Kategorie-Archiv: Interface Design

UX und Interfacedesign – Studium und Ausbildung

3 Fragen an Constanze Langer, Professorin für Interfacedesign an der Fachhochschule Potsdam …

 

Im Video erklärt Constanze Langer, Professorin für Interfacedesign im Fachbereich Design an der FH Potsdam, warum das Studienfach ein aussichtsreiches Zukunftsfeld ist.

3 falsche Annahmen über Interfacedesign

1. Dass man die ganze Zeit am Rechner sitzt und programmiert.
2. Dass man ausschließlich Apps programmiert.
3. Dass die Apps die ganze Zeit blinken, Strom verbrauchen und nur für kleine Teile der Gesellschaft wichtig sind.

Was ist gutes Interfacedesign?

Für mich geht es beim Interfacedesign darum, Handlungsfelder sichtbar zu machen, die die digitalen Lebenswelten von Menschen betreffen. Darauf basierend gilt es dann, Produkte, Services und Anwendungen zu entwickeln, die den gesellschaftlichen Diskurs antreiben. Gutes Interfacedesign bedeutet einerseits, mit Schriften, Zeichen, Formen, Farben und Bewegungsabläufen sowohl effiziente als auch anmutige Oberflächen zu entwerfen. Aber es geht nicht um die Darstellung auf einem Screen. Denn andererseits bedeutet gutes Interfacedesign, auch in Strukturen und Systeme einzugreifen, um Menschen ein positives Erlebnis bei der Nutzung digitaler Technologien zu ermöglichen.

Anforderungen, die Studierende erfüllen sollten

Studierende sollten Interesse für Menschen und deren Umgang mit Technik und Technologien mitbringen. Außerdem sollten sie als Gestalterinnen und Gestalter eine hohe Experimentierfreude aufweisen – sowohl eine technische, als auch eine ästhetische und prozessuale.

An der FH Potsdam sind wir sehr aktiv in nationalen und internationalen Forschungsprojekten. In den Entwicklungsprojekten im Lehrkontext als auch in den beiden Forschungslabs (Interfacedesign Lab und Urban Complexity Lab) kooperieren wir eng mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung, und dass sehr eng mit unseren Studierenden zusammen. Da Interfacedesign über die Disziplin hinaus eine sehr hohe Relevanz hat, sind unsere Studierenden sehr gut gewappnet für die Zukunft.


UXDesignCCCAP17

Interface Design in der Praxis

Wie gestaltet man Autokataloge informativ und multimedial, um End­konsumenten und Händler in 135 Ländern zu erreichen? Für BMW konzipierte Serviceplan eine neue modulare App für iPad und Smartphone.

Wer in unseren Tagen mit dem Gedanken spielt, sich ein neues Auto zu kaufen, informiert sich höchstwahrscheinlich zuerst online. Auf den verschiedenen digita­len Plattformen sucht er alle relevanten Details zum gewünschten Modell heraus, bevor er das erste Mal beim Autohändler vorbeischaut, dort in gedruckten Katalo­gen blättert oder eine Probefahrt vereinbart. Bis die finale Kaufentscheidung fällt, greift der Interessent immer wieder auf unterschiedliche digitale Informationsinhalte zurück – unterwegs auf dem Smartphone, in der Mittagspause am Desk­top oder zu Hause auf dem Tablet. Er kommt also auf etlichen Wegen und Geräten immer wieder mit der Automarke seiner Wahl in Berührung.

»Interface Designer müssen nicht coden können. Sie sollten aber verstehen, was technisch möglich ist, damit die Ideen, die sie entwickeln, auch umsetzbar sind« Brian Ta, Senior Art Director Digital, Serviceplan Content Hamburg

Um diese Begegnungen möglichst ansprechend zu gestalten und den vielfälti­gen Ansprüchen gerecht zu werden, die Menschen heutzutage an Informationen rund um Neuwagen haben, entwickelte Ser­viceplan Content Hamburg für die Verkaufsliteratur von BMW ein umfangrei­ches neues Konzept. Das Ziel: eine multimediale, zeitgemäße Lösung, die auf al­len Kanälen funktioniert. Die Serviceplan-Tochterfirma am Standort Hamburg arbeitet bereits seit acht Jahren für BMW im Bereich Verkaufsliteratur. Insgesamt gestalten 45 Mit­arbeiter, darunter Interface Designer, technische Redakteure, Digital­spezialisten, Analogexperten, Texter und Konzepter, gemeinsam die Inhalte – Fotos, Videos und Texte.

