Kategorie-Archiv: Business & Karriere

Das macht ein Content Stratege bei C3 Creative Code and Content

Jochen Förster, Content Stratege bei C3 in Berlin, erklärte uns, was seinen Beruf ausmacht …

Jochen Förster

Jochen Förster, Foto von Goerg Roske

Platte Produktpräsentation war gestern, die Zukunft gehört den Inhalten. Unternehmen setzen in ihrer Kommunikation zunehmend auf Content Marketing, und dafür brauchen sie Spezialisten. Wir sprachen mit Jochen Förster, Content-Stratege bei C3 Creative Code and Content in Berlin, über die Anforderungen eines Berufs an der Schnittstelle zwischen Marketing und Journalismus.

PAGE: Alle reden derzeit von Content Marketing – was sie damit meinen, ist nicht immer ganz klar. Deshalb 
vorab die Frage: Was ist Content Marketing für dich?
Jochen Förster: Content Marketing ist kein Baustein innerhalb der Kommunikation, sondern markiert vor allem eine neue Erzähltechnik, einen Perspektivwechsel. Verbraucher informieren und verhalten sich heute ganz anders als vor zehn Jahren, darauf müssen die Unternehmen reagieren. Reine Verkaufswerbung funktioniert immer weniger, stattdessen erreicht man die Menschen mit packenden Geschichten.

Diesen Anspruch verfolgen die führenden Kreativagenturen seit Langem: Gute Geschichten zu erzählen, die die Menschen berühren. Was macht ihr anders?
Förster: Ich würde Content Marketing gar nicht gegen Werbung ausspielen – und übrigens auch nicht gegen Corporate Publishing. Wie gesagt: Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Kommunikation, der eben auch neue Erzählweisen erfordert.

»Content Marketing ist kein Baustein innerhalb der Kommunikation, sondern markiert vor allem einen Perspektivwechsel«

Und da kommst du als Content-
Stratege ins Spiel.
Förster: Stimmt. Die redaktionelle Betreuung so konkreter Content-Marketing-Plattformen wie des »Volkswagen Magazins« (sie he Seite 10 ff.) nimmt weniger als die Hälfte meiner Arbeitszeit in Anspruch. Größeren Anteil haben contentstrategische Projekte zu Fragen wie: Wie können wir Marketingstrukturen in großen Unternehmen so weiterentwickeln, dass sie State of the Art sind? Wie und wo erreichen wir nachwachsende Generationen wie die Millennials? Welche Themen müssen Marken besetzen, welche Kanäle bedienen, welche Storys erzählen, um ihr Markenprofil in der Kernzielgruppe nachhaltig aufzuwerten?

Kannst du diese Arbeit genauer beschreiben?
Förster: Im laufenden Geschäft bin ich eine Art Kreativkanone der Agentur und schaue, wie die Inhalte unserer Auftraggeber sich auf den verschiedenen Ebenen optimieren, modernisieren und erweitern lassen. Im Bereich Changemanagement etwa arbeiten wir vor allem daran, unseren Kunden beim Perspektivwechsel zu helfen und Fragen wie »Was interessiert die Verbraucher? Mit welchen Geschichten trete ich vor ihnen als sympathisches und glaubwürdiges Unternehmen auf, ohne nur über das zu reden, was ich verkaufen will?« auch in der Unternehmensstruktur abzubilden – zum Beispiel indem wir Content-Abteilungen nach Themen sortieren, statt nach Produktionssparten. Oder indem wir eine Always-on-Produktionskultur etablieren, die kleine, zielgruppenscharfe Storys in steter Folge bietet, statt ganze Jahresetats zum Produktlaunch zu verschleudern. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass eine Launch-Kampagne alle paar Jahre sie nicht mehr weiterbringt.

»Ich verstehe mich als eine Art Kreativkanone der Agentur und schaue, wie man die Inhalte unserer Auftraggeber auf den verschiedenen Ebenen optimieren, modernisieren und erweitern kann«

Stattdessen wollen sie eine 
langfristige Content-Strategie, 
und die bekommen sie von dir.
Förster: Natürlich nicht von mir allein. Als Content-Stratege arbeite ich eng mit unserer Strategieabteilung sowie mit unseren Businessdirektoren, Kreativen und Redakteuren zusammen. Auch der permanente Austausch mit der Geschäftsführung gehört zu meinem Arbeitsalltag, nicht zuletzt, weil wir bei C3 die Definition von gutem Content stetig weiterentwickeln. Aber ja, wir zeigen den Unternehmen, wie sie sich in die Interessen ihrer Kunden hineindenken und sie über die verschiedenen Kanäle ansprechen können. Das ist ein extrem spannendes Feld, denn die Zielgruppen diversifizieren sich immer weiter und die Inhalte müssen entsprechend spitzer werden, um sie zu erreichen.

Wie beeinflusst diese Entwicklung deine Arbeit ganz konkret?
Förster: Wir betreiben viel mehr Targeting als vor einigen Jahren. Tools wie Google Analytics helfen uns herauszufinden, welche Inhalte Traffic erzeugen und welche Zielgruppen bestimmte Inhalte goutieren. Auch die Social-Media-Recherche ist span nend. Allein für die verschiedenen Zielgruppen, die große Automarken potenziell ansprechen wollen, gibt es unzählige Fanclubs, Facebook-Gruppen et cetera.

Stichwort Recherche: Du bist klassisch ausgebildeter Journalist, hast an der Henri-Nannen-Schule gelernt, bei der »WELT«, dem »stern« und in anderen Redaktionen gearbeitet. 2002 hast du mit »Dummy« ein eigenes Magazin gegründet. Warum jetzt der Schritt auf die Agenturseite?
Förster: Marken gewinnen als Publisher immer mehr an Relevanz, das finde ich reizvoll. Viele vorgeblich unabhängige Medien stecken dagegen in einer ausweglosen Krise – beispielsweise im Lifestyle-Sektor. Sie werden immer abhängiger von Werbekunden, was wiederum ihre Glaubwürdigkeit untergräbt. Und wirklich unabhängige Me dien wie etwa die »Süddeutsche Zeitung« leiden darunter, dass sie kein effektives Digitalbezahlmodell finden, dadurch bei der Belegschaft kürzen müssen und immer weniger in Recherche investieren können, was doch eigentlich ihr größter USP gegenüber den Gratis-Online-Newsplattformen ist.

Harte Worte für deine alte Zunft.
Förster: Unabhängige Berichterstattung ist wichtig, vielleicht wichtiger denn je, und Content Marketing sollte diese niemals ersetzen. Aber mir gefällt es, im immer wichtiger werdenden Segment der Marken-Publisher Erzählformen zu etablieren, die nah dran sind an Interessen und Lebenswelten der Kunden. Als Content-Stratege fällt mir mitunter die reizvolle Aufgabe zu, Markenchefs zu überzeugen, dass es fürs Image besser sein kann, eine differenzierte Selbstdarstellung hinzulegen, als mit blü tenreiner Wes te völlig steril zu wirken.
ist dein beruflicher Werdegang denn üblich für einen Content-Strategen?
Förster: Bei C3 sind wir zurzeit fünf Content-Strategen, alle mit journalistischem Hintergrund. Auch von den Mitarbeitern im Content-Bereich kamen bisher die meis ten aus klassischen Redaktionen. Das ändert sich aber gerade. Wie gesagt: Zielgruppen diversifizieren sich, Targeting wird wichtiger und somit brauchen wir verstärkt Mitarbeiter, die verstehen, wie die Mechanismen im Netz funktionieren. Digital Natives, die wissen, welche Welle eine News verursachen kann und an welcher Stelle man mit seiner Geschichte am besten auf diese Welle aufspringt.

»Fürs Image kann es besser sein, eine differenzierte Selbstdarstellung hinzulegen, als mit blütenreiner Weste völlig steril zu wirken«

Wo findet ihr solche Leute?
Förster: Noch befinden wir uns, wenn man so will, an der Schnittstelle zwischen Werbung und Corporate Publishing. Content-Redakteu re können also sowohl von Marketingakademien als auch aus Journalistenschulen kommen. Wir suchen aber auch vermehrt nach Mitarbeitern, die vorher als Texter in Agenturen gearbeitet haben.

