eigene Designs als auch vorgefertigte Vorlagen und Tools genutzt werden.

Ein Ablaufdiagramm, das den Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen beschreibt: Auftaktworkshop, quantitative Erhebung, Customer Journey Mapping, qualitative Erhebung und abschließend Visualisierung und Vermittlung.
Abb. 2. Ablaufdiagramm des Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen.

1. Auftaktworkshop: Gemeinsames Verständnis aller Beteiligten schaffen

Im Workshop zu Beginn wird die Methode des Customer Journey Mapping vorgestellt – optional auch die zugrunde liegenden Personas und die Datengrundlage – damit alle Teilnehmenden auf dem gleichen Stand sind. Anschließend werden das Szenario sowie die Phasen und Aktionen des CJM-Grids erarbeitet. Danach entsteht auf Basis einer ausgewählten Persona eine erste hypothetische Customer Journey Map, die im weiteren Verlauf geprüft und validiert wird.

An dieser Stelle wird eine kurze exemplarische Agenda bzw. ein Ablaufplan für einen CJM-Workshop skizziert. Auch hier wird der „Hypothese-first“-Ansatz verfolgt.

Agenda eines CJM-Workshops

Zeit

Inhaltlicher Ablauf

Ca. 30 min

Warm Up, Vorstellungsrunde

Ca. 30 min

Impulsvortrag Customer Journey Mapping (Erläuterung der Methode)

Abhängig Anzahl Personas, vorhandenen Daten

Optional: Vorstellung von den Personas (falls nicht ausreichend bekannt)
Optional: Sammlung, Verteilung, Vorstellung von Zahlen, Daten, Ergebnissen aus vorherigen Studien oder Analytics Daten

Ca. 30 min

Erarbeiten des Szenarios (oder unterschiedliche Szenarien für die verschiedenen Personas) --> zum Abkürzen des Prozesses können diese auch im Vorhinein schon erarbeitet werden und gesetzt werden

Ca. 30-45 min

Im Plenum des CJM Grid bestimmen (Phasen besprechen und Aktionen bestimmen) --> dieser Schritt kann auch durch erfahrene Moderator*innen in Zusammenarbeit mit wichtigen Stakeholdern vorher geschehen oder mittels eines Vorschlag abgekürzt werden, um Zeit zu sparen

Ca. 15min

Finden in Kleingruppen

Ca. 90min

Erstellung der CJM anhand einer spezifischen Persona und eines Szenarios (Material: Moderationskarten, Post It's, Stellwände)

Ca. 60min

Optional: Je nach Menge an Personas/Szenario kann auch noch eine zweite CJM für eine andere Persona erstellt werden

Ca. 45min

Vorstellung der CJMs im Plenum

Ca. 30min

Abschlussdiskussion

2. – 4. Erhebung & Überprüfung: Kennenlernen der Nutzenden

Zu Beginn ist es entscheidend, ein umfassendes Verständnis der (potenziellen) Kundinnen und Kunden zu entwickeln. Dafür stehen diverse Methoden zur Verfügung, einschließlich:

  • Fokusgruppen
  • Kundenbefragungen
  • Nutzertagebücher
  • Analyse von Kundenfeedback aus Social Media und Web-Analytics
  • Usability-Tests

Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Erstellung von Personas und Nutzungsszenarien, welche wiederum essenziell sind, um die Bedürfnisse, Erwartungen und Emotionen der Nutzenden auf jeder Stufe ihrer Reise zu identifizieren.

5. Visualisierung & Vermittlung: Gestaltung der Customer Journey Map

Je nach ausgewähltem Vorgehen und Ziel wird ein Szenario erstellt. Dieses beschreibt immer das Ziel der Nutzenden. Es kann unterschiedliche Detailgrade beinhalten und verschieden aufgebaut sein, es muss nur deutlich werden:

  • Wer ist die handelnde Person? (=Actor)
  • Was ist das Ziel der Handlung?

Der sogenannte Actor durchläuft verschiedene Phasen und Schritte, um sein Ziel zu erreichen. Diese Phasen werden in einer CJM abgebildet. Zudem werden alle vom Actor ausgeführten Aktionen, Emotionen, Gedanken und nach Bedarf auch das Device, welches verwendet wurde, notiert.

In jedem Prozess kommt früher oder später der Punkt, an dem man sich für etwas entscheiden muss:

  • „Brauche ich diese Versicherung überhaupt?“
  • „Wo kaufe ich Produkt XY, online oder offline? Buche ich jetzt Hotel A oder B?“

Und genau diese Punkte sind wichtig in einer Customer Journey Map. Sie werden gerne als „Moment der Wahrheit“ (Moment of truth /MoT) beschrieben. In diesen Momenten trifft der Actor Entscheidungen, die den Lauf des Prozesses beeinflussen, z. B. in dem er sich für oder gegen ein Produkt/Service entscheidet oder eine finale Kaufabsicht trifft. In einer CJM kann es durchaus mehrere Momente der Wahrheit geben. Diese sind für die Unternehmung besonders interessant, da sich an diesen Stellen entscheidet, ob z. B. das eigene Produkt gewählt wird oder nicht. Insgesamt entsteht ein Grid, was z. B. so aussehen kann (das „Herz“ wird hier als Symbol für den „Moment of truth“ verwendet):

Ein Template für eine Customer Journey Map, das verschiedene Phasen, Aktionen, Gedanken, Geräte, Emotionen und Potenziale einer Persona strukturiert darstellt.
Abb. 3. Template einer Customer Journey Map

Es gibt viele Möglichkeiten, eine CJM selbst zu gestalten. Es wird jedoch empfohlen, Grafikprogramme statt Standardpräsentationssoftware zu verwenden, um die Komplexität und Detailfülle einer CJM angemessen darzustellen. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass die Maps sehr groß werden können und sich stark ausdehnen. Also nicht jedes Design-Tool ist zur Erstellung unbedingt geeignet.

In der Zwischenzeit gibt es auch bereits viele Tools, die auf die Visualisierung von CJMs ausgerichtet sind. Einige bieten einfache Templates, andere bieten eine Umgebung an, in der sehr individuelle Maps erstellt werden können. An dieser Stelle ein paar Beispiele:

Mapping Tools und deren Einsatz

Bevor man sich der Auswahl und Nutzung spezifischer Tools für die Erstellung und Visualisierung von Customer Journey Maps (CJMs) widmet, ist es essenziell, zu verstehen, dass der Einsatz solcher Tools niemals die inhaltliche Arbeit ersetzen kann. Eine effektive CJM basiert auf einer soliden Datengrundlage und muss innerhalb des Unternehmens aktiv genutzt und integriert werden. Ohne diese Grundlagen verliert selbst das fortschrittlichste Tool seinen Wert.

