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Moving Sound Pictures: Projekt aus dem ligeti zentrum bekommt eigenen Ausstellungsraum

Vom 28. März bis 2. Mai 2026 wird die Grindelallee 129 in Hamburg zu einem Ort für immersive Kunst: Mit Moving Sound Pictures: Die VR Pop-Up Galerie entsteht erstmals ein eigenständiger Ausstellungsraum für ein innovatives Virtual-Reality-Kunstformat. An fünf Tagen in der Woche können Besucher:innen dort vier virtuelle Umgebungen kostenfrei erleben und Kunst auf neue, interaktive Weise entdecken.

Wo ist es möglich, mit den bunten Formen aus den Gemälden von Henri Matisse oder Wassily Kandinsky zu jonglieren? Oder mit Picassos abstrakter Darstellung einer Gitarre und Mandoline zu musizieren?  Farben nicht nur zu sehen, sondern zu hören – und mit einer einzigen Bewegung ganze Bildwelten in Klang zu verwandeln?  

Moving Sound Pictures, ein Projekt der Multimedia-Künstlerin Konstantina Orlandatou, macht genau das möglich. Die in klassischer Komposition ausgebildete Künstlerin arbeitet seit mehreren Jahren an der Schnittstelle von Musik, Raum und digitaler Kunst. Ihr Ansatz: Kunst nicht nur zu zeigen, sondern sie räumlich erfahrbar zu machen und aktiv zugänglich zu gestalten.

Bild: Konstantina Orlandatou / Moving Sound Pictures

Von der Moderne in den virtuellen Raum

Die künstlerische Inspiration für Moving Sound Pictures reicht zurück zu zentralen Vorreiter:innen der Moderne – etwa Piet Mondrian, Wassily Kandinsky, El Lissitzky oder Kasimir Malevich. Während viele aktuelle immersive Ausstellungen mit großformatigen Projektionen im physischen Raum arbeiten, nutzt Moving Sound Pictures Virtual Reality (VR), um individuelle Erlebnisräume zu schaffen. „Virtuelle Realität ist ein Medium mit enormem Potential für ganzheitliche, immersive Erlebnisse“, erklärt Konstantina Orlandatou. „Durch spielerische Interaktionen mit Kunstwerken eröffnen sich neue Zugänge zu künstlerischen Ausdrucksformen, historischen Kontexten und technischen Aspekten der Malerei.“

Bild: Konstantina Orlandatou / Moving Sound Pictures

Kunst zum Anfassen und Erleben

Im virtuellen Raum werden Kunstwerke zu interaktiven Erfahrungswelten. Besucher:innen können etwa das von Salvador Dalí geschaffene Gesicht der Schauspielikone Mae West räumlich erkunden, Elemente aus einem konstruktivistischen Stillleben von Alexandra Alexandrowna Exter verschieben oder die von Pablo Picasso gemalten Instrumente als virtuelle Klangkörper spielen. Jedes Werk wird so zu einer eigenen Entdeckungsreise – zwischen Kunstvermittlung, spielerischer Interaktion und digitaler Erfahrung.

Bild: Konstantina Orlandatou / Moving Sound Pictures

Entwicklung am ligeti zentrum

Moving Sound Pictures entstand bereits im Rahmen der ersten Förderphase der Bund-Länderinitiative „Innovative Hochschule“. Seit 2023 wird das Projekt am ligeti zentrum im Rahmen der zweiten Förderphase fortgesetzt und weiterentwickelt. In Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle, etwa zu der Ausstellung „ILLUSION“, konnten Kunstwerke im Original und im virtuellen Raum besichtigt und erforscht werden.

In Zusammenarbeit mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft erhält das Projekt nun erstmals seinen eigenen temporären Ausstellungsraum in zentraler Lage. „Ich möchte in Hamburg einen Ort schaffen, an dem Menschen in virtuelle Welten eintauchen und Kunst so nah und immersiv wie möglich erleben können – nicht allein mit Headset vor dem Computer, sondern an einem Ort, an dem Menschen zusammenkommen“, so Orlandatou.

Moving Sound Pictures: Die VR Pop-Up Galerie eröffnet am 28. März 2026 mit einer Vernissage und endet am 2. Mai 2026 mit einer Finissage. Besucher:innen können die Ausstellung mittwochs bis sonntags kostenfrei erleben.

Bild: Konstantina Orlandatou / Moving Sound Pictures

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Registrierung zur ICMC HAMBURG 2026 eröffnet

Die International Computer Music Conference kommt vom 10. bis 16. Mai 2026 nach Hamburg. Die Registrierung zur Teilnahme ist fortan über das Konferenzsystem Converia eröffnet.

Die Registrierung für die ICMC HAMBURG 2026 ist ab sofort geöffnet. Vom 10. bis 16. Mai 2026 wird Hamburg zum internationalen Treffpunkt für Komponist:innen, Künstler:innen, Forscher:innen und Technolog:innen im Bereich Computermusik und Sound Art.

Nach 25 Jahren kommt die ICMC erstmals wieder nach Deutschland. Ausgerichtet wird die Konferenz von vier Hamburger Hochschulen – der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) – gemeinsam mit dem gemeinsam gegründeten ligeti zentrum. Das interdisziplinäre Zentrum in Hamburg-Harburg bildet einen zentralen Ankerpunkt der Konferenz und verbindet künstlerische Praxis, Wissenschaft, Technologie und Gesundheit in innovativen Projekten und Formaten.

Die Handschrift des ligeti zentrums

Unter dem Motto „Innovation, Translation, Participation“ greift die ICMC HAMBURG 2026 zentrale Anliegen des ligeti zentrums auf: neue Formen der Zusammenarbeit, Vermittlung und Teilhabe in der Computermusik. Ein Großteil der Veranstaltungen wird an der TUHH, in der Friedrich-Ebert-Halle und im ligeti zentrum sowie in nahegelegenen Kulturorten stattfinden.

Neben einem umfangreichen Programm aus Konzerten, Vorträgen, Installationen, Workshops und Performances wird bei der diesjährigen ICMC in Hamburg auch die Tradition der Off-ICMC wiederbelebt. Das kostenlose Begleitprogramm vom 11. bis 16. Mai 2026 richtet sich gezielt an die breite Öffentlichkeit und lädt die lokale Community in Harburg und der Metropolregion Hamburg ein, aktuelle Entwicklungen der Computermusik kennenzulernen und in Workshops selbst auszuprobieren.

