Artivive. Well, what’s going on here? This is a screenshot of Artivive, while augmenting the reality as displayed on my computer screen – showing a photo of a painting by Paul Delvaux at Albertina in Vienna. Of course, the original intent is to use your mobile phone or tablet while exploring the museum. Surprising - fun - interactive – if the piece of art has been prepared to be animated with Artivive.
Zu Beginn vieler Workshops stelle ich ein paar grundlegende Arbeitsregeln vor, die bei einer Moderation helfen, Diskurse besser zu gestalten. Dafür haben wir mittlerweile ein ganzes Potpourri an Regeln, die ich hier einmal gebündelt aufführen und strukturieren möchte. Neben einigen Grundregeln gibt es dabei auch Regeln, die je nach Art des Workshops variieren.
Warum überhaupt Workshop-Regeln?
Wenn es um die Zusammenkünfte mehrerer Akteure geht – egal ob man das nun Workshop oder Meeting nennt -, dann ist eine meiner Aufgaben in der Moderation, diesen Gesprächen auf mehreren Ebenen Struktur zu geben:
inhaltlich-thematisch: Was besprechen wir im Laufe des Workshops und wie kommen wir am Ende zu einem Ergebnis?
methodisch: Mit welchen Tools und Interaktionstechniken werden einzelne Themen bearbeitet?
zeitlich: Wie lange dauern die einzelnen Sessions?
Für diese drei Ebenen erstellen wir ein ausführliches Moderations-Skript. Was häufig unterschätzt wird, ist die vierte Ebene: die Frage der Diskussionskultur. Jeder, der schon einmal einen Workshop geleitet hat, kennt die störenden Einflussgrößen eines Workshops: Personen, die ständig auf ihr Telefon blicken, Alpha-Tiere, die eine kurze Gesprächspause nutzen, um einen langen Monolog zu halten, Teilnehmer, die die Pausenzeiten gnadenlos überziehen oder zu detailverliebte Menschen, die sich gerne in kleinteiligen Diskussionen verlieren.
Und was für längerfristige Transformationsprozesse gilt, gilt selbstverständlich auch für punktuelle Workshops: Kultur lässt sich nicht direkt beeinflussen, sondern über Interventionen auf Ebene der formalen Abläufe. Die Vorstellung von Diskussionsregeln zu Beginn eines Workshops ist so eine kleine Intervention, denn solche „Working Agreements“ helfen dabei, eine gewisse Workshop-Disziplin herzustellen – vor allem bei Gruppen oder Teams, mit denen ich zum ersten Mal zusammen arbeite. Meist sind diese Regeln für die gesamte Dauer des Workshops deutlich sichtbar im Raum hängen, so dass ich bei „Verstößen“ eigentlich nur stumm auf diese Vereinbarungen zeigen muss, ohne jeden einzelnen wiederholt daran zu erinnern.
Verschiedene Arten von Workshop-Regeln
In den letzten Jahren ist das „Portfolio“ an Working Agreements stetig gewachsen. Für mich und die Personen, mit denen ich regelmäßig arbeite, sind diese Regeln eine Selbstverständlichkeit. Aber es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Auftraggeber, die das erste Mal mit uns zusammenarbeiten, diese Vereinbarungen abfotografieren, um sie selbst anschließend in ihren Meetings zu verwenden. Dies ist erst jüngst wieder vorgekommen, und das hat mich dazu gebracht, diese Vereinbarungen mal zu strukturieren und gesammelt vorzustellen. Dabei gibt es drei verschiedene Kategorien von Workshop-Regeln. Lass Dich von der Menge dieser Regeln nicht irritieren, es ist eine Sammlung. Im konkreten Workshop setze ich meist nicht mehr als fünf bis sechs Regeln ein.
Grundregeln, die in vielen Workshops zum Einsatz kommen und die Basis für das gemeinsame Arbeiten sind
Spezifische Vereinbarungen, die sich aus dem Kontext des jeweiligen Workshops ergeben
Individuelle Regeln, die sich an die (Diskussions-)Kultur der jeweiligen Organisation orientieren
Grundregeln
Workshop-Du: Standardmodus ist, dass wir ein Workshop-Du einführen, denn ein „Du“ ist häufig die bessere Basis für eine produktive Arbeitsatmosphäre. Da dies aber ein sensibler Punkt in vielen Organisationen ist, kläre ich vor dem Workshop, inwieweit ein Du überhaupt kulturell möglich ist. Falls das nicht so problemlos geht, ist eine Variante auch die Einführung eines kollektiven Du, wenn ich die Gruppe anspreche, aber im individuellen Kontakt bleibe ich dann beim Sie.