Bei der Auswahl eines geeigneten Tools für die Customer Journey Map sollten zunächst die spezifischen Bedürfnisse und Ziele klar definiert werden. Generell lassen sich CJM-Tools in zwei Hauptkategorien unterteilen:

  1. Erstellung und Kreation
    Hierbei geht es um Tools, die in der initialen Phase der CJM-Erstellung hilfreich sind, um Ideen zu sammeln und einen ersten Entwurf zu erstellen.
  2. Visualisierung
    In dieser Phase kommen Tools zum Einsatz, die dabei helfen, die Customer Journey Map ansprechend zu gestalten und visuell aufzubereiten.

Tools zur Erstellung von CJMs

Mural ermöglicht kollaboratives Arbeiten auch über verschiedene Standorte hinweg, indem es eine digitale Stellwand bietet, auf der Teilnehmende gemeinsam Ideen sammeln können.

  • Vorteil: Fördert die Zusammenarbeit entfernter Teams und digitalisiert Ergebnisse direkt.
  • Nachteil: Kann den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen und erfordert zusätzliche Kommunikationswege.

UXPressia bietet die Möglichkeit, direkt in vorgefertigten CJM-Templates zu arbeiten, was die Erstellung einer visuell ansprechenden Map vereinfacht.

  • Vorteil: Spart Zeit durch die direkte Arbeit an einer optisch fertigen Map.
  • Nachteil: Besteht die Gefahr, dass ohne fundierte Datenbasis voreilige Schlüsse gezogen werden.
Eine umfassende Customer Journey Map erstellt mit dem Tool UXPressia mit mehreren Phasen, Prozessdiagrammen, emotionalen Verläufen sowie identifizierten Problemen und Verbesserungspotenzialen.
Abb. 4. Detaillierte Darstellung einer Customer Journey Map erstellt mit UXpressia.

Wie wähle ich ein Customer Journey Tool aus?

Die Entscheidung für ein bestimmtes Tool sollte wohlüberlegt sein und sich an den spezifischen Anforderungen des Projekts orientieren:

  • Definieren Sie klar, was Sie mit dem Tool erreichen möchten.
  • Überlegen Sie, wie das Tool im Rahmen des Projekts eingesetzt werden soll.
  • Bewerten Sie, inwiefern das Tool die Arbeit erleichtert, und das Ergebnis verbessert.

Unabhängig von der Wahl des Tools ist stets zu bedenken, dass kein Werkzeug die Notwendigkeit solider Recherche und fundierter Datenerhebung aufhebt. Tools bieten Unterstützung und können Prozesse vereinfachen, doch die Qualität der Customer Journey Map hängt letztendlich von der Tiefe und Relevanz der zugrundeliegenden Daten ab.

Beispiele für Customer Journey Maps mit unterschiedlichem Detailgrad

Je nach Zweck und Anwendungsfall können Customer Journey Maps unterschiedlich detailliert gestaltet werden. Während einfache Varianten einen schnellen Überblick bieten, ermöglichen umfangreichere Maps eine tiefgehende Analyse aller Touchpoints und Nutzererfahrungen.

Eine vereinfachte Customer Journey Map zeigt den Entscheidungsprozess einer Studentin beim Abschluss einer Haftpflichtversicherung, inklusive emotionaler Kurve und Nutzeranalysen.
Abb. 5. Vereinfachte Customer Journey Map mit reduziertem Informationsgehalt.
Eine kombinierte Darstellung einer Personas-Sedcard und Customer Journey, die Aktivitäten, Stolpersteine, Emotionen sowie Handlungsmöglichkeiten visuell integriert.
Abb 6. Kombination von Persona und Customer Journey
Eine detaillierte Customer Journey Map mit Phasen, Aktivitäten, Interaktionen, Storyboards, emotionalen Kurven und Pain Points, ergänzt durch Beschriftungen zur Erläuterung der einzelnen Elemente.
Abb. 7. Strukturierte Customer Journey Map zur Analyse von Nutzererfahrungen und Touchpoints.
Eine detaillierte, tabellarische Darstellung einer komplexen Customer Journey, die Phasen, Bedürfnisse, Aktivitäten, Erwartungen, emotionale Zustände und Verbesserungspotenziale umfasst.
Abb. 8. Detaillierte tabellarische Customer Journey Map

Herausforderungen bei der Erstellung von CJMs

Zeitlicher und finanzieller Aufwand
Die Erstellung von CJMs kann insbesondere ohne vorliegende Personas zeit- und kostenintensiv sein. Fundierte Personas bilden den Grundstein für effektive Customer Journey Maps. Eine integrierte Erstellung von Personas und CJMs kann jedoch den Aufwand signifikant reduzieren.

Einbindung relevanter Stakeholder
Es kann eine Herausforderung sein, alle relevanten Stakeholder für Workshops zu gewinnen. Eine frühzeitige Planung der CJM-Erstellung ist essenziell, um terminliche Konflikte zu vermeiden.

Eine Customer Journey Map ist niemals fertig
Customer Journey Maps sind dynamische Instrumente, die regelmäßig aktualisiert werden müssen, um Änderungen in Nutzerverhalten und Technologien Rechnung zu tragen. Ihre kontinuierliche Überprüfung und Anpassung ist entscheidend, um relevante und effektive Kundenerlebnisse sicherzustellen.

Deep Dive:

Fokussieren mit Critical User Journeys

Während Customer Journey Maps ein umfassendes Bild aller Nutzerinteraktionen zeichnen, braucht es in der Praxis oft klare Fokuspunkte. Hier setzen Critical User Journeys  einen gezielten methodischen Rahmen.

Was sind Critical User Journeys?

Critical User Journeys (CUJs) sind die zentralen und strategisch wichtigsten Nutzerpfade innerhalb eines digitalen Produkts oder Services. Sie bezeichnen 5 bis 7 konkrete Interaktionen, die darüber entscheiden, ob ein Produkt aus Nutzendensicht erfolgreich ist. CUJs helfen Teams, in komplexen Umfeldern klare Prioritäten zu setzen, auch wenn Datenlage, Zuständigkeiten oder Zielbilder unklar sind.

