Kategorie-Archiv: Mitarbeitermotivation

Podcast #3: Experience Expert Zanna van der Aa

Despite its relevance, employee experience is a quite soft topic – hard to measure with clear KPI’s. Within this episode we spoke to Zanna van der Aa, an expert in the field of customer- and employee experience. Zanna knows how to build proof and helped us to understand why EX is so important for an organization to flourish.

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Zeitautonomie und Arbeitszufriedenheit

Durch die aktuelle Herausforderung, Arbeit trotz geltender Kontaktgebote und -verbote zu gestalten und als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben, treten die Bedürfnisse der Beschäftigten in den Vordergrund und es ergibt sich die Notwendigkeit, Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen, wobei flexible Arbeitszeitmodelle helfen können. In diesem Artikel werden die möglichen psychologischen Auswirkungen eines Vertrauensarbeitszeitmodells mithilfe der Job Characteristics Theory (Hackman & Oldham, 1975) erläutert.   


Die tägliche Arbeit soll sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Veränderte Zeiten erfordern auch ein Umdenken in den Köpfen der Menschen. Gerade in der aktuellen Situation (ich verzichte an dieser Stelle bewusst auf die ausgelutschte Phrase: „In Zeiten von Corona…“) treten die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund und nicht wenige Personen stehen vor der Herausforderung, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen.  

Die fortschreitende Digitalisierung und die daraus resultierenden Möglichkeiten des zeit- und ortsunabhängigen Arbeitens sind ein Prozess, der die Reflektion und Diskussion über unterschiedliche Arbeitszeitmodelle begünstigt.  

Beim sogenannten Vertrauensarbeitszeitmodell steht nicht im Vordergrund, ob die vereinbarte Arbeitsleistung in einem festen zeitlichen Rahmen erledigt wird; der Fokus liegt hierbei ausschließlich darauf, ob die Arbeitsleistung erbracht wird. Die Autonomie in der Gestaltung liegt bei den Beschäftigten.  

Besonders aus Perspektive der Beschäftigten liegt die Attraktivität dieses Modells auf der Hand und es kann dabei helfen, Beschäftigte an das Unternehmen zu binden. Dies mag in besonderer Weise auf Beschäftigte mit Kindern zutreffen, da sie eine Sonderstellung einnehmen, wenn es darum geht, die Anforderungen von Privat- und Berufsleben in gleicher Weise zu meistern. 

Die Rolle von Autonomie 

In der Arbeitspsychologie ist die Job Characteristics Theory (Hackman & Oldham, 1975) eine bekannte Theorie, welche einen theoretischen Rahmen bieten kann, um die psychologischen Effekte eines Vertrauensarbeitszeitmodells auf die Beschäftigten zu erklären.  

Mit Hilfe dieser Theorie lassen sich Arbeit und Arbeitsprozesse in Organisationen so gestalten, dass sie von den Mitarbeitenden als bereichernd wahrgenommen werden und sich so positiv auf die Arbeitszufriedenheit auswirken.  

Die Theorie postuliert hierbei fünf Kerncharakteristika (Tätigkeitsvielfalt, Identifikation mit den Aufgaben, Aufgabenwichtigkeit, Autonomie und Feedback), deren Vorhandensein bei den Beschäftigten dazu führt, dass sie ihre Arbeit als bedeutungsvoll wahrnehmen, sich verantwortlich für die Ergebnisse der Arbeit fühlen und Wissen über die Resultate ihrer Arbeitsaufgaben generieren können.  

Im Zuge dessen könnten die oben genannten Kerncharakteristika sich also positiv auf Motivation, (Job-)Zufriedenheit sowie Leistung der Beschäftigten auswirken und Absentismus und Wechselabsichten der Beschäftigten verringern.      

In einem Vertrauensarbeitszeitmodell könnte sich Autonomie als maßgeblicher Faktor von Arbeitszufriedenheit ebenso positiv auf die beschriebenen Outcomes auswirken. Die in dem Arbeitszeitmodell enthaltene Zeitsouveränität könnte die Beschäftigten empowern, indem es dazu beiträgt, Arbeitsaufgaben an individuelle Lebensrhythmen anzupassen, in welchen Arbeits- und Erholungsphasen ausbalanciert werden, was sich im Umkehrschluss auch positiv auf Arbeitsprozesse im Unternehmen auswirken würde.  

