Kategorie-Archiv: User Research

Was bewirkt User Research wirklich? – Frederik Bader über die Wirkungen von User Research und den Research Promoter Score

User Research ist in vielen Unternehmen und Organisationen angekommen, dank erfolgreichen Promotoren und Promotorinnen für User Research. Fest verankert ist User Research jedoch nicht immer. Der Wert („Impact“) Menschzentrierte Gestaltung und Innovation wird immer mal wieder hinterfragt.

Was in solchen Momenten hilft: Die Wirkungen von User Research sichtbar machen, verständlich erklären, in überprüfbaren Daten, Zahlen und Fakten messbar machen.

Doch sobald es um Wirkungsmessung geht, wird es bekanntlich schwierig, schnell wird es subjektiv und im Ergebnis dann leider nicht wirksam. Viele Fragen kommen auf, Ansätze werden entwickelt, wieder verworfen, und nicht selten wird das Vorhaben dann ganz auf Eis gelegt.

Warum User Research Wirkung belegen muss!

Interne User Research Teams liefern Ergebnisse, Berichte und Empfehlungen, sie beeinflussen Entscheidungen, helfen die richtigen Dinge richtig gut zu gestalten, reduzieren Risiken, verhindern Fehlentwicklungen und schaffen Sicherheit. User Researcherinnen und User Researcher verändern Dinge zu besseren – das muss doch messbar sein?

 

Frederik Baader im Portrait bei / in einer Vortragssituation

Frederik Bader

Frederik Bader beschäftigt sich seit Jahren genau mit dieser Frage.
Für ihn endet User Research nicht beim Verstehen von Nutzerinnen und Nutzern. Wirkungen aus User Research Projekten entstehen dann, wenn Erkenntnisse Klarheit schaffen, Entscheidungen verbessern und Teams dabei unterstützt werden Risiken zu vermeiden und Erfolge zu feiern. Und genau das wollte Frederik messbar und damit sichtbar machen, wollte Wirkungen nachvollziehbar belegen. Wie ihm das gelang, das erfahren Sie in diesem Interview.

Im Gespräch erklärte Frederik mir, warum der direkte Nachweis von Umsatzwirkung oft in die falsche Richtung führt, wie sein Team begonnen hat, den Einfluss von User Research systematisch sichtbar zu machen, und wie der Research Promoter Score dabei hilft, Wirkungen dort zu erfassen, wo sie tatsächlich entstehen: In der kollegialen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Professionen und Teams aus der IT, dem Marketing und Produkt-Management – und auch dem Finanz- und Rechnungswesen.

Ich habe mich sehr auf dieses Gespräch gefreut. Bis dahin kannte ich Frederik vor allem durch seine Beiträge auf LinkedIn – und ich kann sagen: Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Auf geht’s – rein ins Interview.

Mehr als Antworten: Wie User Research Wirkung entfaltet!

Lieber Frederik, du hast im Jahr 2021 bei deinem Arbeitgeber die Position des „UX Research Manager“ übernommen, und unmittelbar danach hast du begonnen, die Wirkungen („Impact“) von User Research dort im Unternehmen systematisch zu messen. Was war der Moment, an dem dir klar wurde: „Wir brauchen genau jetzt ein Maß für den Wert unserer Arbeit“?

Frederik: Als ich 2021 die UX Research Disziplin und das Team aufgebaut habe, bin ich mit einer eher simplen Frage für das Team gestartet: “Wie können wir sicherstellen, dass wir Antworten auf unsere Research Questions bekommen?”. Seitdem gab es jedes Jahr eine Frage oder ein Motto, das uns durch das Jahr begleitet hat. Für mich war der logische nächste Schritt “Wie können wir greifbare Ergebnisse liefern?” und dann schließlich 2024 “Wie einflussreich oder “impactful” sind wir und können wir sein?”.

Mir war klar, dass die Zeit vorbei ist, in der UX Research ein Selbstzweck sein kann und sollte.

Für uns sind alle Ergebnisse wertvoll, da wir mehr wissen als vorher. Aber unser Job ist nicht, mehr über unsere Nutzer zu lernen. Caroline Jarrett hat es sinngemäß so ausgedrückt, dass unser Job es ist, Teams zu unterstützen zu lernen, um bessere Entscheidungen zu treffen und Risiken zu vermeiden. In einer klassischen Agentur-Arbeitsweise werden Ergebnisse über den Zaun geworfen. Ich wollte aber, dass wir über diesen Zaun schauen und verstehen, was auf der anderen Seite passiert. Auch wenn wir in einem eher klassischen Agentur-Modus gestartet sind.

Lass mich und meine Leserinnen und Leser besser verstehen, worin ihr euch von „Inhouse User Research Teams“ unterscheidet, denen es im Kern darum geht, Antworten auf die ihnen gestellten Fragen zu liefern.

Frederik: Viele Teams starten in einem Agentur-Modus und arbeiten Aufträge ab. Einen richtigen Mehrwert für das Unternehmen bringt aber erst, wenn man wirklich im Team eingebettet arbeitet. Ein Produkt über längere Zeit zu begleiten und zu sehen, wie sich Erkenntnisse darin übersetzen, ist auch eine befriedigendere Arbeit. Zumindest war das bei mir im Team der Fall. Es war ganz klar der Wunsch, dass man nicht nur Ergebnisse teilt und dann alles vergisst. Man will dabei bleiben und die Umsetzung begleiten.

Wenn wir den Impact von UX Research betrachten, dann heißt das auch manchmal vor dem Research die richtigen, kritischen Fragen zu stellen. Wie passt das zur Unternehmensstrategie? Was passiert mit den Ergebnissen? Welchen Einfluss haben wir? Wenn es nur darum geht einen “grünen Haken” vom UX Research Team zu bekommen, ist unsere Energie woanders besser aufgehoben. Nämlich da, wo wir wirklich einen Mehrwert schaffen können. Wo Kollegen unsere Arbeit verstehen, schätzen und die Ergebnisse nutzen können und wollen.

User Research ohne ROI-Illusionen – dafür mit dem Research Promoter Score!

Du siehst deine, eure Aufgaben als User Researcher:innen darin, deine Kolleginnen und Kollegen aus dem Produktmanagement dabei zu unterstützen bessere Entscheidungen zu treffen und Risiken zu meiden. Das ist euer „Impact“. Warum gehst du nicht einen Schritt weiter und versuchst den Einfluss von User Research auf Umsatz oder Gewinn nachzuweisen – also euren „Business Impact“?

Frederik: Unsere Firma stellt Beton, Zement und Zuschlagstoffe her. Als UX Researcher sind wir nicht in der Rolle etwas zu verkaufen oder direkt Einfluss auf den Umsatz zu haben, zu messen oder nachzuweisen.

Wir sehen uns in der Rolle andere bei der Entscheidungsfindung zu helfen oder sie zu fundierten Entscheidungen zu befähigen.

Und es gibt einige Dinge, die dabei unerlässlich sind: Empathie (für unsere Kunden/Nutzer), Klarheit (in Bezug auf das Problem/Thema). Wenn wir dann noch nützliche Informationen liefern, dann können wir diese Entscheidungsfindung positiv beeinflussen.
Das heißt aber nicht, dass es nur positive Entscheidungen sind. Ein “Nein” ist manchmal viel mehr Wert. Es gab Forschungsprojekte, bei denen wir im Nachgang den “negativen ROI” ermitteln können. Sprich: Wieviel Geld haben wir gespart, in dem wir ein Projekt nicht durchgeführt haben.

Lass‘ uns nun endlich auf den „Research Promoter Score“ (RPS) zu sprechen kommen. Klingt nach NPS = Net Promotor Score“ – Absicht? Lass uns, mich und meine Leser und Leserinnen, aber vor allem verstehen was der Research Promoter Score misst.

Frederik: Vorweg. Der NPS ist nicht schlecht. Er ist aus meiner Sicht aber auch nicht so gut, als dass er seine Popularität verdient hätte. In manchen Kreisen ist er besser als sein Ruf, in den größeren aber deutlich schlechter. Es war also eher kein ernst gemeinter Titel, zumal wir keinen Score ermitteln – sondern eher ein Framework entwickelt haben.

Der „Research Promoter Score“ (RPS) misst Empathie, Klarheit, Nützlichkeit und den Einfluss auf Entscheidungen. Und dann sammelt er noch anekdotische Beweise für den Einfluss unserer Arbeit

Der eigentliche RPS besteht aus zwei Wellen:

  1. Direkt nach dem Teilen der Erkenntnisse: Frage nach Empathie hinsichtlich Kunden/Nutzer und der Klarheit des Themas bzw. der Problemstellung
  2. Nach 6 Monaten: Frage nach der retrospektiven Nützlichkeit und dem Einfluss auf Entscheidungsfindungen.

Dann gibt es noch den Impact Tracker, der losgelöst ist. Das ist ein qualitativer Ansatz, um systematisch den Einfluss von Key Insights zu dokumentieren. Wir nutzen dafür anekdotische Evidenz. Das hilft unseren Researchern Ergebnisse und greifbare Auswirkungen nachzuverfolgen. Beantwortet also zu jedem Key Insight die Frage “Was ist damit passiert? Welche Maßnahmen folgten, welche Entscheidungen wurden deshalb getroffen?”

Research Promoter Score: Wie Wirkung über Zeit sichtbar wird!

Ihr habt mehrere Messpunkte zur Ermittlung des „Research Promoter Score“ – sowohl unmittelbar nach einem Projekt als auch mit zeitlichem Abstand. Was zeigt sich erst später? Und: Warum ist das für das Verständnis der Wirkungen von User Research entscheidend?

Frederik: Wir können direkt herausfinden, ob das Team den Bedürfnissen und Herausforderungen unserer Nutzer nähergekommen ist. Wir können auch herausfinden, ob wir das Thema oder das Problem klarer gemacht haben durch unsere Forschung. Das ist das direkte Feedback. Das sammeln wir direkt ein, nachdem wir unsere Ergebnisse vorgestellt haben.

6 Monate später gehen wir auf die relevanten Stakeholder zu, das sind meistens Product Owner bei uns. In einem kurzen Gespräch ermitteln wir die retrospektive Nützlichkeit und den Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Wir sehen unsere Aufgabe als UX Researcher darin, Entscheidungen zu vereinfachen. Diese Entscheidungen werden aber nicht direkt nach einer Ergebnispräsentation getroffen. Und meistens auch nicht alleine, das heißt, unsere Ergebnisse können über mehrere Personen hinweg geteilt werden und die Entscheidung mag sonst wo passieren. Aber der Product Owner bei uns wird daran beteiligt sein.

Es gibt also Kennzahlen oder KPIs, die man direkt ermitteln kann. Und es gibt nachlaufende Metriken. Die kann man erst nach einer gewissen Zeit messen. Das sind gewöhnlicherweise nicht die führenden Kennzahlen – aber sie sind eigentlich das Ergebnis. Die direkten Kennzahlen sind eher Output.

Wie integriert ihr den „Research Promoter Score“ konkret in euren Arbeits- und Projektalltag: Wer wird befragt, wie aufwändig ist das, und was passiert mit den Ergebnissen tatsächlich?

Frederik: Wir präsentieren unsere Ergebnisse in sogenannten Sharebacks. Dieses Shareback darf nur verlassen, wer unsere erste Welle an Fragen beantwortet hat (Die nach Empathie und Klarheit).

Nach 6 Monaten gehen wir auf die wichtigsten Leute und Entscheider zu, das ist meistens der Product Owner, der uns beauftragt hat. Mit ihm führen wir ein 10-minütiges Gespräch. Das kostet kaum Zeit und ist nicht aufwändig. Daher lässt es sich aber auch sehr gut in unseren Alltag integrieren, und ist damit auch machbar – komplexere Messungen wären einfach nicht machbar. Und aus unserer Sicht sind sie für uns auch nicht nötig.

Der zweite Teil des Research Promoter Score ist der Impact Tracker, also die anekdotische Sammlung von Beweisen unseres Einflusses. Das ist aufwändiger, aber auch befriedigender. Hier gehen wir einmal im Jahr die Key Insights der vergangenen Monate durch und haken bei den POs nach: Was hat sich getan, welche Entscheidung wurde getroffen. Was hat sich im Produkt deshalb geändert?

Das hilft uns nicht nur den Einfluss direkt zu sehen und bereitet uns Freude – es ist auch eine Erinnerung, mit den Ergebnissen von UX Research wirklich etwas zu machen. Das stärkt das “Was jetzt?” Mindset, das nach jedem Research stehen sollte. Was bedeuten die Ergebnisse jetzt für uns? Was machen wir damit?

Klein anfangen, Haltung entwickeln und Klarheit gewinnen!

Wenn andere UX / User Research-Teams anfangen wollen, die Wirkung ihrer Arbeit sichtbar zu machen: Was sollten sie zuerst klären und wovor würdest du aus heutiger Sicht ausdrücklich warnen?

Frederik: Wir haben den RPS nur für uns gestartet. Es gab uns Zeit, in Ruhe nachzudenken und zu gestalten, was für uns sinnvoll ist. Was bringt uns einen Mehrwert und ist auch umsetzbar. Damit sollte jedes Team starten. Lieber klein starten und dann komplexere Dinge messen. Aber löst euch auch von dem Gedanken, dass eure Arbeit schon für sich selbst spricht. Was ist euer Verständnis und wie sehen andere eure Rolle? Und das kann sich beides wandeln. Vielleicht seit ihr heute UX Researcher und morgen Experience Strategists. Dann mag es sinnvoll sein, etwas anderes zu messen als den RPS.

Frederik, vielen Dank für die Offenheit, die Klarheit und die Einblicke in deine Arbeit. Besonders spannend ist dein pragmatischer Blick auf Wirkung: klein anfangen, messen, was wirklich messbar und beeinflussbar ist, und sich dabei immer wieder fragen, welchen Unterschied User Research tatsächlich macht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir dieses Gespräch in nicht allzu ferner Zukunft fortsetzen und dann tiefer auf deine neue Rolle, eure neuen Wirkungsmodelle und die Weiterentwicklung von Experience Strategy schauen.

Danke dir für dieses Gespräch.

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User Research, Erfahrung und Unternehmertum: Warum Management Buy-In im UX-Markt relevant wird!

Der Markt für User Research, UX Testing sowie Markt- und Kundenforschung befindet sich seit Mitte der 2020er Jahre in einem ausgeprägten Effizienzmodus. Stagnation beim Bruttoinlandsprodukt, Kostendruck und wirtschaftliche Unsicherheit prägen die deutsche Wirtschaft. Effizienz wird – spätestens jetzt, im Jahr 2026 – zum dominierenden Wertversprechen, das von Nutzer-, Markt- und Kundenforschung erwartet wird.

Warum Management Buy-In im UX-Markt gerade jetzt relevant wird, auf diese Frage möchte ich Ihnen Antworten bieten, möchte zum Nachdenken anregen. Auf geht’s … .

Warum Berufserfahrung im UX- und Research-Markt neu verhandelt wird!

Die Konsequenzen von Kostendruck und wirtschaftlicher Unsicherheit sind sind stets dieselben: Stellen werden abgebaut, Verträge aufgehoben, Abfindungen ausgehandelt – sowohl auf Unternehmens- als auch auf Dienstleisterseite. Besonders betroffen sind leider meistens jene, die seit 20 Jahren oder länger im Berufsleben stehen. Erfahrung, Verantwortung und handwerklich saubere Forschung stehen leider nicht im Rampenlicht, wenn Effizienz zur zentralen Messgröße wird. Sie zeigen sich in relativ hohen Gehälter und die werden in solchen Situationen oft nur als Kosten gesehen!

Für viele erfahrene User Researcherinnen und User Researcher stellt sich in dieser Situation eine grundsätzliche Frage:
Was tun, wenn man selbst betroffen ist?

Die bekannten Optionen liegen auf der Hand:

  • Abwarten
  • Fort- und Weiterbildung
  • berufliche Neuorientierung.

Nur selten wird in diesem Moment der Schritt ins Unternehmertum über ein Management Buy-In gewagt, wird der Einstieg in ein bestehendes Unternehmen als mitverantwortliche, unternehmerische und erfahrene „Management-Partnerin“, als erfahrener „Management-Partner“ überhaupt gesehen, geschweige denn gegangen.

Das ist genau jetzt, im Jahr 2026, aber eine echt vertane (Groß-)Chance!

Warum nicht mit Mitte 40, mit umfangreicher Berufs- und Lebenserfahrung, erstmals unternehmerische Verantwortung übernehmen, nicht allein, sondern gemeinsam mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern in einem bestehenden Unternehmen unserer Branche?#

Zwei Gruppen, eine (Groß-)Chance zum Gestalten in Gemeinschaft!

Parallel zu den arbeitssuchenden, erfahrenen UX- und User-Research-Fachkräften steht eine zweite Gruppe unter Druck:
Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre UX-, User-Research- oder Marktforschungsunternehmen vor 25 oder 30 Jahren gegründet haben.
Viele von ihnen stammen aus der jungen Baby Boomer Generation (Geburtsjahrgänge: 1960-1970) und befinden sich genau jetzt in einer Phase des Abwägens:

  • Weitermachen wie bisher?
  • Verändern?
  • Übergeben?
  • Oder schrittweise Verantwortung teilen?

Der besagte Kosten- und Effizienzdruck, neue Technologien, junge („wilde“) Unternehmen: Der Markt verlangt Veränderung  gerade bei bestehenden, in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Unternehmen, die ihre Erfolgsgrundlagen unter ganz anderen, inzwischen vergangenen Rahmenbedingungen erzielten.

