Kategorie-Archiv: Motion Design

Was ist eigentlich Motion Design?

Motion Design verknüpft traditionelles Grafikdesign und klassische audiovisuelle Disziplinen mit moderner digitaler Technologie. Wie sich die Designdisziplin entwickelt hat und wie ihre Zukunft aussieht …

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Die Darstellung von Bewegung hat kreative Menschen immer schon fasziniert. Bereits Höhlenzeichnungen zeigen Versu­che, die Dynamik einer Situation mithilfe von Bildfolgen darzustellen. Aber erst sehr viel später, Ende des 19. Jahrhunderts, gelang mit der Erfindung des Films erstmals eine realitätsnahe Illusion von Bewegung. Schon bald darauf war für einige Künstler – allen voran Karikaturisten – Realitätsdarstellung dann auch gar nicht mehr so wich­tig, da die neue Technik ihrer Kreativität völlig neue visuelle Welten eröffnete. Das war die Geburtsstunde des Trickfilms beziehungsweise der Animation.

Viele der Anfang des 20. Jahrhunderts gezeichneten und animierten Charaktere wurden weltberühmt, wie etwa Popeye von Max Fleischer, Felix the Cat von Pat Sulli­van und allen voran Mickey Mouse von Walt Disney. Ihre Geschichten – auf eine neue, bislang ungesehene Art und Weise erzählt – faszinierten die Menschen und tun es bis heute.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des Motion Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein Motion Designer bei DELI Creative Collective«:

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Am Anfang war ein Trick

Das Prinzip der Produktion von Zeichentrick- und dreidimensionalen Puppen­trick­filmen nennt sich Keyframing oder Schlüs­selbildanimation. Ausgangspunkt ist die so­genannte Stop-Motion-Technik. Zunächst geben einige wesentliche Bilder grob den Bewegungsablauf vor. Zwischen diesen Sequenzen werden so viele weitere Bilder, Interframes genannt, gezeichnet, bis eine flüssige Bewegung entsteht. Je nach Schnelligkeit der Bewegung sind das zwölf bis 24 Bilder pro Sekunde.

Motion Design bildet eine Synthese aus verschiedenen Entwicklun­gen des Kommunika­tions­designs samt all seinen filmi­schen beziehungsweise künstlerischen, gra­fi­schen und audio­visuellen Möglichkeiten

Die Filmindustrie erkannte sehr schnell, dass diese Trickfilmtechnik in Verbindung mit Typografie für die Gestaltung des Vorspanns eines Films nützlich ist. Dieser war notwendig, weil sich die Filmstudios verpflichtet hatten, alle Beteiligten an einem Projekt zu Beginn des Films zu nennen. Die anfangs üblichen statischen Texttafeln wurden dem Medium Film nicht gerecht und langweilten die Zuschauer – die neue Technik erlaubte eine attraktivere, weil be­wegte Gestaltung der Titelsequenz. Das sogenannte Title Design war geboren, das durch stilprägende Gestalter wie Saul Bass (»Psycho«, »Vertigo«), Maurice Binder (»Dr. No«, »Goldfinger«) oder Wayne Fitzge­rald (»My Fair Lady«, »The Three Faces of Eve«) etabliert und perfektioniert wurde. Bis heute (oder noch) hat Motion Design seine stärkste Präsenz in Film und Fernsehen. Schon seit vielen Jahren ist die De­sign­disziplin integraler Bestandteil des Cor­po­rate Designs von TV-Sendern und dient der visuellen Orientierung im Programm eben­so wie der Identifizierung des jeweiligen Kanals. Motion Design spiel­te außerdem – seit 1981, dem Startjahr des Musiksenders MTV – eine wichtige Rolle bei der visuellen Untermalung und Ver­mark­tung von Musik.

Heute haben Videoportale wie YouTube und Vimeo, unterstützt von Facebook, Ins­tagram, Twit­ter und Snapchat, den Mu­sik­sendern längst den Rang abgelaufen, und die Bedeutung bewegter audiovisueller In­halte wächst weit über die Musik-, Film- und TV-Wirtschaft hinaus, in Branchen wie Publishing, Werbung, Branding, Corporate Identity über die Internet-, Mobile-, Software- und Games-Industrie bis hinein in die Bereiche Kultur und Architektur.

Motion Design lediglich auf Animation oder bewegtes Grafikdesign zu reduzieren, ist zu kurz gegriffen. Die Disziplin bil­det ei­ne Synthese aus verschiedenen Entwick­lun­gen des Kommunikationsdesigns samt all seinen filmischen beziehungswei­se künst­lerischen, grafischen und audio­vi­su­­ellen Möglichkeiten. Hinzu kommen kom­plexere inhaltliche und konzeptionel­le An­forderungen an die Gestalter. Daher be­schreibt der früher um einiges weiter verbreitete Begriff »Motion Graphics« die Dis­ziplin nur noch unzureichend und wird zu­nehmend durch »Motion Design« ersetzt.

Siegeszug der Digitalisierung

Die digitale Geschichte des Motion De­signs beginnt Mitte des 20. Jahrhunderts am Massachusetts Institute of Technology. Am MIT entwickelte Charly Adams 1949 ein Programm, das einen springenden Ball in Echtzeit berechnen konnte. Dies war die erste Computeranimation – und der Start einer stetigen Weiterentwicklung. In den 1960er Jahren gründete der amerikani­sche Animator, Komponist und Erfinder John Whitney die Firma Motion Graphics Inc., die sich auf die digitale Produktion von Titelsequenzen für Film und Fernsehen spezialisierte und der neuen Designdisziplin den wesentlichen Impuls und einen Namen gab.

Die Aufgabe des Motion Designers ist es, Menschen zu unterhalten, zu überraschen und zu begeistern

1974 gewann die Computeranimation »Hunger« von Peter Foldes in Cannes den Preis als bester Animationsfilm. 1982 entstand »Tron«, der zwar keine großen Summen an den Kinokassen einspielte, aber weg­weisend für die weitere Entwicklung war, weil Schauspieler und synthetisch erzeugte Objekte kombiniert wurden. 1995 kam nach vierjähriger Produktion der ers­te vollständig computeranimierte Spielfilm »Toy Story« in die Kinos – der Durchbruch für Computer Generated Imagery (CGI). Im Gegensatz zu »Tron« war dieser Film ein großer kommerzieller Erfolg und ein Startschuss für zunehmende Investi­tionen in Produktionen und Innovationen in diesem Bereich.

Die Pioniere der bewegten Computer­animation übernahmen das Grundprinzip der Trickfilmtechnik, das bis heute in Programmen zur Keyframe-Animation – zum Beispiel Adobe After Effects – Anwendung findet. Allerdings werden dank digitaler Technik keine Zwischenzeichnungen mehr benötigt. Die Interframes werden interpo­liert, das heißt auf Basis der bekannten Werte automatisch berechnet. Das verein­fachte die Arbeit, sodass handgemachte bewegte Bilder zunehmend von rein digital erzeugten Bildern abgelöst wurden.

 

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Motion Design, Motion Designer, Deli Creative

Essenz aus über 30.000 Jahren Kommunikationsdesign: Motion Design verbindet alle Gestaltungsdis­zip­linen des Kommunikationsdesigns. Seit circa 30 Jahren lassen sich die einzelnen Anwendungs­­bereiche digital verknüpfen und ermögli­chen Motion Design, wie wir es heute kennen.

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass alte Techniken überflüssig geworden sind. Wie in der gesamten Historie der Kommuni­ka­tions- und Mediengestaltung gilt auch hier das 1913 von dem Altphilologen und Journalisten Wolfgang Riepl postulierte Riepl’sche Gesetz: Es besagt, dass weder ein Medium noch andere etablierte Kommunikationsinstrumente von Innovatio­nen und neuen Technologien vollkommen ersetzt oder verdrängt werden. Das liegt vor allem darin begründet, dass jede technologische Entwicklungsstufe ihre eigene, meist unverwechselbare Ästhetik hat, die ihre Bedeutung und Berechtigung behält. Entsprechend vielfältig sind heute die Gestaltungsmöglichkeiten für einen Motion Designer, der mit allen klassischen und modernen kreativen Instrumenten arbeiten kann. Die Entscheidung für eine be­stimmte Gestaltungstechnik, ob traditionell oder innovativ, ob analog oder digi­tal – oder beides –, fällt aus künstlerischen Überlegungen und Intentionen heraus. Natürlich spielen dabei oft auch wirtschaft­liche Faktoren eine Rolle, wie Zeit, materielle Ressourcen und Kosten.

