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New Retail auf dem Land – „Was Sie brauchen, das haben wir!“

Vielleicht kennen Sie den Ort „Amerika“ in Brandenburg? Ein kleines Dorf, das durch einen zugezogenen Prominenten bekannter wurde. Der Moderator, Schauspieler und Autor Dieter Moor, ein gebürtiger Schweizer, zog nach Amerika.

Der dortige „Tante-Emma-Laden“ empfing ihn, wie jeden anderen Kunden auch, mit diesem Spruch:

„Was wir nicht haben, das brauchen Sie [auch] nicht!“ (Dieter Moor)

Das ist mal eine Ansage! Von „New Retail“ und kundenzentriertem Denken ist da wenig bis nichts zu erkennen. Und obwohl dieser Spruch sehr anmaßend ist, kam er bei Dieter Moor und den anderen Dorfbewohnern gut an. Als kundenorientierter Händler kann man sich – Ausnahmen bestätigen diese Regel – eine solche Arroganz nicht erlauben. Das gilt im Besonderen für Betreiber von Gemischtwarenläden in Dörfern oder im ländlichen Raum. Hier gilt es den Anspruch: „Was Sie brauchen, das haben wir!“ zu haben und in der Realität umzusetzen.

Convenience Shopping durch Shopping Convenience

Die wenigen noch vorhandenen Gemischtwarenläden auf dem Land, oft liebevoll als „Tante-Emma-Läden“ bezeichnet, müssen sich voll und ganz auf die Bedürfnisse ihrer Kunden/-innen einstellen. Sie müssen rund um die Uhr für ihre Kunden/-innen da sein und ihnen ein bequemes Einkaufen direkt vor Ort ermöglichen. Convenience Shopping durch Shopping Convenience!

Der Preis für diese Dienstleistung ist hoch: 70-80 Stunden Arbeitszeit pro Woche, an mindestens 6 Tagen im Einsatz für Kunden und das für einen Lohn, der dem betriebs- und volkswirtschaftlichen Wert der Arbeit nicht einmal annähernd gerecht wird.

Das ist der entscheidende Grund, warum die Anzahl an Gemischtwarenläden auf dem Land weiter zurückgehen wird. Es finden sich einfach keine Nachfolger/-innen, die sich diesen Herausforderungen und Strapazen stellen wollen. Verständlich.

New Retail auf dem Land – Neue Betriebsformen braucht das Land!

Um die Versorgung von Dorfbewohnern mit Produkten des täglichen, spontanen Bedarfs sicherstellen zu können, braucht es neue Betriebsformen des Handels. Ähnlich wie Tante-Emma-Läden müssen sie jene Produkte anbieten, die vor Ort benötigt werden. Und das rund um die Uhr, an 7 Tagen pro Woche.

Die neuen Betriebsformen müssen für alle Dorfbewohner gut erreichbar sein, im besten Fall „auf Rädern“ von Haus zu Haus unterwegs sein. Wer sie ruft, wartet nur 5 Minuten und dann steht der mobile Laden vor der Tür. Ganz im Sinne einer hohen Shopping Convenience: Nicht der Kunde kommt zum Laden, der Laden kommt zum Kunden.

Jene Läden müssen ohne Verkäufer/-innen auskommen – der Aufwand für einen angemessenen Lohn ist einfach zu hoch.

Mit einer Karte, vergleichbar einer EC-Karte, und einem Code kann der Laden betreten werden. Alternativ ist ein Check-In über eine App auf dem Smartphone möglich.

Die Produkte werden aus Regalen oder Kühlschränken entnommen. Der smarte Laden erkennt welche Produkte welcher Kunde in seinen Einkaufskorb gelegt hat – Amazon GO lässt grüßen.

Ist ein gewünschtes Produkt nicht vorhanden, dann kann es per Sprache, über einen Touchscreen oder über das eigene Smartphone bestellt werden. Lieferung auf Wunschtermin oder in eine Lieferbox im Laden. Wer keine Bestellung aufgeben will, der kann seinen Produktwunsch einfach per Sprache übermitteln; in der Hoffnung, dass andere Dorfbewohner jenes Produkt auch schon mal wünschten und es in Zukunft ins Sortiment aufgenommen wird.

Beim Verlassen des Ladens wird die gewünschte Bezahlart gewählt. Von Barzahlung über mobile Payment bis auf Rechnung werden alle denkbaren Varianten angeboten.

Das erscheint, ganz klar: Nicht machbar (!?).
Bis, ja bis einer kommt, der das vielleicht ahnte, es aber dennoch einfach machte. Und der ist schon da. Sein Name: WHEELYS Inc. und sein selbstfahrender, smarter Laden hat den schönen Namen Mobymart (Video zum Mobymart, YouTube).

Mobymart - ein selbstfahrender, mobiler Laden der neuesten Generation

Mobymart/White Whale von WHEELYS Inc. im Einsatz

Mobymart: Der fahrende Händler im Zeitalter von New Retail!

Noch ist Mobymart ein Prototyp. Entwickelt und umgesetzt in Kooperation mit Forschern und Technikern der Hefei Universität. Er vereint heute bereits zugängliche Technologien, die im Kontext von Smart Store Konzepten bald schon „in Serie“ umgesetzt werden können.

Es ist nur eine Frage von Zeit, bis der beschriebene mobile Laden für Dorfbewohner Realität wird. Unternehmen wie Amazon, Alibaba – die das Versprechen hoher Bequemlichkeit für ihre Kunden zur Maxime ihres Handelns machen –, oder Innovatoren wie WHEELYS Inc.,  werden das möglich machen. Sie werden auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität auf dem Land leisten. Ermöglicht durch technologische Entwicklungen und Fortschritte.

Mobile Läden, nach dem Konzept von Mobymart, haben ihr größtes Potential eben dort wo nicht an jeder Ecke ein Supermarkt oder Convenience Shop vorhanden ist – wie das heute in jeder größeren Stadt der Fall ist!

Dörfer sind prädestiniert für den Einsatz von smarten, selbstfahrenden, mobilen Läden wie den Mobymart. Dörfer die heute keinen eigenen Laden (mehr) haben. Dort kann sich ein Laden mit Verkaufspersonal und annähernd konkurrenzfähig zum nächstgelegenen Supermarkt dauerhaft nicht halten.

Sie wollen neue Betriebsformen des Handels kennenlernen?

Sie wollen mehr erfahren über Konzepte für „Convenience Shops“ auf dem Land? Von Automaten mit Lebensmitteln bis hin zu mobilen Läden?

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Ich bin gerne da für Ihre Fragen.

Gebe Ihnen Hinweise, Anregungen und vermittele auf Wunsch auch Kontakte zu Unternehmen, Organisationen und Fördern in Sachen „moderne Dorfläden“.

Sprechen Sie mich einfach an
– ich helfe gern weiter.

 

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Coworking auf dem Land – Landleben und (neue) Landarbeit nach menschlichem Maßstab

Es gibt viele gute Gründe einen „geteilten Schreibtisch“ in Klein-, Mittelstädten und in Dörfern anzubieten. Coworking Spaces auf dem Land sind keine Vision mehr, sie sind Realität: In Schleswig-Holstein, Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und vielen weiteren Regionen Deutschlands, Europas und weltweit.