Die Herausforderung dabei: BMW kommuniziert als globale Marke in 135 Ländern in 40 Sprachen und richtet sich mit der Verkaufsliteratur sowohl an Endkonsumen­ten als auch an BMW-Händler. Zu allen Fahr­zeugmodellen entstehen unzäh­lige In­hal­te, die auf unterschiedlichen Kanälen in die verschiedenen Märkte gespielt werden. Etliche dieser Inhalte spre­chen gleich mehrere Zielgruppen an. Das Serviceplan-Team suchte nach einem Weg, den Content nur einmalig produzieren, aber mehr­fach ausspielen zu können. »Uns war dabei wichtig, dass alles wie aus einer Hand wirkt«, erklärt Jakob Ulrich, Interface Designer und Head of Digital Art bei Serviceplan Content Hamburg.

Modular geht’s leichter

Die Interface Designer konzipierten eine Tablet- und Smartphone-App sowie einen digitalen Argumentationsleitfaden für BMW-Händler, die wie Content-Baukas­ten­systeme funktionieren. Für jedes BMW-Modell gibt es mehrere Kategorien, die flexibel mit Content-Modulen gefüllt werden können. Hinter jedem Modul verbergen sich weiterführende Inhalte.

»Die Werte von BMW schwingen im Interface Design immer mit: Die Marke ist hochwertig, sie strahlt etwas Zurück­genomme­nes aus, statt protzig zu sein« Jakob Ulrich, Head of Digital Art, Serviceplan Content Hamburg

Die neue Struktur setzte Serviceplan zu­nächst für die 5er-Limousine um, alle weiteren BMW-Modelle passt die Agentur nach und nach an. Für die 5er-Limousine entstanden zunächst 18 Module, die sich mit Themen rund um den Wagen befassen – zum Beispiel dem Exterieur, dem Interieur oder der Geschichte des Modells. »Die The­menseiten sind wie eigenständige One-Pager aufgebaut und durch die Module individuell anpassbar«, erklärt Jakob Ulrich.

Nachdem die Entscheidung für ein mo­dulares Prinzip gefallen war, legte das Team im nächsten Schritt das iPad als Master­gerät fest, für dessen Seitenverhältnisse sämtliche Inhalte im Querformat angelegt werden sollten. »In der alten App stell­ten die Printkataloge unsere Vorlage für die digitale Umsetzung dar«, sagt Brian Ta, Senior Art Director Digital bei Serviceplan Content Hamburg und vor allem verantwortlich für alle visuellen Inhalte. Die alte Vorgehensweise erforderte einen hohen Arbeitsaufwand und war einfach nicht mehr zeitgemäß, weswegen das Serviceplan-Team den Ansatz komplett umdreh­te. »Durch den Digital-First-Ansatz richten sich jetzt alle Medien nach dem 4:3-Format der iPad-App – auch die Printproduk­te«, sagt Ta. Auf diese Weise lassen sich Fotos und andere Bildinhalte ohne Format­anpassungen sowohl in der App als auch in der Printbroschüre nutzen. Die App ist responsiv, sie zeigt die Inhalte am Smartphone im Hochformat an.

Das Team definierte unterschiedliche Kategorien, um die Module zu clustern: »Highlights«, »Innovation und Technik«, »Ausstattung« und »Special und Servi­ces«. Weil die meisten Informationen zur 5er-Limousine sowohl für Händler als auch für Endkonsumenten relevant sind, finden sich diese in beiden Anwendungen. Lediglich die Themen der »Special und Ser­vi­ces«-Kategorie werden nur Endkonsumen­ten gezeigt. Händler erhalten stattdessen Informationen zu vergleichbaren Autos von Wettbewerbern, denn in Zeiten umfassend informierter Kunden müssen Autohändler sich unbedingt einen Wissensvorsprung aneignen, um auf jede erdenkliche Frage vorbereitet zu sein und im

Verkaufsgespräch mit guten Argumen­ten punk­ten zu können. Auch von Land zu Land unterscheiden sich die Module teilweise: Einige Inhalte sind für alle Regio­nen relevant, andere – wie etwa techni­sche Details – können variieren.

