Kategorie-Archiv: Home-Office

Coworking auf dem Land – Landleben und (neue) Landarbeit nach menschlichem Maßstab

Es gibt viele gute Gründe einen „geteilten Schreibtisch“ in Klein-, Mittelstädten und in Dörfern anzubieten. Coworking Spaces auf dem Land sind keine Vision mehr, sie sind Realität: In Schleswig-Holstein, Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und vielen weiteren Regionen Deutschlands, Europas und weltweit.

Dazu beigetragen haben die positiven Effekte von Coworking-Spaces auf dem Land für Wissensarbeiter/-innen („Büromenschen“) die auf dem Land leben (wollen), für die Gemeinschaft auf dem Land und für die Gesellschaft als Ganzes.

Viele gute Gründe für Coworking auf dem Land

Der wohl entscheidende Grund für den besonderen Wert von geteilten Schreibtischen in unseren Regionen liegt in der Wiederherstellung von Nähe: Nähe zwischen dem Wohn- und Arbeitsort.

„In Zeiten der Digitalisierung ist es verrückt, dass die Menschen immer noch wie in den 1950er Jahren jeden Tag in die Büros der Städte zum Arbeiten eilen – die Arbeit kann heute zum Menschen kommen.“
Ulrich Bähr, Vorstand der CoWorkLand Genossenschaft.

Die funktionale Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsort ist geschichtlich betrachtet vollkommen untypisch für die Menschheit. Sie entstand erst im Zeitalter der Industrialisierung. Damals hatte sie auch ihre Berechtigung. Für die stetig steigende Schar von Wissensarbeitern/-innen („Büromenschen“) hat Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort jedoch deutlich mehr Vorteile.

Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer/-innen in Deutschland pendeln 5 von 7 Tagen zwischen ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sie legen zum Teil sehr weite Strecken zurück, erleben Stress, verlieren wertvolle Zeit für ihr Familienleben, für Freunde, den Austausch mit Nachbarn oder Zeit zum Erholen. Zugleich tragen sie zu einer großen Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen bei. Letzteres ganz sicher in den meisten Fällen nicht gewollt.

Pendelzeiten reduzieren – das ist der wichtigste Nutzen von Coworking-Spaces auf dem Land. Es ist jedoch nicht der einzige. Geteilte Schreibtische auf dem Land leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen im ländlichen Raum indem sie …

  • „Büromenschen“ in der Region halten,
  • Stadt- und Ortskerne (wieder-)beleben,
  • Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Leben in einer Gemeinschaft verbessern,
  • eine Kultur des Teilens und Helfens befördern (wiederbeleben),
  • Menschen unterschiedlicher Professionen (Wissensarbeiter/-innen, Handwerker/-innen, Landwirte/-innen) vernetzen und auf diese Weise die Entstehung von Innovationen, Unternehmen und neuen Geschäftsmodellen fördern,
  • leerstehenden Gebäuden neues Leben „einhauchen“ und somit Werte erhalten
  • und den Lebensort Dorf für junge, hochqualifizierte Menschen attraktiver machen, so dass jene sich leichter tun mit einem Wohnortwechsel „von der Stadt aufs Land“.

Coworking Spaces auf dem Land schaffen, das sollte deutlich geworden sein, volkswirtschaftliche Werte von bedeutendem Ausmaß. Gleichzeitig, und das ist leider auch (noch) Realität, sind Coworking-Spaces auf dem Land betriebswirtschaftlich betrachtet kein Erfolgsmodell aus sich selbst heraus.

Es braucht Zeit, eine lange Anlaufphase, Durchhaltevermögen und intelligente Förderung(en) durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jene Förderung ist, ob der aufgezeigten volkswirtschaftlichen Effekte, jedoch ein sehr lohnendes Investment.

Erfolgsfaktoren von Coworking-Spaces auf dem Land

Unsere Regionen haben, im Vergleich zu unseren Metropolen, viele, zum Teil seit Jahren leerstehende Gebäude. Das ist eine gute Grundlage, um geeignete Räumlichkeiten für einen Coworking-Spaces zu finden. Gründer/-innen von ländlichen Spaces benötigen in der Startphase daher vor allem Personal- und Betriebskostenzuschüsse. Nur so lassen sich Menschen finden die das Risiko einer Coworking-Space Gründung auf dem Land eingehen.

Eine Gemeinschaft die den Wert von geteilten Schreibtischen kennt und für sich erschließen will, ist ein weiterer, wesentlicher Erfolgsfaktor. Coworking-Spaces auf dem Land können nur dann dauerhaft überleben, wenn es von Anfang an eine Handvoll interessierter und aktiver Coworker/-innen gibt.

Ist diese Gemeinschaft (noch) nicht vorhanden, dann ist das Wagnis einer Spacegründung groß. Um dennoch die Machbarkeit abschätzen zu können, bietet sich ein experimentelles Coworking auf Zeit an. Derartiges bietet die CoWorkLand Genossenschaft. Sie stellt mobile Coworking-Spaces für 4-8 Wochen zur Verfügung. Jene sind so konstruiert, dass sie an nahezu jedem Ort mit guter Web-Anbindung aufgestellt werden können: Am Strand, auf Marktplätzen, an Bahnhöfen oder auf Bauernhöfen.

Unter dem Motto „Angebot schafft Nachfrage“ (in Anlehnung an Norbert Blüm), laden die mobilen PopUp-Coworking-Boxen der CoWorkLand Genossenschaft Bürger/-innen dazu ein Coworking auszuprobieren, erst einmal zu erleben.

Im Gespräch mit interessierten Menschen vor Ort, die von der Box angezogen werden und einige Zeit darin verbringen, können potentielle Space-Gründer/-innen Potentiale erkennen und ihr Gründungsrisiko besser abschätzen. Jener Ansatz ist einer Machbarkeitsstudie per Befragung hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Gültigkeit gewonnener Erkenntnisse weit überlegen.

Menschen-zentriertes Space-Design

Ist die Startphase gesichert, sind Zuschüsse, Zuversicht und eine Gemeinschaft vor Ort vorhanden, dann gilt es die Räumlichkeiten einladend zu gestalten.

Dabei muss keineswegs ein Raumkonzept umgesetzt werden, welches es mit den Coworking-Spaces in Berlin, Hamburg, München oder Düsseldorf aufnehmen kann.