Im Unterschied zu klassischen Customer Journey Maps, die ein vollständiges Bild aller Interaktionen zeichnen, konzentrieren sich CUJs ausschließlich auf die kritischen Touchpoints: Dort, wo Nutzer*innen abspringen, konvertieren, scheitern oder überzeugt werden. Sie dienen als strategischer Kompass, um begrenzte Ressourcen auf das Wesentliche zu fokussieren, insbesondere in funktionsübergreifenden Teams mit vielen parallelen Anforderungen.

CUJs sind kein Ersatz, sondern eine präzise Ergänzung zur Customer Journey Map, mit dem Ziel, Produktentscheidungen gezielter zu treffen, messbarer zu machen und schneller ins Handeln zu kommen.

Wie sich Critical User Journeys in der Praxis identifizieren, priorisieren und erfolgreich umsetzen lassen, zeigt Richard Bretschneider im kostenfreien Webinar am 04.07.2025: „Critical User Journeys – Der Kompass im Komplexen“.

Fazit: Customer Journey Maps haben strategischen Nutzen

Customer Journey Maps liefern wertvolle Einblicke in die tatsächlichen Bedürfnisse und Pain Points Ihrer Nutzenden. Durch ihre gezielte Anwendung können Produkte und Services optimal ausgerichtet werden, fundiertere Entscheidungen getroffen und ungenutzte Potenziale identifiziert werden. Sie können so maßgeblich strategische Entscheidungen beeinflussen – entscheidend dabei: eine datenbasierte Herangehensweise.

Da eine Customer Journey Map nie statisch ist, sondern sich mit den Erwartungen und Verhaltensweisen der Nutzenden weiterentwickelt, ist ihre regelmäßige Aktualisierung essenziell. Spannend ist dabei die Entwicklung digitaler Tools und KI-gestützter Analysen, die neue Möglichkeiten in der Visualisierung eröffnen und noch tiefere Einblicke in die Customer Journey ermöglichen.

Wir haben Ihnen einige Beispiele für CJMs gezeigt – wäre es jetzt nicht interessant, nun die Personas und die Customer Journey für Ihre eigenen Produkte kennenzulernen?

Wo stehen Sie aktuell? Haben Sie einen konkreten Anwendungsfall, bei dem Ihnen diese Methode weiterhelfen könnte? Planen Sie bereits den Einsatz oder haben Sie Customer Journey Maps bereits erfolgreich genutzt? Lassen Sie es uns wissen – zum Beispiel per Kommentar weiter unten!

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Internet

„Customer Journey Map – Herzstück vieler UX-Methoden?“ | Lorena Meyer (2016) | usabilityblog.de

„Whitepaper Personas – Alles was ich wissen muss“ | Joanna Oeding (2018) | usabilityblog.de

„Customer Journey Maps – Fehle aus der Praxis die sie lieber vermeiden sollten“ | Joanna Oeding (2018) | usabilityblog.de

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User Researcher:innen haben das Zeug zum Unternehmer!

Unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch denken und handeln:
Wer von Ihnen  ist Gestalter:in, Unternehmer, Unternehmerin, denkt strategisch, hat Visionen und formuliert sie? Wer von Ihnen arbeitet und handelt unternehmerisch und strategisch?

Es kommt drauf an! Worauf genau?
Vielleicht auf Ihre Rolle und Stellung im Unternehmen?
Das sollten Sie nicht zulassen.

Lassen Sie sich nicht in eine Ecke stellen, in die Sie nicht hingehören oder hingehören wollen. Bleiben Sie vielfältig und breit aufgestellt. Das gilt insbesondere für all jene, die die Rolle einer User Researchin, eines User Researchers inne haben.

Darf ich vermuten, dass viele von uns ….

  • UX Manager:innen, Journey Manager:innen“ UX Designer:innen, UX Architekt:innen, UX Engineers (w/m/d), UX Consutants (w/m/d), Produktinhaber:innen (POs) die Eigenschaften unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch zuschreiben,
  • User Researcher:innen aber in der Regel nicht?

Wir alle haben das Zeug zum Unternehmer, zur Unternehmerin!

Wir sollten User Researcher:innen nicht pauschal als operativ handelnde Rolleninhaber:innen abgrenzen oder gar abstempeln.  Ich kenne keinen Grund, warum das so sein sollte: Warum User Researcher:innen nicht unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch denken oder handeln sollten. Kennen Sie einen Grund?

Die richtigen Fragen stellen, die relevanten und dringlichen Themen im User Research angehen, Innovationen anstoßen, aus Daten zielführende, erfolgswirksame Maßnahmen und Entscheidungen ableiten, nicht einfach nur umsetzen was andere anfordern in Sachen „Forschung & Research“, stattdessen mitdenken, kritisch sein, gestalten, Fragen aufwerfen, Neue Wege aufzeigen, Zielvorgaben erreichen, geschäftliche Erfolge herbeiführen und darüber erzählen und berichten.

Ich kenne viele User Researcher:innen, die genau das täglich tun – und das ist gut so.

Wir haben so viele User Researcher:innen, die unternehmerisch denken und handeln – nur leider sprechen wir zu wenig mit und über sie!

Ohne User Research & UX Testing Wettbewerbsvorteile erzielen, geht das?

Wenn Märkte stagnieren, schrumpfen, sich konsolidieren, dann können Unternehmen ihren Wert halten und steigern, wenn sie aus  (Neu-)Kundensicht und im Vergleich zum Wettbewerb relevantere und bedeutsamere Vorteile bieten. Wenn sie:

Die richtigen Dinge gestalten – und diese richtig gut gestalten!

Produktinhaber:innen („Product Owner“) verantworten beides:

  1. Die richtigen Dinge gestalten.
  2. Die Dinge richtig gut gestalten.

Produktinhaber:innen sind insbesondere in schrumpfenden, stagnierenden Märkten gefordert beides bestmöglich und zugleich auf effiziente Art und Weise sicherzustellen.

Worauf kommt es in solchen Situationen an?

Auf unfassbar viel. Insbesondere auf Schnelligkeit im Handeln, einen Fokus auf das Wesentliche und im Ergebnis auf richtig gute Entscheidungen!