Gleichzeitig wächst mit zunehmendem Alter der Wunsch nach Stabilität, Planbarkeit und Perspektive für das eigene Lebenswerk.

Beide Gruppen

  • erfahrene Forscher und Forscherinnen, erfahrene UX Professionals (w/m/d) auf der einen Seite und
  • etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer auf der anderen Seite

stehen vor entscheidenden Fragen, inhaltlich unterschiedlich, jedoch teilen beide Gruppen zentrale Absichten, Herausforderungen und Ziele:
Es geht ihnen um Verantwortung, Entscheidungsfähigkeit und Zukunftssicherung unter Unsicherheit!

Management Buy-In: Erfahrung als unternehmerische Ressource!

Management Buy-In ist in vielen Branchen ein etabliertes Modell, wenn es darum geht Unternehmen in die Zukunft zu führen, Nachfolgeprozesse zu gestalten und damit Werte, wie Markenbekanntheit und Reputation, etablierte Prozesse und aufgebautes Kapital zu sichern und weiterzuentwickeln.

Im Markt für UX, User Research sowie Markt- und Kundenforschung wird dieses Modell bislang jedoch selten angedacht und umgesetzt.
Das sollte sich ändern, das kann sich gerade jetzt ändern.

Menschen, die seit 20 oder 25 Jahren Markt-, Kunden- und Nutzerforschung betreiben, bringen Qualitäten mit, die weder automatisierbar noch skalierbar sind:

  • Sie haben viele Hypothesen formuliert – und ab und an auch erlebt, wie diese durch valide Daten widerlegt wurden.
  • Sie haben Methoden, Tools und Erhebungsverfahren kommen und gehen sehen.
  • Sie haben Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen.
  • Sie haben Verantwortung für Projekte, Budgets und Teams übernommen.

Diese Urteilskraft, dieses Kontextverständnis und diese Erfahrung im Umgang mit Unsicherheit sind zentrale Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln. Sie sind belastbar und für Kunden wie für Organisationen ein realer Mehrwert.

Was Unternehmen durch Management Buy-In gewinnen!

Für junge Unternehmen, Start-ups oder Scale-ups bedeutet der Einstieg erfahrener Researcher und Researcherinnen in unternehmerischer Managing-Partnerschaft: Mehr Erfahrung, neue, wertvolle Kontakte und Zugänge zu wertvollen Netzerken, Reflexion („Sparringspartnerschaft“) und Entscheidungssicherheit.

Für etablierte Unternehmen eröffnet sich eine andere, wie nicht finde noch viel wertvollere Perspektive und (Groß-)Chance:
Die Möglichkeit, Verantwortung schrittweise zu teilen, Übergänge zu gestalten und das eigene Lebenswerk in verlässliche und verantwortungsvolle Hände zu (über-)geben – nicht abrupt, sondern begleitet, gemeinschaftlich und kollegial auf Augenhöhe.

Management Buy-In wirkt hier als Übergangs- und Kooperationsmodell, das Risiken reduziert,  Kontinuität sichert und, ganz wichtig, beiden Seiten das Gefühl immer und immer wieder gibt, dass ihre Erfahrungen wertvoll sind. Das macht Freude und motiviert. Und wenn Motivation und Fähigkeit aufeinandertreffen, dann entstehen gerade in unsicheren Märkten große Werte.

Wertschöpfung durch geteilte unternehmerische Verantwortung – eine Einladung zum Weiterdenken

Im Jahr 2026 zeichnen sich zusammenfassend drei Entwicklungen deutlich ab:

  1. Es gibt (wider) erfahrene, arbeitssuchende User Researcherinnen und User Researcher mit 20+ Jahren Berufserfahrung
    – und zum Teil zusätzlich ausgestattet mit finanziellen Spielräumen aus hohen Abfindungen aus vergangenen, langjährigen Angestelltenverhältnissen.
  2. Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Unternehmen weiterentwickeln, übergeben, ihr Lebenswert absichern oder einfach nur Verantwortung teilen wollen.
  3. Ein Markt, der Entscheidungsfähigkeit, Verantwortung und Erfahrung neu bewertet und neu aushandeln muss und wird.

In dieser Situation sollten sich alle Marktbeteiligen nicht die Frage stellen ob sie gemeinsam handeln und gestalten sollten. Sie sollten sich ganz konkret und zeitnah fragen, wie genau sie ein Management Buy-In gestalten können.

Einladung zum Weiterdenken und Gestalten …

Mit diesem Beitrag möchte keine Anleitung liefern. Ich möchte zum Nachdenken anregen und motivieren.
Ich möchte Lust wecken, Lust machen am Unternehmertum in einem der wundervollsten Märkte, die es gibt.

Thorsten WilhelmWenn Sie sich als Unternehmer und Unternehmerin oder als erfahrene UX- bzw. User-Research-Fachkraft in diesen Überlegungen wiederfinden und den nächsten Schritt nicht allein denken möchten, begleite ich gerne bei den anstehenden ersten Schritten und beim Umsetzungsprozess als Berater, Mentor und Sparringspartner.

Aus mehr als 30 Jahren Berufserfahrung in UX, User Research und Beratung weiß ich: Übergänge gelingen dann besonders gut, wenn sie reflektiert, strukturiert und gemeinsam gestaltet werden. Sprechen Sie mich an, ich bin gerne da für Sie da.

 

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Vom Projekt- zum Produktgeschäft – und warum du Digitalagenturen meiden solltest, die für jeden arbeiten!

Im Jahr 2007 schrieb ich einen folgenschweren Satz in mein Notizbuch:

Weg vom Projekt, hin zum Produkt.

Seit 1996 war ich im Projektgeschäft aktiv:

  • Anfrage, Ausgangspunkt: Briefing mit klaren Fragestellungen, Leistungsanforderungen, Zielen und zeitlichen Eckdaten.
  • Gefordert: Leistungs- und Lieferbeschreibung gemäß Leistungsanforderung, gut begründetes Konzept zur Vorgehensweise und Preisangaben.

Nach einem Auftrag, stets ein Moment großer Freude, galt es für mich und mein Team die im Briefing genannten Projektziele zu erreichen, in höchster Qualität gemäß Leistungsanforderung zu liefern. Fast immer gelang uns das. Fast jeder „Are-You-Happy Call“ am Projektende war angenehm.

Nachhaltiger Unternehmenserfolg als Digitalagentur – so auf Dauer nicht möglich!
Zum Glück erkannte ich das 2007, und vergas es seitdem nur selten.

Menschzentrierte Gestaltung ist kein Projekt – es ist ein unternehmerisches Versprechen!

Ein Human Centered Design Mindset und das damit verbundene Können sind notwendig aber keinesfalls hinreichend, wenn Digitalagenturen das Versprechen einlösen wollen Produkte, Teams und Unternehmen zum Erfolg zu führen.

Es ist nicht ausreichend, wenn unternehmerischer Haltung und unternehmerische Kompetenzen fehlen!

Viele Agenturen versprechen ihren Kunden:

  • Wir gestalten mit und für Menschen!“
  • Wir stellen Menschen in den Mittelpunkt!“.

Sie beobachten im Auftrag ihrer Kunden was deren Mitbewerber tun. Sie nutzen die Produkte und Services ihrer Auftraggeber, arbeiten Schwächen und Optimierungsthesen heraus.

Nachhaltiger Erfolg kann so nicht gesichert werden – weder für die Agentur noch für den Auftraggeber der Agentur.

Von der Pflicht zur Kür – und von der Kür zur Wirkung!

Es reicht nicht aus gut zu sein beim Analysieren von Anforderungen und Bedürfnissen, beim Erkennen unerfüllter Bedarfe, gut zu sein beim Testen von Produkten und Services, beim Aufzeigen von Optimierungsthesen, beim Gestalten von prototypischen Lösungen, die mit Nutzern getestet und danach angepasst werden.

Das ist die Pflichtleistung einer Digitalagentur.
Das schafft Werte, aber keine Differenzierung – und damit keinen nachhaltigen (Agentur-)Erfolg.

Die Kür …

  • (Markt-)Chancen und (Wettbewerbs-)Potentiale sehen, bevor die Auftraggeber das tun.
  • Erfolgspotentiale aufzeigen und gut begründen.
  • Geschäftsführende auf Kundenseite davon überzeugen aufgedeckte Chancen und Potentiale anzugehen.

Die Kür zuerst, dann die Pflicht!

Je öfter dies gelingt, je öfter Agenturen ihren Auftraggebern aufgezeigte Erfolgspotentiale erschließen, desto mehr Budget wird das Management auftun, desto mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung wird es auf Kundenseite (auch) im Top-Management geben.

„Mit einem menschzentrierten Gestaltungsansatz haben wir das Zeug Unternehmen zum Erfolg zu führen. Ein Versprechen, das man jeden Tag neu einlösen kann, wenn man sich für Produkte, Teams und Unternehmen, und nicht nur für Projekte verantwortlich fühlt!“

Digitalagenturen müssen ein unternehmerisch einlösbares Erfolgsversprechen bieten!

Ich fasse zusammen: Viele Digitalagenturen bekennen sich zu „Customer Centricity“ und „Human Centered Design“ – doch oft verbleiben sie in der Rolle der verlängerten Werkbank und hasten von einem Projekt zum nächsten.

Wirkliche Veränderung entsteht erst dann, wenn Gestalterinnen und Gestalter, Entwicklerinnen und Entwickler, wenn Managerinnen und Manager auf Agenturseite beginnen unternehmerisch zu denken, zu sprechen und zu handeln.

Wenn sie Verantwortung übernehmen für die Produkte, den Geschäftserfolg und Unternehmenswert ihrer Kunden.

Vom Projektmanager, zum Produktmanager, zum Mitunternehmer!

Auf Agenturseite braucht es dafür starke Persönlichkeiten mit umfangreichen Erfahrungen, strategischem Weitblick und der Fähigkeit Brücken zu bauen zwischen den Zielen der Geschäftsführung, Marketing, Technologie, Entwicklung und Design.

Es braucht Menschen …

  • die die Sprache des Managements sprechen und den Wert menschzentrierter Gestaltung übersetzen können in messbare Erfolgskennzahlen.
  • die Prioritäten aufzeigen, valide Entscheidungsgrundlagen bereitstellen und stets selbst eine Empfehlung abgeben.
  • die aufzeigen, wie Forschung Risiken reduziert, wie systematische Gestaltungsprozesse die Produktivität steigern, wie menschzentrierte Innovation Wettbewerbsvorteile schafft.

Es braucht Menschen …

  • die Unternehmen dabei helfen, wirklich menschzentriert zu arbeiten
    – nicht als Projekt, sondern als Haltung.
  • die das Geschäft ihrer Kunden verstehen und weiterentwickeln können
    – und das braucht Fokus statt Verzettelung!

„Schuster bleib bei deinen Leisten!“

Wenn eine Agentur für jeden arbeitet – für Unternehmen fast jeder Branche, für Konzerne, den (deutschen) Mittelstand, für jede Aufgabenstellung … -, wenn eine Agentur nur „Bauchladen“ ist und bietet, immer „hier“ schreit und stets alles anbietet, was angefragt wird, dann ist all das zuvor beschriebene nicht möglich.

„Agenturen, die keinen Fokus haben, die für alles und jeden anbieten, diese Agenturen wollen Projektgeschäft!“

Agenturen, die fokussiert sind und Anfragen auch einmal begründet ablehnen, machen deutlich, dass sie Kunden suchen mit denen sie partnerschaftlich an deren Produkt- und Unternehmenserfolg arbeiten können.
Agenturen, die diese Einstellung und diesen Anspruch haben fokussieren sich, denn nur so können sie für ihre Kunden unternehmerisch handeln, wahre Expertise bieten, deren Produkte zum Erfolg führen und die Zukunft ihrer Kunden erfolgreich (mit-)gestalten.

Menschzentrierte Gestaltung ist kein Projekt – sie ist ein unternehmerisches Versprechen …

… an Kunden, Mitarbeitende und an sich selbst.

Menschzentrierte Gestaltung erfordert Haltung, Verantwortung und Führung.

Wo auf Agenturseite Persönlichkeiten fehlen, die das (Handwerk-)Zeug und den Willen zum Unternehmertum haben, da entsteht eine Lücke – zwischen Anspruch und Umsetzung, zwischen Strategie und Realität.
Wo auf Agenturseite der Anspruch ist für jeden zu arbeiten, da fehlt die Fähigkeit und der Wille für Kunden wirklich und nachhaltig Unternehmenswerte zu schaffen.

Drum prüfe, bevor du dich an eine Agentur bindest, wer dort wie für wen arbeitet!

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Von der UX Task Force zur Partnerschaft mit dem Management: Kundenbedürfnisse als Entscheidungsgrundlage!

Wie gelingt es, UX als strategischen Erfolgsfaktor in einem Unternehmen zu verankern? In diesem Interview spreche ich genau darüber mit Inga Scharfenberg, der es gelang über eine UX Task Force viel Sichtbarkeit im Top-Management ihres Arbeitgebers zu erlangen. Sie gibt Ihnen tiefe Einblicke in ihre Arbeit als „Anwältin von Kunden und Kundinnen“.

Inga berichtet, wie sie mit einem kombinierten Methodenansatz, Co-Creation und gezielter Aufklärungsarbeit Werbung für UX Design und User Research macht und dem Top-Management immer wieder hilft die richtigen Dinge richtig gut zu gestalten.

Inga Scharfenberg bietet ein Zitat im Foto: „In digital ausgerichteten Unternehmen sollte eine UX Abteilung Pflicht sein. Wenn an den Nutzenden vorbei optimiert wird, bringt es nichts.“ Inga ist bei freenet tätig.Ich durfte Inga kennenlernen, als sie bei der freenet AG damit begann eine UX Task Force aufzubauen – und das mit Herzblut, viel Leidenschaft und klarem Verstand tat. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Energie, Sorgfalt und Erfolgen Inga „forschungsbasiertes“ UX Design im Unternehmen sichtbar machte und verankerte.

Inga ist eine Macherin – analytisch und empathisch zugleich, mit einem klaren Fokus auf Kundenzentrierung.

Sie vertritt die Perspektive der Nutzenden nicht nur konsequent, sondern auch strategisch klug: In ihrer Rolle als Mitarbeiterin Market Research & Customer Advocacy sorgt sie dafür, dass die Stimmen von Kunden und Kundinnen gehört werden – und zwar dort, wo Entscheidungen getroffen werden.

Im Gespräch gibt Inga Ihnen und mir tiefe Einblicke in ihren Weg, ihre (Erfolgs-)Methoden und ihr Selbstverständnis – und sie zeigt Ihnen damit auf, wie UX zur echten Entscheidungsgrundlage wird, und wie UX Designerinnen und Designer strategische Partner des Top-Managements werden.

Anwältin und Fürsprecherin für Kunden

Ich mag deine Rollen- und Job-Bezeichnung: Anwältin und Fürsprecherin eurer Kunden.
So habe ich eresult auch viele Jahre positioniert. Mit welchen Fällen beschäftigst du dich aktuell?

Inga: Wir verstehen die Rolle vor allem so, dass wir nicht darauf warten, bis Fachbereiche mit einer Fragestellung auf uns zukommen, sondern wir auch mit einem von uns identifizierten Kundenproblem auf die Fachbereiche zugehen und darauf hinweisen.
Wir vertreten die Kundenstimme im Unternehmen, und tragen sie aktiv rein – mit unterschiedlichen Co-Creation-Ansätzen, Fokusgruppen, Speed-Dating-Formaten etc. – immer dort, wo die Fachbereiche in den direkten Austausch mit Nutzenden, Kunden und Kundinnen gehen.

Aktuell beschäftigen wir uns zum Beispiel mit unserem Check Out und damit, wie wir den Ablauf so reibungslos wie möglich gestalten können. Natürlich haben wir auch immer die Unternehmensziele im Blick, denn ohne diese geht es nicht. Wir sorgen dafür, dass die Kunden und Kundinnen durch uns mit am Tisch sitzen und gehört werden.

Ein Schlüssel zum Erfolg: Kombinierter Methodeneinsatz!

Wie gehst du vor, um die Anforderungen eurer Kunden- und Nutzergruppen zuverlässig und valide zu kennen?  

Inga: Wir arbeiten holistisch. Wir betrachten eine Journey nie nur aus einer Perspektive, EINEM unmoderierten Nutzertest oder EINEM Online-Survey. Wir schauen uns verschiedene Daten an: Dazu gehören natürlich klassische UX-Interviews, je nach Fragestellung und Komplexität entweder unmoderiert oder moderiert. Daneben werden meist Experten-Reviews durchgeführt, für die ich eine fachbereichsübergreifende UX Task Force ins Leben gerufen habe. Wir betrachten also die Journey, die Page, den Prozess etc. aus unterschiedlichen Perspektiven und wenden dabei Frameworks, Heuristiken und konsumpsychologische Patterns an.

Natürlich gesellen sich dazu dann noch die Analytics-Daten, die wir auswerten und Onsite-Surveys, in denen wir unsere User direkt am Point of Action fragen können: Wieso brichst du hier ab? Wie gefällt dir die Seite? Welche Informationen fehlen dir? Wir kombinieren also im besten Fall „Qual & Quant“, sowie Beobachtbares und Gesagtes der Nutzenden.

Wie gelingt es dir deinen Kollegen und Kolleginnen immer wieder die Kunden- und Nutzer-Brille aufzusetzen, also sicherzustellen, dass sie Kunden- und Nutzeranforderungen kennen und beachten?