Ein Design Sprint pro Woche

Drei Monate arbeitete Jakob Ulrich mit einer Entwicklerin, einem Konzepter und einem Digitalberater an der Erstellung der Module. »Wir haben uns in sogenannten Design Sprints organisiert«, sagt er. »Jede Woche haben wir ein Modul entwickelt – immer nach dem gleichen Ablauf: Montags wird recherchiert, dienstags skizziert, mitt­wochs designt, donnerstags programmiert und freitags getestet.« Am Ende der Woche präsentierten sie die Ergebnisse und den Entstehungsprozess ihren Teamleitern.

»Als Interface Designer versetzt man sich immer wieder in den User hinein, um die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Gerät zu gestalten. Ist die Bedienung so logisch, intuitiv und selbsterklärend wie möglich? Fühlt der Nutzer sich jederzeit gut orientiert?« Jakob Ulrich, Head of Digital Art, Serviceplan Content Hamburg

Abhängig vom jeweiligen Wochentag kamen sehr unterschiedli­che Tools zum Ein­satz: So recherchierte das Team online und in Fachzeit­schriften, scribbelte mit Pa­pier und Stiften, nutzte in den Designphasen Sketch, Photo­shop und das Anima­tions­programm After Effects sowie Framer für das Erstellen von Prototypen. »Framer ist ein tolles Tool, weil es zweigeteilt funktioniert: Man kann damit nicht nur interaktive Prototypen erstellen, sondern auch gleich ein Interface designen und um­setzen«, erklärt Jakob Ulrich. »Um die Pro­grammierung hat sich hauptsächlich die Entwicklerin gekümmert, aber mittler­wei­le können wir Prototypen oder Klickdummys auch selbst bauen«, erklärt er. Brian Ta ergänzt: »Interface Designer müssen nicht zwangsläufig coden können. Sie sollten aber verstehen, was technisch möglich ist, damit die Ideen, die sie entwickeln, auch umsetzbar sind.«

Zwischen Nutzer und Marke

Als nach drei ungemein intensiven Design-Sprint-Monaten im April 2016 die Module fertig waren, erstellte das Team eine gro­ße Sitemap für die App. Hier legte es fest, wie die Module angeordnet werden und wo welche Inhalte gezeigt werden sollen. Anschließend ging es an die Umsetzung: Jede Themenseite wurde wie eine eigene Webseite programmiert und mit von Serviceplan Content Hamburg produzierten Fotos, Videos und Texten bestückt.

Während des gesamten Prozesses hatte das Team stets die künftigen Nutzer im Blick: »Als Interface Designer versetzt man sich immer wieder in den User hin­ein, um die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Gerät zu gestalten. Ist die Bedienung so logisch, intuitiv und selbsterklärend wie möglich? Fühlt der Nutzer sich jederzeit gut orientiert?«, so Jakob Ulrich. Zusätzlich müssen die Qualitäten der Mar­ke transportiert werden: »Die Wer­te von BMW schwingen im Interface Design stets mit. Die Marke ist hochwertig, sie strahlt etwas Zurückgenommenes aus, statt prot­zig zu sein. Entsprechend konzentriert sich auch das Design auf das Wesentliche.«

Um von Anfang an ein Gefühl für den Look der neuen BMW Dynamic Sales Media zu bekommen, nutzte das Serviceplan-Team im De­signprozess das Atomic-Design-Prinzip. Das heißt: Jedes Designelement wurde von Anfang an detailliert gestaltet, statt mit groben Skizzen zu arbei­ten (siehe »Atomic Design«, unten).

Digitales Blättern

In der fertigen App fallen sofort die klare Struktur und die großen Bilder auf: Die Ka­­tegorien zur 5er-Limousine sind unterei­-
n­ander angelegt, sodass man beim Durch­scrollen bereits die ersten Module auf dem Bildschirm sieht, durch die man seitwärts swipen kann. So können Nutzer von Inhalt zu Inhalt blättern, ohne zwischendurch ei­ne Navigationsleiste zu bedienen – wie in ei­ner gedruckten Broschüre. Findet man ein Modul interessant und tappt darauf, kommt der gesamte Inhalt zum Vorschein – inklusive Videos, Fotogalerien und Texten.