Geräte in den Flugmodus: Workshopzeit ist Fokuszeit. Teilnehmer, die immer wieder mit einem Auge aufs Smartphone schielen oder auf ihr Laptop-Display starren, sind nicht nur abgelenkt und halbherzig bei der Sache, sie stören auch die Energie der Gruppe. Ich bitte alle im Raum, ihre Geräte auszuschalten oder zumindest in den Flugmodus zu versetzen. Durch Verweis auf die Pausenzeiten gebe ich den Teilnehmenden einen Anhaltspunkt, wann sie sanktionsfrei zum Handy greifen können. Manchmal hilft es auch, die „Kaffeepause“ als „Handypause“ zu bezeichnen. Ergänzend frage ich gerne auch, wer denn einen extrem wichtigen Anruf erwartet oder führen muss, dann wissen alle, warum diese Person sich gegen halb elf mal kurz aus dem Raum verabschiedet.
Timeboxing: Damit am Ende eines Workshops nicht noch zuviel Agenda übrig bleibt, achte ich ziemlich genau auf die Zeit. Das gilt sowohl für die Dauer einzelner Sessions als auch für die Pausenzeiten. Es gibt kaum einen Workshop, in dem nicht unser TimeTimer zum Einsatz kommt. Und wir bitten die Teilnehmenden, auch selbst auf die Zeit zu achten. Denn „Zeit ist Geld“. Wenn in einem Workshop mit 15 Personen auch nur ein Teilnehmer 5 Minuten zu spät aus der Pause kommt und die restlichen 14 Personen warten müssen, dann sind das 5 mal 15 = 75 Minuten Wartezeit. Am Beispiel des eigenen Gehalts kann sich dann jede anwesende Führungskraft schnell ausrechnen, wie viel Geld gerade verbrannt wurde.
Keine Monologe: Diese Regel ist eher qualitativ. Jeder Teilnehmer soll daran erinnert werden, dass ein Workshop auch ein Austausch von Sichtweisen ist. Dabei sollen alle zu Wort kommen. Workshops dienen nicht dazu, einigen wenigen Meinungsführer eine Plattform für ihre Selbstdarstellung zu geben. Außerdem ist es für mich und die Teilnehmenden kaum sinnvoll möglich, sich auf einen langen Redebeitrag zu beziehen, ohne entweder 90% des Gesagten zu ignorieren oder erneut einen Monolog zu halten. Wenn man diese Regel quantifizieren möchte, lassen sich auch die Regeln „30 Sekunden Redezeit“ und „nur ein Gedanke pro Wortbeitrag“ einführen.
Leserlich schreiben: Vieles, was im Workshop besprochen wird, halten wir (oder die Teilnehmenden) schriftlich auf Post-Its fest. Damit es im Nachgang des Workshops auch für alle lesbar ist hilft es, die Anwesenden zu sensibilisieren, leserlich zu schreiben. Oder es auch manchmal konkreter zu machen, wie es die Kollegen von Metaplan in ihrer Regel zum „schriftlichen Diskutieren“ formulieren würden: mehr als ein Wort, nicht mehr als drei Zeilen. Folgt man strikt den Regeln der schriftlichen Diskussion bedeutet das auch, dass wir Widersprüche und Einwände in der Diskussion „blitzen“ (also visuell sichtbar machen) und die Gegenargumente aufnehmen.
Spezifische Regeln im Kontext des jeweiligen Workshops
Neben diesen Grundregeln gibt es ein paar Vereinbarungen, die nicht für jeden Workshop sinnvoll sind und die ich bei Bedarf einbringe.
