Kategorie-Archiv: User Experience

Rückblick auf die Working Products 2017

blog header- working products 17 reviewUm nicht selber über unsere eigene Konferenz zu berichten, haben wir Susanne Kreuz, eine befreundete UX-Designerin, zur Working Products eingeladen und sie gebeten, einen persönlichen Erfahrungsbericht zur Working Products zu schreiben. Hier ist er:

Susanne Kreuz berichtet von der Working Products 2017

Produktmanager (fast) unter sich

Die Aufgaben und Probleme, mit denen sich Product Owner, Product Manager und Product Designer, digitale Strategen und externe Berater herumschlagen, sind gar nicht so sehr verschieden: Sind wir doch alle für die Entwicklung und Betreuung digitaler Produkte und Services verantwortlich – bestenfalls! Wie die weiteren Diskussionen und Gespräche bestätigen, stoßen wir dabei oft an dieselben Grenzen und Widerstände: innerhalb und außerhalb von Projekten und Teams genauso wie in der Zusammenarbeit mit dem Management. Trotz fundiertem Know-How und schicker Zertifizierungen will das mit der Digitalisierung einfach nicht so richtig funktionieren.

Working Products 2017Was ist also unser Problem? Das herauszufinden und gemeinsam mit den Teilnehmern passende Lösungen zu entwickeln, hat sich Rolf auf die Fahnen der Working Products geschrieben. Gleich vorneweg gesagt: Es gibt sie noch, die guten Konferenzen! Die Konferenzperle im Norden ist ein Leuchtturm für alle, die sich mit digitaler Produktentwicklung beschäftigen. Die Teilnehmer können sich zwischen zwei parallelen Tracks entscheiden, wobei es einerseits um „softe“ Themen wie Produkt- und Kundenkultur im Unternehmen und neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit geht. Auf der anderen Seite werden die dazu passenden Methoden und Prozesse vorgestellt. Da ich mich nicht zweiteilen kann, habe ich mir die Vorträge rund um Methoden und Prozesse angesehen und kann darüber jetzt berichten

AGILIEN ODER: IN WELCHER WELT ARBEITEN WIR EIGENTLICH?

„Agil ist nie im ganzen Unternehmen angekommen“, behauptet Christian Becker. In seinem Vortrag Management versus Produkt geht Christian hart mit „denen da oben“ ins Gericht. Und vergleicht ein agil und lean aufgestelltes Entwicklungsteam mit dem kleinen gallischen Dorf, in dem Asterix und Obelix unbeirrt die Stellung halten. Denn in der Realität werde Lean PM nur als schöne Fassade implementiert, da sei aber nichts dahinter. MVPs werden als outdatet abgewunken, wurden aber nie richtig verstanden. Schuld an allem sei das Produktmangement, das angeblich Wissenslücken habe und Erwartungen nicht erfülle – das behaupten zumindest Management und Geschäftsführung. 90 % aller Probleme liegen zwischen PM und Management, kontert Christian selbstbewusst. Das Management habe ein Missverständnis, was agil eigentlich bedeute. Aufklärung tut also Not, und so leitet Christian mittlerweile sein eigenes Unternehmen leanproductable.

Christian BeckerIn seinen Projekten geht es dabei um die Kernfrage: „Warum wollen wir wie arbeiten?“ Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, und jedes Unternehmen ist angehalten, sich eine individuelle Vorgehensweise zu erarbeiten. Als Methode seiner Wahl stellt Christian uns den Strategy Brief vor. Dabei orientiert er sich an The Art of Action, dem Buch des strategischen Managementberaters Stephen Bungay. Ein Workshop über 3-4 Stunden sollte ausreichen, um gemeinsam die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Context: Warum mache ich das jetzt?
2. My intent: Was wollen wir erreichen und wie messen wir das?
3. Higher intent: Wie passt das zur Unternehmensstrategie?
4. Key tasks: Was muss ich grob tun und mit welchen Ressourcen?
5. Boundaries: Welche Rahmenbedingungen muss ich beachten?
Wer es nach einem Vortrag noch etwas genauer wissen möchte, kommt einfach in die Speaker‘s Corner: Für 30 Minuten kann man direkt beim Redner nachhaken. Oder spontan eigene Erfahrungen teilen, egal ob positive oder negative. So schütten einige Besucher ganz unbefangen ihr Herz aus, und aus den individuellen Pain Points entwickeln sich schnell intensive Gespräche: Was tun, wenn die Strategie des Unternehmens einzig darin besteht, den Umsatz zu steigern? Wenn wegen lauter neuen Features keine Zeit zur Bestandspflege bleibt? Wenn Produkte aus der analogen Welt in eine mobile App gepresst werden, aber die digitale Welt offensichtlich anders funktioniert? Probleme mit der Organisation, dem Chef und Kollegen lassen auf Augenhöhe leichter äußern als mit dem Mikro vor dem versammelten Publikum. Zudem ist in der kleinen Runde die Trennung zwischen „der da vorne = allwissend“ und „die Zuhörer = unwissend“ weitgehend aufgehoben.
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ESSEN IST SILBER, REDEN IST GOLD

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Format von 2 x 3 parallelen Vorträgen verteilt auf 2 Tage sei ein bisschen wenig für‘s liebe Geld (das Ticket kostet 540 €). Sind die Pausen dagegen nicht zu reichlich? Und an den Nachmittagen soll man auch noch selbst aktiv werden… Egal, wenn mich ein Thema gerade nicht interessiert, geselle ich mich ans Buffet.