Alle im Team müssen nun jene Dinge tun, jene Aufgaben in den Fokus stellen, die sie richtig gut erledigen können und wollen.  Und alle müssen unternehmerisch denken und handeln. Das gilt für alle Teamrollen:

  • Die/den PO selbst,
  • Entwickler:innen,
  • Marktforscher:innen („Business Analysten“),
  • User Researcher:innen
  • UX Designer:innen.

Was bedeuten derartige Marktsituationen für UX Designer:innen? 

Ich fürchte jene Rolleninhaber:innen werden ihren Fokus auf UI Development / UI Design legen (müssen). Sie werden intensiver und direkter mit Entwickler:innen zusammen arbeiten. Das ist im Grundsatz ja nicht schlecht, diese enge Zusammenarbeitet, insbesondere dann, wenn die/der Rolleninhaber:in kompetent und genrealistisch aufgestellt ist.

Was wird in den Hintergrund treten?

Ich fürchte UX Testing und User Research werden „eingespart“: Weniger Zeit und Geld für die Analyse von Anforderungen und Bedürfnissen von Nutzenden und Kunden. Früh und oft testen – das wird weniger oft stattfinden, vielleicht ganz entfallen. Stattdessen werden immer mehr User Researcher:innen „Forschen am Schreibtisch“ betreiben (müssen). „Sekundäranalysen“ werden primärer, empirischer Forschung vorgezogen – jedenfalls dann, wenn wir das zulassen … .

Wenn Sie als User Researcher:innen es zulassen, dass Budget-Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die den Wert und positiven Effekt von UX Testing und User Research auf den ROI ihres Unternehmens nicht kennen, weil Sie ihnen jenen nicht verdeutlicht haben!

Lassen Sie das nicht zu. Liebe User Researcher:innen, laßt das nicht zu:
Ihr alle habt das Zeug das zu verhindern.

User Reseacher:innen müssen unternehmerisch denken und handeln, müssen unternehmerisch auftreten, um ihre strategisch so relevante Rolle in Unternehmen zu finden oder zu halten!

Ohne UX Testing und User Research keine Wettbewerbsvorteile!

Kommen wir zurück zu dem, was von Produktinhaber:innen in wettbewerbsintensiven Märkten und Situationen erwartet wird: Die richtigen Dinge gestalten – diese Dinge richtig gut gestalten!

Ich frage mich, ich frage Sie: Wie soll das funktionieren, wenn UX Testing und User Research in den Hintergrund treten? Wenn Anforderungsanalysen und Tests eingespart werden? Wenn Sekundärforschung, wenn das „Forschen am Schreibtisch“ eigene Studien und Tests ersetzt?

Es geht einfach nicht!

Will man die richtige Entscheidungen gut treffen – und das muss man, will man die richtigen Dinge gut tun – und auch das muss man, dann braucht es Erkenntnisse auf der Basis von qualitativ hochwertigen Daten.

Wie werden aus Zahlen und Fakten Erkenntnisse für gute Entscheidungen?

Es braucht Daten (Zahlen & Fakten) aus einer Studie („primäre“ Datenerhebung), die das Erkenntnisinteresse (Untersuchungsfragestellung(en)) objektiv, zuverlässig und valide erfüllt.

Zeitdruck, Erkenntnisdruck und zugleich die Notwendigkeit Geld zu sparen!

Unter solchen Rahmenbedingungen wird „Forschen am Schreibtisch“ – Desk-Research, Sekundärforschung – nun einmal angesagt(er), wird empirischer Primärforschung öfter vorgezogen.

Normal, aber auch „gut so“?  

Forschen am Schreibtisch basiert meistens auf …

  • Daten aus eigenen, bereits durchgeführten (Primär-)Forschungen
  • Datenbanken – eigenen und eingekauften (z.B. Statistisches Bundesamt, Statista)
  • Daten, auffindbar beim Suchen im „World Wide Web“ (Internet).

Einfach mal machen – auch wenn’s nur zweite Wahl ist?

Beim Forschen am Schreibtisch werden vorhandene Zahlen und Fakten herangezogen, um Fragestellungen zu beantworten, die das Erhebungs- und Auswertungsdesign der Studien hinter den Daten nicht bestimmten.

Klingt kompliziert – das mit der Sekündarforschung?

Ja, ist es auch. Es braucht eine systematische, durchdachte Recherche-Strategie, jede Menge Erfahrung, darunter auch viel schmerzhafte, gezahltes Lehrgeld, aber selbst dann ist Sekundärforschung noch immer mit viel Unsicherheit behaftet, da …

  • keine auf die Fragestellung(en) zugeschnittene Datenerhebung erfolgte, was bedeutet: wenig Aussagekraft, viel Interpretationsspielraum.
  • oft keine tiefen Einblicke in das Erhebungs- und Auswertungsdesign der Studien gewährt werden, so dass die Qualität (Objektivität, Zuverlässigkeit, Gültigkeit) und Aktualität der genutzten Daten bzw. Studien hinter den Daten nicht immer bewertet werden kann.

Aber hey, ist denn die Arbeit mit ChatGPT & Co. nicht auch Sekundärforschung?

Im Prinzip schon. Aber deutlich einfacher und bequemer, unterstützender und kollegial mitdenkend, in der gewonnenen „Weitsichtigkeit“ deutlich weiter, tiefer und breiter, damit sicherer, aber auch mit generativer KI/AI Unterstützung gilt:

Forschen am Schreibtisch sollten Sie nur einsetzen, um …

  • Forschungsbedarfe und Forschungslücken zu erkennen,
  • Hypothesen zu entwickeln und darauf aufbauend
  • effiziente Primärforschung zu konzipieren.

Mit viel Sicherheit, dass Sie erforschen, wozu es noch keine Daten gibt und dass Sie beim Konzipieren Ihrer Studie(n) darauf aufbauen, was es an Erkenntnissen schon gibt.

Unternehmer, Stratege, Umsetzer (w/m/d): User Researcher:innen sind vielfältig!

Portraitfoto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Liebe User Researcher:innen, lasst euch nicht in eine Ecke drängen. Und falls schon geschehen: Kommt da raus. Raus aus Ecken, in die ihr nicht hingehört, die euch abstempeln mit stereotypischen Eigenschaften, die ihr nicht wollt, die euch „unter Wert“ darstellen!