Inga: Indem wir die Kunden und Kundinnen sprechen lassen. Und zwar nicht nur durch uns und unsere Daten in Power Point oder Factsheets, sondern so richtig: Mit Video-Files, mit Voice-Files oder mit direktem Austausch live und in Farbe vor Ort in unseren Räumlichkeiten. Es hilft enorm, wenn die Fachbereiche wirklich sehen und hören, was die Nutzenden sagen und denken.

Von der UX Task Force zur strategischen Partnerschaft mit dem Top-Management!

Nicht jedes Unternehmen investiert in einen forschungsbasierten Gestaltungsprozess. Das ist bei euch dank deines Engagements zum Glück anders. Respekt und Anerkennung dafür. Mit welchen Maßnahmen gelang es dir den positiven Wert von User Research zu verdeutlichen, deine Stelle zu rechtfertigen und dir ein Budget für Studien und Tests zu sichern? 

Inga: Zunächst haben wir seit der Gründung unserer UX Task Force im Unternehmen viel Werbung für uns und UX gemacht.

Wir klären auf:

  • UX – was heißt das eigentlich?
  • Wie geht das und wie machen wir das?

Immer kombiniert mit dem Mehrwert für die Kollegen und Kolleginnen.

Kommt auf uns zu, wir unterstützen euch dabei, kundenzentriert zu denken, zu texten, zu optimieren, zu gestalten.“

Dieses Angebot ist niederschwellig, es braucht keine Tickets oder aufwändige Briefings.

Ein starkes Tool für messbare Erfolge sind unsere A/B Tests, die eine bestehende Kommunikation/Journey/Page gegen eine kundenzentrierte Version davon testen und im besten Fall einen positiven Impact auf vorher festgelegte KPIs zeigen. Wir haben ein Conversion Rate Optimierungs-Team, deren Teammitglieder auf unseren Webseiten klassische A/B-Tests durchführen, wir testen E-Mails gegeneinander und zeigen den Impact dort. Es ist also eine Mischung aus beidem: Harte Kennzahlen und viel Aufklärung, Angebot und niederschwellige Unterstützung.

Denkst du diese Maßnahmen wirken auch in anderen Unternehmen, steigern auch in anderen Unternehmen den Reifegrad in Sachen menschzentrierte Gestaltung? 

Inga: Ich denke ja. Vor allem in stark digital ausgerichteten Unternehmen sollte eine UX Abteilung eigentlich Pflicht sein. Wenn an den Nutzenden vorbei optimiert wird, bringt es nichts. Natürlich hilft es auch, wenn man intrinsisch motivierte Mitarbeitende hat, die das Thema wirklich vorantreiben, aufklären, Prozesse aufsetzen und  für das Thema brennen.

Qualitative und quantitative Methoden im Verbund

Welche Verfahren der qualitativen und quantitativen Forschung gehören in einen gut sortierten User Research Methoden-Baukasten?

Inga: Im qualitativen Bereich: Fokusgruppen, Tiefeninterviews und Co-Creation helfen vor allem in der frühen Phase von Produktentwicklungen: Welche Probleme und Bedürfnisse haben die Nutzenden eigentlich und wie können wir diese lösen? Und sie helfen, wenn man wirklich das Warum verstehen will.
Wenn es an den Flow und die Gestaltung geht, kommen dazu UX Interviews, moderiert und unmoderiert. Da kann und sollte dann alles getestet werden: Kurze Design-Test, ausführliche Prototypen-Tests, Tree Tests für Navigation, Card Sortings, Usability-Tests, … .

Wir nutzen immer auch unsere eigene Expertise der UX Task Force für UX Audits, die wir mit Heuristiken und konsumentenpsychologischen Ansätzen systematisiert durchführen (das ist zwar streng genommen nicht wirklich User Research, aber dennoch ein wichtiges Tool für uns…).

Im quantitativen Bereich: Customer Satisfaction Score-Analysen, um dauerhaft zu prüfen ob unsere Kunden und Kundinnen zufrieden sind. Wenn hier KPIs einbrechen, sollte man hellhörig werden und schauen, woran es liegt. Die Befragungen dazu können gut in der Bestellbestätigung oder auch auf der Website platziert werden.

Außerdem liebe ich Onsite-Surveys, wie z.B. Abbrecher-Befragungen. Hier treffen wir die Menschen genau am point of action und können mit einem guten Survey das Verhalten verstehen. Alle Ansätze sollten im besten Fall gemeinsam und additiv eingesetzt werden, um ein umfassendes Bild zu bekommen.

Behavioral Patterns und Heuristiken als Problemlöser im UX Design

Wie gehst du vor, um Optimierungspotentiale zu erkennen, Lösungen zu erarbeiten und zu testen, ob jene wirksamer sind als der Status Quo? 

Inga: Wir schauen uns bestimmte Journeys oder Bereiche ganzheitlich an – je nach Case finden wir die passenden Methoden aus dem oben genannten Set. Da finden sich dann meist diverse Optimierungspotenziale, die wir je nach Risikolevel mit einem A/B Test testen oder direkt umsetzen. Ob es danach besser ist, zeigt sich entweder in der KPI, die wir für den A/B Test festgelegt haben oder, wenn wir Journeys mit einer Befragung begleiten, in den Befragungsdaten vor und nach der Anpassung.

Die Lösungen erarbeiten wir mit Hilfe von behavioral patterns, wir texten auch in unserer Abteilung – letztes Jahr durfte ich eine Weiterbildung im Bereich UX Copywriting machen – so können wir konkrete Lösungsvorschläge für die Fachabteilung liefern.

Wir identifizieren oft auch „zufällig“ Themen, beim Durchgehen von Journeys, die dann nach Rücksprache mit der Fachabteilung genauer untersucht werden. Ein regelmäßiger Besuch unserer Website steht bei uns natürlich auch auf der Agenda.

KI für UX Research: Fokus auf Qualität und Geschwindigkeit!

Lass uns zum Ende über Möglichkeiten und Potentiale von generativer KI sprechen: Wo investierst du, wo investiert ihr Zeit und Geld, um Erfahrungen mit KI im User Research zu sammeln? 

Inga: KI unterstützt uns im Research-Bereich hauptsächlich in der Auswertung. Zusammenfassen von Transkripten, Auswertung von offenen Nennungen – solche Dinge. Generative KI kann aber natürlich auch bei der Erstellung von Testkonzepten, bei der Formulierung von Fragebögen oder bei Erstellung von Textvorschlägen für Copy Tests hilfreich sein. Hier aber eher als Ideengeber oder Sparringspartner – die letztendliche Fassung kommt immer noch direkt von uns.

Ich habe dich als Macherin kennen und schätzen gelernt. Du bist neugierig, offen für Neues und stets „unternehmenslustig“. Wenn du die finanzielle Freiheit bekommst („Geld spielt keine Rolle!“) ein Unternehmen im UX Markt aufzubauen, würdest du diese Gelegenheit nutzen? Und falls ja: Welche Produkte und/oder Services wird dein Unternehmen bieten? 

Inga: Aktuell habe ich großen Spaß daran, das Thema bei uns auf- und weiter auszubauen. Wenn ich mal selbstständig wäre in der Branche, dann denke ich mit genau diesem Scope: Bestehenden Unternehmen dabei helfen, UX groß zu schreiben und Abteilungen und Teams enablen. Die einzelnen Disziplinien UX Writing, Design und Research sind auch sehr sehr spannend, aber den Mind-Set Change in Unternehmen mitzugestalten, würde mir denke ich am meisten Freude machen.

Vielen Dank liebe Inga für diese tiefen und spannenden Einblicke in deine Arbeit, Denkweise und deine Haltung.
Du leistest einen wertvollen Beitrag für unsere Profession und trägst dazu bei, dass wir UX Professionals (w/m/d) von operativ Handelnden zu strategischen Partnern werden und so auch wahrgenommen werden. Das ist klasse und sehr lohnend.

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Strategisch, wirksam, verantwortungsvoll: UX im KI Zeitalter

Ich freue mich sehr, dass ich mit Christian Bopp über „KI für UX“ und „UX für KI“ sprechen konnte.
Christian und ich hatten bisher nur wenige Gelegenheiten zum Austausch und Gespräch – und das, obwohl wir schon viele Jahre in ähnlichen Feldern und Rollen tätig waren und sind.

Wann immer wir uns trafen und sprachen, nahm ich sehr viel mit. Ich schätze Christian als Mensch:
Er zeichnet sich durch seine ruhige, reflektierte Art aus, gepaart mit echter, wissenschaftlicher Neugier und dem Wunsch, Komplexität verständlich und wirksam zu machen.

Christian verbindet analytische Schärfe mit strategischem Weitblick – eine Kompetenz, die nur wenige Menschen in sich vereinen.

Christian Bopp im Portrait

Christian Bopp

Christian war Gründer und langjähriger Geschäftsführer von Facit Digital und berät heute über seine Firma UXima Unternehmen – von Start‑Ups bis zu international tätigen Konzernen – in nutzerzentrierten Forschungsprojekten.

Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liegt auf der Integration von KI und KI-Tools in menschzentrierten Gestaltungs- und Innovationsprojekten.

Darüber sprechen wir in unseren Interview:
Seien Sie gespannt auf tiefe Einblicke, neue Sichtweisen und handfeste Empfehlungen, wie wir uns als User Researcher (w/m/d) und UX Professional (w/m/d) verändern müssen, um dank KI noch wertvoller und wirksamer zu werden, um wahrgenommen zu werden als strategische Partner für Unternehmer, Unternehmerinnen und Kunden.

Los geht’s …

„KI für UX“ oder „UX für KI“: Wo sammelst du gerade besonders viele Erfahrungen, wo bist du besonders aktiv?

Christian: Tatsächlich spielen beide Richtungen aktuell eine große Rolle für mich, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. „KI für UX“ ist momentan mein Hauptfokus: Ich nutze KI-Tools zum Beispiel bei der Analyse qualitativer Daten, zur Ideenentwicklung oder um Prozesse im Research effizienter zu gestalten. Da passiert gerade unglaublich viel.

Gleichzeitig wird aber auch „UX für KI“ immer wichtiger, denn letztlich entscheidet die Nutzererfahrung darüber, ob ein KI-Tool überhaupt zum Einsatz kommt. Eine gute KI ohne gute UX wird kaum genutzt werden. Gerade wenn Systeme wie LLMs stark im Hintergrund agieren, ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen, Kontrollmöglichkeiten anzubieten und transparent zu machen, wie Ergebnisse zustande kommen.

Nutzbarkeit und Bedienungsfreundlichkeit von KI-Tools

Lass uns tiefer einsteigen in das Thema UX für KI. KI-Tools gibt es immer mehr. Wie zufrieden bist du im Allgemeinen mit deren Nutzbarkeit und Bedienungsfreundlichkeit – haben die Gestalterinnen und Gestalter die Grundsätze einer dialogorientierten Gestaltung beachtet und weitestgehend eingehalten?

Christian: Technisch sind viele dieser Tools echt beeindruckend. Der Einstieg gelingt meist schnell, und das Interface wirkt oft aufgeräumt und modern. Aber sobald man über das Oberflächliche hinausgeht, zeigt sich: UX-seitig ist da noch Luft nach oben. Viele der etablierten Gestaltungsprinzipien, wie Sichtbarkeit des Systemstatus, Feedback, Nutzerkontrolle oder Anpassbarkeit, werden oft nicht konsequent umgesetzt oder geraten im Eifer des technologischen Fortschritts in den Hintergrund.

Gerade bei KI-Tools ist das fatal. Denn Nutzer interagieren hier oft mit komplexen, schwer durchschaubaren Systemen, deren Entscheidungen erklärungsbedürftig sind. Wenn dann auch noch die Bedienung sperrig ist oder keine Transparenz darüber herrscht, was im Hintergrund passiert, sinkt das Vertrauen. Gute UX bedeutet hier nicht nur einfache Bedienung, sondern vor allem: Orientierung, Verständlichkeit und die Möglichkeit, mit der KI auf Augenhöhe zu interagieren.

Besonders spannend finde ich die dialogbasierten Systeme wie ChatGPT. Hier passiert alles über Sprache – das Interface ist fast unsichtbar. Nutzer interagieren rein textbasiert, ohne klassische Buttons oder Menüs. Das bringt neue Herausforderungen mit sich, denn der „Weg zur Funktion“ ist nicht mehr klickbasiert, sondern sprachlich. Deshalb ist es besonders wichtig, Nutzer dabei zu unterstützen, gute Prompts zu formulieren – also Anfragen, mit denen sie wirklich sinnvolle und präzise Antworten bekommen. Hier sehe ich eine neue UX-Aufgabe: Wir müssen Menschen befähigen, in dieser sprachbasierten Welt sicher zu agieren und zu verstehen, wie sie mit Sprache zu besseren Ergebnissen kommen.

„Sprache wird zum Interface und das verändert die Spielregeln.“

Welches Tool hat dich persönlich am meisten beeindruckt?

Christian: Das ist gar nicht so leicht zu sagen – es gibt viele spannende Ansätze. Was mich besonders überzeugt, sind Tools, die nicht nur technisch gut funktionieren, sondern gleichzeitig mitdenken, wie Menschen arbeiten. Wenn z. B. eine KI nicht nur Inhalte analysiert, sondern mir bei der Ableitung hilft – also wirklich in den Denkprozess einsteigt – dann wird’s für mich richtig nützlich.

User Research und UX Testing bei KI-Anwendungen

Wurdest du schon einmal angefragt für einen UX Review oder Nutzertest eines KI-Tools?

Christian: Noch nicht, aber das würde mich sehr reizen. Gerade bei KI-Tools ist gute UX kein Nice-to-have, sondern ein echter Erfolgsfaktor. Der Markt ist voll, und nur wenige Produkte werden sich durchsetzen. Wer da punkten will, braucht nicht nur starke Features, sondern muss auch die Bedürfnisse seiner Nutzer wirklich verstehen. Ich glaube, UX Research kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Wie testet man eigentlich UX bei KI-Agenten – also Systemen, die stellvertretend für Menschen handeln?

Christian: KI-Agenten, die im Auftrag des Menschen handeln, stellen UX-Forschung vor neue Herausforderungen, weil sie nicht mehr nur Werkzeuge sind, sondern zunehmend Entscheidungen treffen, Prozesse übernehmen oder eigenständig interagieren. Deshalb ist es besonders wichtig, Vertrauen und Kontrollierbarkeit zu betrachten.

Ein bewährter Einstieg sind qualitative Anforderungsanalysen:

  • Was erwarten die Nutzer?
  • Wo sind sie bereit, Verantwortung abzugeben und wo nicht?

Das hilft, Rollenbilder für den Agenten zu entwickeln. UX-Tests sollten sich dann nicht nur auf das Interface konzentrieren, sondern auch auf die Wirkung des Systemverhaltens – etwa:

  • Wie nachvollziehbar ist die Entscheidung der KI?
  • Wirkt sie kompetent, unterstützend oder eher unheimlich?

Ein guter methodischer Zugang ist die Kombination aus Verhaltensbeobachtung (z. B. via Screen Recording), Denkprotokollen und anschließenden Interviews: Nutzer beobachten, wie der Agent Aufgaben übernimmt und reflektieren anschließend ihre Eindrücke.

  • Wo entsteht Vertrauen?
  • Wo gab es Zweifel oder Kontrollverlust?

„Mixed-Methods-Ansätze sind sehr wertvoll, um die komplexe Mensch-KI-Interaktion besser zu verstehen und iterativ zu verbessern.“

Wie KI UX- und User Research verändert!

Kommen wir zum Thema KI für UX, und starten mit dem Thema Effizienz. Gefühlt jeder UX Professional arbeitet daran mit Hilfe von KI-Tools beim Einsatz vertrauter UX-Methoden und Erhebungsverfahren Kosten zu sparen, ohne die Qualität zu reduzieren. 

Wo siehst du die größten Hebel für (noch) mehr Effizienz im User Research?

Christian: Ganz klar in der Moderation und Analyse. KI kann hier wahnsinnig viel Zeit sparen – vor allem, wenn viele qualitative Interviews zu codieren, zu clustern oder zu interpretieren sind. Gerade bei größeren, internationalen Studien mit mehreren Sprachen, hohen Fallzahlen oder umfangreichem Material (z. B. aus Tagebuchstudien oder ethnografischen Beobachtungen) entfaltet KI ihr Potenzial besonders stark. Ich würde sagen:

Je nach Projekt lassen sich 50 bis 80 % des zeitlichen Aufwands einsparen, insbesondere in der Phase zwischen Datensammlung und Berichterstattung.

Diese gewonnene Zeit ist aber kein Selbstzweck. Sie lässt sich nutzen, um dort mehr Tiefe zu schaffen, wo es wirklich drauf ankommt: in der Interpretation, bei der Ableitung von Handlungsempfehlungen, in der Diskussion mit Stakeholdern. Man kann zusätzliche Perspektiven einbeziehen, Hypothesen nachschärfen oder Ergebnisse stärker mit Businesszielen verknüpfen.

Denn klar ist auch:

„Die entscheidenden Erkenntnisse entstehen immer noch im Kopf – durch menschliche Erfahrung, kontextuelles Verständnis und die Fähigkeit, Bedeutung herzustellen.“

Genau hier bleibt unsere Rolle als UX Researcher unverzichtbar.

Ich frage mich: Sind wir gut beraten unsere Methoden und Erhebungsverfahren dank KI immer günstiger anzubieten? Sollten wir nicht daran arbeiten mit Hilfe von KI und KI-Tools unsere Dienstleistungen teurer anzubieten, „Mehrwerte“ zu liefern? Wie stehst du dazu?