Dort finde ich immer super leckere Nervennahrung, von Brownies bis Obst, und – ganz große klasse – auch eine Auswahl für Vegetarier, Veganer und Allergiker. Ich gebe zu, das gemeinsame Frühstücken am morgen, das ausgiebige Mittagessen und das Grillen am Abend nach einer ziemlich verfressene Angelegenheit klingt. Doch wer schon mal in einer WG gewohnt und die Küche als das Zentrum der Kommunikation schätzen gelernt hat, weiß um die soziale Rolle das Essen auf Konferenzen. Während ihr lest, komme ich ganz locker mit meinen Nachbarn ins Gespräch. Und lerne Sabrina und Annabell kennen, Trainees bei Burda Direct, die extra aus Offenburg und München angereist sind, alle Achtung!

WAS IST EIGENTLICH DER AUFTRAG?

Zurück zum offiziellen Programm. Die Zauberformel, die ich im Laufe der Konferenz noch öfter höre, lautet Autonomy through Alignement. Marc Kadish, Director Product bei Xing, wird die zugehörige Methode Auftragsklärung am Freitag vorstellen. Doch so lange will das werte Publikum nicht warten. Gut, dass es die Open Sessions am Nachmittag gibt.

SessionplanungIn der großen Runde sammeln wir Vorschläge und spendieren dem Thema eine eigene Sitzung. Sieben weitere schaffen es aufs Whiteboard, von der „Innovation im Bestandsprodukt“ bis zu „Neuen Services für autonome Fahrzeuge“. Nicht alle Themen finden später den zuvor erklärten Anklang. Auch mein Vorschlag „Freelancer im Konzern“ fällt mangels Publikum aus, aber das macht nichts. Ich nutze die Gelegenheit und lausche erneut Christian, der uns den von Xing adaptierten „Canvas for collaborative alignement“ erklärt. Wir füllen unser Template mit einem praktischen Beispiel „PayPal als neue Zahlungsart im Online-Shop einführen“. Im Team schreiben wir Aussagen auf Post-Its und kleben sie aufs Flipchart; diskutieren, verwerfen und hinterfragen, bis alles richtig zusammen passt. Unser Gemeinschaftswerk dokumentiert und kommuniziert Entscheidungen auf Papier und lässt sich bei Bedarf anpassen. Und das abgestimmte Ergebnis kann ich für alle sichtbar an der Wand platzieren. Toll, dass die großzügige Planung der Konferenz genug Zeit und Raum zum Lernen lässt, der im Alltag meist fehlt.

BRAUCHEN WIR EINE SCHOCKTHERAPIE?

Kurz darauf finde ich mich in der Session von Jutta, Digitale Strategien und Konzepte. Wir sind beide Freelancer und ich überlege, ob ich ihre Job-Bezeichnung übernehmen sollte. Werde ich doch laufend mit unpassenden Anfragen überhäuft: von UI Design über Werbebanner-Gestaltung bis Frontend-Entwicklung. Doch auch Jutta hat sichtlich Probleme damit, was ihre Auftraggeber unter Human Centered Design verstehen: Mal wird der Kontakt mit den eigenen Kunden verboten, mal legt das Management die vermeintlich fertige Konzeption vor. So lautet ihre Frage in die Runde: „Was tun, wenn es im Projekt kein gemeinsames Mindset in Sachen Nutzerzentrierung gibt?“ Benno, ebenfalls Freelancer, bringt das Manko unseres Tuns auf den Punkt: „Konzeption ist nunmal unsichtbar“. Das Standing im Team hänge auch immer davon ob, ob der Fachbereich oder die Geschäftsführung ihn beauftrage. Manche Kunden lassen sich nicht so einfach mit Argumenten überzeugen. Und was dann? Auch Dirk, freier Digital Consultant, kennt das Problem: „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft oft eine riesige Lücke. Dann bin ich froh, wenn ich wenigstens einige Aspekte umsetzen und mich der idealen Welt annähern kann.“ Schon um der eigenen Gesundheit willen empfiehlt es sich, nicht gleich zu resignieren. Bleiben wir also optimistisch und lenken den Blick auf das Positive.
Arbeit in der SessionInteressant wird es, als sich Iris zu Wort meldet. Sie verantwortet das Marketing und spricht aus Sicht der Auftraggeber: „Ja, wir haben ein Problem, sonst hätten wir uns keine Agentur geholt. Doch dann kommt das schreckliche Gefühl: Alles was wir bisher gemacht haben, ist falsch!“ Da müsse man auf Kundenseite erst mal seinen emotionalen Schock überwinden. Nicht jeder sieht in Kritik sofort eine Chance auf Neubeginn, da sind Empathie und Einfühlungsvermögen gefragt. Stimmt, denke ich – auch als Externe muss ich in jedem neuen Projekt meinen Realitätsschock überwinden: Ausloten, was machbar ist, annehmen oder absagen, bleiben oder gehen. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal Rolf’s Vorschlag zu beherzigen: „Manchmal kommt in einem Projekt der Punkt, da muss ich als Dienstleister klar machen: So kann ich nicht weiter arbeiten! Dann hört man mir auch wieder zu.“

WAS SOLL ICH BLOSS ANZIEHEN?