Konsequenzen 

Für die Beschäftigten ergibt sich die Herausforderung, sich selbst zu organisieren, ihre Arbeitsaufgaben zu planen und gleichzeitig die Anforderungen ihres Privatlebens zu erfüllen. Bei nicht vorgeschriebenen Arbeitszeiten besteht die Gefahr der Infiltration des Privatlebens durch Arbeitsinhalte oder Mehrarbeit, wodurch wichtige und erholende Ausgleichsaktivitäten und Ruhezeiten zu kurz kommen, was sich negativ auswirken kann auf Gesundheit und Wohlbefinden. Zeitautonomie bedeutet auch, dass Arbeits- und Ruhezeiten direkt durch die Beschäftigten beeinflussbar sind und sich nicht durch permanente Erreichbarkeit oder Mehrarbeit auszeichnen.  

Voraussetzung für die zeitliche Autonomie der Beschäftigten ist aber auch, dass eine Führungskraft diesen die Kompetenz zuspricht, ihre Aufgaben selbstorganisiert zu erledigen und ihnen das Vertrauen entgegenbringt, ihre Zeit im Sinne der Erledigung dieser Aufgaben einzuteilen. Im Kern widerspricht dies klassischen Hierarchien, in denen eine Führungskraft einer Gruppe von Beschäftigen operativ und auch disziplinarisch übergeordnet ist und die unter Umständen sogar die Leistungen ihrer Beschäftigten kontrolliert.    

Fazit

Zeitliche Autonomie bringt viele Vorteile für Beschäftigte und Führungskräfte mit sich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Es ergeben sich folgende Anforderungen: 

  • Fördern/Ermöglichen eines Kompetenzaufbaus der Beschäftigten im Hinblick auf Selbstorganisation und Leben einer Work-Life-Balance, welche zu Erholung führt 
  • Beschäftigten Vertrauen entgegenbringen und Verzicht auf Kontrolle 
  • Arbeit/Verteilung von Arbeitsaufgaben so gestalten, dass sie zu flexiblen Zeiten ausführbar ist und Koordination von Arbeits- und Ruhezeiten erlaubt (das bedeutet besonders Verzicht auf permanente Erreichbarkeit) 

Quelle: Hackman, J.R. Kc Oldham, G.R. (1975). Development of the Job Diagnostic Survey. Journal of Applied Psychology, 60: 159-170. 

Titelbild: Photo by Steve Halama on Unsplash

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Individuelle Motivationen erkennen

One-Size-fits-all-Lösungen funktionieren nicht, wenn es darum geht, Mitarbeitende zu motivieren. Die Mammut-Aufgabe, sich auf jede Person individuell einzustellen, ist auch ohne eine lange und intensive Kennenlernphase möglich. Wir stellen einen Ansatz vor, der dabei hilft, einander kennenzulernen, Motivation und Potenziale zu erkennen und eine Wertschätzung der Vielseitigkeit zu fördern.   

Was lässt uns motiviert arbeiten? Ist es das Gehalt, sind es die Kollegen:innen oder die Möglichkeit, kreativ und in Selbstverantwortung agieren zu können?  


Diese Frage hat sich bestimmt schon jeder einmal gestellt; immerhin weisen nach der aktuellen Gallup-Studie nur rund 15% der Arbeitnehmer:innen in Deutschland eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Job auf. 

Stellt man diese Fragen zehn unterschiedlichen Personen, erhält man zehn unterschiedliche Antworten. Es wäre so schön einfach, wenn man nach einer ausführlichen Marktforschung ein allgemeingültiges Rezept dafür bekommen könnte, was uns alle motiviert arbeiten lässt. Die einzige Konstante, die sich jedoch feststellen lässt, wenn man diese Frage kontinuierlich Personen stellt, ist, dass jeder etwas anderes sagt und das einige noch nicht mal im Ansatz eine Antwort für sich auf diese Frage haben.  

Was lässt uns also motiviert arbeiten?

Die allgemeingültige Antwort ist so trivial, wie sie auch ernüchternd ist: DAS IST BEI JEDEM ANDERS! 