Da die Module für die iPad-App von An­fang an responsiv entwickelt wurden, war keine Anpassung für andere Geräte mehr nötig. »Die Inhalte sind identisch, reagieren aber teilweise auf dem Smartphone dy­namischer als auf dem Tablet«, sagt Brian Ta. »Das war bei der Entwicklung eine der großen Herausforderungen – bei Tabellen beispielsweise noch mehr als bei Text-Bild-Kombinationen.« Auf dem Smartphone sind alle Inhalte im Hochformat sichtbar, Fotos und Videos sind wie am iPad im Querformat gehalten und nehmen die vol­le Breite des Smartphone-Displays ein. Die zugehörigen Printkataloge sind ebenfalls im neuen 4:3-Format gestaltet, sodass die Fotos die gleichen Seitenverhältnisse haben wie in der App.

Als nach zehn Monaten die neuen BMW Dynamic Sales Media für die 5er-Limou­si­ne fertig waren, blickte das Team auf eine ausgesprochen intensive und lehrrei­che Zeit zurück: »Vor allem in den Sprintwochen habe ich mich sehr weiterentwickelt. Wir haben gelernt, die Fühler auszustrecken – in alle möglichen Richtungen«, sagt Jakob Ulrich. Und mit der fertigen App ist das Team sehr zufrieden, wie Brian Ta berichtet: »Sie macht Spaß! Obwohl es sehr viel Inhalt ist, lässt er sich angenehm konsumieren.«

 


Was ist eigentlich Atomic Design?

Die Webdesign-Methode hilft bei der Gestaltung komplexer Projekte.

Der amerikanische Webdesigner Brad Frost erfand 2013 das Prinzip, das als iterativer Gestaltungsansatz für Websites dient und wie ein Baukastensys­tem funktioniert: Man entwickelt zuerst die Design­grundbestandteile und baut diese nach und nach zu immer größeren Einheiten zu­sammen. Los geht es mit den kleinsten an­zunehmenden Einheiten, Atome genannt. »Bei den BMW Dynamic Sales Media gehörten Icons, Fotos, Schriftar­ten oder die Hintergrundfarbe Weiß zu den Ato­men«, erklärt Jakob Ulrich, Head of Digital Art bei Serviceplan Content Hamburg.

Im zweiten Schritt setzt man die Ato­me zu Molekülen zusammen – so ent­ste­hen beispielsweise Text-Bild-Kombina­tio­nen. Mehrere Moleküle sind wiederum Or­ganismen. Diese bildeten die Module für die BMW Dynamic Sales Media. Kombiniert man Organismen beziehungsweise Module, entwickeln sich dar­aus Templates und im letzten Schritt kom­plette Seiten.

Die Vorteile der Metho­de: Man arbeitet so kleinteilig, dass Details direkt erkennbar sind und die Richtung vorgeben. »Im Vergleich wirken Skizzen oder Wireframes eher grob, denn dort sind nur die nötigs­ten User-Inter­ak­tions-Mög­­lich­keiten zu sehen«, sagt Jakob Ulrich. Durch die Un­terteilung in Atome, Moleküle et cetera ergibt sich zudem eine logische Struktur, die ei­nen guten Überblick über ein Projekt gewährt. Für komplexe Großprojek­te wie die BMW-Verkaufsliteratur ist Atomic Design daher gut geeignet – für einen One-Pager lohnt sich die aufwendige Methode hingegen eher nicht.

Von kleinen Elementen zum großen Ganzen statt andersherum. Das Ergebnis ist konsistentes, durchdachtes Design.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Interface Designer finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Interface Designer bei Serviceplan« geht’s hier.