Am Vortragspult steht Heide Peuckert, „Mutter aller Produkte“ und Head of Product der Njiuko GmbH. Die einzige Frau unter den insgesamt 12 Rednern trägt einen bunt gemusterten Jumpsuit. Und erzählt, dass sie von den Herren der Old Economy ernster genommen wird, wenn sie dem Klischee der „freakigen Kreativen im schrillem Outfit“ entspricht. Am nächsten Tag trägt sie lockere Streetwear im corporate Design. Die „Frau im Hoodie“ steuert in der Software-Agentur die Web- und Mobile-App-Entwicklung. Als Kapitän eines Piratenschiffes steuert sie ihr Team an der Schnittstelle zwischen UX, Technik und Business. Als Product Owner adoptiert sie die Produkte ihrer Kunden, erstellt User Stories und vertritt die späteren Anwender. Auf Kundenseite steht ihr ein Projektmanager gegenüber, der den Business Input liefert. Heide verkauft ihm Sprints anstatt Features, und überlässt die Diskussion übers Budget ihrem Chef.
Björn-Torge SchulzDass der Dresscode auch auf Konferenzen wichtig ist, erfahre ich später von Benjamin: „Ich bin sehr froh, hier nicht im Anzug herumlaufen zu müssen!“ erzählt mir der Geschäftsführer aus Berlin. „Männer haben ja nicht so die Bandbreite an Klamotten: entweder Hemd und Hose, oder Jeans und T-Shirt.“ Meine Nachbarin im Hemdblusenkleid stimmt zu: nicht zu formal, aber auch nicht zu leger sollte es sein. Und trotzdem partytauglich, denn unser Abend klingt trotz Regenschauer gemütlich aus, mit Grillen im Hof und Musik vom DJ.

WANN IST DAS FERTIG?

Doch zurück zum Wetterbericht. „Wir schätzen heute mal nicht“, empfiehlt Mathias Schröder, Agile Coach beim Logistikunternehmer Kühne und Nagel. Sein Ziel ist es, uns den Zungenbrecher Probabilistisches Forecasting näher zu bringen. Schließlich lautet die zentrale Frage in jedem Produkt: „Wann ist das fertig?“ Weil es heutzutage in der Produktentwicklung genauso komplex und dynamisch wie beim Wetter zugeht, kann niemand eine absolut richtige Antwort geben. Deshalb schlägt Matthias vor, lieber mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Dazu müssen wir aber erst einmal Daten sammeln, um Zeitaufwand und Kosten zu schätzen. Logisch: Je weiter wir in die Zukunft blicken, desto ungenauer wird unsere Vorhersage. Ich staune über Monte-Carlo-Simulationen und Skeddar-Plots, die Daten aus der Entwicklung aufbereiten. Für mich als Freelancer ist die Methode nur bedingt geeignet.

ALLES NUR EIN SPIEL?

Bevor die Konferenz zu Ende geht, will ich unbedingt noch das Project Manager Game ausprobieren. Meine Spielfigur ist eine blonde Projektmanagerin mit Brille. Um zu überleben, muss ich zahlreichen Kollegen aus Entwicklung, Management, Marketing und Design ausweichen. Immer schneller tauchen neue Figuren auf dem Bildschirm auf. Es braucht meine ganze Aufmerksamkeit, damit wir nicht unsanft zusammen stoßen – ganz wie im echten Projekt :-)

Productmanager-Game Ich staune nicht schlecht, denn Malte hat das Spiel in dem Prototyping-Tool Axure programmiert hat. „Das kannst Du theoretisch auch, Du warst doch in unserer Schulung!“ grinst er mich an. Stimmt, denn im Grunde ist das Game nichts anderes als ein interaktiver Klick-Dummy! Das Geheimnis liegt darin, den Elementen auf verschiedenen Layern bestimmte Ereignisse und Aktionen zuzuweisen.
Ich überlege gerade, welche Widgets Malte wohl verwendet hat, als ich mich ein Zuschauer anspricht: „Sag mal, was machen die von eparo eigentlich sonst noch?“ Wenn das mal nicht für die vornehme Zurückhaltung des Veranstalters spricht, die Konferenz nicht zur Eigenwerbung zu missbrauchen! Andererseits ist es mal wieder an der Zeit, eine Lanze für qualitatives User Testing in Zeiten von Analytics und datengetriebener Produktentwicklung zu brechen. „Data driven ist nicht gleich Data Informed“, hatte uns Marc Kadish, Director Product bei Xing, am Vormittag mit auf den Weg gegeben. Und eingebläut, dass der Mensch zwar aus Erfahrungen lerne, aber nicht sicher sein kann, ob seine Erkenntnisse auch in der Zukunft funktionieren. Und dagegen hilft nur: Hypothesen formulieren, Experiment aufsetzen und validieren, Ergebnis messen und bewerten! Und zwar am besten im Team, denn das hat die größte Kompetenz, um eine Lösung zu finden.

Mit vielen neuen Methoden und einem Glückskraut im Gepäck mache ich mich nach zwei langen Tagen auf den Heimweg. Und überlege mir, wie ich die vielen Anregungen, praktischen Tipps und strukturierten Vorgehensweisen am besten in meinen Projektalltag integriere. Eins ist sicher: Der digitale Wandel wird nur funktionieren, wenn wir über Team- und Abteilungsgrenzen auf Augenhöhe zusammen arbeiten, mit einer handfesten Strategie, und in einer offenen und vertrauensvollen Kultur.

working products 2017Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Redner, die mit bestem Beispiel voran gegangen sind! Und besonders an Rolf und das Organisationsteam, die stets mit einem offenen Ohr auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen und zeigen, dass schon kleine Veränderungen am Setting positiv wirken und Teilnehmer glücklich machen. Psst, nicht weiter sagen: Hamburg und die Working Products sind unbedingt eine Reise wert!