Wir sind nun mal keine künstlichen Intelligenzen, die emotionslos ihre Aufgabe erledigen, wir lassen uns auch nicht in irgendwelche Schubladen packen, typologisieren und entgegen unserer eigenen Empfindungen von außen motivieren. Das es aber nicht nur schön, sondern auch wirtschaftlich relevant ist, wenn alle emotional mit dem Unternehmen verbunden sind, belegen auch diverse Gallup-Studien. Demzufolge sind motivierte Mitarbeitende rund 21% produktiver als unmotivierte und der wirtschaftliche Schaden von ‘innerer Kündigung’ beläuft sich 2018 auf satte 77-103 Milliarden Euro. Aber wie will man sich, speziell als Arbeitgeber, auf diese unterschiedlichen Empfindlichkeiten einstellen? Wenn es kein allgemeines Rezept gibt, kann man sich denn damit überhaupt beschäftigen, ohne völlig überfordert zu sein? 

Ein schönes Zitat eines jungen CEO’s eines wachsenden Unternehmens: „Ich kann ja nicht mit jeder Person, die für oder mit uns arbeiten möchte, gleich in ein Kurhotel an die Ostsee fahren und ein ganzes Wochenende über die innersten Motivationen sprechen.“ Da hat er vollkommen recht, ganz sicher geht das nicht, außerdem wäre dann noch nicht einmal gesagt, dass die Person sich in dem Kurhotel öffnen wird und so über ihre Persönlichkeiten sprechen kann, dass es auch für alle verständlich ist. Auch in einem Vorstellungsgespräch oder in einer frühen Phase der Zusammenarbeit kann man diese offene Selbstreflexion nicht ohne weiteres erwarten. 

Es braucht also ein System, das jede:n individuell analysiert, ohne zu werten, ein System, das nachhaltige Einblicke in die unterschiedlichen Persönlichkeiten gibt, ein System, das simpel genug ist, damit es jede:r verstehen kann und komplex genug, um Personen nicht in Schubladen zu stecken.  

Die 7 Wertesysteme nach Spiral Dynamics

Der amerikanische Psychologie-Professor Clare W. Graves hat die individuelle Motivation der Menschen erforscht und eine Theorie entwickelt, die sowohl einfach zu verstehen als auch anzuwenden ist: Spiral Dynamics. Er hat ebenfalls erkannt, dass es einen unstrittigen Zusammenhang zwischen individueller Motivation und der eigentlichen Arbeitsleistung gibt. Aus heutiger Sicht würde man auf diese Aussage wahrscheinlich mit einem saloppen: „Ach was!“ antworten. Unser intuitives Bauchgefühl bestätigt uns also, dass es stimmt – wissen wir aber auch, was uns selbst, unsere Kollegen, unsere Mitarbeiter:innen wirklich motiviert?  

Dr. Clare W. Graves unterscheidet in seiner anerkannten Theorie im Kern sieben intuitiv erkennbare Wertesysteme, die das Denken und Handeln von Menschen bestimmen und hat jedem dieser Wertesysteme eine Farbe zugeteilt: 

  • Türkis  sucht Akzeptanz und Frieden im ganzheitlichen Denken und größeren Sinnzusammenhängen. 
  • Gelb  möchte verstehen, wie es ist, und neue, kreative Ideen entwickeln. 
  • Grün  sucht soziale Verbindungen und Harmonie. 
  • Orange  will sich beweisen und ist ein ambitionierter Herausforderer. 
  • Blau  mag es geregelt und sucht Sicherheit in einem System von Strukturen und Ordnung. 
  • Rot  strebt nach Autorität und zeigt Entschlossenheit und Schnelligkeit.  
  • Lila  sucht Sicherheit und Geborgenheit in Gewohnheiten und Traditionen. 

Dieser stark vereinfachten Darstellung seiner Erkenntnisse liegen also sieben Wertesysteme zu Grunde, die so in uns allen in unterschiedlicher Gewichtung vorhanden sind.  

Das bloße Wissen über diese Theorie würde die oben erwähnte Unterhaltung im Kurhotel schon mal sehr gut strukturieren und abkürzen. Wir haben damit also eine Gesprächsgrundlage, sind durch diese Struktur in Bezug auf unsere persönlichen Motive sprachfähig geworden. Allerdings kommt man durch das bloße Verständnis nur bedingt weiter. Die Selbstreflexion ist für die meisten Personen unglaublich schwierig, ob man eine Struktur bekommt oder auch nicht. Wir alle waren schon mal in Situationen, in denen wir darum gebeten wurden, über unsere Emotionen zu sprechen – das fällt wahrhaftig nicht jedem:r leicht.  

