Kategorie-Archiv: Framework

Dein Weg von einer 1 Mann/Frau UX Stelle zum UX Manager

UX Professionals treffen im Jahr 2017 auf Unternehmen mit sehr unterschiedlichen UX Reifegraden. Viele Inhouse UX’ler starten ihre Karriere in Unternehmen mit zentraler UX Abteilung. Im Reifegradmodell von Jakob Nielsen (Corporate UX Maturity) entspricht das Stufe 5: „Managed Usability“.

Reifegradmodell in Anlehnung an Jakob Nielsen

Entwicklung der UX Reifegrade in Unternehmen (Deutschland) – eigene Darstellung

In diesen Unternehmen ist ein UX Budget vorhanden, ebenso eine zentrale UX Abteilung. Beide Merkmale sind jedoch sehr variantenreich ausgeprägt. Ich treffe noch immer sehr oft auf Unternehmen, in denen die zentrale UX Abteilung aus genau einer Stelle besteht.

Dort setzen 1 Mann /1 Frau Inhouse UX’ler ihr UX Budget vor allem für Usability-Tests ein. Die Tests werden meist von externen Agenturen durchgeführt. Häufig leider viel zu spät im Entwicklungsprozess. Inhouse UX’lern ohne Team fehlt oft auch Zeit, um gewonnenes Wissen aus den Tests zu dokumentieren und für Produktmanager, Entwickler und Designer dauerhaft nutzbar zu machen. Die gemeinsame Entwicklung von Design-Guidelines oder der Aufbau einer Pattern Library finden mangels Zeit ebenfalls nicht statt.

In einer solchen Situation treffen leider viele Inhouse UX’ler falsche Entscheidungen: Sie beginnen immer mehr selbst zu machen, führen beispielsweise Interviews in Tests und arbeiten „zwischendurch“ an der Erstellung von Prototypen mit.

Das ist allemal ehrenwerter, als das Unternehmen zu verlassen, jedoch nicht die beste aller Entscheidungen. Dauerhaft erfolgreiche Inhouse UX’ler nehmen sich viel Zeit, um den UX Reifegrad ihres Unternehmens stetig weiterzuentwickeln. Damit schaffen sie sowohl für sich selbst als auch für das Unternehmen beste Aussichten auf Erfolg. Denn: Ohne Reifegradentwicklung kein Team und ohne ein Team kein „Systematic User-Centered Design (UCD)“ – die nächste Stufe im Reifegradmodell.

Was muss ein Inhouse UX’ler konkret tun, um diese Weiterentwicklung als Person und Unternehmen zu schaffen? Darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ich möchte Sie …

  • als Inhouse UX’ler ohne UX Team und mit wenig UX Budget
  • als Unternehmer/-in mit einer 1 Mann/1 Frau Inhouse UX Abteilung

ermutigen Ihre Zeit bzw. Ihr Geld in die Entwicklung eines User Research & UX Test Frameworks zu investieren, mit dem Sie Ihr Unternehmen im UX Reifegrad deutlich voranbringen.

User Research & UX Test Framework –
damit gelingt der Weg zur nutzerzentrierten Gestaltung!

Um als Inhouse UX’ler langfristig im Job glücklich zu bleiben, ist es notwendig bei Produktmanagern, Designern und Entwicklern für UX zu werben („missionieren“).

Ein User Research & UX Testing Framework ist dabei hilfreich. Es beschreibt Methoden & Verfahren, die je Konzeptions- und Entwicklungsphase geeignet sind, um die Anforderungen, Wünsche und Meinungen von Nutzern abzubilden, gemeinsam mit Nutzern Ideen zu entwickeln und Entwicklungsstände zu evaluieren.

Neben der Methodenbeschreibung umfasst das Framework auch nötige Infrastruktur, damit die Methoden jederzeit schnell durchführbar sind. In der Praxis haben sich diese 3 Module als besonders hilfreich erwiesen:

Mit dieser Forschungsinfrastruktur können Nutzer/-innen bei der Entwicklung von Ideen ebenso einbezogen werden, wie beim Beschreiben von Anforderungen und der Optimierung von Prototypen.

