Das Buch: UX für Führungskräfte – Besser führen, entspannter leben

In Kürze Bernd Lohmeyer hat sein erstes Buch veröffentlicht: UX für Führungskräfte – Besser führen, entspannter leben. Das Buch stellt UX in einem übergreifenden Zusammenhang dar. Es richtet sich insbesondere an Führungskräfte, die einen neuen Denkansatz kennen lernen wollen. Dabei erleben sie nicht nur die Bedeutung von UX und deren zugrunde liegende Denkweise in Bezug […]

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UX Design in der Praxis bei Aperto

In Partnerschaft mit 
ihrem Mutterkonzern 
IBM entwickelte die 
Digitalagentur Aperto 
die App Elderly Care. 
Mit ihrer Hilfe können 
Angehörige pflegebedürftiger Menschen deren Wohlbefinden 
im Blick behalten. Lesen Sie hier das Making-of!

Interface Designer Santiago Uribe, UX-Designerin Leticia Bialoskorski und DevOps Engineer Nico Neumann bei der gemeinsa­men Konzeption.

Demografischer Wandel, steigende Lebenserwartung, Zunahme chronischer Erkrankungen: In den meisten Industrieländern werden die Menschen immer älter – und sie wollen so lange wie möglich zu Hause wohnen. Das stellt Angehörige und Pflegedienste vor immer größere Herausforderungen. Wie kann ich sicher sein, dass Oma im Notfall möglichst zeitnah Hilfe erhält, auch wenn sie alleine zu Hause ist? Wie erkenne ich typische Anfangssymptome einer Demenzerkrankung, obwohl ich selten vor Ort bin? Die Antwort liegt in der Technik: Zuverlässige und bezahlbare Sensorik gepaart mit präziser Datenanalyse erfasst und interpretiert wichtige Informationen schnell und ermöglicht eine umgehende Reaktion.

Bei dem IT- und Beratungsunternehmen IBM arbeitet man an eben solchen Technologien, die Senioren, Kranken und Menschen mit Behinderung sowie ihren Betreuern den Alltag erleichtern sollen. Die Analysesoftware IBM Watson erlaubt zum Beispiel die Sammlung und Auswertung von Daten, die von diversen Sensoren erfasst werden – etwa zur Bewegung in der Wohnung oder zu Feuer und Rauch, Wasserfluss, Lichtverhältnissen oder offenen Fenstern. Die Aufgabe, daraus einen sinnvollen und nutzerfreundlichen Service speziell für Angehörige zu gestalten, übertrug IBM seinem Tochterunternehmen Aperto. Die Berliner Digitalagentur gehört mit ihren rund 400 Mitarbeitern seit 2016 zu IBM iX, der globalen Agenturfamilie des Technologiekonzerns. Am Projekt Elderly Care arbeitete ein interdisziplinäres Aperto-Team aus Business Owner, Project Owner, User Experience und User Interface Designer, Developer sowie QA & DevOps Manager.

Nutzerbedürfnisse eruieren: 
Recherche und Workshop

Leticia Bialoskorski ist User-Experience-Designerin bei Aperto und war von Anfang an am Projekt Elderly Care beteiligt. »Zum Einstieg haben wir uns mit der Sensortechnik vertraut gemacht und Benchmark-Forschung betrieben«, berichtet sie. Erste Programme für Pflegedienste, die mittels Sensordaten Informationen zur Aktivität von Gepflegten liefern, gab es bereits. Ziel von IBM und Aperto war aber eine Anwendung für die Angehörigen. »Die Herausforderung bestand darin, ein Gefühl von Sicherheit und Beruhigung anstelle von Überwachung zu vermitteln. Die Sensorik sorgt sich um den Bewohner, ohne dass ein Big-Brother-Eindruck entsteht«, erinnert sie sich.

»Die Herausforderung bestand darin, ein Gefühl von Sicherheit und Beruhigung anstelle von Überwachung zu vermitteln. Die Sensorik sorgt sich um den Bewohner, ohne dass ein Big-Brother-Eindruck entsteht« Leticia Bialoskorski

Bialoskorski gehört innerhalb der Agentur zu einem Expertenteam für Lean Service Creation, das in einem schlanken Prozess digitale Lösungen entwickelt. Dazu gehört nicht nur der konsequente Fokus auf den Nutzer, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden. Um die Bedürfnisse und Wünsche aller Stakeholder zu ermitteln, organisierte das initiale Aperto-Team, zu dem neben Bialoskorski eine Designerin und ein Business Owner gehörten, einen zweitägigen Design-Thinking-Workshop mit dem Projektpartner IBM sowie potenziellen Nutzern. Hier klärten sie generelle Fragen wie: Was muss der Service leisten? Wie sieht die User Journey aus, und welche Probleme ergeben sich dabei? Das Briefing war zu dem Zeitpunkt noch recht offen und basierte lediglich auf der Idee, einen Service für Betreuer einer älteren Person zu entwickeln, der Sensordaten verwendet. Im Laufe des Workshops verfestigte sich dann die Vorstellung einer Smartphone-App für Angehörige – unter anderem deshalb, weil darüber im Notfall Push-Nachrichten versendet werden und die Nutzer schnell und unkompliziert kommunizieren können.

Als potenzielle User kristallisierten die Workshopteilnehmer zwei Personas heraus, also fiktive Personen mit konkreten Eigenschaften und Verhaltensweisen: Andrea hat die typischen Nöte einer Tochter, die zu weit von ihrer in die Jahre gekommenen Mutter entfernt wohnt, um sich um Arztbesuche oder dergleichen zu kümmern. Ihr Sohn Thomas wohnt deutlich näher und schaut regelmäßig bei seiner Oma vorbei. Beide sind sich manchmal unsicher über das Befinden der Seniorin. »Diese beiden Personas decken die Zielgruppe gut ab, wie wir in Gesprächen mit Betreuten und Angehörigen festgestellt haben«, so Bialoskorski.

Für diese potenziellen Nutzer entwarfen die Workshopteilnehmer Soll-Szenarien in Form von Storyboards, die sie wiederum in einzelne User Storys herunterbrachen. »Das sind im Grunde schon Feature-Beschreibungen für die spätere Anwendung – so formuliert, dass sie die Nutzerbedürfnisse beschreiben. Auf deren Basis zeichne ich erste Scribbles, die anschaulich machen, wie das Interface der App aussehen könnte«, erklärt Bialoskorski. In dem Workshop formulierte das Team zudem sogenannte Hills: Ziele, die es mit dem ersten Release der App erreichen wollte.