Dazu beigetragen haben die positiven Effekte von Coworking-Spaces auf dem Land für Wissensarbeiter/-innen („Büromenschen“) die auf dem Land leben (wollen), für die Gemeinschaft auf dem Land und für die Gesellschaft als Ganzes.

Viele gute Gründe für Coworking auf dem Land

Der wohl entscheidende Grund für den besonderen Wert von geteilten Schreibtischen in unseren Regionen liegt in der Wiederherstellung von Nähe: Nähe zwischen dem Wohn- und Arbeitsort.

„In Zeiten der Digitalisierung ist es verrückt, dass die Menschen immer noch wie in den 1950er Jahren jeden Tag in die Büros der Städte zum Arbeiten eilen – die Arbeit kann heute zum Menschen kommen.“
Ulrich Bähr, Vorstand der CoWorkLand Genossenschaft.

Die funktionale Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsort ist geschichtlich betrachtet vollkommen untypisch für die Menschheit. Sie entstand erst im Zeitalter der Industrialisierung. Damals hatte sie auch ihre Berechtigung. Für die stetig steigende Schar von Wissensarbeitern/-innen („Büromenschen“) hat Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort jedoch deutlich mehr Vorteile.

Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer/-innen in Deutschland pendeln 5 von 7 Tagen zwischen ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sie legen zum Teil sehr weite Strecken zurück, erleben Stress, verlieren wertvolle Zeit für ihr Familienleben, für Freunde, den Austausch mit Nachbarn oder Zeit zum Erholen. Zugleich tragen sie zu einer großen Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen bei. Letzteres ganz sicher in den meisten Fällen nicht gewollt.

Pendelzeiten reduzieren – das ist der wichtigste Nutzen von Coworking-Spaces auf dem Land. Es ist jedoch nicht der einzige. Geteilte Schreibtische auf dem Land leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen im ländlichen Raum indem sie …

  • „Büromenschen“ in der Region halten,
  • Stadt- und Ortskerne (wieder-)beleben,
  • Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Leben in einer Gemeinschaft verbessern,
  • eine Kultur des Teilens und Helfens befördern (wiederbeleben),
  • Menschen unterschiedlicher Professionen (Wissensarbeiter/-innen, Handwerker/-innen, Landwirte/-innen) vernetzen und auf diese Weise die Entstehung von Innovationen, Unternehmen und neuen Geschäftsmodellen fördern,
  • leerstehenden Gebäuden neues Leben „einhauchen“ und somit Werte erhalten
  • und den Lebensort Dorf für junge, hochqualifizierte Menschen attraktiver machen, so dass jene sich leichter tun mit einem Wohnortwechsel „von der Stadt aufs Land“.

Coworking Spaces auf dem Land schaffen, das sollte deutlich geworden sein, volkswirtschaftliche Werte von bedeutendem Ausmaß. Gleichzeitig, und das ist leider auch (noch) Realität, sind Coworking-Spaces auf dem Land betriebswirtschaftlich betrachtet kein Erfolgsmodell aus sich selbst heraus.

Es braucht Zeit, eine lange Anlaufphase, Durchhaltevermögen und intelligente Förderung(en) durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jene Förderung ist, ob der aufgezeigten volkswirtschaftlichen Effekte, jedoch ein sehr lohnendes Investment.

Erfolgsfaktoren von Coworking-Spaces auf dem Land

Unsere Regionen haben, im Vergleich zu unseren Metropolen, viele, zum Teil seit Jahren leerstehende Gebäude. Das ist eine gute Grundlage, um geeignete Räumlichkeiten für einen Coworking-Spaces zu finden. Gründer/-innen von ländlichen Spaces benötigen in der Startphase daher vor allem Personal- und Betriebskostenzuschüsse. Nur so lassen sich Menschen finden die das Risiko einer Coworking-Space Gründung auf dem Land eingehen.

Eine Gemeinschaft die den Wert von geteilten Schreibtischen kennt und für sich erschließen will, ist ein weiterer, wesentlicher Erfolgsfaktor. Coworking-Spaces auf dem Land können nur dann dauerhaft überleben, wenn es von Anfang an eine Handvoll interessierter und aktiver Coworker/-innen gibt.

Ist diese Gemeinschaft (noch) nicht vorhanden, dann ist das Wagnis einer Spacegründung groß. Um dennoch die Machbarkeit abschätzen zu können, bietet sich ein experimentelles Coworking auf Zeit an. Derartiges bietet die CoWorkLand Genossenschaft. Sie stellt mobile Coworking-Spaces für 4-8 Wochen zur Verfügung. Jene sind so konstruiert, dass sie an nahezu jedem Ort mit guter Web-Anbindung aufgestellt werden können: Am Strand, auf Marktplätzen, an Bahnhöfen oder auf Bauernhöfen.

Unter dem Motto „Angebot schafft Nachfrage“ (in Anlehnung an Norbert Blüm), laden die mobilen PopUp-Coworking-Boxen der CoWorkLand Genossenschaft Bürger/-innen dazu ein Coworking auszuprobieren, erst einmal zu erleben.

Im Gespräch mit interessierten Menschen vor Ort, die von der Box angezogen werden und einige Zeit darin verbringen, können potentielle Space-Gründer/-innen Potentiale erkennen und ihr Gründungsrisiko besser abschätzen. Jener Ansatz ist einer Machbarkeitsstudie per Befragung hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Gültigkeit gewonnener Erkenntnisse weit überlegen.

Menschen-zentriertes Space-Design

Ist die Startphase gesichert, sind Zuschüsse, Zuversicht und eine Gemeinschaft vor Ort vorhanden, dann gilt es die Räumlichkeiten einladend zu gestalten.

Dabei muss keineswegs ein Raumkonzept umgesetzt werden, welches es mit den Coworking-Spaces in Berlin, Hamburg, München oder Düsseldorf aufnehmen kann.

Lounge-Bereiche, ein Marktplatz mit einer Cafeteria, Still-Arbeit in einer Bibliothek, Wellbeing-Oasen mit Bällebad und Hängematten, Kicker, Trampoline und Workspace-/ Prototyping-Räume werden ganz sicher auch bei Coworker/-innen auf dem Land gut ankommen. Keine Frage. Ein derartiges Space-Design ist aber sehr teuer in der Umsetzung, im Betrieb und führt folglich zu hohen Kosten für Coworker/-innen. Da deren Zahlungsbereitschaft bei weitem nicht so hoch ist wie von Coworker/-innen in einer Metropole, sollte die Absicht einen High-End Coworking-Space zu gestalten schnell aufgegeben werden.

Viel wichtiger ist die ernsthafte Absicht einen menschen-zentrierten Gestaltungsansatz umzusetzen. Genauer gesagt: Einen Coworker/-innen-zentrierten Ansatz.

Ein Space auf dem Land wird vor allem dann eine dauerhaft erfolgreiche Angelegenheit, wenn dessen Betreiber die vorhandenen Räumlichkeiten gemeinsam mit den Coworkern/-innen der ersten Stunde gestalten. Ihre Erfordernisse und Wünsche sollten die Grundlage sowohl für die Erstausstattung und -gestaltung als auch eine stetige, gemeinsam Reflektion und Optimierung darstellen.

Ganz im Sinne des bewährten User Experience Mindset:
Design für positive Coworker/-innen Experience gelingt nur unter Einbeziehung der Coworker/-innen !