Profile Dynamics® ist Technologiepartner der LIFT for future GmbH und hat aus dieser Theorie ein Online-Analyse-Tool entwickelt, welches zum einen die individuellen Motive in jedem:r einzelnen darstellen kann, zum anderen aber auch erklärt, welche Widerstände man gegen welche „Farben“ aufweist. Letzteres ist besonders wertvoll, um nicht nur zu verstehen, was einen Menschen motiviert, sondern auch, welches Umfeld eines Menschen Energie ziehen kann. Wir verstehen also, was jede:n Einzelne:n motiviert UND was demotiviert. Diese Ergebnisse lassen sich grafisch darstellen und auch zusammenfügen. Nicht um zu manipulieren, sondern um einander zu verstehen, wertzuschätzen und Potenziale zu erkennen.  

Die LIFT for future GmbH verwendet diese Analysemethode an drei elementaren Schnittstellen der Employee Experience – und zwar immer da, wo individuelle Persönlichkeiten und Motivation besonders entscheidend sind, für die Einzelpersonen und den gemeinsamen Erfolg:  

  1. Bei der Orientierungshilfe von Personen, die entweder auf der Jobsuche sind oder aber gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben und herausfinden wollen, was wirklich zu ihnen passt. Denn hier ist es besonders wichtig, gleich in die richtige Richtung zu laufen, um nicht in einem Trott hängen zu bleiben. Erkennt man, was einen langfristig motiviert, kann man von Beginn an mit einem Team und Unternehmen wachsen.  
  1. Als Plugin für den Recruiting-Prozess von Unternehmen, um sowohl Bewerber:innen als auch Recruiter:innen bei der Auswahl zu unterstützen. Konzentriert man sich in dieser Phase auf die individuellen Motive und nicht ausschließlich auf die Fähigkeiten, erfährt die HR schon vor dem ersten Interview, ob die Bewerberpersönlichkeit zu den Team-, Rollen- und Kulturanforderungen des bestehenden Teams bzw. Unternehmens passt. 
     
  1. Für eine gesteigerte Teamperformance – denn auch ein Team besteht nicht aus nur aus Arbeitskräften mit komplementären Fähigkeiten, sondern aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus individuellen Motiven heraus bereit sind, ihr Bestes zu geben. Die Persönlichkeit der Teammitglieder gehört in den Mittelpunkt, denn so schafft man die Basis zur Entfaltung von Potenzial, Innovationskraft und einer nachhaltigen Selbstorganisation. 

Um die Einsichten in die Motive von Teammitgliedern oder Bewerbern angemessen zu interpretieren, verwendet LIFT zusätzlich digitale Workshopformate, individuelle Podcasts und Webinare auf Augenhöhe. Wer sich individuell auf Mitarbeitende einstellt und eine gemeinsame Sprache findet, wird unweigerlich durch Vertrauen und Wertschätzung belohnt. Und wollen wir nicht alle in einem Umfeld arbeiten, in dem wir uns nicht verstellen müssen, sondern von Kollegen verstanden und akzeptiert werden? 


Photo by Alex Radelich, Quelle: Unsplash, Download Link here  

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Die Employee Engagement Bridge™

Die alten Methoden, mit Menschen in Unternehmen umzugehen, haben versagt. Ein “rebellischer” Ansatz aus der Praxis soll nun die Gebrauchsanweisung dafür sein, eine Unternehmenskultur zu gestalten, die hochengagierte Mitarbeiter:innen hervorbringt. 

Doch was hat das alles mit “rebellieren” zu tun? Laut dem Unternehmer Glenn Elliott und der HR-Direktorin Debra Corey: Sehr viel! Um zu zeigen, wie es auch anders gehen kann, haben sie den #1 Amazon Besteller im Bereich HR ‘Build it! The Rebel Playbook for Worldclass Employee Engagement1 geschrieben. Denn nur, wenn mit den eingefahrenen Rollen und Praktiken in Unternehmen gebrochen wird und neue Wege beschritten werden, können Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die Menschen wirklich begeistern und involvieren. Aus über 10 Jahren Beratungserfahrung mit weit mehr als 1.000 Kunden haben sie dabei ein Modell entwickelt, das sie die ‘Engagement Bridge™’ nennen und in ihrem Buch vorstellen. 