Ausprobieren: 
Prototyping und Testing

Nach dem Workshop priorisierte das Aperto-Team die gewünschten Funktionalitäten der App: Was sind die Kernfunktionen? Welche sind weniger wichtig und können warten? Wie sieht der Ablauf innerhalb der App aus? Dann machte man sich an den ersten Prototyp. UX-Designerin Bialoskorski fertigte in dem Designtool Sketch erste Skizzen an, Wireframes genannt, und verband sie in dem Prototyping-Tool InVision miteinander. User-Interface-Designerin Julia Lingertat gestaltete parallel die Oberflächen und Interaktionen. Der so entstandene Klickdummy zeigte bereits den User Flow und vermittelte ein Gefühl für das Look-and-feel der App. »Das visuelle Design spielte bei diesem Projekt von Anfang an eine wichtige Rolle, weil es sich um ein sehr emotionales Thema handelt. Es geht nicht nur um die Informationen, sondern auch stark darum, wie sie dargestellt werden«, erklärt Santiago Uribe, inzwischen der verantwortliche User Interface Designer für das Projekt. Ein rot blinkender Alarmbutton etwa löst schnell Panik aus – und im Notfall ist eher ein kühler Kopf gefragt.

»Das visuelle Design spielte bei diesem Projekt von Anfang an eine wichtige Rolle, weil es sich um ein sehr emotionales Thema handelt. Es geht nicht nur um die Informationen, sondern auch stark darum, wie sie dargestellt werden« Santiago Uribe

Mittels InVision lassen sich Prototypen auf mobilen Geräten testen. Sie fühlen sich dann schon an wie eine App, bevor die Funktionen tatsächlich entwickelt wurden. Die Designer verbinden die Screens über einfache Wenn-dann-Verknüpfungen miteinander, sodass sie die Abläufe mit dem Kunden und den potenziellen Nutzern testen können. Letztere brauchen dafür keinen eigenen InVision-Account, sondern können durch die Eingabe eines Passworts einfach den Prototyp auf einem Mobilgerät öffnen und drauflos klicken.

Beim User Testing arbeitet Aperto unter anderem mit dem Crowdtesting-Anbieter Applause zusammen. Dieser wählt aus seiner Datenbank von über 100 000 Menschen in Deutschland gemäß der von Aperto vorab definierten Zielgruppe Probanden aus und schickt ihnen den Link zum Klickdummy sowie einen von Aperto formulier ten Fragenkatalog: Verstehen Sie die App? Gefällt Ihnen das Design? et cetera. »Es ist enorm wichtig, so schnell wie möglich zu testen und Feedback von Nutzern einzuholen, da wir am Anfang ohne allzu viel Recherche auf der Basis von Personas und Hypothesen arbeiten. Nur durch User-Feedback können wir wissen, ob wir mit dem Prototyp auf dem richtigen Weg sind«, so Bialoskorski.

Den ersten Prototyp von Elderly Care testeten 25 Probanden – mit positiven Ergebnissen. Die eingeschlagene Richtung war also die richtige, eine weitere Prototyping-Schleife nicht notwendig. »Manche Nutzer teilten sogar persönliche Geschichten und lobten die Idee und Funktionen der App«, freut sich Bialoskorski. Ergebnisse des ersten Crowdtests waren zudem, dass der Begriff »Betreute« passender ist als »Betroffene«, dass das Design gut ankommt und das Thema Datensicherheit eine große Rolle spielt. Mithilfe des InVision-Prototyps holte Aperto außerdem das Feedback vom IBM-Team ein, das innerhalb der App direkt kommentieren konnte.

»Es ist enorm wichtig, so schnell wie möglich zu testen und Feedback von Nutzern einzuholen, da wir am Anfang ohne allzu viel Recherche auf der Basis von Personas und Hypothesen arbeiten. Nur durch User-Feedback können wir wissen, ob wir mit dem Prototyp auf dem richtigen Weg sind« Leticia Bialoskorski

Ein weiterer Vorteil des Tools: Sämtliche hochgeladenen Designs können sich die Entwickler später als Assets (Icons, Textfelder, Buttons und so weiter) herunterladen und nutzen. »Früher mussten Designer alles pixelgenau abmessen, Farbcodes und Fonts an die Entwickler weitergeben«, erklärt Nico Neumann, DevOps und Quali-
ty Assurance (QA) Engineer bei Aperto. »Heute können die Entwickler einfach ein Icon anklicken und die entsprechenden Informationen und Codeschnipsel herunterladen. Deshalb ist InVision ein gutes Tool für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die uns sehr wichtig ist.«

Kernfunktionen definieren: 
Warnen und beruhigen

Der Prototyp, mit dem Aperto in die Entwicklung startete, umfasste die wichtigsten Grundfunktionen. Dazu gehört vor allem der Registrierungsprozess. Dabei handelt es sich um eine Zwei-Faktor-Authentifizierung – immerhin geht es um sehr persönliche Daten. Dank eines automatisiert erzeugten und verschlüsselten Aktivierungscodes ist das Verfahren sehr nutzerfreundlich.

Auf dem Hauptscreen liest der Nutzer den aktuellen Status ab. Die App zeigt in den Farben Grün, Orange und Rot an, ob alles in Ordnung ist oder ob es Unstimmigkeiten gibt. Die Statusanzeige ist mit einer leichten Animation unterlegt, die die Ansicht interessant macht und emotional auflädt. »Idealerweise sieht man nur den grünen Screen der App – denn das bedeutet, dass alles in Ordnung ist und man nicht weiter aktiv werden muss«, sagt Bialoskorski. Gibt es aber Unstimmigkeiten (Orange) – wie zu lange laufendes Wasser in Kombination mit fehlender Bewegung über einen längeren Zeitraum –, kann der Nutzer sich die Sensordaten anzeigen lassen und daraufhin selbst entscheiden, ob er etwas tun muss. Sei es, kurz bei Oma anzurufen oder im Zweifel den Notdienst der Malteser einzuschalten. Ein roter Alarm geht allerdings direkt an den Notruf der Malteser, und nur diese können ihn wieder deaktivieren, nachdem sie nach dem Rechten gesehen haben.