Lounge-Bereiche, ein Marktplatz mit einer Cafeteria, Still-Arbeit in einer Bibliothek, Wellbeing-Oasen mit Bällebad und Hängematten, Kicker, Trampoline und Workspace-/ Prototyping-Räume werden ganz sicher auch bei Coworker/-innen auf dem Land gut ankommen. Keine Frage. Ein derartiges Space-Design ist aber sehr teuer in der Umsetzung, im Betrieb und führt folglich zu hohen Kosten für Coworker/-innen. Da deren Zahlungsbereitschaft bei weitem nicht so hoch ist wie von Coworker/-innen in einer Metropole, sollte die Absicht einen High-End Coworking-Space zu gestalten schnell aufgegeben werden.

Viel wichtiger ist die ernsthafte Absicht einen menschen-zentrierten Gestaltungsansatz umzusetzen. Genauer gesagt: Einen Coworker/-innen-zentrierten Ansatz.

Ein Space auf dem Land wird vor allem dann eine dauerhaft erfolgreiche Angelegenheit, wenn dessen Betreiber die vorhandenen Räumlichkeiten gemeinsam mit den Coworkern/-innen der ersten Stunde gestalten. Ihre Erfordernisse und Wünsche sollten die Grundlage sowohl für die Erstausstattung und -gestaltung als auch eine stetige, gemeinsam Reflektion und Optimierung darstellen.

Ganz im Sinne des bewährten User Experience Mindset:
Design für positive Coworker/-innen Experience gelingt nur unter Einbeziehung der Coworker/-innen !

Mit jenem Mindset ausgestattet, wird ganz schnell deutlich, dass ein Coworking-Space auf dem Land nicht zu einem zweiten zu Hause für die Coworker/-innen werden muss. Dass Wohlfühl- und Wellbeing-Oasen nett aber nicht unbedingt nötig sind, und dass Parklätze direkt vor der Tür für viele Coworker/-innen auf dem Land wichtiger sind wie ein vielfältiges gastronomische Angebot in der Nähe des Spaces.

Was aber auch in einem Coworking-Space auf dem Land auf keinen Fall fehlen darf sind …

  • eine stabile und schnelle Netzanbindung,
  • gut ausgestattete Besprechungs- und Workshopräume,
  • ein großer Raum in dem Coworker/-innen zusammenarbeiten und sich austauschen können (Dialog-Space),
  • Stillarbeitsplätze / -möglichkeiten,
  • eine Kaffeeküche mit Sitzgelegenheiten, bestenfalls an einem großen Tisch und
  • guter Kaffee.

Dies sind die zentralen Basis-(Erfolgs-)faktoren eines jeden Coworking-Spaces, egal ob in Berlin oder auf Eiderstedt.

Förderer aus Politik & Wirtschaft

Bereits an dieser Stelle sollte deutlich geworden sein, dass es nahezu unmöglich ist einen Coworking Space auf dem Land nebenbei zu betreiben. Es braucht ehrlichen Willen einen positiven Beitrag für die Zukunft der Region zu leisten, ausgeprägte Handlungsorientierung, gepaart mit großem Durchhaltevermögen. Und selbst dann, wenn all dies vorhanden ist, braucht es zwingend geeignete Förderprogramme, die speziell abgestellt sind auf die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Die Politik muss sowohl auf kommunaler als auch auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene einen Beitrag leisten, um Coworking Spaces auf dem Land dauerhaft am Leben zu halten. Erste Schritte und Maßnahmen sind dazu bereits getan bzw. auf den Weg gebracht. Jene sind hilfreich aber bei weitem noch nicht ausreichend.

Die EU und die Bundesregierung sollten „Schreibtische auf dem Land“ durch ein Recht auf mobiles Arbeiten fördern. Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen, die mit der festen Überzeugung geschaffen wurden, dass Arbeitnehmer/-innen die für ihre Arbeiten geeigneten Arbeitsorte am allerbesten selbst auswählen können. Damit einhergehend muss die Arbeitsort-Kompetenz von Arbeitgebern, Unternehmern und Arbeitnehmern gestärkt werden. Es braucht Wissen, Weiterbildungs- und Aufklärungsmaßnahmen in Sachen mobiles, virtuelles und selbstbestimmtes Arbeiten.

Ulrich BährVorstand der CoWorkLand Genossenschaft und Projektleiter  Digitalisierung / ländliche Räume der Heinrich-Böll Stiftung – fordert ergänzend eine Coworking-Pauschale. Seine Argumentation pro Coworking-Pauschale ist nachvollziehbar: Pendler können heute ihre Kosten für den Weg zur Arbeit und zurück von der Steuer absetzen. Hört man auf zu Pendeln und arbeitet wo man lebt, dann müssen die Kosten für einen Schreibtisch selbst getragen werden. Umweltschädliches Verhalten wird heute also belohnt, während ressourceneffizientes und zugleich familien-/ gemeinschaftsfreundliches Verhalten bestraft wird. Ich finde, das sollte sich schnellstmöglich ändern!

Die Bundesregierung muss zudem die bestehende Homeoffice-Regelung dahingehend anpassen, dass auch nicht Hauptarbeitsorte und deren Nutzung steuerlich anrechenbar sind. Und schließlich braucht es Förderprogramme, welche die Personal- und Betriebskosten von Coworking-Spaces auf dem Land bezuschussen, in den ersten 2 Jahre bestenfalls zu 100%.

Auch die Politik vor Ort, in den Gemeinden, Ämtern und Kommunen, und regionale Unternehmen können wesentliche Beiträge zum Erfolg von Coworking-Spaces in der Region leisten. Sie könnten beispielsweise ihre Veranstaltungen, Weiterbildungen, Schulungen und Trainings bewusst im Coworking-Space durchführen, und damit sowohl den Betrieb des Spaces mitfinanzieren als auch Werbung für das Thema Coworking betreiben.

Unternehmen, kommunale Ämter und Behörden könnten ihren Mitarbeitern/-innen die Möglichkeit einräumen einige Arbeitstage pro Monat im Space zu arbeiten – mit all den daraus sich ergebenden positiven Effekten: Neue Sichtweisen, Impulse und Ideen durch den Austausch mit Coworkern/-innen, Wissenstransfer und Wissensaufbau.

Damit dies geschieht, braucht es vor Ort eine liberale und zugleich umweltbewusste Wertehaltung. Ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor für Coworking-Spaces auf dem Land – den es vor der Gründung eines Spaces unbedingt auch zu prüfen gilt.

Volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich erfolgreich – das geht nur in einer starken Gemeinschaft!

