Alle Beiträge von Nina Kirst

Wie backe ich mir einen UX Designer?

UX Designer stehen derzeit hoch im Kurs – und sind entsprechend schwer zu finden. Aperto bildet den UX-Nachwuchs mit einem hauseigenen Traineeprogramm selbst aus.

Die Trainees sammeln Praxiserfahrung in echten Projekten, wie hier beim Design-Schulterblick

Wir sprachen mit Stefan Freimark, Lead UX Consultant bei Aperto in Berlin, über das Thema »UX Nachwuchs finden, ausbilden, übernehmen«.

Warum braucht es ein solches Trainee-Programm? Was fehlt Hochschulabsolventen oder ausgebildeten Mediendesignern für den Job?

Das Traineeship ist eine Brücke zwischen Studium oder Weiterbildung einerseits, und dem Job als UX Designer oder Service Designer andererseits. Absolventen von Studiengängen und Weiterbildungen haben zwar viel Fachwissen, aber ihnen fehlen in der Regel Erfahrungen aus echten Projekten. Wie geht man mit Kundenfeedback um, auch widersprüchlichem Feedback von verschiedenen Stakeholdern? Worauf muss man bei der interdisziplinären Zusammenarbeit achten? Wie geht man mit technischen Restriktionen um? Das sind nur einige Beispiele.

Oft fehlen Absolventen auch Kenntnisse in bestimmten Methoden, da sie in ihrem Studium andere Fähigkeiten erworben haben, die für unsere Projekte nicht so relevant sind. Es gibt ja nicht den einen Interaction-Design-Studiengang, sondern viele verschiedene. Und auch Absolventen anderer Studiengänge wie Informationswissenschaften oder Soziologie bringen wichtige Grundlagen für UX-Design mit, aber ihnen fehlt neben der praktischen Erfahrung natürlich Fachwissen für den Job.

Wer ein Studium absolviert hat, das sehr nahe am Beruf ist, und auch einige praktische Erfahrungen gesammelt hat, den schleusen wir natürlich nicht nochmal durch das einjährige Trainee-Programm. Das Traineeship ist eine Ausbildung; wer die nicht braucht, muss sie auch nicht durchlaufen. Mit Mediendesignern haben wir bisher übrigens noch keine Erfahrungen gemacht. Das liegt einfach daran, dass sich in den letzten Jahren niemand mit diesem Hintergrund auf unsere Stellen beworben hat.

Das Traineeship ist eine Ausbildung; wer die nicht braucht, muss sie auch nicht durchlaufen.

Welche Hintergründe hatten die bisherigen Trainees?

Das hat sich über die letzten Jahre etwas gewandelt. Vor 6 bis 8 Jahren gab es mehr Quereinsteiger als heute, zum Beispiel mit einem Soziologie-Studium. Inzwischen gibt es mehr Studiengänge und Weiterbildungen, die fachlich näher am Beruf sind. Zuletzt hatten wir eine Trainee, die den UX-Kurs bei CareerFoundry absolviert hat – ihr Traineeship haben wir verkürzt, da sie sehr schnell ihre bereits solide Basis ausbauen konnte. Ein anderer UX-Trainee hat Wirtschaftsinformatik mit einem selbstgewählten Schwerpunkt auf Human-Computer-Interaction gewählt.

In Austauschwochen lernen Trainees andere Disziplinen kennen: von Visual Design über Projektmanagement bis zur Medienproduktion

Wurden sie anschließend eingestellt?

Wir haben bisher allen unseren UX-Trainees ein Übernahmeangebot für eine Stelle als Junior UX Designer gemacht. Mit dem Traineeship ist die Ausbildung auch noch nicht zu Ende: Ein Junior wird auch weiterhin von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen betreut.

Wie wählt ihr die Mentoren aus, die die Trainees betreuen?

Mentor kann werden, wer schon selbst viel Projekterfahrung gesammelt hat – und sich auch Zeit für die Anleitung und Betreuung eines Trainee nehmen kann. Typischerweise sind das Kolleginnen und Kollegen auf Senior-Level. Neue Mentoren sind dabei auch nicht auf sich alleine gestellt, sondern bekommen Rat und Tipps von erfahrenen Mentoren, wenn gewünscht. Außerdem haben wir mit dem Mentor Circle ein monatliches Austauschformat, so dass wir alle als Mentoren voneinander lernen können.

Wie aufwendig ist die Betreuung der Trainees im Alltag?

Anfangs ist es mehr, nach den ersten drei Monaten und vor allem in der zweiten Hälfte des 12-monatigen Traineeship wird es weniger. Um konkrete Zahlen zu nennen: In den ersten ein oder zwei Wochen sind es ein bis zwei Stunden pro Tag, danach ca. zwei bis drei Stunden pro Woche, und ab der zweiten Hälfte nur noch rund eine Stunde pro Woche.

Auch Präsentieren gehört zum Ausbildungsplan. UX Designer müssen ihre Arbeitsergebnisse vermitteln können

Ihr habt euren Ausbildungsplan kürzlich komplett überarbeitet: Warum und worauf legt ihr besonderen Wert?

Der Ausbildungsplan ist über die Jahre gewachsen: Wenn neue Themen aufkamen, haben wir die einfach mit dran getackert. Es war daher Zeit, einmal gründlich aufzuräumen. Der neue Plan ist jetzt deutlich flexibler und zukunftsfähiger (hier zum Download). Er konzentriert sich auf die wesentlichen Methoden und praktischen Erfahrungen, die in den meisten Projekten eine Rolle spielen, beispielsweise User Research. Dagegen haben wir Methoden gestrichen, die nur selten vorkommen. Es reicht auch, wenn man mit spezielleren Werkzeugen erst später Bekanntschaft macht; das muss nicht schon im Ausbildungsplan drinstehen.

Können die Trainees theoretisch nach dem Abschluss auch zu anderen Agenturen gehen oder gibt es eine Klausel, die sie an Aperto bindet?

Die Freiheit haben sie, weil sie keinen Knebelvertrag unterschreiben. Wir versuchen natürlich, die Trainees in den 12 Monaten davon zu überzeugen bei uns zu bleiben, und in den meisten Fällen ist uns das auch gelungen.

Arbeitet ihr auch mit Hochschulen zusammen, um ihnen eure Anforderungen an UX Designer zu vermitteln?

Stefan Freimark

Das machen wir punktuell und wir planen, das auszubauen. Dabei geht es uns weniger darum, die Lehrpläne zu beeinflussen. Wir möchten natürlich Ausbildungseinrichtungen vermitteln was Absolventen unserer Erfahrung nach in der Praxis können müssen, aber was davon in die Studienordnungen oder Lehrpläne einfließt, ist natürlich deren Sache. Hauptsächlich geht es uns darum, Studierende auf uns aufmerksam zu machen: Viele wissen nicht, wie vielseitig der Beruf des UX Designers ist. Und es ist natürlich auch eine Gelegenheit, um mit Klischees aufzuräumen, die es womöglich noch zu Agenturen und Beratungen gibt. Wir arbeiten hier an sinnvollen Produkten und Services, die oft von Hunderttausenden Menschen genutzt werden – zum Beispiel die elektronische Gesundheitsakte oder zentrale Online-Services für Bürgerinnen und Bürger. Und wir sind auch als Agentur ein familienfreundliches Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeiten, guter Work-Life-Balance und offener Atmosphäre.


Mehr zum Thema:

Wer mehr über die Arbeit von UX-Designern bei Aperto wissen will:

– Wir haben das Jobprofil im Rahmen von Connect Creative Competence ausführlich beleuchtet. Hier findet ihr alle Beiträge dazu – und hier in gebündelter Form als Booklet.

– Mehr über Aperto als Arbeitgeber erfahrt ihr im #Findyourcompany-Profil der Agentur!

KI-Design in der Praxis

Von bewusster Selbstwahrnehmung über nachhaltige Produktdesigns bis zu empathischen Jobsimulatio­nen: Diese experimentellen Konzepte der Innovationsagentur Indeed zeigen, wie künstliche Intelligenz unser Leben verbessern könnte.

Designer, überlasst die Zukunft nicht den Techies! So lautet die Botschaft der Hamburger Design- und Innova­ti­ons­agentur In­deed. Sie plädiert für menschen­ori­entierte Innovation – und dafür, dass Gestalter einen festen Platz im Stra­te­gie- und Entwicklungsprozess neuer Pro­­­duk­te und Services ein­neh­men müs­sen – auch und besonders dann, wenn künstliche Intelligenz im Spiel ist. »De­signer können mehr als Interfaces gestalten, wenn es um KI-An­wendungen geht«, ist Indeed-Ge­schäfts­­führer und -Inhaber Ka­rel Golta überzeugt. »Wir müssen weiter denken: Was ist mit künst­licher Intelligenz möglich? Und wie können wir die Tech­nologie nutzen, um die Welt besser zu ma­chen und Gu­tes für die Mensch­heit zu tun?«

In internen Thinktanks beschäftigt sich Indeed regelmäßig mit Zu­kunfts­themen wie Future of Transport, Smart Packaging – oder eben mit künstlicher Intelligenz. Dabei denken die De­si­g­ner ganz frei, entwerfen vi­sionäre Moon­shot-Konzepte und auch mal provo­ka­tive Anwendungen, um den Kopf zu öffnen und eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, auf der sie mit Unternehmen und anderen Gestaltern konzeptuell weiterspinnen können. Fragen nach der Mach­- und Umsetz­barkeit der Projek­te sind in dieser Phase zweitrangig. Aber Leute mit den dafür notwendigen Kom­petenzen sind immer willkommen! Im Rahmen von KI entwarf das Designteam drei Konzepte für gänzlich unter­schiedliche Services, die auf künstli­cher Intelligenz beruhen und unser Le­ben bes­ser machen könnten.