Mit jenem Mindset ausgestattet, wird ganz schnell deutlich, dass ein Coworking-Space auf dem Land nicht zu einem zweiten zu Hause für die Coworker/-innen werden muss. Dass Wohlfühl- und Wellbeing-Oasen nett aber nicht unbedingt nötig sind, und dass Parklätze direkt vor der Tür für viele Coworker/-innen auf dem Land wichtiger sind wie ein vielfältiges gastronomische Angebot in der Nähe des Spaces.

Was aber auch in einem Coworking-Space auf dem Land auf keinen Fall fehlen darf sind …

  • eine stabile und schnelle Netzanbindung,
  • gut ausgestattete Besprechungs- und Workshopräume,
  • ein großer Raum in dem Coworker/-innen zusammenarbeiten und sich austauschen können (Dialog-Space),
  • Stillarbeitsplätze / -möglichkeiten,
  • eine Kaffeeküche mit Sitzgelegenheiten, bestenfalls an einem großen Tisch und
  • guter Kaffee.

Dies sind die zentralen Basis-(Erfolgs-)faktoren eines jeden Coworking-Spaces, egal ob in Berlin oder auf Eiderstedt.

Förderer aus Politik & Wirtschaft

Bereits an dieser Stelle sollte deutlich geworden sein, dass es nahezu unmöglich ist einen Coworking Space auf dem Land nebenbei zu betreiben. Es braucht ehrlichen Willen einen positiven Beitrag für die Zukunft der Region zu leisten, ausgeprägte Handlungsorientierung, gepaart mit großem Durchhaltevermögen. Und selbst dann, wenn all dies vorhanden ist, braucht es zwingend geeignete Förderprogramme, die speziell abgestellt sind auf die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Die Politik muss sowohl auf kommunaler als auch auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene einen Beitrag leisten, um Coworking Spaces auf dem Land dauerhaft am Leben zu halten. Erste Schritte und Maßnahmen sind dazu bereits getan bzw. auf den Weg gebracht. Jene sind hilfreich aber bei weitem noch nicht ausreichend.

Die EU und die Bundesregierung sollten „Schreibtische auf dem Land“ durch ein Recht auf mobiles Arbeiten fördern. Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen, die mit der festen Überzeugung geschaffen wurden, dass Arbeitnehmer/-innen die für ihre Arbeiten geeigneten Arbeitsorte am allerbesten selbst auswählen können. Damit einhergehend muss die Arbeitsort-Kompetenz von Arbeitgebern, Unternehmern und Arbeitnehmern gestärkt werden. Es braucht Wissen, Weiterbildungs- und Aufklärungsmaßnahmen in Sachen mobiles, virtuelles und selbstbestimmtes Arbeiten.

Ulrich BährVorstand der CoWorkLand Genossenschaft und Projektleiter  Digitalisierung / ländliche Räume der Heinrich-Böll Stiftung – fordert ergänzend eine Coworking-Pauschale. Seine Argumentation pro Coworking-Pauschale ist nachvollziehbar: Pendler können heute ihre Kosten für den Weg zur Arbeit und zurück von der Steuer absetzen. Hört man auf zu Pendeln und arbeitet wo man lebt, dann müssen die Kosten für einen Schreibtisch selbst getragen werden. Umweltschädliches Verhalten wird heute also belohnt, während ressourceneffizientes und zugleich familien-/ gemeinschaftsfreundliches Verhalten bestraft wird. Ich finde, das sollte sich schnellstmöglich ändern!

Die Bundesregierung muss zudem die bestehende Homeoffice-Regelung dahingehend anpassen, dass auch nicht Hauptarbeitsorte und deren Nutzung steuerlich anrechenbar sind. Und schließlich braucht es Förderprogramme, welche die Personal- und Betriebskosten von Coworking-Spaces auf dem Land bezuschussen, in den ersten 2 Jahre bestenfalls zu 100%.

Auch die Politik vor Ort, in den Gemeinden, Ämtern und Kommunen, und regionale Unternehmen können wesentliche Beiträge zum Erfolg von Coworking-Spaces in der Region leisten. Sie könnten beispielsweise ihre Veranstaltungen, Weiterbildungen, Schulungen und Trainings bewusst im Coworking-Space durchführen, und damit sowohl den Betrieb des Spaces mitfinanzieren als auch Werbung für das Thema Coworking betreiben.

Unternehmen, kommunale Ämter und Behörden könnten ihren Mitarbeitern/-innen die Möglichkeit einräumen einige Arbeitstage pro Monat im Space zu arbeiten – mit all den daraus sich ergebenden positiven Effekten: Neue Sichtweisen, Impulse und Ideen durch den Austausch mit Coworkern/-innen, Wissenstransfer und Wissensaufbau.

Damit dies geschieht, braucht es vor Ort eine liberale und zugleich umweltbewusste Wertehaltung. Ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor für Coworking-Spaces auf dem Land – den es vor der Gründung eines Spaces unbedingt auch zu prüfen gilt.

Volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich erfolgreich – das geht nur in einer starken Gemeinschaft!

Die eingangs genannten guten Gründe für Coworking-Spaces auf dem Land haben derart positive volkswirtschaftliche Effekte, dass sich alle Arten von zuvor geforderten Förderungen schnell amortisieren und zusätzliche Werte geschaffen werden.

Gründer/-innen von Coworking-Spaces wollen und müssen jedoch auch betriebswirtschaftlich erfolgreich sein. Das eint sie mit allen Gründern, und das ist auch wichtig, um dauerhaft motiviert zu bleiben.

Betriebswirtschaftlicher Erfolg wird sich nach einer geförderten Startphase von 1-2 Jahren vor allen dann einstellen, wenn es gelingt den Space auf spezifische Zielgruppen und deren Erfordernisse auszurichten. Hilfreich sind zudem ergänzende Serviceangebote, über die der Space-Betreiber zusätzliche Einnahmen generieren kann.

Welcher Weg für betriebswirtschaftlichen Erfolg der richtige ist, das sollten die meisten Spacebetreiber/-innen innerhalb von 1-2 Jahren recht gut erkennen können. Er wird sich ausgehend von der Art der bis dahin gewonnenen Coworker/-innen abzeichnen:

  • Sind es Pendler, die den Space 1-2 Tage pro Woche nutzen?
  • Liegt der Fokus auf Freiberuflern/-innen?
  • Gelingt es junge Unternehmen anzuziehen?
  • Welche Professionen sind im Space anzutreffen?
  • Welche privaten und familiären Gemeinsamkeiten haben die Coworker/-innen?
  • Kommen die Coworker/-innen überwiegend aus der Region?
  • Gelingt es Menschen und Unternehmen aus den Metropolen bzw. Großstädten für einen temporären Schreibtisch auf dem Land zu gewinnen?

Jene Fragen zeigen schon auf, wie vielfältig die Möglichkeiten einer grundlegenden Ausrichtung eines Coworking-Space sind: Pendlerspace, Workation oder Retreat? Sie zeigen zudem auf, welche unterschiedlichen Zielgruppenfokussierungen denkbar sind: Coworking-Spaces für Frauen, Menschen mit Kindern, für Schüler/-innen, Designer/-innen oder Handwerker/-innen?

Die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen sind eine wertvolle Grundlage für eine fokussierte und bedarfsorientierte Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung für einen Space.