Kunst und Kommerz

Die Geschichte des Motion Designs ist nicht vollständig erzählt ohne die Erwähnung des großen Einflusses der bildenden Kunst. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kooperierten Künstler zunehmend mit In­genieuren, Technikern und Programmierern. So entstand zunächst die elektroni­sche Kunst oder Videokunst, später Medienkunst genannt, mit Nam June Paik oder Bill Viola als bekanntesten Vertretern. Sie entwickelte sich zur Computerkunst – synonym oft digitale Kunst oder Interactive Art genannt –, die ausschließlich mithilfe der spezifischen Eigenschaften und Möglichkeiten digitaler Medien arbeitet.

Die Avantgarde dieser Kunstrichtung war die Computer Technique Group (CTG), ein Kunstkollektiv bestehend aus Ingenieu­ren, Informatikern und Designern, gegrün­det in den späten 1960er Jahren in Tokio. Sie ist bis heute Vorbild für viele Kreativschaffende, denn die Verschmelzung künst­le­rischer beziehungsweise ästhetisch experimenteller Denkweisen mit der technologischen Entwicklung ist die treibende Kraft für die stetige Entwicklung neuer Gestaltungstechniken und innovativer Kunstfor­men. Sie brachte Künstler hervor wie Jeffrey Shaw, Julian Opie, Ryoji Ikeda, Cory Arcangel oder Alex Verhaest.

Je mehr Schnittmengen eine Designdisziplin mit anderen aufweist, desto mehr po­ten­zie­ren sich das Know-how und die Fä­hig­kei­ten, die man braucht, um den Beruf pro­fessionell auszuüben

Der Wert der freien, künst­lerisch-ex­pe­rimentellen Arbeit in Kooperation mit anderen, vor allem technologischen Diszi­pli­nen wurde von anwendungsorientier­ten Kommunikationsdesignern erkannt und für kommerzielle Auftragsarbeiten genutzt. Das veränderte die Arbeitsweise der Motion-Designer, die an den Schnittstellen von Kunst, Design, Werbung, Animation, Technik und Film arbeiten.

Heute ist Motion Design in erster Linie Team­arbeit: Designer, die Bewegung gestalten, kooperieren ganz selbstverständlich eng mit Technikern, Ingenieuren, Pro­grammierern, aber auch mit Regisseuren, Autoren, Producern, Artdirektoren, Marketingfachleuten und Musikern. Ihre Aufgabe ist es, Informationen, Botschaften, Geschichten, Ideen, Konzepte, Strategien und Marken in bewegte und bewegende audiovisuelle Werke zu übersetzen, die Aufmerksamkeit und Interesse auf sich ziehen und Menschen unterhalten, überraschen und begeistern.

Die Ausbildung zum Motion Designer

Je mehr Schnittmengen eine Designdisziplin mit anderen aufweist, desto mehr po­ten­zie­ren sich das Know-how und die Fä­hig­kei­ten, die man braucht, um den Beruf pro­fessionell auszuüben. Motion Design verbindet Elemente aus Illustration, Foto­gra­fie, Film, Typografie und Sound. Das sprengt schnell den Lehrplan eines Ba­che­­lorstudiums. Manche Studiengänge kon­zentrieren sich deshalb auf die techni­schen Aspekte, die für Motion Design not­wen­dig sind, versäumen dabei aber oft die Ver­mitt­­lung von künstlerischen und grafi­schen Ge­staltungsgrundlagen sowie von kreati­ven Methoden und Prozessen.


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Technik-Know-how allein macht aber noch keinen guten Motion Designer. Im Prinzip reicht heute Standardsoftware wie Photoshop, Illustrator, Cinema 4D oder Maya, um gutes, kreatives und innovati­ves Motion Design zu produzieren. Umso wich­tiger ist das gestalterische Fundament, auf dem die Spezialisierung zum Motion Designer aufbaut. Im Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein erlernen alle Studenten deshalb zunächst künstlerische Grundlagen, essenzielles typografisches und fotografisches Wissen sowie grundlegende kreative Methoden und Prozesse. Erst danach legen sie sich auf ein Spezialgebiet fest, das sie in selbst gewählten pra­xisorientierten Projekten vertiefen.

Die Zukunft: Alles ist in Bewegung

Niemand weiß genau, welche zukünfti­gen technischen Innovationen die grafi­sche Syn­these aus Bild, Text, Illustration, Animation, Sound und Musik – und damit un­sere Wahrnehmung und unser Leben – ver­ändern werden. Eine Richtung ist aber schon sichtbar: Starren grafischen Benutzeroberflächen gelingt es immer weniger, den Benutzer gut durch komplexe Multifunktionsgeräte zu führen.

Deshalb findet Motion Design zunehmend Anwendung bei der Gestaltung von Interfaces beziehungsweise der Interaktion von Mensch und Maschine, aber auch in digitalen Anwendungen, die sich immer mehr unserer Realitätswahrnehmung anpassen: Virtual- und Augmented Rea­lity.

Alles, was wir künftig sehen und wahrnehmen werden, wird immer weniger statisch sein. Das sind sehr gute Aussichten für Mo­tion Designer.

 


Der Autor

Richard Jung ist Professor für Kommunikationsdesign und Corporate Identity an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Vor seiner Berufung zum Professor arbeitete er u.a. als Creative Director bei Springer & Jacoby und als Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends.


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Creative Coffee bei DELI Creative Collective

Im Rahmen der PAGE-Initiative Connect Creative Competence empfangen unsere Partneragenturen junge Kreativtalente aus Hochschulen, stellen sich und ihre Arbeitsbereiche vor und veranstalten Workshops. So sah das bei DELI aus …

 

Anfang November machte sich eine Studentengruppe der Hochschule Niederrhein auf den Weg nach Hamburg, um das Studio DELI Creative Collective in den Schanzenhöfen zu besuchen. Hier erfuhren sie beim Creative Coffee vor Ort, was Motion Designer bei dem Unternehmen alles machen – und welche anderen Jobs es hier gibt. Prof. Richard Jung war froh, seinen Studierenden die Chance geben zu können, einen so lebensechten Eindruck von ihrer eventuellen späteren Berufswelt zu bekommen.

DELI-Geschäftsführer Michael Reissinger erklärte den Besuchern die Entstehung seines Studios: »Entstanden ist DELI vor 13 Jahren als eine ganz handelsübliche Postproduction-Firma, die sich darum kümmert, Filme zu veredeln – vor allem Werbefilme oder Musikvideos. Nach einigen Jahren stellten wir fest, dass wir immer mehr mit Grafikdesign in Bewegtbild zu tun haben. Das folgte dazu, dass die Pixelbutik gegründet wurde als eigenständiges Kreations- und Animationsdepartment. Heute bieten wir ein vollumfängliches Gesamtpaket. Kunden können zu uns kommen und sagen: Wir möchte einen Film – und wir überlegen uns diesen Film gemeinsam, produzieren und vertonen ihn. Am Ende liefern wir ein komplettes Bewegtbildstück ab.«

Auch er freute sich über die Gelegenheit, junge Talente kennenzulernen: »Ich gehe davon aus, dass ein paar der Leute, die heute hier waren, sich jetzt noch mehr für die Materie interessieren und sich damit beschäftigen werden. Vielleicht haben sie Blut geleckt und kommen über 3 oder 4 Ecken – oder auch auf dem direkten Wege – zu uns. Wir sehen das als Invest in unsere Zukunft.«


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Motion Design in der Praxis

Im bunten Studio von DELI Creative Collective mitten im Hamburger Schanzenviertel entstand ein Projekt für die Stadtwerke Düsseldorf, das alle Aspekte des Motion Designs in sich vereint.

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Vogelperspektive: Vom oberen Stockwerk aus lässt sich das bunte Treiben in dem ehemaligen Schafstall beobachten.

Ein lebensgroßes Schaf aus Hart­plas­tik ist der einzige Hinweis darauf, dass die­ses Gebäude mal vor langer, langer Zeit ein Schafstall war. Heute ist die Halle direkt ne­ben der Bullerei von Starkoch Tim Mälzer eine Hochburg des Motion Designs, nämlich das sympathische Studio von DELI Cre­ative Collective. In dem durch verschie­denfarbige Wände auf den ers­ten Blick ziemlich wild gegliederten Raum – hin­ter dem sich ein ausgeklügeltes Farb­kon­zept von Interior Designer Ole Grön­woldt verbirgt – arbeiten insgesamt 24 Festangestell­te. Dazu kom­men oft Freelancer, wenn viel zu tun ist.