Mood Index

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu mehr Wohlbefinden

Was tut mir wirklich gut? Wann und bei welcher Tätigkeit fühle ich mich am bes­ten? Im hektischen Alltag kommt die bewusste Selbstbetrachtung oft zu kurz. Die App »Mood Index« regt dazu an, innezuhalten und sich dieser Selbstreflexion zu widmen. Sie erfasst die aktuelle Stimmung des Nutzers, spiegelt sie ihm wider und er­innert den User sanft daran, auf sich selbst zu achten. Dafür analysiert sie mittels Bild­schirm- und Handykamera die Mimik und Ges­tik des Nutzers, seine Stimme, Ge­sund­­heitsda­ten wie Pulsschlag und Körper­tem­­peratur über eine Smartwatch sowie seine Bewegungsdaten via Geolokation. Mithilfe von künst­li­cher Intelligenz kombiniert die App diese vier Faktoren und bildet daraus ein Gesamtbild, den »Mood Index«.

»Augmented Intelligence hat das Potenzial, unsere menschlichen Fähigkeiten zu 
verstärken – ohne Bevormundung« Karel Golta, Geschäftsführer und Inhaber von Indeed

Die App lernt ihren Nutzer mit der Zeit immer besser kennen und ist so in der Lage, personalisiertes Feedback zu geben und Ak­tivitäten vorzuschlagen, die seine Stimmung heben könnten. Den Designern war bei diesem Konzept wichtig, dass die App nicht aufdringlich oder bevormundend ist. Deshalb führt sie dem Nutzer seine Stimmung ganz dezent vor Augen – in Form eines kleinen personalisierten Avatars am unteren Rand des Computerbildschirms. Verschlechtert sich die Stimmung drastisch – ermittelt zum Beispiel über einen steigenden Puls, fahrige Bewegungen oder ei­ne zittrige Stimme –, meldet sich der Mood Index aktiv und warnt den Nutzer per Vibration über die Smartwatch. Der Alarm impliziert: »Was ist los? Kannst du etwas tun, damit es dir besser geht?«

Auf aktive Nachfrage des Users via Chat gibt die App Tipps, mit welchen natürli­chen Maßnahmen und Ritualen er seine Stimmung aufhellen könnte. Basierend auf seiner Stimmungshistorie und der aktuel­len Situation schlägt die App dem Nutzer beispielswei­se vor, mit einem Freund laufen zu gehen – nach dem Motto: »Das hast du lange nicht gemacht, und dabei geht es dir ziemlich gut!«

Eine solche Nutzung KI-gestützter Datenerhebung und -analyse könnte zum be­wussteren Umgang mit sich selbst anregen und langfristig die geistig-körperliche Ge­sundheit und das Wohlbefinden fördern.


Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Künstliche Intelligenz und die Zukunft von Design bei INDEED« geht’s hier:

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Solid Impact

Nachhaltigkeit in all ihren Formen

Wohl kein Designer will mit seinen Produkten die Welt schlechter machen, indem diese die Umwelt belasten, soziale Ungleichheit fördern oder Unternehmen in den Ruin treiben. Dennoch ist dies relativ häufig der Fall. Wie wäre es, wenn es eine Software gäbe, die einem die Auswirkun­gen von Designkonzepten in Echtzeit anzeigt – und zudem darstellt, wie sich das Design zugunsten verschie­de­ner Fakto­ren verändern würde? Das ist die Grund­idee hinter »Solid Impact«, einem Plug-in für das CAD-Programm So­lid­Works, mit dem Produktdesigner Zeichnungen und 3D-Modelle erstellen. Das von Indeed er­dachte KI-Plug-in simuliert die Auswirkungen eines Designs auf wirt­schaft­liche, soziale und ökologische Aspekte – nämlich Materialeffizienz und -kosten, Wiederver­wertbarkeit, CO2-Fußabdruck, Kon­flikt­po­tenzial und Produktlebenszyklus. Die Informationen hierfür könnte sich die KI aus Datenbanken von Herstellern, Händlern, NGOs oder auch von der Weltgesundheitsorganisation ziehen.

»In einer vernetz­ten Welt reduziert KI systemische Komplexität: Die kreative Entscheidung verbleibt beim Designer« Karel Golta

Will man einen der genannten Aspekte optimieren, lässt sich mithilfe eines Toggles eine neue Simulation erstellen: Verschiebt man bei einem Entwurf für einen Stuhl den Schie­beregler etwa zugunsten der Mate­rial­effizienz, schlägt Solid Impact ein neues Design vor, in dem vier statt fünf Teile verbaut sind. Legt man mehr Wert auf Recyclingfähigkeit, zeigt es die Option ei­nes Stuhls aus nur einem Teil. Je nach Präferenz könnte man mit so einem KI-Sys­tem also nachhaltigere Produkte bauen – oder zumindest das Bewusstsein von Designern für die Auswirkungen ihrer Produkte auf Erde und Gesellschaft schärfen.


Hier geht’s zum PAGE-Webinar: »Die Zukunft von Design im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz«:

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Future of Work

Das Berufsinformationszentrum der Zukunft

Virtual Reality gibt uns die Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen, neue Perspektiven einzunehmen und Dinge und Orte zu erleben, die für uns im echten Leben unerreichbar sind. Diese Simulationsfähigkeit nutzt das Konzept »Future of Work« und kombiniert sie mit künstlicher Intelligenz, um Menschen in die Rolle verschiedener Berufe schlüpfen zu lassen.

»KI und Design werden große gesellschaft­li­che Herausforderun­gen – wie lebenslan­ges Lernen – gemeinsam lösen« Karel Golta

In einer Art Jobcenter der Zukunft tauchen Besucher mittels VR-Soft- und -Hard­ware in neue Berufswelten ein und können so ausprobieren, ob ein bestimmter Karrie­reweg etwas für sie wäre. Der KI kommt dabei die Aufgabe zu, die notwendigen Daten zu sammeln und zu analysieren, um aus ihnen eine realistische Simulation zu erstellen. Zudem untersucht sie die Nutzung der Anwendung, um sie stetig zu optimieren und Feedback an Mitglieder der Berufsgruppe zu geben. Wie das Ganze aussehen könnte, zeigt dieses Storyboard:


Alle weitere PAGE-Connect-Artikel zum Thema KI Design finden Sie hier.

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Und wenn Sie noch mehr über KI wissen wollen, melden Sie sich zu unserem Webinar »Die Zukunft von Design im Zeitalter von künstlicher Intelligenz« an!


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Künstliche Intelligenz: Artikel, Videos, Podcasts, Projekte und Tutorials für Designer

Künstliche Intelligenz geht uns alle an! Wir haben wichtige Quellen für Designer gesammelt.

Künstliche Intelligenz durchdringt bereits Alltagsanwendungen, spricht zu uns via Siri und Alexa und beeinflusst – mehr oder minder gravierend – wichtige Prozesse und Entscheidungen unseres Lebens. In welche Richtung sich KI entwickelt, liegt nicht nur in den Händen von IT-Experten, sondern betrifft maßgeblich auch Designer.

Sie sind gefragt, wenn die Technologie dem Wohl der Menschheit dienen soll. Daraus entstehen neue Anforderungen, Rollen und Methoden für Gestalter. PAGE Connect Creative Competence klärt mithilfe von Indeed auf über »Künstliche Intelligenz und die Zukunft von Design«.

Im Folgenden finden Sie eine kuratierte Liste an weiterführenden Informationen, Quellen und Tutorials:

 

KI und Design

 

Spannende KI-Projekte

 

Tutorials

 

Videos

 

Podcasts

 

Allgemeine Artikel

 

Forschungseinrichtungen und Verbände (Auswahl)

 

Anbieter (Auswahl)


Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Design für & mit KI bei Indeed« geht’s hier.

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Creative Producing in der Praxis

Autonomes Fahren hautnah: Für Volkswagen gestaltete Markenfilm SPACE eine Virtual-Reality-Testfahrt und kombinierte dabei Techniken wie 360-Grad-Film und volumetrisches Video.

Mit Virtual-Reality-Headset und Gestensteuerung die Zukunft erkunden: So lässt sich zum Beispiel ein Auto probefahren, das es noch gar nicht gibt

Wie fühlt es sich eigentlich an, in einem Auto zu sitzen, das selbst fährt? Wenn sich das Lenkrad wegklappt und selbst der Fah­rer zum Beifahrer wird? Wenn man selbst nichts tun kann, falls sich auf einmal ein Hindernis vor dem Wagen befindet? Und wie kann man eigentlich seine neu gewon­nene Zeit sinnvoll nutzen? Diese Er­fah­run­gen so real wie mög­lich erlebbar zu machen war die Zielsetzung, die Markenfilm vom Kunden Volkswagen bekommen hat. Statt sich auf die Aufgabe zu beschrän­ken, die Produktmerkmale des au­tonom fahrenden Konzeptfahrzeugs I.D. Crozz nur zu visualisieren, woll­te Mar­kenfilm SPACE ein immersives Erlebnis schaf­fen, das die Vision des Autokonzerns verdeutlicht und Spaß macht. Und das in gera­de mal fünf Minuten, denn die Experience war für die Internationale Au­to­mobil-Aus­stellung (IAA) in Frankfurt am Main im Sep­tember 2017 geplant – ein Kon­­text, in dem ein hoher Nutzerdurchsatz be­­sonders wichtig ist.