Die Fokussierung auf die Zielgruppe der Pendler bietet sich an, wenn eine Großstadt in 40-60 Kilometern Entfernung liegt. Jener Standortfaktor trägt ganz wesentlich dazu bei Pendler als Coworker/-innen zu gewinnen. Sie und auch ihre Unternehmen sind zudem vertraut mit dem Thema Coworking, müssen daher nicht erst aufgeklärt werden. Zudem gelingt es Coworking-Spaces innerhalb von Speckgürteln Unternehmen aus der angrenzenden Großstadt für Veranstaltungen, Events und Seminare / Workshops zu gewinnen; ebenso für die Möglichkeit Projektteams ein temporäres Arbeiten in neuer Umgebung zu ermöglichen.

Ist dieser Standortvorteil nicht vorhanden, dann kann ein Erfolgsweg in der Kombination von Unterkunft (Ferienwohnung, Hotel) und Coworking-Space liegen. Zielgruppe sind Menschen die für eine begrenzte Zeit an einem anderen Ort, einem Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit arbeiten und leben wollen. Sie erhoffen sich Ideen und Impulse durch einen Wechsel des Arbeitsortes: Weg aus der (vertrauten) Umgebung einer Stadt, raus aufs Land, raus in die Natur.

Stellt man als Spacebetreiber/-in nach 1-2 Jahren fest, dass es besonders gut gelingt Coworker/-innen einer speziellen Profession zu gewinnen, so können auf jene ausgerichtete Services eine gute Grundlage für Zusatzeinnahmen darstellen. Beispielsweise in Form von Vertriebs- und Marketingberatung, sowie Ausschreibungsmanagement für Handwerker/-innen.

Wie auch immer der Erfolgsweg ausschauen wird, er wird sich leichter finden und gehen, wenn sich Coworking-Spacebetreiber/-innen aus unterschiedlichen Regionen regelmäßig treffen, austauschen und auf diese Weise kollegial beraten.

Die CoWorkLand Genossenschaft bietet eine derartige Austauschplattform. Und darüber hinaus noch viele weitere Services für die Betreiber/-innen von Coworking-Spaces auf dem Land.

Das Ziel der Genossenschaft ist es, ihre Mitglieder sowohl bei der Gründung als auch im Betrieb von Coworking-Spaces auf vielen Ebenen zu unterstützen und ihren Kunden/-innen, den Coworkern, die Möglichkeit zu bieten an möglichst vielen Orten im ländlichen Raum unkompliziert zu arbeiten.

Neben dem Erfahrungsaustausch qualifiziert und berät die Genossenschaft ihre Mitglieder und unterstützt sie durch überregionales Marketing, eine Buchungs- und Abrechnungsplattform und gemeinschaftlichen Einkauf. Sie fördert zugleich einheitliche Qualitätsstandards und bietet Beratung bei der Auswahl geeigneter Förderprogramme.

Viele gute Gründe sich dieser oder vergleichbaren Gemeinschaften, wie beispielsweise dem VillageOffice in der Schweiz, anzuschließen.

Sie wollen loslegen? Wollen Arbeiten und Leben besser vereinbaren und einen Space in Ihrem Dorf aufbauen?

Dann legen Sie los und wagen Sie es. Die Zeit ist gekommen für Arbeiten und Leben auf dem Land!

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gerne unterstütze ich Sie bei den ersten Schritten mit Rat, Impulsen und nützlichen Tipps.

Sprechen Sie mich an.

Ich bin gerne für Sie da und möchte so einen Beitrag für viele erfolgreiche Coworking-Spaces auf dem Land leisten.

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Städte für Menschen – Menschen-zentrierte Gestaltung des Stadtlebens

Wie wird eine Stadt gestaltet, die für Menschen abschreckend ist?
Es braucht viele, möglichst breite Straßen für den motorisierten Verkehr, die zum Fahren mit einem PKW einladen und auf diese Weise zu einem hohen Lärmpegel innerhalb der Stadt führen. Die Stadt braucht riesige, monoton gestaltete Plätze. Häuser mit vielen Stockwerken und gleichförmig gestalteten Fassaden auf den unteren Ebenen.

Übergangszonen zwischen öffentlichem und privatem Raum sollten möglichst vermieden werden. Stattdessen ist viel Fläche zum Parken zu schaffen, einhergehend mit schmalen Fuß- und Radwegen, sowie wenigen Grünflächen und keinerlei, schattenspendenden Bäumen.

Abschrecken geht einfach!

Abschreckend ist jedoch zugleich, dass (leider) viele unserer Städte „menschenfeindlich“ gestaltet sind. Die Gründe sind vielfältig – oft politisch gewollt. Sie sind auf jeden Fall das Ergebnis einer Missachtung einer Menschen-zentrierten Konzeption, Gestaltung und Weiterentwicklung von Städten.

Design für ein attraktives Stadtleben: Wie wird eine Stadt gestaltet, die Menschen anzieht?

Eine Blaupause zum Gestalten von lebendigen und für Fußgänger sichere Städte bieten uns Ferienanlagen und Freizeitparks. Dort werden große Anstrengungen unternommen, um die unteren Fassaden von Gebäuden, Räume im Außenbereich und Plätze harmonisch, mit viel Liebe zum Detail und abwechslungsreich zu gestalten. Sind Häuser mit mehreren Stockwerken nötig, dann werden die Obergeschosse zurückgesetzt.

Warum tut man das? Um Geld zu verdienen, um Gewinne zu erzielen. Für Freizeitparks und Ferienanlagen ist eine hohe Aufenthaltsqualität im Freien der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg.

Um eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität zu bieten, gibt es in Freizeitparks und Ferienanlagen auch nur stark eingeschränkten, oft komplett verbotenen motorisierten Verkehr. Alles ist ausgerichtet auf den Menschen und auf die für Menschen beste Fortbewegungsform: Gehen.

Von einer PKW- zu einer Fußgänger-zentrierten Stadtentwicklung

Die Lösung zur Gestaltung attraktiver Städte kann nicht darin bestehen sie zu Freizeitparks umzugestalten. Wie so oft wird ein gutes Maß darin bestehen Städte nach „menschlichen Maßstäben“ zu gestalten. Gemeinsam mit den dort lebenden Menschen und unter Beachtung von deren Wünschen, Anforderungen und Erfordernissen – UX Design für attraktive Städte.

„Städte für Menschen gestalten“ – dieser Gedanke war über Jahrhunderte zielführend bei der Entwicklung von Städten, wurde jedoch in den letzten 60 Jahren immer mehr verdrängt. Eine lebendige, gesunde und sichere Stadt kann nur dann entstehen, wenn zuerst das „Stadtleben“ geplant und konzipiert wird, danach der Raum und zum Schluss die Gebäude. Genauso sind unsere schönsten Städte entstanden: Händler schlugen ihre Zelte und Stände an meistgenutzten Wegen auf. Zelte und Buden wurden mit der Zeit zu Gebäuden. Es entstanden Städte mit Plätzen, Wegen und Häusern.

Kleine Räume, dicht aneinander stehende Gebäude und viele Details sind prägend für derart entstandene Städte. Sie wuchsen über Jahrhunderte „organisch“ auf Basis von Aktivitäten, erkannten Bedürfnissen und wahrgenommenen Erfordernissen der dort lebenden Menschen.