Konferenzteilnahme und Registrierung

Eine Teilnahme vor Ort beinhaltet Zugang zu allen Konferenzorten und Veranstaltungen der ICMC HAMBURG 2026, einschließlich der Eröffnungsveranstaltung in der Elbphilharmonie, Getränke während der Konferenz sowie der After-Party im Stellwerk. Zudem ist eine Exkursion nach Lübeck geplant. Das Konferenzbankett am 13. Mai 2026 im Speicher am Kaufhauskanal ist separat buchbar. Early-Bird-Tarife sind noch bis 31. März 2026 verfügbar.

Darüber hinaus stehen auch Remote-Zugänge über Zoom sowie Tagestickets zur Auswahl.

Die Registrierung erfolgt über das Konferenzsystem Converia.

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Walker Smith, ein selbstspielendes Drumset und das wohltemperierte Periodensystem

Im Sommer 2025 begrüßte das ligeti zentrum den US-amerikanischen Komponisten und Forscher Walker Smith als Gastwissenschaftler in Hamburg. Gefördert durch das Graduate Research & Internship Program in Germany (GRIP) verbrachte Smith mehrere Monate in Harburg – und entwickelte hier eines seiner bislang ambitioniertesten Projekte weiter: „The Well-Tempered Periodic Table“.

2025 sei die mit Abstand produktivste und spaßigste Sommer seines Lebens gewesen, schreibt der US-amerikanische Komponist und Forscher Walker Smith in einem Blogpost für das Europe Center der Stanford University. Smith ist Doktorand am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) im Bereich Computer-Based Music Theory and Acoustics. Als Gastwissenschaftler im ligeti zentrum verbrachte Walker Smith im vergangenen Sommer mehrere Monate in Hamburg-Harburg und entwickelte hier sein Projekt „The Well-Tempered Periodic Table“.

Roy G. Biv ist die spektrale Verkörperung von Walker Smith, der von Mitte Juni bis September zu Gast im ligeti zentrum war. Als weltweit erster Musik-Chemiker stellt er Fragen wie: Ist das Periodensystem ein Musikinstrument? Feiern Helium-Atome Partys?

Wenn chemische Elemente zu Klängen werden

Im Zentrum von Smiths Arbeit steht sein „Interactive Musical Periodic Table“. Ausgangspunkt ist die wissenschaftliche Tatsache, dass jedes chemische Element ein einzigartiges Emissionsspektrum besitzt – also eine charakteristische Verteilung von Lichtfrequenzen. Diese Frequenzen übersetzt Smith mittels Datensonifikation in hörbare Klangfrequenzen. Das Ergebnis: Für jedes Element entsteht ein eigener Akkord, eine eigene musikalische Identität.

Während seines Aufenthalts am ligeti zentrum entwickelte Smith aus diesen Frequenzen eigenständige mikrotonale Skalen. So entstanden musikalische „Tonarten“ der Elemente – etwa ein Blues in der „Tonart Wasserstoff“ oder ein Jazzstück im „Helium-Modus“.

Den Höhepunkt bildete eine 90-minütige multimediale Performance mit Mehrkanalton, Lichtdesign, akustischen und elektronischen Instrumenten, Spoken-Word-Elementen – und einem selbstspielenden Schlagzeug.

Das „Magical Chemical Drumset“

Ein zentrales Ergebnis des Ideentransfers am ligeti zentrum war das sogenannte „Magical Chemical Drumset“. Inspiriert durch Gespräche mit Ingenieur:innen aus dem Bereich der Haptik experimentierte Smith mit Transducern – Resonanzkörpern, die Schwingungen direkt auf Instrumente übertragen.

Er platzierte solche Schwingungswandler auf Trommeln und speiste die Klänge seiner Element-Sonifikationen in ein akustisches Drumset ein. Zusätzlich installierte er unter jeder Trommel farblich abgestimmte Lichtelemente, deren Farben dem jeweiligen Emissionsspektrum – etwa von Wasserstoff – entsprechen. Das Ergebnis war ein visuell-akustisches Instrument, das chemische Prozesse sinnlich erfahrbar macht: Klang wird Licht, Licht wird Rhythmus.

Improvisation zwischen Wissenschaft und Jazz

In seinem Abschlusskonzert kombinierte Smith das selbstspielende Schlagzeug mit Klarinette und Gitarre. Gemeinsam mit dem Jazzgitarristen und Forscher Kieran McAuliffe (InnoLab) improvisierte er über die mikrotonalen Skalen verschiedener Elemente. Ein eigens entwickelter Pitch-Detection-Algorithmus koppelte gespielte Töne in Echtzeit an das Lichtsystem: Wurde ein Ton aus der „Wasserstoff-Skala“ gespielt, reagierten die Lichter unmittelbar in der entsprechenden Spektralfarbe. Sogar das Publikum wurde eingebunden – dessen Gesang steuerte ebenfalls die Lichtfarben im Raum.

Als Hauptinstrument nutzte Smith das Lumatone, ein frei programmierbares mikrotonales Keyboard, auf dem er seine Element-Skalen abbildete und zugleich Klang und Licht kontrollierte.

Internationale Resonanz

Smiths Projekt erhielt auch internationale Aufmerksamkeit: Seine „Interactive Musical Periodic Table“ wurde bei der AudioMostly Conference in Portugal mit dem Best Installation Award ausgezeichnet. Zudem erschien ein Beitrag über seine Arbeit im Rahmen der Initiative Innovative Hochschule. 

Walker Smiths finale Lecture Performance „Das wohltemperierte Periodensystem“ vom 3. September 2025 kann nun in Gänze gestreamt werden:

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SPORT1: Interaktive Klangwelten zwischen experimenteller Musik und Spiel

Am 23. Januar 2026 lädt das ligeti zentrum zu einer einzigartigen Performance ein: SPORT1 verbindet experimentelle Musik mit einem innovativen Gameshow-Format, bei dem das Publikum das Geschehen aktiv mitgestaltet. Was hat es damit auf sich? Nachgefragt bei den Projektbeteiligten Dr. Simon Linke (InnoLab) und Eric Haupt.