Die eingangs genannten guten Gründe für Coworking-Spaces auf dem Land haben derart positive volkswirtschaftliche Effekte, dass sich alle Arten von zuvor geforderten Förderungen schnell amortisieren und zusätzliche Werte geschaffen werden.

Gründer/-innen von Coworking-Spaces wollen und müssen jedoch auch betriebswirtschaftlich erfolgreich sein. Das eint sie mit allen Gründern, und das ist auch wichtig, um dauerhaft motiviert zu bleiben.

Betriebswirtschaftlicher Erfolg wird sich nach einer geförderten Startphase von 1-2 Jahren vor allen dann einstellen, wenn es gelingt den Space auf spezifische Zielgruppen und deren Erfordernisse auszurichten. Hilfreich sind zudem ergänzende Serviceangebote, über die der Space-Betreiber zusätzliche Einnahmen generieren kann.

Welcher Weg für betriebswirtschaftlichen Erfolg der richtige ist, das sollten die meisten Spacebetreiber/-innen innerhalb von 1-2 Jahren recht gut erkennen können. Er wird sich ausgehend von der Art der bis dahin gewonnenen Coworker/-innen abzeichnen:

  • Sind es Pendler, die den Space 1-2 Tage pro Woche nutzen?
  • Liegt der Fokus auf Freiberuflern/-innen?
  • Gelingt es junge Unternehmen anzuziehen?
  • Welche Professionen sind im Space anzutreffen?
  • Welche privaten und familiären Gemeinsamkeiten haben die Coworker/-innen?
  • Kommen die Coworker/-innen überwiegend aus der Region?
  • Gelingt es Menschen und Unternehmen aus den Metropolen bzw. Großstädten für einen temporären Schreibtisch auf dem Land zu gewinnen?

Jene Fragen zeigen schon auf, wie vielfältig die Möglichkeiten einer grundlegenden Ausrichtung eines Coworking-Space sind: Pendlerspace, Workation oder Retreat? Sie zeigen zudem auf, welche unterschiedlichen Zielgruppenfokussierungen denkbar sind: Coworking-Spaces für Frauen, Menschen mit Kindern, für Schüler/-innen, Designer/-innen oder Handwerker/-innen?

Die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen sind eine wertvolle Grundlage für eine fokussierte und bedarfsorientierte Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung für einen Space.

Die Fokussierung auf die Zielgruppe der Pendler bietet sich an, wenn eine Großstadt in 40-60 Kilometern Entfernung liegt. Jener Standortfaktor trägt ganz wesentlich dazu bei Pendler als Coworker/-innen zu gewinnen. Sie und auch ihre Unternehmen sind zudem vertraut mit dem Thema Coworking, müssen daher nicht erst aufgeklärt werden. Zudem gelingt es Coworking-Spaces innerhalb von Speckgürteln Unternehmen aus der angrenzenden Großstadt für Veranstaltungen, Events und Seminare / Workshops zu gewinnen; ebenso für die Möglichkeit Projektteams ein temporäres Arbeiten in neuer Umgebung zu ermöglichen.

Ist dieser Standortvorteil nicht vorhanden, dann kann ein Erfolgsweg in der Kombination von Unterkunft (Ferienwohnung, Hotel) und Coworking-Space liegen. Zielgruppe sind Menschen die für eine begrenzte Zeit an einem anderen Ort, einem Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit arbeiten und leben wollen. Sie erhoffen sich Ideen und Impulse durch einen Wechsel des Arbeitsortes: Weg aus der (vertrauten) Umgebung einer Stadt, raus aufs Land, raus in die Natur.

Stellt man als Spacebetreiber/-in nach 1-2 Jahren fest, dass es besonders gut gelingt Coworker/-innen einer speziellen Profession zu gewinnen, so können auf jene ausgerichtete Services eine gute Grundlage für Zusatzeinnahmen darstellen. Beispielsweise in Form von Vertriebs- und Marketingberatung, sowie Ausschreibungsmanagement für Handwerker/-innen.

Wie auch immer der Erfolgsweg ausschauen wird, er wird sich leichter finden und gehen, wenn sich Coworking-Spacebetreiber/-innen aus unterschiedlichen Regionen regelmäßig treffen, austauschen und auf diese Weise kollegial beraten.

Die CoWorkLand Genossenschaft bietet eine derartige Austauschplattform. Und darüber hinaus noch viele weitere Services für die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Das Ziel der Genossenschaft ist es, ihre Mitglieder sowohl bei der Gründung als auch im Betrieb von Coworking-Spaces auf vielen Ebenen zu unterstützen und ihren Kunden/-innen, den Coworkern, die Möglichkeit zu bieten an möglichst vielen Orten im ländlichen Raum unkompliziert zu arbeiten.

Neben dem Erfahrungsaustausch qualifiziert und berät die Genossenschaft ihre Mitglieder und unterstützt sie durch überregionales Marketing, eine Buchungs- und Abrechnungsplattform und gemeinschaftlichen Einkauf. Sie fördert zugleich einheitliche Qualitätsstandards und bietet Beratung bei der Auswahl geeigneter Förderprogramme.

Viele gute Gründe sich dieser oder vergleichbaren Gemeinschaften, wie beispielsweise dem VillageOffice in der Schweiz, anzuschließen.

Sie wollen loslegen? Wollen Arbeiten und Leben besser vereinbaren und einen Space in Ihrem Dorf aufbauen?

Dann legen Sie los und wagen Sie es. Die Zeit ist gekommen für Arbeiten und Leben auf dem Land!

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne unterstütze ich Sie bei den ersten Schritten mit Rat, Impulsen und nützlichen Tipps.

Sprechen Sie mich an.

Ich bin gerne für Sie da und möchte so einen Beitrag für viele erfolgreiche Coworking-Spaces auf dem Land leisten.

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„Freitags arbeite ich im Coworking Space!“ – Über den besonderen Reiz des 3. Arbeitsortes

Immer mehr Mitarbeiter/-innen wollen Familien- und Arbeitsleben besser miteinander vereinbaren. Das gilt für Mitarbeiter/-innen aus allen Generationen – vom Baby-Boomer bis zur Generation „Why“. Sie wollen Zeit mit ihren heranwachsenden Kindern verbringen, Zeit haben für gemeinsame Erlebnisse mit der Familie oder – immer öfter wird aus dem „oder“ gar ein „oder/und (!)“ – ihre Eltern pflegen.