Christian: Das ist eine spannende und sehr aktuelle Frage. Aus meiner Sicht sollten wir den Fokus klar auf Wertschöpfung statt auf Preisreduktion legen. Klar, KI-gestützte Tools machen vieles schneller und günstiger. Aber das allein sollte nicht unser Antrieb sein.

Wir sehen, dass viele Unternehmen bereits beginnen, viele Research-Aufgaben selbst durchzuführen – unterstützt durch KI-Tools mit niedrigen Zugangshürden. Das heißt, unser klassisches Angebotsfeld als Research-Dienstleister oder UX-Berater verändert sich. Standarderhebungen oder einfache Interviews könnten künftig direkt im Produktteam durchgeführt werden – ganz ohne uns.

Gerade deshalb wird es für uns umso wichtiger, uns als strategische Partner zu positionieren. Wir müssen zeigen, dass wir die Tools verstehen – nicht nur in der Anwendung, sondern auch in ihrer Wirkung. Wir wissen, welche Methoden in welchem Kontext Sinn machen. Und wir können Unternehmen dabei unterstützen, die Fülle an verfügbaren Informationen einzuordnen und in Handlung zu übersetzen.

Das bedeutet: Wer Mehrwert liefern will, sollte nicht nur an Geschwindigkeit arbeiten, sondern an Integrationsfähigkeit, kritischer Reflexion und methodischer Tiefe. Dann wird aus KI-Unterstützung echte Business-Relevanz.
Und die darf – ja muss – auch ihren Preis haben.

KI-Persona als Werkzeug: Wie sie UX-Professionals unterstützen können!

Beim Thema KI für UX kommen mir synthetische Nutzende, auch als KI-Persona bezeichnet, in den Sinn. Wo siehst du sinnvolle Einsatzmöglichkeiten?

Christian: Spannendes Feld! Ich sehe sie nicht als Ersatz für echte Nutzern, aber als hilfreiches Werkzeug. Im qualitativen Bereich können sie super sein für Pretests, Hypothesenbildung oder um ein Gefühl für Nutzersichtweisen zu bekommen. Im quantitativen Bereich sind sie eher Ergänzung – für die Datenerhebung selbst braucht es nach wie vor reale Menschen.

Ein wichtiger Punkt: KI-Personas sind oft „Mainstream“ – also eher durchschnittlich unterwegs. Für echte Innovationen oder extreme Perspektiven reichen sie nicht aus. Aber als Einstieg oder Sparringspartner funktionieren sie sehr gut.

Wie gehe ich am besten vor, um erste Erfahrungen mit KI-Persona zu sammeln? Welche Ansätze gibt es, wo liegen deren Einsatzmöglichkeiten und Grenzen?

Christian: Der einfachste Weg ist selbst ausprobieren! Ein Large Language Model wie ChatGPT reicht für den Einstieg vollkommen aus. Eine grobe Persona lässt sich erzeugen, indem bestimmte Eigenschaften, Rollen oder Einstellungen vorgegeben werden – zum Beispiel: „Stell dir vor, du bist eine 35-jährige IT-Projektmanagerin aus Berlin, die großen Wert auf Datenschutz legt…“. Daraus entstehen oft schon überraschend glaubwürdige Nutzerbilder, mit denen man weiterarbeiten kann.

Wer es etwas systematischer angehen will, kann spezialisierte Tools wie syntheticusers oder Vurvey nutzen. Diese Plattformen bieten strukturierte Prozesse, um realitätsnahe synthetische Personas zu generieren. Die Qualität steigt deutlich, wenn vorhandenes Wissen über Kundensegmente, Märkte oder bestehende Personas anreichert werden.

Grenzen zeigen sich dort, wo es um emotionale Tiefe oder innovative Perspektiven geht – hier bleibt der Mensch unersetzlich.

Welche weiteren Ansätze und Tools sollten UX Professionals unbedingt in den Blick nehmen, womit sollten wir uns beschäftigen, praktische Erfahrungen sammeln und Kompetenzen aufbauen?

Christian: KI kann grundsätzlich in jeder Phase des UX-Research-Prozesses eingesetzt werden – von der Planung über die Durchführung bis hin zur Auswertung und Ergebnisdarstellung. Entscheidend ist, dass wir als UX Professionals verstehen, welche Tools wofür geeignet sind, wo ihre Stärken liegen und wo ihre Grenzen beginnen.

Es geht nicht nur darum, Tools zu kennen, sondern sie auch selbst auszuprobieren, in bestehende Arbeitsprozesse zu integrieren und ihre Ergebnisse kritisch zu reflektieren. Praktische Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen – gerade, weil sich der Markt extrem dynamisch entwickelt.

Gleichzeitig brauchen wir ein Bewusstsein für die ethische Dimension:

  • Was bedeutet es, wenn KI Inhalte synthetisiert, Nutzer simuliert oder Meinungen klassifiziert?
  • Wie transparent sind diese Prozesse, und wie können wir Verzerrungen erkennen und korrigieren?

Kompetenz heißt hier auch Verantwortung übernehmen – methodisch, inhaltlich und gesellschaftlich. Wer sich auf diesen Wandel aktiv einlässt, wird nicht nur effizienter arbeiten, sondern seine Rolle im Unternehmen oder im Projektteam strategisch ausbauen können.

Von Online-Umfragen zu KI-gestütztem User Research:
Ein Blick zurück und nach vorn!

Lass uns zum Schluss 30 Jahre zurück und zugleich nach vorne blicken. 1994, 1995 wurden die ersten Umfragen über das World Wide Web und über E-Mail-Listen durchgeführt. Über deren Datenqualität wurde viele Jahre diskutiert – sachlich, emotional, mal auf Basis von Forschung, oft auf Basis von Interessen, die es galt zu vertreten und zu verteidigen.  30 Jahre später dominieren Online-Umfragen in vielen Forschungsfeldern. Zurückgedrängt wurden Telefonumfragen und Face-to-Face Befragungen. Was können wir aus dieser Geschichte mit Blick auf KI für UX ableiten?

Christian: Ein schöner Vergleich! Als Online-Umfragen Mitte der 90er-Jahre aufkamen – ich erinnere mich gut an die ersten E-Mail-Befragungen war das ein echter Durchbruch. Studien ließen sich plötzlich schnell, kostengünstig und in großem Stil durchführen. Das war ein Boost für die Branche, aber auch für viele, die sich vorher keinen Zugang zu Marktforschung leisten konnten.

Mit dieser Demokratisierung kamen aber auch neue Herausforderungen. Es wurde viel und teilweise unreflektiert befragt – die Zahl der Umfragen explodierte nachfolgend regelrecht. Dann beobachtete man Phänomene wie Befragungsmüdigkeit, sinkende Rücklaufquoten, aber auch Qualitätsprobleme.

Das eigentliche Problem entstand damit, dass viele der neuen Anwender nicht über das nötige forschungspraktische und methodische Hintergrundwissen verfügten. Oft fehlte die Kenntnis, wie valide Fragen gestellt werden, welche Bedeutung die Definition von Zielgruppen und ein sauberes Sampling haben oder wie sich Ergebnisse korrekt interpretieren lassen. Es fehlte manchmal an einer reflektierten Herangehensweise – sowohl bei der Konzeption als auch bei der Interpretation von Studien. Das führte dazu, dass viele Ergebnisse nicht belastbar oder gar irreführend waren.

Ich sehe bei KI-gestützter Forschung ganz ähnliche Entwicklungen. Die Einstiegshürden sinken, viele neue Akteure nutzen Tools, ohne methodische oder ethische Grundlagen. Das kann dazu führen, dass scheinbare „Insights“ entstehen, die verzerrt oder überinterpretiert werden. Unsere Profession ist hier gefordert: Wir sollten aktiv daran mitwirken, Qualitätsstandards zu setzen, Orientierung zu bieten – und die Tools nicht nur technisch, sondern auch verantwortungsvoll nutzbar zu machen.

Vergangenheit verstehen, Zukunft gestalten!

KI im User Research und UX Testing:
Welche Fehler sollten wir meiden, heute, und wo werden wir in 10 oder gar 20 Jahren stehen?

Christian: Ein häufiger Fehler ist, dass KI-Ergebnisse zu schnell als objektiv oder „richtig“ angenommen werden, ohne sie methodisch oder inhaltlich zu hinterfragen. Natürlich kann KI dabei helfen, Muster zu erkennen, Daten zu strukturieren oder sogar Zusammenfassungen zu erstellen. Aber: Ohne kontextuelles Verständnis und ohne kritische Reflexion laufen wir Gefahr, voreilige Schlüsse zu ziehen. Besonders kritisch wird es, wenn die Anwender der Tools kein fundiertes Research-Verständnis mitbringen. Dann entstehen schnell Ergebnisse, die überzeugend aussehen, aber inhaltlich unzulänglich oder verzerrt sind. Genau hier liegt unsere Verantwortung als Research-Professionals:

„Wir müssen KI-Ergebnisse einordnen, mit Hintergrundwissen anreichern und für valide Ableitungen sorgen.“

Denn schneller ist nicht gleich besser – und nur was auch in der Tiefe verstanden wird, kann echten Mehrwert liefern.

Was die Zukunft bringt? Schwer zu sagen, aber ich denke, KI wird zum natürlichen Teil unseres Workflows. Wir werden zu „Prompt-Architekten“, die ihre Denkweise in Maschinen übersetzen. Gleichzeitig dürften wir schon bald erleben, wie KI-Agenten weitgehend autonom Usability-Tests durchführen, synthetische Nutzertypen generieren oder Designentscheidungen simulativ vorantreiben. Das eröffnet neue Spielräume, birgt aber auch Risiken – zum Beispiel die Gefahr, sich zu sehr auf Modelle zu verlassen, die reale Diversität nicht abbilden.

Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Forschung und Entwicklung – und genau deshalb wird die ethische Dimension noch wichtiger:

  • Was dürfen wir automatisieren?
  • Wo müssen wir den Menschen einbeziehen?
  • Und wie gestalten wir das verantwortungsvoll?

Vielen Dank, lieber Christian, für das Teilen deiner Erfahrungen, deine Gedanken, die aufgeworfenen Fragen, die wertvolle Orientierung, die du uns geboten hast, und das Aufzeigen von Chancen und Potentialen von KI im UX und User Research. Ich bin sicher, dass unsere Profession dank KI noch wirksamer wird und es uns gelingen wird als strategische Partner wahrgenommen zu werden: In den Unternehmen und als externe Dienstleister.
Darauf freue ich mich sehr, darauf dürfen wir beide uns freuen.

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Partystimmung, echte Probleme, schnelle Tests, wenig Aufwand, große Wirkung: Welchen Impact hat ein Usability Testessen?

Jedes Usability Testessen ist Werbung für uns: Für Menschen, die in der Marktforschung arbeiten, die tätig sind als User Researcherinnen und User Researcher.
Jedes Usability Testessen ist Werbung für unsere Branche.
Jedes Usability Testessen steigert die Wertschätzung für professionelle Tests mit „richtigen“ Menschen, steigert den wahrgenommenen Wert von Forschung und die Wertschätzung für Menschen, die in der Forschung arbeiten und jene, die an Studien teilnehmen.

Ganz schön viel – ja, das finde ich auch. Und, jetzt wird‘s verrückt:
All das gibt‘s bei einem Usability Testessen kostenlos!

Spätestens jetzt werden Sie vielleicht skeptisch? Oder sind anderer Meinung?
Oder einfach nur neugierig, wollen mehr Informationen?

Lassen Sie uns die letzte Frage zuerst angehen:

Was ist ein Usability Testessen?

Bei einem Usability Testessen lassen Gestalter und Gestalterinnen ihre Produkte von anderen, „echten“ Menschen testen. Sie selbst führen in 12 Minuten-Sessions qualitative, moderierte Tests ihrer Produkte durch – das können Websites, Apps, Prototypen, Werbemittel oder Geräte sein. Sie beobachten, fragen nach, lauschen ausgesprochenen Gedanken, Empfindungen und Wertungen der Tester und Testerinnen während jene ihre Produkte nutzen.

Ein ehrenamtlich tätiges Organisationsteam bucht einen passenden Veranstaltungsraum, bewirbt das Usability Testessen – um genügend Teststationen, Tester und Testerinnen zu bekommen –, versorgt die Teilnehmenden und Teilgebenden mit Pizza und Getränken, führt durch den Abend und wirbt Sponsoren, die die Kosten für Räumlichkeiten und Verpflegung übernehmen.

Jedes Testessen startet mit einem gemeinsamen Abendessen, mit „Klönschnack“ und Kennenlernen bei Pizza, Bier und Limo.

Usability-Testessen: Mehr Show und Partystimmung als Substanz?

Sie sind im Bilde, haben eine Vorstellung davon, was ein Usability-Testessen ist? Wunderbar.
Sie sind nun aber mal so richtig entsetzt:
Wie kann man so testen?

Ich kann Ihre Bedenken teilen …

  • „rosarote Brille“ bei den Testerinnen und Testern (Stichwort: Partystimmung)
  • nur einige, im schlimmsten Fall keine der Tester und Testerinnen repräsentieren Menschen aus den Zielgruppen der Testgegenstände
  • fehlende Objektivität bei den Gestalterinnen und Gestaltern, die die Tests für ihre eigenen Produkte selbst moderieren
  • fehlende oder geringe Erfahrung mit der Durchführung von Interviews, dem Ableiten von Erkenntnissen aus Beobachtungen und Denkprotokollen

Auf den Punkt: „Mehr Show und Partystimmung als Substanz!“

Welchen Impact hat ein Usability Testessen wirklich?

Nun, ja, dieses Bedenken gibt es, sie haben durchaus ihre Berechtigung, die aufgeführten Kritikpunkte stellen Herausforderungen und (Einsatz-)Grenzen von Produkttests bei einem Usability Testessen dar, Und dennoch:
Jedes Usability Testessen hat positive Effekte, ist wertvoll, so dass Teilgebende und Teilnehmende gerne und oft dabei sind.

Ich war das letzte Mal im Juli 2025 als Tester beim Usability-Testessen in Hamburg. Davor im Oktober 2018 in Erfurt und im Mai 2019 beim Usability-Testessen in Kiel. Ich mag Usability Testessen, ich mag dieses etablierte Veranstaltungsformat, weil es für uns, für Marketer, Marktforscher und -forscherinnen, UX Professional, Felddienstleister und die Marktforschungsbranche als Ganzes erfolgreich wirbt.

Jedes Usability-Testessen …

  • … führt Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter niederschwellig heran an Forschung, an (Produkt-)Tests mit „richtigen“ Menschen, und bietet den testenden Gestaltern und Gestalterinnen wertvolle Hinweise und Impulse für Produktverbesserungen.
  • … trägt dazu bei, dass Gestalter und Gestalterinnen erkennen, wie wichtig es ist Tests mit richtigen und die Zielgruppen repräsentierenden Menschen durchzuführen.
  • … steigert die Wertschätzung für Dienstleister: für Dienstleister, die in der Lage sind, die richtigen Menschen für Studien und Tests zu rekrutieren, für Dienstleister, die in der Lage sind, die richtigen Fragestellungen, mit den richtigen Verfahren richtig zu beantworten.
  • … steigert Respekt und Wertschätzung für Menschen, die an Studien und Tests teilnehmen.
  • … vernetzt Gleichgesinnte, bietet Räume und Gelegenheiten, um im Gespräch neue Perspektiven und Sichtweisen auf die vielfältigen Herausforderungen als UX Professional einzunehmen.

Finden Sie nicht auch: Das ist eine Menge!
Finden Sie nicht auch, diese positiven Wirkungen, dieser Impact eines Usability Testessen auf unsere Branche sind wertvoll!

Ich hoffe ich konnte diesen Eindruck bei Ihnen erwecken – und Sie motivieren bei einem Usability Testessen teilgebend oder teilnehmend dabei zu sein.
Ich würde mich darüber sehr freuen.

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Wir haben ein Recht mit Menschen zusammenzuarbeiten für die wir Produkte gestalten!

Schon mal gehört? Ist angelegt an das Statement von Raul Krauthausen zum Thema Inklusion:

Auch nicht-behinderte Menschen haben ein Recht darauf, mit behinderten Menschen zusammenzuleben!“.

Gelebte Inklusion, ohne jegliche Barrieren, auch jene im Kopf, ist eine Bereicherung für alle. Das gilt natürlich auch beim Gestalten digitaler Produkte & Services.

In dem Zuge möchte ich ein weiteres Zitat anführen:

„Barrierefreiheit ist für 10 % der Menschen unerlässlich, für 30 % notwendig und für 100 % nützlich (Anne-Marie Nebe).“

Nun werdet ihr, liebe Leser:innen, vielleicht denken:

  • Alter Hut!
  • Haben wir verstanden!
  • Digitale Barrierefreiheit ist Pflicht, es gibt formale Vorgaben, die halten wir ein.
  • Und zu unseren Nutzertests laden wir nun auch Menschen ein, die blind oder stark sehbehindert sind.

Reicht das aus?
Nein!

Mal abgesehen davon, dass die meisten Teststudios in zentralen Lagen unserer Großstädte im ersten Jahr der Wirksamkeit des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes alles andere als barrierefrei zugänglich sind (z.B. fehlende Ansage der Stockwerknummern in Fahrstühlen, keine taktil beschriftete Tasten in den Fahrstühlen), reicht es nicht aus Menschen mit Behinderungen in ein Teststudio einzuladen, sie dort zu beobachten und zu befragen.