SPORT1 ist mehr als ein Konzert – es ist ein interaktives Experiment, bei dem Musik, Spiel und Publikum zu einer Einheit verschmelzen. Die Zuschauer:innen übernehmen eine aktive Rolle: Sie setzen auf Teams, schließen Allianzen, steuern Parameter der Musiker:innen und entscheiden über den Verlauf der Performance. Wer riskiert alles, wer spielt taktisch – und wer genießt das Spektakel aus sicherer Distanz?

Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
Beobachtet man das Spiel lieber aus sicherer Distanz oder wird man selbst aktiv? | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie entstand die Idee zu dem Wett- und Klangformat SPORT1?

Eric Haupt: Experimentelle Klänge sind oft sehr abstrakt. Die Idee, mit Spielen und Wetten zu arbeiten, entstand aus dem Wunsch, diese Abstraktion aufzubrechen und Netzwerke größer und anschaulicher zu denken.

Die Spiele liefern eine visuelle Ebene, die das Hören unterstützt: Wenn man sieht, wie sich ein Schläger bewegt und gleichzeitig ein bestimmter Klang entsteht, entsteht eine vertraute Verknüpfung zwischen Bewegung und Sound. Diese Art von Ursache-Wirkung kennen wir aus dem Alltag, und sie hilft dabei, musikalische Zusammenhänge intuitiv zu erfassen.

So wird es leichter, einzelne Klänge wiederzuerkennen und einzuordnen. Anstatt einer undurchsichtigen Klangmasse entsteht eine nachvollziehbare Klangwelt. Die Spiele fungieren damit als kommunikative Brücke, die ohne große Erklärung funktioniert und dem Publikum einen direkten Zugang zur Musik ermöglicht.

Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Simon Linke: Die Grundidee von SPORT1 lässt sich auf zwei Ebenen erklären, die für uns besonders spannend sind: die Netzwerkebene und das Verständnis von Musik selbst.

Wir Musiker:innen sind vollständig miteinander verknüpft und können gegenseitig auf unsere Klangerzeugung zugreifen. Im Extremfall kann man die Hände vom eigenen Instrument nehmen und wird komplett von jemand anderem „gespielt“. Dieser stark ko-kreative Ansatz war ein Ausgangspunkt unserer Arbeit.

Die Interaktion dient dazu, erfahrbar zu machen, was innerhalb eines Stücks passiert und was uns als Musiker:innen daran interessiert. Statt Erklärtexte zu lesen oder theoretische Konzepte kennen zu müssen, erschließt sich die Musik intuitiv – durch das Mitmachen, durch das Spiel und durch das narrative Setting.

Man versteht vielleicht nicht alles im Detail, aber einzelne Aspekte werden klarer, weil es einen Rahmen gibt, der den Fokus verschiebt und neue Zugänge eröffnet.

ligeti zentrum: Welche Rolle spielt das Publikum in diesem Netzwerk?

Simon Linke: Wir beschäftigten uns mit der Frage, wie sich dieses Prinzip erfahrbar machen lässt, ohne dass es theoretisch erklärt werden muss. Eine Antwort darauf war, das Publikum bewusst als Teil dieses Netzwerks zu begreifen. Das ist es im Konzert ja ohnehin – das Publikum beeinflusst immer, was auf der Bühne passiert.

Bei SPORT1 rücken wir diesen Einfluss stärker in den Fokus und geben dem Publikum die Möglichkeit, auf direktere und drastischere Weise einzugreifen – etwa über das Smartphone, über Geräusche oder über konkrete Entscheidungen.

Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
Im Production Lab wird die Licht- und 3D-Audio-Technik vollends ausgenutzt | Foto: Victor Gelling
ligeti zentrum: Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Eric Haupt: Die normale Publikumsinteraktion läuft über eine Wett-App auf dem Handy: Man unterstützt seine Spieler:innen, setzt ein paar Münzen, um Vorteile zu erzielen – und ist so Teil des Netzwerks.

Egal ob im Theater oder auf Konzerten: Man kennt vielerorts kleine Publikumsinteraktionen, die mal mehr oder weniger gut funktionieren. Wir senken die Hürde zum Mitmachen durch den Einsatz von Handys und die Anonymität, die damit einhergeht. Ohne falsche Scham kann man anderen Spielern auch ein Hindernis in den Weg legen – einfach aus Spaß oder aus Kalkül zum Gewinnen.

Die Interaktion gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden.

ligeti zentrum: Welche Auswirkungen hat das umgekehrt auf die Musik?

Simon Linke: An der Musik selbst machen wir keine Kompromisse. Sie entsteht so, wie wir sie künstlerisch vertreten und spannend finden. Die aktive Integration des Publikums öffnet einen Erfahrungsraum, in dem komplexe musikalische Prozesse erlebbar werden, ohne dass sie erklärt werden. Er gibt einen Zugang zur Musik und lässt nachvollziehen, warum uns diese Art des Musizieren Spaß macht – ohne dass Inhalte vereinfacht oder „heruntergebrochen“ werden. Es gibt keine didaktische Vereinfachung oder „Kinderversion“, sondern das volle musikalische Programm.

ligeti zentrum: Wie gliedert sich das Projekt in das gesamte ligeti zentrum ein? Gibt es Anknüpfungspunkte zu und Überschneidungen mit anderen Projekten?

Simon Linke: Sowohl das InnoLab als auch das Production Lab sind in vollem Einsatz. Dadurch, dass wir die klangliche Steuerung von einer Person am Mischpult loslösen und stattdessen die volle Kontrolle untereinander verteilt haben, kommt die Technologie des 3D-Systems zur vollen Entfaltung. Dasselbe gilt für die Lichtanlage, die gleichermaßen in das Netzwerk integriert ist und ebenfalls vom Publikum manipuliert werden kann. Diverse Projekte und Technologien aus dem ligeti zentrum kommen zum Einsatz. Der Netzwerkansatz spiegelt sich natürlich auch in meiner  eigenen Arbeit mit der Impulse Pattern Formulation. Gleichermaßen viele Anknüpfungspunkte zu anderen Projekten stehen uns in der Zukunft offen.

Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling
Statt die klangliche Steuerung bei einer Person am Mischpult zu bündeln, haben alle Musiker:innen gleichermaßen Zugriff auf die Technologien | Foto: Victor Gelling

Eric Haupt: Es gibt viele Anknüpfungspunkte, an denen unterschiedliche Menschen mitarbeiten können. Sobald die technische Basis steht, ist das Prinzip selbst leicht nachvollziehbar – die Gameshow-Struktur versteht man sofort.