»Idealerweise sieht man nur den grünen Screen der App – denn das bedeutet, dass alles in Ordnung ist und man nicht weiter aktiv werden muss« Leticia Bialoskorski

Für den Austausch unter den Nutzern gibt es außerdem eine Kommentarfunktion. So kann Thomas seine Mutter zum Beispiel darüber informieren, dass er auf eine Warnung hin zur Oma gefahren ist und dass dort alles in Ordnung ist. »Nutzer tauschen hier voraussichtlich lediglich kontextbezogene Informationen aus, wichtige Details oder Notfälle besprechen sie über andere Kanäle. Aber die Kommentarfunktion innerhalb der App war den Test-Usern sehr wichtig«, erklärt Bialoskorski. Nach der Definition dieser Kernfunktionen startete das Team in die App-Entwicklung.

Loslegen: Agile Entwicklung 
und Tools

An der technischen Umsetzung war neben Aperto auch ein Entwicklungsteam von IBM beteiligt, das zeitgleich das Backend aufbaute, von dem die App die Sensordaten bezieht. Das Projektteam besprach mit IBM die einzelnen Features (User Storys) aus dem Workshop und definierte die Bedingungen, die erfüllt sein mussten, damit eine Story als erledigt gelten konnte. Dann wurde »gepokert«: Dabei bekommen alle Mitarbeiter Karten mit Zahlen zwischen 1 und 13, mit denen sie die Komplexität einer Story schätzen. Ist die Authentifizierung eine Sieben – oder doch nur eine Drei? Erreicht eine Story die Maximalpunktzahl, wird sie in mehrere Storys unterteilt.

Bei der App-Entwicklung orientiert sich Aperto an der agilen Projektmanagementmethode Scrum, hat diese aber für sich spezialisiert und eine eigene Lean-Service-Creation-Methode entwickelt. Um deren Prozesse gut abzubilden, nutzte die Elderly-Care-Mannschaft das Workflow-Management-Tool JIRA, in das sie die einzelnen Aufgaben einspeiste und festlegte, welche sie innerhalb der Scrum-typischen Zeitintervalle von zwei Wochen, der sogenannten Sprints, erledigen wollte. Die einzelnen Aufgaben splittete das Team nach Disziplinen auf: UX Design, Interface Design, Development, Quality Assurance et cetera. Am Anfang jeder Story setzten sich meist UX, UI und oft auch Programmierer zusammen, um gemeinsam erste Lösungsansätze mit Stift und Papier zu scribbeln.

Eingangsbereich bei Aperto

Jeder Morgen begann mit einem Daily Stand-up Meeting, zu dem IBM per Telefon zugeschaltet wurde und in dem man gemeinsam besprach, was am jeweiligen Tag anstand. Solche Treffen sorgen für Transparenz im Arbeitsprozess und für reibungslose Abläufe. Hakt es bei einer Story, lässt sich schnell erkennen, wo das Problem liegt, und gemeinsam gegensteuern. Der Scrum Master überwacht den Prozess und kümmert sich darum, dass die Storys von oben nach unten abgearbeitet werden. »Bei traditionellen, nicht agilen Arbeitsprozessen ist jeder nur mit seinem Aufgabengebiet beschäftigt. Wir aber planen im Team, die Schätzung des Arbeitsaufwands gilt immer für uns alle. Außerdem reden wir mehr miteinander und inspirieren uns gegenseitig«, sagt Bialoskorski über das agile Vorgehen.

»Wir aber planen im Team, die Schätzung des Arbeitsaufwands gilt immer für uns alle« Leticia Bialoskorski

Den Projektverlauf dokumentierten die Aperto-Mitarbeiter außerdem mit der Kollaborationssoftware Confluence, einer Art Wikipedia für den Wissensaustausch intern sowie mit Kunden. Hier halten die Mitarbeiter ihre Arbeit an jeder Story in Bild und Text fest. Neben Bialoskorskis Wireframes samt Beschreibung fanden sich darin zum Beispiel die Ergebnisse aus den funktionalen Crowd-Testings, die der Quality-Assurance-verantwortliche Nico Neumann nach jedem Sprint durch den Crowdtesting-Service Applause durchführen ließ. Ergaben sich dabei neue Anforderungen oder Bugfixes, gingen diese als neue Storys in den JIRA-Plan ein – nachdem im Team besprochen wurde, wie wichtig sie sind und wie schnell sie erledigt werden müssen. Insgesamt nahm die Entwicklung vier Sprints in Anspruch und dauerte acht Wochen. Dann war das Minimum Viable Product (MVP) fertig, die erste marktfähige Version der App.

Implementieren: Erste Projekte und Feedback

Im Rahmen eines ersten Kundenprojekts wurden seit März 2017 in 50 Wohnungen in Berlin und anderen Metropolregionen diverse Sensoren installiert und die Malteser sowie die Angehörigen der Bewohner mit der Elderly-Care-App ausgestattet. Im Team ist man gespannt: »Was die Tester zu einer App vorab sagen, ist das eine. Was die User dann tatsächlich damit tun oder wie sie sie bewerten, das andere«, weiß Bialoskorski.

Aperto und IBM konzipierten die App als Whitelabel-Lösung, die IBM in Partnerschaft mit dem Malteser Hilfsdienst Versicherungen anbieten will. Dank des modularen Aufbaus können diese die App schnell an ihre eigenen Anforderungen anpassen und sie ihren Corporate-Farben entsprechend branden. Betreute und ihre Angehörigen erhalten das System bei ihren Versicherungen – inklusive Sensoren, IBM-Technik, Pflegedienst und App.

Projekte wie dieses werden laut Leticia Bialoskorski zukünftig vermehrt auf Aperto zukommen: nutzerzentrierte Services, die von IBM entwickelte Produkte und Technologien beinhalten. Auf diese Weise bekommen die UX Designer bei Aperto die Chance, mit innovativen Technologien vor allen anderen Marktteilnehmern zu arbeiten.

Produktfilm zur App Elderly Care:

 


Lean Service Creation

Apertos Arbeitsprozess vereint Design Thinking und agile Entwicklung. Im Zentrum steht dabei der User. Im Design-Thinking-Prozess recherchieren die Teams die Nutzerbedürfnisse, führen Marktanalysen durch und definieren ein konkretes Problem, das sie lösen wollen. Dazu sammeln sie Ideen, entwerfen User Journeys und entwickeln einen ersten Lo-Fi-Prototyp fürs Testing. Je nach Testausgang arbeiten sie auf diesem Prototyp weiter oder fangen noch einmal von vorne an.