[732] InterfaceDesignerCCCSP17 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Das macht ein Interface Designer bei Serviceplan

»Interface Design verändert sich konstant, sodass meine Arbeit sehr abwechslungsreich bleibt« sagt Kevin Eschweiler, Creative Director Digital bei Plan.Net in Hamburg. Was man sonst noch über das Berufsfeld wissen sollte …

Kevin Eschweiler, 36, ist als Creative Di­rector Digital bei der Serviceplan-Digital­agentur Plan.Net auf Interface Design spe­­zialisiert. Wir sprachen mit ihm darüber, welche Aufgaben ihn tagtäglich beschäfti­gen – und welche Fähigkeiten für einen In­terface Designer besonders wichtig sind.

Wie kamst du darauf, dich auf Interface Design zu spezialisieren?
Eschweiler: Interface Design ist ein weites Feld und birgt noch viel Potenzial. Jeder kommt täglich mit Interfaces in Berührung. Das Internet ist natürlich kein Neu­land mehr, doch trotzdem scheint es an einigen Stellen nicht komplett durchdacht zu sein. Als Nutzer fragt man sich oft: »Warum verhält sich das nicht so, wie ich es erwarte?« Man hat ein konkretes Bild davon, wie Berührungspunkte sich verhalten sollen, doch das wird nicht immer erreicht. Viele stürzen sich momentan auf fancy Disziplinen wie Virtual oder Aug­mented Reality, dabei sind die Basics noch ausbaufähig: Wie bediene ich das Interface? Wie lasse ich die Mar­ke entspre­chend mitschwingen?

»Es kommen fortwährend neue Formen von Interfaces hinzu. Auch für Dinge, an die heute noch niemand denkt«

Was hast du wo studiert?
Eschweiler: Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung im Bereich Verpackungsdesign und Verkaufsförderung in meiner Heimatstadt Aachen gemacht. Das hat sich schnell ausgereizt angefühlt – man wird es zwar immer brauchen und es bietet Raum für kreative Ideen, doch es passiert wenig Innovatives. Mir erschien der Spielraum online dann einfach größer, sodass ich noch ein Studium angeschlossen habe: Communication & Multimedia Design. Der internationale Studiengang gliedert sich in ein Grundstudium an der Fachhochschu­le Aachen und ein Hauptstudium an der Universität Maastricht. Die Studenten und Dozenten stammten aus aller Welt, was ich sehr gut fand – auch, weil andere Natio­nalitäten und Kulturen ganz anders mit Designthemen umgehen. Mir hat außerdem gut gefallen, dass es möglich war, die Richtung der Spezialisierung selbst vorzugeben, sodass ich mich früh auf Interface Design fokussieren konnte.

Hat dich das Studium gut auf deinen jetzigen Job vorbereitet?
Eschweiler: Eigentlich schon. Vor allem, weil man eben viel selbst gestalten konnte. Was außerdem sehr geholfen hat: Im Hauptstudium wurden reale Kunden eingebunden. Man hat von Anfang an echte Projekte angestoßen. Das war sehr lehrreich. Jedes Tool kann man lernen, jeden Prozess und jede Mechanik kann man sich aneignen, aber der Umgang mit Kunden und richtigen Projektabläufen ist etwas an­deres – da hilft nur Erfahrung.

Was machst du in deinem Job bei Plan.Net genau?
Eschweiler: Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Bedürfnisse des Kunden zu verstehen und für diese mit dem Team eine Lösung zu entwickeln – vieles ist Übersetzungsarbeit. Ich habe je nach Projekt unterschiedliche Rollen, was daran liegt, dass wir momentan noch ein kleines Team aus sieben Leuten sind. Es kann also sein, dass ich selbst ein Interface gestalte. Bei einem anderen Projekt betreibe ich hingegen Kre­ativdirektion und führe das Team dahin, etwas zu erarbeiten. Parallel steuert man meist zwei bis vier Projekte.

»Mit Interface Design kommt jeder täglich in Berührung«

Wie läuft die Zusammenarbeit bei euch im Team?
Eschweiler: Die Abstimmung untereinan­der ist total wichtig, wir sind ständig im Austausch. Gerade im Digitalbereich über­schneiden sich die Gewerke stark, zum Bei­spiel Design, Konzept und Entwicklung. Niemand kann oder weiß alles, dafür hat man Experten in den verschiedenen Fachbereichen, aber alle müssen das gleiche Vokabular haben. Programmierer sollten auch ein bisschen Designverständnis mitbringen und andersherum. Wir sitzen meist auf Rufweite zusammen, ansonsten kommunizieren wir über Slack. Da wir derzeit noch ein kleines Team sind, haben wir sehr flache Hierarchien. Wir haben genug Arbeit, um zu wachsen, und werden uns plan­mäßig bis zum nächsten Jahr mindestens verdoppeln. Je größer wir werden, desto mehr hierarchische Zwischenebenen wird es dann geben.