Das ist klasse, keine Frage. Das ist super wertvoll, auch keine Frage.
Das darf im Sinne eines „Design for All“ aber nur ein Beginn sein!

Hast du schon einmal eine EMPATHY-Workation gemacht?

Wie wäre es, wenn du deine kommende Workation erweiterst. Nicht in Richtung Bildungsurlaub. Eher in Richtung (dazu-)lernen und Empathie steigern.

Empathie = Schlüsselfähigkeit für UX Designer:in!

Viele wissen über den Wert von Empathie. Insbesondere wenn wir den Anspruch haben für alle Menschen zu gestalten. Wir wissen: Empathie hat man oder halt nicht. Oder doch nicht? Natürlich kann man Empathie, Einfühlungsvermögen entwickeln. Und grad als UX Designer:in sollte man das tun. Eine „Empathy-Workation“ ist dabei äußerst hilfreich.

„DESIGN FOR ALL“ braucht Empathie für alle!

Es ist bereichernd, wenn es gelingt Empathie für Menschen mit Behinderungen zu haben. Oft fehlt uns jedoch der intensive Kontakt und tiefe Austausch mit Menschen mit Behinderungen, fehlen uns Gelegenheiten mit ihnen zu sprechen, sich intensiv auszutauschen, andere Perspektiven und Sichtweisen einzunehmen.

Wie kann eine Empathy-Workation dabei helfen?

Nehmen wir mal an, du willst verstehen und lernen, wie Menschen mit Behinderung leben, lernen und arbeiten, wie sie digitale Services nutzen, was ihnen dabei wichtig ist und welche Hürden es gibt. Du willst verstehen und lernen, wie du digitale Produkte und Services barrierefrei gestalten kannst, möchtest Ideen und Impulse erhalten.

Was liegt da näher als an Orten zu arbeiten, an denen du Menschen mit Behinderungen jeden Tag treffen kannst. Wo du mit ihnen zusammen arbeiten kannst, wo du mit ihnen Plätze zum Arbeiten, Kreativ-sein und zum Lernen teilen kannst.

Jene Orte gibt es: Sie bezeichnen sich als inklusive Coworking-Spaces.
Wie beispielsweise das TUECHTIG – Raum für Inklusion in Berlin oder das weserwork im wundervollen Bremen.

Zusammenkommen ist ein guter Beginn, zusammenarbeiten ist ein Fortschritt, zusammenleben ist ein Erfolg!

Wie wäre es, wenn du im TUECHTIG oder weserwork immer mal wieder arbeitest, jene Cowoking-Spaces als 3. Arbeitsort neben deinem zu Hause und Büro nutzt?

  • Dort kannst du mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, lernen, leben.
  • Dort kommst du leicht ins Gespräch mit Menschen mit Behinderungen und lernst dazu, entwickelst Empathie und Freude am Gestalten mit und für Menschen mit Behinderungen.
  • Dort fällt es dir leicht zusammen mit Menschen mit Behinderungen abseits der Arbeit und Arbeitszeit Zeit zu verbringen, gemeinsam Spaß zu haben und sich (leider auch) gemeinsam über Barrieren im Alltag zu ärgern.

Klingt gut? Tue es, probiere es aus, mach’s möglich!

Von „Wir laden ab nun blinde Menschen zu unseren Nutzertests ein!“ hin zu einer Empathy-Workation ist es nur ein kleiner Schritt. Den zu gehen, das sollte einfach gelingen, wenn du bereits Nutzertest mit Menschen mit Behinderungen durchführen kannst.

Noch ist das aber, auch im Jahr 2025, die Ausnahme, nicht die Regel!

Was kannst du, liebe-/r UX Designer:in tun, die/der du dein Recht mit Menschen mit Behinderungen zusammenzuarbeiten nicht durchsetzen kannst? Nicht durchsetzen kannst, weil dein Unternehmen nur tut was Pflicht ist, nicht mehr.

Wie wäre es, wenn du dich vereinst mit anderen, anderen denen es ähnlich geht, und ihr euch die Kosten für die Nutzertests teilt? Wenn ihr „gemeinsam“ forscht?

Der A11y-Omnibus = Für mehr Empathie gemeinschaftlich forschen!

Ganz sicher liegt ein Grund keine Nutzertests mit Menschen mit Behinderungen anzusetzen in den höheren Kosten und dem höheren Koordinationsaufwand im Projektmanagement.

Viele dieser Kosten sind Fixkosten und können daher in einem gemeinschaftlichen (Forschungs-)Projekt, können durch den Zusammenschluss mehrere Unternehmen deutlich reduziert werden.

Die Idee hinter dem A11y-Bus: In einer Testsession werden mehrere digitale Services aus verschiedenen Unternehmen „unter die Lupe“ genommen (=Omnibus-Ansatz). Auf diese Weise werden die Fixkosten untereinander aufgeteilt.

Alle Unternehmen die teilnehmen bekommen Antworten auf Fragen wie …

  • Werden relevante, zielführende Informationen zügig gefunden?
  • Ist die Gestaltung der Menüs, die Kategorisierung der Inhalte nachvollziehbar und nutzerfreundlich bedienbar?
  • Sind Texte, Fotos, Abbildungen und Grafiken verständlich und übersichtlich aufbereitet?
  • Gibt es Barrieren, die derart groß sind, dass die Nutzenden nicht ohne Hilfe weiterkommen?
  • Bereitet es den teilnehmenden Menschen mit Behinderungen Freude das digitale Produkt, den digitalen Service zu nutzen?

Viel Wert, Antworten auf diese Fragen – und mit einem Omnibus-Ansatz für relativ geringere Kosten zu haben. Also: Einsteigen bitte, verbündet euch!

Einfach mal machen, es könnte ja richtig gut werden!

Wisst ihr noch, wie das mit dem „Usability-Testessen“ begann?
Es gab eine kleine, aktive „Starter-Community“, die sowohl eine Herausforderung als auch einen Bedarf erkannte.

Von Darmstadt aus, von der Agentur „quäntchen + glück“ initiiert und gestartet, verbreitete sich das Testessen schnell in andere Städte. Der Ansatz wurde von der UX-Community und vielen Unternehmen begeistert aufgenommen.

Heute ist es wieder, heute ist es immer noch ein etabliertes Format, das in vielen deutschen Städten stattfindet. Kollegial gestaltet, partnerschaftlich ausgerichtet und als gemeinschaftliche Projekt gepflegt.

Kann man nicht 1zu1 übertragen, ist aber eine schöne Geschichte, um mir und euch Mut zu machen die Idee eines A11y-Omnibus umzusetzen. Kollegial und partnerschaftlich.

Ich bin dabei. Ich freue mich über jede, über jeden, die/der einfach mal loslegen mag, die/der mit mir beginnt eine „Starter-Community“ zu formen, erste Angebote zu unterbreiten, umzusetzen, Bedarfe zu analysieren, das Konzept weiterzuentwickeln und zu etablieren.

Sprecht mich einfach an, wenn ihr mitmachen wollt.

 

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UX Personas: Schlüssel zur nutzerzentrierten Produktentwicklung

Menschen in den Fokus der Produktentwicklung zu rücken, wie es das Human Centered Design (HCD) vorsieht, heißt auch: sich klarmachen, wer diese Menschen sind. Und wie wir sie kennenlernen. Im Herzen von HCD steht die unerschütterliche Fokussierung auf die Nutzenden – und genau hier spielen UX Personas eine entscheidende Rolle. Diese fiktiven, doch auf realen Daten basierenden Charaktere dienen als Fixpunkte im gesamten Designprozess, um Produkte und Dienstleistungen nicht nur funktional, sondern auch emotional und praktisch an die Bedürfnisse der späteren Nutzenden anzupassen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie:

Inhalt

Was sind Personas?

Personas sind ein zentrales Werkzeug im User Centered Design und spielen eine entscheidende Rolle in der nutzerzentrierten Produkt- und Anwendungsentwicklung. Diese fiktiven Charaktere repräsentieren eine Gruppe Nutzender und basieren auf quantitativen und qualitativen Daten. Sie helfen dabei, sich auf die Bedürfnisse einer Gruppe Nutzender zu konzentrieren. Mit zugewiesenen Namen und Gesichtern machen Personas die Zielgruppen für Entwickler*innen und Designer greifbar und fördern so eine präzise Ausrichtung der Entwicklung (vgl. Abb.1.).

Die Erstellung von Personas hilft, Entwicklungen nicht aufgrund von irrelevanten Annahmen zu tätigen, sondern auf einer fundierten quantitativen und qualitativen Datenbasis. Seit ihrer Popularisierung durch Alan Cooper im Jahr 1999 sind sie nicht nur ein Eckpfeiler in der Produktentwicklung, sondern auch ein wichtiges Kommunikationsmittel innerhalb von Teams und Unternehmen. Zudem bilden sie die Grundlage für viele weitere Forschungsansätze im Bereich des User Research.

Die Erstellung von Personas hilft, Entwicklungen nicht aufgrund von irrelevanten Annahmen zu tätigen, sondern auf einer fundierten Datenbasis. Seit ihrer Popularisierung durch Alan Cooper im Jahr 1999 sind sie nicht nur ein Eckpfeiler in der Produktentwicklung, sondern auch ein wichtiges Kommunikationsmittel innerhalb von Teams und Unternehmen, um sich darüber zu verständigen: Wer sind unsere Nutzenden?

Die Rolle von Personas in der Nutzerforschung

Personas enthalten Namen, Bilder, persönliche Daten, Einstellungen und Verhaltensweisen und erhalten durch Fotos und Lebensläufe eine persönliche Note, die es einfacher macht, sich mit ihnen zu identifizieren und sie als reale Stakeholder zu betrachten. Sie bieten eine gemeinsame Basis, um über „die Nutzenden“ zu sprechen, und helfen, sich in Entscheidungsprozessen auf die Zielgruppen zu fokussieren. Die individuellen Profile können Attribute wie soziodemografische Angaben, Intentionen und Aufgaben, Ziele und Verhaltensweisen, Pain und Pleasure Points, Surfrevier und Wettbewerber, Budget, Ausgabevolumen sowie Risikobereitschaft enthalten.

Durch den Einsatz von Personas und Methoden wie dem Customer Journey Mapping verstehen Unternehmen besser die Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden. Dieser Ansatz hat sich weit über die Softwareentwicklung hinaus etabliert und bewährt sich in vielfältigen Bereichen wie Hardware, Dienstleistungen und Marketing. Personas dienen als Ankerpunkt für neue Entwicklungen und sind bei jeder nutzerbezogenen Fragestellung im Entwicklungsprozess unverzichtbar und leisten einen wertvollen Beitrag zur Produktqualität.

Eine Infografik die erklärt was eine Persona ausmacht und welche Rolle eine Persona in der Produktentwicklung spielt.
Abb.1. Begriffserklärung Persona

UX Personas beispielhaft: Marcos Einfluss auf eine Fitness-App

Nehmen wir als Beispiel “Marco”, eine Persona für eine Fitness-App. Marco ist Mitte 30, arbeitet in einem Bürojob und sucht nach Wegen, seine Fitnessziele trotz eines vollen Terminkalenders zu erreichen. Das UX-Team hat Marco auf Basis von Nutzerforschungen erstellt, um ein tiefes Verständnis dafür zu entwickeln, wie die App gestaltet sein muss, damit sie für Menschen wie Marco attraktiv und nützlich ist. Das Team entscheidet sich, Funktionen wie kurze, effektive Workouts, Erinnerungen und personalisierte Trainingspläne zu integrieren, um genau auf Marcos Bedürfnisse einzugehen.

Personas wie Marco sind deshalb so wertvoll im HCD, weil sie dem Design- und Entwicklungsteam helfen, über abstrakte Daten hinaus zu denken und sich wirklich in die Nutzenden hineinzuversetzen. Sie fördern Empathie und Verständnis innerhalb des Teams und sorgen dafür, dass Entscheidungen stets mit Blick auf die tatsächlichen Nutzenden getroffen werden. Durch die Orientierung an den spezifischen Bedürfnissen und Wünschen der Personas können Produkte erschaffen werden, die nicht nur technisch ausgereift, sondern auch im Alltag der Nutzenden tief verankert und geschätzt sind.

Wie setzt man Personas ein?

Die Einsatzmöglichkeiten von Personas in der Produkt- und Anwendungsentwicklung sind vielfältig und bieten einen tiefgreifenden Mehrwert, indem sie eine fokussierte und nutzerzentrierte Perspektive in den Entwicklungsprozess einbringen. Gründe für den Einsatz von Personas sind unter anderem:

  • Fokus des Teams auf die wesentlichen Nutzergruppen
  • Identifikation und Empathie mit den Nutzergruppen
  • Reduktion von Fehlannahmen und Missverständnissen bezüglich der Zielgruppen
  • Ausrichtung von Marketing, Produktentwicklung, Testing und Design
  • Grundlage für Entscheidungen

Personas dienen primär dazu, das gesamte Team auf die wesentlichen Nutzergruppen zu konzentrieren und erleichtern die Identifikation mit diesen durch die Bereitstellung eines Namens, eines Gesichts und oft auch einer Geschichte. Dies ermöglicht eine emotionalere und menschlichere Herangehensweise an Design- und Entscheidungsprozesse, da Personas unsere Fähigkeit, soziale Informationen zu verarbeiten, ansprechen und mehrdimensional in unserem Kopf abgespeichert werden.

Personas sind ein unerlässliches Kommunikationsmittel innerhalb von Unternehmen, das hilft, eine einheitliche Definition der Nutzenden zu schaffen und Missverständnisse zwischen verschiedenen Teams oder Abteilungen zu minimieren. Sie fördern eine gemeinsame Sprache, wenn es um die Zielgruppe geht, und ermöglichen es, sich in Entscheidungen besser auf die Nutzenden zu fokussieren. Ihre Anwendung reicht von der Unterstützung bei der Produktentwicklung und im Marketing bis hin zu spezifischen Anwendungen in Design-Entscheidungen, bei denen anhand einer Prioritäten-Matrix die Relevanz von Features für bestimmte Personas bewertet wird.

“Unsere Product Owner sind allesamt Fachexpert*innen; die kennen ihre Domäne und bringen somit auch die Nutzersicht mit ein.”

Deutscher Mittelständler

Personas spielen auch eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Customer bzw. User Journey Maps, indem sie aufzeigen, wie und wo Nutzende mit dem Produkt in Kontakt kommen, und helfen, Begeisterungsmöglichkeiten und potenzielle Probleme zu identifizieren. Für Usability Tests können Probanden gezielt nach ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Personas ausgewählt werden, um die Wirksamkeit und Benutzerfreundlichkeit spezifisch designter Features zu testen.

Um Personas wirkungsvoll einzusetzen, ist es wichtig, dass Stakeholder von Anfang an einbezogen werden, um Akzeptanz und Verständnis für die Methode zu schaffen und sicherzustellen, dass die unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigt werden. Die Ziele und Attribute einer Persona, wie z. B. Gerätenutzung, Einkaufsverhalten und demographische Daten, sollten sorgfältig festgelegt werden, um sie später effektiv ansprechen und targeten zu können. Eine fundierte Datengrundlage, bestehend aus quantitativen und qualitativen Befragungen, ist essenziell, um Personas nicht nur als kurzfristiges Werkzeug, sondern als langfristige Grundlage für weitreichende Entscheidungen zu etablieren.

Wie erstellt man Personas?

Der Prozess der Persona-Erstellung beginnt grundlegend mit der Definition einer klaren Zielsetzung. Es ist entscheidend zu verstehen, was mit den Personas erreicht werden soll: Geht es darum, Produktentscheidungen zu beeinflussen, das Marketing zu unterstützen oder das Design zu leiten? Diese Zielsetzung bestimmt nicht nur die Richtung der Recherche, sondern auch die Tiefe der Charakterentwicklung.

Qualitativ oder quantitativ Daten erheben?

Ein häufiger Irrtum in der Erstellung von Personas ist der Ansatz, diese lediglich auf Basis von Annahmen zu entwickeln. Unsere Agenturerfahrung zeigt, dass eine solide Datengrundlage – sei sie quantitativ oder qualitativ – unerlässlich ist, um aussagekräftige und effektive Personas zu schaffen. Ein oft diskutiertes Dilemma in der Persona-Entwicklung ist die Reihenfolge der Datenmethodik: Sollte die qualitative Erhebung vor oder nach der quantitativen Datenerhebung stattfinden? (Vgl. Abb. 2.)

    Argumente für eine qualitative Erhebung vor der quantitativen:

  • Tieferes Verständnis
    Durch frühe qualitative Interviews können tiefe Einsichten in die Motivationen und Bedürfnisse der Nutzenden gewonnen werden, die dann die Erstellung eines zielgerichteten und relevanten Fragebogens für die quantitative Erhebung leiten.
  • Hypothesengenerierung
    Qualitative Daten helfen, Hypothesen zu formulieren, die anschließend quantitativ überprüft werden können.
    • Argumente für eine qualitative Erhebung nach der quantitativen:
  • Verfeinerung
    Quantitative Daten bieten eine breite Basis, die es ermöglicht, spezifische Muster und Trends zu erkennen, die dann durch qualitative Interviews vertieft werden können.
  • Zielgerichtete Fragen
    Nachdem durch quantitative Methoden bereits eine Grundlage geschaffen wurde, können qualitative Interviews gezielter und fokussierter durchgeführt werden, um spezifische Erkenntnisse zu vertiefen.
Ein Diagramm, das zwei Prozessabläufe zur Erstellung von Personas zeigt, indem qualitative und quantitative Erhebungen in unterschiedlicher Reihenfolge kombiniert werden.
Abb. 2. Prozess zur Erstellung einer Persona mit verschiedenen Möglichkeiten quantitative und qualitative Erhebungen zu verbinden.