Im Anschluss bauen die Aperto-Mitarbeiter im agilen Development den Prototyp immer weiter aus, wobei sie nach jeder Stufe erneute Usertests durchführen, um zu überprüfen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. So ergeben sich mehrere iterative Schleifen, bis am Ende ein marktfähiges Produkt oder Servicesystem steht. Die Markteinführung selbst ist häufig ein weiterer Test: Wie kommt das Produkt an? Muss es verändert oder weiterentwickelt werden? Ein derart schlanker Prozess ermöglicht die schnelle Reaktion auf Kunden- und Userbedürfnisse und bindet den Auftraggeber eng mit ein. Die Agentur ist so nicht mehr bloßer Dienstleister, sondern vielmehr Berater auf Augenhöhe.

Hier klicken, um die Grafik größer zu sehen.


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Das macht ein Transaction Editor beim MM-Musik-Media-Verlag

Was macht man als Transaction Editor? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Was muss man können? Hier gibt’s alle Infos …

Rosa Hecker, Stefan Braunschmidt und Eugen Lyubavskyy sind die zuständigen Transaction Editors für »Gitarre & Bass«

Ein Transaction Editor zeichnet sich vor allem durch ein bestimmtes Mind- und Skill Set aus. So ist es nicht verwunderlich, dass unsere Gesprächspartner nicht nur unterschiedliche Ausbildungswege hinter sich haben, sondern auch unterschied­li­che Jobtitel tragen.

Stefan Braunschmidt hat Erziehungswissenschaften und Soziologie studiert, zunächst frei für »Gitarre & Bass« geschrieben, machte sein Volon­tariat beim MM-Musik-Media-Verlag und ar­beitet nun als Redakteur für das Musiker-Fachmagazin. Eugen Lyubavskyy studierte Germanistik und Musikwissenschaft, arbeitete als Freelancer für verschiedene Me­­dien und tritt als Volontär in Braunschmidts Fußstapfen. Rosa Hecker stu­dier­te Ger­ma­nistik und Politik, absolvierte ein Volon­ta­riat in einer Online-Redaktion und kam vor knapp vier Jahren zum MM-Mu­sik-Me­dia-Verlag, wo sie als Content-Ma­nage­rin redaktionsübergreifend arbeitet. Wir spra­chen mit ihnen über Heraus­for­de­run­gen und Chancen des Tätigkeitsfelds Trans­ac­tion Editor.

Die drängendste Frage zuerst: Was ist der Unterschied zwischen einem Transaction Editor und einem »klassischen« Redakteur?
Stefan Braunschmidt: Ein Transaction Editor verfasst nicht nur Inhalte und verbreitet sie, sondern er ist dafür zuständig, dass sie online gefunden werden und eine Transaktion oder Interaktion auslösen – mit uns, den Inhalten selbst oder Dritten. Leser können sich zum Beispiel weitere In­formationen herunterladen – gratis oder bezahlt, Tickets zu Kongressen kaufen, sich für Seminare und unsere Newsletter anmel­den oder Produkte direkt bei uns im Shop bestellen. Ziel ist es, eine messbare Reaktion beim Leser oder User hervorzurufen.

Rosa Hecker: Ein Transaction Editor muss eine Reihe von Tools beherrschen, um zu analysieren, welche Inhalte unsere Leser su­chen und brauchen, und um nach der Veröffentlichung kontinuierlich zu monitoren und zu optimieren. Sehr wichtig für unsere Arbeit sind Google Analytics und Searchmetrics, vor allem für mich, die ich redaktionsübergreifend tätig bin.

»Ein Transaction Editor verfasst nicht nur Inhalte und verbreitet sie. Ziel ist es, eine messbare Reaktion beim Leser oder Nutzer hervorzurufen« Stefan Braunschmidt

Braunschmidt: Die »klassischen« Redakteure heißen bei uns Content Editors, aber faktisch unterscheiden sich die beiden Jobs kaum noch voneinander. Als Content Editor arbeitet man enger mit Autoren zusam­men, steigt tiefer in die Inhalte ein und muss eine größere Themenkompetenz ha­ben. Als Transaction Editor braucht man zudem Marketing-Know-how. Welche Rol­le gerade Vorrang hat, ist oft situationsabhängig: Wenn wir gerade mitten in der Heft­produktion stecken, habe ich weniger Zeit für die Analyse und Pflege bestehender Online-Inhalte. An anderen Tagen ar­beite ich wiederum eng mit der Sales-Abteilung zusammen und konzipiere Kam­pagnen für Kunden mit. Mindestens alle zwei oder drei Tage führe ich in Search­metrics eine Keyword-Recherche und ei­ne Ge­winner-Verlierer-Analyse unserer Online-Inhalte durch.

Eugen Lyubavskyy: Wir arbeiten jeden Tag an mehreren Baustellen gleichzeitig. Eine der größten Herausforderungen ist deshalb Zeit- und Selbstmanagement. Außer­dem müssen wir die Ausspielung unserer Inhalte auf den verschiedenen Plattfor­men planen – Print, Website, Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, SoundCloud und so weiter. Die Betreuung unserer Social-Media-Kanäle liegt hauptsächlich bei mir.

Wie koordiniert ihr eure Aufgaben, damit nichts vergessen wird?
Hecker: Wir arbeiten mit einem Outlook-Kalender, den wir mit der Sales-Abteilung teilen. Dort tragen wir wichtige Termine ein, etwa für die Kampagnenausspielung über unsere Websites, Newsletter und über Social Media. Außerdem vermerke ich dort übergreifende Termine wie Branchen­events und erstelle serielle Erinnerungen für mich, um die regelmäßige Aktualisierung von Evergreens zu koordinieren, also Artikeln über Dauerbrennerthemen. Früher haben wir viel mit Excel gemacht, aber das hat sich nicht bewährt.

Braunschmidt: Kalender funktionieren super, weil alle gut darauf zugreifen und sogar Daten ablegen können, wie Texte und Bilder für Kampagnen. Für Print haben wir einen Redaktionsplan in Excel, der über die Jahre gewachsen und sehr ausgereift ist. Und in der Redaktion hängt ein ganz klassischer Wandkalender, in den wir Musikergeburtstage eintragen. Derzeit rollt der Verlag eine neue digitale Anwendung für alle Marken aus, den Content Planner. Darin definieren wir für jeden Inhalt Persona, Keywords und das Ziel, das wir damit erreichen wollen, und halten zudem fest, welche Bestandteile wir über welche Kanäle ausspielen. Der Planner soll langfristig die bisherigen Planungstools ersetzen und in einem weiteren Schritt auch Daten zu erzielter Reichweite, Conver­sions und Visibility liefern.