Viele Beteiligte bringen Ideen ein: Wie etwas aussehen, sich verhalten oder klingen könnte. Das Projekt ist sehr offen und bietet zahlreiche Möglichkeiten: Workshop-Formate, Kooperationen mit Theatern oder Anpassungen auf verschiedenen Ebenen, auch musikalisch.

Wir stellen das Netzwerk bereit, und andere Projekte können darauf aufbauen. Man verknüpft verschiedene Elemente, schaut, wie sie zusammenwirken, und entscheidet dann, wie man sie einsetzen möchte.

Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können

Simon Linke: Das Projekt ist nachhaltig angelegt: Der Code ist offen und soll später von anderen genutzt werden können. Auf der ICMC HAMBURG 2026 wird es zudem einen Workshop geben, in dem gezeigt wird, wie die entwickelten Tools anderen zugänglich gemacht werden können.

SPORT1 dient gewissermaßen als Generalprobe. Wir erwarten, dass 30 bis 50 Personen gleichzeitig ins Netzwerk eingreifen – das lässt sich im Vorfeld kaum simulieren. Wenn sich das Konzept in der Umsetzung bewährt, kann die Technologie problemlos an anderen Orten eingesetzt werden. Sie ist flexibel genug, dass der Fokus auch ohne das Production Lab oder 3D-Audio verschoben werden kann.

Spielt, hört, wettet und verändert das Geschehen live!

SPORT1 ist ein Projekt, das Erik Haupt, Moritz Wesp, Victor Gelling und Dr. Simon Linke (InnoLab) im ligeti zentrum realisieren. SPORT1 – eine musikalische Gameshow findet dort am 23. Januar 2026 um 20:00 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos; um eine Anmeldung via Pretix wird gebeten.

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John Chowning, Pionier der Computermusik, erhält Technical Grammy Award 2026

Die Recording Academy ehrt den Komponisten und Klangforscher John Chowning mit einem Technical Grammy Award. Seine bahnbrechenden Arbeiten zur FM-Synthese stehen auch in direktem Zusammenhang mit der Ursprungsidee des heutigen ligeti zentrums.

John Chowning, einer der einflussreichsten Pioniere der elektronischen und computergestützten Musik, wird mit dem Technical Grammy Award 2026 ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgt im Rahmen der Special Merit Awards Ceremony der Recording Academy am 31. Januar 2026 im Wilshire Ebell Theatre in Los Angeles.

Mit der Verleihung würdigt die Recording Academy Chownings herausragende technische Beiträge zur Aufnahmekunst. Im Jahr 1967 entdeckte er die Frequenzmodulationssynthese (FM-Synthese), eine bahnbrechende Methode der Klangerzeugung, die die Entwicklung elektronischer Musikinstrumente revolutionierte. Die Lizenzierung seines Patents durch die Stanford University an Yamaha führte zur weltweit erfolgreichsten Synthese-Engine der Musikgeschichte und veränderte den Klang populärer wie zeitgenössischer Musik grundlegend.

Chowning studierte unter anderem bei Nadia Boulanger, promovierte an der Stanford University und begründete dort einen der ersten Computer-Music-Studiengänge. 1974 war er Mitgründer des Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA), das bis heute zu den international führenden Forschungszentren für Musik und Akustik zählt. Darüber hinaus entwickelte er frühe digitale Verfahren zur räumlichen Klanglokalisation und leistete damit Pionierarbeit im Bereich des Surround-Sounds.

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1996 blieb Chowning forschend tätig. Ausgehend von einem langjährigen Interesse an natürlichen Resonanzräumen initiierte er interdisziplinäre Projekte zur Rekonstruktion historischer Klangwelten, darunter die akustische Erforschung der Kultstätte Chavín de Huántar in Peru, der Longyou-Grotten in China und der prähistorischen Chauvet-Höhle in Frankreich.

John Chowning mit Cat Hope und Georg Hajdu bei der Eröffnung des ligeti zentrums im Mai 2023 | Foto: Jörg Modrow
John Chowning mit Cat Hope und Georg Hajdu bei der Eröffnung des ligeti zentrums im Mai 2023 | Foto: Jörg Modrow

 

John Chowning und das ligeti zentrum

John Chownings Werk steht exemplarisch für die enge Verbindung von künstlerischer Vision, wissenschaftlicher Neugier und technologischer Innovation. Für das ligeti zentrum besitzt diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung: Das 2023 gegründete Zentrum ist benannt nach dem Komponisten György Ligeti. Inspiriert von einem Aufenthalt an der Stanford University, plante Ligeti schon in den 1970er-Jahren plante, ein Computermusikinstitut in Hamburg aufzubauen – mit der Unterstützung von John Chowning und dessen Kolleg:innen. Das ligeti zentrum wurde im Geiste dieser frühen Vision gegründet und führt sie zugleich weiter, indem es neue künstlerische, technologische und gesellschaftliche Fragestellungen des 21. Jahrhunderts in seine Arbeit integriert.

Titelfoto: Jörg Modrow

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Wunderland Musik: Neuer Newsletter für Familienkonzerte in Hamburg

Das Projekt Wunderland Musik des ligeti zentrums startet einen neuen Service für Familien: den Familienkonzert Newsletter. Ziel ist es, Eltern und Kindern unkompliziert über das vielfältige Angebot an familienfreundlichen Konzerten, Workshops und musikalischen Veranstaltungen in Hamburg zu informieren.