Hoch über dem Erdgeschoss schwe­ben Flächen, auf denen auch Regisseur Michael Reissinger und Kreativdirektorin Yvonne Inlund arbeiten. Hier entstan­den die ers­ten Entwürfe für ein Projekt, das mit spa­ßigen kleinen Charakteren, Low-Poly-Figu­ren, 3D- und Fotoelementen, Realbildern, 2D- und 3D-Typoanimation geradezu archetypisch für die Arbeit eines Motion De­signers steht, wie Michael Reissinger uns erklärt. Der gelernte Grafikdesigner ist seit den Anfangstagen für die Kreation des auf Post-, Digital- und Tonproduktion spezialisierten Studios ver­antwortlich.

»Es ist ganz wichtig, immer auf Machbarkeit zu achten. Sonst geht es einem wie den Machern von ›Life of Pi‹, die bei der Oscar-Verleihung verkündeten, dass sie bankrott sind« Martin Klauder, Geschäftsführer bei DELI Creative Collective in Hamburg

Bei DELIs so vielseitigem Motion-Design-Projekt ging es um eine praktische App der Stadtwerke Düsseldorf, die nicht nur mit Energieberatung, sondern auch mit einem bunten Mix aus Informationen übers Düsseldorfer Stadtleben aufwartet, von Kultur bis Fußball. Auch Hilfe bei der Park­platzsuche wird geboten. Ein animier­ter Werbeclip sollte möglichst kurzweilig die vielen Features der Stadtwerkzeug-App erklären.

Briefing und erste Ideen

Wie häufig bei derartigen Produktionen waren nicht die Stadtwerke selbst DELIs Auftraggeber, sondern deren Düsseldorfer Kre­ativagentur Butter – Werbeagenturen arbeiten in solchen Fällen meist mit spezia­lisierten Motion-Design-Studios zusammen. Eine der ersten Ideen des Teams: Ein Mann sitzt auf einer Bank, zückt das Handy und zeigt all die tollen Funktionen der Stadtwerke-App, als würde er die zahlrei­chen Werk­zeuge eines großen Schweizer Taschenmessers vorführen. »Wir haben der Agentur erste Entwürfe dazu vorgelegt, aber es war bald klar, dass die Person im Spot viel zu wichtig würde«, so Reissinger. »Also besannen wir uns auf den klassischen konzentrierten Look vor grünem Hintergrund, mit dem Butter auch sonst für die Stadtwerke arbeitet.«

 

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Die Kreativen von DELI entwickelten ers­te Styleframes, in denen Smartphone und App im Mittelpunkt stehen. Das Handy scheint wie ein überbordendes Allzweck­werkzeug aufzuploppen, heraus schwebt das Fortuna-Stadion, aus dem ein Fußballer dem User entgegenspringt, um einen gekonnten Fallrückzieher zu landen. Im Vor­dergrund wandert ein wie von Hand illustrierter Ticker durchs Bild. Der Ansatz gefiel Butter, sodass DELI weitere Bildide­en für andere Features entwickelte: Veranstaltungstipps, Parkplatzfinder, Energieberatung. Daraus entstand ein Storyboard, das auf der Stelle inhouse ge­zeich­net wurde – und zwar von Motion Designer Pascal Reitz.

»Wir brauchen Allrounder. Premiere, After Effects, Cinema 4D und Illustrator zu beherrschen, ist Voraussetzung« Martin Klauder, Geschäftsführer bei DELI Creative Collective in Hamburg

Dabei mussten die Gestalter von vornherein an unterschiedliche Anwendungen des Spots denken. Außer auf Regionalsen­dern, im Kino, im Düsseldorfer Fußballstadion und auf der Stadtwerke-Website sollten einzelne Abschnitte auch im Fahrgast-TV von Straßen- und U-Bahnen funktionieren. Was aus dem Telefon rausgeflogen kam, musste also auch immer dort wieder verschwinden, um kurze, in sich ab­ge­schlos­sene Vignettenfilme entstehen zu lassen.

Eine zu­sätzliche Herausforderung: Auf den Mo­nito­ren der U-Bahn sowie im Stadion sollten die Clips ohne Ton laufen – sie mussten also so plakativ sein, dass sie auch stumm funktionierten. Zudem soll­ten Motive aus den Filmen auf City-Light-Pos­tern zum Einsatz kom­men. Also galt es für die Motiondesigner schon während der Arbeit daran zu denken, dass die entstehenden Bilder druckfähig sein mussten. Denn normalerweise arbeiten sie mit sehr viel niedriger aufgelösten Dateien, als dies im Print­bereich der Fall ist.

Motion Designer von Anfang an dabei

Schon in der Konzeptionsphase des Stadtwerkzeug-Clips gab es erste Animationstests mit Cinema 4D. Fünf Motiondesigner lieferten die Zutaten für die Styleframes, die Yvonne Inlund und Michael Reissinger für die Präsentation beim Kunden bauten. Wichtig war hier DELIs Produktionsexpertise: Nur Profis können abschätzen, ob die Entwürfe auch innerhalb des Budgetrahmens umzusetzen sind. »Als Mood zei­gen Kunden einem manchmal Filme, die zehnmal so viel gekostet haben, wie sie selbst ausgeben können«, sagt Martin Klau­der, einer der beiden Geschäftsführer bei DELI Creative Collective und als Producer fürs Projektmanagement zuständig. »Es ist also wichtig, immer auf Machbarkeit zu achten. Sonst geht es einem wie den Machern von ›Life of Pi‹, die bei der Oscar-Verleihung verkündeten, dass sie bankrott sind.«

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Auf dem Filmset: Kreativdirektorin Yvonne Inlund und Regisseur Michael Reissinger beim Dreh im Studio von Impossible Filmproductions.

Designvorgaben gab es keine – außer der Hausfarbe der Stadtwerke, die die Mar­kenverbindung herstellt. Und so konnte DELI »einen Kessel Buntes an­rühren«, so Reissinger, »ein Potpourri, das auch visuell die Vielfalt der App unterstreicht. Typo­gra­fisch haben wir eine wilde Mischung aus Grotesk- mit Schreibschriften und 3D-Typo zusammengestellt, für die Type-Gestalter einem sonst bestimmt auf die Finger hauen würden. Aber da alles auf dieser grünen Bühne spielt, gibt es immer eine visuelle Klammer.«

Besonderen Charme geben dem Spot die trickrei­chen Verbindungen zwischen der Animation und den Händen der Models. So fährt etwa ein Auto einer Fin­ger­bewegung folgend eine Parkhausrampe hoch und findet – natürlich dank App – einen schönen Parkplatz. »Beim Dreh muss man schon wissen, was für eine Interaktion da stattfindet«, erklärt Martin Klau­der. »Na­türlich ist die Animation dann noch nicht fertig, es gibt nur ein Rohgerüst, damit man weiß, wann das Model welche Fingerbewegung machen muss. Auch vom Timing her müssen die Bewegun­gen auf die Länge der Vignette passen.« Gedreht wur­de bei Impossible Films, einer Hamburger Filmproduktion, mit der DELI öfter zusammenarbeitet.

»Da alles auf dieser grünen Bühne spielt, gibt es immer eine visuelle Klammer« Michael Reissinger, Geschäftsführer bei DELI Creative Collective in Hamburg

Insgesamt dauerte die Arbeit rund acht Wochen. 19 Leute waren in wechselnden Konstellationen am Werk inklusive Kame­ra­mann, Beleuchter, Producer und Stylis­tin bei Impossible Pictures. Besonders die fünf beteiligten Motion Designer waren gut ausgelastet. »Einer baut das Stadion, das an­schließend wiederum animiert wer­den muss«, zählt Michael Reissinger am Beispiel Esprit arena auf. »Dazu kommt je­mand, der das Stadion auf die Hände der Person trackt, die es bewegt. Die Spieler wer­den in Cinema 4D gebaut und geriggt, das heißt mit einem Skelett versehen, damit sie sich bewegen und zudem den Ball kicken können. Das macht wieder eine an­de­re Person. Und dann gibt es noch je­man­den, der diese ganzen Dinge zusammenbringt, also das Compositing und not­wendige Retuschen macht.«

Technische Voraussetzungen

Videoschnitt, 3D-Animationen, Special Effects, Com­positing – Motiondesigner müs­sen viele ausgesprochen komplexe Softwarepakete beherrschen. »Wir brauchen Allrounder«, sagt Martin Klauder. »Pre­mie­re, After Effects, Cinema 4D und Illustrator zu beherr­schen, ist Voraussetzung.« Hinzu kamen bei dem Projekt für die Stadtwerke Düsseldorf noch die Visual-Effects-Programme Autodesk Flame und Nuke, die DELI fürs Compositing einsetzt. Schließlich müssen die unterschiedlichen Animationen und Spezialeffekte noch in ein Bild montiert werden – da ist viel Rechenleistung im Spiel.