Die Orientierung am motorisierten Verkehr und den Bedürfnissen dieser Verkehrsteilnehmer/-innen kam bei der Gestaltung von Städten erst in den 1960er Jahren auf; prägte dann aber viele Städte lange Jahre nachhaltig. Planung nach menschlichem Maßstab und menschlichen Bedürfnissen rückte in dieser Zeit in den Hintergrund. Es entstanden Städte, in denen man sich als Fußgänger nur noch ungern bewegt.

Der Wandel in der Zielorientierung kam mit dem wachsenden Umweltbewusstsein. Fußgänger-freundliche Städte sparen Ressourcen ein und schonen die Umwelt auf vielfältige Weise: Weniger Lärm, Reduzierung der Luftverschmutzung und Flächenversiegelung. Gerade die Einsparung von Flächen für Wege ist enorm, wenn eine Stadt zum Gehen einlädt. Fußwege fassen ein 20zig Mal größeres Verkehrsaufkommen (Anzahl sich bewegender Menschen) wie Autofahrspuren. Je mehr Menschen zu Fuß unterwegs sind, desto weniger versiegelte Fläche ist demnach nötig und desto mehr Raum für Bäume und Grünflächen tut sich auf.

Aus einer Fußgänger-freundlichen Stadt wird fast automatisch eine „grüne“ Stadt. Und zugleich eine lebendige Stadt.

Fußgänger-freundliche Städte sind lebendige Städte

Städte die für Fußgänger angelegt wurden, bieten viel Lebensqualität. Sie laden zum Gehen ein. Das ist gut, denn Menschen müssen (!) gehen. Der Preis es nicht zu tun ist hoch. Bewegungsmangel treibt die gesellschaftlichen und privaten Gesundheitskosten in die Höhe und verkürzt die Lebenszeit.

Wird der tägliche Gang zu Fuß zum integralen Bestandteil des Alltags, zur alltäglichen Gewohnheit, dann spart das Zeit und Geld, welches heutzutage von vielen Menschen in den Besuch und die Mitgliedschaft von Fitnessstudios gesteckt wird.

Städte die für Fußgänger angelegt sind, sind lebendige und soziale Städte. Fußgänger-freundliche Städte tragen dazu bei, dass man sich öfters und länger in der Stadt aufhält. Auf Plätzen finden Menschen zueinander, treffen sich, nehmen sich wahr und gestalten auf diese Weise ein attraktives Stadtleben. Leben findet verstärkt im Freien statt.

Der wohl eindeutige Beweis für diese Wirkungskette bietet die Stadt Venedig. Eine Stadt die ein derart wertvolles Stadtleben bietet, dass Besucher ein Eintrittsgeld zahlen würden. Hier kann man problemlos 15.000 Schritte pro Tag zurücklegen, ohne diese Wegstrecke als beschwerlich wahrzunehmen. Man bekommt zur Belohnung interessante Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen.

Wolkenkratzer und eintönige Fassaden – in Venedig Mangelware. Menschen bewegen sich in Venedig nicht nur zu Fuß, um notwendige Aufgaben zu erledigen. Die Stadt lädt zu freiwilligen und sozialen Aktivitäten im Stadtraum ein. Sie bietet dem Besucher viele Details auf Augenhöhe. Viele kleine Plätze mit attraktiven Sichtachsen, bequemen Sitzgelegenheiten, Pfeiler, „Stützen“ oder Stufen und abwechslungsreich gestaltete Randbereiche laden ein zum Verweilen. Cafés verstärken die Wirkung, sind aber nicht zwingend nötig, damit Menschen sich auf einem Platz längere Zeit aufhalten.

Nahezu alles wurde in dieser Stadt mit viel Liebe zum Detail gestaltet, über Jahre hinweg. Dabei wurde stets ein menschliches Maß als Gestaltungsgrundlage angesetzt. Menschen-zentrierte Gestaltung wie es sein sollte, ja muss.

Ganz wesentlich trug hierzu bei, dass sich die Übergänge zwischen schnellem, motorisiertem Verkehr und dem Fußgänger-Verkehr ausschließlich an den Stadtteilgrenzen befinden. Nur so konnten Auto-freie Zonen entstehen, die die zentrale Grundlage für eine Fußgänger-freundliche Stadtgestaltung sind.

Angebot schafft Nachfrage – Menschen zum Gehen (wieder) einladen!

Bietet eine Stadt viele Straßen und zahlreiche Parkflächen für den motorisierten Verkehr an, dann lädt sie die Menschen zum Fahren mit dem PKW ein – aber eben nicht zum Gehen. Menschen finden in solchen Städten immer wieder Gründe, um den PKW für ihre Erledigungen zu nehmen.

Eine Stadt bekommt genau das Verkehrsaufkommen, das sie sich selbst schafft!

Fokussiert sich eine Stadt dagegen auf eine Fußgänger-freundliche Gestaltung, bietet eine entsprechende Infrastruktur an, dann bekommt sie auch mehr Fußgänger. Kopenhagen konnte die Anzahl von Fußgängern deutlich steigern, wozu ganz wesentlich die Ausweitung autofreier Zonen und Flächen beigetragen haben.

Lädt eine Stadt zum Gehen ein, dann nehmen die meisten Menschen dieses Angebot gerne an und bewegen sich zunehmend zu Fuß – um alltägliche Dinge zu erledigen, aber auch freiwillig und mit dem Ziel andere Menschen zu sehen und zu treffen. Es entsteht eine äußerst lebendige, attraktive und auch sichere Stadt. Die Bewohner der Stadt sehen, begegnen sich mehr, finden zueinander. Die Gemeinschaft wird gestärkt und die wahrgenommene Sicherheit kann deutlich verbessert werden.

UX Design für Städte – 7 Tipps zum Gestalten von Fußgänger-freundlichen Städten

Um eine Stadt Menschen-zentriert zu gestalten, muss man die Menschen lieben und selbst gern zu Fuß unterwegs sein. Es ist nötig die Stadt aus der Perspektive von sich bewegenden Menschen wahrzunehmen, und zwar mit allen Sinnen. So werden Probleme und Optimierungspotentiale erkannt und Ideen zur Steigerung der Qualität des Stadtlebens entwickelt.

Die Methode der Beobachtung vor Ort ist besonders wertvoll und zwingend erforderlich. Man wird auf diese Weise schnell erkennen wie man eine Stadt Fußgänger-freundlich gestaltet.

Sieben Erfolgsfaktoren auf dem Weg hin zu einer Fußgänger-freundlichen Stadt:

  1. klare, weiträumige (Flächen-)Trennung von Fußgängern
    und motorisiertem Verkehr
  2. breite und viele Fußwege mit glattem Belag
  3. Fußwege ohne Hindernisse und ohne Wegeschäden
  4. überschaubare, einfache Kreuzungen
  5. Zebrastreifen auf Straßenniveau statt Unter-/Überführungen
    für Fußgänger
  6. zahlreiche abgesenkte Bordsteinkanten an zwingend notwendigen
    Straßenquerungen
  7. Schattenspendende Baumbepflanzung

Auf den Punkt gebracht: Vorfahrt für Fußgänger!