Ein Lead-User Pool ist hervorragend geeignet agilen Entwicklerteams vielfältige und tiefe Einblicke in das Innenleben von Nutzern/-innen zu bieten (Wie Research agiler wird!). Auch Online-Umfragen und remote UX-Test lassen sich in eine agile Projektkultur integrieren. Dies gilt auch für Use-Labs, wenn sie gut geplant und regelmäßig durchgeführt werden (Am 30. gehen wir ins Lab – jeden Monat!).

Steht die nötige Forschungs- und Test-Infrastruktur, dann muss die Implementierung vorangetrieben werden. Das kostet viel Zeit. In diese Arbeit zu investieren ist jedoch enorm wichtig.

Gibt es im Unternehmen regelmäßige Austausch- und Wissenstransfertermine, dann sollten diese genutzt werden, um Produktmanager, Designer und Entwickler über das Framework zu informieren. Im nächsten Schritt muss ein Pilotprojekt bewusst ausgewählt werden, um die Infrastruktur einzusetzen und erlebbar zu machen. Bei der Projektauswahl sollten diese Faktoren beachtet werden:

  • Das Projekt hat unmittelbare Wirkungen auf den Geschäftserfolg.
  • Das Projektteam versteht und akzeptiert die eingesetzten UX Methoden.
  • Die höchste Führungsebene hat Interesse an dem Projekt, verfolgt dessen Stand, Entwicklung und Ergebnis.

Geduld geht hier vor Schnelligkeit. Es ist mittelfristig wirksamer auf das richtige Projekt zu warten, statt schnell mit der Umsetzung des Frameworks zu starten.

Ist das ideale Projekt ausgewählt, dann gilt es sich als Inhouse UX’ler aktiv einzubringen und alle im Projektteam mit dem Framework vertraut zu machen. Bestenfalls kommen im Projektverlauf alle Module der Infrastruktur zum Einsatz. Beispielsweise Anforderungsanalyse innerhalb der Online-Community, Relevanzbewertung einzelner Produktmerkmale per Panelumfrage und iterative Protypentests im Use-Lab.

Ein abschließender Vergleichstest – je nach Projektinhalt per Remote UX Test, UX Messung per Vorher-/Nachher-Umfrage oder klassischen AB Test im Feld – bietet die Möglichkeit den Erfolg des Projektes über Kennzahlen zu belegen.

Steht alles auf grün, dann hat man sich als Inhouse UX’ler ein erfolgreiches Leuchtturmprojekt geschaffen, mit dem das Missionieren für UX nun deutlich einfacher ist. Der Weg zur nächsten Reifegradstufe – von „Managed Usability“ hin zu „Systematic User-Centered Design (UCD)“ – ist geebnet.

Damit einher geht in der Regel eine deutliche UX Budgeterhöhung, die Schaffung weiterer UX Stellen und somit der Aufstieg vom 1 Mann/1 Frau Inhouse UX’ler zum UX Manager. Klingt gut – und irgendwie auch einfach. Zu einfach? Kommt drauf an. Vor allem auf die persönlichen Fähigkeiten des Inhouse UX’lers.

Das zeichnet erfolgreiche Inhouse UX’ler aus!

Leidenschaft für UX muss vorhanden sein. Anderenfalls ist es nicht möglich andere vom Nutzen eines User Research & UX Testing Frameworks zu überzeugen. Erfolgreiche Inhouse UX’ler suchen regelmäßigen Austausch mit anderen UX Professionals, beispielsweise auf UX Stammtischen, Kongressen, BarCamps und Meetups. Ganz nebenbei können dort sowohl Anregungen & Ideen als auch neue Kollegen/-innen gewonnen werden.

Mit diesem Engagement und einem gewissen Grad an Extraversion ausgestattet, sollte es schnell gelingen Aufmerksamkeit für seine Person und Arbeit in der Chefetage zu erlangen. Fundamental wichtig, um von einer 1 Mann/1 Frau UX Abteilung zu einem UX Team zu kommen. Gelingt das nicht unmittelbar, so müssen Fürsprecher in Sachen UX im mittleren Management gefunden werden, mit denen Leuchtturmprojekte realisiert werden.