Erfolgreiche Unternehmen reagieren auf diese Erkenntnis mit der Einführung von Home-Office Tagen. Mitarbeiter/-innen können, je nach Branche und Unternehmen, 1-2 Tage pro Monat von zu Hause arbeiten. In Unternehmen aus der Digital und UX-Design Branche ist die Arbeit von zu Hause aus problemlos möglich – so dass in diesen Branchen oft 1-2 Home-Office Tage pro Woche geboten werden (Als UX Professional zu Hause arbeiten: Das macht glücklich und produktiv!).

Die Einführung der Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu können ist in Bezug auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben besonders wirksam.

Der 2. Arbeitsort: Arbeiten im Home-Office

Viele Unternehmen erkennen den Bedarf an Home-Office Tagen wenn Mitarbeiter/-innen erstmals aus einer Elternzeit zurückkommen. Mitarbeiterorientierte Unternehmen reagieren in solchen Situationen auf vielfältige Weise: Sie bieten die Möglichkeit zum Arbeiten von zu Hause und passen Stellenbeschreibungen, sowie Aufgabenbereiche an. Sie strukturieren Prozesse um, bieten Weiterbildungen auch in Form von Webinaren, statten ihre Mitarbeiter/-innen mit mobilen Arbeitsgeräten aus, implementieren Tools & Werkzeuge für virtuelle Teamarbeit, geben Tipps für das Arbeiten von zu Hause und bieten ihren Mitarbeitern/-innen unterschiedliche Teilzeitmodelle: Von 3-5 Tage Woche, von 10-40 Arbeitsstunden pro Woche.

In solchen Unternehmen nutzen von der Geschäftsführung, über die Back-Office Mitarbeiter/-innen bis zu den Auszubildenden alle das Angebot Home-Office Tage zu nehmen.

Der 3. Ort: Arbeiten in Coworking Spaces

Die Möglichkeit als Angestellte/-r ab und an auch in einem Coworking Space zu arbeiten hat einen besonderen Reiz. Dieser 3. Arbeitsort wird von Unternehmen oft ergänzend angeboten, wenn zuvor die Möglichkeit geboten wurde 3, 4 oder gar 5 Tage pro Woche von zu Hause zu arbeiten. Der Coworking Space als 3. Ort soll der Gefahr einer sozialen Isolation entgegenwirken.

Coworking Spaces bieten, neben Gemeinschaft & Austausch, noch viele weitere Vorteile. Vorteile die gerade für Unternehmen aus der Digital und UX-Design Branche von besonderem Wert sind: Coworking Spaces sind ein nährstoffreicher Boden auf dem Ideen und Innovationen wunderbar gedeihen.

Coworking Spaces sind Nährböden für Ideen

Die grundlegenden, konstitutiven Coworking-Werte:

  • Offenheit
  • Zugänglichkeit,
  • Kollaboration und
  • Gemeinschaft

stellen Werte dar, die für die Generierung von Ideen äußerst hilfreich sind.

Ideen, „am Puls der Zeit“ zu sein und Innovationen als erster einzuführen, das sind gerade in der Digital und UX-Design Branche zentrale Erfolgsfaktoren für Unternehmen.

In Coworking Spaces finden Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen, Fertigkeiten, Berufen und Berufungen zueinander. Diese Diversität, gepaart mit Räumlichkeiten die Kommunikation untereinander fördern (Küche, Cafeteria, Gesprächsinseln, Sofaecken), tragen zu einer inspirierenden (Arbeits-)Atmosphäre bei (Was genau ist eigentlich Coworking?).

Der Nährboden für Ideen wird auch durch die Coworker selbst gepflegt. Coworker sind neugierig, kommunikativ, nehmen neue Blickwinkel und Sichtweisen gerne ein, schauen über den Tellerrand und versuchen sich in andere hineinzuversetzen. Das sind Tugenden, die von einer guten Coworking Gemeinschaft gepflegt werden.

Diese offensichtlichen, positiven Rahmenbedingungen sowohl auf räumlicher als auch kultureller Ebene sind notwendige jedoch keineswegs hinreichende Bedingungen, um in einem Coworking Space Ideen zu entwickeln. Das geschieht nur dann, wenn angestellte Mitarbeiter/-innen das Angebot zum Arbeiten in Coworking Spaces freiwillig annehmen. Wenn sie motiviert sind Ideen für Produkte & Prozesse zu entwickeln und durch die Führung ihres Unternehmens ermutig, gefördert und beratend begleitet werden.

Zudem müssen die Mitarbeiter/-innen berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, die dazu beitragen, dass im Coworking Space gemeinsam mit anderen Coworkern Ideen entstehen. Dazu gehören Merkmale wie Kontaktfähigkeit & Soziabilität, Empathie & emotionale Stabilität, Flexibilität, Handlungsorientierung („auf ein Ziel hinwirken“) und Teamorientierung – jene berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale sind nötig, um Ideen durch gelegentliche Arbeitstage in Coworking Spaces zu ernten.

Coworking Spaces – Nicht jeder eignet sich!

So wie sich nicht jede(r) Mitarbeiter/-in für das Arbeiten in einem Coworking Space eignet, so bietet auch nicht jeder Coworking Space einen guten Nährboden für Ideen & Innovationen. Es gilt Coworking Spaces zu finden, die „wertekonform“ ausgerichtet sind, d.h. eine

  • Gemeinschaft bieten,
  • Zusammenarbeit fördern und
  • von Offenheit geprägt sind.

Das sind, neben der Lage – entweder nah am Büro oder nah am Wohnort – und Ausstattung, die weichen Erfolgsfaktoren für die Auswahl von Coworking Spaces.

Zudem sollte der Space Coworker beheimaten, die unterschiedliche Fertigkeiten, Qualifikationen und Arbeitsschwerpunkte aufweisen. Nur so wird Diversität geboten und nur so können die sich daraus ergebenden, positiven (Netzwerk-)Effekte und Innovationen entstehen (So gelingt inklusives Design: 7 Lektionen von Google, Apple, Facebook und Amazon).

Bei der großen Anzahl an Coworking Spaces ist diese Auswahl eine große Herausforderung (Ist das eigentlich noch Coworking?) . Es gilt eine Vorauswahl zu treffen und im Anschluss geeignet erscheinende Spaces zu besuchen, die Atmosphäre aufzuspüren und die Coworker kennenzulernen.

Sie wollen Ihren Mitarbeitern die Wahl zwischen 3 Arbeitsorten bieten?