Zur Abnahme kommen die allermeist­en Kun­den persönlich vorbei. Letzte Än­de­rungswünsche kann der Motion Designer direkt vornehmen und dank leis­tungs­star­ker Rechner gleich ausspielen. Ganz schnell und unkompliziert, sodass keine weiteren Abnahme-Termine nötig sind. Und dazu gibt’s noch ein Mittagessen von der hauseigenen Köchin. Kein Wun­der, dass die Kunden gern bei DELI vorbeischauen.

Tools und Einblicke: Ausschnitte aus der Arbeit der DELI-Motion-Designer am Stadtwerkzeug-Spot

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Was ist eigentlich Motion Design?

Motion Design verknüpft traditionelles Grafikdesign und klassische audiovisuelle Disziplinen mit moderner digitaler Technologie. Wie sich die Designdisziplin entwickelt hat und wie ihre Zukunft aussieht …

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Die Darstellung von Bewegung hat kreative Menschen immer schon fasziniert. Bereits Höhlenzeichnungen zeigen Versu­che, die Dynamik einer Situation mithilfe von Bildfolgen darzustellen. Aber erst sehr viel später, Ende des 19. Jahrhunderts, gelang mit der Erfindung des Films erstmals eine realitätsnahe Illusion von Bewegung. Schon bald darauf war für einige Künstler – allen voran Karikaturisten – Realitätsdarstellung dann auch gar nicht mehr so wich­tig, da die neue Technik ihrer Kreativität völlig neue visuelle Welten eröffnete. Das war die Geburtsstunde des Trickfilms beziehungsweise der Animation.

Viele der Anfang des 20. Jahrhunderts gezeichneten und animierten Charaktere wurden weltberühmt, wie etwa Popeye von Max Fleischer, Felix the Cat von Pat Sulli­van und allen voran Mickey Mouse von Walt Disney. Ihre Geschichten – auf eine neue, bislang ungesehene Art und Weise erzählt – faszinierten die Menschen und tun es bis heute.


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Am Anfang war ein Trick

Das Prinzip der Produktion von Zeichentrick- und dreidimensionalen Puppen­trick­filmen nennt sich Keyframing oder Schlüs­selbildanimation. Ausgangspunkt ist die so­genannte Stop-Motion-Technik. Zunächst geben einige wesentliche Bilder grob den Bewegungsablauf vor. Zwischen diesen Sequenzen werden so viele weitere Bilder, Interframes genannt, gezeichnet, bis eine flüssige Bewegung entsteht. Je nach Schnelligkeit der Bewegung sind das zwölf bis 24 Bilder pro Sekunde.

Motion Design bildet eine Synthese aus verschiedenen Entwicklun­gen des Kommunika­tions­designs samt all seinen filmi­schen beziehungsweise künstlerischen, gra­fi­schen und audio­visuellen Möglichkeiten

Die Filmindustrie erkannte sehr schnell, dass diese Trickfilmtechnik in Verbindung mit Typografie für die Gestaltung des Vorspanns eines Films nützlich ist. Dieser war notwendig, weil sich die Filmstudios verpflichtet hatten, alle Beteiligten an einem Projekt zu Beginn des Films zu nennen. Die anfangs üblichen statischen Texttafeln wurden dem Medium Film nicht gerecht und langweilten die Zuschauer – die neue Technik erlaubte eine attraktivere, weil be­wegte Gestaltung der Titelsequenz. Das sogenannte Title Design war geboren, das durch stilprägende Gestalter wie Saul Bass (»Psycho«, »Vertigo«), Maurice Binder (»Dr. No«, »Goldfinger«) oder Wayne Fitzge­rald (»My Fair Lady«, »The Three Faces of Eve«) etabliert und perfektioniert wurde. Bis heute (oder noch) hat Motion Design seine stärkste Präsenz in Film und Fernsehen. Schon seit vielen Jahren ist die De­sign­disziplin integraler Bestandteil des Cor­po­rate Designs von TV-Sendern und dient der visuellen Orientierung im Programm eben­so wie der Identifizierung des jeweiligen Kanals. Motion Design spiel­te außerdem – seit 1981, dem Startjahr des Musiksenders MTV – eine wichtige Rolle bei der visuellen Untermalung und Ver­mark­tung von Musik.

Heute haben Videoportale wie YouTube und Vimeo, unterstützt von Facebook, Ins­tagram, Twit­ter und Snapchat, den Mu­sik­sendern längst den Rang abgelaufen, und die Bedeutung bewegter audiovisueller In­halte wächst weit über die Musik-, Film- und TV-Wirtschaft hinaus, in Branchen wie Publishing, Werbung, Branding, Corporate Identity über die Internet-, Mobile-, Software- und Games-Industrie bis hinein in die Bereiche Kultur und Architektur.

Motion Design lediglich auf Animation oder bewegtes Grafikdesign zu reduzieren, ist zu kurz gegriffen. Die Disziplin bil­det ei­ne Synthese aus verschiedenen Entwick­lun­gen des Kommunikationsdesigns samt all seinen filmischen beziehungswei­se künst­lerischen, grafischen und audio­vi­su­­ellen Möglichkeiten. Hinzu kommen kom­plexere inhaltliche und konzeptionel­le An­forderungen an die Gestalter. Daher be­schreibt der früher um einiges weiter verbreitete Begriff »Motion Graphics« die Dis­ziplin nur noch unzureichend und wird zu­nehmend durch »Motion Design« ersetzt.

Siegeszug der Digitalisierung

Die digitale Geschichte des Motion De­signs beginnt Mitte des 20. Jahrhunderts am Massachusetts Institute of Technology. Am MIT entwickelte Charly Adams 1949 ein Programm, das einen springenden Ball in Echtzeit berechnen konnte. Dies war die erste Computeranimation – und der Start einer stetigen Weiterentwicklung. In den 1960er Jahren gründete der amerikani­sche Animator, Komponist und Erfinder John Whitney die Firma Motion Graphics Inc., die sich auf die digitale Produktion von Titelsequenzen für Film und Fernsehen spezialisierte und der neuen Designdisziplin den wesentlichen Impuls und einen Namen gab.

Die Aufgabe des Motion Designers ist es, Menschen zu unterhalten, zu überraschen und zu begeistern

1974 gewann die Computeranimation »Hunger« von Peter Foldes in Cannes den Preis als bester Animationsfilm. 1982 entstand »Tron«, der zwar keine großen Summen an den Kinokassen einspielte, aber weg­weisend für die weitere Entwicklung war, weil Schauspieler und synthetisch erzeugte Objekte kombiniert wurden. 1995 kam nach vierjähriger Produktion der ers­te vollständig computeranimierte Spielfilm »Toy Story« in die Kinos – der Durchbruch für Computer Generated Imagery (CGI). Im Gegensatz zu »Tron« war dieser Film ein großer kommerzieller Erfolg und ein Startschuss für zunehmende Investi­tionen in Produktionen und Innovationen in diesem Bereich.

Die Pioniere der bewegten Computer­animation übernahmen das Grundprinzip der Trickfilmtechnik, das bis heute in Programmen zur Keyframe-Animation – zum Beispiel Adobe After Effects – Anwendung findet. Allerdings werden dank digitaler Technik keine Zwischenzeichnungen mehr benötigt. Die Interframes werden interpo­liert, das heißt auf Basis der bekannten Werte automatisch berechnet. Das verein­fachte die Arbeit, sodass handgemachte bewegte Bilder zunehmend von rein digital erzeugten Bildern abgelöst wurden.

 

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Essenz aus über 30.000 Jahren Kommunikationsdesign: Motion Design verbindet alle Gestaltungsdis­zip­linen des Kommunikationsdesigns. Seit circa 30 Jahren lassen sich die einzelnen Anwendungs­­bereiche digital verknüpfen und ermögli­chen Motion Design, wie wir es heute kennen.

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass alte Techniken überflüssig geworden sind. Wie in der gesamten Historie der Kommuni­ka­tions- und Mediengestaltung gilt auch hier das 1913 von dem Altphilologen und Journalisten Wolfgang Riepl postulierte Riepl’sche Gesetz: Es besagt, dass weder ein Medium noch andere etablierte Kommunikationsinstrumente von Innovatio­nen und neuen Technologien vollkommen ersetzt oder verdrängt werden. Das liegt vor allem darin begründet, dass jede technologische Entwicklungsstufe ihre eigene, meist unverwechselbare Ästhetik hat, die ihre Bedeutung und Berechtigung behält. Entsprechend vielfältig sind heute die Gestaltungsmöglichkeiten für einen Motion Designer, der mit allen klassischen und modernen kreativen Instrumenten arbeiten kann. Die Entscheidung für eine be­stimmte Gestaltungstechnik, ob traditionell oder innovativ, ob analog oder digi­tal – oder beides –, fällt aus künstlerischen Überlegungen und Intentionen heraus. Natürlich spielen dabei oft auch wirtschaft­liche Faktoren eine Rolle, wie Zeit, materielle Ressourcen und Kosten.