Volkswagen und Markenfilm arbeiten im Messebereich schon seit längerer Zeit zusammen, sei es für klassische Filmproduktionen oder für Exponate. Aus diesem Grund war das Vertrauen bereits groß, als die Unit SPACE ihr Konzept im Rahmen einer Volkswagen-Ausschreibung vorstell­te: Dabei handelte es sich um eine VR-Experience, bei der man nicht nur außen um das Fahrzeug herum­ge­hen, sondern auch eine virtuelle Probefahrt machen kann – inklusive virtueller Beifahrerin. »Vir­tual Re­a­­lity ist gerade ein gro­ßer Hype und wird in vielen Projekten eingesetzt, bei de­nen es gar keinen Sinn ergibt. Aber hier war die Wahl ge­nau richtig, weil sich mit der Tech­nologie wunderbar Dinge darstel­len lassen, die es in der Realität noch nicht gibt – wie Architektur oder eben Concept Cars«, sagt Christopher Schultz. Er ist Geschäftsleiter von Mar­ken­film SPACE und zuständiger Creative Producer für das Projekt.

Teamwork: Markenfilm-SPACE-Chef Christopher Schultz mit Software-Entwick­ler Sakarija Mazaoui und Assistant Producer Maik Rogowski

Autonome Spritztour mit Victoria

Ab Auftragsvergabe hatte das Team knapp zwölf Wochen für die Umsetzung. Die Details der Idee erarbeitete es zum Projektstart im Rahmen der Konzeptphase. Dabei war von Anfang an klar, dass es ein Erlebnis mit Wow-Effekt sein sollte. »Um eine wirklich immersive Experience zu schaffen, muss man auf den Bauch zielen. Eine rein rationale Darstellung von Produkt-Featu­res reicht nicht«, so Christopher Schultz. Und den Bauch spricht man am besten über Geschichten an – das Spezialgebiet des Mutterkonzerns Markenfilm, der traditionell aus dem Werbefilmgeschäft kommt. So er­gab sich schnell die Idee, dem Messebesucher für die Probefahrt eine Begleitung an die Seite zu setzen, die ihn durch das Erlebnis führt und der Situation einen per­sön­lichen und emotionalen Touch gibt. Sie sollte dem »Fahrer« vermitteln, wie sicher autonomes Fahren ist und wie sich die dadurch gewonnene Zeit nutzen lässt – etwa indem man durch Playlists scrollt oder ein­fach entspannt aus dem Fenster schaut.

In der Konzeptphase entstanden Skizzen und Storyboards für die Experience auf der Messe sowie für den Film

Wie das Ganze aussehen und sich anfühlen sollte und welche Bestandteile unbedingt integriert werden mussten, hielt das Konzeptteam auf Post-its fest und ent­wickelte daraus das Szenario einer Spritztour mit »Victoria«, einer – unabhängig von Alter oder Geschlecht des Nutzers – sympathischen weiblichen Begleitung. Dazu passend entwickelte das Team einen Plot, der die von Volkswagen vorgegebenen Fea­tures in­telligent in die Story einwob. Dabei war die knappe Zeitspanne eine besondere Herausforderung: Pro Besu­cher waren fünf Minuten ein­ge­plant, die reine VR-Experience durf­te nicht länger als drei Minuten dauern. Das Team feil­te immer weiter am Hand­lungs­strang, straffte und optimierte ihn, bis ein kom­pri­mier­ter und in sich schlüssiger Ablauf entstand.

Die besten Controller der Welt

Außerdem definierte das Konzeptteam die tech­nischen Grundlagen für das Fahrerleb­nis, das sich für die User so real und in­tui­tiv wie möglich anfühlen sollte. Man entschied sich gegen die gängige VR-Steuerung durch Controller oder Blickrichtung. »Viele Erstnutzer sind mit diesen Kon­troll­möglichkeiten überfordert«, erklärt Chris­­topher Schultz. »Wir entschieden uns daher für die besten Controller der Welt: unsere Hände!« In der späteren Anwendung sieht der User »seine« Hände als Silhouette und kann damit die Features des Au­tos steuern – dank des auf der VR-Brille befes­tigten Bewegungssensors Leap Motion, der die Handbewegung des Nutzers trackt.

So realistisch wie möglich sollte auch die weibliche Begleitung aussehen. Ein CGI-Avatar kam für Markenfilm nicht infrage, da diese ohne Hollywood-Budget schnell hölzern und leblos aussehen. Es sollte also eine reale Person in cineastischer Qualität eingebunden werden – wie das gelingen könnte, wusste das Team in der Konzeptphase noch nicht, fand aber nach einiger Recherche die perfekte Lösung in Form von 3D Capture; dazu später mehr. Verstärkt werden sollte die Immersion zu­dem durch die Verbindung von virtuel­ler und realer Welt: Zur Probefahrt nimmt der User auf einem stilisierten Fahrzeug­sitz Platz und hat ein maßstabsgetreues Modell der Autoarmatur vor sich.

»Bei diesem Konzept hatte ich ein gutes Gefühl, dass es die User zum Lächeln bringen würde« Christopher Schultz

Christopher Schultz spielte in dieser frühen Projektphase als Creative Producer eine zentrale Rolle. Durch seinen fachli­chen Hintergrund als Medieninformatiker und seine Erfahrungen in der Gestaltung von interaktiven Erlebnissen konnte er verläss­lich einschät­zen, welche Ideen technisch umsetzbar waren und auch szenisch Sinn er­gaben. »Als Creative Producer ist man im Grun­de ein Hybrid: Man versteht Design, Technologie und Dramaturgie und verbin­det die Disziplinen so miteinander, dass das Produkt am Ende Spaß macht«, beschreibt Schultz seine Rolle. Die beste Bestätigung für eine gelungene Experience sei für ihn das Lächeln der Nutzer. »Bei diesem Konzept hatte ich ein gutes Gefühl, dass es die User zum Lächeln bringen würde.«

Eine glaubwürdige Story

Als Nächstes ging es darum, das Konzept zu konkretisieren und die User Experience zu definieren. »Storyboards und User Inter­faces für VR zu gestalten ist ein neues und herausforderndes Tätigkeitsfeld für Designer«, so Christopher Schultz. »Das hatten wir bereits in kleineren Projekten umgesetzt und kannten uns entsprechend mit der Technologie sowie mit Gefahren wie Motion Sickness aus. In dieser Größen­ord­nung war es aber auch für uns neu.«

Nun übertrugen Storyboard Artists die Samm­lung an Post-its in ein klas­si­sches Sze­nenbuch, wie man es auch beim Film verwendet. In Scrib­bles hielten sie die Kameraperspektiven fest und machten sich Gedanken zur Umgebung sowie zum Start- und Endpunkt der Experience. In dieser Phase fiel die Entscheidung für Barcelona als Ort für die Probefahrt. Mit Strandpromenaden, engen Gassen und dem gu­ten Licht eignet sich die Stadt perfekt als typisch eu­ropäische Kulisse für Volkswagens Vision vom autonomen Fahren.

Zum Storyboard gehörte auch der Dialog mit der Beifahrerin. Eine Herausforde­rung bestand darin, die Features des Konzeptfahrzeugs so ins Gespräch einzuflech­ten, dass es sich nicht wie eine Produktdemo anfühlte, und diverse Szenarien zu an­tizi­pie­ren und Alternativen dafür zu schreiben. Ein Beispiel: Ist der User zu Beginn der Experience zu zurückhaltend, bittet Victo­ria ihn, das Auto zu starten. Nach mehrmali­gem Auffordern startet sie es dann selbst. Auf diese Weise landet das System nicht in einem Endlos-Loop oder hängt sich auf. Dabei arbei­teten die Scriptwriter mit Modulnummern und Szenen-IDs, die später beim Shooting sowie bei der Entwicklung die eindeutige Identifikation der verschiedenen Szenarien ermöglichten.

Rapid Prototyping für schwebende Interfaces

Als Volkswagen das Storyboard final abge­segnet hatte, starteten die Teams mit der visuellen Umsetzung und den Shootings. Die User-Experience- und Interface De­si­g­­ner tüftelten daran, die Features des Fahr­zeugs zu visualisieren und in den Ablauf der Probefahrt einzufügen. Sie entschieden sich dagegen, das User Interface des Konzeptfahrzeugs ori­ginalgetreu nachzu­bilden, da die Bedien­elemente des Cockpits für die Steuerung durch die virtuellen Hände zu kleinteilig gewesen wären. Statt­dessen öffnet sich nach Antippen eines But­tons ein virtuel­les Interface, das sich à la »Minority Report« im Raum entfaltet und dann bedient werden kann.

»Es war sehr hilfreich, die Assets schnell in Unity einzubinden, um in der 3D-Umgebung zu testen, was funktioniert und was sich gut und intuitiv anfühlt« Christopher Schultz

Die Designer gestalteten zunächst verschiedene Interfaces in der Designsoftware Sketch. Allerdings zeigte sich recht schnell, dass Rapid Prototyping in dieser Projektphase besonders wichtig ist, um Konzep­te gleich ausprobieren zu können. »Es war sehr hilfreich, die Assets schnell in Unity einzubinden, um in der 3D-Umgebung zu testen, was funktioniert und was sich gut und intuitiv anfühlt«, erinnert sich Chris­topher Schultz. Zum Beispiel testete das Team verschiedene Steu­e­rungs­mo­du­le für die Farbe des Lichts oder wie es sich an­füh­lt, wenn man durch Buttons hindurchgreifen kann, da sie im freien Raum schweben. Markenfilm SPACE arbei­tete dabei in enger Abspra­che mit dem Designteam von Volks­wagen, da­mit die 3D-Umgebung dem Konzept der Designer so nah wie möglich kam. Die 3D-Aufbereitung des Fahrzeugs übernahmen hauseigene CGI-Experten von Infec­ted, die im selben Gebäude sitzen wie die Unit SPACE. Als Crea­tive Produ­cer schaute Chris­topher Schultz allen Mitarbeitern über die Schulter, koor­dinierte die Zu­sam­menarbeit mit Volkswa­gen und sorgte dafür, dass die diversen Ein­zelteile am Ende gut zusammenpassten.