Sich gern ins Rampenlicht stellen, das ist durchaus hilfreich um in Sachen UX zu missionieren. Gelegenheiten dazu bieten sich in jedem Unternehmen: Das Intranet kann genutzt werden, um über den Nutzen von UX Methoden zu berichten. PR-Abteilungen lieben Fallstudienberichte, welche sich aus Leuchtturmprojekten sehr gut erstellen lassen. Jene bieten zudem eine hervorragende Grundlage für Vorträge und Workshops.

Inhouse UX Trainings & Workshops, buchbar von Kollegen/-innen zur Weiterbildung, sind eine wichtige Maßnahme zum Missionieren für UX. Diese Erfahrung haben zahlreiche Unternehmen gemacht, stellvertretend sei hier Robin Titus, UX Designer bei CapGemini, genannt:

“We started a small education program for the whole department to create awareness about what UX really means. Explaining the different methodologies like working with personas, user interviews, usability testing, user journey maps, interaction design, wireframes, mockups and prototypes. Most important — we did this based on real cases from our business — not just theory or common examples.” (How To Build An In-House UX Team).  

Tue Gutes und lasse andere darüber reden!

Besonders wirksam ist es, wenn Kollegen/-innen über die Erfolge und Früchte der Arbeit als Inhouse UX’ler berichten. Bestenfalls die zuvor beschriebenen Fürsprecher aus dem Management. Damit das gelingt müssen diese Manager mit überzeugenden Daten und präsentablen Unterlagen –  beispielsweise Videoreports mit Eindrücken aus Labtests – versorgt werden. Sie lassen sich leicht (weiter)verwenden und erhalten somit schnell auch in der obersten Chefetage Beachtung.

Ohne externe Unterstützung wird es nicht gehen!

Die Aufgabe eine Organisation im UX Reifegrad weiterzubringen ist alles andere als leicht. Inhouse UX’ler müssen dazu neben einer großen Leidenschaft für UX, viel (Berufs-)Erfahrung, ein breites Methodenwissen, Extraversion und Empathie aufweisen, gut zuhören können und in der Lage sein andere für sich zu gewinnen.

Das sind Eigenschaften die erfolgreiche Change-Manager aufweisen (Becoming a Change Agent: When UX Is Perceived as Threatening). Muss man also beides sein: UX’ler und Change-Manager. Die Antwort ist: Ja.

Das ist jedoch extrem herausfordernd und nahezu unmöglich zu leisten. Sich externe Beratung und Unterstützung einzufordern, ist daher mehr als naheliegend. Es zu tun zeugt nicht von Schwäche, stattdessen von Weitsicht. Die Motivation als Inhouse UX’ler für sein Unternehmen Großes in Gestalt einer UX Reifegradentwicklung zu erzielen (und es nicht nach 6 Monaten wieder zu verlassen) ist enorm viel wert und sollte daher vom Management mit den nötigen Mitteln gefördert werden. Einige tausend Euro für externe Beratung sind dafür sehr rentabel angelegt.

Ich hoffe Sie – liebe(r) Inhouse UX’ler/-in – sind nun gewappnet, um sich auf den Weg zu machen hin zum UX Manager. Tun Sie es! Es wird Sie dauerhaft glücklich machen und sich für Sie und Ihr Unternehmen lohnen.

Foto Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Sie sind auf der Suche nach UX Management und Strategie-Beratung?

Der Berufsverband der German UPA bietet einen guten Überblick erfahrener UX Berater. Gerne unterstütze ich Sie beim Steigern des UX Reifegrades Ihres Unternehmens. Sprechen Sie mich an.

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Futures Framework

Unser Tool, um Zukunftserwartungen aufzudecken und zu nutzen

Zukunft hat mich von jeher fasziniert. Wenn ich mich mit Zukunft beschäftige, wird mir immer bewusst, dass andere Entwürfe möglich sind und wie gestaltbar die Welt doch ist. Spannend finde ich außerdem, dass jeder Mensch eine eigene Vorstellung davon hat, was Zukunft ist. Manchmal ist sie schwammig und wenig konkret und nur als Gefühl vorhanden. Manchmal gibt es klare Erwartungen, feste Vorsätze und definierte Wege. Als tiefgehendes und schön geschriebenes Buch kann ich dazu „Die Zukunft“ von Sascha Mamczak empfehlen.