Kunst und Kommerz

Die Geschichte des Motion Designs ist nicht vollständig erzählt ohne die Erwähnung des großen Einflusses der bildenden Kunst. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kooperierten Künstler zunehmend mit In­genieuren, Technikern und Programmierern. So entstand zunächst die elektroni­sche Kunst oder Videokunst, später Medienkunst genannt, mit Nam June Paik oder Bill Viola als bekanntesten Vertretern. Sie entwickelte sich zur Computerkunst – synonym oft digitale Kunst oder Interactive Art genannt –, die ausschließlich mithilfe der spezifischen Eigenschaften und Möglichkeiten digitaler Medien arbeitet.

Die Avantgarde dieser Kunstrichtung war die Computer Technique Group (CTG), ein Kunstkollektiv bestehend aus Ingenieu­ren, Informatikern und Designern, gegrün­det in den späten 1960er Jahren in Tokio. Sie ist bis heute Vorbild für viele Kreativschaffende, denn die Verschmelzung künst­le­rischer beziehungsweise ästhetisch experimenteller Denkweisen mit der technologischen Entwicklung ist die treibende Kraft für die stetige Entwicklung neuer Gestaltungstechniken und innovativer Kunstfor­men. Sie brachte Künstler hervor wie Jeffrey Shaw, Julian Opie, Ryoji Ikeda, Cory Arcangel oder Alex Verhaest.

Je mehr Schnittmengen eine Designdisziplin mit anderen aufweist, desto mehr po­ten­zie­ren sich das Know-how und die Fä­hig­kei­ten, die man braucht, um den Beruf pro­fessionell auszuüben

Der Wert der freien, künst­lerisch-ex­pe­rimentellen Arbeit in Kooperation mit anderen, vor allem technologischen Diszi­pli­nen wurde von anwendungsorientier­ten Kommunikationsdesignern erkannt und für kommerzielle Auftragsarbeiten genutzt. Das veränderte die Arbeitsweise der Motion-Designer, die an den Schnittstellen von Kunst, Design, Werbung, Animation, Technik und Film arbeiten.

Heute ist Motion Design in erster Linie Team­arbeit: Designer, die Bewegung gestalten, kooperieren ganz selbstverständlich eng mit Technikern, Ingenieuren, Pro­grammierern, aber auch mit Regisseuren, Autoren, Producern, Artdirektoren, Marketingfachleuten und Musikern. Ihre Aufgabe ist es, Informationen, Botschaften, Geschichten, Ideen, Konzepte, Strategien und Marken in bewegte und bewegende audiovisuelle Werke zu übersetzen, die Aufmerksamkeit und Interesse auf sich ziehen und Menschen unterhalten, überraschen und begeistern.

Die Ausbildung zum Motion Designer

Je mehr Schnittmengen eine Designdisziplin mit anderen aufweist, desto mehr po­ten­zie­ren sich das Know-how und die Fä­hig­kei­ten, die man braucht, um den Beruf pro­fessionell auszuüben. Motion Design verbindet Elemente aus Illustration, Foto­gra­fie, Film, Typografie und Sound. Das sprengt schnell den Lehrplan eines Ba­che­­lorstudiums. Manche Studiengänge kon­zentrieren sich deshalb auf die techni­schen Aspekte, die für Motion Design not­wen­dig sind, versäumen dabei aber oft die Ver­mitt­­lung von künstlerischen und grafi­schen Ge­staltungsgrundlagen sowie von kreati­ven Methoden und Prozessen.


Eine umfassende Sicht auf den Beruf des Motion Designers erhalten Sie im PAGE Connect eDossier »Das macht ein Motion Designer bei DELI Creative Collective«:

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Technik-Know-how allein macht aber noch keinen guten Motion Designer. Im Prinzip reicht heute Standardsoftware wie Photoshop, Illustrator, Cinema 4D oder Maya, um gutes, kreatives und innovati­ves Motion Design zu produzieren. Umso wich­tiger ist das gestalterische Fundament, auf dem die Spezialisierung zum Motion Designer aufbaut. Im Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein erlernen alle Studenten deshalb zunächst künstlerische Grundlagen, essenzielles typografisches und fotografisches Wissen sowie grundlegende kreative Methoden und Prozesse. Erst danach legen sie sich auf ein Spezialgebiet fest, das sie in selbst gewählten pra­xisorientierten Projekten vertiefen.

Die Zukunft: Alles ist in Bewegung

Niemand weiß genau, welche zukünfti­gen technischen Innovationen die grafi­sche Syn­these aus Bild, Text, Illustration, Animation, Sound und Musik – und damit un­sere Wahrnehmung und unser Leben – ver­ändern werden. Eine Richtung ist aber schon sichtbar: Starren grafischen Benutzeroberflächen gelingt es immer weniger, den Benutzer gut durch komplexe Multifunktionsgeräte zu führen.

Deshalb findet Motion Design zunehmend Anwendung bei der Gestaltung von Interfaces beziehungsweise der Interaktion von Mensch und Maschine, aber auch in digitalen Anwendungen, die sich immer mehr unserer Realitätswahrnehmung anpassen: Virtual- und Augmented Rea­lity.

Alles, was wir künftig sehen und wahrnehmen werden, wird immer weniger statisch sein. Das sind sehr gute Aussichten für Mo­tion Designer.

 


Der Autor

Richard Jung ist Professor für Kommunikationsdesign und Corporate Identity an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Vor seiner Berufung zum Professor arbeitete er u.a. als Creative Director bei Springer & Jacoby und als Geschäftsführer Kreation bei Scholz & Friends.


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Ein sagenhafter Zauber beginnt

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Diese Höhlenzeichnung zeigt eine Form von Bewegung.

Wenn man die Geschichte des Motion Design erfassen möchte, sollte man auch die Steinzeit mit der Höhlenmalerei nicht außer acht lassen. Einige der Höhlenmalereien weisen eine gewisse Dynamik auf, denn es wird in einer Bildfolge versucht Bewegung zu erfassen. Außerdem gibt es einige Höhlenmalereien in Frankreich, in denen die Form der Höhle und ein flackerndes Feuer genutzt wird Bewegung zu zeigen. Wenn man kleine Bildchen mit einem ähnlichen Inhalt auf mehrere Zettel zeichnet und diese übereinander legt, kann man wenn man diese blättern lässt in einer kleinen Bewegung versetzen. Dies ist das berühmte Daumenkino. Dieses wurde irgendwann durch die Fotografie und diese dann, nachdem sie sich weiter entwickelt hat, von dem Film in den Hintergrund gedrängt. In meinen heutigen Blogeintrag, möchte ich etwas näher den Film und die Verbindung zu unseren Träumen etwas näher beleuchten.

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Dies ist ein Kinematograph. Er funktioniert wie das Daumenkino durch einzelne Bilder die in Bewegung versetzt werden. Die Zeichnungen befinden sich hier zwischen den Blickschlitzen. Wenn alle angebracht sind, wird die Trommel des Kinematographen in Drehung versetzt.

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Dies ist ein altes Daumenkino.

Durch die Entdeckung des Films konnte man eine realitätsnahe Illusion von Bewegung erzeugen. Es entwickelten sich so auch besondere Zaubertricks, welche in den Filmen des französischen »Pionieren des Films« Georges Méliès zum tragen kommen. Méliès selbst war vom Film von Anfang an begeistert, da er gleich erkannte das man Geschichten so fantasievoll umsetzen kann. Er selbst war bevor zum Film gelangte ein Zauberkünstler. Die zuvor erlernten Zaubertricks wie Falltüren und Explosionen der Bühnentechnik fanden auch in seinen Filmen ihren Einsatz und Berechtigung. Ein wundervolles Beispiel ist die »Reise zum Mond«. Dieser kleine Film erschien 1902 und seine Länge besitzt sage und schreibe 16 Minuten. Der Filmpionier und seine Frau spielten selbst einige Rollen in den Filmen, so spielte Herr Méliès, im zuvor erwähnten Film, den Professor Barbenfouillis.

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Dies ist der Pionier des Films der Zauberei verwendete um uns in Magie zu versetzen.

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Er ist das Ziel der großen Reise: Der Mond.

Die Geschichte des Films »Reise zum Mond« basiert auf zwei Romanen. Zum einen »Von der Erde zum Mond« von Jules Verne und zum anderen »Die ersten Menschen auf dem Mond« von H. G. Wells. Beide Romangeschichten verknüpfte Méliès in seinen bekannten Stummfilm. Das Werk ist zu Anfang schwarz-weiß, hat keine Texttafeln zur Erklärung und dennoch gibt es ihn in Farbe und mit Texten. Der Film wurde später mit Hand vom Künstler selbst nachcholoriert und mit Textsequenzen versehen. Die Geschichte begann mit einer Versammlung der astronomischen Gesellschaft, bei der der Professor Barbenfouillis den Plan vorstellt eine kleine Kapsel zum Mond zu schießen.