Dreh in Barcelona und 3D Capture in L.A.

Barcelona in 3D nachzubauen wäre ziemlich aufwendig. Stattdessen entschied sich Markenfilm für das Abfilmen der Test­stre­cke. Für diesen Part übernahmen ein Producer und ein Regisseur das Zepter. Darüber hinaus küm­merte sich ein eingespiel­tes Organisationsteam um die Locations, die Rou­ten­planung und um sonstige Organisationsfragen. Um die virtuelle Probe­fahrt mit einem Rundumblick zu versehen, mussten die Aufnahmen in 360 Grad erfol­gen. Dazu setzte das Team ein nie­d­rig ge­lagertes Spielfahrzeug ein, auf das es ein Rig mit mehreren Kameras montierte. Die Strecke fuhr es dann mehrmals ab, da man den Verkehr in einer Stadt wie Barcelona nicht vorhersehen geschweige denn be­ein­flussen kann. Der finale Cut des Materials erfolgte später in der Postproduktion.

»Storyboards und User Interfaces für VR zu gestalten ist ein neues und herausforderndes Tätigkeitsfeld für Designer« Christopher Schultz

Während ein 360-Grad-Shoot für Markenfilm SPACE quasi zum Tagesgeschäft gehört, musste sich das Team für die Integration einer real gefilmten Person in die virtuelle 3D-Umgebung etwas Besonde­res einfallen lassen. Bei ihrer Recherche stießen die Kreativen auf die Technik 3D Capture. Bei ihr erfassen mehrere Kameras einen Menschen und dessen Bewegungen von sämtlichen Seiten, damit aus dem Material ein realitätsnaher 3D-Avatar entstehen kann. Es braucht hierfür weder einen Spezialanzug noch Verkabelung, wie man es aus dem Motion Capture kennt, noch ein 3D-Modell, auf das man die Bewegungen dann überträgt. Das Ergebnis nennt sich volumetrisches Video. Dabei fallen extrem viele Daten an, für deren Bearbeitung eine enorm hohe Rendering-Power erforderlich ist. Entsprechend gibt es bislang nur wenige Studios, die dies umsetzen können. Zum Projektzeitpunkt boten nur Microsoft, Facebook und das Studio 8i in Los An­geles diese Technik an, im Februar 2018 kam das Heinrich-Hertz-Institut am Fraun­hofer-Institut für Nachrichtentechnik in Berlin dazu – nicht rechtzeitig für das Projekt. Das SPACE-Team entschied sich daher für 8i und reiste nach Kalifornien.

Eine zusätzliche große Herausforderung bei der Technik des 3D Capture liegt neben der Datenverarbeitung im Shooting selbst. Das Studio ist komplett grün und größten­teils leer, da die aufzunehmende Person ja von allen Seiten gefilmt werden muss. Die Schauspielerin, die Victoria mimte, hatte zur Orientierung lediglich eine Sitz­kon­­struk­tion und ein Geflecht aus zarten Bind­fäden, das die Dimensionen des Cockpits grob kennzeich­nete. Sämtliche Bewegun­gen muss­ten im Radius von einem Meter stattfinden, weil die Kameras mehr nicht abdeckten. »Besonders das Einsteigen ins Auto mussten wir lange üben. Das ist eine ziemlich komplexe Bewegung!«, erläutert Christopher Schultz.

Ein 3D-Capture-Prozess verläuft ohne Schnitt, der szenische Ablauf musste also zumindest ein­mal komplett perfekt durch­gespielt wer­den. Bewegungen und Dialog mussten sekundengenau stimmen, da­mit spä­ter bei der Zusammenführung in der VR-Experience alles passte. Durch die enor­me Daten­men­­­ge war die reine Filmzeit auf 21 Minuten beschränkt, danach waren die Server voll. »Während des Capture-Pro­zes­ses sieht man, wie die Server mit Daten volllaufen. Das macht einen ganz schön nervös«, berichtet Christopher Schultz. »Kurz vor Ende hatten wir aber einen extrem guten Lauf, und die Szene war im Kas­ten.« Von den 21 Minuten hatte das Team zu dem Punkt knapp über 19 verbraucht. Mit den von 8i aufbereiteten Da­ten im Gepäck flog das Team zurück nach Hamburg.

Integration in eine nahtlose VR-Experience

Nun lagen alle Bestandtei­le vor: 360-Grad-Film, 3D-Fahr­zeug, volu­metri­sches Video, Sound­files und User-Interface-Elemente. Die Developer machten sich da­ran, alles in der Entwicklungsumgebung der Game-En­gine Unity zusammenzufügen und daraus eine nahtlose VR-Anwendung zu generieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie noch vier Wochen, um die Experience zu bauen, zu tes­ten und auszurollen. Die IAA wartet schließlich nicht.

»Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Bestandteile, die alle ihren eigenen Look hatten, zu einem stim­mi­gen Ganzen zusammenzufügen«, sagt Chris­to­pher Schultz. Hinzu kamen tech­ni­sche Li­mitierungen, beispielsweise die Ren­der-Performance. VR-Anwendungen brauchen ei­ne Bildrate von 90 Einzelbildern pro Se­kun­de, um flüssige Bewegungen zu erzeugen und Motion Sickness zu vermeiden. Zugleich musste die visuelle Qualität den Standards von Volkswagen gerecht werden. »Wir hatten die stärksten Rechner und die besten Grafikkarten, die der Markt bot, und haben das Maximum aus ihnen her­aus­ge­holt«, so Schultz. »Das ist es, was uns antreibt: das Bestmögliche aus der Technik herauszuholen, um ein wirklich beein­dru­ckendes Erlebnis zu schaffen.«

»Eine besondere Herausforderung bestand bei diesem Projekt darin, die Bestandteile, die alle ihren eigenen Look hatten, zu einem stimmi­gen Ganzen zusammenzufügen« Christopher Schultz

Im Laufe der Entwicklung testete das Team immer wieder die Funktions­fähig­keit des Prototyps – auch mit »Son­derfäl­len«: Erfasst der Leap-Sensor auch Kinder­hände? Wie groß müssen die Tole­ranz­zo­nen für Buttons sein? Was passiert, wenn der User nach Victoria greift? Alle Eventualitäten wurden durchdacht und in Logi­ken festgehalten: Wenn A passiert, dann folgt B – oder B1 oder B2 et cetera. »Das Ablaufmodell war am Ende ganz schön kompliziert«, so Schultz.

Das magische Dreieck aus Raum, Content und Technologie

Damit startete das Team in die finale Projektphase, den Roll-out. Während die Ent­wickler die Software optimierten, entstand beim Messebauer die Autositzverschalung, und Chris­topher Schultz führte Vor­ge­sprä­che mit den Hardware-, Sound- und Lichttechnikern der Messe und der Agentur, die die Hostessen stellte. Denn das Personal vor Ort musste gut über die Anwendung und das Produkt Bescheid wissen, um die Besucher aufzuklären, anzulei­ten oder etwaige Be­rüh­rungs­ängste gegenüber der Technik zu mindern.

Den Ablauf auf dem Messestand hatte das Konzeptteam bereits am Anfang de­fi­niert: Eine Hostess führt den User außen herum, eine weitere Hostess achtet auf den User »im« Fahrzeug, sodass stets jemand einschreiten kann, falls etwas schieflaufen sollte. Bereits zum Projektstart war zudem die Entscheidung gefallen, dass lediglich der »Fahrer« einen Kopfhörer bekommt. Sound – vor allem in 3D – ist zwar besonders wichtig für ein immersives Erlebnis, kann aber nur sicher eingesetzt werden, wenn der User sich nicht frei im Raum bewegt, noch dazu auf einem engen Messestand. Eine Abschottung von der Realität durch VR-Brille und Kopfhörer würde die Nutzer zu sehr verunsichern.

Für den Aufbau blieben dem Team fünf Tage Zeit. »Messe ist ein knackiges Business«, sagt Christopher Schultz. »Die Timings sind knapp, und oft herrscht am Anfang ›Chaos‹: In einer Ecke wird gefräst, in einer anderen macht jemand Sound­check, LED-Wände flackern, Kabel wer­den ver­legt – und man selbst steht mittendrin und arbeitet gegen die Uhr. Aber nach der dritten Messe weiß man: Das wird schon.« Das bedeutet natürlich auch: Mit Acht­stun­den­tagen kommt man in dieser Phase nicht aus. Als Creative Producer jong­liert man sämtliche Bestandteile und setzt sie wie ein Puzzle zusammen. »Letztlich ist es mein Job, in dem magischen Dreieck aus Raum, Content und Technologie ein aus­gewo­­ge­nes Verhältnis und so ein Pro­jekt zu schaffen, das vor Ort und im ­je­weili­gen Kon­text funktioniert«, sagt Schultz. Beim Virtual-Reality-Projekt für Volkswagen lief ­alles ziemlich glatt. Lediglich beim Licht muss­te einmal nachgebessert werden, weil die star­ken Messescheinwerfer das Tracking­sys­tem der VR-Brillen störten. Am Ende ge­nügte es aber, die Scheinwerfer minimal an­ders auszurichten.