  1. Ihr werdet gebraucht, operativ handelnd und strategisch denkend.
  2. Ihr werdet gebraucht als Umsetzer:innen und  Gestalter:innen, Unternehmer:innen.

Als User Researcher:innen haben Sie, habt ihr eine Rolle, in der ihr unternehmerisch und strategisch handeln könnt – und ihr solltet das auch tun. Ihr habt das Zeug zur Unternehmerin, zum Unternehmer. Setzt es ein, insbesondere in Zeiten, in denen der Wettbewerb im Markt intensiv ist.

Und lassen Sie sich als User Researcher:in unter diesen Rahmenbedingungen nicht zu „Forscher:innen am Schreibtisch“ abdrängen. Auch nicht von neuen Technologien.

Forschen Sie gern weiter mit ChatGPT, YOU, Consensus, SciSpace & Co. „vor- und nachrangig“, aber bleiben Sie stets offen für eigene, empirische Studien und zeigen Sie diese begründet an, wenn sie Ihnen nötig erscheinen. Sie werden gehört werden, insbesondere dann, wenn Sie unternehmerisch denken, handeln, argumentiert, wenn Sie die Sprache einer/eines Unternehmer:in wählen.

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Virtual Shopping – Die E-Commerce Revolution?

Black Friday, Cyber Monday und der wachsende Wettbewerb im E-Commerce stellen viele Einzelhändler vor Herausforderungen. Um sich von den großen Online-Plattformen abzuheben, sind innovative Lösungen gefragt. Eine 3D-Tour als „Virtual Shop“ kann dabei einen echten Mehrwert bieten, indem sie das Einkaufserlebnis digital erlebbar macht und Kunden direkt auf dem Bildschirm begeistert. Virtual Shopping schlägt [...]

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Digitale Barrierefreiheit: Einfach machen – Es könnte ja gut werden!

Wer barrierefrei gestalten will, der findet einen Weg. Wer das nicht will, der findet Ausreden.
Diese Aussage, angelehnt an das Buch von Raúl Aguayo-Krauthausen mit dem Titel „Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden!“, wird Matthias Blaß – mein Partner im Experten-Interview auf nutzerbrille.de – teilen und unterstützen.
Da bin ich mir fast zu 100% sicher.

Matthias Blaß hat in seinen Rollen als Product Owner und UX Professional schon viele Touren geplant und Wege eingeschlagen.
Wege die im Ergebnis zu erfolgreichen digitalen Produkten und Services führten. Erfolgreich sowohl im Sinne des Erreichens von vorgegebenen oder selbst gesetzten Zielen als auch im Sinne seiner Leidenschaft für barrierefreie Produktgestaltung.

Matthias Blaß, Produktowner und UX Professional im Portrait

Matthias Blaß, Product Owner & UX Professional seit 1998

Ich freue mich daher sehr, lieber Matthias, dass du mich und meine Leser:innen an deinen umfangreichen Erfahrungen teilhaben lässt.

2004 durfte ich das erste Mal von deinen Erfahrungen profitieren. Damals hast du als Gründer und Entwickler des ersten barrierearmen Seniorenportals Deutschlands (Lebensphasen(.)de) auf dem von der eresult GmbH ausgerichteten Usability-Kongress einen informativen und unterhaltsamen Vortrag zu den ThemenBarrierefreiheitund seniorengerechte Website-Gestaltung gehalten. Beide Themen waren damals für die meisten Teilnehmer:innen des Usability-Kongresses (noch) nicht besonders relevant – soweit ich mich noch erinnern kann.

Was war damals deine Motivation zu diesem Vortrag, welche (Kern-)Botschaft wolltest du als Missionar in Sachen barrierefreie Websitegestaltung teilen?

Matthias: Im Jahr 2002 traten sowohl das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) als auch die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) in Kraft. Diese verpflichteten insbesondere die Bundesbehörden sowie öffentliche Verwaltungen zur digitalen Barrierefreiheit. Parallel dazu kam Anfang der 2000’er Jahre mal wieder ein Trend im Marketing auf:
Die Generation 50plus war plötzlich super attraktiv.

Zu der Zeit arbeitete ich als Projektmanager in Digitalagenturen und wir entwickelten fancy Kampagnen-Webseiten, vornehmlich mit einer sehr grafiklastigen und hochgradig animierbaren Technologie namens Flash. Das Hauptproblem für uns war zu der Zeit der sogenannte “Browser War”. Das bedeutete, dass man für den Internet Explorer und den Mozilla Firefox spezielle Anpassungen programmieren musste, weil die Browser wenig standardisiert waren. Das ist heute ja nicht mehr so, aber das war noch vor dem ersten iPhone oder Alternativen wie Googles Chrome.

Einfach machen – Es könnte ja gut werden!

Matthias: Mich hat es immer genervt, dass man aus visuellen (Verkaufs)Gründen so viel Aufwand betrieben hat. Ich war schon damals der Meinung, dass man solche Projekte vereinfachen können muss. Und als dann die Themen 50plus und Barrierefreiheit kamen, war das für mich die persönliche Motivation:

„Ich wollte zeigen, dass man visuell ansprechende und funktionale Webseiten auch einfacher und zudem maximal zugänglich erstellen kann!“

Ich bin ja kein gelernter Softwareentwickler. Ich kann HTML und CSS und einfachen Programmcode verstehen. Aber das hat damals genügt, um Templates für ein Content-Management-System zu entwickeln und das erste barrierearme Senioren-Portal ins Leben zu rufen.

Neben der einfachen Programmierung konnten die Nutzer:innen die Ansicht skalieren oder das Farbschemata ändern. Das Portal umfasste ein Online-Magazin, ein Forum, einen interaktiven Agenten, E-Card-Service und später sogar einen Online-Shop. Das Gesamtprojekt war weit davon entfernt wirklich barrierefrei zu sein. Aber ich wollte zeigen, dass man ansprechende Webprojekte für alle Zielgruppen anbieten kann. Daher lautete der Titel des Vortrags 2004 auf dem Usability-Kongress: Raus aus der Schublade behindertengerechter Webseiten.

Denn damals hieß es immer, dass barrierefreie Webseiten nicht gut aussehen würden. Deshalb hat das Thema meiner Meinung nach auch in der freien Wirtschaft kein Gehör gefunden.

Die Menschen und das Geschäft immer im Blick!