Hände Hoch = Fokus auf uns: Das bietet sich insbesondere für die Moderation größerer Gruppen an. Je mehr Menschen es gibt, um so schwerer wird es für den Moderator, sich Gehör zu verschaffen. Es braucht ein Zeichen, um die Aufmerksamkeit der Gruppe wieder zu bekommen. Sobald ich die Hände hebe, hebt jeder, der mich sieht, ebenfalls die Hände und beendet das Gespräch. Und jeder, der jemanden mit erhobenen Händen sieht, macht das gleiche und ist still. So wandert diese Geste durch den Raum und idealerweise herrscht in wenigen Sekunden Ruhe.
Play Serious: In den meisten Fällen geht es in Workshops darum, dass am Ende etwas erreicht wurde. Ergebnisorientierung steht im Vordergrund. Aber mir ist es auch wichtig, dass die Teilnehmenden Spaß haben bzw. über das Spielen neue Erkenntnisse gewinnen. Deswegen ist eine der drei Rollen, die ich in der Funktion des Moderators habe, auch die des Entertainers. Das bedeutet nicht, dass man sich als Rampensau profiliert, sondern das man für Abwechslungs sorgt und sich den Themen nicht nur rein rational nähert. Für zielgerichtetes Spielen sorgen wir durch Tools wie Lego oder Rollenspiele. Durch diese Regel gebe ich explizit die Botschaft mit: Spaß und Spiel sind kein Selbstzweck, sondern sie helfen, zu lernen, motiviert zu bleiben und zu besseren Ergebnissen zu kommen.
Lösungsorientierung statt Problematisierung: Wenn die Gefahr besteht – und das finden wir häufig in den Vorgesprächen heraus – , dass die Teilnehmer eines Workshops dazu tendieren, in der konkreten Fragestellung den ganzen Tag zu problematisieren, dann hilft uns diese Regel, den Fokus auf die Frage zu lenken: Wie kann es denn trotzdem gehen? Als Zusammenkünfte wichtiger Akteure sind Workshops häufig auch kritische Momente für einen Wandel. Da bringt es wenig, wenn mit Floskeln wie „das geht nicht“, oder „das haben wir schon immer so gemacht“ der Weg in ein neues Handeln blockiert wird.
Done is better than perfect: Das ist das zweite Level der Lösungsorientierung. Kleine Schritte statt Masterplan. Wir folgen hier dem Pareto-Prinzip bzw. der 80/20-Regel. In vielen Fällen reicht eine Gut-genug-Lösung aus, eine 80%-Version. An den letzten 20% zu feilen, würde unverhältnismäßig viel Aufwand bedeuten. Deswegen: erstmal machen – und im Zweifel hinterher modifizieren und feinjustieren, anstatt zu versuchen im Workshop die perfekte Lösung zu erarbeiten. Deswegen ist diese Regel auch die kleine Schwester des Timeboxings.
Es gibt keine falsche Antwort: Diese Regel soll den Teilnehmern die Angst nehmen, etwas falsches zu sagen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die Workshop-Teilnehmer aus unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen zusammengesetzt sind und wenn Fragen gemeinsam durchdrungen werden, auf die es noch keine (ausreichende) Antwort gibt.
Masse statt Qualität: Gerade in Innovationsworkshops, in denen viele Ideen generiert werden sollen, neigen manche Teilnehmer dazu, Ideen sofort zu bewerten, sobald sie geäußert wurden. Aber in einer solchen Phase der Divergenz, in der möglichst viele unterschiedliche Ideen und Handlungsoptionen gesammelt werden sollen, geht es nicht um Bewertung und Kritik, um Selektion und Realisierbarkeit von Ideen. Es geht (noch) nicht um die detaillierte Diskussion einzelner Ideen, sondern um eine möglichst bunte Sammlung an Optionen.
Vegas-Regel: “What happens in Vegas, stays in Vegas.” Alles, was besprochen wird, bleibt im Raum. Insbesondere für Team-Retrospektiven ist diese Regel enorm wichtig, damit die Teilnehmenden auch frei sprechen können und keine Sorge haben müssen, dass ich die Ergebnisse und Eindrücke an die Management-Ebene spiele. Wenn ich diese Regel einführe, frage ich aber am Ende des Workshops immer nach, ob bzw. welche Ergebnisse mit anderen Personen geteilt werden dürfen.