Wie sehen die Karrierechancen eines Content-Redakteurs denn aus? 
Oder anders gefragt: Wie wird man Content-Stratege?
Förster: Bei uns herrschen keine festen Karriere- und Aufstiegsmuster. Wer gut darin ist, die Content-Profile von Unternehmen nachhaltig zu analysieren und weiterzuentwickeln, sich für neue Kommunikationswege begeistern und noch dazu ein Team führen kann, hat immer die Option, Content-Stratege zu werden.

Wie sehen auf dem Weg dorthin die ganz konkreten Aufgaben aus?
Förster: Das ist von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Die meisten Projekte betreffen die strategische Weiterentwicklung, weniger das redaktionelle Tagesgeschäft. Aber auch das gehört dazu, das ähnelt dann News-Redaktionen, man erstellt Themen pläne und Timelines, recherchiert und schreibt Artikel für verschiedene Kanäle. Dann gibt’s Etats, auf denen es stärker um Sales geht. Dann kann die Aufgabe zum Beispiel sein, einen Shop so zu organisieren, dass der User sich besser zurechtfindet und lieber dort kauft.

Das ist normalerweise die Aufgabe eines UX Designers.
Förster: Stimmt, die Kompetenzen überschneiden sich. Denn jede Website mit mehreren Themensäulen braucht eine narrative Grundidee und jemanden, der dafür sorgt, dass die verschiedenen Bereiche oder Kapitel plausibel aufgebaut und benannt sind – und trotzdem sexy klingen. Content Marketing ist ja kein neuer Kanal, sondern eine Herangehensweise. Entsprechend ganzheitlich müssen Content-Redakteure und Content-Strategen denken. Es reicht nicht, gut schreiben zu können, man muss auch ein Verständnis für kommerziellen Zusammenhänge mitbringen.

»Guter Content ist nützlich, originell, eingängig und transparent. Wir lieben griffige Titel, kurze Sätze, vertraute Keywords und eine klare Gliederung. Und wir tun nicht so, als sei die Welt ein Sahnetörtchen«

Content Marketing wird in der Kommunikation der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, so viel 
steht fest. In welchen Branchen lassen sich die spannendsten 
Projekte umsetzen?
Förster: Ich persönlich arbeite sehr gerne für die Automobilbranche. Hier fallen im Moment die Würfel, die wahrscheinlich über viele Zukunftsfragen und unter anderem über den Wohlstand in unserem Land entscheiden. Die Schwelle zur E-Mobility sorgt für Dynamik, weil alle merken, dass sie sich bewegen müssen, wenn die Karten durch neue Antriebstechnologien neu gemischt werden. Im Content Marketing entsteht dadurch viel Spielraum und es werden Dinge möglich, die vor ein oder zwei Jahren undenkbar gewesen wären. Aber auch die Content-Profile kleinerer inhabergeführter Firmen können spannend sein, hier haben die Geschäftsführer mitunter mehr Spielraum für innovative Ideen.

Abgesehen vom inhaltlichen Reiz: Welche Verdienstaussichten hat man als Content-Stratege?
Förster: Das lässt sich so pauschal nicht sagen, auch für die Karrierestufen davor nicht. Fest steht aber: Im Vergleich zum klassischen Journalismus handelt es sich bei Content Marketing um eine wachsende Branche. Und besser als in einer Zeitungsredaktion verdient man allemal.

Auch wenn ihr die Definition von Content stetig weiterentwickelt: Wie sieht guter Content im Sinne einer Marke heute aus?
Förster: Er ist nützlich, originell, eingängig und transparent. Wir lieben griffige Titel, kurze Sätze, vertraute Keywords und eine klare Gliederung. Und wir tun nicht so, als sei die Welt ein Sahnetörtchen. Die Protagonisten sind echt und nahbar – also möglichst immer auf Augenhöhe mit dem Publikum.


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Das macht ein UX Designer bei Scholz & Volkmer

Wir sprachen mit Peter Post, Geschäftsführer bei Scholz & Volkmer in Wiesbaden, über das Berufsbild UX Designer …

UX Design, UX Designer, Scholz & Volkmer

Peter Post, Geschäftsführer und UX Designer bei der Digitalagentur Scholz & Volkmer in Wiesbaden. Foto: Alexander Dreis

Nicht überall, wo UX Design draufsteht, ist auch UX Design drin. Nur wer wirklich an der Wiege digitaler Geschäftsmodelle steht, hat Einfluss auf die User Experience. Wir befragten Peter Post, Geschäftsführer bei Scholz & Volkmer in Wiesbaden, zu den Anforderungen und Chancen in dem noch jungen Beruf.

PAGE: In den Jobbörsen wimmelt es von Stellenausschreibungen für UX Designer. Unternehmen, Agenturen, Medienhäuser – alle wollen Leute, die sich um das Thema User Experience kümmern. Wen genau suchen sie?
Peter Post: Jemanden, der ihnen hilft, po­si­tive, mühelose und freudvolle Erfahrun­gen zu gestalten. Ein UX Designer muss ganzheitlich und über die Gestaltung einer visuellen Oberfläche hinausdenken. Er muss ergründen, was ein Benutzer braucht und wie er ihn an jedem Punkt seiner User Journey weiterbringen kann. Im Extremfall würde ich von einem UX Designer sogar erwarten, dass er sagt: Stopp, hier brauchen wir gar kein Interface.

Ein UX Designer ist also kein Interface Designer. Was sind die wichtigsten Unterschiede dieser beiden Gewerke?
Post: Das ist genau der Knackpunkt: UX und Interface Design werden häufig in einen Topf geschmissen. Das liegt daran, dass der Begriff User Experience und damit das Berufsbild des UX Designers erst aufkamen, als es immer mehr rein digitale Ge­schäftsmodelle gab. Man könnte auch sagen, der UX Designer ist die neue digita­le Form des Produktdesigners. Und das ist der wichtigste Unterschied: Der UX De­si­gner ist von Anfang an an der Ent­wick­lung eines digitalen Services beteiligt, der Inter­face Designer kommt dazu, wenn es da­rum geht, die Schnittstelle zwischen dem Produkt und den Menschen zu ge­stal­ten.

Das eine lässt sich aber doch nicht ganz vom anderen trennen.
Post: Nein! Natürlich sollte jeder UX Desi­g­ner visuell denken, scribbeln und zum Beispiel mit Wireframes umgehen können. Und dass jeder Gestalter – sei es klassisch oder digital – sich immer auch konzeptionelle Gedanken macht, ist auch klar. Oft ist für die User Experience und das Interface bei einem Projekt ja auch ein und dieselbe Person verantwortlich. Trotzdem: Wer sich UX Designer nennt, muss wirklich in den Kern eines Services eindringen und extrem analytisch denken können.

»UX Designer müssen ganzheitlich und über die Gestaltung einer visuellen Oberfläche hinausdenken«

Was bedeutet das für den Arbeits­alltag eines UX Designers? Wie sieht der typischerweise aus?
Post: UX Designer befinden sich noch mehr in Recherchephasen als andere Kreative. Wenn sie beispielsweise an einer digitalen Anwendung aus dem Bereich Retail arbei­ten, kann es schon mal vorkommen, dass sie mehrere Tage in Geschäften neben der Kasse stehen und beobachten, wie sich die Menschen dort verhalten. Darüber hin­aus schreibt man Konzepte, entwirft Personas, zeichnet User Journeys auf und ist in Work­shops und Kundenmeetings dabei.

Stichwort Kundenmeeting: Die frühe Einbindung bei der Entwicklung eines Produkts erfordert sicherlich eine extrem enge Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber.
Post: Absolut. Immer häufiger wünschen sich die Kunden, dass einer unserer UX De­signer für die Dauer eines Projekts kom­plett bei ihnen sitzt. Da muss man ein biss­chen aufpassen, dass das nicht zu weit führt, wir sind schließlich keine Zeitarbeits­firma. Insgesamt achten wir darauf, dass unsere UX Designer in Kundenmeetings nicht nur dabeisitzen, sondern auch ihre Themen selbst diskutieren, damit möglichst keine Informationen auf der Strecke bleiben und wir gemeinsam zum bestmög­lichen Ergebnis kommen.