Wie arbeitet ihr mit Kunden zusammen?
Eschweiler: Kunden beauftragen keine Interfaces, sondern Lösungen für Anforderungen. Gute Interfaces sind Teil dieser Lösung, weswegen es sehr wichtig ist, die Anforderungen genau zu verstehen. Das funktioniert gut in Workshops, in denen wir im Dialog aus dem Kunden herauskitzeln, worauf es ihm bei einem Projekt genau ankommt. So haben wir ihn direkt ein­gebunden und schaffen gemeinsam eine Grundlage, was die Zusammenarbeit erleichtert. Wenn wir mit Projekten loslegen, versuchen wir, schnell in Prototypen zu arbeiten. Der Kunde wird dadurch unmittelbar eingebunden und kann jederzeit sehen, was sich verändert. Er ist immer auf dem aktuellen Stand, ohne dass Dokumen­tation und Kommunikation überproportional viel Zeit beanspruchen.

Ohne welche Tools wärst du absolut aufgeschmissen?
Eschweiler: Sketch hat sich wirklich etabliert und löst gerade viele andere Tools ab. Das Programm unterstützt inzwischen nahtlos Arbeitsschritte vom konzeptionel­len Wireframing bis zum fertigen Design. Es entstehen sogar einigermaßen brauchbare Codeschnipsel, mit denen der Entwickler etwas anfangen kann. Man hält da­­mit die Kommunikationswege kurz und schafft es, Sachen schnell auf die Straße zu bringen. Für komplexere Animatio­nen, die Sketch nicht abbilden kann, nut­ze ich After Effects. Die Adobe-Palette taucht auch immer wieder auf, für Bildbearbeitun­gen kommt man beispielsweise an Pho­to­shop nicht vorbei. Alles andere kann Sketch schon ganz gut.

Wie lange arbeitest du üblicherweise an einem Projekt?
Eschweiler: Das unterscheidet sich stark. Manchmal nur ein bis zwei Wochen, wenn es ganz schnell gehen muss. Bei solchen Projekten geht es dann natürlich eher um Ideenskizzen als um fertige Produkte. Vie­le Projekte haben kein Ende, da sie sich stän­dig weiterentwickeln.

»Klassische Werbung kommu­ni­ziert einseitig über Kampagnen. Doch wirklich mit der Marke in Berührung – im wahrsten Sinne des Wortes – kommt man über das Interface«

Was gefällt dir besonders gut an deinem Job?
Eschweiler: Das Phänomen Interface verändert sich konstant, sodass meine Arbeit sehr abwechslungsreich bleibt. Interface be­deutet so viel mehr, als auf Screens zu klicken oder auf Smartphones herumzutippen. Durch die Digitalisierung kommen fortwährend neue Formen von Interfaces hinzu, auch für Dinge, an die heute noch niemand denkt. Auch Kunden wechseln und entwickeln sich weiter, das Team wächst. Es ist eine angenehme Form der Unbestän­digkeit, die einen wissen lässt, dass man morgen nicht das Gleiche tun wird wie heute.

Wie bleibst du bei all den neuen Entwicklungen am Ball?
Eschweiler: Man muss wirklich eine Begeisterung für das Thema haben. Im Team hat jeder unterschiedliche Interessen und hält die anderen über neue Entwicklun­gen auf dem Laufenden – zum Beispiel, was neuerdings technisch möglich ist oder wenn man etwas Innovatives im Interface- oder Designbereich gesehen hat. Wenn dann ein neues Projekt oder Problem auftaucht, erinnert man sich wieder daran und hat direkt einen Lösungsansatz parat. Und auch Messen und Konferenzen bringen uns weiter.