Tun Sie es, probieren Sie es aus. Die Wahl zwischen 3 Arbeitsorten – Büro, Home-Office und ergänzend Coworking Space – ermöglicht  es Ihnen sowohl private Anforderungen & Wünsche Ihrer Mitarbeiter/-innen zu erfüllen als auch die Innovationsfähigkeit Ihres Unternehmens zu steigern. Die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter wird steigen und zugleich bekommt Ihr Unternehmen jede Menge neuer Impulse, Kontakte und Ideen. Letzteres im ganz besonderen Maße im Coworking Space.

Ich hoffe Ihnen gute Gründe und eine schlüssige Argumentationsgrundlage für das Angebot von 3 Arbeitsorten geboten zu haben.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne unterstütze ich Sie bei der Konzeption & Umsetzung eines solchen Ansatzes für Ihr Unternehmen und helfe Ihnen bei der Auswahl geeigneter Coworking Spaces in Ihrer Stadt oder Region.

Sprechen Sie mich einfach an.

 

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Arbeiten im Home Office – Katrin Mathis bietet Tipps und Anregungen für UX Professionals

Ich freue mich sehr das Thema „Arbeiten im Home Office“ mit einem Interview fortführen zu können. Mein Interviewpartner ist Katrin Mathis.

Katrin Mathis - UX Konzepter & Service-Designer im Home-Office

Katrin Mathis – UX Konzepter & Service-Designer

Katrin Mathis arbeitet als UX Konzepter & Service Designer in Freiburg und unterstützt in diesen Rollen Unternehmen in digitalen Transformationen. Im Interview sprechen wir über die Situation und Vorzüge einer Arbeit im Home Office, gehen auf situative Herausforderungen ein und bieten Tipps & Anregungen zum Meistern dieser Herausforderungen.

Eine wunderbare Fortführung und vor allem Ergänzung zum in das Thema einführenden  Beitrag “ Als UX Professional zu Hause arbeiten: Das macht glücklich und produktiv!“ hier auf Nutzerbrille.

Frau Mathis, wie oft arbeiten Sie zu Hause?
Katrin Mathis:Das hängt ganz davon ab, an welchen Projekten ich gerade arbeite. Als ich mich vor 5 Jahren als Service Designerin selbstständig gemacht habe, habe ich zunächst in einem Gemeinschaftsbüro gearbeitet, das ich mir mit einem ehemaligen Entwickler-Kollegen und einem Design-Büro geteilt habe. Im Laufe der Zeit habe ich immer häufiger ein oder zwei Tage pro Woche von zu Hause gearbeitet.
Schließlich habe ich die Entscheidung getroffen, das Home Office als zentralen Arbeitsplatz zu nutzen. Im Schnitt bin ich ungefähr einen Tag pro Woche unterwegs bei Kunden oder bei Veranstaltungen. Einen Tag pro Woche arbeite ich weiterhin in dem Gemeinschaftsbüro. Die restliche Zeit bin ich im Home Office. Wichtig ist mir dafür ein eigener Raum in der Wohnung, so dass ich nach Feierabend die Tür schließen und von der Arbeit abschalten kann.“

Welche Arbeiten können Sie problemlos von zu Hause erledigen?
Katrin Mathis: „Die Frage ist eher, welche Arbeiten ich nicht von zu Hause erledigen kann. Wann immer es geht, bevorzuge ich ein persönliches Kennenlernen. Gerade für einen Kickoff, Abschlusspräsentationen und wichtige Workshops mit enger Abstimmung, ist eine persönliche Zusammenarbeit effektiver. Bei neuen Kunden verbringe ich am Anfang eines Projekts gerne einige Tage vor Ort, um die Abläufe und die Ansprechpartner persönlich kennenzulernen. Und da ich stark nutzerzentriert arbeite, kann ich die Bedürfnisse der Nutzer natürlich am besten verstehen, wenn ich diese vor Ort in ihrem Umfeld beobachten und befragen kann.
In jedem Projekt gibt es aber auch viele Aufgaben, die ich problemlos von zu Hause erledigen kann. Ein Teil der Recherche und Situationsanalyse zu Beginn eines Projekts ist ortsunabhängig. Bei Workshops kann ich viel von zu Hause vorbereiten, anschließend die Ergebnisse dokumentieren und weiter ausarbeiten. Und wenn ich Konzepte, Prototypen und Auswertungen erstelle, gibt es immer wieder Phasen, in denen ich weitestgehend alleine arbeite und mich nur gelegentlich mit Kollegen oder Auftraggebern abstimme.“

Produktiv und vertraulich
Für viele Aufgaben habe ich zuhause mehr Ruhe. Für meine Kunden hat die Arbeit von zu Hause auch den Vorteil, dass bei Telefonaten niemand im Hintergrund mithört. Gerade bei vertraulichen Projekten ist das ein wichtiger Aspekt. (Katrin Mathis)

Was schätzen Sie am Arbeiten von zu Hause?
Katrin Mathis: „Für viele Aufgaben habe ich zuhause mehr Ruhe. Für meine Kunden hat die Arbeit von zu Hause auch den Vorteil, dass bei Telefonaten niemand im Hintergrund mithört. Gerade bei vertraulichen Projekten ist das ein wichtiger Aspekt. Es spart mir viel Zeit, dass ich nun nicht mehr jeden Tag pendeln muss. Pausen kann ich für kleine Aufgaben im Haushalt nutzen. Dann muss ich diese nicht mehr nach der Arbeit erledigen und gleichzeitig entspannt mich die aktive Ablenkung viel mehr als eine Kaffeepause im Büro, bei der die Gedanken doch bei den Projekten bleiben. So kann ich Arbeit und Freizeit viel besser vereinbaren und mehr am sozialen Leben in meinem Wohnort teilhaben.“

Vorurteile zum Arbeiten von zu Hause gibt es viele: Vereinsamung, mangelnde Kreativität und Produktivität. Machen Sie diese Erfahrungen auch und wie gehen Sie damit um?
Katrin Mathis: „Von zu Hause zu arbeiten liegt nicht jedem. Ich arbeite sehr konzentriert und habe mich schon immer wenig von meinem Umfeld ablenken lassen. So fühle ich mich im Home Office sogar kreativer und produktiver. Bei bestimmten Aufgaben ist ein belebtes Umfeld auch für mich förderlich. Diese erledige ich an den Tagen im Gemeinschaftsbüro oder setzte mich in ein Café. Ein gelegentlicher Tapetenwechsel und der Austausch mit Kollegen ist mir wichtig. Deshalb tut es mir gut, regelmäßig Termine wahrzunehmen, mich zum Mittagessen zu verabreden oder an Veranstaltungen teilzunehmen.“