Jede größere Entscheidung und jedes Projekt wird von unseren Zukunftserwartungen geprägt – ob wir das wollen oder nicht. Und gleichzeitig gibt es ganz wenig Verständigung und Austausch über diese inneren Zukunftsbilder und -erwartungen. Ich möchte heute ein Framework vorstellen, dass wir vor einiger Zeit entwickelt haben und in unserer Arbeit nutzen. Damit lassen sich die verschiedenen Zukunftsvorstellungen systematisch auf den Tisch bringen und weiterverarbeiten.

Zurück zu den Zukünften

In meinem vorherigen Berufsleben war ich in der Trend- und Zukunftsforschung tätig. Ich habe entsprechend viel mit Zukunftsthemen zu tun gehabt. Sei es beim Trendbüro, der Kuration des Deutschen Trendtags und der Next Conference, an der Good School, im Rahmen unzähliger Trendstudien, eigener Keynotes oder bei den Think-Tanks, die Dirk und ich initiiert und durchgeführt haben (hier und hier). Die meisten Diskussionen, Studien und Artikel, die mir in dem Zusammenhang begegnet sind, waren dabei extrem einseitig. Entweder wurde das Neue über den Klee gelobt und jegliche Kritik als Einwände ewig Gestriger abgetan. Oder umgekehrt wurden ausschließlich mögliche Schattenseiten betrachtet und alles Neue relativiert oder blockiert. Eine differenzierte Betrachtung gab es fast nie.

Zukunft lässt sich nicht vorhersagen

Prognosen werden von Entscheidern gern wie Fakten behandelt – wenn sie ihnen in den Kram passen. Ansonsten werden sie ignoriert. Philip Tedlock hat in seinem tollen Buch „Superforecasting“ dargelegt, dass sämtliche Experten und Zukunftsforscher nie an dem Gehalt ihrer Prognosen gemessen würden und man die Prognosen genauso gut von Affen durchführen lassen könnte. Er hat stattdessen Schritte für gute Prognosen entwickelt und ein Netzwerk von Superforecastern aufgebaut, die nachweislich besonders gut Entwicklungen bewerten können. In Deutschland gehört z.B. Bruno Jahn zu diesem Superforecaster-Netzwerk. Aber diese Prognosen sind auf den Eintritt besonderer Ereignisse in der näheren Zukunft gerichtet. Für mittelfristige Ausblicke oder um den strategischen Blick zu weiten, eignet sich vor allem die Szenario-Technik. In dem Oxford Scenarios Programme der Said Business School, das ich 2012 mitgemacht habe, wurden Angela Wilkinson und Rafael Ramirez nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Hauptfunktion von Szenarien und Zukunftsaussagen darin liegt, anders auf die Gegenwart zu schauen. Szenarien helfen, seine eigenen Zukunftsvorstellungen zu überprüfen, den Blick zu weiten, Strategien robuster zu machen und für alternative Zukunftspfade vorbereitet zu sein. Das Problem: so ein Szenario-Prozess ist aufwändig und in zahlengetriebenen Organisationen schwer zu vermitteln. Wir haben daher eigene Tools wie Pre-Mortem oder den Context Combinator entwickelt, um Zukunftsdenken in Projekten abzubilden, ohne gleich riesige Verfahren dafür aufsetzen zu müssen. Das Futures Framework gehört auch dazu und ist ein bisschen wie Szenario-Planung light.


Die 4 zentralen Perspektiven auf Zukunft und wie sie Dir im Projekt helfen #FuturesFramework
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Das Futures Framework

Futures Framework Template

Schritt 1: Den Rahmen setzen

Zuallererst musst Du dem wabernden Begriff Zukunft einen Rahmen setzen, die richtige Fragestellung bzw. das richtige Thema formulieren und dann eine Jahreszahl nennen. Die Frage bzw. das Thema steht daher im Zentrum des Frameworks.

Bei dem Zeithorizont gilt: Je näher Du an der Gegenwart bleibst, desto konkreter werden die Ergebnisse. Aber kurzfristig ist nur wenig veränderbar. Je weiter Du den Blick in die Zukunft richtest, desto mehr und grundlegendere Dinge werden veränderbar. Aber die Antworten werden auch abstrakter und diffuser. Ich versuche den Zeitrahmen immer etwas weiter zu setzen, als der Auftraggeber plant. Wenn es also um eine Strategie für die nächsten drei Jahre geht, setze ich den Zeithorizont auf +5 Jahre. Damit kann ich den Blick etwas weiten, und das Projekt bekommt mehr Zukunftskontext.