Prozess der Persona-Erstellung

In unserem Agentur-Alltag folgen wir einem etablierten Prozess (Vgl. Abb. 3.), der idealtypisch wie folgt strukturiert ist:

  1. Auftaktworkshop: Zielsetzung
  2. Quantitative Erhebung: Fragebogen
  3. Auswertung: Clusterung der Daten & Erstellung von Draft-Personas/Customer Journey Maps
  4. Qualitative Erhebung: Tiefeninterviews
  5. Visualisierung: Ausgestaltung der Personas
Ein Ablaufdiagramm, das den Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen beschreibt: Auftaktworkshop, quantitative Erhebung, Customer Journey Mapping, qualitative Erhebung und abschließend Visualisierung und Vermittlung.
Abb. 3. Ablaufdiagramm des Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen.

Idealtypisch bedeutet, wir sind uns bewusst, dass jede Kundenanforderung einzigartig ist, es gibt immer Stellschrauben, die an die spezifischen Bedürfnisse unserer Kund*innen angepasst werden. Oftmals ist z. B. im B2B-Bereich eine individuell angepasste Vorgehensweise erforderlich, da hier meist nicht genügend Personen für eine umfangreiche quantitative Erhebung zur Verfügung stehen. In solchen Fällen muss der Prozess flexibel angepasst werden, um den spezifischen Anforderungen unserer Kund*innen gerecht zu werden.

1. Auftaktworkshop: Zielsetzung

Der erste Schritt bei der Erstellung von Personas ist die Festlegung der Ziele. Es ist entscheidend zu definieren, welche Rolle die Personas für das Unternehmen oder die Anwendung spielen sollen. Dabei geht es darum, genau zu überlegen, welche Aspekte der Nutzererfahrung oder des Nutzerverhaltens durch die Personas beleuchtet werden sollen (vgl. Abb.4.). Mögliche Fokusbereiche können das Einkaufsverhalten (z. B. Schnäppchenjäger*in vs. Premiumkäufer*in), die Gerätenutzung (Smartphone, Laptop etc.), die Internetaffinität oder spezifische Hobbys und Interessen sein. Diese Zielsetzung ist maßgeblich für den gesamten Prozess und bestimmt, welche Daten erhoben und wie diese analysiert werden.

Im Rahmen des Auftaktworkshops, der eine zentrale Rolle im Prozess spielt, werden die Ziele, Anforderungen und Wünsche, die die Persona erfüllen sollen, gemeinsam festgelegt. Wichtig ist hierbei die Einbeziehung aller relevanten Stakeholder aus verschiedenen Abteilungen. Dies stellt sicher, dass die unterschiedlichen Perspektiven und Anforderungen im Unternehmen berücksichtigt werden und schafft von Beginn an ein gemeinsames Verständnis sowie Begeisterung für die Methode. Es gilt, die Ziele so konkret wie möglich zu definieren, um die Grundlage für die folgenden Schritte zu schaffen.

Eine Flipchart und zwei Pinnwände mit handgeschriebenen Notizen und farbigen Moderationskarten, die Ideen und Kategorien wie Aktivitäten, Gedanken/Emotionen und Stolpersteine darstellen.
Abb. 4. Workshop-Ergebnis zur Erstellung von Personas

2. Quantitative Erhebung: Fragebogen

Nach der Zieldefinition folgt die quantitative Datenerhebung. Hierbei wird ein Fragebogen entwickelt, der auf den vorher festgelegten Themenbereichen basiert. Bei der Gestaltung des Fragebogens ist es wichtig, sowohl aktive als auch beschreibende Variablen zu berücksichtigen. Aktive Variablen helfen dabei, Cluster zu bilden, die später die Grundlage für die verschiedenen Personas darstellen, während beschreibende Variablen dazu dienen, diese Personas mit weiteren Informationen und Tiefe anzureichern.

Der Fragebogen kann über verschiedene Kanäle verteilt werden – online, über Newsletter, Panels oder sogar direkt vor Ort, um eine breite Datenbasis zu schaffen. Ziel ist es, eine möglichst große Anzahl an Teilnehmenden zu erreichen, um valide Daten zu gewinnen. Eine Stichprobengröße von mindestens 1.000 Personen wird empfohlen, um eine aussagekräftige Analyse und die Entwicklung valider Personas zu gewährleisten. Dieser Schritt ist entscheidend, um ein fundiertes Verständnis der Zielgruppe zu erlangen und spekulative Annahmen zu vermeiden.

3. Auswertung: Clusterung der Daten & Erstellung von Draft-Personas/Customer Journey Maps

Die statistische Analyse der erhobenen quantitativen Daten ist der nächste kritische Schritt. Mittels Verfahren wie der hierarchischen Clusteranalyse und der Clusterzentrenanalyse werden die Daten ausgewertet, um trennscharfe Cluster zu identifizieren (vgl. Abb.5.). Diese Cluster stellen die Basis für die vorläufigen Entwürfe der Personas dar. Die Anzahl der identifizierbaren Cluster hängt von der Datenlage ab und kann variieren. Nach der Clusterbildung werden diese durch die beschreibenden Variablen angereichert, wodurch die Personas langsam Gestalt annehmen und spezifische Charakteristika und Bedürfnisse der Nutzergruppen sichtbar werden.

Diese Phase ist essenziell, um aus der Masse an Daten gezielte Nutzerprofile zu extrahieren, die repräsentativ für die verschiedenen Segmente der Zielgruppe sind (vgl. Abb.6.). Die angereicherten Cluster bieten ein erstes, fundiertes Bild der Personas, das in den folgenden Schritten, z. B. in Form von Customer Journey Maps weiter verfeinert wird (vgl. Abb.7.). Diese analytische Herangehensweise ermöglicht es, über reine Annahmen hinauszugehen und Personas auf der Basis realer Nutzerdaten zu entwickeln.

Drei Diagramme, die kanonische Diskriminanzfunktionen visualisieren und Cluster mit unterschiedlichen Farben sowie Gruppenzentren als Quadrate darstellen um verschiedene Segmente der Zielgruppe zu zeigen
Abb. 5. Clusteranalyse zur Segmentierung der Zielgruppe
Ein Template für eine Customer Journey Map, das verschiedene Phasen, Aktionen, Gedanken, Geräte, Emotionen und Potenziale einer Persona strukturiert darstellt.
Abb. 6. Template einer Customer Journey Map

4. Qualitative Erhebung: Tiefeninterviews

Um die aus den Clustern entwickelten Draft-Personas zu vertiefen und weiter auszuarbeiten, werden qualitative Daten mittels Tiefeninterviews gesammelt. Die Teilnehmenden für diese Interviews werden basierend auf den quantitativ ermittelten Eigenschaften der Cluster ausgewählt. Ziel dieser Interviews ist es, ungeklärte Bereiche zu beleuchten und die Personas mit zusätzlichen Informationen, echten Zitaten, Wünschen und Einstellungen anzureichern.

Die Tiefeninterviews können in verschiedenen Umgebungen durchgeführt werden, einschließlich Labors oder den Wohnungen der Teilnehmenden, um ein besseres Verständnis für den Kontext der Produkt- oder Service-Nutzung zu erhalten. Diese qualitative Forschungsphase ist entscheidend, um die Personas nicht nur mit Daten, sondern auch mit realen Geschichten und Emotionen zu füllen. Sie ergänzt die quantitative Analyse und trägt dazu bei, ein vollständiges und nuanciertes Bild der Zielgruppen zu zeichnen (vgl. Abb.8.).

Ein Trichterdiagramm, das die Kombination aus qualitativen und quantitativen Daten visualisiert, um Personas zu erstellen und auszugestalten.
Abb 7. Trichterdiagramm zur Kombination qualitativer und quantitativer Daten

5. Visualisierung: Ausgestaltung der Personas

Im letzten Schritt werden die Personas graphisch ausgearbeitet. Dies umfasst die Erstellung von Sedcards oder ähnlichen Visualisierungen, die die Personas lebendig werden lassen. Die visuelle Darstellung hilft dem Entwicklungsteam und anderen Stakeholdern, sich die Personas besser vorzustellen und fördert die Empathie mit den repräsentierten Nutzergruppen. Für diesen Prozess können verschiedene Layout-Konzepte genutzt werden, um die Personas ansprechend und informativ zu gestalten.

Die graphische Ausarbeitung bildet den Abschluss des Persona-Erstellungsprozesses und macht die Personas zu einem greifbaren und nutzbaren Werkzeug im Entwicklungsprozess. Die visuell und inhaltlich reichhaltigen Personas dienen als ständige Erinnerung an die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzenden und unterstützen eine nutzerzentrierte Entwicklung über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.

Fotos von Papp-Aufstellern, die Personas darstellen, um diese im Arbeitsumfeld zu visualisieren und greifbar zu machen.
Abb. 8. Papp-Aufsteller zur Visualisierung von Personas
Eine Collage, die verschiedene Ansätze zeigt, Personas zu visualisieren, darunter Moodboards, Comics und Videos, um deren Eigenschaften und Lebenswelt anschaulich darzustellen.
Abb. 9. Beispielhafte Visualisierungen von Personas
Eine detaillierte, tabellarische Darstellung einer komplexen Customer Journey, die Phasen, Bedürfnisse, Aktivitäten, Erwartungen, emotionale Zustände und Verbesserungspotenziale umfasst.
Abb. 10. Detaillierte tabellarische Customer Journey Map
Eine kombinierte Darstellung einer Personas-Sedcard und Customer Journey, die Aktivitäten, Stolpersteine, Emotionen sowie Handlungsmöglichkeiten visuell integriert.
Abb 11. Kombination von Persona und Customer Journey
Eine Personas-Sedcard mit Informationen zu Plattformnutzung, sozialen Netzwerken, genutzten Geräten, wichtigen Faktoren und einer detaillierten Beschreibung der Persona.
Abb. 12 Persona Sedcard

Wie intergriert man Personas ins Unternehmen?

Die Präsentation und Nutzung ausgearbeiteter Personas in Unternehmen ist ein kreativer und vielschichtiger Prozess, der darauf abzielt, die Personas für alle Beteiligten greifbar und verständlich zu machen. Sobald die Eigenschaften und Einstellungen der Personas definiert sind, werden sie mit einem Namen und einem Bild versehen, um sie besser visualisieren zu können. Zusätzliche Attribute wie Biographien oder Zitate verstärken die Identifikationsmöglichkeiten. Die Präsentation erfolgt nicht in langen Texten oder Tabellen, sondern durch ansprechende grafische Ausgestaltungen. Um Personas im Alltag allen Stakeholdern zu vergegenwärtigen, eignen sich:

  • Sedcards sind quasi Steckbriefe im DIN A5- oder A4-Format und ein- oder beidseitig bedruckt: Auf diesen werden die wichtigsten Attribute einer Persona samt Bild aufgearbeitet.
  • Tabellarische Darstellung von Personas ist eine Option, denn so werden alle Personas nebeneinander dargestellt und sind auf einen Blick zu erfassen. Sie können so schnell verglichen werden.
  • Comics, Plakate und Moodboards können die die Lebenswelt der Personas einfangen und beschreiben.
  • Bilder der Personas in Form von Pappaufstellern im Büro. Bildschirmhintergründe am PC halten die Personas immer präsent.
  • Ganze Lebenswelten der Persona. Wenn es etwas mehr sein darf, können auch die gesamten Lebenswelten von den Personas nachgebaut werden – oder Ausschnitte davon, wie der Inhalt der Handtasche (von Personas einer Kosmetikmarke) oder des Koffers (für Personas eines Reiseanbieters).

Nach der Fertigstellung der Personas beginnt die eigentliche Arbeit: ihre aktive Integration und Verbreitung im Unternehmen. Dazu gehören Informationsveranstaltungen, Workshops, die Ausstattung der Beschäftigten mit Sedcards, die Erstellung von Imagevideos, Platzierung von Erinnerungshilfen wie Pappaufstellern und die Einführung von „Persona-Paten“. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Bewusstsein und die Akzeptanz für die Personas im Unternehmen zu erhöhen und sicherzustellen, dass sie im Unternehmenskontext aktiv gelebt werden.

Für eine erfolgreiche Verankerung der Personas im Unternehmen ist es wichtig, eine Strategie zur Verbreitung zu entwickeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Strukturen des Unternehmens zugeschnitten ist.

Personas dienen als wertvolle Instrumente in verschiedenen Bereichen des Unternehmens, von der Produktentwicklung über das Marketing bis hin zum Design und Requirements Engineering. Sie ermöglichen es Teams, sich besser in ihre Zielgruppen hineinzuversetzen, relevante Funktionen und Inhalte zu priorisieren und Produkte sowie Kampagnen effektiver auf die Bedürfnisse der Nutzenden auszurichten. Durch die aktive Nutzung und kontinuierliche Einbindung der Personas in den Entwicklungs- und Marketingprozess können Unternehmen sicherstellen, dass Investitionen zielgerichtet getätigt werden und dass Produkte und Dienstleistungen erfolgreich auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Nutzenden abgestimmt sind.

Personas aktuell halten

Entscheidend bleibt, entwickelte Personas regelmäßig zu aktualisieren, um kontinuierliche Nutzerzentrierung sicherzustellen. Wie die Welt um uns herum, verändern sich auch diejenigen, denen Sie Ihr Produkt anbieten. Deshalb müssen Personas regelmäßig auf ihre Gültigkeit und Akkuratesse überprüft werden.

Insbesondere wenn sich neue technische Geräte oder Kommunikationsformen etablieren, sollten Sie reagieren und die Personas anzupassen. Je nach technischer Entwicklung oder auch abhängig von der eigenen Produktpalette und Weiterentwicklung empfehlen wir, Personas alle zwei Jahre, besser sogar jedes Jahr zu reevaluieren – und im Bedarfsfall anzupassen.

Fazit

Wir hoffen, wir konnten zeigen, wie der Einsatz von Personas in Unternehmen in diversen Entscheidungsprozessen Mehrwerte generiert – im besten Fall die Produktentwicklung regelrecht verändert, indem echte menschliche Bedürfnisse und Verhaltensweisen in den Mittelpunkt gestellt werden.

Aus unserer Sicht sind User Personas unverzichtbar, um Entscheidungsträger*innen, Beschäftigten und Teams eine klare Richtung zu geben und deren Entscheidungen auf eine solide, empathische Grundlage zu stellen.

Wer mit Personas arbeitet, verinnerlicht eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen und Wünschen der Zielgruppen. Insbesondere heutzutage, wo sich aufgrund von technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen die Welt kontinuierlich wandelt, kann eine stetige Aktualisierung und das lebendige Halten von Personas die Relevanz und Effektivität in der Produktentwicklung sichern.

Unser Ziel war es, mithilfe von konkreten inhaltlichen und visuellen Beispielen sowie Hinweisen zu allen Schritten des Erstellungsprozesses einen guten Startpunkt zu geben, wie Sie Personas effektiv in Ihrem Unternehmen implementieren und nutzen können.

Was denken Sie? Sind wir unserem Ziel nahegekommen? Kommentieren können Sie weiter unten. Wir freuen uns darauf.

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Internet

„Arbeiten mit Personas: Wie führt man Personas erfolgreich in Unternehmen ein?“ | Marie Jana Tews (2016) | usabilityblog.de

„Arbeiten mit Personas: Wer nutzt Personas, wie und wofür?“ | Marie Jana Tews (2017) | usabilityblog.de

„Whitepaper Personas – Alles was ich wissen muss“ | Joanna Oeding (2018) | usabilityblog.de

„Personas erstellen: Quantitativ oder qualitativ zuerst?“ | Joanna Oeding (2019) | usabilityblog.de

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Customer Journey Maps: Wegweiser zur optimalen Nutzererfahrung

Die Customer Journey Map ist ein zentrales Instrument zur strategischen Entwicklung und Feinabstimmung von Produkten. Unterstützt durch zahlreiche online verfügbare Beschreibungen und Vorlagen, ermöglicht sie Teams, den Weg der Nutzenden durch das Produktangebot detailliert nachzuvollziehen und zu optimieren. Obwohl ihre Erstellung als ressourcenintensiv gilt – sowohl in Bezug auf Zeit als auch auf Kosten – beweist die praktische Anwendung ihren Wert, indem sie tiefe Einblicke in die Nutzererfahrung liefert und gezielt zur Verbesserung von Produkten beiträgt.

Inhalt

Was sind Customer Journey Maps?

UX Customer Journey Maps sind visuelle Darstellungen aller Schritte, die Nutzende bei der Interaktion mit einem Produkt oder Service durchlaufen. Sie zeigen den Prozess von der ersten Recherche bis zur Nutzung. Ein Beispiel ist die Journey einer Person beim Online-Einkauf – von der Produktsuche über den Kauf bis zur Bewertung. Durch die Analyse von Erlebnissen, Entscheidungen und Herausforderungen helfen sie, Schwachstellen zu erkennen und die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Als zentrales UX-Design-Werkzeug unterstützen sie einen nutzerzentrierten Ansatz zur Optimierung von Produkten und Services.

Customer Journey vs. Customer Experience: Was ist der Unterschied?