Kontakte suchen und pflegen
Ein gelegentlicher Tapetenwechsel und der Austausch mit Kollegen ist mir wichtig. Deshalb tut es mir gut, regelmäßig Termine wahrzunehmen, mich zum Mittagessen zu verabreden oder an Veranstaltungen teilzunehmen. (Katrin Mathis)

Gibt es Situationen, in denen Sie das Arbeiten von zu Hause einschränkt?
Katrin Mathis: „Lange Telefonkonferenzen finde ich ermüdend. Wenn eine intensive Zusammenarbeit mit Kollegen nötig ist, treffe ich mich dazu lieber persönlich. Die größte Einschränkung ist aus meiner Sicht, dass der informelle Austausch fehlt. Im Büro bekommt man viele Informationen nebenbei mit, die man zu Hause nur erfährt, wenn sie kommuniziert werden. Interessanterweise erlebe ich es immer wieder, dass Kollegen sich nicht trauen, anzurufen oder E-Mails zu schreiben, wenn man von zu Hause arbeitet. Man ist weniger sichtbar, wenn man nicht persönlich vor Ort ist und muss mehr kommunizieren.“

Hat man es als Freiberufler leichter im Home Office zu arbeiten – wie schätzen Sie das ein?
Katrin Mathis: „Grundsätzlich ja, denn es ist erst einmal die eigene Entscheidung, wo man als Freiberufler arbeitet. Allerdings fordern viele Auftraggeber eine Anwesenheit in Vollzeit vor Ort. Gerade in den typischen Freiberufler-Projekten, in denen man einige Monate für ein Unternehmen arbeitet, ist das meist ein Ausschlusskriterium. Freiburg ist leider nicht der zentralste Standort zum Pendeln. Ich habe diese Projekte daher bisher immer abgelehnt, da es für mich einen zu großen Einschnitt bedeutet, kurzfristig mehrere Monate in einer anderen Stadt zu leben. Bei Kunden, die ich bereits kenne, ist es dagegen in der Regel kein Problem. Dieses Vertrauensverhältnis muss ich bei neuen Kunden erst einmal aufbauen.“

Kommunikation
Man ist weniger sichtbar, wenn man nicht persönlich vor Ort ist und muss mehr kommunizieren. (Katrin Mathis)

Welche Tools setzen Sie ein, um von zu Hause aus den Austausch mit Teams zu pflegen, zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten?
Katrin Mathis: „Spezielle Tools für die Arbeit von zu Hause benutze ich kaum. Die Tools sind die gleichen, die ich auch schon vorher im Einsatz hatte. Einigen Kollegen und Kunden habe ich meinen Kalendar freigegeben, so dass sie jederzeit sehen können, wann ich in Terminen bin und wann sie mich gut erreichen können. Die Kommunikation läuft weitestgehend über E-Mail und Telefon. Oft hilft es, dabei über Teamviewer, WebEx oder Skype den Bildschirm zu teilen, so dass alle Gesprächspartner das gleiche Bild vor Augen haben. Die Kommentarfunktion in Word oder PDF hilft bei der gemeinsamen Arbeit an Dokumenten. Wenn Kunden interne Kommunikationsdienste, wie Slack oder Ticket-Systeme, wie Jira, im Einsatz haben, nutze ich diese selbstverständlich auch.“

Was empfehlen Sie anderen, die von zu Hause arbeiten wollen?
Katrin Mathis: „Ich kann andere nur ermutigen, die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten einzufordern. Startet mit einem oder zwei Tagen pro Woche, um zu zeigen, dass ihr zu den üblichen Zeiten erreichbar seid und eure Arbeit trotzdem in gewohnter Qualität erledigt. Dass ihr als zufriedene Mitarbeiter bessere Arbeit leistet, werden gute Chefs und Auftraggeber anerkennen.
Nehmt euch die Zeit, klare Prozesse zu vereinbaren, damit ihr eure Aufgaben mit geringem Abstimmungsaufwand erledigen könnt. Hinterfragt euch auch, ob ihr überhaupt der Typ für die Arbeit von zu Hause seid, was euch stören könnte und wie ihr damit umgehen könnt. Kommuniziert klar, nutzt die Zeit vor Ort und die Möglichkeiten digitaler Kommunikation und greift lieber einmal häufiger zum Telefonhörer.“

 

Vielen Dank Frau Mathis für dieses spannende Interview, Ihre Zeit und Ihre Ermutigung für mehr Home Office Arbeit in unserer Branche. Sie haben mit Ihren Antworten ganz sicher dazu beigetragen, dass in Zukunft noch mehr UX Professionals von zu Hause arbeiten wollen und auch können.

Der Beitrag Arbeiten im Home Office – Katrin Mathis bietet Tipps und Anregungen für UX Professionals erschien zuerst auf Nutzerbrille.

Als UX Professional zu Hause arbeiten: Das macht glücklich und produktiv!

Es gibt viele Gründe im Home-Office zu arbeiten. Auch und gerade als UX Forscher, Berater, Manager oder Designer.

Die Gründe für ein Arbeiten im Home-Office können situativ, in der Person begründet, zeitlich begrenzt oder auch dauerhaft vorhanden sein. Home-Office Arbeit kann vom Arbeitnehmer gewünscht, vom Unternehmen gewollt und ab und zu nicht anders möglich sein. Dementsprechend gibt es viele Formen einer Arbeit im Home-Office.

Bei eresult habe ich die Möglichkeit zum Arbeiten im Home-Office im Jahr 2010 eingeführt. Dabei ging ich mit gutem Beispiel voran. Ich habe vorgelebt wie Arbeiten von zu Hause aus, im Zug, Hotel, Café oder Co-Working Space funktioniert. Meine Kollegen/-innen, Kunden und Geschäftspartner erkannten, dass ein Geschäftsführer nicht jeden Tag im Unternehmen sein muss. Das trug Früchte, ermutigte meine Kollegen/-innen zum Arbeiten im Home-Office und führte dazu, dass bei eresult inzwischen alle Mitarbeiter/-innen im Home-Office arbeiten: Von ab und zu, über 1-2 feste Tage pro Woche bis zu 100%, also 5 Tage im Home-Office.

Hat das eresult geschadet? Keineswegs.
Umsatz, Gewinn, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit litten darunter nicht. Im Gegenteil.