Futures Framework - Den Rahmen setzen

Schritt 2: Zukunft als Hoffnungen, Wünsche oder Chancen

Zukunft ist immer auch ein Produkt unserer Wünsche und Träume. Getreu dem Motto: “The best way to predict the future, is to invent it.” In der ersten Perspektive auf Zukunft geht es darum zu benennen, worauf sich die Hoffnungen bei den Initiatoren, Teilnehmern oder sonstigen Stakeholdern richten bzw. welche Chancen und Möglichkeiten sie sehen. In diesem Feld sind Menschen besonders vertraut, die andere von einer Idee begeistern müssen (z.B. CEOs und Startup-Gründer) und die äußerst optimistisch in die Zukunft schauen.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:

Was sind Deine Hoffnungen? Welche Chancen siehst Du?

Futures Framework - Hoffnungen, Wünsche, Chancen

Schritt 3: Zukunft als Risiken, Ängste oder Sorgen

Wie die Zukunft gestaltet wird, ist immer auch eine Reaktion auf bestehende Sorgen und Ängste bzw. ein Umgang mit Risiken. Die zweite Perspektive auf Zukunft richtet sich auf die Schattenseite in den Köpfen und Herzen der Beteiligten. Mit diesem Bereich sind vor allem Menschen vertraut, die stark abwägen, den Status quo schätzen und eher Angst vor Veränderungen haben. Solche Zukünfte kommen gern schwarzgemalt als Dystopie daher.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Was sind Deine größten Sorgen? Welche Risiken siehst Du?

Futures Framework - Risiken, Sorgen, Ängste

Schritt 4: Zukunft als Erbe der Gegenwart

Die Zukunft, die sich durchsetzen wird, hängt stark von dem Verhalten der etablierten Kräfte in der Gegenwart ab. Häufig wurden oder werden im Zuge eines Projekts gerade wichtige Weichen gestellt, die stark auf den Möglichkeitsraum einwirken. Hier geht es um Themen wie Pfadabhängigkeiten oder “sunken costs”. Wer etwa gerade die komplette IT-Infrastruktur erneuert, wird nicht morgen komplett auf ein neues System wechseln. Selbst, wenn es sinnvoll wäre. Mit diesem Bereich sind vor allem Menschen vertraut, die einen übergeordneten Blick auf das eigene Unternehmen haben. Häufig brauchen die Teilnehmer für Antworten auf diese Fragen mehr Zeit und sie müssen intensiver nachdenken.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Was hälst Du für unabwendbar?
Welche heutigen Entscheidungen setzen den Rahmen für die zukünftigen Entwicklungen?

Futures Framework - Erbe der Gegenwart

Schritt 5: Zukunft als Zufall, Fügung oder Katastrophe

Was wann wie kommt, ist immer auch unplanbar, dem Zufall unterworfen und das Ergebnis vieler nicht kalkulierbarer Verkettungen. Das können die viel beschworenen schwarzen Schwäne sein, ein plötzlicher Zusammenbruch des europäischen Flugverkehrs aufgrund eines Vulkanausbruchs in Island oder aber die Entlassung des CEOs sein. Oder schlicht und ergreifend Glück und Pech. In diesem Bereich sind Menschen zuhause, die komplett außerhalb des Bestehenden denken können. Der erste Impuls ist häufig, dieses Feld frei zu lassen. Aber es bringt tolle Ergebnisse, wenn Du Teilnehmer auf den Pott setzt und ihnen eine Antwort abringst.

Die Arbeitsfrage lautet:
Mit Blick auf das Jahr 20XX:
Welche glückliche Fügung würde uns in die Karten spielen?
Was könnte das Thema total zur Explosion bringen?

Futures Framework - Zufälle, Fügungen, Katastrophen

Wie setzt man das Future Framework ein?