Im Zusammenhang mit der Customer Journey Map (CJM) stößt man unweigerlich auf den Begriff Customer Experience – sie beschreibt allerdings nicht das gleiche. Die Customer Experience umfasst die Gesamterfahrung eines Menschen mit einem Produkt oder einem Unternehmen, welche z. B. deutlich über einen Bestellprozess hinausgeht. Sie beinhaltet sowohl prä- als auch post-interaktive Aspekte wie die Meinung zum Produkt oder Unternehmen vor der Nutzung, den Einfluss von Social Media und Empfehlungen, sowie die Erfahrungen nach dem Kauf, einschließlich Kundenservice und Langzeitnutzung. Die Customer Journey hingegen beschreibt den spezifischen Weg einer Person durch die Customer Experience bei einem konkreten Kauf in einem Online-Shop.

Elemente der Customer Journey

Eine CJM sollte folgende Kernelemente umfassen:

  • Phasen der Nutzerreise
    Dazu gehören die Aufmerksamkeitsphase, Recherche, Entscheidungsfindung, Kauf, erste Nutzung, weitere Nutzung, Ende der Nutzungsphase und die Entsorgung bzw. der Neuerwerb.
  • Kontaktpunkte (Touchpoints)
    Die Momente, in denen Nutzende direkt mit dem Unternehmen in Kontakt treten, inklusive der „Moments of Truth“, die besondere Bedeutung haben.
  • Nutzerinteraktionen
    Was Nutzende erwarten, tun und fühlen.

Warum sind Customer Journey Maps wichtig?

Customer Journey Maps (CJM) erfassen das Nutzererlebnis, damit helfen sie dabei, zentrale Touchpoints zu identifizieren und geben wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse, Erwartungen und möglichen Enttäuschungen der Nutzenden:

Förderung eines einheitlichen Verständnisses
Customer Journey Maps tragen entscheidend dazu bei, innerhalb eines Unternehmens ein gemeinsames Verständnis der Nutzerbedürfnisse und -ansprüche zu schaffen. Dieser Ansatz hilft, fragmentierte Sichtweisen und Abteilungsgrenzen zu überwinden und fördert eine kundenorientierte Denkweise.

Reduktion von Silo-Denken
Durch die Anwendung von CJMs wird das in vielen Unternehmen vorherrschende Silo-Denken abgebaut. Dies ermöglicht eine effizientere und zielgerichtetere Zusammenarbeit über verschiedene Abteilungen hinweg.

Fokussierung auf Nutzerbedürfnisse
CJMs ermöglichen es, die Arbeit präzise auf die Bedürfnisse der Nutzenden auszurichten. Sie visualisieren diese Bedürfnisse auf klare und strukturierte Weise, was die Entwicklung nutzerzentrierter Produkte und Services erleichtert. Sie helfen nicht nur, Erwartungen zu verstehen, sondern auch potenzielle Frustrationen oder Hürden frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu reduzieren.

Identifikation von Chancen und Potenzialen
Die Analyse von Customer Journeys ermöglicht es Unternehmen, ungenutzte Chancen und Potenziale zu erkennen, die zur Verbesserung des Kundenerlebnisses und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit genutzt werden können.

Was ist die Basis von Customer Journey Maps?

Die Erstellung einer Customer Journey Map ist ein kollaborativer Prozess, an dem UX-Designer, Konzepter*innen, Produkt Owner, Marketing-Verantwortliche und weitere Fachbereiche beteiligt sind. Damit CJMs aussagekräftig und praxisnah sind, müssen sie auf einer fundierten Datengrundlage basieren. Sie sollten nicht allein auf internen Annahmen beruhen, sondern durch reale Nutzerdaten gestützt werden – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Ein essenzieller Bestandteil dieser Grundlage sind UX Personas – detaillierte, datenbasierte Nutzerprofile, die typische Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Erwartungen der Zielgruppen widerspiegeln. Sie helfen, die Perspektive der Nutzenden besser zu verstehen und die Customer Journey Map gezielt darauf auszurichten.

Nur durch die Analyse echter Verhaltensmuster lassen sich zuverlässige Erkenntnisse gewinnen, die zur Optimierung von Produkten und Services beitragen. Die visuelle und strukturierte Darstellung der Customer Journey sorgt zudem dafür, dass Teams ein gemeinsames Verständnis entwickeln und kundenorientierte Entscheidungen treffen können.

Abgrenzung und Einordnung im Kontext anderer Mapping-Methoden

Neben weiteren Mapping-Methoden, wie Blueprints, Experience Maps oder Mental Models, zeichnen sich Customer Journey Maps durch ihre Fokussierung auf die konkrete Zielgruppe/Persona und die externe Kundenerfahrung aus, ohne interne Prozesse darzustellen. CJMs dienen als Grundlage für ein tieferes Verständnis der Kundenerfahrung und sollten basierend auf den spezifischen Bedürfnissen und Zielen eines Unternehmens ausgewählt werden. Die Wahl der richtigen Mapping-Methode hängt von den gewünschten Einblicken und dem Fokus des Projekts ab.

Was sollte bei Customer Journey Maps beachtet werden?

Vor dem Beginn der Erstellung einer Customer Journey Map (CJM) ist es unerlässlich, das Ziel und den methodischen Ansatz klar zu definieren. Es besteht die Möglichkeit, eine Map zu entwickeln, die entweder den aktuellen Zustand (Status Quo) des Nutzerwegs abbildet oder einen idealen, zukünftigen Weg (Wunschszenario) darstellt. Diese Entscheidung beeinflusst maßgeblich den Inhalt und die Ausrichtung der CJM.

  1. Abbildung des Status Quo:
    Diese Methode konzentriert sich darauf, wie Nutzende aktuell ein Produkt oder einen Service verwenden. Der Vorteil dieser Herangehensweise liegt in der Möglichkeit, die Darstellung auf Basis von Forschungsergebnisse zu stützen und direkte Einblicke in bestehende Herausforderungen und Chancen zu erhalten, an denen sofort gearbeitet werden kann.
  2. Entwurf eines Wunschszenarios:
    Diese Vorgehensweise ist angebracht, wenn das Ziel die Markteinführung einer Innovation oder eine signifikante Veränderung in der Nutzung eines bestehenden Angebots ist. Hier geht es darum, einen idealen Nutzungspfad zu konzipieren und anschließend zu erarbeiten, wie dieser erreicht werden kann.

Methodische Ansätze bei der Entwicklung einer CJM

Hierbei stehen zwei grundsätzliche Methoden zur Verfügung:

  1. Hypothesenbasiertes Vorgehen
    Hier wird zunächst eine hypothetische CJM auf Grundlage bereits bekannter Informationen erstellt, die dann durch nachfolgende Forschung validiert wird. Dieser Ansatz ermöglicht es, alle Beteiligten frühzeitig einzubinden und intensiv vorhandene Daten zu analysieren, um ein tiefes Verständnis für die Nutzenden zu entwickeln. Es ist jedoch kritisch, diesen Prozess nicht bei der Hypothesenbildung enden zu lassen, sondern eine Validierung durch Interaktion mit den tatsächlichen Nutzenden sicherzustellen, um Fehlannahmen und daraus resultierende Fehlentscheidungen zu vermeiden.
  2. Forschungsbasiertes Vorgehen
    Bei diesem Ansatz beginnt man direkt mit der Nutzerforschung, um die CJM auf einer soliden Datengrundlage aufzubauen.

Der hypothesenbasierte Ansatz ist der gängigere und wird daher im weiteren Verlauf näher erläutert.

Ein Diagramm, das den Übergang vom Status quo zu einem Wunschscenario darstellt, wobei zwischen hypothesenbasierter und forschungsbasierter Herangehensweise unterschieden wird.
Abb. 1. Vergleich zwischen hypothesenbasierter und forschungsbasierter Entscheidungsfindung.

Wie wird eine Customer Journey Maps erstellt?

Die Erstellung einer Customer Journey Map (CJM) ist ein komplexer Prozess, der tiefgehende Kenntnisse über Kund*innen und ihre Interaktionen mit einem Produkt oder Service erfordert. Um eine effektive CJM zu entwickeln, ist es notwendig, ein systematisches Vorgehen zu wählen, das auf fundierter User-Experience-Forschung basiert und sowohl aktuelle als auch zukünftige Nutzerpfade berücksichtigt. Im Folgenden werden die einzelnen Schritte zum Erstellen einer CJM näher erläutert.

Erstellungsprozess einer Customer Journey Map

Der Prozess der CJM-Erstellung ist eng mit der Erhebung und Ausgestaltung von Personas verknüpft und umfasst typischerweise die folgenden 5 Schritte:

1. Auftaktworkshop
Hier wird das Fundament der CJM gelegt, indem Stakeholder einbezogen werden, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Der Einsatz von Post-Its oder Kärtchen zur Visualisierung ist üblich.

2.-4. Erhebung und Überprüfung
Durch UX-Forschungsmethoden wie Tiefeninterviews oder Online-Befragungen wird die CJM validiert und verfeinert.

5. Visualisierung & Vermittlung
Die visuelle Darstellung kann digital beginnen und durch Grafikdesign verfeinert werden. Hierbei können sowohl eigene Designs als auch vorgefertigte Vorlagen und Tools genutzt werden.

Ein Ablaufdiagramm, das den Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen beschreibt: Auftaktworkshop, quantitative Erhebung, Customer Journey Mapping, qualitative Erhebung und abschließend Visualisierung und Vermittlung.
Abb. 2. Ablaufdiagramm des Prozess der Erstellung von Customer Journey Maps und Personas in fünf Phasen.

1. Auftaktworkshop: Gemeinsames Verständnis aller Beteiligten schaffen

Im Workshop zu Beginn wird die Methode des Customer Journey Mapping vorgestellt – optional auch die zugrunde liegenden Personas und die Datengrundlage – damit alle Teilnehmenden auf dem gleichen Stand sind. Anschließend werden das Szenario sowie die Phasen und Aktionen des CJM-Grids erarbeitet. Danach entsteht auf Basis einer ausgewählten Persona eine erste hypothetische Customer Journey Map, die im weiteren Verlauf geprüft und validiert wird.

An dieser Stelle wird eine kurze exemplarische Agenda bzw. ein Ablaufplan für einen CJM-Workshop skizziert. Auch hier wird der „Hypothese-first“-Ansatz verfolgt.

Agenda eines CJM-Workshops

Zeit

Inhaltlicher Ablauf

Ca. 30 min

Warm Up, Vorstellungsrunde

Ca. 30 min

Impulsvortrag Customer Journey Mapping (Erläuterung der Methode)

Abhängig Anzahl Personas, vorhandenen Daten

Optional: Vorstellung von den Personas (falls nicht ausreichend bekannt)
Optional: Sammlung, Verteilung, Vorstellung von Zahlen, Daten, Ergebnissen aus vorherigen Studien oder Analytics Daten

Ca. 30 min

Erarbeiten des Szenarios (oder unterschiedliche Szenarien für die verschiedenen Personas) --> zum Abkürzen des Prozesses können diese auch im Vorhinein schon erarbeitet werden und gesetzt werden

Ca. 30-45 min

Im Plenum des CJM Grid bestimmen (Phasen besprechen und Aktionen bestimmen) --> dieser Schritt kann auch durch erfahrene Moderator*innen in Zusammenarbeit mit wichtigen Stakeholdern vorher geschehen oder mittels eines Vorschlag abgekürzt werden, um Zeit zu sparen

Ca. 15min

Finden in Kleingruppen

Ca. 90min

Erstellung der CJM anhand einer spezifischen Persona und eines Szenarios (Material: Moderationskarten, Post It's, Stellwände)

Ca. 60min

Optional: Je nach Menge an Personas/Szenario kann auch noch eine zweite CJM für eine andere Persona erstellt werden

Ca. 45min

Vorstellung der CJMs im Plenum

Ca. 30min

Abschlussdiskussion

2. – 4. Erhebung & Überprüfung: Kennenlernen der Nutzenden

Zu Beginn ist es entscheidend, ein umfassendes Verständnis der (potenziellen) Kundinnen und Kunden zu entwickeln. Dafür stehen diverse Methoden zur Verfügung, einschließlich:

  • Fokusgruppen
  • Kundenbefragungen
  • Nutzertagebücher
  • Analyse von Kundenfeedback aus Social Media und Web-Analytics
  • Usability-Tests

Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Erstellung von Personas und Nutzungsszenarien, welche wiederum essenziell sind, um die Bedürfnisse, Erwartungen und Emotionen der Nutzenden auf jeder Stufe ihrer Reise zu identifizieren.

5. Visualisierung & Vermittlung: Gestaltung der Customer Journey Map

Je nach ausgewähltem Vorgehen und Ziel wird ein Szenario erstellt. Dieses beschreibt immer das Ziel der Nutzenden. Es kann unterschiedliche Detailgrade beinhalten und verschieden aufgebaut sein, es muss nur deutlich werden:

  • Wer ist die handelnde Person? (=Actor)
  • Was ist das Ziel der Handlung?

Der sogenannte Actor durchläuft verschiedene Phasen und Schritte, um sein Ziel zu erreichen. Diese Phasen werden in einer CJM abgebildet. Zudem werden alle vom Actor ausgeführten Aktionen, Emotionen, Gedanken und nach Bedarf auch das Device, welches verwendet wurde, notiert.

In jedem Prozess kommt früher oder später der Punkt, an dem man sich für etwas entscheiden muss:

  • „Brauche ich diese Versicherung überhaupt?“
  • „Wo kaufe ich Produkt XY, online oder offline? Buche ich jetzt Hotel A oder B?“

Und genau diese Punkte sind wichtig in einer Customer Journey Map. Sie werden gerne als „Moment der Wahrheit“ (Moment of truth /MoT) beschrieben. In diesen Momenten trifft der Actor Entscheidungen, die den Lauf des Prozesses beeinflussen, z. B. in dem er sich für oder gegen ein Produkt/Service entscheidet oder eine finale Kaufabsicht trifft. In einer CJM kann es durchaus mehrere Momente der Wahrheit geben. Diese sind für die Unternehmung besonders interessant, da sich an diesen Stellen entscheidet, ob z. B. das eigene Produkt gewählt wird oder nicht. Insgesamt entsteht ein Grid, was z. B. so aussehen kann (das „Herz“ wird hier als Symbol für den „Moment of truth“ verwendet):

Ein Template für eine Customer Journey Map, das verschiedene Phasen, Aktionen, Gedanken, Geräte, Emotionen und Potenziale einer Persona strukturiert darstellt.
Abb. 3. Template einer Customer Journey Map

Es gibt viele Möglichkeiten, eine CJM selbst zu gestalten. Es wird jedoch empfohlen, Grafikprogramme statt Standardpräsentationssoftware zu verwenden, um die Komplexität und Detailfülle einer CJM angemessen darzustellen. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass die Maps sehr groß werden können und sich stark ausdehnen. Also nicht jedes Design-Tool ist zur Erstellung unbedingt geeignet.

In der Zwischenzeit gibt es auch bereits viele Tools, die auf die Visualisierung von CJMs ausgerichtet sind. Einige bieten einfache Templates, andere bieten eine Umgebung an, in der sehr individuelle Maps erstellt werden können. An dieser Stelle ein paar Beispiele:

Mapping Tools und deren Einsatz

Bevor man sich der Auswahl und Nutzung spezifischer Tools für die Erstellung und Visualisierung von Customer Journey Maps (CJMs) widmet, ist es essenziell, zu verstehen, dass der Einsatz solcher Tools niemals die inhaltliche Arbeit ersetzen kann. Eine effektive CJM basiert auf einer soliden Datengrundlage und muss innerhalb des Unternehmens aktiv genutzt und integriert werden. Ohne diese Grundlagen verliert selbst das fortschrittlichste Tool seinen Wert.

Bei der Auswahl eines geeigneten Tools für die Customer Journey Map sollten zunächst die spezifischen Bedürfnisse und Ziele klar definiert werden. Generell lassen sich CJM-Tools in zwei Hauptkategorien unterteilen:

  1. Erstellung und Kreation
    Hierbei geht es um Tools, die in der initialen Phase der CJM-Erstellung hilfreich sind, um Ideen zu sammeln und einen ersten Entwurf zu erstellen.
  2. Visualisierung
    In dieser Phase kommen Tools zum Einsatz, die dabei helfen, die Customer Journey Map ansprechend zu gestalten und visuell aufzubereiten.

Tools zur Erstellung von CJMs

Mural ermöglicht kollaboratives Arbeiten auch über verschiedene Standorte hinweg, indem es eine digitale Stellwand bietet, auf der Teilnehmende gemeinsam Ideen sammeln können.

  • Vorteil: Fördert die Zusammenarbeit entfernter Teams und digitalisiert Ergebnisse direkt.
  • Nachteil: Kann den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen und erfordert zusätzliche Kommunikationswege.

UXPressia bietet die Möglichkeit, direkt in vorgefertigten CJM-Templates zu arbeiten, was die Erstellung einer visuell ansprechenden Map vereinfacht.

  • Vorteil: Spart Zeit durch die direkte Arbeit an einer optisch fertigen Map.
  • Nachteil: Besteht die Gefahr, dass ohne fundierte Datenbasis voreilige Schlüsse gezogen werden.
Eine umfassende Customer Journey Map erstellt mit dem Tool UXPressia mit mehreren Phasen, Prozessdiagrammen, emotionalen Verläufen sowie identifizierten Problemen und Verbesserungspotenzialen.
Abb. 4. Detaillierte Darstellung einer Customer Journey Map erstellt mit UXpressia.

Wie wähle ich ein Customer Journey Tool aus?

