Kategorie-Archiv: Usability-Testing

UX Guideline-Sets, die Sie kennen sollten

UX-Guideline-Sets sind wichtige Werkzeuge, um im menschenzentrierten Gestaltungsprozess effizient auf bewährtes Wissen zurückzugreifen und die User Experience gezielt zu verbessern. Sie enthalten konkrete Handlungsempfehlungen, die auf Forschung, Best Practices und Praxiserfahrung beruhen. Entscheidend ist jedoch, im richtigen Moment, das passende Guideline-Set zur Hand zu haben. Die hier vorgestellten Sets unterscheiden sich nicht nur in ihrer inhaltlichen Ausrichtung – von allgemeinen Prinzipien und heuristischen Regeln bis hin zu spezifischen Empfehlungen für Web, Mobile oder Designpsychologie –, sondern auch in ihrem Detailgrad, ihrer wissenschaftlichen Fundierung und ihrer praktischen Anwendbarkeit. Manche bieten kompakte Übersichten, andere detaillierte Regelwerke mit begleitenden Beispielen und Checklisten.

Während UX-Guidelines meist sehr konkrete, umsetzungsorientierte Empfehlungen enthalten, sind Heuristiken eher allgemeine Standards, die als Prüfmaßstab dienen. Sie helfen, potenzielle Usability-Probleme zu identifizieren, indem sie das Design gegen übergeordnete Prinzipien spiegeln. Ein bekanntes Beispiel sind Nielsens 10 Usability-Heuristiken, die grundlegende Qualitätskriterien wie Konsistenz, Fehlertoleranz und Nutzerkontrolle formulieren. Design-Prinzipien wiederum bilden eine noch höhere Abstraktionsebene: Sie geben eine strategische Richtung vor. Zusammengenommen ergänzen sich diese drei Ebenen – Design-Prinzipien, Heuristiken und Guidelines – und schaffen einen Rahmen, um den Gestaltungsprozess sowohl inspiriert als auch überprüfbar zu machen.

Allgemeine UX-Prinzipien & Heuristiken

DIN EN ISO 9241

Bei der DIN EN ISO 9241 handelt es sich um einen Klassiker, den jeder kennen sollte. Hier finden sich Standards des Deutschen Instituts für Normung, die als grundlegende Richtlinien zur Gestaltung der Mensch-System-Interaktion betrachtet werden können. Unter den (vermutlich) in der UX-Branche bekanntesten Guidelines sind die Interaktionsprinzipien (9241-110) oder die Leitlinien zur Gestaltung von Benutzungsschnittstellen für das World Wide Web (9241-15).
» Ergonomie der Mensch-System-Interaktion: DIN EN ISO 9241-110

Eight Golden Rules of Interface Design

Bereits 1987 formulierte Ben Shneiderman in seinem Werk Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer Interaction, die bis heute relevanten acht goldenen Regeln der Gestaltung einer Mensch-Maschine-Schnittstelle für ein Interface. Diese Regeln wurden, nach eigener Angabe, aus der Erfahrung abgeleitet und über drei Jahrzehnte verfeinert.
» Ben Shneidermans Acht Goldene Regeln

Don Norman’s Fundamental Principles of Interaction

In seinem berühmten Werk The Design of Everyday Things finden sich unter anderem die von Don Norman publizierten sechs Prinzipien für die Usability bei der Interaktion mit Alltagsgegenständen. Die untenstehende Webseite listet diese auf und erklärt sie abstrakt in wenigen Sätzen. Für einen tieferen Einblick ist Don Normans Buch als Standardwerk immer wieder lesenswert.
» Don Normans Prinzipien des Designs

Nielsen’s 10 Usability Heuristics

Ein weiterer Klassiker des Usability Designs sind Jakob Nielsen’s 10 Prinzipien des User Interface Designs. Neben den erklärten Heuristiken werden auch Tipps zur Umsetzung, kurze (auch optisch umgesetzte) Beispiele und Links zu weiterführenden Informationen in Form von Artikeln oder Videos gegeben. Zudem werden Poster mit der Zusammenfassung aller Prinzipien, oder ausführlichere Poster mit einer DIN-A-4-Seite pro Prinzip, bereitgestellt.
» Nielsens 10 Usability Heuristics

Gerhard-Powals’ Cognitive Engineering Principles

Diese zehn Prinzipien wurden entwickelt, um die kognitive Belastung von Nutzer*innen zu reduzieren. Sie empfehlen unter anderem, Informationen in sinnvolle Einheiten zu gruppieren (Chunking), die Gedächtnislast zu verringern, vertraute Begriffe und Metaphern zu verwenden und unnötige Interaktionen zu vermeiden. Damit eignen sie sich besonders gut, um Interfaces so zu gestalten, dass sie leicht erlernbar und effizient nutzbar sind.
» Prinzipien zur Reduktion kognitiver Belastung

The UX Axioms

Diese 26 “Axiome” von Erik Dahl stellen eigentlich Aufforderungen dar, wie UX Design in der Entwicklung von Produkten und Services erfolgen sollte, beziehungsweise umgesetzt werden kann. Vielleicht lassen sich die Axiome als eine Art Mindset der UX bezeichnen – sie geben Guidelines zum Prozess der Produktentwicklung an sich und beeinflussen so indirekt die UX der daraus entstehenden Produkte.
» UX-Axiome für nutzerzentrierte Produktentwicklung