Durch diesen und weitere Filme, versetzte Georges Méliès uns in eine Traumwelt und verzauberte uns. Einige sagen auch, dass Méliès für unsere Träume verantwortlich ist, denn ein Film zeigte auch eine Unterwasserwelt mit Meerjungfrauen. Ich selbst träume wirklich einige Sequenzen die er in seinen Filmen einbaute. So hatte ich auch einen Traum von einer Reise zum Mond, nur verwendete ich einen Zug der mittels Magie flog. Um diesen Traum, schrieb ich auch eine eigene kleine Geschichte.

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Der Titel der Geschichte ist mein neuer Freund. Die Geschichte handelt auch von einer neuen Freundschaft. Diese Dadacollage und die verwendeten Fotos erstellte ich selbst.

 

Dies ist meine kleine Geschichte Mein neuer Freund: Der arme Mond sieht so traurig aus. An manchen Tagen sehen auch wir sein weinendes Gesicht. Ich glaube er braucht ein paar Freunde. Vielleicht wird er dann wieder froh. Fragt ihr ehrlich wie es sein kann, das der Mond traurig ist? Habt ihr noch nichts vom Mann im Mond gehört? Er ist das Gesicht des Mondes, er ist die Seele. Leider hat er niemanden zum Reden. Ich will das Mondgesicht wieder lächeln sehen. Jetzt braucht der Mond, nur noch einen Freund. Drum fliege ich mit dem nächsten Zug zu ihm. Meinen Zauberpinsel darf ich nicht vergessen. Er macht alles was ich zeichne lebendig. Dann hat der Mond jemanden zum spielen. Ich muss mich beeilen, sonst hol ich den Mond nie ein. Der Zug ist gerade über dem Atlantik abgehoben. Er musste vor den Klippen eine Menge Schwung holen, damit er überhaupt starten kann. Die Schienen zum Start habe ich in einen Bogen etwas in den Himmel gelegt, so entstand eine Rampe. Ich hätte auch Schienen bis zum Mond zeichnen können. Aber da müsste ich dann im Flug raus und das geht bei diesem Fahrtwind nicht. Deshalb fliege ich durch viel Schwung und einem kleinen Flugzauber. Ja, ich kann zaubern. Habe ich noch nicht erwähnt das in meiner Welt alles möglich ist? Vorbei an vielen hell leuchtenden Sternen, komischen Planeten und riesigen verglühten Steinen – ich glaube die nennt man Meteoriten – fliege ich weiter zu meinem großen Freund. Auf meinem Flug zeichne ich mir einen Raumanzug, es soll ja ziemlich kalt draußen sein und ich will ja mit meinem neuen Freund spielen. Der Flug dauert nicht lange. Mit Hilfe meiner Zauberei kann ich meinen Zug schneller werden lassen und auch kleine Wege überspringen. So sause ich sicher durch das All. Schon bin ich bei meinem Freund. Kaum das ich bei ihm bin, schon lächelt er. Der Mond fragt: »Wer bist du und was machst du hier?« »Hallo, lieber Mond. Ich bin Dana. Ich hab dich weinen sehen und wollte dich wieder zum lächeln bringen. Meinen Zauberpinsel habe ich dabei. So kann ich dir einen lebendigen Freund zeichnen, der auch mit dir spielt. Sei bitte nicht wütend auf mich, lieber Mann im Mond. Ich will nur dich lächeln sehen, auch wenn ich nur die Hälfte von dir sehe.« Der Mond schaut mich an und denkt darüber nach. Dann sagt er mit einem angedeuteten Lächeln. »Okey, dann versuch du mal dein Glück Bring mir Freude in mein Leben. Ich bin gespannt wie du das machen willst.«
So zeichne ich dem Mond erst mal hell orange leuchtend. So strahlt er mehr von alleine und er braucht nicht mehr die Strahlen der glühend heißen Sonne. Mein Freund schaut sich in einem Spiegel, den ich ihm hinhalte, an. Er staunt nicht wenig, mit weit offenen Augen sagt er: »Ich leuchte heller und wärmer ist mir auch.« »Die Farbe lässt dich strahlen und sie wirkt wie eine Heizung. Nun geht die Wärme von dir aus. Deine eigene Freude wärmt dich.« Wegen das Lächeln vom Mond, zeichne ich weiter. Er bekommt einen Hund mit einem Ball. »Der kleine Hund heißt Bello. Ich weiß, ein ganz normaler Name für einen kleinen Hund.«, sage ich mit viel Freude zum Mond. »Danke, meine Liebe. Aber meinst du nicht das Bello einsam ist, wenn nur ich ihm Gesellschaft leiste? Außerdem mag ich keinen Hund. Bitte schick ihn wieder weg.« Auf Wunsch des Mondes wische ich den Hund und seinen Ball wieder weg. Dann sage ich: »Ich habe noch eine Überraschung für dich.«
Nun zeichne ich mein letztes Bild, für den Mond, auf dem Sternenhimmel. Mein Freund beobachtet mich dabei neugierig. Als ich meine Zeichnung beendet habe, ist der liebe Mann im Mond erstaunt und fragt: »Was ist das? Was hat das zu bedeuten?« »Ach lieber Mond. Ich habe dich so doll lieb, das ich dich nicht mehr missen will. Diese Tür, ist eine Traumtür. So kann ich dich immer besuchen kommen, wenn ich schlafe oder zeichne. So hast du immer etwas auf das du dich freuen kannst. Nur muss ich jetzt wieder gehen. Hast du einen Wunsch den ich dir erfüllen soll?« »Du erfüllst gerade meinen sehnlichsten Wunsch Danke, ich bin glücklich.«

Motion Design – Alles, was man über das Berufsfeld wissen muss

3 Fragen an Michael Reissinger, Geschäftsführer bei Deli Creative Collective …

 

In diesem Video erklärt Michael Reissinger von Deli Creative Collective, warum es sich lohnt Motion Designer zu werden, welche falschen Annahmen über das Tätigkeitsfeld kursieren und was man mitbringen muss, um in der Disziplin erfolgreich zu sein.

 

3 gute Gründe sich auf Motion Design zu spezialisieren

 

1.    Der erste große Grund ist Generalismus. Motion Design ist keine singuläre Erfahrung, wie Printdesign oder Plakatdesign, sondern ich muss mich um viele verschiedene Dinge kümmern: Zeit, Einstellungen und so weiter. Man muss ein bisschen Kameramann sein, filmaffin sowieso und man muss sich auch ein bisschen mit Ton auskennen. So ergibt sich ein sehr umfassendes Berufsbild, das wahnsinnig abwechslungsreich ist.

2.    Der zweite gute Grund ist, dass in der nächsten Zeit ganz viele neue Berufe um das Thema Motion Design entstehen werden, die entweder noch gar nicht existieren oder noch ganz klein sind – zum Beispiel im Bereich Gamedesign, Interface und Industriedesign. Auch da wird sich Motion Design immer mehr ausprägen in Form von Displays in Autos und so weiter.

3.    Der dritte gute Grund ist, dass man Motion Design meistens nicht als Einzelkämpfer macht, sondern in einem Team zusammen arbeitet. Das finde ich persönlich sehr erstrebenswert.

 

3 falsche Annahmen über Motion Design

 

1.    Motion Design ist kein Fach für Computer-Nerds. Es hat ganz viel mit Sachen zu tun, die nicht am Computer stattfinden – zum Beispiel Stop Motion oder Frame-by-frame- Aufnahmen, die man mit der Kamera macht. Ich sitze also nicht den ganzen Tag vorm Rechner, lutsche Stangeneis und bestelle mir Pizzas ohne Ende.

2.    Die andere falsche Annahme ist, dass man jahre-, tage-, wochenlang stupide Animationen erledigt und so zum Kellerkind wird, das nie die Sonne sieht. Die meisten Motion Designer, die ich kenne, führen eigentlich ein ganz normales Leben, wie jeder andere Mensch auch.

3.    Die letzte falsche Annahme: Motion Design bedeutet nicht, nur Opening Titles und Vorspänne für Hollywood-Blockbuster zu machen. Ich mache auch Erklärfilme oder interaktive Animationen für Spiele oder Plakatwände und Displays. Es ist eine wunderbar abwechslungsreiche Arbeit an den unterschiedlichsten Medien.