Seit 2004 ist viel geschehen. Du konntest deine Fertigkeiten und Kompetenzen weiter ausbauen.
Welche deiner zahlreichen Projekte, Herausforderungen und beruflichen Stationen haben deine Leidenschaft für barrierefreie, menschenzentrierte Gestaltung besonders geprägt und gestärkt? 

Matthias: Meine Leidenschaft für gute Usability und User Experience entwickelte sich hauptsächlich in den Jahren bei einer Bank. Dort war ich lange für die Conversion-Optimierung der Online-Antragsstrecken und später für die Entwicklung des Kundenportals (Online-Banking-Plattform) verantwortlich.

Das Thema (technische) Barrierefreiheit war allerdings nicht unser primärer Antrieb, sondern der ROI. Unser Anspruch war immer, die Landingpages und Prozessseiten so zu gestalten, dass es möglichst wenige Kauf-Abbrüche gibt. Und da mussten wir einfach den Menschen stärker in den Mittelpunkt setzen, um zu verstehen, wie dieser eine Webseite tatsächlich versteht und in unterschiedlichsten Situationen mit diversen Endgeräten nutzt.

Wir haben zu der Zeit unheimlich viel getestet und auch viel gelernt. Gerade in direkten Gesprächen mit den Nutzer:innen, sei es im Labor oder in Remote-Tests, erfährt man so viel über die digitalen Barrieren, vor denen sich Menschen wiederfinden. So zieht sich das Thema barrierefreie, menschenzentrierte Gestaltung seit Jahren durch meine beruflichen Stationen. Nicht immer mit dem Erfolg, den ich mir wünsche, aber ich merke, dass die Sensibilisierung dafür überall größer wird.

Digitale Barrierefreiheit: Jetzt wird es ernst!

20 Jahre nach deinem Vortrag auf dem Usability-Kongress in Göttingen ist das Thema „digitale Barrierefreiheit“ für viele (endlich) relevant und für nicht wenige inzwischen auch dringlich.Was sind die zentralen Gründe dafür, dass das Thema „digitale Barrierefreiheit“ heute, im Jahr 2024, für viele eine hohe Bedeutung hat? 

Matthias: Ehrlicherweise muss man konstatieren, dass die Gründe weder Altruismus noch Menschenliebe sind, sondern die verschärfte Regulatorik. Neben dem bereits seit 2002 geltenden Behindertengleichstellungsgesetz gibt es zahlreiche weitere Gesetze, die sich mit dem Thema Inklusion befassen. Das Ganze gipfelt in das am 22. Juli 2021 in Kraft getretene Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das am 28. Juni 2025 vollständig in Kraft tritt.

Und hier wird es jetzt interessant. Denn wurden 2002 nur Bundesbehörden und die öffentliche Verwaltung zur digitalen Barrierefreiheit verpflichtet, so betrifft es jetzt auch Wirtschaftsunternehmen. Und zwar in Form von Ordnungswidrigkeiten und Geldbußen bei Verstößen. Das kann bei Geldbußen durchaus bis zu 100.000 € gehen. Bei solchen Beträgen denkt der eine oder andere vielleicht noch lächelnd an seine Portokasse. Aber die Marktüberwachungsbehörden haben die Befugnis, die Bereitstellung des Produkts oder der Dienstleistung einzuschränken oder zu untersagen. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass bei einem nicht barrierefreien B2C Online-Shop, der mehrere Millionen Euro Umsatz im Jahr macht, im schlimmsten Fall der Stecker gezogen wird. Und das kann dann schnell existenzbedrohend werden.

Jetzt gibt es natürlich auch im BFSG wieder Ausnahmen und Einschränkungen und man kann sich fragen, wie das Ganze überhaupt überwacht werden soll. Hier sollte man aber den Markt nicht unterschätzen, denn der wird auch hier regelnd eingreifen. Ich denke an den nicht ganz so freundlich gestimmten Wettbewerber. Oder die Abmahnanwälte, die mit fehlendem Webseiten-Impressum kein Geld mehr verdienen. Und ich bin mir sehr sicher, dass nach 20 Jahren mäßigem Umsetzungserfolg durch Freiwilligkeit, der Regulator (in diesem Fall zuallererst die EU) die Ausnahmen und Einschränkungen nach und nach einkassieren wird. Ein Abwarten und Weitermachen wie bisher kann also teuer werden.

Es lohnt sich (wieder) groß zu denken!

Wer profitiert, neben Menschen mit Behinderungen, von einer barrierefreien Gestaltung digitaler Produkte und Services?

Matthias: Zunächst einmal, wie zuvor bereits erwähnt, ältere Menschen. Von den knapp 8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung in Deutschland sind fast 80% älter als 55 Jahre. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) liegt die Kaufkraft der Generation 50plus bei über 720 Mrd. € pro Jahr. Eine nicht zu unterschätzende und weiterhin wachsende Zielgruppe.

Etwa 90% der Behinderungen sind “erworben” (etwa durch Krankheiten) und nicht “angeboren”. Das bedeutet, dass in Deutschland jeder heute “gesunde” Mensch künftig behindert werden kann. Zusätzlich muss man bedenken, dass man von einer schweren Behinderung erst ab einem Behinderungsgrad von über 50% spricht. Es gibt also sicher eine nicht unerhebliche Dunkelziffer an “leichten” Behinderungen.

Wenn wir Behinderungen meinen, sprechen wir in der Regel von permanenten Einschränkungen, z.B. dem blinden Menschen. Es gibt aber auch temporäre oder situative Einschränkungen. Bezogen auf digitale Barrierefreiheit sind damit z.B. der gebrochene Arm (temporär) oder das Baby auf dem Arm der Mutter (situativ) gemeint, die eine Bedienung einer Webseite oder App be- oder verhindern.

Ein kleiner Punkt, der aber sicher die budgetverantwortlichen Manager interessiert, ist, dass barrierefreie Webseiten per se suchmaschinenfreundlicher sind. Suchmaschinen sind also ebenfalls eine Zielgruppe. Man könnte also das SEO-Budget auch für eine AO (Accessibility Optimization) benutzen. Wir können einfach festhalten:

„Eine nicht barrierefreie Lösung behindert nur etwa 10% der Deutschen. Eine barrierefreie Lösung hilft dagegen allen. Heute und in Zukunft.“

Welche grundlegenden (Gestaltungs-)Prinzipien sollten UX Designer:innen beachten, wenn sie in einem Produktentwicklungsprozess von Beginn an Barrierefreiheit mitdenken und mitgestalten wollen?