First Principles of Interaction Design

Von A bis V enthält die untenstehende Seite in 19 Themenbereichen sämtliche Richtlinien zur Gestaltung von Benutzeroberflächen. Diese recht umfangreiche Zusammenstellung strukturiert die Guidelines inhaltlich und bettet sie in wissenschaftliche Befunde ein. Zudem werden gelegentlich Hinweise zu weiterführenden Informationen gegeben und zur Veranschaulichung Beispiele und Case Studies dargestellt.
» Übersicht: Prinzipien des Interaktionsdesigns

Spezifische Guidelines für Web & Mobile

113 Design Guidelines Usability Homepage

Auch von Jakob Nielsen (2001) formuliert, finden sich 113 Design Guidelines speziell für die
Usability von Homepages, welche in 26 inhaltliche Themen kategorisiert sind. Diese Guidelines
sind sehr konkrete Hinweise zur Gestaltung und Umsetzung. Darüber hinaus wird bei einigen
Themen oder spezifischen Guidelines auch auf weitere, ausführlichere Erklärungen verwiesen.
» Konkrete Gestaltungstipps für nutzerfreundliche Homepages

247 Web Usability Guidelines

In neun verschiedenen Kategorien rund um Website Usability stellt David Travis seine insgesamt 247 Usability Guidelines zur Webseitengestaltung vor. Bei den Guidelines handelt es sich um positiv formulierte Statements, wie eine Web-Gestaltung sein sollte. Diese sind konkret und selbsterklärend, weshalb die Listen für sich stehen und nicht weiter ausgeführt werden (müssen). Zudem kann auf der untenstehenden Adresse ein Excel-Dokument mit einer Checkliste heruntergeladen werden, um die eigene Arbeit hinsichtlich der Statements zu prüfen.
» 247 Web-Usability-Guidelines zur Webseitengestaltung

Research-based Web & Usability Guidelines

Wer sich wirklich tief in die Thematik stürzen will, kann sich mit diesen auf Research basierenden Web Usability Guidelines auseinandersetzen. Das PDF-Dokument umfasst insgesamt 292 Seiten an Guidelines des U.S. Department of Health and Human Services’ (HHS). Dabei werden viele Usability-Bereiche bezüglich des Website-Designs abgedeckt, wie auch die Optimierung der User Experience.
» Wissenschaftlich fundierter Leitfaden für Web-Usability

Mobile Principles of Retail Apps and Sites

Spezifisch, aber umsetzungsnah: der von Google’s UX Research Lead Jenny Gove and UX Design Lead Iram Mirza entworfene Guide mit 25 Tipps, um eine mobile Verkaufsapp oder Verkaufswebseite zu designen. Diese sind in vier Kapitel aufgeteilt, an anschaulichen Beispielen verdeutlicht und beziehen sich auf die gesamte User Experience. Exploration und Suche, Produktdetails und Reviews, Check-out und Zahlung und reibungsloses Einkaufen.
» Praxisleitfaden: 25 Prinzipien für Mobile Retail-Apps & -Websites

Nutzerfreundlichkeit von Seiten in den Google-Suchergebnissen

Die Nutzerfreundlichkeit von Webseiten wirkt sich nach eigener Angabe von Google auch auf ihr Ranking bei Suchergebnissen aus. Hierzu stellt Google auf der untenstehenden Webseite u.a. fünf konkrete „Signale“ auf, welche die Faktoren darstellen, mit der diese Nutzerfreundlichkeit bestimmt wird. Diese sind kurz und übersichtlich dargestellt und enthalten jeweils eine Verlinkung zu einer Möglichkeit, das Signal auf der eigenen Webseite zu überprüfen.
» Googles Faktoren für nutzerfreundliche Webseiten

App Usability

Wie der untenstehende Blogbeitrag aufzeigt, ergeben Applikationen eigene Herausforderungen hinsichtlich ihrer Usability. Deshalb werden hier 10 Guidelines zur Verbesserung der App-Usability erläutert und an anschaulichen Beispielen verdeutlicht.
» UX Guidelines für mobile Apps im Blogbeitrag

Designpsychologie und -prinzipien

Gestaltgesetze

Diese „Gesetze” stammen aus der Gestaltpsychologie und beschreiben Prinzipien, nach denen visuelle Elemente als zusammenhängend wahrgenommen werden. Damit bieten sie einen universellen Ansatz der menschlichen, visuellen Wahrnehmung, wie bspw. Elemente auf einem User Interface bei der visuellen Verarbeitung gruppiert werden, und wie man diese bewusst im Design ansteuern kann. Ursprünglich formulierte Wertheimer (1923) hierzu sechs Prinzipien, die bis heute eine zentrale Grundlage für Design und UX darstellen. In der untenstehenden werden acht Gestaltgesetze benannt, erläutert und direkt Designableitungen für digitales Design gegeben.
» Grundprinzipien der visuellen Wahrnehmung mit Designbeispielen

Ten principles for good design

Der Industriedesigner Dieter Rams stellt 10 Design-Prinzipien auf einer grundlegenden Ebene für ein „gutes Design“ auf. Die Prinzipien beziehen sich allgemein auf das Produktdesign und inspirieren alleine durch die Darstellung. Auf der untenstehenden Website von Vitsœ, deren Design Dieter Rams im Kontext von Möbeln entwirft, sind sie erläutert und mit Designbeispielen verdeutlicht.
» Inspiration für gutes Produktdesign mit Praxisbeispielen