Der ‘Status quo’ der Personalführung bringt uns in Zeiten von disruptiven und innovativen Unternehmen nicht weiter

Wie sich in den letzten Jahren zeigt, werden ohne anpassungsfähige und agile Strukturen und enthusiastische Mitarbeiter:innen auch traditionelle Branchen zunehmend von innovativen und disruptiven Unternehmen ausgebootet. Viele Unternehmen versuchen, sich aus diesem Grund mit Angeboten wie Yoga und gesunden Smoothies, verspielten Büroausstattungen und Benefits im “War for Talent” für Fachkräfte attraktiver zu machen. Das ist ganz nett, reicht laut den Autoren Elliott und Corey aber bei weitem nicht, um das Engagement der Belegschaft auf Dauer hoch zu halten. Denn dass inspirierte und motivierte Mitarbeiter:innen auch produktiver sind und die “Extra-Meile” gehen, um ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen, ist nun keine wirklich neue Erkenntnis.2

“Sie [diese Unternehmen] erwirtschaften die doppelte Aktienmarktrendite und haben die Hälfte der Mitarbeiterfluktuation. Sie innovieren mehr, bieten einen besseren Kundenservice und sind produktiver. Sie übertreffen ihre Konkurrenten und stören die Märkte.”

Elliott & Corey unter http://www.rebelplaybook.com/, frei übersetzt

Wir alle kennen ja letztendlich die Maxime: “Behandle deine Angestellten gut”. Doch wie das konkret in die Tat umgesetzt und im stressigen Arbeitsalltag nicht aus den Augen verloren werden kann, wissen wir oftmals nicht. Deshalb geben die Autoren mit der Engagement Bridge™ eine Blaupause, wie eine hoch engagierte Unternehmenskultur gefördert werden kann. Doch was genau sind eigentlich “engagierte” Mitarbeiter:innen? Die Autoren definieren es wie folgt: 

  1. Sie verstehen und glauben an die Richtung, in die das Unternehmen sich bewegt
  2. Sie verstehen, wie ihre Rolle die Organisation beeinflusst und zur Erreichung der Unternehmensziele beiträgt
  3. Sie wollen aufrichtig, dass das Unternehmen Erfolg hat

Engagierte Mitarbeiter:innen treffen dabei bessere Entscheidungen, da sie die Hintergründe besser verstehen, sind produktiver und kreativer in ihren Lösungsansätzen. Klingt erst einmal wie etwas, dem keine Führungskraft abgeneigt wäre. Engagement ist dabei laut Elliott und Corey aber nicht das gleiche wie Zufriedenheit und braucht sehr viel Arbeit, Fokus und Hingabe, um umgesetzt zu werden. 

Die zehn Bausteine der Engagement Bridge™

Das Modell der Employee Engagement Bridge nach Glenn Elliott und Debra Corey
Die Employee Engagement Bridge ™

Die oben bereits angesprochenen Bausteine ‘Wohlbefinden’3, ‘Arbeitsumgebung’4 und ‘Bezahlung und Benefits’5 sind in dem vorgestellten Modell zwar ohne Frage wichtige Stellschrauben, reichen allein aber nicht aus, um die Lücke zwischen Arbeitnehmer:innen und dem Unternehmen zu schließen. Stattdessen untermauern sie die sieben weiteren Bausteine, die erst in Kombination eine tragfähige Brücke bilden.

(Hinweis: Die einzelnen Bausteine lassen sich nach Bedarf ausklappen)