Fußgänger sollten möglichst keine Wartezeiten beim Gehen durch eine Stadt haben. Getreu dem Motto: Nicht die Straße unterbricht den Fußweg, der Fußweg unterbricht die Straße – oder wie es Jan Gehl noch deutlicher ausdrückte:

„Die ungehinderte Überquerung einer Straße sollte ein Menschenrecht sein und nicht etwas, das man per Knopfdruck beantragen muss (Jan Gehl, 2015).“

Sie wollen Ihre Stadt, Ihr Dorf Fußgänger-freundlicher gestalten?

Eine hervorragende Idee. Entsprechende Maßnahmen werden Ihnen und Ihren Mitbürgern/-innen sehr guttun.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Methodisch ist die Vorgehensweise von einer PKW- hin zu einer Fußgänger-freundlichen Stadt ähnlich dem Vorgehen beim nutzerzentrierten Gestalten und optimieren von Anwendungen.

Ein Design für menschenfreundliche Städte kann sich orientierten am Design für (mehr) User Experience.

Sprechen Sie mich an.

Gerne bin ich für Sie da, gebe Ihnen Tipps und Anregungen.

Buchtipp zur Gestaltung von Städten nach menschlichen Maßstäben  

Jan Gehl, Architekt und Städteplaner, hat das Buch „Städte für Menschen“ im Jahr 2015 geschrieben.
Eine spannende und informative Darstellung seiner Erfahrungen aus 40 Berufsjahren und zahlreichen Projekten zur Gestaltung menschenfreundlicher Städte. Das Buch besticht durch klare Worte, anregende Gedankengänge und äußerst anschauliche gute und schlechte Beispiele in Wort und Bild.

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User Experience mit Fragebögen messen

User Experience messen – das ist Dr. Martin Schrepp’s Thema aus Leidenschaft.

Dr. Martin Schrepp im Profil.

Dr. Martin Schrepp

Martin Schrepp studierte Mathematik & Psychologie an der Universität Heidelberg. 1990 schloss er das Studium mit dem Titel Diplom-Mathematiker ab und begann eine Promotion in Psychologie. Nach Abschluss der Promotion wechselte er zur SAP AG. Dort ist Dr. Martin Schrepp seit 1994 als UX Experte tätig.

Seiner Leidenschaft für das Messen von UX konnte er stets treu bleiben.

Dr. Martin Schrepp hat zusammen mit Theo Held und Bettina Laugwitz den  User Experience Questionnaire (UEQ) entwickelt und betreut die Weiterentwicklung dieses häufig genutzten UX Fragebogens seitdem zusammen mit Andreas Hinderks und Prof. Dr. Jörg Thomaschewski.

In  zahlreichen Forschungs-, Buchbeiträgen und in seinem Buch User Experience mit Fragebögen messen hat Martin Schrepp sein UX Wissen geteilt und damit der UX Community viel Gutes getan.

„User Experience messen“ – Dr. Martin Schrepp im Interview

Im Interview auf Nutzerbrille gibt Dr. Martin Schrepp seine Erfahrungen zu methodischen Fragen rund um das Messen von User Experience weiter.

Ich freue mich sehr heute mit Dir, lieber Martin, über das Thema „User Experience mit Fragebogen messen“ sprechen zu können. Ein Thema das in der UX Community schon seit Jahren ganz eng mit Dir verbunden ist.
Wie entwickelte sich Deine Leidenschaft für dieses Thema?

[Dr. Martin Schrepp] – Bevor ich als UX Designer angefangen habe, hatte ich in Psychologie promoviert. Dort ist ja das Messen und das Erzeugen von geeigneten Messinstrumenten für nicht direkt beobachtbare Konstrukte (z.B. Intelligenz, Persönlichkeitseigenschaften) ein Standardthema. Hier wird naturgemäß auch stark mit Fragebögen gearbeitet.

Als Designer hat mich dann die Frage, wie messe ich eigentlich die Wahrnehmung, die die Nutzer zu den von mir betreuten Produkten haben, stark interessiert. Ich habe dann 2006 mit zwei Kollegen bei SAP den User Experience Questionnaire (UEQ) entwickelt (den kann man sich unter www.ueq-online.org ansehen). Seitdem habe ich eigentlich kontinuierlich an der Weiterentwicklung dieses Fragebogens und anderen Themen im Bereich „UX messen“ gearbeitet und dabei natürlich auch immer versucht mich zu informieren, was andere in dem Bereich so treiben. Daraus und aus eigenen praktischen Erfahrungen mit verschiedenen Fragebögen, ist letztlich auch das Material für das Buch User Experience mit Fragebögen messen entstanden.

Wann hast Du das letzte Mal UX mit einem Fragebogen gemessen – und welche konkreten Erkenntnisse konntest Du für Deine Arbeit gewinnen?

[Dr. Martin Schrepp] – Ich verwende eigentlich regelmäßig Fragebögen, um quantitative Daten zu erhalten, die mir in gewisser Weise zeigen, wo die von mir betreuten Produkte bzgl. UX stehen. Natürlich den UEQ, aber auch den VISAWI oder den SUS. Häufig auch in Verbindung mit klassischen Usability Tests, da sich diese beiden Methoden eigentlich sehr gut ergänzen.

Ein Fragebogen liefert im Gegensatz zu einem Usability Test keine konkreten Hinweise zur Verbesserung eines Produkts, z.B. dass ein bestimmter Begriff auf dem UI nicht gut verständlich ist. Aber er zeigt, welchen subjektiven Eindruck Nutzer von einem Produkt haben, wo man im Vergleich zu anderen Produkten steht (z.B. über einen Benchmark, den die meisten Standardfragebögen anbieten) bzw. in welcher Richtung man ein Produkt weiterentwickeln muss. Hat man z.B. gute Werte für die pragmatischen UX Aspekte (z.B. Effizienz oder Erlernbarkeit), aber schlechte Werte für Stimulation (Fun of Use), ist das ein klares Indiz, in welcher Richtung man für die nächste Version des Produkts arbeiten muss.

UX Fragebögen – Wie wähle ich den richtigen aus?

Es gibt viele kostenlos zugängliche Fragebögen um UX zu messen. Einige versprechen eine ganzheitliche Messung, andere fokussieren auf einzelne Facetten der User Experience. Da fällt die Auswahl oft schwer. Wie gehst Du vor um das richtige Instrument zu finden?

[Dr. Martin Schrepp] – Bevor man einen Fragebogen wählt, sollte man sich immer die Frage stellen, warum man UX überhaupt messen will? Das ist ja kein Selbstzweck, sondern soll letztlich helfen, Produkte erfolgreicher zu machen.

Hier muss man natürlich die UX Aspekte (z.B. Effizienz, Erlernbarkeit, Fun of Use, etc.) messen, die für die Nutzer des Produkts wichtig sind. Schließlich will man wissen, wie zufrieden die Nutzer sind und in welchen Bereichen das Produkt nicht gut ankommt. Welche Aspekte das sind, hängt stark von der Art des Produkts ab. Für eine betriebswirtschaftliche Anwendung sind für die Nutzer andere Aspekte relevant, als für einen Web-Shop oder ein Soziales Netzwerk.

Aber das reicht in der Regel nicht aus. Es gibt hier auch Marketinggesichtspunkte zu berücksichtigen. Wie wird das Produkt beworben und platziert? Braucht man eine originelle Gestaltung, um die Aufmerksamkeit auf das Produkt zu lenken? Wenn ja, sollte man den Aspekt der Originalität auch messen, selbst wenn er für die eigentlichen Nutzer nicht so wichtig sein sollte.

