Kategorie-Archiv: IT-Szene

Bilder vom UXCamp

Ich hatte eine Session zum Thema Smart-City beim User Experience BarCamp 2015 gestaltet. Die Entscheidung dazu war spontan, denn ich hatte erst 2 Tage vorher eine Teilnahmebestätigung bekommen. Habe aus der Not eine Tugend gemacht, den Meetingraum gegen die frische Luft getauscht und Flipchart und Post-ITs statt Beamer genutzt. Dazu gibt es einige schöne Fotos beim
UXCamp2015 Flickr Stream

Bilder von meinen Smrt-City-Vortrag beim UX-Camp 2015

Smart City – ein Begriff, viele Bedeutungen

Der Begriff Smart City wird in letzter Zeit inflationär gebraucht. Jede Stadt, die was auf sich hält, möchte gerne eine Smart City sein. Mit dem Begriff selbst können die meisten Bürger jedoch noch keine klare Vorstellung verbinden. Sicher gibt es Definitionen des Begriffs. Entscheidend gerade bei neuen Begriffen ist, wie sie verwendet werden.

Wo gibt es tatsächlich etwas neues, wo wird nur versucht, eigentlich einfache Apps oder andere Dienstleistungen zu verkaufen? Bei welchen Themen passiert tatsächlich etwas? Um mehr Klarheit zu schaffen habe ich Dokumente von verschiedenen Akteuren analysiert.

EU Ebene

Die EU hat unter dem Begriff “digitale Agenda” eine Stakeholder-Plattform ins Leben gerufen: eu-smartcities.eu

Smart City Infografik

Eine von der EU veröffentlichte Infografik zeigt Problemstellungen, Akteure und Aufgabenfelder der Smart-City-Innovation-Partnerschaft.

Auf dieser Plattform gab es zunächst drei thematische Arbeitsgruppen:

  • Energieeffizienz und Gebäude
  • Energieverteilungs-Netzwerke
  • Mobilität und Transport

Weiterhin gab es noch Querschnitt-Themengruppen, die sich mit IT oder Finanzierung beschäftigen. Das war es dann aber schon mit den Themen. Inzwischen gibt es über diese doch sehr funktionalen Themenfelder hinaus bei den sogenannten “Action Clustern” auch ein Thema “Citizen Focus”.

Berlin

In Berlin hat der Senat eine Arbeitsgruppe Smart City Berlin (SCB) gegründet. In einem Eckpunktepapier definiert diese AG den Begriff Smart City mit “Städte und Regionen, die sich die Aufgabe gesetzt haben, Zukunftsprobleme der Stadt zu identifizieren und dann zu lösen“. Das Identifizieren der Probleme ist also ein gesonderter Schritt. Verschiedene Städte haben verschiedene Ziele.

Die selbst gegebene Aufgabe soll durch Zusammenwirken verschiedener Akteure angegangen werden (Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft)

Die Smart City AG reklamiert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Schaffung einer höheren Lebensqualität sowie Stärkung der Innovationskraft (also Meta-Innovation) zum Ziel hat.

Als etwas konkretere Themenfelder nennt das Eckpunktepapier wieder Umwelt, Energie und Mobilität, zusätzlich Gesundheit, Sicherheit und demografischer Wandel.

Hamburg

Containerschiff und Containerbrücken zum entladen der Container

Containerverladung im Hafen. Schon seit einigen Jahren gibt es zum Transport der Container autonome Vehikel. Zukünftig soll der Zubringerverkehr noch weiter vernetzt werden.

Smart City wird in Hamburg offenbar von der Behörde “Wirtschaft, Verkehr und Innovation” besetzt. Auf der Hamburg-Webseite wird Smart City definiert als „kluge und vernetzte Stadt“.

Ziele sind

  • Lebensqualität verbessern,
  • effiziente Mobilität,
  • Umwelt (Ressourcen schonen, weniger Umweltschädlichkeit)
  • Nutzen von “innovativer Infrastruktur”

Als Arbeitsfelder kann ich erkennen:

  • der Hafen (Smart Port). Hier werden wohl Sensornetzwerke eingesetzt werden.
  • Straßenbeleuchtung und Ampeln
  • Erfassung und Steuern von Verkehrsströmen
  • Bürgerkiosk (Eine Art Container mit Videoverbindung in andere Behörden)

Obwohl Lebensqualität bei den Zielen an erster Stelle genannt wurde, scheint das Thema in Hamburg vor allem von der Wirtschaft (genauer: einzelnen Wirtschaftsakteuren) getrieben. Besonders wird die Partnerschaft mit dem amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco hervorgehoben.

Erstaunlicherweise nicht Thema ist alles, was für die internationale Bauausstellung (IBA) von 2006-2013 passiert ist. Immerhin sah sich die IBA auch als Stadtlabor: „Mitten in Hamburg suchte die IBA Antworten auf die dringendsten Fragen der modernen Stadt, um Projekte für die Zukunft der Metropolen zu zeigen.