77 Human Needs

“Every successful innovation serves a human need.” Diese Überschrift der untenstehenden Website sagt schon einiges über die 77 Human Needs aus und weshalb sie in diesem Blogbeitrag auftauchen. Unterteilt werden die Bedürfnisse in fünf verschiedene Kategorien und sind bisher nur in Workshops oder Trainings erlebbar. Das Erfüllen der Bedürfnisse stellt in jedem Fall einen interessanten UX Gestaltungsansatz dar.
» Ansatz für nutzerzentrierte Innovation mit 77 Bedürfnissen

UX Myths

Der UX Designer Zoltán Gócza formulierte mit der Unterstützung von Zoltán Kollin auf der untenstehenden Webseite 34 UX-Mythen. Bei diesen handelt es sich um UX-Fehlannahmen, die kurz erläutert und dann mit zahlreichen Beispielen und bspw. Guidelines, welche gegen dn „Mythos“ sprechen, untermalt werden. Eine strukturierte Website mit umfassenden Belegen.
» Weit verbreitete UX-Fehlannahmen mit Gegenbelegen

UX-Guidelines für KI & Machine Learning

IBM AI Design Guidelines

Eine Sammlung von Prinzipien, Mustern und Empfehlungen für den Designprozess von KI-gestützten Produkten. Besonders wertvoll ist der Fokus auf Ethik, Fairness und die Vermeidung von Bias. Darüber hinaus werden Methoden vorgestellt, um diese Prinzipien messbar und im Projektalltag umsetzbar zu machen.
» Designprinzipien für verantwortungsvolle KI-Produkte

Google PAIR Guidebook

Ein praxisnahes Handbuch von Googles People+AI Research-Team. Es enthält Leitlinien, um nutzerfreundliche KI-Systeme zu gestalten – von der Erklärbarkeit über den Umgang mit Unsicherheit bis hin zu Vertrauen und Nutzerkontrolle. Zusätzlich liefert es praxisnahe Übungen und Tools, die direkt im Produktentwicklungsprozess eingesetzt werden können.
» Praxisnaher Leitfaden für nutzerfreundliche KI-Systeme

Stanford HRI Guidelines

Ein Überblick über zentrale Prinzipien der Human-Robot-Interaktion: Sicherheit, Vorhersagbarkeit, soziale Signale und Transparenz. Ideal für Teams, die physische Produkte oder Service-Roboter gestalten. Die Guidelines unterstützen dabei, Interaktionen vertrauenswürdig, effizient und für Nutzende vorhersehbar zu machen.
» Gestaltungsprinzipien für Mensch-Roboter-Interaktion

ISO 13482 – Sicherheit von Servicerobotern

Der internationale Standard definiert Sicherheitsanforderungen für persönliche Assistenz- und Serviceroboter. Für UX-Teams wichtig, da Sicherheitserwartungen der Nutzenden direkt in Interface- und Interaktionsdesign einfließen. Er zeigt, wie Risiken minimiert werden können, um das Vertrauen in autonome Systeme zu stärken.
» Internationaler Standard für sichere Serviceroboter

Barrierefreiheit & inklusives Design

WCAG 2.2 – Web Content Accessibility Guidelines

Der internationale Standard für digitale Barrierefreiheit. Enthält messbare Kriterien für Kontraste, Tastaturnavigation, Formulargestaltung und mehr – mit dem Ziel, digitale Inhalte für alle Menschen zugänglich zu machen. Die 2.2-Version bringt zusätzliche Erfolgskriterien, die besonders mobile Anwendungen und kognitive Barrieren adressieren.
» Globale Richtlinien für barrierefreie digitale Inhalte

EN 301 549 – Europäischer Standard für digitale Barrierefreiheit

Dieser europäische Standard legt die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fest. Er ist besonders relevant für öffentliche Einrichtungen und regelt, wie Websites, mobile Anwendungen, Software und sogar Hardware barrierefrei gestaltet werden müssen. Damit schafft er eine einheitliche Grundlage für die Umsetzung der EU-Richtlinie 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen.
» Europäischer Standard für digitale Barrierefreiheit

Inclusive Design Principles

Sieben klar formulierte Prinzipien, die weit über Barrierefreiheit hinausgehen und allen Nutzenden zugutekommen. Besonders hilfreich in der Konzeptionsphase, um früh auf Vielfalt, Flexibilität und Toleranz gegenüber Fehlern zu achten. Sie fördern nicht nur Inklusion, sondern verbessern die allgemeine User Experience für alle Zielgruppen.
» Sieben Prinzipien für inklusives Design

Meet our experts:

Kostenloses Webinar: CX-Kompass für den Mittelstand

Customer Experience ohne komplexe Frameworks: Am 05. März zeigen Ihnen zwei Top-Expert*innen und unser Geschäftsführer Martin Rausch-Beschnitt einen pragmatischen Ansatz, mit dem Sie auch bei knappen Budgets klare Prioritäten setzen.