D.h. im ersten Schritt muss man sich überlegen, welche UX Aspekte man messen will, um das Produkt erfolgreicher zu machen. Wenn man ein Produkt und seine Nutzer gut kennt, fällt diese Auswahl meist nicht schwer. Wenn nicht, kann man über Befragungen von Nutzern oder auch Produktverantwortlichen meist zumindest ein grobes Verständnis für die relevanten UX Aspekte erreichen.

Hat man eine solche Liste „relevanter“ UX Aspekte, kann man auf die Suche nach einem passenden Fragebogen gehen. D.h. einem Fragebogen, der möglichst viele der wichtigen UX Aspekte mit einer Skala misst. Wenn man Pech hat, kommt man mit einem einzigen Fragebogen nicht aus, sondern muss mit mehreren arbeiten oder muss sich auf die Messung der wichtigsten UX Aspekte beschränken.

„Man lernt am meisten über UX Fragebögen, wenn man konkret mit ihnen arbeitet.“ (Dr. Martin Schrepp).

Woran kann ich erkennen, ob ein Messinstrument ein gutes ist? Was sind zentrale Qualitätskriterien eines Fragebogens?

[Dr. Martin Schrepp] – Für UX Fragebögen hat man eigentlich ähnliche Qualitätskriterien, wie für andere Arten von Fragebögen oder psychologische Tests. Objektivität (d.h. das Ergebnis sollte unabhängig vom Durchführenden sein, was bei den stark standardisierten UX Fragebögen eigentlich überall erfüllt ist), Reliabilität (Genauigkeit, mit der eine Skala eines Fragebogens misst) und Validität (misst die Skala auch wirklich das, was sie zu messen vorgibt).

Bei Standardfragebögen sind meist einige wissenschaftliche Studien vorhanden, in denen die Autoren des Fragebogens versuchen, genau diese Qualitätskriterien nachzuweisen. Das ist gerade bei der Validität oft nicht ganz einfach, da die zugrundeliegenden UX Konstrukte oft nicht sehr sauber beschrieben und von anderen UX Qualitäten abgegrenzt sind.

Umfragedaten messen und interpretieren!

Wenn ich eine Suchmotivation hab, dann ist Steuerbarkeit und Effizienz für mich sehr wichtig. Bin ich im Stöbermodus, dann mag ich Aktivierung durch Fotos, Animationen und eine abwechslungsreiche Gestaltung, schätze Originalität und Schönheit in der Gestaltung besonders wert.
Wie kann man situative Einflussfaktoren bei der Messung von UX und der Interpretation von gemessenen Daten beachten?

[Dr. Martin Schrepp] – Wenn die Nutzer der Anwendung oder Web-Seite mit beiden Motivationen unterwegs sind, ist die Unterscheidung nicht relevant. Dann spielen einfach alle UX Kriterien aus Such- und Stöbermodus eine Rolle. Schwierig wird es, wenn man Nutzergruppen hat, die jeweils vorwiegend suchen oder stöbern. Die Nutzer beider Gruppen haben dann evtl. sehr unterschiedliche Nutzererlebnisse mit der gleichen Anwendung, was natürlich zu sehr unterschiedlichen Bewertungen führen kann. Wenn man so etwas vermutet, lohnt es sich sicher die Daten des Fragebogens daraufhin zu untersuchen, ob man die Teilnehmer in unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Ansichten unterteilen kann.

In solchen Fällen macht es auf jeden Fall Sinn einem UX Fragebogen noch einige zusätzliche Fragen voranzustellen, die das Nutzungsverhalten des Teilnehmers (oder andere Besonderheiten, von denen man annimmt, dass sie die UX Wahrnehmung beeinflussen) erfragen.

UX & Marke – Kann man das trennen?

Lass uns über den Zusammenhang zwischen Marke und UX sprechen. Es gibt Unternehmen deren Markenwerte sind so stark , dass Nutzer UX Schwächen verzeihen. Meine These: Wenn Apple den „Buy-Button“ auf seinem Webshop absichtlich versteckt, dann hat das keinerlei Effekt auf den Abverkauf. Die Shopbesucher suchen einfach so lange, bis sie ihn gefunden haben.
Ausstrahleffekte von der Marke auf die UX treten stets auf.  Wie gehe ich damit um, wenn es beispielsweise darum geht die UX zweier Anwendungen miteinander zu vergleichen?

[Dr. Martin Schrepp] – Sicher gibt es einen Zusammenhang zwischen Markenwahrnehmung und UX. Eine positive Markenwahrnehmung bei einem Konsumenten entsteht ja auch über die Zeit durch positive Erlebnisse mit einem Produkt. D.h. eine positive UX ist einer der Faktoren, die eine positive Markenwahrnehmung erzeugen.

Hat ein Nutzer umgekehrt schon eine positive Wahrnehmung einer Marke, wird er oder sie auch die UX entsprechend einschätzen, d.h. selbst wenn eine neue Produktversion Schwächen hat, wird das bei einer positiven Markenwahrnehmung deutlich milder beurteilt werden, als bei einer negativen Markenwahrnehmung. In der Marktforschung ist ja das Phänomen der evaluativen Konsistenz gut untersucht, d.h. die Tendenz fehlende Informationen zum Produkt aus der allgemeinen Bewertung der Marke abzuleiten (z.B. wenn man für Premiummarken auch eine hohe Produktqualität annimmt und damit einen hohen Preis akzeptiert, was ja nun leider faktisch nicht immer stimmt). Ähnliche Effekte treten natürlich auch bei der Beurteilung eines Produkts mit einem UX Fragebogen auf.

Ein UX Fragebogen misst immer die subjektive Wahrnehmung von UX. D.h. nehmen wir mal an, dass wir zwei Produkte mit einem UX Fragebogen messen. Nehmen wir weiter an, dass die Produkte eigentlich vom Design und von der Interaktion völlig identisch sind. Produkt A ist einer Marke mit sehr positiver Markenwahrnehmung zugeordnet, Produkt B stammt von einer völlig unbekannten Marke. Was werden wir als Ergebnis bekommen?

Vermutlich wird Produkt A im Vergleich der Fragebogenergebnisse besser abschneiden. Logisch, die subjektive Wahrnehmung ist auch besser. Ich denke das Beispiel zeigt sehr schön zwei wichtige Aspekte von UX Fragebögen. Erstens messen diese immer den subjektiven Eindruck von einem Produkt, d.h. man sollte das nicht mit einer wie auch immer definierten „objektiven“ User Experience verwechseln. Zweitens muss man Ergebnisse eines UX Fragebogens immer im Kontext interpretieren. Einfach Daten erheben und platt die Zahlen vergleichen kann unter Umständen ziemlich irreführend sein. Aber das gilt natürlich für jede Messmethode.

Gibt uns abschließend noch 2-3 Tipps für eine weiterführende Lektüre zum Thema „UX mit Fragebögen messen“?

[Dr. Martin Schrepp] – Ich denke am meisten lernt man über UX Fragebögen, wenn man konkret mit ihnen arbeitet. Die meisten Fragebögen sind frei verfügbar und wenn man den nächsten Usability Test macht, kostet es wenig Zeit, einfach mal einen Fragebogen mitlaufen zu lassen. Oder warum nicht mal einen Link zu einem Online-Fragebogen per Mail an bekannte Kunden schicken?