Sowohl Volkswagen als auch die Mes­se­besucher waren begeistert von der An­wen­dung. »Wenn sich eine Schlange bildet und die Leute freiwillig 30 Minuten warten, ist das eine tolle Bestätigung«, freut sich Schultz. Das Projekt war sogar so erfolgreich, dass Volkswagen es auf allen internationalen Haupt­messen einsetzte und danach eine halbjährige Roadshow damit machte. Der Aufwand hat sich also gelohnt. Zwischenzeitlich umfasste das Team von Christopher Schultz 20 bis 30 Personen, wobei jedes Modul von einem Hauptverantwortlichen geleitet wurde – sei es Film­dreh, 3D Art oder Soundtechnik.

»Ein gutes Projektmanagement und gu­te Technikberater sind bei einem solchen Projekt zwingend notwendig. Sie sorgen dafür, dass Probleme früh erkannt und ver­mieden oder schnell behoben werden kön­nen – und dass das Projekt im vorgege­be­nen Zeitrahmen realisierbar ist«, resümiert Christopher Schultz. Für den Creative Pro­ducer bestand die größte Besonderheit bei diesem Projekt in der Zusammenführung der teils sehr verschiedenen Contents zu einem homogenen Erlebnis. Mit auf Road­show ist Schultz selbst nicht mehr gegangen – da steckte er schon in der nächsten Produktion.


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Creative Coffee bei Kochan & Partner

Studierende der Münster School of Design besuchten im Rahmen der PAGE-Initiative Connect Creative Competence die Münchner Designagentur Kochan & Partner.

 

Was macht eigentlich ein Design Director? Studierende der Münster School of Design bekamen im Rahmen von PAGE Connect die Möglichkeit, den Berufsalltag bei der Marken- und Designagentur Kochan & Partner in München anzuschauen.

Dort trafen sie unter anderem auf Martin Summ, den Geschäftsführenden Chief Creative Officer, und die Design Directors Katharina Seidl und Claudia Bannwarth.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema Design Director bei Kochan & Partner finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Design Director bei Kochan & Partner« geht’s hier.

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UX und Interfacedesign – Studium und Ausbildung

3 Fragen an Constanze Langer, Professorin für Interfacedesign an der Fachhochschule Potsdam …

 

Im Video erklärt Constanze Langer, Professorin für Interfacedesign im Fachbereich Design an der FH Potsdam, warum das Studienfach ein aussichtsreiches Zukunftsfeld ist.

3 falsche Annahmen über Interfacedesign

1. Dass man die ganze Zeit am Rechner sitzt und programmiert.
2. Dass man ausschließlich Apps programmiert.
3. Dass die Apps die ganze Zeit blinken, Strom verbrauchen und nur für kleine Teile der Gesellschaft wichtig sind.

Was ist gutes Interfacedesign?

Für mich geht es beim Interfacedesign darum, Handlungsfelder sichtbar zu machen, die die digitalen Lebenswelten von Menschen betreffen. Darauf basierend gilt es dann, Produkte, Services und Anwendungen zu entwickeln, die den gesellschaftlichen Diskurs antreiben. Gutes Interfacedesign bedeutet einerseits, mit Schriften, Zeichen, Formen, Farben und Bewegungsabläufen sowohl effiziente als auch anmutige Oberflächen zu entwerfen. Aber es geht nicht um die Darstellung auf einem Screen. Denn andererseits bedeutet gutes Interfacedesign, auch in Strukturen und Systeme einzugreifen, um Menschen ein positives Erlebnis bei der Nutzung digitaler Technologien zu ermöglichen.

Anforderungen, die Studierende erfüllen sollten

Studierende sollten Interesse für Menschen und deren Umgang mit Technik und Technologien mitbringen. Außerdem sollten sie als Gestalterinnen und Gestalter eine hohe Experimentierfreude aufweisen – sowohl eine technische, als auch eine ästhetische und prozessuale.

An der FH Potsdam sind wir sehr aktiv in nationalen und internationalen Forschungsprojekten. In den Entwicklungsprojekten im Lehrkontext als auch in den beiden Forschungslabs (Interfacedesign Lab und Urban Complexity Lab) kooperieren wir eng mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung, und dass sehr eng mit unseren Studierenden zusammen. Da Interfacedesign über die Disziplin hinaus eine sehr hohe Relevanz hat, sind unsere Studierenden sehr gut gewappnet für die Zukunft.


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Creative Coffee bei Aperto

Im Rahmen unserer Initiative Connect Creative Competence empfing Aperto in Berlin eine Gruppe interessierter Designstudierenden der FH Potsdam …

 

Die Digitalagentur Aperto – An IBM Company empfang die Studierenden aus dem Studiengang Interfacedesign an der FH Potsdam in ihren Berliner Agenturräumen.

Dort lernten sie bei einem Rundgang sowie bei einem gemeinsamen Workshop die Agentur, deren Arbeitsweise und das Berufsfeld UX Design näher kennen.

Das Event-Format Creative Coffee ist fester Bestandteil der PAGE-Initiative Connect Creative Competence, die Design-, Kommunikations- und Digital­agen­­­tu­ren sowie Hochschulen, Unternehmen und Young Talents dabei unterstützt, sich (neu) zu orientieren und umfassend zu qualifizieren.


Alle weiteren PAGE-Connect Artikel zum Thema UX Design bei Aperto finden Sie hier.

Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein UX Designer bei Aperto – An IBM Company« geht’s hier.

UXDesignCCCAP17

Berufsbild Kommunikationsdesigner

Kommunikationsdesign ist so viel mehr als Oberflächengestaltung! Wie der Arbeitsalltag von Kommunikationsdesignern aussieht und welche Projekte sie stemmen …

Kommunikationsdesigner entwickeln Markenstrategien und geben ihnen eine visuelle Form – sei es, um bestehende Brands zu modernisieren oder komplett neue Marken aus der Taufe zu heben.

Welche Methoden sie dafür nutzen, in welche Medienkanäle sie ihre Ergebnisse übersetzen und wie ihr Arbeitsprozess aussieht, zeigen wir Ihnen im Rahmen unserer Initiative Connect Creative Competence am Beispiel der Münchner Designagentur hw.design.

In dem eDossier »Das macht ein Kommunikationsdesigner bei hw.design« finden Sie folgende Inhalte:

  • Was ist Kommunikationsdesign?: Ein Einleitungsartikel zum Themenfeld
  • Kommunikationsdesign in der Praxis: Making-of eines spannenden Cases von hw.design
  • Interview mit den beiden Kommunikationdesignerinnen Carmen Vierbacher und Veronika Kinczli
  • Glossar mit den wichtigsten Begriffen rund um Kommunikationsdesign
Button, call to action, onlineshop, PAGE

 

Kommunikationsdesign in der Praxis

Für den schwedischen Matratzenhersteller Hilding Anders entwickelte hw.design eine neue Marke, die Tradition und Moderne strategisch und visuell verbindet.

Gutes Team: Senior Design Director Alexander Renner (links) und Design Director Kevin Thoma bilden ein schlagkräftiges Kreativgespann.

Matratzen waren lange ein notwendiges, aber selten thematisiertes Produkt. Doch seit einiger Zeit boomt der Markt – vor allem im Netz, wo sich gleich mehrere Start-ups tummeln und eine hippe Konkurrenz zu Ikea, Matratzen Concord und Co bilden. Die einst schnöde Schlafunterlage ist zum Lifestyle-Produkt geworden. Klar, dass ein Traditionsunternehmen wie der schwedische Konzern Hilding Anders hier mitspielen möchte. Mit mehr als achtzig Jahren Erfahrung in der Matratzenherstellung und über fünfzig Marken im Portfolio fehlte dem Unternehmen aber noch etwas: eine junge Onlinemarke, die es mit Casper, Eve und Muun aufnehmen kann.

Und so machte sich der Konzern – beziehungsweise die Springs & Foam GmbH in München, eine Ausgründung der schwedi schen Mutter – auf die Suche nach einer Agentur, die sowohl die strategische Positionierung der neuen Marke als auch deren Übersetzung in eine Brand Identity leisten konnte. Fündig wurde der Auftraggeber bei hw.design in München, für die er sich nach einem Agentur-Screening ohne Pitch entschied. Hier freute man sich sehr über die Möglichkeit, bei null anzufangen und eine neue Marke aus der Taufe zu heben.

Die Basisarbeit

Im März 2017 machte sich das Team bei hw.design an die Arbeit – bestehend aus Strategin Michaela Jausen, Senior Design Director Alexander Renner, Design Director Kevin Thoma, Projektmanagerin Daniela Esch, Account Manager Digital Carina Bullinger und Geschäftsführer Benjamin Klöck. Die besondere Herausforderung bei der Aufgabe: Eine Differenzierung über das Produkt war kaum möglich. Ob Federkern, Komfort- oder Memoryschaum – wirklich neu erfinden lässt sich die Matratze nicht mehr. Und beim Onlinekauf kann man sie nicht einmal vorab testen. Die Differenzierung musste also über die Marke und über ein passendes Identifikationsangebot an die Zielgruppen gelingen.