»Wir arbeiten jeden Tag an mehreren Baustellen gleichzeitig. Eine der größten Herausforderungen ist deshalb Zeit- und Selbstmanagement« Eugen Lyubavskyy

Was macht euch am meisten Spaß an eurem Job?
Hecker: Dass es niemals langweilig wird. Es gibt viele unterschiedliche Aufgaben und Medien – Text, Ton, Bild, Video. Mir persönlich macht diese Vielseitigkeit viel mehr Spaß als den ganzen Tag zu schreiben. Außerdem können wir alle auf Messen gehen und noch andere Außentermine wahr­nehmen.

Braunschmidt: Mir gefällt die Mischung auch – von klassischer Redakteursarbeit über Datenanalyse, SEO und die Koordination mit den Sales-Kollegen bis hin zu Messebesuchen. Dadurch entwickelt man ein sehr breites Skill Set. Im Grunde lernen wir jeden Tag dazu.

Bildet ihr euch nur on the Job weiter, oder gibt es auch institutionalisierte Angebote?
Lyubavskyy: Unser Mutterkonzern, der Ebner Verlag in Ulm, bietet im Rahmen einer internen Ebner Academy eine Reihe von Weiterbildungsmöglichkeiten an, hauptsächlich in Form von Live-Webinaren. Dadurch habe ich besonders im Bereich Social Media viel gelernt.

Braunschmidt: Die Academy eignet sich sehr gut für das Onboarding neuer Kollegen. Hier lernen sie schnell, wie ihr neuer Arbeitgeber tickt und was ihm wichtig ist. Vor Kurzem haben alle Redaktionen zudem eine Vor-Ort-Weiterbildung in Sachen Videoerstellung erhalten.

Gibt es auch etwas, das euch nervt?
Lyubavskyy: Wenn die Schere zwischen Marketing für Dritte und den Interessen unserer Leser zu groß wird, zum Beispiel wenn wir Sponsored Articles veröffentlichen sollen, die schlecht geschrieben oder irrelevant sind.

Braunschmidt: Als Transaction Editor kann es passieren, dass man sich sowohl gegenüber Anzeigenkunden als auch den Lesern verantworten muss. Generell kriegen wir das aber ganz gut hin. Wenn Inhalte zu schlecht sind, sprechen wir mit den Kunden und sagen im Ernstfall auch mal einen Deal ab. Wir müssen unsere Qualitätsstandards einhalten, sonst werden wir unglaubwürdig.

Was muss man mitbringen, wenn man Transaction Editor bei euch werden will?
Hecker: Man darf neuen Analysetools und Marketinginstrumenten nicht abgeneigt sein. Wer den ganzen Tag seiner Kreativität als Schreiber frönen will, ist hier falsch. Und man darf keine Berührungsängste ge­genüber Sales haben.

Braunschmidt: Das gab es bei »Gitarre & Bass« ohnehin nie so stark wie vielleicht in anderen Redaktionen. Wir sind ein klei­nes Team und arbeiten eng zusammen. Das wäre auch gar nicht mehr anders mög­lich: Wir verkaufen heute weniger reine Printanzeigen, dafür immer mehr crossmediale Kampagnen. Das erfordert viel Kommunikation und Koordination zwischen Sales und Redaktion.

Hecker: Gleichzeitig müssen die Sales-Kol­legen viele Dinge lernen, die traditionell eher in unserem Bereich liegen, wie Google Analytics, Searchmetrics oder Newsletter-Mailing-Programme.

Braunschmidt: Trans­­action Editors brau­chen von allem ein bisschen: Man muss Branchenwissen haben, schreiben können, SEO, Social Media und Daten­­analyse beherrschen, Marketingideen ent­wickeln und kreativ sein – bei eigenen Inhalten und bei Kampagnen­ideen für Kunden.

»Wer den ganzen Tag seiner Kreativität als Schreiber frönen will, ist hier falsch. Und man darf keine Berührungsängste gegenüber Sales haben« Rosa Hecker

Lyubavskyy: Im Bereich Social Media braucht man teilweise ein dickes Fell. Man­che Leute sind ganz schön zickig, und es gibt ab und zu Kommentare, die unter die Gürtellinie gehen. Das darf man sich nicht zu Herzen nehmen und muss es in Rela­tion setzen: Auf einen blöden Kommentar kommen zig positive.

Braunschmidt: Man muss verstehen, dass jedes Medium eine eigene Sprache und einen eigenen Kommunikationsstil hat – und wissen, wie man welche Zielgruppe wo anspricht und welcher Einsatz sich lohnt. Natürlich muss man schreiben können – und bei »Gitarre & Bass« kommt noch dazu, dass man Musiker sein sollte. Sonst fehlt einem die Credibility im Markt. Grund­sät­z­lich ist wichtig, dass man ins Team passt. Wer nicht miteinander reden kann, kann auch nicht miteinander arbeiten.

Lyubavskyy: Im Grunde gibt es nicht den richtigen Ausbildungsweg für unseren Job. Jeder von uns hat einen anderen Hintergrund. Letztlich ist Flexibilität das Wichtigste. Ich selbst habe als Freelancer für TV, Radio und Zeitungen gearbeitet und kam dadurch immer wieder in Situationen, in denen ich mich (noch) nicht auskannte. Das hilft mir heute.

Wie wird sich der Job des Transaction Editors eurer Meinung nach in Zukunft verändern?
Lyubavskyy: Er verändert sich schon jetzt ständig. Es muss nur eine neue Social-Media-Plattform auftauchen, und schon hast du neue Aufgaben.

Braunschmidt: Unsere Arbeit richtet sich danach, was die Leser und User wollen und gut finden – und verändert sich entsprechend deren Vorlieben. Ich glaube, dass Leser in Zukunft noch stärker filtern und bewusster konsumieren werden. Denn die Menge an Inhalten, die auf sie einstürzen, ist einfach enorm. Medien müssen den Nut­zern auf Augenhöhe begegnen. Sie müssen transparent machen, warum sie über etwas berichten, und erklären, war­um sie bestimm­te Schlüsse ziehen.

Hecker: Die Kontaktpunkte mit den Lesern und Nutzern werden immer unmittelba­rer und vielfältiger. Dieses Jahr veranstalten wir mit dem Guitar Summit sogar eine eigene Messe.

Braunschmidt: Genau, das ist gerade ein großes Thema für uns. Vor Kurzem haben wir einen Event-Manager eingestellt, der uns bei der Umsetzung unterstützt. Eine eigene Messe ist ein Wagnis, aber auch eine große Chance. Letztlich müssen wir immer wieder neue Wege finden, die Leute zu erreichen und für uns zu begeistern. Es ist toll, dass wir die Chance bekommen, solche Ideen umzusetzen.