Die im deutschen Sprachraum verbreiteten Fragebögen UEQ, VISAWI, AttrakDiff2 sind auch alle frei verfügbar, d.h. einfach mal ausprobieren, wenn sich eine Gelegenheit bietet.

Vielen Dank, lieber Martin, für diese Einblicke in Deinen Wissensschatz in Sachen „User Experience mit Fragebögen messen“!

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Macht eure Mitarbeiter/-innen zu Fans – Erkenntnisse aus dem UPA Branchenmonitor

Auch 2017 gibt es ihn wieder: Den bewährten und geschätzten Branchenmonitor des Berufsverbandes German UPA . Viele spannende Daten & Fakten zum Arbeiten & Leben als Usability & UX Professional.

Mir ist ein Aspekt besonders aufgefallen: Es wird immer schwerer neue Mitarbeiter/-innen zu gewinnen.

Derzeit sind 4-5 Monate nötig, um eine(n) neue(n) Mitarbeiter/-in für eine offene Stelle zu finden. Einzelne Unternehmen gaben an 18 Monate gesucht zu haben. Im Vergleich zu 2016 stieg die nötige Dauer zur (Neu-)Besetzung einer Stelle um 10%.  Und das in einer Branche die von den dort Tätigen ob ihrer Vielfalt, Gestaltungsfreiheit und erlebten Eigenständigkeit geschätzt wird.

Meine Prognose für die kommenden Jahre: Es wird nicht leichter neue Mitarbeiter/-innen in unserer Branche zu finden. Usability & UX sind „im Trend“ und gewinnen in immer mehr Unternehmen und Lebensbereichen (weiter) an Bedeutung.

Modell zu Beschreibung der Qualität von Beziehungen

Modell zur Beschreibung der Qualität von Beziehungen

Diese Situation sollte für alle Unternehmen ein (Warn-)Signal sein: Als Arbeitgeber sollten sie viel bieten, um Mitarbeiter/-innen zufrieden zu stellen und emotional zu binden.

Nicht nur die Nutzer/-innen auch die Mitarbeiter/-innen gilt es in den Mittelpunkt zu stellen.  Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung – das gilt in unserer Branche im Besondern.

Mitarbeiter/-innen zu Fans machenhochzufrieden, überdurchschnittlich emotional gebunden, treue Gefährten und Botschafter – das wird der Erfolgsfaktor von Unternehmen bleiben.

Unternehmen und vor allem UX-Dienstleister mit wenigen Fans und vielen Söldnern – oder gar Gegnern (im Modell als „Terroristen“ bezeichnet) – werden mittelfristig vom Markt verschwinden (Unternehmen brauchen keine zufriedenen Mitarbeiter, sie brauchen Fans).

Leben und Arbeiten als UX Professional

Der Branchenmonitor der German UPA liefert – inzwischen bereits zum 11. Mal – wertvolle Informationen über die Situation und Entwicklung im Arbeitsfeld Usability & User Experience.

420 Teilnehmer/-in in 2017 – das ist Rekord. 42% nahmen zum ersten Mal an der Umfrage teil. Beide Daten verdeutlichen die steigende Bedeutung der Usability & UX Branche. Zum Vergleich: 2007 nahmen 185 Personen an der Online-Umfrage zum Branchenmonitor teil – eine Steigerung um satte 227% .

Die Top 10 Aufgaben bzw. Arbeitsschwerpunkte von UX Professionals sind:

  1. Beratung/Stakeholder Management
  2. UX Design
  3. Prototypen-Entwicklung
  4. Evaluation
  5. Information Architecture
  6. Requirements Engineering
  7. Usability Engineering
  8. Usability-Testing
  9. User Research
  10. Grafische Gestaltung

Herausforderungen in der Zusammenarbeit von UX Professionals mit Produktmanagern & Entwicklern ergeben sich vor allem beim Transfer vom Konzept zur Umsetzung und in der Qualitätssicherung. Qualitätssicherung im Sinne einer Sicherstellung in der Umsetzung von Anforderungen.

Die Unternehmensleitungen von höheren UX-Budgets zu überzeugen ist ebenfalls eine Herausforderung, deren Bewältigung nicht allen Inhouse UX Professionals leicht fällt (Tipps & Anregungen zum Missionieren in Sachen UX).

Was zeichnet den im Jahr 2017 in Deutschland wirkenden UX Professional aus?

Beim Vergleich der Branchenmonitore 2016 zu 2017 kommen nur wenige Veränderungen in den Basisdaten zum Vorschein. Die Ergebnisse sind bei fast allen Merkmalen und Eigenschaften von UX Professionals konstant geblieben.

Ich werte das als positives Merkmal für die Zuverlässigkeit der Datenerhebung. Zugleich als Beleg für die Etablierung unserer Branche innerhalb der vielfältigen Landschaft der Arbeitsfelder in der digitalen Transformationswirtschaft.

420 Teilnehmer/-innen sorgten beim diesjährigen Branchenmonitor für diese Daten & Fakten …

  • Durchschnittsalter: 36 Jahre
  • Berufserfahrung: 8 Jahre, im Mittel
  • Durchschnittsgehalt: 56.635 EUR (Bruttojahresgehalt).
  • Der Tagessatz von freien Mitarbeitern/-innen liegt im Mittel bei 600 EUR . Bei durchschnittlich 133 Projekttagen pro Jahr verdienen „Freie“ im Mittel 85.891 EUR p.a.
  • 44% Frauenanteil in der UX Community. Das Durchschnittsalter der weiblichen UX Professionals liegt bei 33 Jahren.
  • Die am häufigsten vertretenen Studienrichtungen sind Psychologie, Medieninformatik und Informatik.
  • UX Professionals mit einer Berufsausbildung sind vor allem gelernte Mediengestalter/-innen.
  • Weiterbildung steht bei UX Professionals hoch im Kurs. Der Wissenserwerb geschieht über den Austausch mit Kollegen (Barcamps, Stammtische), Surfstunden im Web (Blogs, Podcast) und den Besuch von Konferenzen (z.B. Mensch und Computer).
  • Ausbildungen mit Zertifikat sind sehr beliegt. 67% haben den Titel eines „Certified Professionals for Usability and User Experience“ (kurz: CPUX-F) erworben.
  • Beliebte Ausbildungsanbieter sind das UXQB, artop (Usability & UX Experte) und die Fraunhofer Institute (Usability Engineer).
  • Die Top 3 der bekanntesten Arbeitgeber in Deutschland:
    UID, eresult und Ergosign.
  • Die Bekanntheit und Bedeutung der German UPA Summer- und Winterschool steigt stetig. Sie bieten Young Professionals in unserer Branche eine sinnvolle Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung.

Weitere Daten und Fakten aus dem Branchenmonitor stellen Stefan Tretter, Sarah Diefenbach, Daniel Ullrich und Nina Gerber im Tagungsband zur Mensch und Computer 2017 bereit. Ihnen und den (anderen) 419 Teilnehmern/-innen der diesjährigen Umfrage gilt mein besonderer Dank für eine wieder einmal gelungene Bestandsaufnahme der UX/Usability-Szene in Deutschland.

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