NOCH EIN PAAR STIMMEN ZUM EINSTREUEN:

„Habe Denkanstösse für ein nutzerzentriertes Mindset bekommen“
„Habe große Lust, am Montag wieder ins Büro zu gehen, die vielen Anstösse im Arbeitsalltag gleich auszuprobieren!“
„Gute Community, tolle Atmosphäre, familiär““
„Genug Zeit für Begegnungen und gemeinsames Abhängen“
„Für mich als Hamburger ein Heimspiel, sehe Freunde, fast ein Klassentreffen“
„Schonungslose Darstellung, viel Respekt und Selbstreflexion“
„Praktische Informationen aus der Praxis!“
„Schätze sehr den Austausch über den Tellerrand, sonst spricht man ja nur mit internen Kollegen“
„Nicht zu groß, man kommt quasi mal mit jedem ins Gespräch!“
„Auf große Konferenzen gehe ich nur noch mit Kollegen, sonst steht man da allein und einsam rum, schrecklich…“
„Ich mag den Rolf, der ist halt ein Macher!“
„Das offene Konferenz-Format wird sich durchsetzen, passt ja auch zu Lean!“
„Mind the Product ist zu groß und alles gleichgeschaltet“

Die Eröffnung Rolf moderiert Christian Becker Roman Pichler über Produktstrategie Roman illustriert den Product-Lifecycle Zuhörer Zuhörer Notetaking in der Speakers Corner Speakers Corner Speakers Corner Patrick moderiert Track 2 Catering Lecker Catering Das Produktmanager-Spiel - gebaut in Axure Vorstellung der Session-Ergebnisse Björn-Torge war wieder unser DJ Arbeit in der Pause? Sessionplanung Sessionplanung Übersicht der Sessions Sammlung der Session-Vorschläge Arbeit in der Session Arbeit in der Session Arbeit in der Session Session-Ergebnis Vorstellung der Session-Ergebnisse Produkt zu doof? - Fragt Christian Becker working products 2017

Alle Fotos ©Beata Lange

Let’s Talk Design Patterns – produktbezogen im Gespräch mit Laura Elizabeth

Wie startet man eine Pattern Library? Wie überzeugt man seine Organisation, sein Management beziehungsweise seine Kunden in den Aufbau einer Pattern Library zu investieren? Wie schafft man es, dass dann auch wirklich produktiv damit gearbeitet wird? Diesen Fragen ist die englische Designerin Laura Elizabeth zuletzt nachgegangen. Im Rahmen ihrer Forschungen hat sie auch ein Interview mit mir gemacht. Die Gelegenheit habe ich genutzt, den Spieß einmal umzudrehen und sie über die Ergebnisse ihrer Nachforschungen auszufragen. Viel Spaß beim Lesen.

 

Hey Laura, great to meet you. After you interviewing me about OTTO’s pattern library it’s my turn. First of all, please tell our readers a little bit about yourself.

Hey Wolf! Happy to return the favour, I hope my answers will be as helpful as yours were 🙂

I’m Laura Elizabeth and I’m a designer turned product creator. I’ve run a small design business for the past 5 years where I worked with companies to improve the design and UX of their websites.

I’ve recently launched my first product: Client Portal which is a simple dashboard for freelancers and agencies to use with their clients to keep them up to date with a project’s process and deliverables. I also run Design Academy which aims to teach developers how to design (in a non-pretentious way).

 

You had the opportunity to talk at the Smashing Conference San Francisco. That’s huge, congratulations! How was your experience?

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On Writing about Product

I’ve been writing about product management a little over a year now. Last week I was on stage talking about what I wished I knew before I got started. The audience was my company’s product community at our very first Xing Product Barcamp.

I put together a summary of my talk below. I share how I make writing work for me, what I learned from writing about product on Medium.com, and lastly why I believe writing is helping me become better at what I do.

The Craft

When I started writing in April 2016, I set myself the goal to publish a post every month. With every article I put out, I felt that I was improving my writing as well as my process around creating it.

Embracing disciplined creativity work

Today, I feel more comfortable writing articles. For my first posts I tried to write whenever and wherever I could. I squeezed sentences and paragraphs out of every spare minute I had. After some weeks, I had to accept that this was not working for me. I was coming up with words, but fell short of creating meaning.


My writing process. Credits to Inipagi Studio for the icon

As a result, I now stick to a process that helps me improve my output. Before even writing connected paragraphs, I sketch out a skeleton article with a rough storyline. When the skeleton makes sense to me, I start to write with my door closed. I am borrowing this term from Stephen King’s On Writing — one of the best books on the craft.

Your stuff starts out being just for you (…). Once you know what the story is and get it right — as right as you can, anyway — it belongs to anyone who wants to read it— Stephen King: On Writing

For my closed-door writing, I make sure to only start when I can have at least one distraction-free hour. I also stopped using my laptop and use a paper notebook instead for the first drafts. This allows me to work with my thoughts when they are fresh. Scratching words, adding them somewhere else, scribbling on the side — this is what pen and paper help me do and what I just cannot do on a keyboard.

Only when I am happy with my article, I am opening my door again for the review. Having someone proof read what you put together surfaces the obvious flaws and typos that you have become blind to. Be aware though: While the review is the best thing that can happen to your article, it is also a disaster for every aspiring writer’s self esteem.


My actual writing process. Credits to Inipagi Studio for the icon

My process helps me work more efficiently and improves the quality of my writing. Yet, what most pleased me is accepting that even with a process in place, writing is above all creative territory. And on said territory there is no set way to the finish line.