Offene & ehrliche Kommmunikation (Open & Honest Communication)
Der wichtigste Baustein, den Elliott und Corey bei leistungsstarken Organisationen identifiziert haben, ist die offene und ehrliche Kommunikation zwischen allen Ebenen eines Unternehmens. Wenn Führungskräfte möchten, dass Angestellte zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen und in dieselbe Richtung agieren wie sie, müssen sie ihren Mitarbeiter:innen auch konsequenterweise die gleichen Informationen bereitstellen. Gleichzeitig können Führungskräfte kein engagierendes Arbeitsumfeld fördern, wenn die Belegschaft sich nicht traut, offen und ehrlich ihre Meinung zu sagen. Das Modell des ‘Iceberg of ignorance’6 besagt, dass Manager:innen nur ca. 4% der Probleme bekannt sind, mit denen Angestellte im Arbeitsalltag konfrontiert werden. Wie kann das Management helfen, negative Touchpoints zu vermeiden, wenn sie von diesen gar nichts weiß? Ohne eine konstruktive Feedbackkultur und Transparenz, die Vertrauen schafft, ist dies schlichtweg nicht möglich.
Sinn, Ziele und Werte (Purpose, Mission & Values)
Ein weiterer Aspekt – wenn richtig gelebt – der Vertrauen schafft, sind konsequent gelebte Ziele und Werte. Um von den Angestellten mitgetragen zu werden, müssen sie ihnen zunächst einmal bekannt sein (etwas woran es erfahrungsgemäß bereits in vielen Organisationen scheitert). Um nicht das Gegenteil zu erreichen und Mitarbeiter:innen zu desillusionieren, müssen Ziele deshalb authentisch sein und Worte und Taten übereinstimmen. Denn wer hat nicht schon einmal erlebt, dass eine Sache gesagt, aber etwas ganz anderes getan wird? Das Gefühl dieser Erfahrung, das zurückbleibt, ist eine herbe Enttäuschung und oft eine gewisse Form von empfundenem Verrat. Daran schließen sich auch die beiden nächsten zusammen gedachten Bausteine der Engagement Bridge an.
Führungsstil (Leadership)
Auch bei Führungskräften müssen Worte und Taten miteinander harmonieren, um authentisch zu wirken und Vertrauen zu schaffen. Vertrauen ist dabei das Stichwort: Führungspersonen haben die Rolle, durch das Leben der Unternehmenswerte und eine offene Kommunikation Vertrauen herzustellen, ihre Angestellten zu unterstützen und eine Vision rüberzubringen. Die Rolle von Führungspersonen ist somit laut Elliott und Corey in erster Linie eine Vorbildfunktion.
Sie nennen dabei 10 Qualitäten, die großartige Führungspersönlichkeiten an den Tag legen:

  • Sie haben die Firmenwerte verinnerlicht und leben sie
  • Sie kommunizieren offen und frühzeitig
  • Sie inspirieren andere, über sich hinaus zu wachsen
  • Sie gestehen ihre Fehler ein
  • Sie erkennen kleine Erfolge, große Erfolge und harte Arbeit an
  • Sie vertrauen Personen
  • Sie treffen die richtige, nicht die populäre Entscheidung
  • Sie schaffen einen Mehrwert für ihre Teams und verhelfen ihnen zum Erfolg
  • Sie haben den Mut, sich zu “entblößen” und zu zeigen
  • Sie kümmern sich um die Menschen
Management
“Leadership is what you say your organization will do, but management is what it actually does.”7

Laut den Autoren hat das Management die Aufgabe, ihre Taten mit den Unternehmenszielen und den Worten der Unternehmensführung in Einklang zu bringen. Zwar klingt es wie ein Selbstläufer, sie appellieren aber nachdrücklich daran, Angestellte nicht als Gegenspieler zu betrachten, sondern ihnen als Menschen mit eigenen Zielen und Lebenswegen – auch außerhalb des Unternehmens – zu begegnen.

Job Design
Eine sichtbare ‘Lern-Kultur’ im Unternehmen aufzubauen, bringt viele Vorteile mit sich. Sie gibt den Menschen im Unternehmen den Ansporn und den Raum, sich weiterzuentwickeln und über sich hinauszuwachsen. Lernen muss dabei nicht nur als Investment fürs Unternehmen, sondern auch als persönliches Investment verstanden werden. Ein “Lernprogramm” von oben herab verkennt dabei persönliche Ambitionen und Potenziale und läuft zumeist ins Leere. Wenn Mitarbeiter:innen dagegen ihren eigenen Interessen nachgehen können, übernehmen sie Verantwortung für ihren individuellen Lernprozess, wovon sie ebenso wie das Unternehmen profitieren.
Lernen (Learning)
Eine sichtbare ‘Lern-Kultur’ im Unternehmen aufzubauen bringt viele Vorteile mit sich. Sie gibt den Menschen im Unternehmen den Ansporn und den Raum sich weiterzuentwickeln und über sich hinauszuwachsen. Lernen muss dabei nicht nur als Investment fürs Unternehmen sondern auch als persönliches Investment verstanden. Ein “Lernprogramm” von oben herab verkennt dabei persönliche Ambitionen und auch Potenziale und läuft zumeist ins Leere. Wenn Mitarbeiter:innen dagegen ihren eigenen Interessen nachgehen können, übernehmen sie Verantwortung für ihren individuellen Lernprozess, wovon sie ebenso wie das Unternehmen profitieren.
Anerkennung (Recognition)
Viele Unternehmen geben immense Summen für Firmenjubiläen der Angestellten aus. Eine Verschwendung, wie die Autoren finden. Um wirksam zu sein, muss Anerkennung zeitnah, konkret, relevant und kontinuierlich entgegengebracht werden. 72% der Mitarbeiter:innen gaben derweil an, dass auch ein einfaches “Danke” sie motivieren und ihre Arbeitsmoral steigern würde.8 Wichtig ist dabei, dass in erster Linie der Gedanke zählt – das Gefühl wahrgenommen, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Anerkennung in Form von Geld und / oder Preisen sind dabei erfahrungsgemäß sekundär.