»Uns war am Anfang gar nicht klar, wie umkämpft der Markt ist und wie viele Player es darin gibt« Alexander Renner

Die Agentur startete mit einer ausführlichen Analyse des Wettbewerbs und Markt umfelds sowie der Zielgruppen und ihrer Bedürfnisse. Dabei konzentrierte sich das Team auf den europäischen Markt mit dem Schwerpunkt Deutschland, wo die Marke zuerst gelauncht werden sollte. Insgesamt machte es rund zwanzig Mitbewerber im Matratzenmarkt ausfindig. »Uns war am Anfang gar nicht klar, wie umkämpft der Markt ist und wie viele Player es darin gibt«, erinnert sich Alexander Renner.

Um zu wissen, wohin die Reise gehen sollte, musste das Team zunächst den strategischen Ausgangspunkt für die künftige Marke definieren. Für diese Standortbestimmung zogen die Kommunikationsexperten ein qualitatives Positionierungsmodell heran, das sich in ein Kultur- und ein Werteschema gliedert. In ihm lassen sich sowohl das Konkurrenzumfeld mitsamt den Zielgruppen und deren Werthaltungen als auch Szenarien möglicher Zielpositionierungen verorten und in Beziehung zueinander setzen.

Codename Bubu

Beim Kick-off-Meeting mit den Managing Partners von Springs & Foam erklärte das Team die Arbeit mit dem Positionierungsmodell und stellte die Ergebnisse aus der Wettbewerbs- und Zielgruppenanalyse vor. Auf dieser Grundlage hatte es im Vorfeld bereits mögliche Positionierungsszenarien entworfen und diese mit ersten Moodboards und je einem Positioning Statement angereichert. Die Kreativen schlugen vor, die neue Marke – damals noch unter dem Arbeitstitel »Bubu« – entweder eher konservativ (Motto: »The Inventors of Gemütlichkeit«) oder eher progressiv (»Established 1939 – Reinvented for a new generation«) zu verorten.

»The Inventors of Gemütlichkeit« versus »Established 1939 – Reinvented for a new generation«

Gemeinsam mit dem Kunden diskutierten Strategin, Kommunikationsdesigner und Projektmanagerin die Möglichkeiten und zogen sich dann zurück, um die Erkenntnisse zu verdichten. Hier zeichnete sich bereits eine integrative Positionierung ab, die relativ breit angelegt war, um eine möglichst breite Zielgruppe abzudecken und den vielfältigen Anspruchsgruppen gerecht werden zu können. Angestrebt war eine eher konservativ geprägte Ausrichtung – aber mit einer progressiven Orientierung, um die beiden Kernaspekte Tradition und Modernität, die sich im Entwicklungsprozess abgezeichnet hatten, optimal in Einklang zu bringen.

Tradition und Moderne

Im dann folgenden Schritt bat hw.design den Kunden zu einem Markenworkshop, in dem es darum ging, die finale Positionierung zu verabschieden und darauf basierend eine Markenpersönlichkeit zu ent wickeln. Hierzu wandte die Agentur unterschiedliche Kreativtechniken an, um die Kernwerte der Marke zu definieren – darunter eine visuelle Methode, die über verschiedene Bildmotive die Kreativität und Assoziationsfähigkeit der Teilnehmer erhöht. Dabei wählten diese Bilder aus, die ihrer Ansicht nach am besten zur zukünftigen Marke passten, und verknüpften sie mit Eigenschaften, die sie auszeichnen be ziehungsweise vermeiden sollte.

Auf diese Weise entstand sukzessive ein Profil aus Stärken und Schwächen, das sich in konkrete Kernwerte übersetzen ließ. Weitere Aussagen und Erklärungen zur Motivauswahl nahm das Agenturteam für die spätere Verdichtung und Konkretisierung mit auf. Zudem nahmen Gestalter und Auftraggeber an diesem Tag die Zielgruppen in den Blick, inklusive ihrer Haltungen und Bedürfnisse. Für die neue Marke peilte der Auftraggeber die Millennials an, die wenig Zeit und Lust haben, sich im unübersichtlichen Matratzenmarkt zu orientieren, aber gleichzeitig hohe Ansprüche an Qualität und Service stellen.

Am Ende des Workshops stand das sogenannte Positioning Statement, das in einem Satz formuliert, was die zukünftige Marke ausmacht und differenziert: »Wir wissen, wie besser schlafen geht«. Die neue Marke sollte Tradition und Moderne verbinden und schwedische Natürlichkeit sowie eine Leidenschaft für Innovation vermitteln. Als Kernwerte kristallisierte das Team Souveränität, Glaubwürdigkeit und Unbeschwertheit heraus.

Diese führte es im Nachgang des Workshops weiter aus und ergänzte sie um griffige Markenattribute. So entstand ein einprägsames Markenmodell, das die Markenpersönlichkeit mit dem Kern »Verbindung von Tradition und Moderne« in der Mitte abbildet, umgeben von den drei wichtigsten Werten, die wiederum durch die Markenattribute spezifiziert werden. »Diese Spezifikation ist wichtig, damit alle Beteiligten wissen, was wir eigentlich meinen, wenn wir etwa von Souveränität sprechen«, erklärt Alexander Renner.

»Wir wissen, wie besser schlafen geht« Hilding Sweden

Bei hw.design geht man davon aus, dass sich Marken wie Individualpersönlichkeiten verhalten und durch relativ dauerhaf-
te Eigenschaften und Merkmale gekennzeichnet sind. Basierend auf einem psychologischen Persönlichkeitsmodell nutzt das Team eine Methode für die Verdichtung der  Kernwerte, die es ermöglicht, die Persönlichkeit der Marke gemeinsam mit dem Kunden zu evaluieren und festzuhalten.

So ordneten die Kommunikationsdesigner dem Wert Souveränität beispielsweise die Eigenschaften sympathisch, authentisch und engagiert zu. Diese führten sie in einer verbal-deskriptiven Erklärung weiter aus und ergänzten sie mit einem visuell-ästhetischen Moodboard, das bereits einen guten Ausblick auf die künftige Marke gab. Laut Renner der Idealfall: »Wir gingen hier von Anfang an in die richtige Richtung und hatten schnell ein Gefühl dafür, wie die Marke später aussehen und sich anfühlen sollte.« Auch die Zielgruppe definierten die Designer in diesem Zuge weiter.


Das Kommunikationsleitbild:
Was die Marke zu erzählen hat

In einem Kommunikationsworkshop erarbeitete hw.design die Leitplanken für die Markenkommunikation, bestehend aus Zielgruppen, Kommunikationszielen und -themen sowie Tonalität.

1. Die Zielgruppe von Hilding Sweden ist breit angelegt: Sie umfasst alle Lebensphasen, Altersgruppen und Geschlechter. Wichtig ist, dass die Konsumenten online-affin sind und Wert auf Komfort legen.

2. Zu den übergreifenden Kommunikationszielen von Hilding Sweden zählt unter anderem Konsistenz, um einen dauerhaften und langlebigen Markenauftritt zu gewährleisten, ebenso wie Relevanz und – natürlich – Absatz.

3. Um diese Kommunikationsziele zu erreichen, beschäftigte sich das Team mit den Bedürfnissen der Zielgruppe, wie Komfort, Design und Nachhaltigkeit, die sich aus internationalen Studien ergaben.

4. Um diese Zielgruppenbedürfnisse zu adressieren, definierten die Kommunikationsexperten die wichtigsten Themencluster, wie Transparenz, Innovation und Herkunft, und führten diese mit konkreten Botschaften aus – für Innovation etwa: »Unsere Matratzen haben eine Sommer- und eine Winterseite«, was auf das Bedürfnis nach Komfort eingeht.

5. Aber nicht nur das Was der Kommunikation musste hw.design genau bestimmen, sondern auch das Wie. Ist Hilding witzig oder ernst, mit dem Kunden per Du oder doch eher per Sie? Das Team entschied sich – abgeleitet aus den Kernwerten der Marke – fürs Du sowie für eine einfache, humorvolle und menschliche Ansprache.

Mit einem Klick auf die Bilder können Sie das Kommunikationskonzept vergrößern


In dieser Positionierungsphase ergab sich auch der endgültige Markenname: »Hilding Sweden« steht für die Tradition der Muttermarke, weckt Assoziationen an die skandinavische Herkunft und richtet sich an eine breite Zielgruppe. Was die Marke von sich erzählen sollte, erarbeitete hw.design gemeinsam mit dem Kunden in einem zweiten Kommunikationsworkshop. Hier definierte die Agentur die Leitplanken für die Markenkommunikation, bestehend aus Zielen, Themen, Botschaften und Tonalität.

Damit schuf das Team die Basis für die spätere Kommunikations- und Vermarktungsstrategie. Da Strategie und Design bei hw.design Hand in Hand gehen, waren die Kommunikationsdesigner Alexander Renner und Kevin Thoma bei der Strategieentwicklung fest miteingebunden. Das ist nach dem Selbstverständnis der Agentur die beste Voraussetzung für den nächsten Schritt: die Übersetzung der Markenidentität in ein visuelles Erscheinungsbild.

Mit dem Kunden im Bett

Dank der ausführlichen Vorarbeit starteten die Designer sehr fokussiert in die Gestaltung. »Wir wussten: Das Brand Design muss einen Bezug zu Schweden haben, das Hygge-Gefühl transportieren und nahbar sein«, so Kevin Thoma. Auf dieser Grundlage erarbeiteten er und Alexander Renner in drei Wochen mehrere visuelle Leitideen, die eine gestalterische Spanne zwischen Tradition und Innovation eröffneten. Einen Favoriten hatten die beiden nicht, aber für sie war klar, dass die Entscheidung zugunsten eines der Ränder dieser Spanne fallen sollte: »Wenn man in einem umkämpften Markt eine neue Marke etablieren möchte, muss man sich abheben von den Wettbewerbern. Das gelingt am besten mit einer Entscheidung für Schwarz oder Weiß und nicht für die Graustufen dazwischen«, erklärt Alexander Renner.