Die Entscheidung für ein bestimmtes Tool sollte wohlüberlegt sein und sich an den spezifischen Anforderungen des Projekts orientieren:

  • Definieren Sie klar, was Sie mit dem Tool erreichen möchten.
  • Überlegen Sie, wie das Tool im Rahmen des Projekts eingesetzt werden soll.
  • Bewerten Sie, inwiefern das Tool die Arbeit erleichtert, und das Ergebnis verbessert.

Unabhängig von der Wahl des Tools ist stets zu bedenken, dass kein Werkzeug die Notwendigkeit solider Recherche und fundierter Datenerhebung aufhebt. Tools bieten Unterstützung und können Prozesse vereinfachen, doch die Qualität der Customer Journey Map hängt letztendlich von der Tiefe und Relevanz der zugrundeliegenden Daten ab.

Beispiele für Customer Journey Maps mit unterschiedlichem Detailgrad

Je nach Zweck und Anwendungsfall können Customer Journey Maps unterschiedlich detailliert gestaltet werden. Während einfache Varianten einen schnellen Überblick bieten, ermöglichen umfangreichere Maps eine tiefgehende Analyse aller Touchpoints und Nutzererfahrungen.

Eine vereinfachte Customer Journey Map zeigt den Entscheidungsprozess einer Studentin beim Abschluss einer Haftpflichtversicherung, inklusive emotionaler Kurve und Nutzeranalysen.
Abb. 5. Vereinfachte Customer Journey Map mit reduziertem Informationsgehalt.
Eine kombinierte Darstellung einer Personas-Sedcard und Customer Journey, die Aktivitäten, Stolpersteine, Emotionen sowie Handlungsmöglichkeiten visuell integriert.
Abb 6. Kombination von Persona und Customer Journey
Eine detaillierte Customer Journey Map mit Phasen, Aktivitäten, Interaktionen, Storyboards, emotionalen Kurven und Pain Points, ergänzt durch Beschriftungen zur Erläuterung der einzelnen Elemente.
Abb. 7. Strukturierte Customer Journey Map zur Analyse von Nutzererfahrungen und Touchpoints.
Eine detaillierte, tabellarische Darstellung einer komplexen Customer Journey, die Phasen, Bedürfnisse, Aktivitäten, Erwartungen, emotionale Zustände und Verbesserungspotenziale umfasst.
Abb. 8. Detaillierte tabellarische Customer Journey Map

Herausforderungen bei der Erstellung von CJMs

Zeitlicher und finanzieller Aufwand
Die Erstellung von CJMs kann insbesondere ohne vorliegende Personas zeit- und kostenintensiv sein. Fundierte Personas bilden den Grundstein für effektive Customer Journey Maps. Eine integrierte Erstellung von Personas und CJMs kann jedoch den Aufwand signifikant reduzieren.

Einbindung relevanter Stakeholder
Es kann eine Herausforderung sein, alle relevanten Stakeholder für Workshops zu gewinnen. Eine frühzeitige Planung der CJM-Erstellung ist essenziell, um terminliche Konflikte zu vermeiden.

Eine Customer Journey Map ist niemals fertig
Customer Journey Maps sind dynamische Instrumente, die regelmäßig aktualisiert werden müssen, um Änderungen in Nutzerverhalten und Technologien Rechnung zu tragen. Ihre kontinuierliche Überprüfung und Anpassung ist entscheidend, um relevante und effektive Kundenerlebnisse sicherzustellen.

Deep Dive:

Fokussieren mit Critical User Journeys

Während Customer Journey Maps ein umfassendes Bild aller Nutzerinteraktionen zeichnen, braucht es in der Praxis oft klare Fokuspunkte. Hier setzen Critical User Journeys  einen gezielten methodischen Rahmen.

Was sind Critical User Journeys?

Critical User Journeys (CUJs) sind die zentralen und strategisch wichtigsten Nutzerpfade innerhalb eines digitalen Produkts oder Services. Sie bezeichnen 5 bis 7 konkrete Interaktionen, die darüber entscheiden, ob ein Produkt aus Nutzendensicht erfolgreich ist. CUJs helfen Teams, in komplexen Umfeldern klare Prioritäten zu setzen, auch wenn Datenlage, Zuständigkeiten oder Zielbilder unklar sind.

Im Unterschied zu klassischen Customer Journey Maps, die ein vollständiges Bild aller Interaktionen zeichnen, konzentrieren sich CUJs ausschließlich auf die kritischen Touchpoints: Dort, wo Nutzer*innen abspringen, konvertieren, scheitern oder überzeugt werden. Sie dienen als strategischer Kompass, um begrenzte Ressourcen auf das Wesentliche zu fokussieren, insbesondere in funktionsübergreifenden Teams mit vielen parallelen Anforderungen.

CUJs sind kein Ersatz, sondern eine präzise Ergänzung zur Customer Journey Map, mit dem Ziel, Produktentscheidungen gezielter zu treffen, messbarer zu machen und schneller ins Handeln zu kommen.

Wie sich Critical User Journeys in der Praxis identifizieren, priorisieren und erfolgreich umsetzen lassen, zeigt Richard Bretschneider im kostenfreien Webinar am 04.07.2025: „Critical User Journeys – Der Kompass im Komplexen“.

Fazit: Customer Journey Maps haben strategischen Nutzen

Customer Journey Maps liefern wertvolle Einblicke in die tatsächlichen Bedürfnisse und Pain Points Ihrer Nutzenden. Durch ihre gezielte Anwendung können Produkte und Services optimal ausgerichtet werden, fundiertere Entscheidungen getroffen und ungenutzte Potenziale identifiziert werden. Sie können so maßgeblich strategische Entscheidungen beeinflussen – entscheidend dabei: eine datenbasierte Herangehensweise.

Da eine Customer Journey Map nie statisch ist, sondern sich mit den Erwartungen und Verhaltensweisen der Nutzenden weiterentwickelt, ist ihre regelmäßige Aktualisierung essenziell. Spannend ist dabei die Entwicklung digitaler Tools und KI-gestützter Analysen, die neue Möglichkeiten in der Visualisierung eröffnen und noch tiefere Einblicke in die Customer Journey ermöglichen.

Wir haben Ihnen einige Beispiele für CJMs gezeigt – wäre es jetzt nicht interessant, nun die Personas und die Customer Journey für Ihre eigenen Produkte kennenzulernen?

Wo stehen Sie aktuell? Haben Sie einen konkreten Anwendungsfall, bei dem Ihnen diese Methode weiterhelfen könnte? Planen Sie bereits den Einsatz oder haben Sie Customer Journey Maps bereits erfolgreich genutzt? Lassen Sie es uns wissen – zum Beispiel per Kommentar weiter unten!

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Internet

„Customer Journey Map – Herzstück vieler UX-Methoden?“ | Lorena Meyer (2016) | usabilityblog.de

„Whitepaper Personas – Alles was ich wissen muss“ | Joanna Oeding (2018) | usabilityblog.de

„Customer Journey Maps – Fehle aus der Praxis die sie lieber vermeiden sollten“ | Joanna Oeding (2018) | usabilityblog.de

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User Researcher:innen haben das Zeug zum Unternehmer!

Unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch denken und handeln:
Wer von Ihnen  ist Gestalter:in, Unternehmer, Unternehmerin, denkt strategisch, hat Visionen und formuliert sie? Wer von Ihnen arbeitet und handelt unternehmerisch und strategisch?

Es kommt drauf an! Worauf genau?
Vielleicht auf Ihre Rolle und Stellung im Unternehmen?
Das sollten Sie nicht zulassen.

Lassen Sie sich nicht in eine Ecke stellen, in die Sie nicht hingehören oder hingehören wollen. Bleiben Sie vielfältig und breit aufgestellt. Das gilt insbesondere für all jene, die die Rolle einer User Researchin, eines User Researchers inne haben.

Darf ich vermuten, dass viele von uns ….

  • UX Manager:innen, Journey Manager:innen“ UX Designer:innen, UX Architekt:innen, UX Engineers (w/m/d), UX Consutants (w/m/d), Produktinhaber:innen (POs) die Eigenschaften unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch zuschreiben,
  • User Researcher:innen aber in der Regel nicht?

Wir alle haben das Zeug zum Unternehmer, zur Unternehmerin!

Wir sollten User Researcher:innen nicht pauschal als operativ handelnde Rolleninhaber:innen abgrenzen oder gar abstempeln.  Ich kenne keinen Grund, warum das so sein sollte: Warum User Researcher:innen nicht unternehmerisch, gestaltend, visionär, strategisch denken oder handeln sollten. Kennen Sie einen Grund?

Die richtigen Fragen stellen, die relevanten und dringlichen Themen im User Research angehen, Innovationen anstoßen, aus Daten zielführende, erfolgswirksame Maßnahmen und Entscheidungen ableiten, nicht einfach nur umsetzen was andere anfordern in Sachen „Forschung & Research“, stattdessen mitdenken, kritisch sein, gestalten, Fragen aufwerfen, Neue Wege aufzeigen, Zielvorgaben erreichen, geschäftliche Erfolge herbeiführen und darüber erzählen und berichten.

Ich kenne viele User Researcher:innen, die genau das täglich tun – und das ist gut so.

Wir haben so viele User Researcher:innen, die unternehmerisch denken und handeln – nur leider sprechen wir zu wenig mit und über sie!

Ohne User Research & UX Testing Wettbewerbsvorteile erzielen, geht das?

Wenn Märkte stagnieren, schrumpfen, sich konsolidieren, dann können Unternehmen ihren Wert halten und steigern, wenn sie aus  (Neu-)Kundensicht und im Vergleich zum Wettbewerb relevantere und bedeutsamere Vorteile bieten. Wenn sie:

Die richtigen Dinge gestalten – und diese richtig gut gestalten!

Produktinhaber:innen („Product Owner“) verantworten beides:

  1. Die richtigen Dinge gestalten.
  2. Die Dinge richtig gut gestalten.

Produktinhaber:innen sind insbesondere in schrumpfenden, stagnierenden Märkten gefordert beides bestmöglich und zugleich auf effiziente Art und Weise sicherzustellen.

Worauf kommt es in solchen Situationen an?

Auf unfassbar viel. Insbesondere auf Schnelligkeit im Handeln, einen Fokus auf das Wesentliche und im Ergebnis auf richtig gute Entscheidungen!

Alle im Team müssen nun jene Dinge tun, jene Aufgaben in den Fokus stellen, die sie richtig gut erledigen können und wollen.  Und alle müssen unternehmerisch denken und handeln. Das gilt für alle Teamrollen:

  • Die/den PO selbst,
  • Entwickler:innen,
  • Marktforscher:innen („Business Analysten“),
  • User Researcher:innen
  • UX Designer:innen.

Was bedeuten derartige Marktsituationen für UX Designer:innen? 

Ich fürchte jene Rolleninhaber:innen werden ihren Fokus auf UI Development / UI Design legen (müssen). Sie werden intensiver und direkter mit Entwickler:innen zusammen arbeiten. Das ist im Grundsatz ja nicht schlecht, diese enge Zusammenarbeitet, insbesondere dann, wenn die/der Rolleninhaber:in kompetent und genrealistisch aufgestellt ist.

Was wird in den Hintergrund treten?

Ich fürchte UX Testing und User Research werden „eingespart“: Weniger Zeit und Geld für die Analyse von Anforderungen und Bedürfnissen von Nutzenden und Kunden. Früh und oft testen – das wird weniger oft stattfinden, vielleicht ganz entfallen. Stattdessen werden immer mehr User Researcher:innen „Forschen am Schreibtisch“ betreiben (müssen). „Sekundäranalysen“ werden primärer, empirischer Forschung vorgezogen – jedenfalls dann, wenn wir das zulassen … .

Wenn Sie als User Researcher:innen es zulassen, dass Budget-Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die den Wert und positiven Effekt von UX Testing und User Research auf den ROI ihres Unternehmens nicht kennen, weil Sie ihnen jenen nicht verdeutlicht haben!

Lassen Sie das nicht zu. Liebe User Researcher:innen, laßt das nicht zu:
Ihr alle habt das Zeug das zu verhindern.

User Reseacher:innen müssen unternehmerisch denken und handeln, müssen unternehmerisch auftreten, um ihre strategisch so relevante Rolle in Unternehmen zu finden oder zu halten!

Ohne UX Testing und User Research keine Wettbewerbsvorteile!

Kommen wir zurück zu dem, was von Produktinhaber:innen in wettbewerbsintensiven Märkten und Situationen erwartet wird: Die richtigen Dinge gestalten – diese Dinge richtig gut gestalten!

Ich frage mich, ich frage Sie: Wie soll das funktionieren, wenn UX Testing und User Research in den Hintergrund treten? Wenn Anforderungsanalysen und Tests eingespart werden? Wenn Sekundärforschung, wenn das „Forschen am Schreibtisch“ eigene Studien und Tests ersetzt?

Es geht einfach nicht!

Will man die richtige Entscheidungen gut treffen – und das muss man, will man die richtigen Dinge gut tun – und auch das muss man, dann braucht es Erkenntnisse auf der Basis von qualitativ hochwertigen Daten.

Wie werden aus Zahlen und Fakten Erkenntnisse für gute Entscheidungen?

Es braucht Daten (Zahlen & Fakten) aus einer Studie („primäre“ Datenerhebung), die das Erkenntnisinteresse (Untersuchungsfragestellung(en)) objektiv, zuverlässig und valide erfüllt.

Zeitdruck, Erkenntnisdruck und zugleich die Notwendigkeit Geld zu sparen!

Unter solchen Rahmenbedingungen wird „Forschen am Schreibtisch“ – Desk-Research, Sekundärforschung – nun einmal angesagt(er), wird empirischer Primärforschung öfter vorgezogen.

Normal, aber auch „gut so“?  

Forschen am Schreibtisch basiert meistens auf …

  • Daten aus eigenen, bereits durchgeführten (Primär-)Forschungen
  • Datenbanken – eigenen und eingekauften (z.B. Statistisches Bundesamt, Statista)
  • Daten, auffindbar beim Suchen im „World Wide Web“ (Internet).

Einfach mal machen – auch wenn’s nur zweite Wahl ist?

Beim Forschen am Schreibtisch werden vorhandene Zahlen und Fakten herangezogen, um Fragestellungen zu beantworten, die das Erhebungs- und Auswertungsdesign der Studien hinter den Daten nicht bestimmten.

Klingt kompliziert – das mit der Sekündarforschung?

Ja, ist es auch. Es braucht eine systematische, durchdachte Recherche-Strategie, jede Menge Erfahrung, darunter auch viel schmerzhafte, gezahltes Lehrgeld, aber selbst dann ist Sekundärforschung noch immer mit viel Unsicherheit behaftet, da …

  • keine auf die Fragestellung(en) zugeschnittene Datenerhebung erfolgte, was bedeutet: wenig Aussagekraft, viel Interpretationsspielraum.
  • oft keine tiefen Einblicke in das Erhebungs- und Auswertungsdesign der Studien gewährt werden, so dass die Qualität (Objektivität, Zuverlässigkeit, Gültigkeit) und Aktualität der genutzten Daten bzw. Studien hinter den Daten nicht immer bewertet werden kann.

Aber hey, ist denn die Arbeit mit ChatGPT & Co. nicht auch Sekundärforschung?

Im Prinzip schon. Aber deutlich einfacher und bequemer, unterstützender und kollegial mitdenkend, in der gewonnenen „Weitsichtigkeit“ deutlich weiter, tiefer und breiter, damit sicherer, aber auch mit generativer KI/AI Unterstützung gilt:

Forschen am Schreibtisch sollten Sie nur einsetzen, um …

  • Forschungsbedarfe und Forschungslücken zu erkennen,
  • Hypothesen zu entwickeln und darauf aufbauend
  • effiziente Primärforschung zu konzipieren.

Mit viel Sicherheit, dass Sie erforschen, wozu es noch keine Daten gibt und dass Sie beim Konzipieren Ihrer Studie(n) darauf aufbauen, was es an Erkenntnissen schon gibt.

Unternehmer, Stratege, Umsetzer (w/m/d): User Researcher:innen sind vielfältig!

Portraitfoto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Liebe User Researcher:innen, lasst euch nicht in eine Ecke drängen. Und falls schon geschehen: Kommt da raus. Raus aus Ecken, in die ihr nicht hingehört, die euch abstempeln mit stereotypischen Eigenschaften, die ihr nicht wollt, die euch „unter Wert“ darstellen!

  1. Ihr werdet gebraucht, operativ handelnd und strategisch denkend.
  2. Ihr werdet gebraucht als Umsetzer:innen und  Gestalter:innen, Unternehmer:innen.

Als User Researcher:innen haben Sie, habt ihr eine Rolle, in der ihr unternehmerisch und strategisch handeln könnt – und ihr solltet das auch tun. Ihr habt das Zeug zur Unternehmerin, zum Unternehmer. Setzt es ein, insbesondere in Zeiten, in denen der Wettbewerb im Markt intensiv ist.

Und lassen Sie sich als User Researcher:in unter diesen Rahmenbedingungen nicht zu „Forscher:innen am Schreibtisch“ abdrängen. Auch nicht von neuen Technologien.

Forschen Sie gern weiter mit ChatGPT, YOU, Consensus, SciSpace & Co. „vor- und nachrangig“, aber bleiben Sie stets offen für eigene, empirische Studien und zeigen Sie diese begründet an, wenn sie Ihnen nötig erscheinen. Sie werden gehört werden, insbesondere dann, wenn Sie unternehmerisch denken, handeln, argumentiert, wenn Sie die Sprache einer/eines Unternehmer:in wählen.

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