 

3 Anforderungen, die Motion Designer erfüllen müssen

 

1.    Motion Designer müssen wie jeder andere gute Designer einen ordentlichen Packen Irrsinn und Fantasie mitbringen und sich auf wahnwitzige Projekte einlassen, bei denen man am Anfang noch nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt.

2.    Natürlich ist eine gewisse Teamfähigkeit wichtig, wie vorhin schon mal erwähnt. Denn die besten Sachen sind solche, die man mit anderen gemeinsam macht.

3.    Die dritte große Anforderung ist Trinkfestigkeit.

 

Fazit:

 

Was mich am Berufsstand Motion Designer besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass das ein ganz toller, fast schon verschworener Haufen ist. Es gibt nicht so viele von uns, wie etwa Grafikdesigner. Umso mehr freut es mich, dass es in den letzten Jahren mit diesem Berufsfeld so bergauf gegangen ist. Motion Design bringt das Beste aus vielen Welten zusammen in einem einzigen Berufsfeld und es macht wahnsinnig viel Spaß – und den sollten ganz viele Leute haben.


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Motion Design – Studium und Ausbildung

3 Fragen an Professor Richard Jung von der Hochschule Niederrhein in Krefeld …

 

Von Film und TV über Websites und Mobile Apps bis hin zu Virtual Reality: Motion Designer sind in vielen Bereichen gefragt. In diesem Video erklärt Professor Richard Jung von der Hochschule Niederrhein in Krefeld, warum es sich lohnt Motion Designer zu werden, welche falschen Annahmen über die Disziplin kursieren und was man mitbringen muss, um hier erfolgreich zu sein.

 

3 gute Gründe, sich auf Motion Design zu spezialisieren

 

1. Motion Design ist die beste Wahl für alle, die sich eben nicht spezialisieren wollen. Es ist eine riesige, virtuelle Spielwiese für alle, die gerne kreativ gestalten.

2. Motion Design eröffnet für Gestalter, Illustratoren und Grafiker zahlreiche neue Möglichkeiten kreativ zu arbeiten und damit Geld zu verdienen.

3. Motion Design ist ein gigantisches kreatives Spielfeld. Es vereint alte und neue Techniken, alte und neue Medien. Das bedeutet, man kann digital, aber eben auch analog spielen.

 

3 falsche Annahmen über Motion Design

 

1. »Motion Design ist das gleiche wie Animation.« Animation, also klassischer Zeichentrick, ist Teil von Motion Design, also eher eine kreatives Handwerk. Im Motion Design geht es auch um konzeptionelle Überlegungen und darum, visuelle Verbindungen, Übergänge, Abläufe oder Prozesse zu schaffen.

2. »Motion Design ist reines Pixelschubsen.« Selbstverständlich arbeiten Motion Designer auch am Computer, aber nicht nur. Nach wie vor ist es wichtig, manuell zu zeichnen oder zu illustrieren.

3. »Motion Design ist eine One-Man-Show.« Das Gegenteil ist der Fall: Gutes Motion Design ist in der Regel Teamarbeit. Die Arbeit an den meisten Motion-Design-Projekten ist für eine Person allein viel zu umfangreich. Motion Designer kooperieren eng mit Regisseuren, Autoren, Producern, Artdirektoren, Programmierern, Marketingfachleuten und – nicht zu vergessen – Musikern.

 

3 Anforderungen, die Studierende erfüllen müssen

 

1. Motion Designer brauchen vor allem Ausdauer. Eine Idee und ein Konzept sind meist schnell erarbeitet. Diese Idee auf die Straße zu bringen, sichtbar und erlebbar zu machen, ist oft ein langer Weg.

2. Teamfähigkeit!

3. Künstlerisches beziehungsweise kreatives Talent. Man muss gestalten können, man muss Ideen haben, neue Ideen haben. Diese muss man vorab schon mal einfach visualisieren können – also zeichnen und illustrieren. Ganz wichtig sind auch Grundlagen der Fotografie. Da lernt man, Dinge ins rechte Licht zu rücken. Und natürlich Neugierde und Experimentierfreude.

 


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Das macht ein Motion Designer bei Deli Creative Collective

Wir interviewten Pascal Reitz, der seit vier Jahren bei Deli Creative Collective in Hamburg als Motion Designer arbeitet …

Motion Design, Motion Designer, Deli Creative

Pascal Reitz, Motion Designer beim Bewegtbildstudio DELI Creative Collective in Hamburg

Eine entspannte Grundhaltung, Sinn für Humor, Zeichentalent und Freude daran, kleine animierte Figuren herumspringen zu lassen – ungefähr so lassen sich die Eigenschaften zusammenfassen, die Pascal Reitz, 31, für seinen Job als Motion Desig­ner bei DELI Creative Collective mitbrach­te. Als wir mit ihm sprachen, nahte gerade sein vierjähriges Jubiläum bei dem Hamburger Studio. So viel sei vorausgeschickt: Gelangweilt hat er sich seither nicht.

PAGE: Wolltest du von Anfang an Motion Designer werden? Und bringst du von der Hochschule eine entsprechende Ausbildung mit?
Pascal Reitz: Nicht wirklich. Studiert habe ich an der Hochschule für Bildende Küns­te Braun­schweig, da wurden eher Themen wie Buchgestaltung groß geschrieben. Wo­zu ich keinen rechten Hang hatte . . .

»Mein Stil ist Comic-artig, quietschbunt und lustig«

Nach den Einführungskursen in die verschiedenen Pro­gramme habe ich selbst meine Kenn­tnis­se dort vertieft, wo es mich interessierte: bei der 2D-Animation mit After Effects und ersten Grundlagen von Cinema 4D. Im Hauptstudium habe ich mich in drei großen Projekten auf Animation kon­zentriert. Zum Glück gab es die nötige Hard- und Software – von anderen Hochschulen hörte man, dass die Studen­ten sich die Rechner teilen mussten. Oft hat Professor Ulrich Plank vom Institut für Me­dienforschung die Arbeiten mitbetreut. Er wusste immer, welche Program­me wo nötig waren.

Wie kamst du von Braunschweig nach Hamburg?
Reitz: Anfangs habe ich mich relativ breit bei Kreativagenturen beworben, dann habe ich mich auf Hamburg und Motion Design beschränkt. Ein Bekannter hatte eine Liste passender Studios. Bei DELI klappte es mit einem Job. Schon beim ersten Telefonat fand ich den Laden sympathisch. Es hieß, ein gewisser Michael »will mit dir re­­den«. Ich habe dann erst vor Ort erfahren, dass er der Geschäftsführer ist.

Was für ein Portfolio hattest du beim Vorstellungsgespräch bei DELI vorzuweisen?
Reitz: Sehr viele kleine Animationen. Ich hatte vorher nebenbei für eine Firma ein wenig in Richtung Imagefilm gearbeitet. Außerdem gab es ein animiertes Musikvideo für einen Berliner Underground-Rapper. Während eines Auslandssemesters in Belfast waren weitere freie Projekte ent­stan­den. Da kam schon einiges zusammen. Fast alles sehr experimentell, aber es reich­te, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

»Ich musste lernen, schneller zu werden, und das schwel­ge­ri­sche studentische Ar­bei­ten loswerden. Von den alten Hasen habe ich gelernt, wie man die Program­me effek­tiver nutzt«

Wie fühlte sich dann das »echte« Arbeitsleben bei DELI an?
Reitz: Dass ich zeichnen kann, kam schon mal sehr gut an. Ich wurde sofort fürs Storyboarding eingesetzt und konnte dabei viel lernen. Im Studium lässt man Storyboards gern mal weg, weil man schnell anfangen will. After Effects und Cinema 4D kannte ich ja schon, meine Character-Ani­mationen waren gern gesehen. Aber ich musste schneller werden, das schwelgeri­sche studentische Arbeiten loswerden.

Wie hast du das geschafft?
Reitz: Wenn der Producer nach einem Tag an den Tisch kommt und sich wundert, was man die ganze Zeit gemacht hat, merkt man, dass man vielleicht zu detailliert, zu umständlich arbeitet. Ich hatte mir das meis­te ja selbst beigebracht. Von den alten Hasen habe ich gelernt, die Program­me effektiver zu nutzen.

Ist das Arbeitsleben in der Medienbranche so stressig, wie oft behaup­tet wird?
Reitz: An der Hochschule gab es viele, die keine Lust auf eine Agentur hatten, sondern ihr eigenes Ding machen wollten. DELI jedenfalls ist ein entspannter Laden, man geht fair mit der Arbeitszeit um. Natürlich sind Überstunden je nach Auftrags­lage manchmal selbstverständlich. Aber das wird weniger, je professioneller man selbst seine Zeit einteilt.