Für erfahrene Mitarbeiter ist das sicher kein Problem. Wie gut ist der Nachwuchs für solche Aufgaben gewappnet? Oder anders gefragt: Wie nah kommen die Absolventen von heute an deine Vorstellung eines guten UX Designers heran?
Post: Teilweise schon sehr nah. Es kommt gerade ein Schwung junger Kommunikationsdesigner in die Agenturen, die zwischen Informationsarchitektur und Art­di­rektion gar nicht mehr so stark un­ter­schei­den. Ich will jetzt nicht von einem Ge­ne­rationswechsel sprechen, das klingt, als wären die alten Silberrücken nicht in der Lage, umzudenken. Aber die jungen Desig­ner finden es vollkommen nor­mal, beim Kunden zu sitzen – denn hier wird schließlich das Produkt entwickelt. Viele von ihnen haben schon während des Studiums ein eigenes kleines Start-up gegrün­det, es wahrschein­lich gegen die Wand ge­fahren und wissen, was es bedeutet, einen digitalen Service zu verkaufen. Damit könn­te mich übrigens auch ein Bewerber überzeugen: mit dem Mut, unternehmerisch zu denken.

»Wer sich UX Desig­ner nennt, muss wirklich in den Kern eines Services oder digitalen Produkts eindringen und extrem ana­ly­tisch denken können«

Was zählt noch, wenn sich jemand bei euch als UX Designer vorstellt?
Post: Wir sind immer noch Designer, wenn also jemand mit einer tollen Mappe kommt, dann hat er schon mal meine Aufmerksam­keit. Ich schätze es nach wie vor, wenn jemand typografisch gut ist und aus einer Zeile Text etwas herausholen kann. Allerdings: Ein UX Designer muss mir zudem zeigen, dass er strukturell denken kann. In seiner Mappe sollten nicht nur Oberflächen zu sehen sein, sondern auch User Journeys, Konzepte für Businessmodelle, Beispiele dafür, wie jemand mit Abbruchraten umgeht und so weiter.

Muss man als UX Designer programmieren können?
Post: Ein gewisses Verständnis von Code sollte man schon haben. Viele können pro­grammieren, das ist aber kein Muss. Ich bin manchmal selbst erstaunt, welche Tools sich unsere UXler zusammensuchen, um Prototypen für Websites oder Apps zu erstellen, ohne coden zu können. Das muss nicht zwangsläufig so etwas Professionel­les wie Axure sein, manchmal tun es auch kleine Gratistools.

UX Designer müssen also mit Technikern im Team arbeiten.
Post: Ja, genau. Die können vom Kunden kommen, aber auch aus der Agentur. Über­haupt sollte man als UX Designer extrem teamfähig sein. Normalerweise arbeitet man mit mindestens einem visuel­len Designer, einem Projektmanager und eben einem Developer zusammen. Teams können aber auch schnell aus 20 Leuten bestehen. Wie vorhin angesprochen, sorgt der Auftrieb digitaler Geschäftsmodelle dafür, dass nicht nur die Disziplinen, sondern auch die Kunden- und die Agenturseite en­ger zusammenrücken müssen. Man muss sich also auch auf andere Umgangsfor­men einlassen können, zeitweise vielleicht auf eine vollständig andere Unternehmens­kultur.

»Der UX Designer ist die neue digitale Form des Produktdesigners«

Gehört dazu auch, dass man strecken­weise bereit sein muss, überdurchschnittlich viel zu arbeiten?
Post: Ich wüsste nicht, warum das hier mehr als bei anderen Projekten sein sollte. Klar, wer beim Kunden sitzt, hat Reisezei­ten und muss möglicherweise im Hotel über­nachten. Das soll aber nicht überhand­nehmen und wird ausgeglichen.

Wie viel verdient ein UX Designer?
Post: Wir machen da keinen großen Unterschied zwischen den Gewerken: Ein Junior steigt ab 2400 Euro brutto ein, Me­di­oren verdienen ab 3000, Senioren ab 4000. Das Monatsgehalt der Direktoren geht bei etwa 5000 Euro los, nach oben hinaus kommt es auf die Verantwortung an, die man übernimmt.

Sind diese Stufen dann auch der klassische Karriereweg eines UX Designers bei Scholz & Volkmer?
Post: So könnte er aussehen, ja. Wir brauchen natürlich nicht zig Chefs. Ich bin aber zum Beispiel auch als Designer ohne BWL-Ausbildung erst zum Unitleiter und später zum Geschäftsführer geworden. Karriere wird aber immer weniger vertikal oder hie­rarchisch gedacht. Bei uns kann man auch in die eigene Produktentwicklung einsteigen, Teil eines Social Business werden. Das zählt für immer mehr Leute mehr als »höher und weiter«.

Du hast an der Fachhochschule Wies­baden ganz klassisch Kommuni­ka­tionsdesign studiert und warst ab Mitte der 1990er für den Aufbau
der Interaction-Design-Units verschie­de­ner niederländischer Agenturen verant­wortlich. Würdest du dich denn heute als praktizierenden UX Designer bezeichnen?
Post: Ja, schon. Natürlich bin ich weniger ins Tagesgeschäft eingebunden als unsere UXler. Aber ich schreibe nach wie vor Kon­zepte und scribble. 20 bis 30 Prozent meiner Arbeit wirken sich direkt auf die Produkte aus, an denen wir arbeiten.

»Im UX Design zählt nicht, wer am lautes­ten brüllt oder am sicht­­­bars­ten stört. Ein UX Designer ist kein Rockstar«

Welche zum Beispiel?
Post: Wir betreuen diverse Mercedes-Benz-Portale und die Deutsche Bahn – ein Füllhorn für UXler, die Touchpoints, an denen User Experience eine Rolle spielt, sind nahezu endlos: von Apps über klassische Sites, bis hin zu Self-Service-Displays und Wearables. Richtig knifflig wird es, wenn durch Omnichannel der User auch noch zwischen den Touchpoints wechselt, wäh­rend er ein und dieselbe Aufgabe erledigen möchte. Aber auch kleinere Projekte wie eine Stadion-App für Bayer 04 Leverkusen sind spannend. Dieses Projekt zeigt sehr gut, welchen Stellenwert die Research-Phase im UX Design hat: Unsere Designer haben Befragungen im Fanclub gemacht und waren mehrere Male im Stadion, um Umfeld und Publikum wirklich genau kennenzulernen. UX-Designer sollten gern mit Men­schen zu tun haben. Schließlich haben sie den Anspruch, deren Leben zu bereichern.

In welchen Branchen warten die spannendsten Projekte für UX-Designer?
Post: Überall, wo es zunehmend darum geht, anstelle eines Dings einen digitalen Service zu verkaufen – also eigentlich in al­len Branchen, von Automotive über Retail bis zum Tourismus. Dabei geht es übrigens nicht ausschließlich um technologische In­novation, sondern auch um soziale. Air­bnb ist ein per­fektes Beispiel dafür, wie UX Designer es geschafft haben, einen Zeitgeist aufzugreifen und aus einer Geschäfts­idee – zeit­weise leer stehenden Raum einer Commu­nity zur Verfügung zu stellen – eine Trust-Brand gemacht haben. Das Schöne daran ist, dass es nicht nur drei Jungs im Silicon Valley reich macht, sondern dass – mehr als bei Uber – auch eine gesellschaftliche Umverteilung stattfindet. Unser Kiezkauf­haus geht mit dem Genossenschaftsgedanken noch einen Schritt weiter.

Was fasziniert dich am Tun von UX Designern am meisten?
Post: Im UX Design zählt nicht, wer am lau­testen brüllt oder am sichtbarsten stört. Es geht nicht darum, ein Hinweisschild für ein Produkt aufzustellen, sondern um die Ent­wicklung des Produkts selbst. Ein UX Designer ist kein lauter Rockstar, der alle über­tönt, sondern jemand, der weiß: Egal, was du machst, es funktioniert nur, wenn die Menschen es gerne nutzen.

 


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Was ist eigentlich UX Design?