Matthias: Ganz wichtig ist das Credo, das sicher alle UX’ler verinnerlicht haben:

„You are not the user!“

Das ist bei Nutzer:innen mit Behinderung noch viel wichtiger. Hier helfen z.B. auch Personas mit Beeinträchtigungen. Ich mag auch den Begriff “Inclusive Design”. Der ist noch stärker als “Universal Design”. Zumal Inklusion heute ein gängiger Begriff ist und die meisten damit etwas anfangen können.

Wir reden im UX-Umfeld häufig von einer systematischen Verzerrung der Wahrnehmung (Bias). In diesem konkreten Fall ist der Visual Bias für UX Designer:innen wichtig. Normalerweise gestalten wir als Sehende für Sehende. Selbst beim Blick auf einen Low-fi Wireframe “sehen” wir sofort, wie die Nutzerführung gemeint ist. Hier hilft es schon, wenn man sich vorstellt, wie ein Screenreader vorgehen würde, der nicht „sieht“, wo z.B. ein Call-to-Action positioniert ist.

Ansonsten eigentlich alles, was per se eine gute User Experience ausmacht:

  • Eine klare Informationsarchitektur und -hierarchie (Sektionen, Überschriften),
  • hohe Kontraste für Schriften und grafische Elemente (Farben),
  • Mindestgrößen für Schriften oder klickbare Elemente (speziell für Mobile),
  • Konsistenz (Seiten- und Geräteübergreifend),
  • Unnötiges weglassen (Overlays, separate Browsertabs),
  • einfache verständliche Sprache.

Und zu guter Letzt die komplette User Journey im Blick haben. Also woher kommt der User (mit einer Behinderung) und was passiert nach dem Kauf (ist die Bestätigungsmail auch barrierefrei?). Hier zeigt sich auch, dass ein inklusives oder universelles Design nicht nur Aufgabe der UX Designer:innen ist, sondern dass alle am Produkt Beteiligten ein entsprechendes Verständnis entwickeln müssen.

Ist deine Website barrierefrei? – Finde es heraus!

Lass uns den Blick auf vorhandene, digitale Produkte und Services richten. Zum Beispiel einen Online-Shop für Möbel, die Website eines Ferienhotels in den Alpen oder die Website einer Versicherung, die Zahnzusatzversicherungen anbietet. Welche Möglichkeiten haben Betreiber:innen derartiger Websites, um einen (automatisierten) Accessibility Quick-Check durchzuführen, um die zentralen Barrieren ihrer Websites zu erkennen?

Matthias: Am einfachsten und schnellsten geht es mit Accessibility-Plugins für die gängigen Browser. Diese gibt es für spezielle Barrieren wie z.B. Farbkontraste oder die Simulation von Fehlsichtigkeiten (Rot-Grün-Schwäche) oder auch für umfassendere Tests auf Basis der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des World Wide Web Consortiums (W3C).

Die Entwicklertools der Browser selbst haben auch einfache Reports für Barrierefreiheit integriert. Man kann seine Seiten auch anhand der WCAG oder BITV-Checklisten manuell prüfen. Viele Prüfpunkte kann man tatsächlich hands-on prüfen, z.B. ALT-Tags von Bildelementen. Oder man versucht einfach mal mit der Tastatur durch seine Webseite zu navigieren. Diese Quick-Checks helfen bei der schnellen Evaluation des Status Quos.

Welche weitergehenden Analysen sind ratsam, um den Grad der Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung von  Anforderungen an digitale Produkte oder Services aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz festzustellen?

Matthias: Die zuvor genannten Tools arbeiten in der Regel Checklisten ab und listen Regelverletzungen auf und geben Empfehlungen ab. Sie gehen aber nicht situativ auf Besonderheiten ein, z.B. die Nutzung von assistiven Technologien wie einem Screenreader.

Für mobile Applikationen oder auch Rechner gibt es bereits im Betriebssystem installierte Hilfsmittel, die man für weiterführende Analysen nutzen kann. So bieten Apple mit VoiceOver, Android mit Talk Back oder Windows mit Narrator einen kostenlosen Screenreader an, mit dem man seine Webseiten oder Apps selbst testen kann.

Des Weiteren gibt es professionelle Tools, die man zur Analyse nutzen kann und die man inhouse auch mit entsprechendem Know how für automatisierte Tests nach den Standard-Checklisten nutzen kann. So etwas hat den Vorteil, dass man diese Tests über APIs in die normalen QS- und Entwicklungs-Prozesse seiner CI/CD-Pipeline integrieren kann.

„Der Gold-Standard ist dann sicherlich, wenn Menschen mit Behinderungen in die Tests eingebunden werden!“

Denn wie in den gewohnten UX-Tests erfährt man so noch wesentlich mehr aus der Nutzerbrille, wie assistive Tools tatsächlich helfen und wo auch diese an ihre Grenzen stoßen.

Welche Fertigkeiten und Kompetenzen sind nötig, um einen Konformitätstest durchzuführen?

Für die Durchführung selbst sollte man mit der Nutzung von Online-Tools vertraut sein. Mehr bedarf es eigentlich nicht.

Viel wichtiger ist allerdings die Auswertung solcher Tests. Hier sollte ein grundlegendes Verständnis vom technischen Aufbau einer Webseite oder einer App vorhanden sein, um die Ergebnisse der Checks bewerten und entsprechende Maßnahmen ableiten zu können. Wer nicht weiß, was ein ALT-Tag ist, oder warum eine klare Inhaltsstruktur oder Hierarchie der Überschriften (H1-Hx) wichtig ist, oder wie die Kontrastverhältnis zu interpretieren sind, versteht die Testergebnisse möglicherweise nicht wirklich.

Das große Ganze stets im Blick: Menschen, Geschäft, Technologie!

Du hast in deinem Berufsleben verschiedene Rollen innegehabt, durftest verschiedene Positionen begleiten und konntest vielfältige Kompetenzen aufbauen und Erfahrungen sammeln. Du vereinst inzwischen die Kompetenzen von 3 Berufsgruppen in dir:

  • UX Professional
  • Product Owner
  • Entwickler.