Entscheider hat Veto-Recht: Soll im Workshop etwas entscheiden werden (Abstimmung) oder geht es „nur“ darum ein Stimmungsbild einzuholen? Wenn Entscheidungen anstehen, dann muss man sich zu Beginn des Workshops darüber verständigen wie diese Entscheidungen getroffen werden. Mit einfacher Mehrheit? Oder gibt es einen „Entscheider“ in der Gruppe? Dieser wird entweder in der Gruppe bestimmt oder ist qua Hierarchie gegeben und darf dann Diskussionen auch beenden, wenn sie zu kleinteilig werden oder sich in einer Sackgasse befinden.
Themenparkplatz: Um Neben-Diskussionen zu vermeiden und uns auf die wichtigen Fragen zu konzentrieren, die in einem Workshop besprochen werden sollen, platziere ich hin und wieder einen Themenparkplatz im Raum und weise darauf hin, dass die Teilnehmenden wichtige Aspekte, die im Laufe der Diskussion aufkommen, dort hinhängen können. Das bedeutet: Diese Aspekte werden im Workshop selbst nicht thematisiert, gehen aber auch nicht verloren. Und am Ende des Tages werden diese Nennungen nochmal aufgegriffen und wenn nötig in den nächsten Schritten adressiert.
Redefolge beachten: Normalerweise laufen in unseren Workshops die Diskussionen gesittet ab und ein Aufzeigen und Melden wie in der Schule ist nicht nötig. Sollte es aber dazu kommen, dass die Diskussionen ausarten, führen wir ab und zu auch die Drei-Finger-Gesprächsregel ein: Ein Finger = Neuer Beitrag, zwei Finger = Ergänzung oder Frage, drei Finger = Wortbeitrag off topic. Alternativ funktioniert auch die Drei-Bälle-Moderation.
Individuelle Vereinbarungen
Nachdem ich die Workshop-Regeln vorgestellt habe, frage ich alle Teilnehmenden, ob sie sich auf diese Vereinbarungen einlassen können und ob es möglicherweise noch weitere Regeln gibt, die wir nicht auf dem Zettel haben, die aber vor dem Hintergrund des zu besprechenden Themas und der Gesprächskultur in der jeweiligen Organisation noch wichtig sind aufzunehmen. Häufig kommen hier keine Ergänzungen mehr, aber ich habe es auch schon erlebt, dass dann noch solche Zusätze kamen wie „in Ich-Botschaften sprechen“ oder „ausreden lassen“. Ebenso kommen hier auch Aspekte wie z.B. „Wir lassen das Alltagsgeschäft außen vor“ oder „Wir wollen uns heute nicht vom Machbaren einschränken lassen“. Diese Vereinbarungen nehme ich dann auch noch mit auf. Zugleich geben mir diese Einwürfe auch Aufschluss darüber, welche Anfälligkeiten es in der Gesprächskultur im Alltag gibt bzw. welche inhaltlichen Leitplanken hier noch wichtig sein können, damit alle fokussiert in den Tag starten.
Welche Gesprächsregeln kennt Ihr?
Zum Abschluss interessiert mich, welche Regeln in Deinem Berufsalltag Anwendung finden: Daher die Frage an diejenigen, die selbst Workshops moderieren: Verwendest Du Gesprächsregeln – und wenn ja welche? Und die Frage an diejenigen, die “nur” Workshop-Teilnehmer sind: Hast Du Erfahrungen mit solchen Working Agreements? Welche würdest Du uns nennen, wenn wir einen Workshop in Deiner Organisation durchführen?
“… solving the right problems and iteration and always think of this as a large system, and making sure we solve the true underlying problems and not just the symptoms.” /21st Century Design by Don Norman – Interaction19 videos
How to create a very special and unique login screen:
1) Launch a space station /phew, this is done. 2) Tune into the live video feed – for instance at ISS Webcam 3) Get the upper video into full screen and landscape mode. 4) Gaze in awe until you fall in love with the current view. 5) Take a screenshot and use it as your lock screen wallpaper.
6) As a kicker, you can follow TheRealBuzz and wait until he shows up on your screen in space. Epic!