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Automatisierter Wertverlust

Unsortierte Gedanken — Technologie ist spannend, ständig im Wandel und verändert die Welt zunehmend. Hier stehen meine unsortierten Gedanken über Dinge, die mir im Kopf umher gehen. Vermutlich unvollständig, nicht fertig durchdacht, absolut subjektiv und aus manchmal mehreren und manchmal nur aus einem Blickwinkel. Ein Schnappschuss meiner Gedanken — öffentlich aber in erster Linie für mich selbst.

Die drei großen Entwicklerkonferenzen und Keynotes der drei Technologieriesen Google, Microsoft und Apple sind für dieses Jahr abgehalten und bei all den Vorstellungen von neuen Technologien und Features gibt da einen Aspekt, der mich mit offenen Fragen zurück lässt.

So kündigte Google als eines der neuen Features von Google Photos das automatisch erstellte Fotobuch an. (Apple hat vergleichbares schon länger im Angebot). Ein Klick, und Google sucht die besten Fotos aus meinem persönlichen Cloudarchiv heraus, stellt diese passend zusammen und erstellt ein druckfähighes Layout. Mit einem weiteren Klick kann ich dieses dann auch gleich online bestellen und im nu wird es zu mir nach Hause geliefert. Toll — ohne wirklichen eigenen Aufwand könnte man dann dieses „wertvolle“ Geschenk dann an die Liebsten verschenken.

Aus der Google I/O Keynote: “And the good news is, I don’t have to figure out which are the right photos and which are the good ones.”

Aber was macht das Fotobuch eigentlich aus? Was macht es wertvoll? Vorallem als Geschenk für jemanden anderes. Was macht es speziell und einzigartig? Sind es allein die Fotos oder auch die Zeit, die Gedanken, die Kuration und die Mühe die bei der Erstellung mit einfließen?

Etwas anders und doch vergleichbar: Duo- die Messenger App von Google — schlägt mir automatisch, innerhalb von Konversationen mit anderen Menschen, mögliche Antworten vor. Ein Tap mit meinem Finger und die vorgefertigte Antwort, die ein neuronales Netz aus dem Kontext des Gesprächs schließt, wird versendet. Google automatisiert mehr oder weniger meine Konversation mit anderen Menschen — zumindest in Teilen. Im Kontext einer Geschäftlichen Unterhaltungen, bei der Effizienz eine übergeordnete Rolle spielt, ist es vielleicht durchaus sinnvoll. Bei persönlichen Konversationen könnte eine Antwort aus der Konserve doch eher befremdlich ggf. sogar Respektlos wirken. Wie viel meiner Zeit und Aufmerksamkeit ist mir mein Gegenüber Wert eine individuelle Antwort zu verfassen?

Und natürlich gibt es auch außerhalb der Google Welt entsprechende Beispiele.

So konnte man kürzlich auf Facebook Grüße zum Vatertag erstellen und verschicken: Dazu auf TheVerge.

Auf irgendeine Art individualisierbar — aber mit einem Freiheitsgrad und dem persönlichem Charme der mich ein wenig folgendes Kinderspielzeug erinnert:

Die Frage, die ich mir in dem Zusammenhang stelle, ist:

Will ich das? Welches Problem lösen wir da eigentlich?

Welche Aufgaben nehmen mir die Apps und Services da eigentlich ab, und was bedeutet es wenn Dinge auf einmal mit nur einem Klick erledigt werden?

Verlieren wir damit gegebenenfalls auch etwas? Wie sieht Wertschätzung und Wertschöpfung innerhalb dieser Prozesse aus?

Aber vielleicht erst noch einen Schritt zurück.

Das gute alte Mixtape

Vor ein paar Monaten stand ich mit Anne im betahaus Hamburg und wir warfen uns verbal eine Idee hin und her.

Wie cool Mixtapes “damals” waren und was ein Mixtape in der heutigen Zeit wäre.

Die Idee eines Mixtapes: Ein Geschenk — ein Mixtape, zusammengestellt, von einem Menschen für einen anderen, als persönliches Geschenk. Inklusive physischem Medium.

Was macht das Mixtape zu einem wertvollen Geschenk?

Das Bücher- und Musikregal von früher hat sich gewandelt. Der Wert von Musik und Kulturgütern im digitalen Zeitalter hat sich drastisch verändert.

Vor den Zeiten von MP3 und Co war Musik nicht immer und überall verfügbar. So war der Zugriff und das physische Medium — „Ich hab endlich das neue Album” — eine Art Statussymbol im Freundeskreis.

Der Wert ergab sich aus dem beschränkten Zugriff und Verfügbarkeit, der Kopplung an physische Medien im Falle von z.B. Mix Tapes in dem Aufwand der Herstellung und dem Ideologischen Wert.

Die persönliche Zusammenstellung und der Aufwand der schenkenden Person. Welche Songs passen? Welche Songs verbinden uns? Was beschreibt die Beziehung? Was könnte dem- oder derjenigen gefallen? Welche Ideen könnten noch einen besonderen Twist geben oder eine besondere Freude bereiten?

Heutzutage hingegen kann ich ohne Probleme mit fast allen Songs der Welt eine digitale Playlist erstellen, diese online teilen und jemanden damit „beschenken“.

Hat es den gleichen Stellenwert wie ein „original“ Mixtape?

Einen Schritt weiter erstellen Algorithmen von heute und morgen Playlisten am laufendem Band — in Sekunden — basierend auf den Hörgewohnheiten der Nutzer.

Nach Abzug von allem: Welchen zwischenmenschlichen Wert hat es dann aber eine automatisch generierte Playlist zu verschenken?

Kassette vs. CD vs. Spotify Playlist vs. Automatisch erstellte Playlist

Was bleibt vom Geschenk “Mixtape”, wenn das Kulturgut um das es geht auf einmal unsichtbar ist und ihre physische Hülle verliert?

Die geistige Leistung der Zusammenstellung entsprechender Tracks, die die persönliche Beziehung oder eine entsprechende Intention widerspiegeln und die investierte Arbeits- oder Freizeit, um den Mix zusammenzustellen und zu kuratieren.

Doch ersetzen wir auch diesen zwischenmenschlichen Faktor ebenfalls durch ein Algorithmus oder neuronales Netz, was bleibt dann noch außer dem Wert der Songs?