Especially with my product manager mindset, I was frustrated by this at the beginning. I was expecting to move forward whenever I was investing time. What happened was the opposite: I would decide to rearrange paragraphs for better readability, discover new angles after being almost done, think of a catchier introduction after revising it twice. Today, I stay open to new ideas and consider them vital stages on my way to a good article.

Less words, more clarity

To make sure my work is good to read, I adopted two guiding principles from Strunk & White’s The Elements of Style — another classic on writing well:

  • Omit Needless Words: I make cutting words and paragraphs a sport. Even when a post is finished, I still force myself to find some words I can remove. My texts benefit from short, easy to read sentences and reduced clutter.

A prime example for omitting needless words: Malcolm Forbes in “How to write a business letter”
  • Be specific, be bold: I want my writing to be to the point and specific. I put a focus on this as I saw the harmful effect the opposite had on my articles. The last time I had written longer texts was at university and this was still influencing my writing. I would trade understandability for fake eloquence. Sentences would read similar to this Strunk & White example: “a period of unfavorable weather set in”. A sentence more pretentious than informative. Today, I feel comfortable saying “it rained all day for a week” instead. Clarity trumps vagueness, even on a rainy day. The same goes for long sentences with endless sub clauses. They become difficult to read, so I break them into shorter sentences. I apply the same focus on clarity to the arguments that I make in my text, stating them as bold as possible to make sure I get my message across.

Luckily, you do not need to check for these two composition rules all by yourself. There are tools that help you with it. Hemmingway App highlights hard to understand text in your article with suggestions how to improve it. Grammarly checks your text for mistakes as you write and offers alternative suggestions.

The Medium

Next to my general learning on writing, I also gained experience around product related topics and publishing them on Medium.

Telling the story right is as important as telling the right story

My topics come from what I am surrounded by at work. For my writing, I still need to give them a different spin, so that the stories do not read like a presentation at the office. For this, I need to become less product manager and more like John Oliver.

In his late night show Last Week Tonight, the comedian is explaining complicated, sometimes even tedious, topics in brief 15 minute episodes. He does this in an easy to understand and entertaining way, managing to make the topics relevant to the audience.

For writing about product it is thus worth getting inspiration from the masters of entertainment. This includes:

  • An introduction that makes the audience stick around
  • A story that is relevant, to the point, and at least somewhat entertaining to the target audience
  • An ending that puts your piece to a grateful end.

While I look for inspiration outside the office world, I also try to block some habits from within the workplace to enter my writing:

  • Too many facts: For readability’s sake, less is more. I consciously omit facts and information, even though they could further strengthen my point. For the reader to understand what I am saying, one supporting example is as good as five. And sometimes even that one example can be removed.
  • The full picture: I let go of the fear of being called out for missing information and resist the urge to cover any potential hole in my argument. If people object in the comments, let them. Adding clarifying sentences, just to be on the safe side, makes the article long and complicated. Again, readability and simplicity trumps completeness for me here.

Know whom you are writing for

When you are writing about product, you are writing for a wide range of disciplines — Designers, Developers, Product Managers, Founders, and the list goes on.


The Product People Pyramid from the view of someone writing about product management

You might speak to one or many of those groups depending on your topic. I try to think about which groups I am addressing with my article before I start writing, and then shape and structure it accordingly.

We are all part of the global product community, still I noticed that product organization’s tend to speak “local slang”. There are certain words (grooming vs. refinement vs. estimation) and tools (Slack vs. Hipchat vs. Skype) that readers from the outside will not understand, or at least won’t feel as familiar with as you. This breaks rapport with the audience and can be prevented by using more universal terms.

Medium.com is where our product tribe goes to read

To reach our product community in the first place, I have found Medium.com to be a good publishing vehicle. The platform gives your articles an audience even if you do not have many direct followers.

What also made me chose Medium is the ease of publishing and the beautiful article layout. If I had needed to setup and manage my own blog, I probably wouldn’t have started in the first place.

Once I am done writing, I found the following exercises helpful for generating views to my articles:

  • Thinking in traffic channels: Visitors come to your article from many different sources and it is good to make your post visible in many of them. Being featured in a publication is the most effective way to increase visibility on Medium itself. Publications aggregate content around specific topics from Medium writers and have a large follower base. While publications have to contact you through Medium to include your post, I stopped being shy about reaching out proactively — so far this worked out well for me.
  • Cover Image: It is always worth the investment to prepare a cover image for your post. It draws attention to the post on Medium, but also when shared in social networks.
  • Read Ratio: If less than 34% of your readers finish your article (Medium gives you this number), think about revising your article; especially the introduction.
  • Headline Check: When you prepare your headline, ask yourself if you would click on it yourself. If you are unsure, it is worth a revision.

My Motivation

When I started to write, my motivation was to be more visible in the product community. This changed, and I learned that writing does much more for me. Today, I am motivated by what writing helps me achieve personally. I write to reflect, learn and grow as a PM. Writing articles becomes much more rewarding with this mindset. Even though I am thinking about how to best reach an audience, my articles do not need to be a whooping success for me to be happy with them.

Achieving personal growth

Writing helps me to make sense of the thoughts in my head. Thinking about a topic is a great way to reflect and helped me understand and learn form my experiences. For instance, I wrote about the inconvenient truth that all the digital products we create will soon be gone after a product that I created got shut down. Also, you will learn a whole lot more about the topics you chose to write about. In one of my earlier post, I applied the psychology of Flow to product experiences and got the chance to learn a lot more about the concept.

Further, publishing has become a way for me to make my work and efforts last. Even if the products I create are shut down and forgotten, I still have learned from it and it’s out there for everyone to see.