User Experience Design umfasst das gesamte Anwendererlebnis rund um ein Produkt, einen Service oder ein Unternehmen. Was man sonst noch wissen muss …

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Im digitalen Zeitalter bestehen Pro­duk­te zunehmend auch aus Webservices und Apps auf Computern und Smart-Devices. Für diese Anwendungen gilt, dass sie gut benutzbar sein müssen, damit die User ihre jeweiligen Ziele leicht und schnell erreichen können. Denn unverständliche Produkte führen zu Fehlern, Frust und im schlimmsten Fall sogar zu fatalen Unfällen. Usability-Experten und Interaktionsdesigner ha­ben es sich zur Aufgabe gemacht, solch klei­neren und größeren Katastrophen vorzubeugen, indem sie kontinuierlich die Be­nutzbarkeit von digitalen Pro­dukten verbessern.

User Experience Design geht noch weit über die Usability und das Interaktionsdesign eines Produkts oder eines Services hi­naus, denn neben der reinen Nutzungspha­se werden auch die Touchpoints der zukünftigen Kunden mit dem Produkt oder Onlineservice vor, während und nach der Nutzung bedacht und gestaltet. Jeder dieser Punkte wird von UX-Designern mit viel Liebe zum Detail durchdacht, da eine negative Erfahrung des Kunden oder Users an beliebiger Stelle des Customer Lifecycles zum Verlust des Vertrauens in das Pro­dukt und zu einer schlechten Reputation des Unternehmens insgesamt führen kann. Positive Erfahrungen mit den Produkten oder Services einer Marke sorgen hingegen für überzeugte und loyale Kunden, die ihrerseits zu Markenbotschaftern in ihrem Umfeld werden.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des User Experience Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein UX Designer bei Scholz & Volkmer«:

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Im Gegensatz zu Usa­bility ist User Experience nicht messbar, da es überwiegend um psycho­logische und mentale Vorgänge geht. Jeder Mensch ist anders und erfährt eine eige­ne User Experience

Überprüfbare Benutzbarkeit

Märkte sind Gespräche, das wissen wir spä­testens seit dem »Cluetrain-Manifest« von 1999. Damals postulierten die Web-Vor­den­ker Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger »markets are conversations« und verwiesen damit auf die Bedeutung der neuen interaktiven Medien für das klassische Marketing (www.cluetrain.com). Die Thesen der Au­toren des Manifests erwiesen sich als klu­ge Prognosen: Seit 2004 wird das Phänomen des User-Generated Content in Wikis, Blogs und sozialen Netzwerken unter dem Schlagwort Web 2.0 zusammengefasst. Da­zu gehört auch, dass sich Kunden online über Produkte austauschen. Eine schlechte Erfahrung mit einem Produkt oder Servi­ce potenziert und verselbstständigt sich in den sozialen Medien und ist von der Mar­ketingabteilung eines Unternehmens nicht mehr zu kontrollieren. Dagegen hilft nur eine ehrliche und authentische Kom­munikation – und die Voraussetzung hierfür sind gute Produkte und Services.

Die International Organization for Standardization (ISO), die in ihrer Normenreihe 9241 Richtlinien zur Mensch-Computer-Interaktion festschreibt, definiert unter »Anforderungen an die Ge­brauchs­taug­lichkeit von Software« (ISO 9241-11), dass Usability durch drei Fakto­ren quantifizierbar ist: Effektivität ist das Er­rei­chen der vor­gegebenen Ziele in Usabi­lity-Studien mit typischen Nutzern des Produkts; Effizienz ist die dafür benötigte Zeit und die Anzahl der benötigten Schritte; und die Zufrieden­heit kann in Fragebögen nach dem Bearbei­ten der Testaufgaben abgefragt werden. Die Produktverbesserungen gegenüber der Vorgängerversion sind also messbar und keine rein subjektive Geschmackssache der Gestalter oder des verantwortlichen Produktmanagers.

 

(Klicken Sie auf die Grafik, um sie größer darzustellen.)

UX Design, User Experience Design, Scholz & Volkmer

User Experience Lifecycle: In sämtlichen Phasen des gemeinsamen Customer und User Experience Lifecycle sind die kon­zeptionellen Fähigkeiten des UX Designers gefragt. Vor der Nutzung des Produkts oder des Services kann die Erwartungshaltung des Kunden positiv beeinflusst werden. Während der Nutzung muss das Produkt durch gute Benutzbarkeit überzeugen, um danach den User zu einem Upgrade oder Neukauf zu bewegen. Im Idealfall wird der Nutzer selbst zum Markenbotschafter.

 

Kundenerlebnis von A bis Z

Die designrelevanten Berufsfelder, die sich konstruktiv mit Usability-Fragen befassen, sind vielfältig und reichen von User Research und Usability Engineering über Interaktionsdesign, Screendesign und User Interface Design bis hin zu Grafikdesign, Visual Design und Motion Design et cetera. Sie alle befassen sich mit der Gestaltung und Verbesserung eines Produkts oder Services für bestimmte Nutzer und deren Auf­gabensituationen.

Die Kompetenzen der reinen Produkt­gestaltung reichen heute nicht mehr aus, um neue Produkte erfolgreich am Markt zu platzieren und Kunden und Nutzer zu gewinnen. Apple hat das als eine der ers­ten Firmen verstanden und stellte schon 1993 Donald Norman als weltweit ers­ten User Experience Architect ein. Norman war zuvor Professor für Psychologie und Kognitionswissenschaften an der University of Ca­lifornia in San Diego und hatte in seinem Buch »The Design of Everyday Things« (1988) das psychologische Verhältnis zwischen Mensch und Alltagsgegenständen diskutiert, das entweder zu Frust oder Freu­de bei der Benutzung führen kann.

User Experience Design betrachtet den Customer Lifecycle ganzheitlich

Nicht nur bei Apple versteht man seither unter User Experience eine ganzheitli­che Betrachtungsweise des Customer Life­cy­cles. Dieser besagt, dass Kunden sich bereits lange vor dem Kauf beziehungsweise lange vor dem Anlegen eines User Accounts mit dem erwarteten Produkt- respektive Ser­vicenutzen beschäftigen. Sie wollen wis­­sen, wofür sie ihr Geld ausgeben oder in was sie ihre Zeit investieren. Sie wollen wissen, welche Funktionen das Produkt hat, unter welchen Her­stel­lungs­be­din­gun­­­gen die Hardware produziert wur­de, welche Freunde oder Kollegen das System schon nutzen – und nicht zuletzt, welchen Status der Besitz des Produkts oder die Mitgliedschaft im jeweiligen Netzwerk mit sich bringt. Das alles hat nichts mit Usa­bility zu tun, denn der potenzielle Kun­­de hat das Produkt oder den Service ja noch nicht einmal ausprobiert. Dennoch tragen alle diese Aspekte maßgeblich zur User Ex­­perience des Produkts oder Services bei.

In diesem Sinne beinhaltet die ganzheitliche Betrachtungsweise der UX Designer auch die Phase nach der eigentlichen Nutzung. Wie verhält es sich mit den Garantie- und Servicebedingungen bei defek­ten Devices? Welche Upgrade-Möglich­kei­ten gibt es? Kann der Nutzer seine Fotos, Filme oder Kontakte auf andere Plattfor­men migrieren oder besteht Hersteller- oder Anbieterabhängigkeit? Auch Datenschutz ist spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ein Thema, zu dem sich die Firmen positionieren müssen. Im Stadium nach der Nutzung entscheidet sich, ob der Kunde erneut zum zahlenden Kunden wird oder ob er enttäuscht der Fir­ma den Rücken kehrt.