Zur Anmeldung

Spezielle Guidelines & Sammlungen

UX/UI Guideline Summary

Hierbei handelt es sich um eine Zusammenstellung relevanter UX Guidelines mit Fokus auf das User Interface oder die Interaktion. Einige der darin enthaltenen Guidelines sind auch in diesem Artikel aufgeführt und werden bei Nick Kolenda’s Webseite unten als Quellen angegeben. Die Zusammenstellung ist kompakt, aber umfassend, gut strukturiert und mit anschaulichen Beispielen verdeutlicht.
» Kompakte Übersicht relevanter UX/UI-Guidelines mit Beispielen

Heuristiken für gelungenes UX Writing

Der Leitfaden vom Arbeitskreis UX-Writing der German UPA bietet eine Sammlung von Heuristiken, die speziell auf gutes Textdesign in Nutzeroberflächen abzielen. Er zeigt, wie zum Beispiel Klarheit, Konsistenz, Nutzerorientierung und Feedback durch Sprache gestaltet werden können, damit Texte im Interface nicht nur lesbar, sondern auch hilfreich und angenehm im Erlebnis sind. Diese Heuristiken sind besonders nützlich, wenn Interfaces zunehmend sprachlich und dialogbasiert wirken und Texte einen zentralen Teil der Nutzungsführung übernehmen.
» Leitfaden zu UX Writing Heuristiken

Pleasure & Pain

Im untenstehenden Blogbeitrag von Whitney Hess finden sich insgesamt 25 Guidelines: Fünf für die Designer selbst und 20 für das Design. Diese werden in Textform aufgeführt und jeweils kurz erläutert. Hier werden sowohl Empfehlungen für den Designprozess, als auch inhaltlich für das UX Design gegeben und jeweils in wenigen, prägnanten Sätzen erläutert.
» Prägnante Empfehlungen für UX-Designer und Designprozesse

UX Guidelines der Unternehmen

Wie der Titel bereits andeutet, sind auf der untenstehenden Website UX Guidelines verschiedener, erfolgreicher Unternehmen aufgelistet. Insgesamt 14, von Adobe bis Sony bereitgestellte Guideline-Sets sind hier ohne weitere Beschreibung übersichtlich aufgeführt und verlinkt.
» UX-Guidelines von 14 bekannten Unternehmen

Stanford Guidelines for Web Credibility

Zu einer der (auch) von Peter Morville beschriebenen Facetten, der Credibility, entwarf die Stanford Universität 10 Guidelines zum Aufbau der Glaubhaftigkeit von Websites. Die entwickelten Richtlinien wurden laut Angabe der Website über drei Jahre Research und mit über 4.500 Personen entwickelt. Auf ihrer Website sind auch sämtliche Publikationen der zugehörigen Forschung aufgelistet:
» Richtlinien für glaubwürdige Websites von Stanford

User Experience Honeycomb zur Website Informationsarchitektur

Peter Morville veröffentlichte 2004 das UX Honeycomb, welches seinem Namen durch die Darstellung von sieben Begriffen in „Honigwabenformen“ entspricht. Diese Begriffe zeigen verschiedene Facetten der User Experience auf. Sie lassen sich aber auch als Werkzeug, im Sinne einer Guideline, verwenden. Näher beschrieben werden sie bspw. unter:
» Visualisierung der sieben Dimensionen der User Experience

Grenzen, Vor- und Nachteile von User Experience Guidelines

Fazit: Insgesamt sind in diesem Artikel, wie ich finde, sehr spannende Guidelines mit unterschiedlichem Fokus und Umfang aufgeführt. Viele laden auch dazu ein, sich tiefer mit dem entsprechenden Thema zu beschäftigen und bieten weiterführende Links/Literaturhinweise. Nichtsdestotrotz muss bedacht werden, dass Guidelines ein Hilfsmittel darstellen, welches nicht allein für einen menschenzentrierten Entwicklungsprozess sorgen kann. Die Grenzen, sowie Vor- und Nachteile von Usability-Guidelines, wurden bereits in diesem Blogbeitrag aufgearbeitet.

The post UX Guideline-Sets, die Sie kennen sollten appeared first on eresult.

App Usability: Was macht eine gute App aus?

Was zeichnet eine gute App aus?

Eine gute App ist nützlich, intuitiv bedienbar und sorgt für eine positive User Experience. Sie erfüllt konkrete Bedürfnisse der Zielgruppe, lässt sich ohne Erklärung sofort nutzen und bietet Freude bei der Anwendung.

1. Nützlichkeit: Die App erfüllt ein konkretes Bedürfnis

Zuallererst muss eine App (ob für mobile Endgeräte oder Desktop) nützlich sein und den Bedarf der jeweiligen Zielgruppe(n) befriedigen. Dazu zählen zum Beispiel das Bedürfnis nach Information, Unterhaltung oder Bequemlichkeit. Bereits in der Planungs- und Konzeptionsphase müssen die Themen Nützlichkeit und Mehrwert Beachtung finden und als Zielvorgabe definiert sein.1

2. Einfache Bedienung: Intuitiv, selbsterklärend, erwartungskonform

Ein zweites, wichtiges Merkmal einer guten App ist ihre einfache Bedienung. Sie muss intuitiv funktionieren, selbsterklärend aufgebaut und erwartungskonform gestaltet sein. Der Nutzungskontext (etwa unterwegs, auf dem Weg zur Arbeit oder im Ladengeschäft etc.) bietet wenig Raum für Komplexität oder Umständlichkeit.
Eine mobile App muss nach dem Herunterladen und dem ersten Start sofort nutzbar sein.