Every article is an opportunity to hone your skills

In the last year I improved my knowledge around language and communication significantly. It comes with no surprise to me that Ken Norton, product management mastermind and partner at Google Ventures, recommends Stephen King’s On Writing to every product manager. We communicate a lot at work. Learning from the masters helps us be better at it.

Over time, I also learned about image editing and design when I prepared graphics and header images for my posts. To be more flexible when it comes to creating visuals, I recently also picked up sketching. Learning about all these skills further motivates me to keep trying new things.

Get better at whatever it is you do

After a year, I see the benefits from writing more clearly and they are a strong motivation for me to keep going. Also, these benefits are not exclusive to product managers. Writing gives everyone the opportunity to reflect, learn and grow professionally. And from my experience, you do not need to be a good writer to get started. A Medium account, some discipline, and a copy of On Writing will do.


All I need to get started with a new article. Mind The Product sticker not required, but I’m sure it helps somehow.

Some more information:

Some people reached out to me for more information on the tools I use and the books I have read; Below you can find the handout of my talk with more information on this plus some more insights into my process and motivation.



On Writing about Product was originally published in ProductCoalition.com on Medium, where people are continuing the conversation by highlighting and responding to this story.

Der deutsche Maschinenbau und Usability – „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Usability und User Experience für digitale Consumer Produkte kann man inzwischen schon fast als alten Hut bezeichnen. Nicht erst seit Apple mit seinen durchdachten Lösungen gezeigt hat, was gute Usability und eine begeisternde User Experience ausmachen, ist das Thema in aller Munde. So ist es längst Usus, dass beispielsweise bei Onlineshops ganze Teams von Designern und Usability Experten das Shoppingerlebnis der Kunden optimieren. So wird gezielt an der Conversion-Rate-Schraube gedreht und damit der Umsatz und Erfolg des Shops direkt beeinflusst.

Doch wie wird das Thema in der deutschen Industrie gesehen? Für wie wichtig halten Maschinenhersteller die Usability ihrer digitalen Steuerungen? Legen sie Wert darauf, dass ihre Maschinen zum Schleifen, Bohren, Schweißen, Füllen und Messen von Werkstoffen intuitiv benutzbar sind oder sogar mit einem besonderen Nutzungserlebnis begeistern?

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Therapeutisches Videospiel „Memore“ in der Produktreiferei

Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert :-)

Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert.

In der Produktreiferei testen wir innovative Startup-Produkte. Diesmal haben wir die therapeutische Videospielkonsole MemoreBox mit drei 70+ Probanden über drei Stunden getestet und spannende User Insights gesammelt!

Gaming mal anders!

Am 11. Mai haben wir die therapeutische Videospielkonsole MemoreBox getestet. Memore wird vom Social Startup RetroBrain entwickelt und wurde speziell für Senioren konzipiert. Über die gestenbasierte Steuerung mit einer Microsoft Kinect werden am TV mit verschiedenen Spielen Gleichgewichtssinn und Beweglichkeit trainiert – das mussten wir unbedingt testen! Also haben wir drei Nutzer im Alter von 70+ eingeladen, vor einen großen Fernseher gestellt und dann einfach mal geschaut, was passiert. Fazit: Unsere Probanden haben sich generell gut in den einzelnen Spielen zurechtgefunden. Bei der Navigation durch das Menü haperte es an einigen Stellen, aber der Spaßfaktor stimmte auf jeden Fall! Können wir auch so bestätigen. Wir waren selbst neugierig und haben Memore ausprobiert :-)

Testbeobachtung

Trotz des guten Wetters am Testtag kamen zahlreiche Produktreifer zur Testbeobachtung. Während wir den Probanden beim Spielen von Memore zuschauten, hielten wir die beobachteten Reaktionen und Probleme direkt auf Post-Its fest.

Nach jedem Test wurden die zahlreichen Notizen auf unserer über 20m² großen Whiteboardwand gesammelt. So füllte sich der Raum schnell mit vielen bunten Post-Ist. Testauswertung

Nach den Nutzertests haben wir die Post-Ist gemeinsam sortiert und zu Clustern zusammengefasst. So zeigte sich schnell, an welchen Stellen es Nutzungsprobleme gab. Zusammen mit RetroBrain haben wir mögliche Optimierungsansätze für das Interface und die Gestensteuerung erarbeitet und diskutiert und den Abend dann gemütlich bei einem Bierchen ausklingen lassen. Unser Learning: Gesten, bei denen der Nutzer die Arme oder Beine heben muss, sind vollkommen neu und ungewohnt. In diesem Feld Interaktionen zu gestalten ist echt nicht so einfach. ;-)

PostIts

Was tun wir in der Produktreiferei?

Startup-Produkte aller Art werden in der Produktreiferei mit der Nutzerzielgruppe auf ihre User Experience und Usability getestet. Zu jedem Termin gibt es von uns ein kostenfreies Mini-UX-Testing für ein Startup. Über unser Meetup laden wir euch zum Mitmachen ein. Ihr könnt die Nutzertests gemeinsam mit uns beobachten, lernen, wie UX-Tests funktionieren und dabei helfen, die Produktideen zu verbessern. Genaueres könnt ihr hier nachlesen.

Du hast eine Produkt-Idee, die getestet werden soll? Schreib uns: https://www.eparo.de/produktreiferei

20 Konferenz-Tipps für Produktmanager, Designer und UX-Experten

Ihr kennt das Gefühl: kaum sind die Luftschlangen von Silvester weggeräumt, ist auch irgendwie der erste Monat des Jahres vorbei und die Jahresplanung schon fast komplett mit Terminen und Urlauben geblockt. So langsam wird es also Zeit, sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Konferenzen denn in diesem Jahr einen Besuch wert sind. Soll es wieder ein altbekannter Klassiker sein oder doch mal etwas Neues?