Ein klick zum Happy Birthday

In eine ähnliche Kategorie könnte man das Gratulieren via Facebook einordnen. Welchen Wert hat ein Posting auf der Pinnwand bei Facebook in Bezug auf die persönliche Beziehung?

Wie „wertvoll“ ist eine Gratulation, wenn es keinen Aufwand bedeutet und die Texte teilweise schon vorgegeben werden?

(Bei Xing kann ich die Nachrichten im Vorfeld vorbereiten, ich muss gar nicht mehr am selben Tag daran denken.)

In den sozialen Netzwerken entsteht ein künstlich geschaffener bzw. virtueller „Wert“ der Aufmerksamkeit (ich sammle likes und fühl mich gut).

Genau der hat, zumindest für mich, in diesem Zusammenhang keinen, oder nur einen sehr geringen Wert.

Ein mehr oder weniger automatisierter Prozess mit minimaler menschlicher Interaktion ohne Emotion oder Beziehung. Es wirkt eher wie sozialer Druck oder eine Verpflichtung, jemanden zu gratulieren, auch wenn man seit Jahren kein Kontakt hatte, als dass es erst gemeinte soziale Interaktion ist.

Natürlich ist es komfortabel via Facebook zu gratulieren, die soziale „Verpflichtung“ erledigen, mit einem Klick. Kein großer Aufwand, keine Eigeninitiative. Aber wenn der Klick nichts mehr Wert ist, kann ich ihn mir vielleicht auch gleich sparen. Möglicherweise spricht hier aber auch nur meine sehr spezielle Beziehung zu Geburtstagen (dazu vielleicht mal mehr an anderer Stelle).

Der persönliche Anruf, Facetime Video call oder die persönlich formulierte Nachricht scheint als etwas komplett anders und wertvolleres als das „Happy Birthday“ auf der Facebook Pinnwand.

Erfüllung von sozialer Konvention, getriggert durch entsprechende Reminder auf sozialen Netzwerken gleicht einer Entwertung eben dieser.

Dabei erscheint mir nicht die Erinnerung als Problem, sondern eher die semi-automatisierte Erleichterung des sozialen Drucks auf Knopfdruck. Menschliches verhalten automatisiert — oder irgendwie ferngesteuert.

Zurück zum Fotobuch

Welchen Wert hat also das von neuronalen Netzen erstellte Fotobuch oder Mixtape im Bezug auf Zwischenmenschlichkeit? Entsteht der Wert durch die persönliche Zusammenstellung der Fotos oder durch das Ausdrucken auf Papier?

Natürlich haben die Bilder und die Erinnerung selber noch einen Wert. Und meine Großmutter wird sich sicherlich über ein solches Geschenk freuen, aber den gleichen Stellenwert wie ein selbst erstellen Buch erkenne ich nicht. Algorithmisch bestimmter Massengeschmack und Einheitsbrei gegen individuellen Ausdruck und menschlicher Kreativität.

Kann man das vielleicht als Entwertung durch Automatisierung bezeichnen?

Der schmale Grad zwischen Automatisierung und Kontrollverlust

Technologisch betrachtet ist natürlich beachtlich, welche Möglichkeiten sich uns heutzutage bieten. Diese Art der Technologie bringt viel gutes und wahnsinniges Potential mit sich. Aber bis zu welchem Grad machen diese Features Sinn und ab wann fangen wir an „soziale Interaktion“ zu entwerten und Probleme zu lösen die sich eigentlich über den zwischenmenschlichen Wert definieren.

Eine Präselektion von Bildern, das Herausfiltern von Doubletten, Sortierung nach Personen, Orten oder Events sind nützliche Werkzeuge die uns effizienter machen in dem was wir tun. Im Idealfall ermöglichen sie uns bessere Ergebnisse in unseren Vorhaben z.B. Fotobücher oder Mixtapes zu erstellen.

Der letzte Schritt der uns abgenommen wird, lässt mich stutzig werden. Wann bietet es uns einen wirklichen Mehrwert als Werkzeug, welches wir nach bedarf nutzen und wann nimmt es uns etwas, was uns als Menschen bzw. unserer Beziehung untereinander ausmacht?

Sind all diese Features noch eine nicht invasive Unterstützung in unserem handeln und unserem output oder werden all die Dinge durch unikonforme “Ein Klick Lösungen” ersetzt ohne wirkliches eigenes Zutun.

Ich verstehe Technologie als Werkzeug, dass mich unterstützen soll. Mark Weiser formulierte dazu:

A good tool is an invisible tool. By invisible, I mean that the tool does not intrude on your consciousness; you focus on the task, not the tool. Eyeglasses are a good tool — you look at the world, not the eyeglasses.
Aus http://www.ubiq.com/hypertext/weiser/ACMInteractions2.html

Wenn wir aber durch das Werkzeug, das wir nutzen, den Wert des Produktes mindern müssen wir uns die Frage stellen, ob das Werkzeug das richtige ist.

Teilweise wirkt es wie ein externer Trigger, auf den wir reaktiv agieren. Zeit- und Aufwand-Effizient — aber dadurch irgendwie auch wertfrei.

Der persönliche Geburtstagsanruf macht mehr Spaß und bleibt mehr in Erinnerung. Aber sobald wir nur noch vorgefertigte Wege beschreiten, entledigen wir (oder Facebook & co) uns unser Individualität zusammen mit unseren Fehlern, z.B. den Geburtstagsanruf trotz Erinnerung auch mal zu vergessen.

Und jetzt?

Was wollen wir eigentlich lösen, und bis zu welchem Punkt?

Weiser beschreibt, dass Technologie uns als Werkzeug für Problemlösung bzw. die Vereinfachung von Problemlösungen dienen soll. Sie soll uns effizienter machen, aber uns gleichzeitig die Kontrolle überlassen. Ist es Aufgabe von Technologie, Zwischenmenschlichkeit zu automatisieren oder mir zu ermöglichen, meine Zeit effektiver zu nutzen und dafür zu Sorgen, mehr Zeit für eben jene zu haben?

Ziel sollte doch sein, dank technologischem Fortschritt, bessere individuelle Ergebnisse zu erzielen. Immer öfter beschleicht mich das Gefühl, an vielen Stellen lösen wir die “falschen” Probleme. Warum? Vermutlich weil wir’s können und uns nicht die Frage stellen, ob wir es auch sollten oder was wir dabei verlieren oder wogegen wir es tauschen.