Wunderland Musik ist ein außerschulisches Musikvermittlungsprogramm, das die Familie als Erlebnisgemeinschaft stärkt,“ erklärt Michel Blümel, Leiter des Projekts. „Genau dort wollen wir ansetzen – und einen Startpunkt für gemeinsame musikalische Aktivitäten in der Familie setzen. Das können Konzertbesuche sein, gemeinsames Musizieren oder die Teilnahme an einem Workshop.“

Der Familienkonzert Newsletter ist ein Service des Projekts Wunderland Musik

Mit dem neuen Newsletter reagiert das Projekt auf eine häufig geäußerte Herausforderung: Eltern wissen oft nicht, wie sie sich schnell und zuverlässig über passende musikalische Angebote informieren können. „Die Idee des Familienkonzert Newsletters ist, alle Veranstaltungen in Hamburg, die sich an Familien oder Kinder richten, einmal im Monat in das Postfach der Eltern zu legen,“ so Michel Blümel. „Damit können sie relativ schnell die Liste durchgehen, schauen, was passt, und direkt auf die Veranstaltungswebseiten zugreifen.“

Der Newsletter enthält übersichtliche Informationen zu Veranstaltungsort, Datum, Zielgruppe und anfallenden Kosten für die Tickets. Zusätzlich gibt es einen Block, der sich dem „Thema des Monats“ widmet und interessante Projekte und Aspekte der Musikvermittlung vorstellt. „Dadurch können wir Familien kleine Einblicke in spannende Themen geben und Lust auf neue Erfahrungen wecken,“ erläutert der Projektinitiator. In der ersten Ausgabe des Familienkonzert-Newsletters geht es um das Projekt selbst: Wunderland Musik.

Familienkonzerte in Hamburg monatlich im Postfach

Der Newsletter ist monatlich verfügbar und richtet sich an alle Familien, die neugierig auf musikalische Angebote sind und diese unkompliziert entdecken möchten. „Ich hoffe, dass wir möglichst viele Menschen erreichen und gleichzeitig ein Bewusstsein bei den Institutionen schaffen,“ sagt Michel Blümel. „Außerdem kann man durch den Newsletter sehen, welche Veranstaltungen ausverkauft sind – ein Impuls, sich früher zu informieren und die Filterfunktionen der Webseiten zu nutzen.“

Wichtig zu betonen: Der Familienkonzert Newsletter listet allgemeine Angebote auf und ist nicht auf die von Wunderland Musik begleiteten Konzerte beschränkt. „Der Newsletter ist eine Serviceleistung von Wunderland Musik, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es gibt,“ erklärt Michel Blümel.

Sie möchten kein Familienkonzert mehr in Hamburg verpassen? Dann abonnieren Sie jetzt den Familienkonzert Newsletter und erhalten Sie regelmäßig aktuelle Informationen rund um Hamburgs familienfreundliche Musikszene.  
Agentur_Wunderland Musik_Credit Max Henschel
Foto: Max Henschel

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Wenn Musik auf KI trifft: Interkultureller und musikwissenschaftlicher Austausch in China

Ende Oktober und Anfang November 2025 reiste Dr. Simon Linke (InnoLab) nach China, um die internationale Zusammenarbeit im Bereich KI und Musik zu vertiefen. Die Stationen: die Universität Jinhua sowie Workshops und Konzerte in Hangzhou, Jinhua und Shanghai – eine Reise voller künstlerischer Inspiration und interkultureller Begegnungen.

Im ligeti zentrum beschäftigt sich der Musikwissenschaftler Dr. Simon Linke mit der Suche nach neuen, meist digitalen Wegen der musikalischen Klangerzeugung. Dabei beruft er sich auf die sogenannte Impulse Pattern Formulation (IPF), eine vielseitige Methode zur nicht linearen Modellierung, die eine einfache rekursive Gleichung verwendet, um dynamische und komplexe Muster in musikalischen Systemen zu beschreiben und zu verstehen. Spannende Kooperationen entstanden dadurch nicht nur innerhalb des ligeti zentrums. Auch international stößt der Ansatz auf großes Interesse. So reiste Simon Linke bereits im vergangenen Juli nach Sichuan und Yunnan in China, um dort seine Arbeit auszustellen und sich mit den internationalen Kolleg:innen auszutauschen und zu vernetzen. Diesen Herbst konnte die Kooperation auf das östliche China ausgeweitet werden.

Performance in Shanghai: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten | Foto: 蔣舒帆
Performance in Shanghai: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten | Foto: 蔣舒帆

Ausstellung und Symposium in Jinhua  

Im Mittelpunkt der Reise stand eine Ausstellung zum Thema KI und Musik an der Zhejiang Normal University in Jinhua. Die Ausstellungsinhalte, die von elektronischer Tanzmusik über Filmmusik und Akustik bis hin zu Instrumentenbau und traditioneller Musik verschiedener Kulturen reichen, wurden 2023 ursprünglich in Zusammenarbeit mit Prof. Rolf Bader (Universität Hamburg) für die Ausstellung „Can You Hear It“ am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg entwickelt. Nun konnten sie in aktualisierter und angepasster Form auch in China präsentiert werden. Simon Linke betont: „Besonders spannend war der direkte Austausch darüber, wie sich ethnische Gruppen in der Darstellung wiederfinden und ob diese Perspektiven auch in Deutschland angemessen werden können, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit Hamburgs, deren Spuren such direkt vor den Türen des ligeti zentrums zeigen.“

Der Einsatz von KI als neutraler Vermittler wurde sehr positiv aufgenommen. Sie ermöglicht es, kulturelle Eigenständigkeiten – etwa über Tonsysteme – wissenschaftlich nachvollziehbar zu machen und sensible Themen wie ethnische Identität oder Minderheiten, unter ihnen beispielsweise die Uiguren, sachlich zu adressieren. Dass die Hochschulleitung der Universität Jinhua diese Themen explizit als globale Herausforderungen einordnete, sei sehr hilfreich gewesen. „Diese Rahmung machte es möglich, die Inhalte frei und ohne weitere Einschränkungen zu diskutieren“, berichtet der Musikwissenschaftler.

Großes Interesse galt der interaktiven Dance Booth, die soziale Austauschprozesse über Bewegung und Klang erfahrbar macht. „Während Besucher:innen in Deutschland meist direkt mit der Installation interagieren, wünschte sich das Publikum in Jinhua zunächst Erläuterungen und persönlichen Kontext“, berichtet Simon Linke. Zwar sei der Ansatz betreuungsintensiver; Simon Linke möchte ihn aber auch für künftige Präsentationen in Harburg berücksichtigen.

Während Besucher:innen in Deutschland meist direkt mit der Dance Booth interagieren, wünschte sich das Publikum in Jinhua zunächst Erläuterungen und persönlichen Kontext.