User Experience ist individuell

Es dauerte bis 2010, ehe der Begriff User Ex­perience erstmals im Rahmen der ISO-Norm 9241-210 »Prozess zur Gestaltung ge­brauchs­tauglicher Systeme« definiert wur­de. User Experience umfasst demnach die kognitiven und emotionalen Wahrnehmungen von Nutzern und deren physiologischen und psychologischen Reaktionen auf ein Produkt oder einen Service während der Nutzung genauso wie die Erwartung und Vorfreude vor der eigentlichen Anwen­dung. All diese Erfahrungen beeinflussen den Gesamteindruck, den die Kunden vom System und damit von der Marke, dem Pro­dukt und der Firma bekommen. Die Definition berücksichtigt explizit auch Dienstleistungen, sodass die in den letzten Jahren entstandene Disziplin des Service Designs ebenfalls ihren Anteil zu einer guten User Experience beiträgt.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des User Experience Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein UX Designer bei Scholz & Volkmer«:

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Im Gegensatz zu Usability ist User Experience im Sinne dieser Definition nicht messbar, da es überwiegend um psycho­lo­gische und mentale Vorgänge geht. Genau­so wenig ist User Experience im Sinne der ISO-Norm gestaltbar. Mit anderen Wor­ten: Es gibt – im strengen Sinne – kein User Experience Design, da viele Aspekte der Nut­zererfahrung subjektiv sind und Designer diese subjektiven Aspekte nicht direkt beeinflussen können. Jeder Mensch ist verschieden und erfährt daher eine eigene User Experience. Diese individuellen Kundenerlebnisse durch die Gestaltung digitaler Schnittstellen und Services indirekt zu beeinflussen, macht den großen Reiz des User Experience Designs aus.

Wie schon Donald Norman es Anfang der 1990er Jahre bei Apple forderte, entwirft und gestaltet ein User Experience De­signer interaktive Systeme mit einer ganz­heitli­chen Sicht auf die Nutzer und schafft so die Voraussetzun­gen für ein möglichst positives Kundenerlebnis. Dies trifft sich of­fen­bar mit dem Bedürfnis nicht weniger Designer, denn der Jobtitel des UX Desi­gners erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die Kompetenzen der reinen Produkt­gestaltung reichen heute nicht mehr, um neue Produkte und Services erfolg­reich am Markt zu platzieren und Kunden und Nutzer zu gewinnen

Den Nutzer verstehen

Die Ergebnisse ihrer User Research ver­dich­ten UX-Designer in sogenannten Personas, die im weiteren Design- und Ent­wi­cklungsprozess die potenziellen Nutzer exemplarisch repräsentieren. Mit diesen Kunden- oder Nutzermodellen spielen sie anhand von Szenarien und Storyboards schnell und iterativ Nutzungssituationen für neue Produkte durch. Dafür betreiben sie umfangreiches Prototyping: Papier­pro­totypen, Wireframes und Klickdummys hel­fen dabei, das zukünftige System­ver­hal­ten zu visualisieren, zu verstehen und an Probanden zu testen.

Die dabei ge­won­ne­nen Erkenntnisse fließen in die jeweils fol­gende Designrunde ein, bis das Konzept so­wohl mit Blick auf die Personas als auch im Geschäfts­kon­text überzeugt. Diese Schri­tte sind nur einige von vielen Ver­fah­ren aus dem Werkzeugkoffer eines UX Designers, in dem auch Design Thinking, Hu­man-Centered Design, User (Experi­ence) Journey Mapping, Crossmedia Storytelling oder Business Model Design ihren Platz haben.

Diese Methoden sorgen dafür, dass der UX Designer eine ganzheitliche Sicht auf den Nutzer sowie den Nutzungskontext ei­nes Produkts oder Services hat. Nur so kann ein adäquates und kohärentes Angebot entstehen, denn Kohärenz über die diversen Kanäle, Plattformen und User Inter­faces hinweg ist eines der zentralen An­lie­gen von UX Design. Um den Erfolg ei­nes Unternehmens nachhaltig zu sichern, um neue und innovative Onlineservices zu ent­wickeln oder gar Ideen für Start-ups zu generieren, bedarf es einer holistischen Betrachtungsweise, die sämtliche Aspek­te der Kundenerfahrung umspannt. Dazu ge­hören: das Branding, mögliche Flagship-Sto­res im realen Leben, der Social-Media-Auftritt, aber auch interaktive Elemente wie Navigation, Ges­ten­­­steu­e­rung, Ani­ma­tion oder Voice- und Chatbots sowie Screendesign, Layout und Typografie. Dadurch schaffen UX-Designer die Rahmenbedingungen für Produkte und Services, die bei den Kunden zu einer positiven User Experience führen, ihr Vertrauen in die Marke stärken und sie in loyale Botschafter verwandeln.

UX Design ist ein Beruf in Bewegung, weil Kundenlebenszyklen immer mit der Zeit gehen. Wer gerne interdisziplinär in Teams arbeitet, sein psychologisches Inte­resse mit eigenen kreativen Impulsen verbinden möchte und sich gerne mit Leuten umgibt, die in Produkten und Businessmodellen denken, ist mit dem Berufsbild UX Designer gut bedient. Bringt man außerdem noch zukunftszugewandten For­scher­geist mit, ist die Berufswahl goldrichtig.

 


Der Autor

Matthias Müller-Prove ist Interaction Designer und »Human Computer Interactivist.« Unter mprove.de finden Sie eine Übersicht über seine Veröffentlichungen, Artikel und Präsentationen.

 


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Das machen Service Designer bei SinnerSchrader

Wir interviewten Amy Chan und Silke Junker-Mirshahi, die im Service Design bei der Digitalagentur SinnerSchrader in Hamburg arbeiten …

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Silke Junker-Mirshahi & Amy Chan

Amy Chan und Silke Junker-Mirshahi, beide 36, arbeiten im Service Design der Digitalagentur SinnerSchrader in Hamburg, jedoch mit unterschiedlichen Profilen und Aufgaben. Wir fragten sie, was es braucht, um ein guter Service Designer zu sein, und was der Job mit sich bringt.

PAGE: Welche Ausbildung habt ihr gemacht?
Amy Chan: Ich habe an der University of Technology in Sydney Visuelle Kommunikation studiert und als Designerin gearbei­tet. Dann bin ich ins Marketing bei Sony gewechselt und habe danach in verschie­de­nen Agenturen gearbeitet. Meistens ging es bei meiner Arbeit um die Planung und Strategie von klassischer und digitaler Wer­bung. Bei der Londoner Digitalagentur Me­dia­Com saß ich in der Innovationsabteilung. Dort habe ich das sich verändern­de Konsumentenverhalten im Umgang mit neuen Technologien erkundet und analysiert, welche Möglichkeiten sich hier für neue Services und Kommunikationsfor­men ergeben.

»Ich wollte digitale Services und Plattformen gestalten, die Menschen echten Mehrwert bringen« Amy

Wie kamst du dann zum Service Design – und nach Hamburg?
Chan: Ich war die Konzeption von Kom­mu­nikationsstrategien leid. Stattdessen woll­te ich digitale Services und Plattfor­men ge­stalten, die Menschen echten Mehrwert brin­gen. Werbung bewegt sich auf einem sehr emotionalen Level, während Service Design wirklichen Nutzwert bietet und eine andere Verbindung mit dem Kunden schafft. Nach Hamburg hat mich die Liebe geführt. Ein Freund in London machte mich auf SinnerSchrader und ihre NEXT Conference aufmerksam, und mir wurde schnell klar, dass die Agentur perfekt zu mir und der Richtung, die ich einschlagen wollte, passt. Die Agentur suchte zu diesem Zeitpunkt gerade ei­nen Strategen, und nach ei­nem ersten Vor­stellungsgespräch via Skype konnte ich direkt anfangen, als ich nach Hamburg kam.

Silke, du hast ursprünglich Archi­tek­tur studiert. Wie bist du im Service Design gelandet?
Silke Junker-Mirshahi: Ich habe schnell nach mei­nem Studium gemerkt, dass mir die Arbeit als Architektin nicht reicht. Mir haben die Schnelligkeit und der eigene Ge­staltungsfokus gefehlt, die es im Studium noch viel stärker gab. Daraufhin habe ich zunächst die Öffentlichkeitsarbeit des Architekturbüros übernommen, bei dem ich arbeitete, und nebenher Kommunikations­designkurse an der Hochschule Darmstadt be­legt. Ich wechselte dann zu einer Agentur für integrierte Kommunikation, wo ich im Design, im Konzept und im Projektma­nagement tätig war. SinnerSchrader lernte ich durch die Zusammenarbeit der beiden Agenturen kennen und war gleich begeis­tert. Schließlich brach ich meine Zelte in Hessen vollständig ab, kam nach Hamburg und fing in der Konzeption bei SinnerSchrader an.