  • In der Strategie-, Innovations- oder Organisationsentwicklung
    Mit dem Tool lässt sich sowohl bei der Entwicklung neuer Produktideen, in der Strategieentwicklung oder beim Organisationsdesign arbeiten, da alle drei wesentlich mit Zukunftsvorstellungen arbeiten und man bei allen dreien die zugrundeliegende Motivlage der wichtigsten Akteure kennen sollte.
  • Zum Projektverständnis und Auftragsklärung
    Zu Beginn eines Projekts geht es darum, die verschiedenen Perspektiven auf das Zukunftsthema zu ergründen. Dafür kannst Du Interviews führen (z.B. mit dem Initiator, wichtigen Akteuren und Stakeholdern). Wenn Du mehrere Ansprechpartner hast, macht vielleicht auch eine zweistündige gemeinsame Session im Vorfeld eines größeren Workshops Sinn. Man kann die Fragen auch nutzen, um daraus mit Google Forms, Surveymonkey oder ähnlichen Programmen eine qualitative Befragung aufzusetzen.
  • Den Blick im Workshop weiten
    Man kann mit dem Futures Framework auch wunderbar im Workshop arbeiten, um den Blick der Teilnehmer zu weiten und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Hierfür eignet sich z.B. ein World-Café. An jedem Tisch wird dann eine Frage bearbeitet.

Was macht man dann mit den Informationen?

  • Wahrnehmungsverzerrungen minimieren
    Die Informationen aus dem Futures Framework helfen Dir und den Teilnehmer, sich weniger stark von sogenannten Cognitive Biases blenden zu lassen.
  • Das passende Verfahrensdesign entwickeln
    Du kannst die Ergebnisse nutzen, um den Aufbau mehrerer Sessions und  die Workshop-Dramaturgie zu planen.
  • Den Möglichkeitsraum aufbereiten
    Du kannst die Ergebnisse Deiner Exploration aufbereiten und den Möglichkeitsraum neuer Lösungen im Workshop präsentieren.
  • Einflussfaktoren sichtbar machen
    Du kannst die Antworten analysieren und aufzeigen, was in den Vorstellungen der Interviewten die zentralen Einflussfaktoren sind. Diese kannst Du dann miteinander kombinieren (lassen) und plausible Kombinationen identifizieren.
  • Szenarien entwickeln
    Auch ohne Einflussfaktoren zu identifizieren, kannst Du die Nennungen zu Szenarien clustern (lassen). Diese Szenarien kannst Du dann nutzen, um sie mit bestehenden Produktideen, Portfolios, Strategien, Organisationsentwürfen etc. zu vergleichen.
  • Blinde Flecken identifizieren
    Spannend ist es auch, wenn Du schaust, was die Teilnehmenden nicht gesagt haben und worüber nicht gesprochen wurde. Hier hast Du als Berater die Gelegenheit bzw. Pflicht auf Lücken oder Widersprüche hinzuweisen.
  • Um Stärken und Schwächen ergänzen
    Man kann die Ergebnisse des Futures Frameworks schön mit einem Stärken-Schwächen-Profil abgleichen und erhält so etwas Ähnliches wie eine SWOT.

Praxishinweise:
Die Zukunftsperspektiven erkunden

Du arbeitest Dich systematisch durch die oben genannten Bereiche. Wichtig ist, dass alle Teilnehmer durch alle vier Perspektiven geführt werden bzw. Du einen Interviewpartner durch alle vier Sichtweisen führst. Es geht gerade darum, dass auch die unverbesserlichen Optimisten mal schwarz malen und die Schwarzmaler ihre Hoffnungen offenbaren, man einmal auf Pfadabhängigkeiten und den Einfluss von Zufällen schaut.

Bei den Antworten solltest Du darauf achten, dass Du aktiv und positiv formulierte Statements bekommst, damit die Kategorien trennscharf bleiben. Gegebenenfalls musst Du nachhaken, um Schlagworte und Worthülsen zu hinterfragen. Wenn Du noch tiefer bohren willst, kannst noch diese Ergänzungsfrage nutzen:

Welche Ereignisse oder Entwicklungen haben dazu geführt?

Das Futures Framework ausprobieren

Wir haben die Bereiche und die Fragen mal als einen Template auf Mural aufbereitet. Schau doch mal rein. Und natürlich interessiert es uns zu hören, welche Erfahrungen Du mit dem Futures Framework machst.

 

 

Der Beitrag Futures Framework erschien zuerst auf Komfortzonen.