3. Positive Nutzungserfahrung bei Funktion und Interaktion

Der dritte Erfolgsfaktor ist eine gute Experience. Der Umgang mit den Inhalten und Funktionen einer App muss einfach Spaß machen. Es geht nicht nur um das „Was“ (Inhalte), sondern auch um das „Wie“ der Interaktion. Nützlichkeit und einfache Bedienung sind dabei zentrale Bestimmungsfaktoren für eine positive User Experience (vgl. Abb. 1).

Welche Arten von Apps gibt es überhaupt?

Grundsätzlich kann bei mobilen Apps zwischen 3 Arten unterschieden werden. Diese unterscheiden sich sowohl von Nutzerseite als auch von der Entwicklerseite her.

Native Apps

Native Apps werden speziell für ein bestimmtes Betriebssystem wie Apple iOS, Google oder Android entwickelt. Vorteile für User liegen oftmals in der Schnelligkeit und Stabilität, alles läuft sehr „flüssig“. Native Apps können auf Gerätefunktionen wie z. B. Kamera oder GPS direkt zugreifen und auch Offline-Funktionen, wie bei Karten-Apps, sind sehr zuverlässig verwendbar. Durch die nahtlose Integration in das Betriebssystem lässt sich das Nutzungserlebnis einerseits deutlich verbessern. Auf der anderen Seite sind sie jedoch sehr aufwändig in der Entwicklung und daher deutlich teurer als Web- oder hybride Apps.

Web-Apps

Web-Apps funktionieren sowohl mit einem mobilen Endgerät als auch mit einem Desktop-Rechner/Notebook. Eine Web-App muss nicht installiert werden, sondern kann direkt im Browser geöffnet werden. Somit ist sie eigentlich „nur eine normale Webseite“, die sich gut auf mobilen Endgeräten jeglicher Plattformen bedienen lässt. Es muss also nicht extra eine App gekauft/installiert werden. Allerdings unterstützt eine Web-App keine bekannten App Features wie z. B. Push-Benachrichtigungen. Eine Weiterentwicklung der Web-Apps sind Progressive Web-Apps (PWA). Diese werden auf dem Gerät installiert und verhalten sich wie eine Native App – im Hintergrund kommt dennoch der Browser zum Einsatz. Ausgeführt werden sie aber – und das ist der wichtigste Punkt – direkt auf dem Gerät, dadurch sind z. B. Funktionen wie der Offline-Modus möglich.

Hybride Apps

Hybride Apps sind, wie Native Apps, direkt über den App Store der jeweiligen Plattform zu installieren. Ein Unterschied zur nativen App ist im Normalfall für Anwender*innen nicht direkt ersichtlich, da dieser in der Softwareentwicklung liegt. Da eine hybride App aber „daherkommt“ wie eine native App, jedoch nicht über die individuellen Anpassungen verfügt und somit der Look-and-feel der jeweiligen Plattformen nicht repliziert werden kann, führt dies beim User einstweilig zu einer eingeschränkten User Experience.

Welche besonderen Rahmenbedingungen gelten bei der Nutzung von mobilen Apps?

Geringe Bildschirmgröße

Aufgrund ihrer Mobilität besitzen Smartphones verhältnismäßig kleine Bildschirme, die das Hosentaschenformat nicht überschreiten. Dementsprechend wenig Raum bleibt für die Darstellung von Inhalten und Interaktionselementen. Zudem gilt üblicherweise eine Beschränkung auf ein einzelnes Benutzerfenster, es können also nicht wie beim Rechner/Notebook mehrere Fenster nebeneinander geöffnet sein.

Nutzung eines Touchscreens

Touchscreens bringen eine Menge Vorteile, aber auch einige Herausforderungen mit sich. Beispielsweise ist die Tastatur nicht – wie bei einem Desktop-Rechner/Notebook – immer sichtbar, sondern es muss je nach Art der Eingabe ein Touchpad mit passender Tastatur eingeblendet werden. Zudem funktionieren gewohnte Interaktionselemente nur teilweise auch für die mobile Nutzung, da für eine Touchfläche viel mehr Platz eingeplant werden muss als für einen Mauszeiger.

Anderer Nutzungskontext

Mobile Endgeräte werden häufig an Orten verwendet, an denen die Lichtverhältnisse deutlich schlechter sind als im Arbeits- oder Wohnzimmer. Je nach Umgebung wird der User während der Anwendung mit weiteren potenziellen Störquellen konfrontiert, die von akustischen Beeinträchtigungen bis hin zu schlechter Netzabdeckung reichen können. Er befindet sich oftmals in einem hektischen und ablenkenden Umfeld, beispielsweise im Straßenverkehr oder beim Einkaufen. Auch wird im mobilen Nutzungskontext meist gezielter – und auch ortsbezogener – nach Informationen gesucht als bei der Nutzung eines Desktop-Rechners/Notebooks.

Neue Technologien erweitern die Möglichkeiten

Mit mobilen Endgeräten kann im Vergleich zu Desktop-Rechnern/Notebooks die Vielzahl an zusätzlichen Features wie Kamera, GPS, Voice-Eingabe oder Touch-ID in viel höherem Umfang genutzt werden. Durch das Aufkommen und das Zusammenspiel neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz (AI), Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), Web 3.0, Voice User Interfaces (VUIs), IoT (Internet of Things) und auch faltbare und somit größere Displays verändern sich die Möglichkeiten von mobilen Apps und die Anforderungen an diese stetig.