Das ist außergewöhnlich – ganz sicher nicht die Regel. Die Regel ist: Jede der genannten Rollen wird in Unternehmen von unterschiedlichen Personen eingenommen. In einer solchen Situation, in einem solchen Kontext stellt sich mir die Frage: Was ist zu beachten, worin bestehen Stolperfallen, und wie kann man sie umgehen, wenn ein/-e UX Designer:in Barrierefreiheitstests und Konformitätsanalysen durchführt und im Anschluss „Arbeitsaufträge“ an Entwickler:innen formuliert?

Matthias: Meine Expertise als “Entwickler” habe ich eingangs ja bereits relativiert. Trotz allem hat mir dieses Wissen immer dabei geholfen, zu verstehen, wie eine Webseite sowohl technisch als auch visuell aufgebaut ist und für den User funktioniert. Auch die Fähigkeit, Komplexitäten und die damit verbundenen Aufwände einzuschätzen, sind hilfreich. Gleiches gilt für das Verständnis der Aufgaben eines POs (Business Fokus) und UX’lers (User Fokus).

In einer einfachen, idealisierten Welt reicht ein/-e UX Designer:in das Ergebnis eines Tests an das Entwicklungsteam weiter und überprüft nach der Umsetzung mit den Test-Tools erneut das Ergebnis. Nach ein paar Iterationen ist alles erledigt, das Produkt barrierefrei und alles gut. Job erledigt, nächstes Projekt. Schöne heile Welt.

Wir wissen aber, dass es in der Realität anders aussieht. Die UX’ler formulieren nicht einfach die Arbeitsaufträge. Diese müssen meistens mit dem internen oder externen Entwicklungsteam sowie dem PO verhandelt und priorisiert werden. Hier sind gute Kommunikationsfähigkeiten sowie das zuvor genannte technische Verständnis von Vorteil. Ein gutes Verständnis der Zusammenhänge hilft auch, um beim Gegenüber ein besseres Verständnis zu erzeugen, weshalb man die Änderungen vornehmen muss.

Lass uns zum Schluss noch auf User Tests mit Menschen mit Beeinträchtigungen eingehen. Expertenbasierte Konformitätstests sind – so meine Erfahrung – zielführend und besonders wertvoll, wenn die Expert:innen assistive Tools und Technologien, wie z.B. Screenreader, bei ihren Analysen einsetzen.
Welche zusätzlichen Vorteile bieten Tests mit Menschen mit Beeinträchtigungen?

Matthias: Aus meiner Sicht ist der größte Vorteil, dass z.B. der Nutzer eines Screenreaders in der Regel mit diesem Tool vertraut ist. Er weiß dann, wie er es in seiner gewohnten Umgebung und mit seinen Devices nutzen muss. Oder eben auch nicht, dann ist ein Screenreader eben auch kein Allheilmittel. Man schaltet ihn nicht einfach ein wie ein Radio und schon hört man alles wie gewünscht. Diese Tools bedürfen einer Konfiguration.

Oder nehmen wir Videos. Idealerweise stellt man Transkripte zur Verfügung. Heute vermutlich oft automatisiert mittels KI. Job erledigt? Die pure Transkription eines komplizierten Videos macht den Inhalt zwar „konsumierbar“, aber dadurch noch lange nicht für Menschen mit Ausprägungen von Autismus “verständlich” (Stichwort leichte oder einfache Sprache).

Idealerweise versucht man ein breiteres Spektrum an Beeinträchtigungen abzubilden.

„Wenn man bei klassischen UX-Tests bereits ab 5-7 Usern wertvolle Ergebnisse erhält, rekrutiert man für Barrerefreiheitstests 5-7 Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen.“

Menschenzentriert gestalten: Empathie ist gut, testen ist besser!

Ich habe schon seit meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie (1992-1997) den bisher noch immer unerfüllten Wunsch einen „Alterssimulationsanzug“ zu tragen: Mit Gewichten beschwerte Kleidungsstücke, Handschuhe die das Greifen von Gegenständen erschweren, klobige Schuhe die das Laufen zur Tortur machen und Brillen die Sehschwächen herbeiführen sollen dabei helfen, dass „junge Menschen“ sich in hochbetagte Menschen hineinversetzen können.

Wie bewertest du diesen Ansatz im Kontext der Zielsetzung, Produkte für Menschen mit Beeinträchtigungen (besser) zu gestalten? Und: Hattest du schon einmal die Gelegenheit einen solchen Anzug zu tragen?

Matthias: Leider hatte ich auch noch keine Gelegenheit, einen solchen Anzug zu tragen. Für mich beginnt die Simulation einer Sehschwäche mit dem Ablegen meiner Brille. Aber Spaß beiseite.

UX Designer:innen verstehen es, sich empathisch in den User zu versetzen. Im Kontext der Barrierefreiheit müssen wir aber noch eine Schippe drauflegen, weil wir die Auswirkungen der meisten Beeinträchtigungen zwar verstehen, aber eben nicht erleben oder fühlen können.

Das Beispiel der Alterssimulation ist hier ein toller Ansatz. Aber anstatt für jede Beeinträchtigung eine Simulation zu bauen, kann man einfach seine Testprobanden entsprechend rekrutieren und sich neben sie setzen. Wenn man dann die Probleme besser verstanden hat, ist man auch in der Lage, inklusive Produkte zu gestalten.

Zum Schluss, das müssen wir noch klären: Kannst du die folgende Aussage bestätigen und unterstützen, wie von mir einleitend angenommen?
Wer barrierefrei gestalten will, der findet einen Weg. Wer das nicht will, der findet Ausreden!

 Matthias: Absolut!

„Eine barrierefreie Gestaltung ist ja nicht unmöglich. Sie muss aber vor allem gewollt und idealerweise in der Strategie verankert werden.“

Wer sich ernsthaft damit auseinandersetzt, baut keine technischen Schulden auf, reduziert künftige Aufwände und skaliert seine Zielgruppe ganz automatisch um mindestens 10%. Dafür lohnt es sich doch, einen Weg zu finden, den man stetig in Richtung Ziel beschreitet.

Vielen Dank, lieber Matthias, für dieses Schlusswort und deine Einstellung.
Ich hoffe sehr, dass du noch viele Menschen, Teams und Unternehmen dabei unterstützen wirst barrierefreie und nachhaltige, digitale Lösungen für alle Menschen, für unsere Gemeinschaft und für ein menschenfreundliches Klima, von dem wir alle abhängig sind, zu entwickeln.

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