Wir erkannten aber auch, dass die Erlaubnis zum Arbeiten im Home-Office kein Selbstläufer ist: Das Arbeiten im Home-Office ermöglichen und schon geht’s bergauf mit Produktivität & Zufriedenheit, das ist gewiss nicht der Fall. Wie bei jeder anderen Maßnahme zur Unternehmensentwicklung muss man auch beim Thema Home-Office zunächst den ersten Schritt wagen, das Instrument einführen, es (vor-)leben, reflektieren, dazulernen und stetig überprüfen.

Das taten und tun wir bei eresult. Und wir sind nach wie vor sehr zufrieden mit unserem Home-Office Konzept. Gern möchte ich meine Erkenntnisse und Erfahrungen mit ihnen teilen, und Sie

  • als Arbeitgeber oder Führungskraft ermutigen Home-Office Tage einzuführen.
  • als Arbeitnehmer und UX Professional mit vielen guten Argumenten versorgen, um Ihre Vorgesetzten davon zu überzeugen das Experiment „Arbeiten im Home-Office“ auch zu starten.

Gründe und Anlässe für das Arbeiten im Home-Office

Ein wesentlicher Antrieb für das Arbeiten im Home-Office ist darin begründet gute UX Forscher, Berater, Manager oder Designer an das Unternehmen zu binden (Remote Friendly User Experience: How to Keep and Hire Top Talent).

Ein Blick auf die Daten und Fakten des letztjährigen Branchenreport der German UPA macht deutlich, dass immer mehr UX Professionals junge Eltern sind oder sich in einer Altersgruppe befinden, in der die Gründung einer Familie Thema ist.

Diese UX Professionals sind 10-12 Jahre als UX Forscher, Berater, Manager oder Designer tätig und damit überdurchschnittlich erfahren, oft auch hochgradig spezialisiert. Eine(n) solchen Mitarbeiter(-in) zu verlieren bedeutet mehrere 10.000 Euro Verlust oder eine entsprechende Investition in die Suche und Integration neuer Kollegen/-innen.

Die Bindung und Gewinnung von Top-UX Professionals ist damit gerade in unserer Branche ein sehr guter Grund Home-Office Tage zu ermöglichen und das Arbeiten im Home-Office angenehm zu gestalten. 2 von 3 eresult Mitarbeiter/-innen im Status des Principal Consultant verbringen 90% ihrer Zeit im Home-Office. Darunter 1/3 Männer. Ohne sie ginge bei uns wenig!

Wir haben dabei das Glück, dass diese Mitarbeiter/-innen Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, die es überhaupt erst ermöglichen ohne Präsenzpflicht zu arbeiten. Dazu gehören Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit und Zufriedenheit mit den Aufgaben. Liegen diese Persönlichkeitsmerkmale neben einer gewissen Berufserfahrung vor, dann spricht meiner Erfahrung nach nichts dagegen die meiste Zeit von zu Hause aus zu arbeiten.

Die Produktivität beim Arbeiten ist ein weiterer Grund für Home-Office Arbeitsplätze. Zahlreiche Studien belegen, dass das Arbeiten in Großraumbüros bei den meisten Menschen Stress erzeugt, und die Ablenkungen dazu führen, dass Arbeiten weniger zielführend und effizient erledigt werden können. Lassen Arbeitgeber bei solchen Arbeitsbedingungen einen Tag pro Woche im Home-Office zu, dann ist oft zu beobachten, dass sich Arbeitnehmer für den Home-Office Tag Arbeiten vornehmen deren Erledigung hohe Konzentration erfordert.

Im Mittel, so konnte eine wissenschaftliche Studie von John Roberts und Nicholas Bloom des aus dem Jahr 2015 feststellen, steigt die Produktivität beim Arbeiten im Home-Office um 13% (A Working from Home Experiment Shows High Performers Like It Better).

Zeitersparnis ist ein weiterer Grund für das Arbeiten von zu Hause: Kein Weg zur Arbeit und zurück. Das spart Lebenszeit, reduziert Stress, steigert die Chance länger zu schlafen und trägt zu mehr Wohlbefinden bei. Es ist damit mehr als logisch, dass die Anzahl an Krankheitstagen sinkt, je mehr Freiräume und Möglichkeiten für das Arbeiten im Home-Office gegeben sind. Weniger Krankheitstage und zugleich weniger Arbeitspausen, auch das ein Ergebnis der bereits zitierten Studie von John Roberts und Nicholas Bloom.

Sie brauchen weitere Gründe und Argumente für Home-Office Tage? Die gibt’s:

  • Ein Leben auf dem Land hat für viele  Menschen einen besonderen Reiz. Warum sollte ein Arbeitgeber auf diesen Wunsch nicht eingehen?
    Ein Leben auf dem Land ist günstiger. Das kommt auch Arbeitgebern zugute, benötigt der Arbeitnehmer doch weniger Gehalt für ein angenehmes Leben.
  • Gerade in unserer Branche gibt es viele Spezialisten, die über besondere Talente oder Erfahrungen verfügen. Sie zu finden ist schwer, sie zu überzeugen dort hinzuziehen, wo sich das Unternehmen befindet, macht es noch schwerer diese Talente zu bekommen.
    Home-Office, mit wenigen Präsenztagen, ist eine Lösung.
  • Aus Arbeitgebersicht stellt das Einsparen von Fläche und Arbeitsplätze einen weiteren, zugegeben sicherlich nicht entscheidenden Grund für die Einführung von Home-Office Tagen dar.
  • Viel stärker ist der Antrieb auf Unternehmensseite dann, wenn das Unternehmen in einer eher strukturschwachen Region angesiedelt ist („Arbeitgeber auf dem Land“). Es ist dann schwer Top-Talente und erfahrene Berater zu bekommen.
    Die Möglichkeit 80% der Arbeitszeit von zu Hause aus zu erbringen ist förderlich beim Finden geeigneter Mitarbeiter/-innen.
  • UX’ler die oft bei Kunden sind, weil sie dort in Teams mitarbeiten oder weil sie für die Akquise von Projekten zuständig sind, sollten unbedingt die Chance bekommen im Home-Office zu arbeiten. Nur so gelingt es diesen Mitarbeitern/-innen Berufs- und Privatleben zu managen, Termine wahrzunehmen (Arzt, Handwerker) und einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen.

Überzeugt? Versorgt mit guten Argumenten, um vom Chef Home-Office Tage einzufordern?
Ich denke ja. Wenn da nicht die über allem schwebenden, und sicher stets im Kopf gewesenen Gegenargumente wären: Im Home-Office leidet die Kreativität und es droht Vereinsamung. Und da dem so ist, wollen wir auch gar nichts schönreden, stattdessen Lösungen bieten.