Abb. 1. Die Rahmenbedinungen für gute Usability

Konsistente Nutzererfahrung über verschiedene Gerätearten und Betriebssysteme hinweg

Eine App hat in vielen Fällen ihre „Referenz“ in einer Desktop-Umgebung. Insbesondere Hybride Apps müssen für verschiedene Betriebssysteme wie iOS und Android optimiert werden. Diese haben eigene Designrichtlinien und Funktionalitäten. Die Konvergenz von Designstilen und Funktionen zwischen den Plattformen sollte berücksichtigt werden, um eine konsistente Nutzungserfahrung zu gewährleisten. Insbesondere müssen sich Apps an verschiedene Bildschirmgrößen und -orientierungen anpassen können, was durch gut durchdachtes und sorgsam entwickeltes Responsive Design erreicht wird.

Warum gute Usability für mobile Apps entscheidend ist?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass die oben genannten Rahmenbedingungen bei der Gestaltung von Anwendungen für mobile Endgeräte oftmals nicht oder nur unzureichend beachtet werden. Daraus ergeben sich gravierende Usability-Schwächen bzw. -Nachteile auf Nutzerseite.

Gerade beim Thema Apps werden die Anforderungen an mobile Usability häufig missachtet: „Wir machen einfach eine App“, lautet oftmals der Leitspruch. Dass häufig tatsächlich „einfach mal schnell eine App“ gemacht wird, lässt sich täglich an den unzähligen Neuzugängen im App Store – und der gleichzeitig schwachen Usability – erkennen.

So ist es kein Wunder, dass sehr viele Apps nicht besonders lange genutzt, sondern oftmals innerhalb weniger Tage nach der Installation nicht mehr gestartet bzw. gelöscht werden. Untersuchungen zufolge deinstallieren mehr als die Hälfte der Nutzenden, eine App bereits wieder innerhalb von 30 Tagen nach dem Download. Ein Großteil, über 25%, sogar bereits nach dem ersten Tag.2

Einer der Hauptgründe hierfür ist eine schlechte mobile Usability und der damit einhergehende, fehlende Bezug zum mobilen Nutzungskontext. Denn die schönste optische Gestaltung und der eleganteste Code nützen nichts, wenn die App im realen Umfeld nicht nutzbar ist und den Nutzenden schlichtweg keinen Mehrwert bietet – weder auf emotionaler noch auf funktionaler Ebene. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass inzwischen rund 81 % der Deutschen ab 14 Jahren ein Smartphone besitzen, und somit sowohl die Nutzung als auch das Angebot an mobilen Apps weiterhin zunimmt, sollte mehr denn je auf eine gute Usability und User Experience geachtet werden.3

UX Guidelines für mobile Apps

Was sollte denn nun alles beachtet werden bei der Entwicklung einer mobilen App? Nachfolgend haben wir einige Prinzipien und Guidelines zusammengestellt, die helfen sollen, bei der Usability und User Experience einer mobilen App das Beste herauszuholen.

Fangen wir zuerst einmal mit einer Auswahl von für die mobile App-Entwicklung besonders relevanten Prinzipien der 10 Usability Heuristiken von Nielsen4 an (siehe Punkte 1–4). Zusätzlich zu den bekannten Usability-Heuristiken gibt es einige Guidelines, die für die Entwicklung einer erfolgreichen mobilen App bedeutend sind (weiter ab Punkt 5):

Auf bereits Bekanntes und Erlerntes setzen
Bedienprinzipien und -elemente, die Nutzende bereits vom jeweiligen Betriebssystem (z. B. Apple iOS) und der dazugehörigen Standard-App (z. B. Notizen) kennen, sollten auch bei neuen mobilen Apps grundlegend beibehalten werden. So können Nutzende bereits Erlerntes sofort auf die neue App anwenden und finden sich bereits bei der ersten Nutzung schnell zurecht (vgl. Abb. 2).

Ein Screenshot der Apple Notizen App.
Abb. 2. Apple Notzien App

Den geringen Platz für das Wesentliche nutzen
Bereits im Jahr 2016 hat die mobile Internetnutzung die Nutzung per Desktop-Rechner/Notebook überholt. Sollen Inhalte gleichermaßen für die mobile Nutzung als auch für Desktop-Rechner/Notebooks entwickelt werden, ist es ratsam, mit der mobilen Anwendung zu starten und dann die Inhalte auf Desktop-Rechner/Notebooks anzupassen – nicht umgekehrt (Mobile-First-Ansatz). Dies bedeutet, Inhalte zu priorisieren und dem Nutzungskontext anzupassen. Funktionen und Inhalte, die im mobilen Nutzungskontext nicht zwingend notwendig sind, sollten gestrichen werden (vgl. Abb. 3).

Ein Screenshot der Kleinanzeigen App.
Abb. 3. Kleinanzeigen App

Dem Nutzenden klares Feedback geben
Bei sämtlichen Interaktionen zwischen App und Nutzenden sollten diese jederzeit eine direkte Rückmeldung darüber erhalten, was gerade passiert (ist). Tippen sie beispielsweise auf eine Schaltfläche, so sollte auch entsprechend Feedback darüber gegeben werden, ob diese tatsächlich angetippt wurde – beispielsweise durch farbliche Hervorhebung oder Positionsveränderung.