Darum haben wir weder Zeit noch Mühen gescheut und euch wie 2015 und 2016 wieder unseren ganz besonderen Konferenz-Ausblick zusammen gestellt. Unser Ziel ist dabei jedes Mal nicht die längste Konferenzliste des Netzes (wie man sie auf Flipboard oder bei den Kollegen vom Smashing Magazine findet), sondern eine Zusammenstellung von ganz persönlichen Konferenzfavoriten der UX- und Produkt-Szene. Dafür haben wir viele schlaue Köpfe aus unserem Netzwerk nach ihren Lieblingsevents, nach neu entdeckten Konferenz-Perlen oder Terminen auf die sie sich besonders freuen gefragt.

Die Resonanz war auch in diesem Jahr wieder groß und ihr könnt euch freuen, nachfolgend die persönlichen Empfehlungen von 22 Produkt- und UX-Experten zu insgesamt 20 sehenswerten Konferenzen zu lesen. Mit dabei sind viele neue Perlen aber auch Dauerbrenner wie „The Conference“, die bisher in jedem Jahr empfohlen wurde (vielleicht sollte man da wirklich mal hin). Viel Spaß beim Entdecken:

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Let’s Talk Design Patterns – produktbezogen im Gespräch mit Peter Boersma

Wie ihr sicher aus meiner Artikelserie Bauanleitung für eine Pattern Library wisst, beschäftige ich mich ausgiebig mit dem Thema Pattern Libraries, Design Systems und Styleguides. In diesem Rahmen treffe ich auch immer wieder auf interessante Experten. Einer dieser Experten ist Peter Boersma, der vielen aus der Szene sicher von der ein oder anderen Konferenz bekannt ist. Peter beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Thema (long before it was cool) und ich freue mich, dass Peter die Zeit für ein Interview gefunden hat.

Lest nachfolgend über seine Erfahrungen zum Einsatz von Patterns im Unternehmens- und im Agenturkontext, was er von den unterschiedlichen Bezeichnungen von Styleguide bis Design System hält, wie man Management und Kunden vom Mehrwert überzeugt und einiges mehr.

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Wir brauchen die Konterrevolution! Time well spent

Mich beschleicht ein ungutes Gefühl: das Übermanipulations-Unbehagen

Es ist der 12.09.2014. Ich sitze im Auditorium der MTP Konferenz in London und folge dem Vortrag von Nir Eyal zum Thema „Building habit-forming products“.

Nir spricht darüber, dass die meisten Aktionen, die wir tagsüber ausführen, von Gewohnheiten getrieben sind und damit ganz unbewusst ablaufen. Und er spricht darüber, wie man Produkte so gestaltet, dass sie die Nutzer auf eben genau dieser Ebene ansprechen. Sein prominentes Beispiel dafür sind die kleinen Bubbles, die an unseren Apps aufpoppen und sagen „Hey! Hier gibt es heiße News für dich!“. Und er spricht darüber, warum wir diesen Triggern so schlecht wiederstehen können.

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Der World Usability Day durch die „Nutzerbrille“ eines Außenstehenden

Redaktion: Beate Winter

Vor einer Woche fand der World Usability Day (WUD) auch wieder in Hamburg statt. 400 Teilnehmer waren in diesem Jahr auf dem Campus der HAW Hamburg. Ein neuer Rekord. Diesjähriger Schwerpunkt: Sustainable (green) User Experience. Was ist denn eigentlich Sustainable oder Green UX? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Auch von Experten. Antworten erwarteten wir von der German UPA und haben Vertreter des Berufsverbandes eingeladen. Außerdem sollten natürlich Vorträge und Workshops, Diskussionen und Gespräche während der Konferenz zur Klärung beitragen. Erstmals haben wir auch einen Journalisten und Texter eingespannt. Bewusst haben wir jemanden ausgesucht, der nicht aus „der UX- Szene“ kommt. Eine Reportage von Torsten Sannwald über den Tag, der die Welt verbessern soll.

Neues für Nutzer

Das Forum der Ideen auf dem World Usability Day 2016 in Hamburg

WUD 2016 Hamburg, Julian Mengel

CO2 arme Websites? Stellen wir uns vor, das Internet sei ein Land. Dann wäre es in puncto Stromverbrauch das sechstgrößte Land der Erde. In seinem Vortrag (Vortragsfolien) rechnet der studierte Biologe Julian Mengel vor, dass durch lange Ladezeiten und riesige Bilddatenflut weltweit Millionen Tonnen an CO2 in die Atmosphäre geblasen werden. Die Lösung zur Minimierung kostet weder Geld noch Aufwand. Bei der Erstellung von Websites einfach Bilder komprimieren und auf das Performance Budget achten – bei mobiler Nutzung zum Beispiel eine Ladezeit von maximal drei Sekunden. Auf diese Weise konnte etwa bei einem großen deutschen Webservice die Ausstoßlast um zwei Drittel reduziert werden.