Moin Moin liebe uxHH-Community, den UX Roundtable gibt es nun bald seit 17 Jahren und wir hatten mehr als 200 inspirierende Events, von denen 175 im Archiv dokumentiert sind. So soll es auch weiter gehen, aber vielleicht kann es ja noch besser werden?! Wir haben Ende nächster Woche ein internes Orga-Treffen. Daher will ich Euch alle um Feedback und konstruktive Kritik bitten. Welche Highlights waren beispielhaft? Was war nicht so dolle? Was könnte und sollte man mal ganz anders machen? Welche Ideen und Vorschläge habt Ihr? Antworten gerne öffentlich auf Xing https://www.xing.com/communities/posts/ux-roundtable-und-ixda-hamburg-feedback-1016015068 oder vertraulich an roundtable@uxhh.de
Wir danken den Referenten für Ihre Beiträge, den Firmen für das Raumsponsoring und Euch allen für die rege Teilnahme (bei einer zu verschmerzenden No-Show Quote. Bitte bleibt so fair).
cu –Matthias /und das Team Anja, Christian, Kris und Kristina
„Darüber müssen wir mal gemeinsam mit allen diskutieren.“ So einen Satz hören wir häufiger von Auftraggebern im Rahmen von Vorgesprächen. Angesichts der Fülle an Themen, die mal mit allen diskutiert, behandelt und entschieden werden sollten, gehen dann bei uns schnell die Alarmglocken an. Eine unserer Grundüberzeugungen bei der Arbeit mit Gruppen besteht darin, möglichst wenig Zeit mit unproduktiven Plenardiskussionen zu verbringen und lieber Ideen und Vorschläge in kleinen Gruppen vordenken zu lassen. Trotzdem kommen auch wir nicht an der Diskussion mit allen vorbei. In diesem Artikel möchte ich mit dem Gallery-Walk und der Poster-Session zwei schöne Wege vorstellen, wie wir Diskussionen im Rahmen von Rückpräsentationen kleiner Gruppen anders strukturieren.
Methode 1: Gallery Walk
Ein Gallery Walk ist quasi eine aktivere Form der regulären Rückpräsentation in großer Runde. D.h. es gibt eine Reihe von Gruppen, die die Resultate ihrer Arbeit nacheinander vorstellen und die dann andiskutiert werden. Im Gegensatz zu normalen Diskussionen kommt nicht eine Gruppe nach der anderen nach vorne, während alle anderen immer tiefer in die Seminarraumstühle rutschen. Stattdessen wandert die gesamte Gruppe von einer Station zur nächsten. Allein diese kleine Aktivierung hat schöne Effekte. So bleibt das Energie-Niveau der Gruppe höher und die Diskussionen tendenziell kürzer, weil ja alle stehen und gleich zum nächsten Poster weitergehen wollen. Damit ein Gallery Walk funktioniert, sollte der Raum so groß sein, dass die Gruppen in dem Raum arbeiten können. Natürlich kannst Du auch mit der ganzen Truppe in alle Break-Out-Räume ziehen, aber das würde ich nur machen, wenn die Gruppen auch physisch gearbeitet haben und gemeinsam etwas gebaut oder gebastelt haben.
Methode 2: Poster-Session
Eine Poster-Session ist ein Standardformat auf wissenschaftlichen Konferenzen und aktuell meine Lieblingsalternative zur klassischen Rückpräsentation. Läuft bei einer Rückpräsentation oder auch bei einem Gallery Walk die Präsentation plus Diskussion linear ab, so werden die Rückpräsentationen bei einer Poster-Session parallel getaktet und über eine bestimmte Anzahl von Runden wiederholt. Die Poster-Session ist ähnlich wie das von Dirk beschriebene Zirkeltraining – nur halt für die Rückpräsentationen.
Kleingruppenarbeit vor der Poster-Session
Wenn z.B. insgesamt 20 Teilnehmer in fünf Gruppen parallel gearbeitet haben, gibt es fünf Ergebnis-Poster, die gleichzeitig vorgestellt und diskutiert werden. Jede Kleingruppe von 4 Personen einigt sich auf eine Person, die die Ergebnisse vorstellt und Feedback aufnimmt. Unterdessen teilen sich die restlichen 15 Personen auf die übrigen vier Kleingruppen auf, lassen sich die Ergebnisse der anderen Gruppen vorstellen und diskutieren diese. Um die Diskussion nach der Rückpräsentation gut zu strukturieren und die Ergebnisse festzuhalten, helfen Dir vielleicht diese Tipps von Dirk.