Herausforderungen und Lösungen für Home-Worker

Starten wir mit dem Gegenargument Kreativität. Weit verbreitet ist die Meinung, dass ein fehlender Austausch und räumliche Nähe zu Kollegen/-innen die Kreativität reduziert. Gemeint ist das das Finden von guten Ideen und deren Konkretisierung. Dahinter steckt die Überlegung, dass Kreativität vor allem im Austausch und in der Zusammenarbeit mit Kollegen/-innen entsteht. Da ein Home-Worker nicht (immer) im Unternehmen arbeitet, findet er weniger Gelegenheit zum Austausch (Kaffee-, Mittagspause) und kann nicht an Meetings teilnehmen.

Da ist was dran, keine Frage. Aber diese Herausforderung kann leicht gelöst werden. Präsenztage im Büro, an denen z.B. Kreativworkshops angesetzt werden, bieten die Möglichkeit zum Austausch und Gespräch mit Kollegen/-innen. Auch Projekt-Kickoffs sollten, wann immer möglich, im Büro stattfinden (Ausnahme: Alle Teammitglieder sind an unterschiedlichen Orten). Ab und an ist Präsenz dann eben auch mal für Home-Worker Pflicht – was für die meisten problemlos machbar ist.

Präsenztage im Unternehmen sind auch wichtig, um die Unternehmenskultur zu erfahren und vom Team als dazugehörig wahrgenommen zu werden. Teamgeist und Unternehmenskultur können nicht entstehen, wenn ein Home-Worker 100% von zu Hause arbeitet.

Ab und an im Unternehmen zu arbeiten hilft soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Ebenfalls ein Vorurteil das weit verbreitet ist, wenn es darum geht Argumente gegen Home-Office Arbeit zu finden. Home-Worker können sich auch gegen Vereinsamung schützen, wenn sie einige Arbeitstage in Co-Working Spaces verbringen. Solche Arbeitstage helfen auch, wenn es mal nötig ist einen zweiten Blick auf seine Projekte und Arbeiten zu bekommen, und fördern somit nebenbei die eigene Kreativität.

In vielen Städten gibt es UX-Stammtische & Regionalgruppen, Meetups und Usability-Testessen. Sie bieten eine gute Gelegenheit um einen Arbeitstag in netter Atmosphäre, gemeinsam mit anderen Menschen und im fachlichen Austausch ausklingen zu lassen.

Damit es gelingt Präsenztage, Arbeiten in Co-Working Spaces und den Besuch von After-Work Events mit der alltäglichen Arbeit zu verbinden, hilft es auch mal am Wochenende 1-2 Arbeitseinheiten einzulegen. Somit können nötige Zusatzzeiten für die An- und Abreise wunderbar kompensiert werden, ohne dass Stress aufkommt.

Um trotz einer ab und an 6-Tage Woche einen gelungenen Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben zu finden, ist es wichtig seinem Arbeitstag eine Zeitstruktur zu geben. Dazu gehören bewusste Pausen, vor allem eine Mittagspause die nicht am Arbeitsplatz verbracht wird und bestenfalls stets zur selben Zeit eingelegt wird. Feste Pausenzeiten helfen die Kommunikation und auch Termine mit Kunden und Kollegen/-innen zu planen und abzustimmen.

Es ist zudem sehr wichtig im Home-Office den Arbeitstag ausklingen zu lassen – als Ersatz für das „Runterkommen“ auf dem Weg zurück von der Arbeit nach Hause. Viele Home-Worker haben dafür Rituale entwickelt: Sie hören stets eine bestimmte Musik, treiben Sport oder nehmen sich eine Arbeit vor, bei der sie gut abschalten können (z.B. im Garten wirken, einem Handwerk nachgehen, aufräumen oder bügeln).

Abschalten vom Arbeitstag gelingt besser, wenn man seinen Arbeitsplatz nicht im Wohnzimmer oder Schlafzimmer eingerichtet hat. Ein Arbeitszimmer ist Pflicht, wenn mehr als 2 Tage von zu Hause gearbeitet wird. Sonst gelingt Abschalten und „Runterkommen“ nur sehr schwer.

Tools für gelungene Arbeitstage im Home-Office

Skype, Skype for Business und Slack bieten sich an, um soziale Kontakte zu pflegen, Einsamkeit zu beheben, mit Teamkollegen zu kommunizieren, Termine zu vereinbaren und an Wochenstartterminen dabei zu sein.

GoToMeeting und WebEx sind ebenfalls unter Home-Workern weit verbreitet. So können Präsentationen im Team durchgeführt werden, ohne am selben Ort zu sein. Sococo ermöglicht ein Arbeiten in virtuellen Teams und virtuellen Räumen.

Für Kreativ-Workshops in virtuellen Meetings bietet sich Mural („Wandmalerei“) an.

Mural für virtuelle Teams

Mural- Kreativ arbeiten in virtuellen Teams.

Mit diesem Tool ist es auf einfache Weise möglich remote an Design-Ideen, Konzepten und Entwürfen zu arbeiten. Es unterstützt auch beim Brainstorming und der Konkretisierung von Ideen.

Ich selbst nutzen gern ein Wacom‘s Bamboo Tablet, um in virtuellen Teamsitzungen einen Ersatz für ein Flipchart zu haben. Schnell lassen sich mit einem Stift erstellte Skizzen („Sketches“), Flussdiagramme und visualisierte Beziehungen zwischen Objekten oder Personen digitalisieren und verteilen. Ein tolles Tool. Probieren Sie es einfach mal aus.

Alles wunderbar: Home-Office funktioniert, und das vor allem in unserer Branche.
Ich hoffe Ihnen das verdeutlicht zu haben.

Wagen auch Sie als Unternehmer oder Führungskraft den Schritt hin zu Home-Office Tagen bei Ihren Mitarbeitern/-innen, und nutzen Sie, liebe UX Professionals, diesen Beitrag um Ihre Vorgesetzten von Home-Office Tagen zu überzeugen.

Und falls das nicht gelingt: Bei eresult gibt es spannende Jobs mit Home-Office Arbeitstagen – gewünscht, zugesichert und gefördert.

 

Sie sind Home- oder Co-Worker und arbeiten als UX Professional?

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

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Ich möchte von Ihrer Erfahrung lernen, gemeinsam mit Ihnen weitere Artikel zum Thema schreiben und Sie einladen mir Antworten auf Fragen in einem Interview zu geben, das ich gern hier auf Nutzerbrille veröffentliche.

 

 

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