Das anschließende Symposium eröffnete internationale Perspektiven, etwa zur KI-gestützten Modellierung urbaner Klang- und Sozialräume. Die Diskussionen über kulturell unterschiedliche Wahrnehmungen von Lautstärke hat Simon Linke als besonders prägend wahrgenommen. „In Europa gilt Stille oft als Ideal, während in vielen afrikanischen Kontexten gerade das Fehlen von Klang irritiert. Obwohl die im Projekt „Cybermusician“ entwickelten physikalischen Modelle diese Offenheit bereits berücksichtigen, wurde deutlich, dass dieser Aspekt künftig stärker betont werden sollte – eine Beobachtung, die sich auch beim Besuch von Dekan Xing Ruan und dem Team der Stadtplanung an der Shanghai Jiao Tong University bestätigte.“

KI und Musik: Ausstellung in Jinhua | Foto: Simon Linke
Fotos: Simon Linke

Workshops und Konzerte in Hangzhou, Jinhua und Shanghai

Konzert in Hangzhou am 01. November | Foto: 蔣舒帆
Konzert in Hangzhou am 01. November | Foto: 蔣舒帆

Der zweite Teil der Reise galt der musikalischen Zusammenarbeit von Rolf Bader und Simon Linke (Sonomathematische Impulsarchitekten) mit dem chinesischen Musiker und Komponisten Liang Yiyuan, mit dem Simon Linke bereits seit der vorangegangenen Reise nach Yunnan im Kontakt stand. „Die gemeinsam organisierten Workshops und Konzerte ermöglichten einen seltenen Austausch mit Vertreter:innen der freien chinesischen Musikszene, die aufgrund politischer Einschränkungen und begrenzter Förderung nur schwer sichtbar ist“, resümiert Simon Linke. „Viele Musiker:innen können das Land kaum verlassen und haben nur eingeschränkten Zugang zu internationalen Netzwerken.“

Gerade mit Blick auf die ICMC 2026, die vom 10. bis 16. Mai 2026 in Hamburg-Harburg stattfinden und von den Verbundpartner:innen des ligeti zentrums organisiert wird, sei dieser Dialog wichtig gewesen. „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigte sich ein starkes Interesse an experimenteller Musik – und eine überraschende inhaltliche Nähe zu unseren Zielen, die jedoch oft mit ganz anderen Mitteln verfolgt werden“, erklärt Simon Linke. Die im Projekt „Cyberinstruments“ entwickelten Open-Source-Methoden seien als wertvolle Inspiration aufgenommen worden.

Bemerkenswert war, dass KI-basierte Verfahren in China – ähnlich wie in Europa – offiziell stark gefördert werden, auch im musikalischen Bereich.

„Bemerkenswert war, dass KI-basierte Verfahren in China – ähnlich wie in Europa – offiziell stark gefördert werden, auch im musikalischen Bereich. Dadurch entstehen selbst in restriktiven Strukturen neue Freiräume für künstlerische Arbeit.“ Für Simon Linke und sein Projekt „Cyberinstruments“ bedeutet dies, dass KI-basierte Instrumente und Systeme nicht nur ästhetisch neue Möglichkeiten eröffnen, sondern auch den internationalen Austausch erleichtern können, wo dieser politisch oder gesellschaftlich eingeschränkt ist. Auf diese Weise entstehen sowohl technologische als auch neue kulturelle Impulse, die langfristig auch die Hamburger und Harburger Musikszene bereichern können.

Performance in Hangzhou: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten, Simon Linke und Rolf Bader | Foto: 蔣舒帆
Performance in Hangzhou: Die Sonomathematischen Impulsarchitekten, Simon Linke und Rolf Bader | Foto: 蔣舒帆

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Das ligeti zentrum freut sich, seinen neuen Newsletter vorzustellen, der vertiefende Einblicke in die dynamische Arbeit an der Schnittstelle zwischen den Künsten, Wissenschaft, Technologie und Gesundheit bietet. Er richtet sich an alle, die neugierig darauf sind, wie kreative und wissenschaftliche Praktiken aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenwirken, um neue Formen des Denkens, Forschens und Gestaltens hervorzubringen.

Neben Informationen zu aktuellen Veranstaltungen, Workshops und öffentlichen Präsentationen beleuchtet der Newsletter die interdisziplinären Projekte aus den verschiedenen Labs, stellt beteiligte Künstler:innen, Forscher:innen und Kooperationspartner:innen vor und erzählt Hintergrundgeschichten, die zeigen, wie komplexe Ideen in Hamburg-Harburg entwickelt und realisiert werden.

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Über das ligeti zentrum

Das ligeti zentrum ist ein interdisziplinäres Zentrum für Wissens-, Technologie- und Ideentransfer in Hamburg-Harburg. In vielseitigen Projekten arbeitet ein Team aus unterschiedlichen Fachrichtungen an Fragestellungen, die die Künste, Wissenschaft, Technologie und Gesundheit zusammenbringen. Benannt nach dem Komponisten György Ligeti, steht ligeti zugleich als Akronym für „Laboratorien für Innovationen und Gesellschaftliche Entwicklung durch den Transfer von Ideen“.

Das ligeti zentrum wurde 2023 als Verbundprojekt der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, der Technischen Universität Hamburg und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf eröffnet. Es wird bis Ende 2027 im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert.

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Science in Hamburg: Healing Soundscapes im Porträt

Wie muss Musik klingen, um in Wartebereichen von Krankenhäusern oder im OP als angenehm wahrgenommen zu werden, ohne präsent in den Vordergrund der Wahrnehmung zu treten? Im Rahmen der „Societal Impact Stories“ sprach die Wissenschaftsredakteurin Stefanie Hentschel mit Prof. Dr. Georg Hajdu über das Projekt „Healing Soundscapes“.

Im Oktober 2025 waren sie erstmals auf den digitalen Anzeigetafeln im Hamburger Stadtgebiet zu sehen: Societal Impact Stories – Forschungsprojekte aus Hamburgs Hochschullandschaft, die einen sichtbaren Nutzen für die Gesellschaft darstellen. Die Inhalte werden auf der Seite „Science made in Hamburg“ umfangreich aufbereitet. Dazu gehört nun auch das Projekt „Healing Soundscapes“, das im ligeti zentrum in Kooperation zwischen der HfMT Hamburg und dem UKE weiterentwickelt wird.