Poster-Session Runde 1
Nach 5-10 Minuten Präsentation und Diskussion wird eine neue Runde eingeleitet: die Teilnehmer wandern an ein anderes Poster und der Präsentator stellt es erneut vor. In der nächste Runde wiederholt sich das Prozedere mit neuen Teilnehmern an den jeweiligen Postern. Das kannst Du solange wiederholen bis alle Teilnehmer alle Poster durchlaufen haben. Oder Du entscheidest Dich gezielt für eine niedrigere Zahl an Sessions. Das solltest Du den Teilnehmern aber vorab mitteilen, so dass diese sich entscheiden können, welche Poster sie hören und welche sie auslassen wollen.
Poster-Session Runde 2
Die Vorteile von Poster-Sessions
Ergebnisse können in kleinen Gruppen diskutiert werden: Im Verhältnis zur Plenarrunde können mehr Teilnehmer ihr Feedback einbringen.
Ergebnisse werden mehrfach präsentiert und diskutiert. Durch die Wiederholungen und das Feedback gewinnt der Präsentator zusätzliche Tiefe in den Ergebnissen.
Poster-Sessions sind kürzer als Rückpräsentationen. Nicht alle müssen alles hören. Die maximale Zahl der Runden ist die Zahl der Kleingruppen minus 1. Im Vergleich zur plenaren Rückpräsentation sparst Du in jedem Fall die Zeit eines Vortrags. Du kannst Dich aber auch grundsätzlich entscheiden, weniger Runden durchzuführen. Bei fünf Kleingruppen reichen z.B. drei Runden. D.h. die Teilnehmer verpassen die Arbeit einer Kleingruppe. Du sparst Dir also zwei Rückpräsentationen. Das ist für mich auch ein häufiger Grund für eine Poster-Session.
Poster-Sessions funktionieren auch mit vielen: Auch große Gruppen mit vielen Kleingruppen können jenseits frontaler Präsentationen gut in den gemeinsamen Austausch gebracht werden.
Poster-Sessions haben eine hohe Dynamik. Durch die gezielte Auswahl von Präsentationen, die physische Bewegung von Präsentation zu Präsentation sowie durch die Gleichzeitigkeit der Präsentationen sind Teilnehmer viel fokussierter und das Energielevel der gesamten Gruppe ist deutlich höher.
Die Nachteile von Poster-Sessions
Der Präsentator kennt nur seine eigene Präsentation: Ein Präsentator muss jeweils bei den Gruppenergebnissen bleiben und kann nicht die Ergebnisse der anderen mitdiskutieren. Dafür gewinnt er über die Wiederholungen und das Feedback der anderen Fachexpertenstatus und es ist daher nicht unattraktiv, die Rolle des Präsentators zu übernehmen.
Es gibt keine Gesamtgruppenmeinung. Es fehlt ein gemeinsamer Abstimmungsprozess und Du kannst als Moderator auf Basis der Poster-Session keine Entscheidungen herbeiführen.
Poster-Sessions sind schwierig einzuführen: Es ist anfangs verhältnismäßig schwierig, Teilnehmern das Vorgehen zu vermitteln und den ersten Wechsel zu moderieren.
Varianten der Poster-Session
Bei der Arbeit mit Poster-Sessions solltest Du Dir überlegen, wie die Teilnehmer sich auf die anderen Gruppen aufteilen. So kannst Du die Gruppen gemeinsam zu einem anderen Poster gehen lassen. Dann empfiehlt es sich z.B. im Uhrzeigersinn zu rotieren. Oder Du lässt allen Teilnehmern die freie Wahl, wer wann zu welchem anderen Poster geht. Dann solltest Du als Moderator darauf achten, dass nicht ein Poster un- oder unterbesetzt ist. Oder Du briefst die Teilnehmer von Kleingruppen darauf, dass sie sich so aufteilen, dass nie mehr als eine Person aus der Kleingruppe beim gleichen Poster steht.
Fazit
Der Gallery Walk und die Poster-Session sind zwei schöne Alternativen zur Diskussion von Themen in der ganzen Gruppe. Ganz werden auch wir nicht auf die großen Gesprächsrunden verzichten können.
Nutzt Du andere Alternativen zur plenaren Rückpräsentation? Dann hinterlasse doch einen Kommentar. Und vielleicht ist sie ja auch etwas für einen Gastbeitrag…