»Werbung bewegt sich auf einem sehr emotionalen Level, während Service Design  wirklichen Nutzwert bietet« Amy

Warum gerade in der Konzeption?
Junker-Mirshahi: Architekten konzipieren Häuser in ihrer ganzen Komplexität. Sie müssen nicht nur daran denken, welche Raumerlebnisse ein Gebäude seinen Nutzern bieten soll, sondern auch daran, welche funktionalen, rechtlichen und techni­schen Anforderungen eingehalten werden müssen, beispielsweise bei Fluchtwegen oder der Anzahl von Sanitäranlagen. Von daher war ich schon gut ausgebildet darin, ganzheitlich zu planen. Auch Konzepter im digitalen Umfeld müssen sehr strategisch mit Komplexität und Abstraktion um­gehen können, vor allem im Bereich User Experience.

Empfindet ihr euch selbst als Service Designer?
Chan: Service Design ist Teil meines Jobs, aber ich bin eher Stratege. Die Disziplin an sich hat sich erst in den vergangenen fünf Jahren richtig herausgebildet, und es gibt bisher kaum ausgewiesene Aus­bil­dungs­we­ge. Aus diesem Grunde kommen im Ser­vice Design Leute mit den unterschied­lichs­ten Hin­tergründen zusammen – darunter Designer, UX Designer, Strategen, Texter oder auch Psychologen.

Das ist das Tolle an Service Design: Es ist nicht auf eine Sichtweise festgelegt. Natür­lich muss man sich auch hier an einen methodischen Prozess halten, aber prin­zi­piell kann jeder mit einem offenen, krea­tiven Mindset daran mitwirken. Gegenwär­tig bil­den sich neue Ausbil­dungs­an­ge­bote heraus – zum Beispiel an der Royal Academy of Arts in London oder am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Ich denke, das wird in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen.

»Man muss ein Teamplayer sein, der Diversität als Bereicherung begreift und grund­sätzlich positiv denkt« Silke

Junker-Mirshahi: Ich sehe mich ganz klar als Service Designerin. Letztlich ist jedes di­gitale Interface eine Art Service-Front­end. Das Spannende im Service Design ist, dass man größer denkt und designt. Die Grund­prinzipien und Methoden sind die gleichen wie im Bereich User Experience.

Welche Kompetenzen muss ein Service Designer mitbringen?
Chan: Empathie ist ein ganz wichtiger Fak­tor. Als Stratege sollte man natürlich auch das Businessmodell und das Marktumfeld des Auftraggebers verstehen, damit man Serviceökosysteme entwickeln kann, die zum Geschäft passen. Recherche ist ein äußerst wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir sam­meln Informationen aus allen mögli­chen Quellen, wie Studien, Marktforschun­gen und Unternehmenshistorien, und filtern daraus die Schlüsselinformationen für das jeweilige Projekt heraus.

Menschen, die Recherche vernachlässi­gen, finde ich ignorant. Niemand kann genau wissen, was Kunden wollen. Das fängt schon beim Altersunterschied an. Auch ich kenne mich nicht mehr in der Lebenswelt einer 20-Jährigen aus. Das Konsumentenverhalten hat sich in den letzten Jahren dermaßen rasant verändert, dass man potenzielle Nutzer immer wieder aufs Neue befragen und untersuchen muss. Wenn man auf diesen sehr wichtigen Co-Creation-Prozess verzichtet, basiert die ge­samte strategische Arbeit nur auf den eigenen Annahmen und Werten.

»Wir kreieren keine Kampagnen, die am nächsten Tag wieder vergessen sind, sondern nützliche und durchdachte Services« Amy

Junker-Mirshahi: Man braucht zudem ein großes Maß an Experimentierfreude sowie schöpferisches Denken und Kreativität, um die versteckten Bedürfnisse zu identifizieren und immer wieder in komplett neue Richtungen zu denken. Zugleich muss man als UX-Konzepter strukturiert denken, alle Aspekte in Betracht ziehen und auf die wichtigsten Funktionen herunterbrechen – also abstrahieren und ver­einfachen. Da man als Service Designer sowohl mit dem Endkunden als auch mit dem Auftraggeber direkt zu tun hat, ist es wichtig, dass man seine Gedanken und Ideen verständlich präsentieren kann. Und man muss ein Teamplayer sein, der Diversität als Bereicherung sieht und grundsätzlich positiv denkt.

Welche Tools sind wichtig?
Chan: Als Stratege muss man die Recherche am Bildschirm beherrschen. Wir lesen eine Menge Studien und Businessanalysen und erstellen sogar eigene Untersuchungen, etwa zur digitalen Affinität der »NEXT Generation«.

Junker-Mirshahi: In Sachen Konzeption sind sämtliche Visualisierungstechniken und -ma­terialien ein Muss. Außerdem soll­te man mit Axure oder einem anderen gän­gigen Prototyping-Tool wie Proto.io, Avocado oder Flinto umgehen können, um ein sogenanntes Minimum Viable Product erstellen zu können. Diese Dummys haben gerade genug Features, um mit Usern zu testen, ob das Produkt am Markt Bestand haben könnte. Diese Erkenntnisse verhindern Kosten und Risiken.

Wie arbeitet ihr zusammen? Wo überschneiden sich eure Bereiche?
Chan: Die anfängliche Recherche liegt vor allem bei mir. Wenn die abgeschlossen ist, initiiere ich den Kick-off des Projekts. Ab diesem Zeitpunkt arbeiten wir zusammen, erstellen Personas und Customer Journeys und veranstalten Workshops. Dabei nehmen wir unsere unterschiedlichen Perspek­tiven ein: Mir geht es hauptsächlich um Businessaspekte, und Silke hat die Nut­zer­sicht im Blick.

Junker-Mirshahi: Sobald es um die kon­kre­te Service­idee geht, die entworfen und gescribbelt werden soll, sind die Konzepter gefragt. Der Stratege checkt das Ergebnis mit Blick auf die Frage, ob es zum Markt, zum Auftraggeber und in seinen Un­ter­neh­menskontext passt. Bildlich gesprochen rich­te ich das Mikroskop auf den Nutzer, während Amy einige Meter höher fliegt und sich ein Bild von der umgebenden Situation im Umfeld des Auftraggebers verschafft.

Wie kommen bei euch Aufträge für Service Design rein?
Chan: Von einigen Kunden haben wir lang­fris­tige Beratungsaufträge. Wir informieren sie, wenn uns Trends auffallen oder sich Umwälzungen am Markt ankündigen. Wir beobachten für sie, wie sich das Kon­sumen­tenverhalten verändert und wie die Vielzahl an unterschiedlichen Geräten oder Mak­rotrends wie die Share Economy, autonomes Fahren oder Artificial Data Intelligence ihren Markt beeinflussen. Aus die­ser Betrachtung heraus können sich dann Projekte und Aufträge ergeben.

»Sind wir bei der Umsetzung dann noch in die Change-Prozesse im Unternehmen ein­gebun­den, wird es richtig spannend« Silke

Junker-Mirshahi: Die meisten Kunden tre­ten mit konkreten Projektanfragen an uns heran, die wir individuell, aber immer nach unserem Service-Design-Modell bearbeiten: Recherche, Ideenentwicklung, Prototyping und Evaluation (siehe »Der Service-Design-Prozess«).

Was fasziniert euch an eurem Job?
Chan: Ich finde es immer wieder großartig, unsere Rechercheergebnisse zu nutzen, um einen realen Mehrwert für die Nutzer zu ge­nerieren. Wir kreieren keine Kam­pa­gn­en, die am nächsten Tag wieder vergessen sind, sondern nützliche und durch­dach­te Services, die idealerweise auch noch Spaß machen.

Junker-Mirshahi: Mich fasziniert vor al­lem, was aus der direkten Interaktion mit Nutzern, Experten und Kunden entsteht. Das interdisziplinäre Potenzial dieser Co-Creation ist unglaublich!

Was waren bisher eure spannendsten Projekte?
Junker-Mirshahi: Das sind eher Projek­te, über die wir nicht sprechen dürfen. Da geht es beispielsweise um interne Softwa­re­sys­teme, die teilweise vollkommen krude Interfaces und verrückte Shortcuts aufweisen. In die­se Welt muss man tief eintauchen, um wirk­lich zu verstehen, was die Nutzer wollen und brauchen. Das ist wie Gehirnjogging! Wenn wir bei der Umsetzung dann noch in die Change-Prozesse im Unterneh­men ein­gebunden sind, wird es besonders spannend.