»Wir wussten: Das Brand Design muss einen Bezug zu Schweden haben, das Hygge-Gefühl transportieren und nahbar sein« Kevin Thoma

Die traditionelle Variante basierte auf schwedischen Mustern und war vom Midsommar-Fest inspiriert, auf der anderen Seite des Pols stand ein eher technisch-kühler Entwurf, angelehnt an Polarlichter. Dazwischen gab es weitere Ideen, die mal mit der schwedischen Flagge, mal mit dem Themengebiet Natur spielten. Der Kunde entschied sich relativ schnell für die traditionelle Variante mit eindeutigem Schwedenbezug und viel Gemütlichkeit.

Der Kontakt zwischen den Gestaltern und dem Auftraggeber war auch in dieser Phase sehr eng. Da beide Unternehmen in München ansässig sind, trafen sich die Beteiligten mal im hellen Innenhof bei hw.design in der Maxvorstadt, mal in den neuen Räumen bei Springs & Foam. Auch um Probe zu liegen. Denn parallel zur Markengestaltung lief die Prototypentwicklung für die Produkte. »Das war mal ein etwas anderes Kundenmeeting«, sagt Renner. Die Designer konnten hier Input zu Materialien und Gestaltung geben.

Natürlich schwedisch

Die Leitidee, die die Designer dem Auftraggeber präsentiert hatten, war bereits relativ konkret. »In dieser Phase stehen zumeist 25 bis 30 Prozent des Designs fest. Sobald der Kunde sich für einen Weg entschieden hat, gehen wir ins Feintuning und schauen uns die einzelnen Komponenten noch einmal genauer an. Passen die Farben zum Konzept? Welche Schrift ist die richtige? Und so weiter«, erläutert Kevin Thoma das Vorgehen.

Die Wortmarke spielt mit dem schwedischen Umlaut å, der auf die i im Namen angewandt wird, darunter steht der Zusatz »Sweden«. Für die finale Version war mikrotypografische Feinarbeit gefragt, etwa die Vereinheitlichung der Auf- und Abstriche. In der Fontauswahl spiegelt sich die Spannung zwischen Tradition und Moderne durch die Kombination zweier sehr unterschiedlicher Schriften: der Bodoni 72, einer klassizistischen Antiqua, und der FF Mark, einer klaren Groteskschrift. Als primäre Markenfarben wählten Renner und Thoma die schwedischen Nationalfarben Gelb (Sunny Yellow) und Blau (Sky Blue). Dazu kommen die Sekundärfarben Midnight Blue und Cozy Red – im Hinblick auf die Schlafenszeit und auf die traditionelle schwedische Hüttenfarbe.

»Das System basiert auf einem flexiblen Raster und lässt von daher sehr viele Möglichkeiten bei der Zusammensetzung« Kevin Thoma

Im Zentrum des Markenauftritts steht ein Rastersystem aus Grundformen, mit denen sich verschiedene Muster erzeugen und visuelle Geschichten erzählen lassen. Aus kleinen Kreisen, Rechtecken, Strichen et cetera kann man sowohl geometrische Muster zusammensetzen als auch Pflanzen und Tiere oder Schrift. »Das System basiert auf einem flexiblen Raster und lässt von daher sehr viele Möglichkeiten bei der Zusammensetzung«, sagt Kevin Thoma. Dies war auch wichtig für die weitere Anwendung des visuellen Systems – denn nicht alle späteren Umsetzungen erfolgten bei hw.design.

So sieht’s aus

Das Team bei hw.design legte also den strategischen und visuellen Grundstein für die Marke Hilding Sweden und übergab diesen dann in Form einer ausführlichen Brand Guideline an den Kunden. Diese umfasst sowohl den visuellen als auch den sprachlichen Ausdruck der Marke, neben Farbwerten auch Headlines und Copytexte sowie Moods für die Bildsprache, auf deren Basis Hilding in Eigenregie ein Shooting umsetzte. Die Inhalte sind heute auf der Hilding-Website zu sehen ebenso wie im Packaging und in Werbekampagnen. Das bedeutet aber nicht, dass mit der Übergabe Funkstille zwischen den Teams herrschte. »Hilding schickte uns immer wieder Zwischenstände oder stellte Fragen«, sagt Alexander Renner. »Wir sind mit der Umsetzung des Konzepts sehr zufrieden.«

»Das Tolle an unserem Job ist, dass wir mit jedem Auftrag in ganz neue Themenwelten eintauchen. Jetzt sind wir Matratzen-spezialisten!« Alexander Renner

Insgesamt war es laut Kevin Thoma ein extrem spannendes und gleichzeitig unkompliziertes Projekt: »Eine solche Möglichkeit gibt es nicht alle Tage. Es war toll, eine so menschliche Marke von Grund auf zu entwickeln. Hinzu kommt, dass der Kontakt zum Kunden sehr direkt war und die Prozesse sehr agil abliefen.« Dank des überzeugenden Konzepts war auch die schwedische Konzernmutter schnell begeistert, sodass die ersten Anwendungen zügig umgesetzt wurden und dadurch die neu erschaffene Marke schnell zum Leben erweckt werden konnte.

»Uns hat jede Phase des Projekts großen Spaß gemacht«, resümiert Renner. »Das Tolle an unserem Job ist, dass wir mit jedem Auftrag in ganz neue Themenwelten eintauchen. Jetzt sind wir Matratzenspezialisten!« Agentur und Kunde pflegen bis heute freundschaftlichen Kontakt. Und zu Weihnachten gab es eine Shoppingaktion für sämtliche hw.design-Mitarbeiter. Es schlummern also einige Kreativköpfe auf Hilding-Matratzen.

Das ist das Matratzenprofi-Team: Geschäftsführer Benjamin Klöck, Account Manager Digital Carina Bullinger, Senior Design Director Alexander Renner, Praktikant Philipp Kill, Design Director Kevin Thoma und Projektmanagerin Daniela Esch.


Weitere PAGE-Connect-Artikel zum Thema Kommunikationsdesign bei hw.design lesen Sie hier.

[4736] KommunikationsDesignCCChw17

Das macht ein Producer immersiver Medien bei Markenfilm SPACE

»Kein Projekt gleicht dem anderen, und man bringt jedes Mal neue Erfahrungswerte mit ein«, sagt Henry Hilge, Creative Producer bei Markenfilm SPACE. Was man sonst noch über das spannende Berufsbild wissen sollte …

Creative Producer Henry Hilge (links) im Gespräch mit Christopher Schultz, Geschäftsleiter Markenfilm SPACE

Creative Producer für immersive Medien ist kein offizieller Ausbildungsberuf – und die Berufsbezeichnung wirft erst einmal Fragen auf. Das je nach Kunde und Projekt variierende Tätigkeitsfeld umfasst Kreativdisziplinen von Kommunikationsdesign über Motion Design bis hin zu Szenografie und Ausstellungsdesign. Wir sprachen mit Henry Hilge, der zusammen mit Markenfilm SPACE an immersiven Projekten arbeitet, über die wichtigsten Fähigkeiten, die man für den Job braucht.

Welche Art von Projekten macht 
ein Producer für immersive Medien – 
und für wen?
Henry Hilge: Die Auftraggeber sind ebenso vielfältig und verschieden wie die Projekte, die man betreut. Mal arbeitet man für eine Agentur für Kommunikation im Raum an einer Museumsausstellung, mal für eine Werbeagentur, die einen Multimedia-Spezialisten für eine interaktive Installation braucht. Kein Projekt gleicht dem anderen, und man bringt jedes Mal neue Erfahrungswerte mit ein.

Wie gewinnt man die nötigen 
Kenntnisse für ein so breit 
gefächertes Tätigkeitsfeld?
Einen klassischen Ausbildungsweg gibt es nicht. Ich bin gelernter Mediengestalter mit Schwerpunkt Digitale Medien und habe zunächst als Webdesigner gearbeitet. So konnte ich Erfahrungen mit Programmierung und Benutzerführung sammeln. Später habe ich Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert, wo ich sehr interdisziplinär arbeiten konnte. Das war eine gute Grundlage. Parallel zum Studium habe ich als Motion Designer gejobbt und klassische Visual-Effects-Produktion gemacht. In meiner Abschlussarbeit bezog ich mithilfe von Projection Mapping den Raum mit ein – wobei es den Begriff damals noch gar nicht gab. Ich fand es spannend, den nonlinearen, beweglichen Raum mit der Linearität des Films zu verbinden.

Was hast du nach deinem Diplom gemacht?
Zunächst habe ich Projektionen für Bühnenbilder im Saarländischen Staatstheater gestaltet, wobei ich Erfahrungen in Regie und Dramaturgie sammeln konnte. Das hat mir später bei der Nutzerführung für Kommunikation im Raum sehr geholfen. Danach fing ich bei Atelier Markgraph in Frankfurt als Produktionsleiter für interaktive Exponate an und lernte die Welt der Markeninszenierungen kennen. Besonders spannend fand ich die großen Shows auf den Automessen – mit den Budgets der Autokonzerne hat man wesentlich mehr Möglichkeiten als am Theater. Dann wechselte ich zu Moment Factory in Montreal, wo ich als Multimedia Director Medien im Raum mit Szenografie und Interaktion verknüpfte, wie unter anderem für Broadway-Shows in New York und für diverse Projekte in Asien. Seit Herbst 2017 lebe ich als freier Creative Producer für immersive Medien in Frankfurt am Main und arbeite unter anderem für Markenfilm SPACE.