Gerade bei Touchscreen-Geräten bietet es sich an, zusätzlich zum visuellen Feedback auch andere Sinne des Users anzusprechen (beispielsweise über Vibration nach dem Ausführen einer Aktion). Zudem sollte bei eventuellen Ladevorgängen immer angezeigt werden, dass die App gerade im Hintergrund arbeitet. Speziell im mobilen Nutzungskontext ist dies enorm wichtig, da die App Daten aus dem Internet abruft und hier je nach Aufenthaltsort nicht permanent eine perfekte und somit schnelle Datenverbindung gewährleistet ist (vgl. Abb. 4).

Ein Screenshot der Tier App.
Abb. 4. Kleinanzeigen App

Den User unterstützen
Insbesondere dann, wenn Nutzer*innen die App von unterwegs aus aufrufen, haben sie nicht immer besonders viel Zeit oder befinden sich in einem hektischen Umfeld. Daher ist es umso wichtiger, dass die App ihnen entgegenkommt und sie unterstützt.

Navigationselemente für mobile Anwendung separat definieren
Website-Elemente wie Buttons oder Links sollten speziell für mobile Anwendungen entwickelt werden. Ein Element, mit dem Nutzende interagieren können, muss bei der mobilen Verwendung noch deutlicher hervorgehoben werden als im Desktop-basierten Kontext. Dies resultiert aus der Notwendigkeit heraus, Informationen und Funktionen möglichst schnell zu erfassen. Zudem gibt es bei der Verwendung eines Touchscreens keinen Mouse-Over-Effekt, sodass nicht mit dem Mauszeiger über die Seite gefahren werden kann, um interaktive Elemente zu finden (vgl. Abb. 5).

Ein Screenshot der Doctolib App.
Abb. 5. Doctolib App

Auf hohes Kontrastverhältnis achten
Gerade weil mobile Geräte häufiger an Orten genutzt werden, an denen die Lichtverhältnisse wesentlich schlechter als in der Umgebung eines Desktop-Rechners/Notebooks sind, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die App ein hohes Kontrastverhältnis bei Schrift, UI-Elementen, Icons etc. bietet. Anderenfalls kann der User die App, die zu Hause im Wohnzimmer noch wunderbar funktioniert hat, unterwegs im sonnigen Park nicht mehr angemessen verwenden.

Gerätespezifische Funktionalitäten sinnvoll nutzen
Mobile Endgeräte haben zahlreiche Features, die bei der App-Entwicklung sinnvoll eingebunden werden sollten. So sollte die App die Möglichkeit der automatischen Lagebestimmung des iPhones ausnutzen und Nutzenden die Wahl lassen, ob das Gerät hochkant oder quer gehalten wird (Bildschirminhalte sollten sich dementsprechend automatisch ausrichten). Zudem sollten diverse native Multi-Touch-Gesten wie doppeltes Antippen (Double Tap), Vergrößern/Verkleinern mit zwei Fingern (Spread/Pinch) oder Wischen (Swipe) genauso für das Bedienkonzept der App in Betracht gezogen werden wie die Möglichkeit, die Kamerafunktion zu nutzen. Auch die automatische Standortermittlung sollte bei der App-Gestaltung berücksichtigt werden.

Durch die sinnvolle Nutzung und Kombination dieser gerätespezifischen Funktionalitäten kann sich die App von anderen Apps abheben und dem Nutzenden exklusive Vorteile bieten (vgl. Abb. 6).

Ein Screenshot der Apple Rechner App.
Abb. 6. Apple Rechner App

Reibungslose Übergänge zwischen mobilen Apps und dem mobilen Web
Sollte es notwendig sein, Nutzende von der App ins mobile Web zu leiten, ist es sehr wichtig, die Übergänge reibungslos zu gestalten. Dies geschieht zum einen durch das Sicherstellen eines einheitlichen Look-and-Feel, sodass Nutzende so wenig wie möglich merken, dass sie weg von der App geleitet werden. Zum anderen sollte darauf geachtet werden, dass die Ladezeiten so gering wie möglich gehalten werden, um auch hier den Unterschied zwischen App und Web so gut es geht zu verringern.

Funktionierende Vergleichsmöglichkeiten ermöglichen
Geht es zum Beispiel um eine mobile App, in der eine Produktpalette gezeigt wird, wie zum Beispiel einen Webshop oder sogar ein Vergleichsportal, sollte unbedingt darauf geachtet werden, eine praktikable und angenehme Möglichkeit zum Vergleichen, d. h. nebeneinander betrachten, einzelner Produkte zu schaffen. Dies stellt im mobilen Kontext insofern eine Herausforderung dar, als dass die Größe des Displays beschränkt ist und in der Horizontalen nur eine geringe Anzahl an gleichzeitig sichtbaren Spalten zulässt (vgl. Abb. 7).

Ein Screenshot des Apple Webshops.
Abb. 7. Apple Webshop

Das passende Keyboard bereitstellen
Das Bereitstellen eines zum Eingabefeld passenden Keyboards zahlt direkt auf die Nutzerzufriedenheit ein. Es sollte also zum Beispiel bei der Eingabe der Postleitzahl oder einer Telefonnummer ein numerisches Keyboard eingeblendet werden, bei der Eingabe einer E-Mail-Adresse ein alphanumerisches Keyboard mit Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen usw. (vgl. Abb. 8).