Welches Projekt würdet ihr als Ser­vice Designer gerne mal umsetzen?
Junker-Mirshahi: Ich finde es spannend, in großen Konzernen etablierte Silos zu überwinden und dort gemeinsam nachhal­tige Services zu schaffen, um das alltägli­che Arbeiten zu verbessern.

Chan: Ich würde gerne mal an einer konkreten Anwendung für wohltätige Zwecke arbeiten und habe da auch schon eine Idee für einen Service im Kopf.

 


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Das macht ein Motion Designer bei Deli Creative Collective

Wir interviewten Pascal Reitz, der seit vier Jahren bei Deli Creative Collective in Hamburg als Motion Designer arbeitet …

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Pascal Reitz, Motion Designer beim Bewegtbildstudio DELI Creative Collective in Hamburg

Eine entspannte Grundhaltung, Sinn für Humor, Zeichentalent und Freude daran, kleine animierte Figuren herumspringen zu lassen – ungefähr so lassen sich die Eigenschaften zusammenfassen, die Pascal Reitz, 31, für seinen Job als Motion Desig­ner bei DELI Creative Collective mitbrach­te. Als wir mit ihm sprachen, nahte gerade sein vierjähriges Jubiläum bei dem Hamburger Studio. So viel sei vorausgeschickt: Gelangweilt hat er sich seither nicht.

PAGE: Wolltest du von Anfang an Motion Designer werden? Und bringst du von der Hochschule eine entsprechende Ausbildung mit?
Pascal Reitz: Nicht wirklich. Studiert habe ich an der Hochschule für Bildende Küns­te Braun­schweig, da wurden eher Themen wie Buchgestaltung groß geschrieben. Wo­zu ich keinen rechten Hang hatte . . .

»Mein Stil ist Comic-artig, quietschbunt und lustig«

Nach den Einführungskursen in die verschiedenen Pro­gramme habe ich selbst meine Kenn­tnis­se dort vertieft, wo es mich interessierte: bei der 2D-Animation mit After Effects und ersten Grundlagen von Cinema 4D. Im Hauptstudium habe ich mich in drei großen Projekten auf Animation kon­zentriert. Zum Glück gab es die nötige Hard- und Software – von anderen Hochschulen hörte man, dass die Studen­ten sich die Rechner teilen mussten. Oft hat Professor Ulrich Plank vom Institut für Me­dienforschung die Arbeiten mitbetreut. Er wusste immer, welche Program­me wo nötig waren.

Wie kamst du von Braunschweig nach Hamburg?
Reitz: Anfangs habe ich mich relativ breit bei Kreativagenturen beworben, dann habe ich mich auf Hamburg und Motion Design beschränkt. Ein Bekannter hatte eine Liste passender Studios. Bei DELI klappte es mit einem Job. Schon beim ersten Telefonat fand ich den Laden sympathisch. Es hieß, ein gewisser Michael »will mit dir re­­den«. Ich habe dann erst vor Ort erfahren, dass er der Geschäftsführer ist.

Was für ein Portfolio hattest du beim Vorstellungsgespräch bei DELI vorzuweisen?
Reitz: Sehr viele kleine Animationen. Ich hatte vorher nebenbei für eine Firma ein wenig in Richtung Imagefilm gearbeitet. Außerdem gab es ein animiertes Musikvideo für einen Berliner Underground-Rapper. Während eines Auslandssemesters in Belfast waren weitere freie Projekte ent­stan­den. Da kam schon einiges zusammen. Fast alles sehr experimentell, aber es reich­te, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

»Ich musste lernen, schneller zu werden, und das schwel­ge­ri­sche studentische Ar­bei­ten loswerden. Von den alten Hasen habe ich gelernt, wie man die Program­me effek­tiver nutzt«

Wie fühlte sich dann das »echte« Arbeitsleben bei DELI an?
Reitz: Dass ich zeichnen kann, kam schon mal sehr gut an. Ich wurde sofort fürs Storyboarding eingesetzt und konnte dabei viel lernen. Im Studium lässt man Storyboards gern mal weg, weil man schnell anfangen will. After Effects und Cinema 4D kannte ich ja schon, meine Character-Ani­mationen waren gern gesehen. Aber ich musste schneller werden, das schwelgeri­sche studentische Arbeiten loswerden.

Wie hast du das geschafft?
Reitz: Wenn der Producer nach einem Tag an den Tisch kommt und sich wundert, was man die ganze Zeit gemacht hat, merkt man, dass man vielleicht zu detailliert, zu umständlich arbeitet. Ich hatte mir das meis­te ja selbst beigebracht. Von den alten Hasen habe ich gelernt, die Program­me effektiver zu nutzen.

Ist das Arbeitsleben in der Medienbranche so stressig, wie oft behaup­tet wird?
Reitz: An der Hochschule gab es viele, die keine Lust auf eine Agentur hatten, sondern ihr eigenes Ding machen wollten. DELI jedenfalls ist ein entspannter Laden, man geht fair mit der Arbeitszeit um. Natürlich sind Überstunden je nach Auftrags­lage manchmal selbstverständlich. Aber das wird weniger, je professioneller man selbst seine Zeit einteilt.

Welche Eigenschaften sollte man für den Job als Motion Designer mitbringen?
Reitz: Gelassenheit und die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen. Man arbeitet ja nicht nur am Computer und das war’s. Mit dem Kunden, der manchmal neben einem sitzt, muss man ebenso kommunizieren wie im Team. Wenn einem bestimmte Arbeitsschritte weniger liegen, sollte man nicht einen Tag lang herumprobieren, son­dern diese Aufgabe lieber abgeben – und entweder selbst wissen, an wen, oder es mit dem Producer besprechen. Und man muss sein Ego immer wieder zur Seite packen können. Es geht nicht darum, Bilder zu produzieren, die man selbst schön findet, sondern darum, effektiv zu arbeiten.

Wie oft hast du direkt Kontakt mit Kunden, und wie gestaltet sich das?
Reitz: Wenn die Kunden nicht in Hamburg sind, gibt es relativ oft Telefonkonferen­zen. Meistens schicken wir ihnen Entwürfe oder Arbeitsergebnisse, und besprechen die­se telefonisch. Da können von jeder Sei­te zwei oder drei Leute beteiligt sein, manch­mal auch mehr, wenn etwa noch die Kreativdirektorin und 3D-Spezialisten dabei sein müssen.

Empfindest du deine Arbeit eher als technisch oder eher als kreativ?
Reitz: Das hält sich ganz gut die Waage. Manchmal haben die Agenturen als Auftraggeber schon sehr genaue Vorstellun­gen, in anderen Fällen kann man den Look mitbestimmen. Wenn man weiß, dass bald wieder eine nette Aufgabe in den Startlöchern steht, hilft einem das durch Dürrephasen und man beißt sich bei nicht ganz so spannenden Aufgaben durch.

»Motion Designer werden auch bei der Kalkulation zurate gezogen, um beim Kunden ein ver­nünf­tiges Angebot abzu­geben«­­

Was sind deine Vorlieben?
Reitz: Mein Stil ist eher Comic-artig, lus­tig und quietschbunt – solche Jobs landen mit großer Wahrscheinlichkeit auf mei­nem Tisch. Gleich zu Anfang hatte ich ein nettes Projekt für das Schauspielhaus Ham­burg mit viel Character-Animation. Die Fi­guren waren von einem holländischen Illustrator vorgegeben, aber ich durfte al­les drumherum gestalten. Das war im ers­ten halben Jahr ein sehr guter Start.

Welche Projekte waren seither Highlights?
Reitz: Zum Beispiel der Spot für die Stadtwerkzeug-App der Stadtwerke Düsseldorf. Lustigerweise musste ich sogar für die ers­ten Testshots als Model herhalten – wir be­nötigten jemanden, der mit einem Smart­phone die Hände bewegt, die später mit den Animationen interagieren soll­ten. Wir hatten zu Anfang zwei Designrouten entwickelt. Eine Cartoon-Version ohne Realfilm, die wir dem Kunden als Variante B anbieten wollten, habe ich gemacht. Für den Ab­­schnitt über die Veranstaltungs­tipps der App habe ich recherchiert, was in Düsseldorf alles los ist, und in Photoshop und Cinema 4D den Styleframe für eine kleine Theaterbühne mit einer Aufführung von Shakespeares »Romeo und Julia« gebaut.