Musik, die das Wohlbefinden verbessert, ohne aufzufallen

„Wie muss Musik klingen, die von wirklich allen Menschen als angenehm empfunden wird?“ Der Frage gehen am ligeti zentrum Forschende aus unterschiedlichen Fachrichtungen nach. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) installieren sie raumbezogene Klanginterventionen, die das Wohlbefinden von Menschen in sensiblen Bereichen des Krankenhauses verbessern sollen.

Für Science made in Hamburg, eine neue Plattform des offiziellen Portals der Freien und Hansestadt Hamburg, ging auch die Wissenschaftsredakteurin Stefanie Hentschel auf die Suche nach Antworten rund um die Healing Soundscapes. Über das Projekt, seine Entwicklung und die Menschen, die es vorantreiben berichtet sie im Artikel „Musik und Gesundheit: Die Freiheit, hinzuhören oder auch nicht“.

Foto: Science made in Hamburg

Auch wenn die Klänge leise im Hintergrund stattfinden: ‚Wie sehr sie die Atmosphäre verändern, merkt man in dem Moment, in dem man die Musik ausstellt.‘

Foto: Pia Preißler

Healing Soundscapes in den Medien

2025 erzeugte das Projekt, das mit der Markeneintragung im Register der Unionsmarken einen wichtigen Meilenstein erreichte, überregionales mediales Interesse. Daraus entstanden die folgenden Artikel:

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Innovation zum Anfassen: ligeti zentrum feiert gelungenen Tag der offenen Tür

Erstmals öffnete das gesamte ligeti zentrum am 22. November 2025 seine Türen. Unter dem Motto „Innovation zum Anfassen“ boten die interdisziplinären Labs und Projekte vielseitige Möglichkeiten zum Ausprobieren und Mitmachen – mit großem Erfolg. Ein Rückblick.

Von ferngesteuerten Robotern zu interaktiven Installationen, von Healing Soundscapes zu palliativer Dramaturgie, von 3D-Audio zu virtueller Realität: Wie breit das ligeti zentrum in Hamburg-Harburg aufgestellt ist, zeigte sich beim Tag der offenen Tür eindrucksvoll. Zum ersten Mal seit der Eröffnung im Mai 2023 lud das interdisziplinäre Transferzentrum Interessierte und Kooperationspartner:innen ein, einen umfassenden Blick in alle Labs und Projekte zu werfen.

Einblicke hinter die Kulissen: Am ersten Tag der offenen Tür des ligeti zentrums erwarteten Besucher ein buntes Tagesprogramm auf zwei Etagen | Foto: Carsten Rabe
Einblicke hinter die Kulissen: Am ersten Tag der offenen Tür des ligeti zentrums erwarteten Besucher ein buntes Tagesprogramm auf zwei Etagen | Foto: Carsten Rabe

Nach einem durchgehend gut besuchten Tag blickt das Team auf zahlreiche anregende Gespräche und spannende Begegnungen zurück. „Der erste Tag der offenen Tür des ligeti zentrums war ein großer Erfolg,“ resümieren die Projektleiter Prof. Dr. Georg Hajdu (HfMT Hamburg), Prof. Dr. Robert Mores (HAW Hamburg), Prof. Dr.-Ing. Thorsten Kern (TUHH) und Univ.-Prof. Dr. Sebastian Debus (UKE). „Den ganzen Tag über begleitete uns ein interessiertes und vor allem vielfältiges Publikum aus der Harburger Nachbarschaft sowie aus dem gesamten Stadtgebiet Hamburg. Besonders gefreut hat uns, dass viele Gäste das ligeti zentrum erstmals besuchten und mehrere Stunden an unseren interaktiven Stationen verbrachten. Das zeigt nicht nur, dass wir ein ansprechendes, tagesfüllendes Programm bieten konnten. Es macht auch deutlich, dass das ligeti zentrum einen echten Bedarf an interdisziplinären Formaten bedient, wie es sie in Hamburg in dieser Form bislang nicht gab.“

Robotic Rock: Im Haptic Lab können Industrieroboter Sounds erzeugen | Foto: Carsten Rabe
Welche Labs gibt es im ligeti zentrum und welche Projekte werden dort umgesetzt? Zwei Führungen boten Antworten auf brennende Fragen | Foto: Carsten Rabe
Welche Labs gibt es im ligeti zentrum und welche Projekte werden dort umgesetzt? Zwei Führungen boten Antworten auf brennende Fragen | Fotos: Carsten Rabe

Der Tag der offenen Tür macht deutlich, dass das ligeti zentrum einen echten Bedarf an interdisziplinären Formaten bedient, wie es sie in Hamburg in dieser Form bislang nicht gab.

Einmal im Monat finden im ligeti zentrum Synthesizer-Workshops statt. Im 9. Stock konnten Besucher:innen die digitalen Musikerzeuger ausprobieren | Foto: Carsten Rabe
Wie können Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen die Vorteile der Musiktherapie nutzen? Ein interdisziplinäres Team arbeitet an Lösungen und präsentierten ihren Prototypen | Foto: Carsten Rabe
Wie lässt sich ein Raum klanglich darstellen - und in einen anderen portieren? Im Agenturbüro versetzten Instrumente wie das Theremin Besucher:innen in das mittlerweile abgerissene Kohlekraftwerk Moorburg | Foto: Carsten Rabe
VRobotia führt Kinder mit praktischen Spielen in die Welt der Robotics ein. So auch beim Tag der offenen Tür des ligeti zentrums | Foto: Carsten Rabe
Von Musik bis zu Robotics: An vielen interdisziplinären Stationen konnten Besucher:innen selbst aktiv werden |
Fotos: Carsten Rabe

Künste und Wissenschaft im Dialog

Wie begegnen sich Künste und Wissenschaft – und was können sie voneinander lernen? Dieser Frage widmeten sich zum Auftakt des Tages Christian Carstensen (Bezirksamtsleiter Harburg), Prof. Dr. Georg Hajdu(Direktor ligeti zentrum), Prof. Dr. Sabine Maasen (Universität Hamburg), Prof. Dr. Jan Philipp Sprick(Präsident der HfMT Hamburg) und Margo Zālīte (Theaterregisseurin und Klangkünstlerin; Sustainable Theater Lab). Unter der Moderation der freien Journalistin Ulrike Henningsen diskutierten sie über den Wissenschaftsstandort Hamburg, seine Potentiale und die Rolle des ligeti zentrums als interdisziplinäre Schnittstelle – zwischen Hochschulen ebenso wie zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Auftakt im Production Lab: Podiumsgespräch zu der Frage „Warum braucht Wissenschaft die Künste?" | Foto: Carsten Rabe
Auftakt im Production Lab: Podiumsgespräch zu der Frage „Warum braucht Wissenschaft die Künste?“ | Foto: Carsten Rabe

Interaktive Stationen auf zwei Etagen

Nach dem Podiumsgespräch öffneten gegen Mittag alle Stationen der beiden Etagen. Im großen Flexbüro im 9. Stock konnten Gäste etwa die interaktive Dance Booth ausprobieren – eine Musikinstallation, die ihren Rhythmus durch das Drücken von Knöpfen und die Bewegungen der Nutzenden verändert. Im Konferenzraum standen derweil verschiedene digitale Synthesizer bereit, während der Malroboter aus dem Haptic Lab die erzeugten Klänge in Bilder übersetzte.