Welche Eigenschaften sollte man für den Job als Motion Designer mitbringen?
Reitz: Gelassenheit und die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen. Man arbeitet ja nicht nur am Computer und das war’s. Mit dem Kunden, der manchmal neben einem sitzt, muss man ebenso kommunizieren wie im Team. Wenn einem bestimmte Arbeitsschritte weniger liegen, sollte man nicht einen Tag lang herumprobieren, son­dern diese Aufgabe lieber abgeben – und entweder selbst wissen, an wen, oder es mit dem Producer besprechen. Und man muss sein Ego immer wieder zur Seite packen können. Es geht nicht darum, Bilder zu produzieren, die man selbst schön findet, sondern darum, effektiv zu arbeiten.

Wie oft hast du direkt Kontakt mit Kunden, und wie gestaltet sich das?
Reitz: Wenn die Kunden nicht in Hamburg sind, gibt es relativ oft Telefonkonferen­zen. Meistens schicken wir ihnen Entwürfe oder Arbeitsergebnisse, und besprechen die­se telefonisch. Da können von jeder Sei­te zwei oder drei Leute beteiligt sein, manch­mal auch mehr, wenn etwa noch die Kreativdirektorin und 3D-Spezialisten dabei sein müssen.

Empfindest du deine Arbeit eher als technisch oder eher als kreativ?
Reitz: Das hält sich ganz gut die Waage. Manchmal haben die Agenturen als Auftraggeber schon sehr genaue Vorstellun­gen, in anderen Fällen kann man den Look mitbestimmen. Wenn man weiß, dass bald wieder eine nette Aufgabe in den Startlöchern steht, hilft einem das durch Dürrephasen und man beißt sich bei nicht ganz so spannenden Aufgaben durch.

»Motion Designer werden auch bei der Kalkulation zurate gezogen, um beim Kunden ein ver­nünf­tiges Angebot abzu­geben«­­

Was sind deine Vorlieben?
Reitz: Mein Stil ist eher Comic-artig, lus­tig und quietschbunt – solche Jobs landen mit großer Wahrscheinlichkeit auf mei­nem Tisch. Gleich zu Anfang hatte ich ein nettes Projekt für das Schauspielhaus Ham­burg mit viel Character-Animation. Die Fi­guren waren von einem holländischen Illustrator vorgegeben, aber ich durfte al­les drumherum gestalten. Das war im ers­ten halben Jahr ein sehr guter Start.

Welche Projekte waren seither Highlights?
Reitz: Zum Beispiel der Spot für die Stadtwerkzeug-App der Stadtwerke Düsseldorf. Lustigerweise musste ich sogar für die ers­ten Testshots als Model herhalten – wir be­nötigten jemanden, der mit einem Smart­phone die Hände bewegt, die später mit den Animationen interagieren soll­ten. Wir hatten zu Anfang zwei Designrouten entwickelt. Eine Cartoon-Version ohne Realfilm, die wir dem Kunden als Variante B anbieten wollten, habe ich gemacht. Für den Ab­­schnitt über die Veranstaltungs­tipps der App habe ich recherchiert, was in Düsseldorf alles los ist, und in Photoshop und Cinema 4D den Styleframe für eine kleine Theaterbühne mit einer Aufführung von Shakespeares »Romeo und Julia« gebaut.

Zwischenfrage: Kannst du kurz den Begriff Styleframe erklären?
Reitz: So bezeichnet man bei Animations­projekten Bilder, mit denen man dem Kun­den grob die Stilrichtung zeigt.

Welche Aufgaben fielen noch beim Spot für die Stadtwerkzeug-App an?
Reitz: Ich habe zum Beispiel auch an einer Parkhauslandkarte mitgearbeitet, die sich entfaltet. Bei einem Film mit 2D- und 3D-Elementen ist es interessant zu entscheiden, wann man welche Software verwendet, ob man alles im 3D-Programm macht oder wann man After Effects einsetzt. An anderer Stelle musste man überlegen, wie sich eine Discokugel gestalten lässt, die nicht nur leuchtet, sondern auch ein wenig Partystimmung verbreitet. Gar nicht so einfach in der Kürze der Zeit.

Mit welchen deiner Kollegen hast du beim Produktionsprozess besonders häufig zu tun?
Reitz: Permanent mit dem jeweiligen Producer, denn er fungiert als Schaltzentrale, die dem Kunden neue Arbeitsergebnisse hinüberflankt. Der Producer hat auch das Timing im Auge. Am Anfang hat es für mich das magische Handwerk des Motion Designs fast entzaubert, dass er so genau weiß, wie lange ich für etwas brau­che. Wir Motion Designer werden aber auch bei der Kalkulation zurate gezogen, um beim Kun­den ein vernünftiges Angebot abzugeben. Je nach Projekt gibt es mehr oder weniger Kontakt mit dem Regisseur und dem Kreativdirektor. Und natürlich tauschen wir Motion-Grafiker uns aus. Vielleicht hat der Kollege ja vor einem halben Jahr ein ähnliches Problem wie das gelöst, das einen selbst gerade beschäftigt.

Mit welchen Tools arbeitest du?
Reitz: Überwiegend mit After Effects als der gängigen Software für 2D-Motion-De­sign und Komposition sowie mit Cinema 4D für 3D-Animationen. Photoshop und Illustrator nutzen wir, wenn Bilder geschaf­fen werden müssen, etwa noch unbeweg­te Styleframes. Figuren skizziere ich meist zuerst mit der Hand auf Papier und scanne sie ein. Von Hand arbeite ich auch, wenn ein entsprechender Look gewünscht ist. Beispielsweise bei einem Erklärfilm für ültje, wo die Strichstärke nicht ganz konstant sein sollte, oder einem Film für den Schreibwarenhersteller Leuchtturm1917, der in einem Notizbuch spielt. Für den Spiel­film »Unfriend« war ein Aquarell-Look mit hier und da schmutzigen Ecken gefragt, den wir ebenfalls zuerst auf Papier fertigten.

Was ist das für ein Film?
Reitz: Ein Horrorthriller von Simon Verhoeven. Wir hatten schon bei Werbespots mit ihm als Regisseur gearbeitet. »Unfriend« war eine Produktion mit Warner Brothers und wurde in Südafrika gedreht. Wir steuerten Bilder für eine Sequenz bei, in der es um das gruselige Facebook-Profil eines toten Mädchens geht. Es war ein interessantes Hin und Her zwischen dem Regisseur und uns. Die Filmleu­te, die normalerweise nicht mit Anima­tion arbeiten, haben uns an ihre Vision herangeführt und wir sie umgekehrt an die Animation.

Und dann habt ihr »Unfriend« natürlich im Kino angeschaut.
Reitz: Es war toll, das auf der großen Lein­wand zu sehen und im Abspann zu stehen! Wir haben nett mit den Kollegen und ein bisschen Sekt im Kino gesessen.

Welche Karrierechancen hat man als Motion Designer?
Reitz: Ein Ziel wäre wohl Kreativdirektion oder Regie, also mehr in Richtung Krea­tion und weniger in der Umsetzung zu arbeiten. Nur Konzepte zu machen und gar nicht mehr am Computer herumzuschrau­ben, ist allerdings nicht jedermanns Sache. Für mich gibt es erst mal genügend Herausforderungen, sei es durch immer wieder neue große Kunden oder durch DELIs Partnerschaft mit den Animations- und Ef­fektspezialisten von Gravity in Tel Aviv. Es war spannend zu sehen, wie dort aus meinen Bleistiftzeichnungen hochauflösende 3D-Figuren entstanden.

Und was machst du heute noch?
Reitz: Ich gehe zu den Pixelists – einem Treffen von Motion Designern, das regelmäßig in der FilmFabrique am Hamburger Hafen stattfindet. Etwa vergleichbar mit dem Berliner Animations- und Motion-Graphics-Meeting Faux Images.

Hast du selbst dort auch schon Projekte vorgestellt?
Reitz: Ja, ich habe ein wenig von Neben­bei­projekten erzählt. Zum Beispiel habe ich zu Ostern mal eine kleine Animation na­mens »The Eggxorcist« entwickelt, die wir an Kunden und andere Freunde des Hau­ses geschickt haben. Manche von uns drehen in der Freizeit Musikvideos, und wir hel­fen uns gegenseitig. Kürzlich hat ein Producer einen Clip mit der Hip-Hop-Band Neonschwarz hier im Schanzenviertel an der Roten Flora gedreht. Ich habe den Film mit animierten, Cartoon-artigen Ele­men­ten wie Speedlines versehen, die die Be­wegungen der Bandmitglieder begleiten.

Du hast also noch keine Sehnsucht nach einer dieser »Lücken im Lebenslauf«, für die sich Neonschwarz in ihrem Song stark machen?
Reitz: Nein, dazu kann man es hier zu gut aushalten!

 


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