Paris / San Francisco

Centre Pompidou in Paris

Centre Pompidou: ein mutiges Architekturkonzept. Der Platz davor dient trotzdem oder gerade deswegen als Treffpunkt.

Hier habe ich eine schöne Zusammenfassung von Marie-Perrine Durot von der „PRIME transatlantic innovation platform” gefunden. (Interview veröffentlicht in „Atelier“, Herausgeber: BNP-PARIBAS).

Frau Durot entwirft folgendes Programm unter dem Begriff Smart City:

  1.  Zunächst mal geht es darum, Sektoren, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, in einen Dialog zu treten und gemeinsam zu arbeiten.
  2. die Art wie Entscheidungsträger, Experten und Bürger für Projekte in der Stadt interagieren, sollen Ihren Worten nach “de-compartmentalize“ werden (aus Behördenzwängen befreien).
  3. Städte solle voneinander lernen. Die geografische Isolation soll aufgebrochen werden.

Teil 2

Der zweite Teil dieser Analyse behandelt die Nutzung des Begriffs Smart City in der IT-Szene.

Invertierte Lautstärkeregler

Wenn ich an meinen elektronischen Geräten die Lautstärke verstellen möchte, drücke ich gelegentlich erst mal auf die Laut-Taste statt auf die Leise-Taste. Wieso habe ich da Probleme? Schauen wir uns die Zuordnung der Lautstärketasten zum Lautstärkeregler beim Android-Tablet Nexus 7 an:

Lautstärketasten eines Tablets

Zuordnung der Lautstärketasten im Querformat beim Nexus 7

Wenn ich die linke Taste drücke, wird der Ton lauter und der Schieberegler bewegt sich nach rechts. Um den Schieberegler nach links zu bewegen, muss ich rechts drücken. What you see is the opposite of what you get.

Wieso belegt man die Tasten so?

Google ist wegen seiner vorbildlichen Usability groß geworden. Das Nexus 7 nutzt Android 4.4 mit dem API-Level 19, man hat also schon einige Iterationen hinter sich. Auch die Hardware ist bereits die zweite Überarbeitung. Es ist wohl keine “Kinderkrankheit” mehr.

Bei einem klassischen Dreh-Lautstärkeregler wird die Lautstärke durch eine Rechtsdrehung erhöht. Auf der rechten Seite ist die Drehung dabei nach unten. Ersetze ich den Drehregler durch zwei Lautstärketasten und platziere ich sie für Rechtshändler auf der rechten Seite, so wäre eine Lautstärkeerhöhung nach unten logisch.

Drehregler: rechts herum wird es lauter

Beim klassischen Mischpult hingegen sind die Schieberegler vertikal, die Lautstärke erhöht man durch Hochschieben: “Pump up the Volumne”. Diese Metapher wurde übernommen. (Schieberegler sind auch einfacher zu programmieren als Drehregler)

Kippe ich jedoch mein Gerät um 90 Grad, nimmt das Unglück seinen Lauf: Die obere Lautstärketaste ist jetzt links. Die grafische Darstellung des Lautstärkereglers wird neu gezeichnet und hat dann ihr lautes Ende jedoch rechts. Ernst Jandl hätte seine Freude gehabt.

volumne sliders

Meine favorisierte Lösung für dieses Dilemma wäre wieder echte Lautstärkeregler einzubauen.

Risiko, Sicherheit und menschliche Entscheidungsfindungen.

Warum ist der Mensch oft das schwächste Glied beim Absichern von IT? Der Forscher Ryan West hat einen Artikel veröffentlicht, in dem Muster in der menschlichen Entscheidungsfindung untersucht werden. Diese Muster führen oft dazu, das Menschen sich entweder unbewusst oder sogar gegen besseres Wissen für unsichere Lösungen entscheiden. Seine Erkenntnisse habe ich zu einem Vortrag verdichtet, den ich am 12.2.2014 bei der Hamburger Ruby Usergroup gehalten habe.

Der Originalartikel ist unter dem Titel „The Psychology of Security“ in den Communications of the ACM erschienen.Zunächst werden fünf psychologische Beobachtungen der menschlichen Entscheidungsfindung vorgestellt:

  1. Nutzer glauben persönlich kein Risiko zu tragen.
  2. Nutzer sind nicht dumm, sondern oft nur unmotiviert
  3. Sicherheit ist nur abstrakt. Konkretes haftet besser im Gehirn.
  4. Lernen funktioniert gut mit Rückkopplung.
  5. Risikobewusstsein ist asymmetrisch. Wenn Menschen etwas weggenommen wird, nehmen Sie oft ein höheres Risiko in Kauf, um es wieder zu bekommen.

Folgende Prinzipien können helfen, um Menschen zum sicheren Umgang mit IT-Systemen zu bewegen:

  1.  Unmittelbare Rückmeldungen und sicheres Verhalten belohnen.
  2.  Bewusstsein für Risiko erhöhen.
  3.  Riskantes Verhalten ächten
  4.  Kosten für sicheres Verhalten reduzieren.
  5.  Sozial Komponente nutzen.