To be continued
Ein paar großartige Leute haben das hier vorab gelesen. Daraufhin sind schon viele weitere spannende Ideen und Sichtweisen dazu gekommen, dass das ganze hier vielleicht noch eine Fortsetzung bekommen wird.

Danke an Michael, Thomas & Dirk fürs Probelesen, euer Feedback und der Ermutigung hier auch auf veröffentlichen zu klicken.

Let’s Talk Design Patterns – produktbezogen im Gespräch mit Laura Elizabeth

Wie startet man eine Pattern Library? Wie überzeugt man seine Organisation, sein Management beziehungsweise seine Kunden in den Aufbau einer Pattern Library zu investieren? Wie schafft man es, dass dann auch wirklich produktiv damit gearbeitet wird? Diesen Fragen ist die englische Designerin Laura Elizabeth zuletzt nachgegangen. Im Rahmen ihrer Forschungen hat sie auch ein Interview mit mir gemacht. Die Gelegenheit habe ich genutzt, den Spieß einmal umzudrehen und sie über die Ergebnisse ihrer Nachforschungen auszufragen. Viel Spaß beim Lesen.

 

Hey Laura, great to meet you. After you interviewing me about OTTO’s pattern library it’s my turn. First of all, please tell our readers a little bit about yourself.

Hey Wolf! Happy to return the favour, I hope my answers will be as helpful as yours were 🙂

I’m Laura Elizabeth and I’m a designer turned product creator. I’ve run a small design business for the past 5 years where I worked with companies to improve the design and UX of their websites.

I’ve recently launched my first product: Client Portal which is a simple dashboard for freelancers and agencies to use with their clients to keep them up to date with a project’s process and deliverables. I also run Design Academy which aims to teach developers how to design (in a non-pretentious way).

 

You had the opportunity to talk at the Smashing Conference San Francisco. That’s huge, congratulations! How was your experience?

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produktbezogen.de – Der Blog für Produktmanagement und User Experience Design
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Sind wir die Grauen Herren aus Michael Endes Momo und stehlen den Menschen ihre Lebenszeit?

Endlich! Das Video von Sebastian Deterding ist Online. Der wohl umstrittenste aber auch meist nachgefragte Talk der diesjährigen MTPEngage ist seit heute online verfügbar. (Ich persönlich fand den Talk übrigens grandios!)

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Common sense would suggest that if people see 8 minute read on a teaser, they’d be hesitant to…

Common sense would suggest that if people see 8 minute read on a teaser, they’d be hesitant to click it. However, I do not see this behavior when I look at my articles’ stats. My longer articles (7–8 minutes) ended up being viewed the most. Now, this does not mean that I believe longer articles click better; more that I do not see a direct link between article length and clicks on articles.

What I do see though is that shorter articles (4–5 minutes) have better completion rates. Meaning that there is a higher share of readers who start a post and finish reading it. Medium tracks this with the “Read Ratio” statistic. The observation makes sense to me: The more time it takes to finish your article, the higher the chance that something else draws the reader away from it. Improving your posts’ “read ratio” is thus another good reasons to keep articles short and concise. Yet, I do not try to limit my writing to 4–5 minute articles just because of this.

Thanks for reading my post and this good question, Carl Burton 🙂

12.07.2017 MITTWOCH Gerrit Kuhn http://studios.bfgf.de/

12.07.2017 MITTWOCH Gerrit Kuhn http://studios.bfgf.de/

Regionaltreffen Hamburg

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VerA ist der Verband der Ausstellungsgestalter in Deutschland und vereint alle Ausstellungsschaffeden aus den Disziplinen Kuration, Architektur und Szenografie, sowie Text, Grafik und audiovisuelle Medien. http://www.vera-d.org

VerA zu Gast bei : BFGF DESIGN STUDIOS, Gerrit Kuhn

Herzliche Einladung zum nächsten VerA Regionaltreffen mit Gerrit Kuhn von BFGF. Er wird uns über die Art und Weise wie BFGF arbeitet informieren und von laufenden Projekten berichten. Hier eine kurze Einführung:

BFGF DESIGN GRUPPE
Wir glauben, dass am Markt nur Unternehmen Bestand haben werden, die intelligent mit Gesundheit, Material und unseren natürlichen Ressourcen umgehen.

BFGF heißt Büro für Gestaltungsfragen. Wir diskutieren, gestalten, produzieren und konzipieren seit dem Studium gemeinsam. Unser Humor und unsere Streitkultur sind fester Bestandteil unserer Arbeitsweise. Das macht uns und unser Unternehmen aus, das verbindet uns. Die Grundlagen unseres Designdiskurses entwickelten wir an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Persönlichkeiten wie Dieter Rams und Peter Raake begleiteten unser Studium an der HfbK. Design ist für uns ein gedanklicher Prozess, der nicht in einem Stil endet. Täglich fordern wir uns gegenseitig heraus, unsere Vorstellung von Design weiterzuentwickeln. Wir stellen Fragen, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind. Für ein bestmögliches Ergebnis. Und zur Zufriedenheit unserer Kunden.

Website
http://bfgf.de


Ich freue mich auf Ihr kommen.
Bis später,
Sven Klomp

°T E R M I N 
Mittwoch 12.07.2017 19:00 - 21:00

Wer kommt trägt sich bitte in die Liste ein 
http://doodle.com/poll/t5bzbwt2whesffik

°M I T B R I N G E N 
Wie immer bringt jeder eine Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken mit.

°O R T  
BFGF GMBH & CO. KG, LIPPMANNSTR. 53-55, 22769 HAMBURG
°S A V E  T H E   D A T E S
05.09.2017 Philipp Schwerdtfeger 
http://www.schwerdtfeger-vogt.de/
10.10.2017 
Prof. Vera Doerk 
https://www.amdnet.de/

07.11. 2017 Kristina Bacht 
http://hamburg.ait-architektursalon.de/
° D A N K E S C H Ö N 
Herzlichen Dank an Carl Philipp Nies www.kulturstiftung-bund.de/stadtmuseum für seinen Vortrag zum Thema "Stadtgefährten - Fonds für Stadtmuseen in neuen Partnerschaften".
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Die Facebook Szenografie Gruppe
VerA Regionaltreffen für Hamburg und Norddeutschland
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VerA Hamburg – Verband der Ausstellungsgestalter in Deutschland e.V.

Sven Klomp
Regionalleiter für Hamburg und Nordeutschland

Kontakt: klomp@vera-d.org
Rödingsmarkt 14 · 20459 Hamburg
+49 178 721 06 51

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