Ein erstes Aha-Erlebnis. Denn das leuchtet selbst dem ein, der sich unter Usability oder User Experience nur schemenhaft – unter Sustainable User Experience überhaupt und rein gar nichts vorstellen konnte. Denn meine Digital-Affinität beginnt bei Emails und hört bei Spiegel Online und car2go auch schon auf. Gleich bei der Einladung zum WUD wies ich ausdrücklich auf mangelnde Kenntnisse hin, jedoch wies man mich daraufhin genauso ausdrücklich darauf hin, dass dieser Umstand nicht schlimm – sondern es im Gegenteil ganz interessant sei, mal zu lesen, wie der WUD auf jemand wirke, dessen Kernkompetenz – um es vorsichtig auszudrücken – nicht gerade im Digital Business liegt.

WUD 2016 Hamburg WUD 2016 Hamburg WUD 2016 Hamburg

 

Abgesehen von mir sind die restlichen der rund 400 Besucher aber schon alle mehr oder weniger vom Fach. Viele sind hier, die sich austauschen und inspirieren möchten, wie der Art Director, dessen Kollegen in der Agentur Jobs immer nur standardmäßig abarbeiten – es sei denn, es kommen veränderte Vorgaben vom Chef oder vom Kunden selbst. Eigeninitiative und Kreativität? – Fehlanzeige. Oder der Creative Director, der hier nach talentiertem Nachwuchs sucht. Oder die zwei Interaction Designerinnen, die mit spezifischen fachlichen Fragen kollegiale Unterstützung erhoffen. Oder der Manager aus dem Führungsteam eines schweizerischen Wasserversorgers, der hier bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsapplikationen wertvolle Impulse mitnehmen möchte.

WUD 2016 Hamburg, Christoph Buckler

Dass Sustainable (green) UX neben der technischen vor allem auch über eine gesellschaftliche Dimension verfügt, erörtert Christoph Buckler in seinem Vortrag „Designprinzipien für Green UX“ (Vortragsfolien). Darin geht er auf die besondere Verantwortung von Designern und Entwicklern ein. Er beschreibt Möglichkeiten zur Einflussnahme auf umfassendere Problemlösungen, die sich nicht nur auf die Optimierung der Performance beschränkt – sondern sich auf den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Recycling eines Produktes erstreckt.

WUD 2016 Hamburg

In „Digitale Communities für ländliche Regionen“ (Vortragsfolien) wird’s amüsant. In Wort und Bild beschreibt Steffen Hess, Fachvorstand von German UPA, Stolpersteine, die zwischen Konzeption und nutzertauglicher Umsetzung einer digitalen Packstation liegen können. Das Projekt im Rahmen der »Digitalen Dörfer« vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, zeigt, wie Mobilität und Logistik mit intelligenter Technologie verzahnt werden kann, sodass für Bevölkerung und Unternehmen ein Mehrwert entsteht.

WUD 2016 Hamburg WUD 2016 Hamburg WUD 2016 Hamburg

 

In der Mittagspause plaudere ich am Stand von Ratio Drink, einem Kooperationspartner des WUD. Deren „Konferenzflasche“ ist eine weitere Interpretation zum Thema Usability. Das Produkt wird hauptsächlich von Gastronomie und Cateringfirmen bei Veranstaltungen eingesetzt. Es besteht aus einer Glasflasche, die der Besucher mit seinem Namen beschriftet und während der gesamten Veranstaltung behält und wiederverwenden kann. An einer Auffüllstation stehen Container mit Bio-Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit, die einfach mit Wasser angerührt werden. Und so wird mit diesem Konzept der Konsument – schwuppdiwupp – selbst zum Getränkeproduzenten.

Lego Serious Play Workshop Lego Serious Play Workshop

(Fotos Lego Serious Play Workshop: © O. Lorenzen-Schmidt)

Tausende von Legosteinen warten am Nachmittag gespannt darauf, was aus ihnen wird. Eine möglichst lange, möglichst stabile und möglichst schöne Brücke; die Materialisierung eines persönlichen Wunsches; oder der Ausdruck dessen, was man selbst unter Sustainable UX versteht – so lauten die Aufgaben beim Lego Serious Play Workshop von Irene Schuler. Auf abstrakte Aufgaben hin werden alleine oder in der Gruppe Ideen erarbeitet, bei denen sich die Entwicklung der Lösung aus der Visualisierung ergibt – Kreativität aus dem Zusammenspiel von Kopf-Bewusstsein und Unterbewusstsein, dass seinen Ausdruck über die Hände findet. Am Tag eins nach der Wahl eines Präsidenten, der die Zukunft mit den Rezepten von gestern zu gestalten verspricht, ist das ein moderner Konzeptansatz mit ungleich mehr Potenzial.

Damit findet ein inspirierender Tag seinen leichten, erlebnisreichen und unterhaltsamen Ausklang. Fazit: als einer, der noch aus der guten alten Zeit der Print-Werbung kommt, in der es darum ging, meist Unnützes möglichst geländegängig an den Konsumenten zu bringen, habe ich beim WUD erfahren, dass User Experience oder Usability organischer Bestandteil einer erweiterten Form von Kommunikation ist. Einer Kommunikation, die dem Konsumenten natürlich auch etwas verkaufen will, ja – aber darüber hinaus den Anspruch hat, an einem positiven gesellschaftlichen Wandel mitzuarbeiten.

Reclaim your Research!

Photo von Pascal auf flickr unter CC Lizenz

Auf dem Weg von der Idee zum fertigen Produkt müssen Produktmanager viele Fragen beantworten. Research ist deshalb ein wichtiger Teil des Produktentwicklungsprozesses.

Während Research in späteren Phasen des Entwicklungsprozesses (z.B. Lab- und multivariate Tests) heutzutage fest in das Repertoire eines jeden Produktmanagers gehört, sieht es mit dem Frühphasen-Research weiter vorne im Prozess noch ganz anders aus.

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