Zwischenfrage: Kannst du kurz den Begriff Styleframe erklären?
Reitz: So bezeichnet man bei Animations­projekten Bilder, mit denen man dem Kun­den grob die Stilrichtung zeigt.

Welche Aufgaben fielen noch beim Spot für die Stadtwerkzeug-App an?
Reitz: Ich habe zum Beispiel auch an einer Parkhauslandkarte mitgearbeitet, die sich entfaltet. Bei einem Film mit 2D- und 3D-Elementen ist es interessant zu entscheiden, wann man welche Software verwendet, ob man alles im 3D-Programm macht oder wann man After Effects einsetzt. An anderer Stelle musste man überlegen, wie sich eine Discokugel gestalten lässt, die nicht nur leuchtet, sondern auch ein wenig Partystimmung verbreitet. Gar nicht so einfach in der Kürze der Zeit.

Mit welchen deiner Kollegen hast du beim Produktionsprozess besonders häufig zu tun?
Reitz: Permanent mit dem jeweiligen Producer, denn er fungiert als Schaltzentrale, die dem Kunden neue Arbeitsergebnisse hinüberflankt. Der Producer hat auch das Timing im Auge. Am Anfang hat es für mich das magische Handwerk des Motion Designs fast entzaubert, dass er so genau weiß, wie lange ich für etwas brau­che. Wir Motion Designer werden aber auch bei der Kalkulation zurate gezogen, um beim Kun­den ein vernünftiges Angebot abzugeben. Je nach Projekt gibt es mehr oder weniger Kontakt mit dem Regisseur und dem Kreativdirektor. Und natürlich tauschen wir Motion-Grafiker uns aus. Vielleicht hat der Kollege ja vor einem halben Jahr ein ähnliches Problem wie das gelöst, das einen selbst gerade beschäftigt.

Mit welchen Tools arbeitest du?
Reitz: Überwiegend mit After Effects als der gängigen Software für 2D-Motion-De­sign und Komposition sowie mit Cinema 4D für 3D-Animationen. Photoshop und Illustrator nutzen wir, wenn Bilder geschaf­fen werden müssen, etwa noch unbeweg­te Styleframes. Figuren skizziere ich meist zuerst mit der Hand auf Papier und scanne sie ein. Von Hand arbeite ich auch, wenn ein entsprechender Look gewünscht ist. Beispielsweise bei einem Erklärfilm für ültje, wo die Strichstärke nicht ganz konstant sein sollte, oder einem Film für den Schreibwarenhersteller Leuchtturm1917, der in einem Notizbuch spielt. Für den Spiel­film »Unfriend« war ein Aquarell-Look mit hier und da schmutzigen Ecken gefragt, den wir ebenfalls zuerst auf Papier fertigten.

Was ist das für ein Film?
Reitz: Ein Horrorthriller von Simon Verhoeven. Wir hatten schon bei Werbespots mit ihm als Regisseur gearbeitet. »Unfriend« war eine Produktion mit Warner Brothers und wurde in Südafrika gedreht. Wir steuerten Bilder für eine Sequenz bei, in der es um das gruselige Facebook-Profil eines toten Mädchens geht. Es war ein interessantes Hin und Her zwischen dem Regisseur und uns. Die Filmleu­te, die normalerweise nicht mit Anima­tion arbeiten, haben uns an ihre Vision herangeführt und wir sie umgekehrt an die Animation.

Und dann habt ihr »Unfriend« natürlich im Kino angeschaut.
Reitz: Es war toll, das auf der großen Lein­wand zu sehen und im Abspann zu stehen! Wir haben nett mit den Kollegen und ein bisschen Sekt im Kino gesessen.

Welche Karrierechancen hat man als Motion Designer?
Reitz: Ein Ziel wäre wohl Kreativdirektion oder Regie, also mehr in Richtung Krea­tion und weniger in der Umsetzung zu arbeiten. Nur Konzepte zu machen und gar nicht mehr am Computer herumzuschrau­ben, ist allerdings nicht jedermanns Sache. Für mich gibt es erst mal genügend Herausforderungen, sei es durch immer wieder neue große Kunden oder durch DELIs Partnerschaft mit den Animations- und Ef­fektspezialisten von Gravity in Tel Aviv. Es war spannend zu sehen, wie dort aus meinen Bleistiftzeichnungen hochauflösende 3D-Figuren entstanden.

Und was machst du heute noch?
Reitz: Ich gehe zu den Pixelists – einem Treffen von Motion Designern, das regelmäßig in der FilmFabrique am Hamburger Hafen stattfindet. Etwa vergleichbar mit dem Berliner Animations- und Motion-Graphics-Meeting Faux Images.

Hast du selbst dort auch schon Projekte vorgestellt?
Reitz: Ja, ich habe ein wenig von Neben­bei­projekten erzählt. Zum Beispiel habe ich zu Ostern mal eine kleine Animation na­mens »The Eggxorcist« entwickelt, die wir an Kunden und andere Freunde des Hau­ses geschickt haben. Manche von uns drehen in der Freizeit Musikvideos, und wir hel­fen uns gegenseitig. Kürzlich hat ein Producer einen Clip mit der Hip-Hop-Band Neonschwarz hier im Schanzenviertel an der Roten Flora gedreht. Ich habe den Film mit animierten, Cartoon-artigen Ele­men­ten wie Speedlines versehen, die die Be­wegungen der Bandmitglieder begleiten.

Du hast also noch keine Sehnsucht nach einer dieser »Lücken im Lebenslauf«, für die sich Neonschwarz in ihrem Song stark machen?
Reitz: Nein, dazu kann man es hier zu gut aushalten!

 


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Interaction Design – Studium und Ausbildung

3 Fragen an Professor Stefan Wölwer von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim …

 

Interaction Designer gestalten die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Damit wird ihre Arbeit immer gefragter. In diesem Video erklärt Professor Stefan Wölwer von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, warum es sich lohnt Interaction Designer zu werden, welche falschen Annahmen über das Tätigkeitsfeld kursieren und was man mitbringen muss, um hier erfolgreich zu sein.

 

3 gute Gründe, sich auf Interaction Design zu spezialisieren

 

1. Interaction Designer gestalten die Schnittstelle zu dem Betriebsystem unserer modernen Welt, der Digitalität. Wir entwerfen die notwendigen mentalen Modelle und wir machen diese durch gutes Interface Design sichtbar und verständlich.

2. Interaction Design ist die wichtige Synapse zwischen klassischer Gestaltung und den Technologien, die unseren Alltag am Laufen halten.

3. Interaction Designer verschönern nicht bloß das Hier und Jetzt, sondern wir entwerfen Zukunft.

 

 3 falsche Annahmen über Interaction Design

 

1. Wer glaubt, im fünften Semester auch endlich mal was Digitales machen zu müssen, ist im Interaction Design an der falschen Stelle.

2. Es reicht nicht, mal eben eine große Idee zu haben, die andere dann schon irgendwie umsetzten. Ideen fallen nicht einfach aus dem Adobe-Himmel heraus, vielmehr braucht es intensive theoretische Auseinandersetzung und hohes technisches Verständnis.

3. Interaction Design ist nicht Webdesign!

 

3 Anforderungen, die Studierende erfüllen müssen

 

1. Interaction Designer sollten sich für Technologie als Gestaltungsmittel begeistern können, ohne dabei jedoch eine kritische Betrachtung der Entwicklung zu verlieren.

2. Offenheit und Abenteuerlust sind ganz wichtig im Interaction Design, schließlich gilt es, sich permanent auf neues unbekanntes Terrain zu begeben.

3. Vor allem aber braucht es Teamwork im Interaction Design. Es geht nicht nur darum, eigene Ideen zu haben. Der echte Profi setzt sich für das Ziel des gesamten Teams ein.

 


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