’Employee Engagement’ ist ein stetiger Prozess, der von den Angestellten selbst mit geschultert werden muss.

Eine goldene Regel, die sich durch alle Kapitel des Buchs zieht, ist so einfach und doch so oft vernachlässigt: “Rede mit deinen Angestellten!” (und natürlich: “Höre ihnen auch zu!”). Jedes Unternehmen ist anders und auch die Bedürfnisse der Menschen in diesen Unternehmen können sehr unterschiedlich sein. Es ist deshalb nur logisch, alle im Unternehmen mit einzubeziehen, ihnen Verantwortung und Entscheidungsfreiheit zu übertragen und sie so zu einem mitgestaltenden Teil der Unternehmenskultur zu machen. Eine weitere wichtige und so oft vernachlässigte Regel ist:  Fang an! Wenn du etwas siehst, was du direkt verändern kannst, setze dort an und gehe von da aus weiter. ‘Employee Engagement’ ist ein Prozess und kein Ziel. Der Weg ist nicht einfach, aber er lohnt sich – für Mitarbeitende und Unternehmen gleichermaßen. 

“Praxis ohne Theorie ist blind, Theorie ohne Praxis ist wirkungslos.”

– Immanuel Kant

‘Build it!’ ist dabei ein inspirierendes und motivierend geschriebenes Buch für alle, die mit Menschen arbeiten. Es folgt dabei einem klaren Rahmenwerk, ohne den Anspruch zu erheben, eine “One-Size-fits-All”-Lösung zu bieten. Vielmehr gibt es in jedem Kapitel logisch verargumentierte Richtlinien, einen Überblick über die wichtigsten Verhaltensweisen von Rebellen9, die wichtigsten Ergebnisse, die sie anstreben10 und konkrete Ideen für den Einstieg.11 Wer in der Bahn eine kurze, informative Lektüre mag, kann die Kapitel so auch wunderbar nach Bedarf quer-lesen.12 Die bemerkenswerten Case-Studies von erfolgreichen CEOs und Manager:innen veranschaulichen darüber hinaus in jedem Kapitel, wie es losgelöst von purem Idealismus in der Realität gehen kann. Dabei kann sich die Liste an Kunden sehen lassen: Neben kleineren Unternehmen finden sich hier auch große Namen wie Adobe13, Spotify14, Xero15 und Netflix16, die spannende Einblicke in Teile ihrer Unternehmenskultur geben. Das Buch ist somit eine praxisnahe und inspirierende Lektüre und hinterlässt eine fruchtbare “Packen wir es an”-Mentalität. Und seien wir ehrlich: Häufig braucht es vor allem genau das!

Die dargestellten Grafiken und Konzepte stammen aus dem Buch “Build it! The Rebel Playbook for Worldclass Employee Engagement” (Wiley, 2018) von Glenn Elliott und Debra Corey. 

  1. Wiley, 2018
  2. Bereits 2013 veröffentlichte Harvard Business Review eine Studie über die Wichtigkeit von ‘Employee Engagement’ als Wettbewerbsvorteil. Vgl. https://hbr.org/resources/pdfs/comm/achievers/hbr_achievers_report_sep13.pdf [09.04.2020]
  3. Wellbeing
  4. Workspace
  5. Pay & Benefits
  6. Vgl. S. 24
  7. Glenn Elliott & Debra Corey 2017: 86
  8. rg.co/recognitionstats
  9. den ‘Key Rebel Behaviours’
  10. den ‘Key Outcomes’
  11. ‘Making a Start’
  12. Angelehnt daran kannst du die einzelnen Bausteine auch hier im Blog individuell ein- und ausklappen. Probier es aus!
  13. Forbes: The World’s Most Innovative Companies 2018 #13
  14. Forbes: Most Innovative Growth Companies 2017 #10
  15. Forbes: World’s Most Innovative Growth Company 2014 & 2015
  16. Forbes: The World’s Most Innovative Companies 2018 #7

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