Wer diesen Job machen will,
muss also viel Reisezeit einplanen und Interesse und Verständnis für andere Kulturen mitbringen

Das klingt, als sei man als Creative Producer viel unterwegs?
Ja. Die Projekte sind nahezu nie an dem Ort, wo du selbst wohnst. Weil man immer einen persönlichen Eindruck von den Räumen braucht, muss man viel reisen – das funktioniert einfach nicht aus der Entfernung. Wer diesen Job machen will, muss also viel Reisezeit einplanen und Interesse und Verständnis für andere Kulturen mitbringen.

Wann kommst du zu einem Projekt dazu, und wie geht es dann weiter?
Als Creative Producer habe ich meist nicht den ersten Kundenkontakt – dieser liegt bei Markenfilm SPACE, die wiederum mich beauftragt. Ich bin dafür verantwortlich, dass die generelle Idee des Kunden Realität wird. Die erste und wichtigste Phase ist die Konzeption. In ihr evaluiere ich, was in dem vorgesehenen Rahmen möglich ist, und entwickle erste Ideen. Dabei arbeite ich meist für mich allein. Sobald das Grundgerüst steht, stelle ich das passende Team für das jeweilige Projekt und für meine Vision zusammen.

Ich achte immer darauf, dass das
Team persönlich und vom Stil her zusammenpasst. Hierfür braucht es einen guten Überblick über Gewerke, Anbieter und Technologien

Welche Disziplinen gehören 
zu so einem Team?
Klassischerweise gibt es drei Kernpositionen: Neben mir als Creative Producer sind das der Technical Director, der für Material und Support zuständig ist, und der klassische Producer, der sich ums Projektmanagement und um das Budget kümmert. Dazu suche ich mir je nach Projekt Motion Designer, Soundspezialisten, Interaction Designer, Filmemacher, Szenografen et cetera. Dabei achte ich immer darauf, dass das Team persönlich und vom Stil her zusammenpasst. Hierfür braucht es einen guten Überblick über Gewerke, Anbieter und Technologien.
Gemeinsam entwickeln wir das Konzept im kreativen Pingpong weiter und bringen uns gegenseitig auf neue Ideen. Wie bei einem Puzzle entsteht so Stück für Stück eine konkrete Vorstellung vom finalen Produkt. In dieser Phase spiele ich als Creative Producer eine Schlüsselrolle, um die Vision zu schärfen, sie bei jedem Teammitglied zu verankern und möglichst konkrete Aufgaben für die Umsetzung zu verteilen. Ich muss dafür sorgen, dass alle am Ball bleiben und möglichst viel Spaß an der Arbeit haben. Das hat sehr viel mit Mentoring und Support zu tun und erfordert ein gutes Gespür dafür, was jemand in einem bestimmten Moment von einem braucht.

Bei Design und Produktion bist du dann weniger involviert?
Genau. Sobald das Konzept steht, setzt jede Disziplin ihren Teil eigenständig um und wir kommen in regelmäßigen Abständen zusammen, um uns abzugleichen. Ich halte mich dabei ganz bewusst zurück und verlasse mich auf die Leute, die ich ja selbst als Lead für das jeweilige Thema ausgewählt habe, sonst endet man sehr schnell im Mikromanagement. Das tut einem selbst nicht gut und den anderen auch nicht. In der Produktionsphase wird das Team zumeist größer und das Projektmanagement straffer. Dann geht es für mich hauptsächlich um die Steuerung des Prozesses und um die Vorbereitung von Präsentationen.

Bei Markenfilm SPACE machen wir keine Projekte von der Stange. Meist handelt es sich um Arbeiten und Anwendungen, die vor uns noch niemand realisiert hat

Bei der Integration geht es dann 
ans Eingemachte.
Diese Phase ist besonders intensiv, weil man vor Ort alles zusammenbringt und die Idee das erste Mal reale Formen annimmt. Genau jetzt sieht man, ob alles so klappt, wie geplant, oder ob man umdisponieren muss. Da arbeitet man schon mal drei bis sechs Wochen durch, bis alles perfekt ist. Bei Markenfilm SPACE machen wir keine Projekte von der Stange. Meist handelt es sich um Arbeiten und Anwendungen, die vor uns noch niemand realisiert hat. Da zittert man doch ab und zu, ob alles so wird, wie man sich das vorgestellt hat. Wenn am Ende alles passt, ist das ein unglaublich gutes Gefühl.

Bevor eine Installation Wirklichkeit wird, ist sie oft nur schwer 
vorstellbar. Wie visualisierst 
du Ideen für den Kunden?
Ich verwende viel Zeit darauf, in Keynote oder PowerPoint Präsentationen zu gestalten, die unsere Ideen für den Kunden greifbar machen. Storytelling ist hierbei ungemein wichtig. Anfangs hat dieser Teil des Jobs mich abgeschreckt, aber mittlerweile macht es mir großen Spaß, unsere Visionen in Geschichten zu verpacken und damit den Kunden abzuholen und zu begeistern. Hier arbeite ich unter anderem mit digitalen Renderings der Räume und mit Animatics, also gefilmten Storyboards. Dabei muss man aber deutlich kommunizieren, dass es sich um ein Konzept handelt und dass das Ergebnis eventuell anders aussehen kann – etwa wenn sich im Projektverlauf Einschränkungen bei zeitlichen, finanziellen oder technischen Res sourcen ergeben.

Später gibt es zudem noch ausgefeiltere Visualisierungen wie digitale 3D-Modelle des Raums, die man mittels VR-Brillen betreten kann. Auch haptische Mockups sind sehr hilfreich, um etwa einen räumlichen Eindruck von der Größe eines Screens zu bekommen. Das können auch ganz einfache Paper Prototypes sein. Ab einem bestimmten Punkt muss man dann einen Probeaufbau machen, um die Proportionen und die Raumwirkung zu testen. Markenfilm hat hier den entscheidenden Vorteil, dass sie als Produktionsfirma drei große Studios vor den Toren Hamburgs hat, in denen wir uns austoben können.

Welche Tools und Programme 
muss man als Creative Producer beherrschen?
Das ist schwer zu sagen. Ich persönlich bin recht breit aufgestellt, aber das ist keine zwingende Voraussetzung. Sketchen zu können, um Ideen schnell zu Papier zu bringen, ist ein großer Vorteil. Generell ist es hilfreich, die Tools der anderen zu kennen und zu verstehen – sei es Cinema 4D fürs Motion Design, Photoshop fürs Visual Design oder auch mal ein Soundprogramm oder Processing. Grundkenntnisse genügen in der Regel.

Neugier und
Offenheit für viele unterschiedliche Bereiche sind ein absolutes Muss in meinem Job

Woher holst du deine Inspiration?
Überallher! Neugier und Offenheit für viele unterschiedliche Bereiche sind ein absolutes Muss in meinem Job. Ich besuche Ausstellungen, Konferenzen, Theateraufführungen, Kinos, Festivals et cetera – auch Freizeitparks sind super! Kurz: alles, bei dem es um Entertainment und Erlebnisse geht – auch und besonders Interkulturelles. Ich bin wie ein Schwamm, der permanent und in allen Lebenslagen Eindrücke aufsaugt. Zusätzlich braucht es die Fähigkeit zum Transfer: Man muss in der Lage sein, Elemente aus der einen Disziplin auf eine andere zu übertragen – etwa Motive aus dem Tanz auf eine Autoshow. Diese Verknüpfung ist extrem wichtig.

In Sachen Technologie sind Innovations-Labs wie das von Markenfilm SPACE viel wert, weil man in ihnen unabhängig von Kundenaufträgen neue Hard- und Software ausprobieren kann – zum Beispiel neue VR-Brillen oder Gehirnscanner. Das bringt einen auf neue Ideen für zukünftige Projekte, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie man neue Technik einsetzen oder auch zweckentfremden kann. Auf diese Weise hechelt man nicht dem neuesten Hype hinterher, sondern wird selbst zum Vorreiter. Dabei sollte man aber immer im Hinterkopf behalten: Technologie darf nie Selbstzweck sein, sondern nur ein Vehikel, um Erlebnisse zu erzeugen!

Technologie darf nie Selbstzweck sein, sondern nur ein Vehikel, um
Erlebnisse zu erzeugen!

Im Moment reden alle von Virtual Reality. Was hältst du davon?
Ich habe das Gefühl, dass die Begeisterung so langsam nachlässt. Letztlich fehlt es VR-Räumen einfach an Echtheit. Gerade den Millennials ist es wichtig, an Erlebnissen teilzuhaben und diese teilen zu können. Das ist mein Ziel: Momen-
te zu schaffen, die Menschen überraschen und begeistern, die das Leben bereichern und die man unbedingt mit anderen teilen möchte. Das erreicht man am besten, indem man Illusionen schafft, bei denen die Technik in den Hintergrund rückt. Den Erfolg einer Installation oder einer Veranstaltung berechne ich nicht an der Anzahl der Tweets dazu, sondern an der Warteschlange vorm Eingang.

Welche Tipps hast du noch 
für angehende Producer für 
immersive Medien?
Geht unbedingt ins Ausland! Zum Beispiel hat man in Asien eine völlig andere Herangehensweise an Ausstellungen und Events: Spaß und Erlebnisqualität ha ben dort eine viel größere Bedeutung als in Deutschland, wo vor allem die Wissensvermittlung im Vordergrund steht. Im Ausland zu arbeiten, erweitert den Horizont enorm – und man kann die gewonnenen Erkenntnisse dann bei Projekten hierzulande einbringen.


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