Ein Screenshot der Microsoft Teams App.
Abb. 8. Microsoft Teams App

Das Zoom-Level selbst bestimmen lassen
Wird in der App eine Zoom-Funktion für Bilder und Dateien bereitgestellt, sollte darauf geachtet werden, dass die Nutzenden das Zoom-Level frei und stufenlos selbst bestimmen können. Eine festgelegte Zoom-Funktion mit fixen Levels Leveln führt meist eher zu Unzufriedenheit seitens der Nutzenden. An dieser Stelle sollten vielmehr bereits gelernte Multi-Touch-Gesten, wie das Vergrößern mit zwei Fingern, zum Zuge kommen (vgl. Abb. 9).

Ein Screenshot der Udemy App.
Abb. 9. Udemy App

Berechtigungsanfragen im Nutzungskontext
Sollte für die beste User Experience bei der Benutzung einer mobilen App die Zustimmung des Nutzenden notwendig sein, z. B. zur Verwendung der Kamera oder der Aktivierung der Standortbestimmung, ist es besser, im Nutzungskontext danach zu fragen. Das bedeutet, dass nicht schon beim Öffnen der App alle Berechtigungen abgefragt werden sollten. Besser ist es z. B. erst vor Benutzung der Kamerafunktion nach der Berechtigung zur Verwendung der Kamera zu fragen oder nach der Zustimmung zur Standortbestimmung erst vor Verwendung einer Kartenfunktion.

Die App frühzeitig mit Nutzenden testen
Neben der Beachtung der bisher genannten Guidelines sollte das Wichtigste nicht vergessen werden: Die App möglichst frühzeitig und idealerweise während des gesamten Entwicklungsprozesses mit Usern zu testen. Denn die Nutzenden sind es letztendlich, die die App nicht nur laden bzw. kaufen, sondern auch im Alltag mit Begeisterung nutzen sollen. Je nach App und Zielgruppe bieten sich hierfür sowohl Usability-Tests im Labor, als auch die Beobachtung der Nutzenden in ihrem natürlichen Umfeld an. Bei einem Test im natürlichen Umfeld lässt sich schnell feststellen, ob die App auch im realen, mobilen Kontext problemlos nutzbar ist oder ob die Umgebung die Nutzung beeinflusst – woraus sich wiederum spezielle Anforderungen an die Gestaltung der App ergeben.

User Centered Design: Kritischer Erfolgsfaktor in der App-Entwicklung

Ein essenzieller Erfolgsfaktor liegt in der Etablierung eines nutzerzentrierten Prozesses. Es geht nicht nur darum, einzelne Maßnahmen zur Verbesserung der Usability zu ergreifen, sondern vielmehr darum, die Bedürfnisse, Wünsche und Einschränkungen der Endnutzenden kontinuierlich in den gesamten Entwicklungsprozess einzubinden. Eine gängige Darstellung der iterativen Prozessschritte des User Centered Design Ansatzes basiert auf dem menschzentrierten Gestaltungsprozess nach DIN EN ISO 9241-210 (vgl. Abb. 10).

Ein solches Vorgehen führt nicht nur zu höherer Nutzerzufriedenheit, sondern senkt langfristig auch die Entwicklungskosten, etwa durch frühzeitiges Testen und die Vermeidung unnötiger Features. Änderungen im Konzeptstadium sind deutlich günstiger als nach dem Produkt-Launch. Besonders bei komplexen oder neuartigen Anwendungsfällen hilft die frühe Einbindung der Zielgruppe, echte Bedürfnisse zu identifizieren und gezielt zu adressieren.

Gerade in Märkten mit vielen ähnlichen Apps kann eine herausragende User Experience zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal werden.

Natürlich gilt: Interviews, Tests und Prototyping kosten Zeit und Ressourcen – die sich mittel- bis langfristig meist auszahlen, aber gut begründet sein wollen. Tipps zur Argumentation liefert unser Webinar „War­um gute UX Ih­ren Um­satz stei­gert“.

Infografik die die vier Phasen des User-centered Design als iterativen Prozess darstellt.
Abb. 10. Der User-centered Design Prozess nach DIN EN ISO 9241-210

Abschließend lässt sich sagen: Eine App zu gestalten, die nicht nur funktioniert, sondern auch begeistert, ist keine leichte Aufgabe. Besonders die Bedürfnisse und Nutzungskontexte mobiler User zu erkennen und konsequent zu berücksichtigen, stellt viele Teams vor Herausforderungen – das weiß nicht nur Jakob Nielsen, sondern auch wir. Wahrscheinlich auch Sie? Stehen Sie vor einer ähnlichen Aufgabe? Lassen Sie uns sprechen.

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert teilweise auf Informationen aus früheren Beiträgen des usabilityblog.de. Einige der ursprünglichen Artikel sind möglicherweise nicht mehr zugänglich.

Internet

1„Was zeichnet eine gute App aus?“ | Thorsten Wilhelm (2011) | usabilityblog.de

2„Anteil der Smartphone-Nutzer* in Deutschland in den Jahren 2012 bis 2023 und Prognose bis 2030“ | Statista (2024) | statista.de

3„App uninstall report – 2025 edition“ | AppsFlyer (2025) | appsflyer.com

4„10 Usability Heuristics for User Interface Design“ | Jakob Nielsen (1994) | nngroup.com

The post App Usability: Was macht eine gute App aus? appeared first on eresult.