Die Projektverantwortliche Dr.-Ing. Ornella Tortorici Pabst berichtet von vielen spannenden Gesprächen an ihrer Station. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine synästhetische Besucherin: „Menschen mit Synästhesie nehmen Sinneseindrücke verknüpft wahr – sie hören Farben, schmecken Klänge oder sehen Worte in Farbtönen. In gewisser Weise tut der Malroboter etwas ganz Ähnliches: Er übersetzt Klang in Farben und Muster. Das Gespräch bot faszinierende Einblicke und hat mir zugleich neue Impulse für die Weiterentwicklung des Malroboters gegeben.“

Wie interpretiert ein Roboter Musik? Und wie übersetzt er sie in Bilder? Der Malroboter sorgte für spannende Gespräche | Foto: Carsten Rabe
Rhythmus durch Bewegung: Die Dancebooth lud Besucher:innen ein, den passenden Takt zu finden | Foto: Carsten Rabe
Die Dance Booth | Foto: Carsten Rabe
Die Dance Booth | Foto: Carsten Rabe
Während Besucher:innen des ligeti zentrums von vielen spannenden Eindrücken berichteten, gewannen auch Teammitglieder neue Impulse und Ideen | Fotos: Carsten Rabe

Die Künste: analog, digital, virtuell

Von begehbaren VR-Kunstwerken aus dem Projekt Moving Sound Pictures bis zum Spatial Sampler – einem Instrument, das Klang und Bewegung in der Mixed Reality neu verbindet: Mit VR-Brillen eröffneten sich den Besucher:innen im 10. Stock immersive, künstlerische Welten.

„Ich würde sagen, dass im Durchschnitt ständig etwa zehn Personen im InnoLab waren“, erzählt Dr. Greg Beller, der sein Projekt, den Spatial Sampler, nicht nur als Demo präsentierte, sondern Besucher:innen im Anschluss auch die Gelegenheit gab, das XR-Instrument selbst zu testen. „Ich habe die Präsentation über den Tag verteilt etwa zehn Mal wiederholt. Die Besucher:innen schienen im wahrsten Sinne des Wortes begeistert zu sein und machten große Augen!“

Während sich das Production Lab tagsüber in einen 3D-Audio Listening Room verwandelte, in dem Musiker:innen auch eigene Sounds testen konnten, leitete das SPIIC+ Ensemble am späten Nachmittag mit einer musikalischen Performance in einen geselligen Ausklang über.

 

Improvisation im Production Lab: Mit einer musikalischen Performance leitete SPIIC+ in einen geselligen Abend über | Foto: Carsten Rabe
Auch Teammitglieder des ligeti zentrums beteiligten sich an der Improvisation | Foto: Carsten Rabe
Eindrucksvoller Abschluss: Mit einer musikalischen Performance versammelte das Ensemble SPIIC+ die Besucher:innen im Production Lab | Foto: Carsten Rabe
Eindrucksvoller Abschluss eines rundum erfolgreichen Tags: Mit einer musikalischen Performance versammelte das Ensemble SPIIC+ die Besucher:innen im Production Lab  | Fotos: Carsten Rabe

Die Resonanz des Tages war wirklich überwältigend

„Die Resonanz des Tages war wirklich überwältigend“, sagt Nadine Schwalb, Leiterin der Agentur für Vermittlung und gesellschaftliche Teilhabe. „Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Gäste da waren und wir ein so diverses Publikum begeistern konnten. Die Mischung aus Kindern, Familien, Studierenden, Senior:innen und Menschen aus der Nachbarschaft hat den Tag der offenen Tür zu einem besonders bereichernden Erlebnis gemacht. Eine solche Veranstaltung möchten wir in der Zukunft unbedingt wiederholen.“

Willkommen im virtuellen Raum: Moving Sound Pictures erlaubt es Nutzer:innen, Kunstwerke interaktiv zu erforschen | Foto: Carsten Rabe
Robotics für Groß und Klein: Im Haptic Lab gab es viel zu sehen und auszuprobieren | Foto: Carsten Rabe
Wenn digitale Zuschauer:innen selbst die Regie übernehmen: Dank eines neuen Multiview-Tools können Nutzer:innen der HfMT-Mediathek Videos aus verschiedenen Perspektiven ansehen | Foto: Carsten Rabe
Instrumente, die den Sound des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg wiedergeben? Im Agenturbüro konnten Besucher:innen sie testen | Foto: Carsten Rabe
Innovation zum Anfassen für Jung und Alt: Die Mischung aus Familien mit Kindern, Studierenden, wissenschaftlichen Kolleg:innen, Senior:innen und interessierten Menschen aus der Nachbarschaft hat den ersten Tag der offenen Tür des ligeti zentrums zu einem Erfolg gemacht | Fotos: Carsten Rabe

Transfer zwischen Hochschulen und in die Gesellschaft

Interdisziplinär und innovativ geht es im ligeti zentrum auch in der zweiten Hälfte der Förderphase durch die Innovative Hochschule weiter. Am 3. Dezember 2025 etwa laden Roboter, Musiker:innen und Mitarbeiter:innen des Zentrums zur Bühnenshow „Lost in Translation“ ein. Der Abend bietet nicht nur praktische Einblicke in aktuelle Projekte, sondern entfaltet einen künstlerisch-wissenschaftlichen Dialog zwischen Musik, Robotik und Experimenten, in dem Interpretation und Bedeutungsverschiebung selbst zur Performance werden.

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