Welche Projekte machen dir besonders viel Spaß?
Eschweiler: Die Projekte, bei denen das glei­che Verständnis herrscht, das ich auch habe. Dass Interfaces nicht nur Schnitt­­­stellen zwischen Mensch und Maschine sind, sondern auch zwischen Kunde und Marke. Nur wenn sie gut funktionieren und sich so anfühlen, wie die Marke spricht, ist es ein gutes Interface. Klassische Werbung kommuniziert einseitig über Kampagnen. Doch wirklich mit der Marke in Berührung – im wahrsten Sinne des Wor­tes – kommt man über das Interface.

Und was sind die besonderen Herausforderungen?
Eschweiler: Es gibt da diesen berühmten Stolperstein: Zu viele Köche verderben den Brei. Das gilt besonders dann, wenn man mit Partnern oder anderen Agenturen zusammen an einem Projekt arbeitet, die ein an­de­res Verständnis, einen anderen Anspruch oder andere Ziele haben. Wenn man in unterschiedliche Richtungen läuft, wird es schwierig, das kann nicht wirklich zu guten Ergebnissen führen. Vielmehr frustriert es – spornt aber auch an, bessere Argumente zu finden.

Ist es üblich, mit anderen Agentu­ren und externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten?
Eschweiler: Ja, man hat mittlerweile nicht mehr die eine Lead-Agentur, die sich um alles kümmert. Dafür gibt es heute zu vie­le unterschiedliche Expertisen.

»Interface Designer müssen lö­sungsorientiert denken, da sie immer wie­der vor das Grundproblem gestellt werden: Was muss ich der Maschine sagen, damit sie tut, was ich möchte?«

Was macht einen Interface Designer aus?
Eschweiler: Interface Designer müssen lö­sungsorientiert denken, da sie immer wie­der vor das Grundproblem gestellt werden: Was muss ich der Maschine sagen, damit sie tut, was ich möchte? Es sollte da sofort ein konkretes Bild entstehen, wie es funktioniert – und diese Lösung sollte sehr klar sein, selbsterklärend und intuitiv. Auf der anderen Seite sollte Mar­kenverständnis vorhanden sein – ein Gespür für die ganz eigenen Werte der Marke, denn diese müs­sen sich in jedem Interface wiederfinden. Als Eckpfeiler ebenfalls wichtig: ästheti­sches Verständnis und die Bereitschaft sowie die Fähigkeit, mit all den anderen beteiligten Gewerken zu kommunizieren.

Welche persönlichen Eigenschaften sind besonders wichtig?
Eschweiler: Man sollte Prioritäten setzen können und in der Lage sein, abzuwägen, wann man abstrahieren sollte und wann es nötig ist, sich ins Detail zu stürzen. Sonst verzettelt man sich schnell.

Und was braucht es an fachlichem Know-how?
Eschweiler: Da wir sehr viel mit Sketch arbeiten, wäre es schon ganz gut, das Tool bereits genutzt zu haben. Doch das Pro­gramm ist glücklicherweise nicht so komplex, in seinen Grundzügen versteht man es schnell. Jeder, der schon mal mit anderen Tools gearbeitet hat, wie Illustrator und Photoshop, findet sich gut zurecht.

Sollte man Digitalerfahrung mitbringen?
Eschweiler: Nicht zwangsläufig. Gerade Berufsanfänger, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, finden sich üblicherweise schnell in unsere digitale Arbeitsweise ein. Wichtiger sind Konzeptionsstärke, Offenheit und Flexibilität.

Was meinst du, wie sich das Berufsbild in Zukunft entwickeln wird?
Eschweiler: Es wird immer mehr Berüh­rungspunk­te geben, über die man digital mit Mar­ken kom­mu­niziert oder Services abruft. Und alle die­se Be­rüh­rungspunkte brauchen In­terfa­ces. Allmäh­lich kommt auch immer mehr das Bewusstsein hinzu, dass Markenkommunika­tion eben auch über das Interface geschehen muss. Dass es die unmittelbarste Verbindung ist, die man mit dem potenziel­len Kunden eingehen kann. Interface Design ist ein wachsender Markt, und dadurch werden in Zukunft vie­le Interface Designer gebraucht werden.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Interface Designer finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Interface Designer bei Serviceplan« geht’s hier.

[733] InterfaceDesignerCCCSP17 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken